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Gedanen zu Tee und Weg

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Krabbenhueter

Ich stelle mir vor, dass ich in meinem Garten sitze, auf meine austreibenden, grünen Bäume schaue, um Tee zu trinken.

Da habe ich meine Ruhe, entdecke den Tee…

 

Manchmal dagegen fahre ich in die Stadt, an einen ganz bestimmten Ort, in ein ganz spezielles Lokal und setze mich dort an meinen speziellen Tisch. Dann trinke ich dort einen Tee. Und wenn gerade jemand anderes  Interesse hat, setzt er sich einfach dazu und wir trinken etwas Tee gemeinsam.

 

Ich könnte auch ein Bild von meinem Tee machen, einige Worte dazu schreiben und das dann an eine Wand des Lokals anhaften, für andere zum Lesen und betrachten. Und falls ich dann eine interessante Antwort – Reaktion darauf erhalte, würde ich vielleicht auch wieder darauf reagieren…

 

Das ist ein Wunschtraum von mir.

Und doch ist es auch Wirklichkeit. Es gibt diesen Ort in meiner Stadt, sogar mehrmals.

Es gibt diese Wand im Netzt, genannt Teetalk – Forum.

 

 

 

Krabbenhueter

So lange ich unsicher bin, suche ich den Rat anderer. Ich folge deren Ratschlägen so lange, bis ich sie durch meine eigenen Erkenntnisse ersetzen kann. Dann befreie ich mich von diesen und werde auf meinem Weg unabhängiger. Für mich ist richtig oder falsch unwichtig geworden. Jeder folgt seinem Interesse und zeigt durch sein Wirken eine Möglichkeit, Tee zu benutzen. Ich danke allen, die mir durch ihr Beispiel zeigen, wie ich mit Tee umgehen sollte.

Ich habe mich dafür entschieden, verschiedene Teesorten zu bevorzugen. Aber nur, weil Tee eben zu vielfältig ist, als dass ich mich mit allen gleichzeitig beschäftigen könnte. Ich musste diese Erkenntnis erst selbst realisieren um mein hilfloses Umherspringen zwischen den Extremen zu verringern.

Maße ich mir an, zu entscheiden, welcher Tee gut oder welcher sogar schlecht ist? Dazu sollte ich mich nicht verleiten lassen. Ich habe selbst viel zu geringe Erfahrungen um entscheiden zu können. Da hilft nur Geduld und viel Tee, der erst einmal getrunken werden sollte.

Tee in „sozialen Netzwerken“ habe ich versucht. Nur letztendlich musste ich erkennen, dass ich nicht in der Lage bin, diesem Überangebot angemessen zu folgen. Vielmehr habe ich ein Gefühl, als wenn mir die Zeit für den Tee selbst „abgesaugt“ wird. Ich folge nur noch den anderen, meine geringe Geschichte ist schon erzählt und bietet keinen weiteren Reiz, es sei denn, ich fange an, für andere etwas zu erfinden, was ich nicht habe.

Jetzt trete ich in ein neues Kapitel meiner Teegeschichte ein und folge dem, was ich selbst für mich entdeckt habe. Ein Schritt zurück und schauen, was passiert. Keine voreiligen Beurteilungen und dafür mehr Beobachtung. Das bedeutet auch den Tee in vielfältigen Gegebenheiten zu gießen ohne sie direkt gegeneinander abzuwägen, welche denn nun „besser“ erscheint. Daraus ergeben sich Tees, die für jeden Augenblick besser geeignet sind. Das trifft für mich zu, weniger dagegen für jeden anderen. Das muss dann jeder für sich selbst entscheiden. Ich nehme mich da heraus, für andere das Vorbild zu sein. Erst muss ich mein eigenes Befinden harmonisieren, bevor für andere als Beispiel geeignet bin.

Etwas loslassen ist schmerzlich, aber auch schön, wenn es gelingt. So betrachtet ist es eine Erleichterung für mich das zu erkennen. Ich vereinfache um genauer erkennen zu können, wie etwas funktioniert. Das ist eine Entwicklung, die immer wieder angetrieben werden muss. Aber letztendlich kann man das Prinzip dann auf alles anwenden. Und für den Tee bedeutet das keine Ende sondern die Konzentration auf etwas Wesentliches und das Ignorieren von zu Vielem und Unwichtigem.

Wird fortgesetzt.

Krabbenhueter

Puerh – du bist ein Abgrund!

Erst stellt sich mir die Frage, ob er gefällt oder nicht. Die Antwort ist oft eher „Naja“. Dann leuchtet es auf wie ein Blitz am Wolkenhimmel, der kurz den regennassen Ort erhellt. „Oh“ und „Ah“ und gleich wieder „Naja“.

Gut, nicht jeder ist gleich. Der eine umschmeichelt meinen Gaumen, der andere erschlägt mich mit seiner Bitterkeit. Da ist einer muffig wie ein Loch oder luftig und hell wie eine Wiese voll Kräuter.

Nun denn, ich weiß, was ich will und durchschreite endlich die Tür ins Puerh – Paradies. Ich gehe schnell, als ob ich schon im Gehen befürchte, diesen Schritt zu bereuen. Noch ein Schluck, noch ein Schritt, „Mhhhh“. Und da ist er schon da! Bodenlos falle ich tief in die Weite. Der Abgrund hat sich geöffnet für mich.

Aber, keine Angst, schon beim Fallen kann ich genießen. Hier ein schöner Schluck, dort ein ernsthaft strenger von dem ich mich gern wieder abwende.

Kann ich meinem Geschmack überhaupt trauen? Geschmack verändert sich, ich verändere mich. Schlecht oder gut, schlicht oder komplex. Jetzt noch „Naja“ und bald schon sehr gut. Wer weiß das schon vorher.

Hinter jeder gewohnten Geschmacksrichtung tauchen neue auf. Andere verschwinden dafür in Bedeutungslosigkeit. Die Vielfalt droht mich zu erschlagen.

Will ich nun jeden Geschmack erkennen, beschreiben und einen Zettel anhängen? Sollen sie in Schubladen liegen, für später bereit als Beispiel zum Vorzeigen? Ergibt das komplexe Gewirr von Eindrücken, oft nur Illusion,für das nächste Mal etwas ganz anderes?

Ach, was soll ich mich jetzt schon darum scheren? Sei es wie es sei. Noch viele werden sich mir anbieten. Noch oft mich ihr Geschmack begeistern oder abschrecken. Ich freu mich darauf, auf beides. Nehme mich zurück, lasse die Tees für sich sprechen.

Der Abgrund ist groß. Aber ich kann eben nur fallen. Vieles gilt es dabei zu sehen. Der Umgang mit den Puerhs wird sicherer und doch auch freier von beengenden Regeln. Der Tee sagt mir selbst, wie er behandelt werden möchte. Ich muss nur leise sein und es verstehen können. Da gilt es meine Meinung abzustellen und aufzulösen. Erst dann entsteht ein neues Bild, wachsen Aromen, entfalten sich oft unerwartet wie Blumen auf einer Wiese.

Plötzlich kriecht eine Schnecke über den Weg, ich blicke ihr nach. Die Zeit dehnt sich, denn ich staune darüber, wie schnell sie weitergezogen ist.

Und dann ist das Fallen auch eigentlich ein Schweben, ein Fliegen, wie eine Wolke am Himmel. Da ist kein beängstigender Abgrund mehr, nur Weite. Für jeden ist Platz darin. Jeder findet bevorzugte Orte, egal, wie sie sich nennen.

Puerh ist groß, eine eigene Welt. Und ich freue mich, diese Tür geöffnet zu haben. Immer wieder schreite ich hindurch, lasse mich fallen, fliege, genieße die Bilder und Düfte.

Krabbenhueter

blog-0777615001359924360.jpgAls ich meinen ersten Puerh wahrnahm, einen Tee also, der sich eigentlich nicht Puerh nennen durfte, weil er aus dem Bergland von Thailand kam, der mir aber zum ersten Mal diesen typischen Geschmack in den Mund brachte, der sich erst im Nachhinein als Puerh – Geschmack zu erkennen geben sollte ...

Mal davon abgesehen, dass ich kleine schwarze in einen Fingerhut gepresste Krümel eher als schlechten schwarzen Kaffee deklarierte, obwohl Puerh auf dem Karton stand und die gleichen allerdings grünen Krümel, die mir von einem Chinesen geschenkt wurden, eher als gesunde Kräuter ansah.

Also, da ist ein echt eigenartiger Geschmack, der mir ehrlich ins Gesicht schreit, dass er eben kein lieber gerollter Bergtee von der Insel ist, der mir, so ich ihn falsch behandle, auch mal den Hals kratzt und mir direkt ins Gesicht schlägt.

Ich sehe durch ein Schlüsselloch an einer Tür, an der 10 000 andere Menschen einfach achtlos vorbeigehen und sehe eine Welt, die mit jedem Blick größer und immer größer wird. Und je genauer ich hinsehe, mir immer mehr Facetten offenbart, die ich zum Teil auch nicht sehen will.

Ich bin schon durch das Schlüsselloch hindurch und hinterlasse vor der Tür eine Welt, die mich sowieso nicht versteht, die den Tee nicht versteht und weshalb ich selbst diesen Tee auch nicht verstehe.

Und greife ich zu, fange ich an etwas zu begreifen, so entschlüpft es mir doch sogleich wieder,zieht sich zurück hinter eine Wand aus Show und Urteilen, Vorurteilen und Meinungen anderer.

Ich sage einfach, der Tee ist schön, er gefällt mir oder er gefällt mir nicht, manchmal beides zugleich.

Ich denke an den Klotz alter Blätter, wie zusammengefegt im Herbst, der mir gefällt. Blätter, die zum Teil nur noch Gerippe sind, so zart, dass sie im Wind zerfallen würden. Ist das Puerh?

Muss der Tee duften und schmecken, als würde ich an einem alten Schuppen die Tür öffnen und ins Dunkle starren, sich mir leicht die Nackenhaare aufrichtend, weil ich die Mäuse leise trippeln höre?

Der Weg führt mich zurück ins Grüne. Der Tee wird jünger, strenger und plötzlich überlege ich, weshalb Puerh eigentlich so jung schon verkauft werden muss, warum ich solchen jungen Tee eigentlich kaufen sollte, wenn ich nichts weiter vorhabe, als ab und zu mal diesen Geschmack zu erleben, der in diesem jungen Gemüse einfach noch nicht enthalten ist.

Nun ist das Abenteuer so weit vorangetrieben, dass ich mir erlaube, einen eigenen Geschmack zu entwickeln.

Muss ich alles probieren, nur weil es Puerh genannt wird?

Ja, es macht Spaß und zeigt mir, wie weit diese Welt reicht. Und doch kreist alles immer wieder um diesen Geschmack, den ich vermisse, entdecke, nicht fasse, verliere,...

Ich denke, es ist Zeit Geschmack zu entwickeln. Weniger Vielfalt, öfters den gleichen probieren, mit verschiedenen Methoden den Tee zu behandeln. Auch einfach mal nur den Tee zu gießen ohne Beurteilung, ohne Bewertung, Vergleich, einfach Ritual und genießen.

Warum trinke ich Tee?

Nicht um Erbsen zu zählen!

Zwischen Extremen wandernd versuche ich meinen Geschmack zu finden, einen Geschmack, der mich begleiten darf, dem ich dann auch ein eigenes Kännchen widmen würde. Jeder Geschmack ein Kännchen bis das der Kuchen verbraucht ist. Nun das ist vielleicht Zukunft nur wage vorstellbar.

Tee der mir heute gefällt ist morgen geschmacklich vergangen. Warum sich da mit einer Menge eindecken, die später vielleicht unberührt verstaubt?

Also, weiter geht’s auf dem Weg ...

Krabbenhueter

Warum ich (k)einen blog schreibe ...

Liebes Tagebuch,

heute sollst du die Geschichte erfahren, wie ich ganz einsam im Wald stand und den Schnee rieseln hörte...

Wen interessiert das schon?

Gut, ich bin es los, endlich los und kann mich besser auf meine Kungfucha konzentrieren.

Meditativ im Schnee stehen und meditativ Tee gießen ist sehr ähnlich und vielleicht für die anderen auch interessant, wenn sie verstehen, was wirklich dabei nicht gesagt wird.

Aber (ver)führt dieses inflationäre Entstehen und damit Lesen von blogs nicht dazu, den eigenen Weg zu verlassen und sprunghaft anderen Leuten in ihren Fußstapfen zu folgen, die wiederum inspiriert von anderen ihren Weg schon lange verlassen haben?

Eigentlich sehne ich mich mehr danach, jetzt draußen im Schnee zu stehen (auch wenn mir die Beine schmerzen) oder einfach Tee zu gießen oder am besten draußen im Schnee, Tee zu gießen...

Der Schnee fällt mit einem leisen tickenden Geräusch auf die Zweige der Bäume. Und wirklich, oben in der Kiefer, drei Bäume rechts von mir, klopft ein Specht nach Würmern!

Tack, Tack, Tack – Pause – Tack, Tack, Tack, ...

Klischees, Idylle, zerrissen vom Schmerz meiner Beine – ha ha, das ist Leben!

Und doch habe ich noch leicht den Geschmack eines Tees im Mund, auf der Zunge, den ich vorhin, daheim gegossen hatte. usw...

Ich schreibe keinen blog um anderen einen Gefallen zu tun, Wissen anzuhäufen oder geheimste innere Gedanken nach außen zu stülpen.

Letztendlich habe ich nicht genug, dass es ausreicht einen blog mit Leben zu füllen.

Aber vielleicht interessiert es jemanden, wie ich letztens meinen Puerh zubereitet habe. Dieses Geräusch, das mich angenehm in den Schlaf verfolgen könnte, wenn ich mit meiner Nadel zwischen die trockenen Blätter den Raum suchend, eindringe, um sie vorsichtig voneinander zu trennen. Ich könnte eine ganze Scheibe so zerlegen, einfach nur des Zerlegens willen, nur um dabei diesem entstehenden knisternden Geräusch zu lauschen und den Geruch atmen zu können, der mir so fremd und doch auch so vertraut erscheint.

Schreiben – nicht schreiben...

Es ist ein Spiel.

Wer gerade vorbeikommt, ist eingeladen, darf dabei sein.

Als wenn ich mitten im Wald Tee gieße und jeder der gerade da ist, darf probieren, mit mir genießen.

Nein, ich setzte mich nicht mitten auf den Boulevard, wo ich weiß, dass mich jeder sieht, ich nicht zu übersehen bin. Mache keine Show für den Applaus.

Hier im Wald ist es schön und kommt keiner vorbei, trinke ich den Tee selbst, allein, genieße den Weg seines Entstehens, die Geräusche – die Ruhe.

Es darf nicht zur Last werden, zum Zwang, die Erwartungen schürend – befriedigend.

Vielleicht schreib ich doch einen blog – natürlich, darauf läuft es letztendlich hinaus.

Krabbenhueter