• Einträge
    11
  • Kommentare
    55
  • Aufrufe
    2.111

Bangwei Gushu 2016 - Fladen vs. Kugel

Nachdem letzte Woche @SilonijChai von der Bangwei Gushu Kugel aus dem CNNP/HQF 9 Berge Tasting-Set extrem begeistert war, bin ich von meiner ursprünglichen Idee, meinen Bangwei Fladen zunächst nicht aufzubrechen, sofort abgewichen. Damit ergab sich die interessante Möglichkeit Fladen und Kugel parallel zu verkosten und so möglichst gut miteinander zu vergleichen.

In beiden Fällen handelt es sich um Bangwei Gushu Material aus der Frühlingsernte 2016, eingekauft und verarbeitet durch CNNP bzw. HQF. Im Falle des 357g Fladens war das Pressdatum der 19. April. Laut dem Einkäufer des Maochas für beide Produkte sollte der Fladen noch einen Tick hochwertiger sein. Die Kugeln sind nur als Set verfügbar, der Fladen kostet ca. 80€, d.h. ca. 0,22 €t/g.

Zum parallelen Setup habe ich zwei Porzellan Gaiwans mit ca. 90ml, jeweils 7.5g Tee und 95°+ Lauretana verwendet. Bis auf die höhere Dosierung durch die Größe der Kugel ist dies quasi mein Standard für den Parallelvergleich. Auf den Bildern im Folgenden ist links immer die Kugel und rechts der Fladen zu sehen.

Die ersten beiden Aufgüsse nach dem obligatorischen Waschgang konnten nicht sinnvoll verglichen werden, da die Kugel in der Mitte relativ hart ist und daher noch nicht komplett aufgegangen war. Ab dem dritten Aufguss sind die Blätter aber komplett gelöst. Der Aufguss der Kugel ist im Vergleich zum Fladen zunächst etwas trüber, der Fladen von Farbton etwas dunkler. Da ich aber aktuell nur zwei unterschiedliche Glaspitcher verwenden kann, sollte man den Unterschied im Farbton nicht überbewerten. Während die Kugel etwas bitterer in den Aufgüssen 3-5 ist, wirkt der Fladen auch auf der Zunge klarer und scheint allgemein ein etwas schärferes, deutlicheres Profil zu haben. Ab dem 7. Aufguss ist die leichte Trübe der Kugel komplett verschwunden, beide Tees sind sehr klar und auch der Farbton passt sich an.

Soviel zu den kleinen aber feinen Unterschieden. Allgemein ist dieser Tee ein sehr starker Allrounder, für mich bisher ohne Schwäche. Sehr viel Power, leicht bitter, schönes Huigan, in späteren Aufgüssen findet man die Süße auch schon direkt im Aufguss, extrem dicke Textur und - das beste zum Schluss - die Farbe! Ich meine diese dunkle, klare Farbe kam ja schon super auf dem Bild von @SilonijChai zur Geltung. Wirklich bemerkenswert für einen Tee des aktuellen Jahres, der erst vor wenigen Monaten gepflückt und danach sofort gepresst (Fladen) bzw. von Hand gerollt (Kugel) wurde. Durch die hohe Dosierung habe ich zunächst nur sehr kurze Ziehzeiten verwendet. Aber nach dem 15. Aufguss wird der Tee merklich flacher und nach dem 18. war für mich Schluss. Zum Thema Wirkung, da extrem subjektiv, nur so viel: Ja, Wirkung war für mich definitiv vorhanden und ich empfand sie als durchweg positiv.

Fazit und Bewertung

Der Bangwei 2016 ist wirklich ein toller Tee - dicht, komplex, ausgewogen und mit klarer, bereits jetzt schon sehr dunkler Farbe. Das Spektrum dieses Tee ist erstaunlich ausgewogen, da kein Aspekt zu stark ausgeprägt ist so dass er Anderes überlagern könnte. Schwächen oder irgendwelche Off-Tastes waren für mich nicht erkennbar. Mit 80€ für 357g ist dies daher für mich bisher das beste Preisleistungsverhältnis aus dem Jahrgang 2016.

Fladen 91-94

Kugel 91-93

IMG_1916.JPG

IMG_1917.JPG

IMG_1918.JPG

IMG_1919.JPG

IMG_1923.JPG

IMG_1926.JPG

IMG_1928.JPG

IMG_1929.JPG

IMG_1930.JPG

IMG_1933.JPG



4 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Danke für den Vergleich!

Das letzte Foto ... doch ein ordentlicher Unterschied.

Den Fladen würde ich ehrlich gerne mal verkosten, auch um in diese edle CNNP Unterbrand reinzuschmecken, von der ihr ja ziemlich begeistert seid.

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Guck mal genau auf die Stängel ...

Zitat

Laut dem Einkäufer des Maochas für beide Produkte sollte der Fladen noch einen Tick hochwertiger sein.

... der Kerl scheint die Wahrheit zu sagen und dabei sogar noch zu untertrieben.

Das alleine heisst allerdings noch nicht, dass auch die Ortsangabe authentisch ist, aber es ist doch eine positivie Tendenz.

bearbeitet von GoldenTurtle

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!

Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.

Jetzt anmelden
  • Aktuelle Blogeinträge

    • Von RobertC in Mein digitales Teetagebuch
         2
      Heute habe ich zwei unterschiedliche Gyokuro Qualitäten von Marukyu-Koyamaen parallel mit Eiswürfeln zubereitet - Suiteki vs. Hisa Homare.
      Teegenuss wie für diesen Sommer gemacht 😍 und eine wie immer sehr lehrreiche Parallelverkostung 🙏




    • Von AnnaRosenblatt in Anna Rosenblatt
         1
      Matcha Tee gehört in Japan und China bereits seit Jahrhunderten zum Grundnahrungsmittel und ist bekannt für seine gesundheitlichen Vorteile. In Europa setzt sich der Wundertee auch immer mehr durch, und das zu Recht. Sogar Buddhistische Mönche schwören auf die entspannende Wirkung des Matcha Tees. Diese trinken ihn nämlich um innere Ruhe zu erlangen und der Tee wird deshalb auch vor Meditationen empfohlen.
       
      Woran das liegt? Wer Matcha Tee trinkt, fördert die Produktion von Alpha-Wellen im Gehirn durch dessen Anteil der Aminosäure L-Theanin. Wir werden also nicht schläfrig, sondern sind stattdessen wachsam und entspannt. Dadurch kann auch der Stressfaktor effektiv gesenkt werden und der grüne Wunder- Tee wirkt als fantastischer Stresskiller.
       
      Die vielseitige Teepflanze kommt aus Japan und ihr Anbau, die Ernte und Verarbeitung der Blätter ist alles andere als einfach. Ca. drei Wochen vor der Ernte wird die Pflanze beschattet, was zur Folge hat, dass Koffein, Aminosäuren und Chlorophyll zusammen mit Bitterstoffen in den Blättern angereichert werden. Sind die frischen Blätter dann aber gepflückt, werden sie getrocknet, um danach in mühsamer Handarbeit die Stängel zu entfernen. Das leuchtende Grün des Tee Pulvers entsteht dann in einem langwierigen Mahlprozess in einer Steinmühle. Dies erklärt auch, warum der mittlerweile in Europa so beliebte Tee ziemlich teuer sein kann. Nur etwa 4% der Matcha Tee Ernte wird aus Japan exportiert und die Nachfrage ist groß.
       
      Matcha wird im heimatlichen Japan mit 80 Grad heißem Wasser übergossen und mit einem Bambusbesen aufgeschlagen. Man zelebriert in einer traditionellen Teezeremonie dieses sehr edle Getränk. Hierzulande darf das Pulver aber auch mit dem Milchschäumer vermischt werden. Viele Teeläden bieten allerdings eine gute Auswahl an Utensilien zur authentischen Verarbeitung an.
       
      Die Konzentration der wertvollen Inhaltsstoffe in einer Tasse Matcha Tee ist deutlich höher als bei einer normalen Tasse Tee und kann zu 100% vom Körper aufgenommen werden. Matcha ist sehr reich an Vitaminen A, B und E. Es wird dem Grünen Tee sogar nachgesagt, mehr Vitamin C als eine Orange zu haben, was das Immunsystem stärkt und zu einem gesunden Lebensstil beiträgt.
       
      Wer gerne ein paar Kilo Körpergewicht verlieren möchte, dem hilft Matcha ebenfalls, da der Tee den Stoffwechsel steigert und den Cholesterinspiegel reduziert. Nicht umsonst wird er oft auch als “Trank der Unsterblichkeit” angepriesen. Nicht nur unterstützt er das Immunsystem, er reguliert den Blutdruck und wirkt verjüngend auf die Zellkultur der Haut. Zusätzlich unterstützt er eine schützende Wirkung von Karies, aufgrund von Fluorverbindungen. Matcha Tee kann also Cholesterin senken, Blutdruck senken und beim Abnehmen helfen- was will man mehr?  
       
      Matcha ist wohl am meisten bekannt, als gesunde Alternative zu Kaffee. Da das Koffein erst im Darm freigesetzt wird, spürt man einen belebenden Effekt erst nach einiger Zeit, dafür hält er aber viel länger an. Anders als bei Kaffee, dessen Koffein bereits im Magen freigesetzt wird - die Wirkung tritt sofort ein, hält aber deutlich kürzer an. So wirkt der Tee konzentrationssteigernd und das für einen deutlich längeren Zeitraum als Kaffee.
       
    • Von Jinx in Tee mit Jinx
         3
      Was ist Mate?
      Mate ist kein Tee, sondern die Blätter eines südamerikanischen Strauchs. Es ist das südamerikanische Nationalgetränk, das bereits den indigenen Völkern bekannt war und von den Einwanderern übernommen wurde. Mate gehört zu den koffeinhaltigen Getränken und ist 
      In Europa kennt man Mate vor allem als Brause. Doch das ist geschmacklich von echter Blatt- oder Pulvermate meilenweit entfernt. Es handelt sich streng genommen auch nicht um Mate, sondern um matehaltige Erfrischungsgetränke, die - wie alle Limonaden - vor allem aus Wasser und Zucker bestehen. Sie werden aus Mate-Extrakt hergestellt, und es gibt bessere und schlechtere Varianten. Letztere lassen auch beim besten Willen kaum Mate-Geschmack erkennen. 
      Diese Brausen können jedoch einen Einstieg in den echten Mate-Genuss bieten, denn Mate ist für Europäer recht gewöhnungsbedürftig, da sie immer einen herb-bitteren Geschmack hat, den wir uns dank hochverarbeiteter und zuckerhaltiger Lebensmittel erfolgreich abtrainiert haben. Durch die hochwertigeren dieser Limonaden lernt man den Geschmack kennen und oft auch lieben. Die Konsumenten, für die es dann etwas mehr sein darf, landen manchmal bei echter Mate. 
       
      Wie trinkt man Yerba Mate?
      Ein Grund, warum Mate hier nie richtig populär wurde, ist vermutlich auch, dass es kein besonders niederschwelliges Getränk ist. 
      Für den, der es probieren will, reicht ein Beutel mit Blatt- oder Pulvermate und eine Bombilla (traditioneller Mate-Trinkhalm aus Metall oder Bambus mit Lochsieb am Ende) nebst beliebiger Tasse aus. Auf die Bombilla kann man allerdings nicht verzichten, da ein normaler Strohhalm nicht geeignet ist, Man braucht einen mit Filterfunktion, sonst hat man den Mund voller Krümel. Wichtig ist, dass das Wasser nicht kochen darf. Die Empfehlungen variieren, ich erhitze das Wasser meist auf 80 Grad. Im Sommer kann man Mate auch kalt aufgießen und erhält ein unglaublich erfrischendes Getränk. 
      Man darf am Blatt oder Pulver nicht sparen. Das Trinkgefäß wird etwa zur Hälfte gefüllt. Trotzdem ist es ein sparsames Getränk, denn verwendet Gefäß von der Größe eines Kaffebechers, verträgt eine Matefüllung gern zwei oder mehr Liter. Man gießt immer wieder auf. Wenn der Geschmack nachlässt, "wendet" man den Inhalt und kann weitertrinken.  
      Für die korrekte Zubereitung konsultiert man am besten das Internet. Da Mate in Deutschland nicht sehr bekannt ist, sind die meisten Anleitungen auf Englisch oder Spanisch. Eine bebilderte Anleitung für die korrekte Zubereitung von Mate in deutscher Sprache gibt es hier, ein Video da.
       
      Warnhinweis
      Es gibt Mate auch in Drogeriemärkten in Beutelform. Diese auf keinen Fall kaufen. Diese Beutel sind böse. Erstens liegt die Qualität des Beutelinhalts ungefähr auf dem Niveau von auf den Boden gefallener und zusammengekehrter Reste in einem mateabfüllenden Betrieb, und zweitens ist das die falsche Zubereitungsart. Mate ist nämlich kein Kräutertee, sondern braucht eine gewisse Konzentration. Beutel-Mate schmeckt einfach nicht und vermittelt auch keinen Eindruck von dem korrekten Geschmack und dem Trinkerlebnis echter Mate. Wir erinnern uns noch an die Pu-Erhs in Beuteln, die als Schlankheits-Wundermittel verkauft wurden? Eben. Auch Mate wird eine ähnliche Wirkung zugeschrieben, und daher bieten findige Geschäftsleute Mate in Beutelform an, denn den Abnehmwilligen kann man jeden Scheiß andrehen. 
       
      Wenn es etwas mehr sein darf
      Wer sich nach den ersten Testläufen für Mate begeistern kann, wird feststellen, dass das Getränk nicht nur wach, sondern auch gute Laune macht. Manche nutzen es als mildes, natürliches Antidepressivum. Wer dabei bleiben will, wird sich für ein Mategefäß interessieren. Man hat eine große Auswahl. In .den Teegeschäften, die auch Mate verkaufen, gibt es oft auch Calabazas, ausgeöhlte Kürbisse, die traditionell zum Trinken von Mate verwendet werden. Sie haben den Vorteil, dass sie sehr günstig und unzerbrechlich sind. Der Nachteil ist, dass man sie erst einem Prozess unterziehen muss, der curing oder seasoning heißt - man füllt die Calabaza mit Mate und heißem Wasser, lässt sie über Nacht einweichen und kratzt am nächsten Morgen eventuelle Reste des aufgeweichten, an der Schale haftenden Fruchtfleischreste heraus. Danach muss das Gefäß erst mal wieder völlig durchtrocknen. Das ist nichts, wenn man endlich loslegen will mit der echten Mate in der natürlichen Umgebung eines passenden Gefäßes. Außerdem kann die Calabaza leicht anfangen zu schimmeln, wenn man nicht aufpasst und sie nach jedem Genuss nicht sofort leert, ausspǘlt, reinigt und trocknen lässt. Regelmäßigen Matetrinker benötigen daher mehrere dieser Hohlkürbisse. Eine angeschimmelte Calabaza muss man übrigens wegwerfen.
      Eine Alternative sind Calabazas oder Cujas aus Ton, Porzellan, Glas oder auch Holz. Sie sind bedeutend pflegeleichter und kommen - bis auf die Holzvariante - ohne Vorbereitung aus. 
       
      Pur oder mit Zusatz
      Mate muss man nicht pur trinken, wobei sich das bei sehr hochwertiger, handwerklich hergestellter Mate empfiehlt, sondern kann mit allem, was einem so einfällt, angereichert werden. Bekannt sind Zucker, Zitrone, Orangensaft (kalt aufgegossen), aromatische Kräuter, Sirup, Stevia oder auch Guarana (für alle, die eine zusätzliche Dröhnung wünschen). Die Möglichkeiten sind endlos. Es gibt sogar Leute, die Mate mit Cola aufgießen. Kalt genossene Mate, die sogenannte Tereré wird gern aus einer ausgehöhlten Grapefruit, einem Apfel oder einer kleinen Melone getrunken. So nimmt die Mate den Geschmack des Gefäßes auf. Der Angang ist generell weniger puristisch als bei Tee oder Kaffee. Erlaubt ist, was schmeckt und gefällt. 
       
      Mate - das Ritual
      Es gibt übrigens ein einfaches, aber sehr schönes Ritual mit echter Mate. Man lässt ein großes Trinkgefäß in geselliger Runde kreisen, jeder trinkt daraus und gibt es weiter. Es ist sehr lustig, so etwas mal mit südamerikanischen Teilnehmern zu erleben: Man haut sich in irgendeine Ecke, sitzt, wo Platz ist, zur Not auch auf dem Boden, und bildet einen Kreis um das Trinkgefäß. Der "Gastgeber" füllt das Trinkgefäß und gibt es an den nächsten weiter. Der nimmt einen Schluck, dann ist der nächste dran. Der Gastgeber füllt immer wieder auf. Es ist eine sehr soziale Angelegenheit - und eine sehr lustige. Eine muntere Mate-Runde kann auch die drögste Umgebung in eine Partyzone verwandeln, denn - wie gesagt - Mate macht einfach gute Laune. 
       

    • Von Jinx in Tee mit Jinx
         0
      Warum Teealtar?
      Ehrlich, ich bewundere alle, die ihren Nicht-Alltagstee aus immer derselben Tasse und der immer gleichen Kanne trinken. Das ist eine Art der Reduktion, die ich bewundere, denn sie hat so eine lässige Hab-ich-nicht-brauch-ich-nicht-Attitüde, die mir fehlt. Vielleicht bin ich zu sehr Hedonistin. 
      Vor allem aber bin ich Kunsthistorikerin, praktiziere Meditation und habe auch Erfahrung mit schamanischen Praktiken. Und bei dieser Kombi landet man praktisch automatisch bei der Überzeugung, dass alles irgendwie eine Auswirkung und eine Bedeutung hat. Und dass das Leben ohne Schönheit nicht wirklich lebenswert ist. 
      Daher habe ich mir angewöhnt, aus meinem nicht-alltäglichem Teekonsum ein Ritual zu machen, wenn auch oft nur ein kleines. Der Tee-Altar ist bei mir immer temporär angelegt (ich habe genug Staubfänger in der Wohnung) und nimmt sehr wenig Platz weg. Er kann praktisch überall stehen. Er hilft mir, zu fokussieren, mich auf das Teetrinken zu konzentrieren und außerdem einem Wunsch, einer Stimmung oder einem Gefühl einen sichtbaren, symbolischen Ausdruck zu verleihen. Über allem schwebt der Tee, sozusagen. Er hilft mir bei der Verinnerlichung. 
       
      Die Frage der Traditionen
      Ich habe einiges über Teetraditionen gelesen. Nach meinem Verständnis teilen die sich grob in zwei Gruppen - die eher gesellige Zeremonie im Stil der britischen Tea Time, der friesischen Teezeremonie, der usbekischen,  russischen, der marokkanischen oder der türkischen Variante. Hier geht es vor allem darum, Menschen um den Tee zu versammeln und gemeinsam nicht nur den Tee zu genießen, sondern auch die passenden Beigaben in Form von kleinen Speisen. Es ist grundsätzlich eine gesellige Veranstaltung, auch wenn es selbstverständlich möglich ist, auf türkische, russische, britische oder andere Art Tee auch allein auf eine sinnvolle Weise zu genießen. 
      Die andere Gruppe kann gesellig sein, muss aber nicht. Hier steht der Tee im Mittelpunkt, Zugaben in Form von Speisen sind fakultativ, marginal und manchmal störend. Dazu zähle ich das Teetrinken im chinesischen Stil (was man hier so Gong Fu Cha nennt) oder auch die japanische (wobei beide Länder natürlich auch gesellige Teerunden kennen, man sollte diese Einteilung also nicht zu eng gefasst sehen).
      Persönlich mag ich beides, aber der temporäre Altar kommt bei mir nur bei der zweiten Variante zum Einsatz, selbst wenn ich meinen marokkanischen Minztee trinke oder den Caydanlik nur für mich auf den Herd stelle. 
      Wichtig ist mir der persönliche Ansatz: Ich habe einiges über die verschiedenen Teetraditionen gelesen, vor allem über die asiatischen, aber um sie zu meinen zu machen, muss ich sie verändern. Denn ich kann mir nur etwas aneigne, was ich verstehe, und damit meine ich nicht die intellektuelle Durchdringung. Die ist nämlich der einfache Teil. Wenn ich über die Hintergründe der chinesischen und japanischen Teezeremonien lese, verstehe ich das intellektuell, aber wenn ich es imitiere, dann bleibt die Handlung auf der gefühlsmäßigen Ebene irgendwie unbehaust, weil ich in diesen Traditionen nicht zu Hause bin. Also übernehme ich, worin ich mich zu Hause fühle und lasse beiseite, was mir zu wenig bedeutet, als dass ich es sinnvoll praktizieren könnte.
       
      Der temporäre Altar
      Hier bin ich deutlich von meiner schamanischen Praxis beeinflusst, und zwar von der Tradition der Mesa. Nicht, dass ich Schamanin wäre oder über viel Erfahrung verfügen würde. Aber die Mesa sagt mir etwas - zumindest das, was ich daraus für mich gemacht habe. Es geht darum, ein reales Abbild von etwas zu schaffen - einem Wunsch, einem Zustand, einem Gefühl. Wobei es mir von vornherein um ein ideales Abbild geht, kein reales (man stellt z .B. nicht sein chaotisches Leben oder eine Krankheit dar,- das wäre ganz furchtbar -, sondern das Leben, das man gerne führen würde, keinen Streit, sondern die Versöhnung etc., also nicht das Problem, sondern die Lösung). Dazu ist es wichtig, symbolische Gegenstände auszuwählen, die einem wirklich etwas bedeuten. Man wählt, was man als Symbol für das Thema für angemessen hält, und nicht das, was man nur optisch ansprechend findet oder was einem die Oma geschenkt hat, was einem aber an sich gleichgültig ist. Was meine Tee-Altäre von einer schamanischen Mesa unterscheidet, ist, dass ich darauf verzichte, den Prozess abzubilden, z. B. das Abbild von Trauer, das sich durch Veränderung der Mesa zur Bewältigung wandelt. Das wäre mir für ein Teeritual viel zu kompliziert, und daher setze ich dort an, wo sich im schamanischen Ritual der Endpunk befindet. Schließlich will ich Tee trinken und nicht tiefgreifende Probleme bearbeiten. 
      Hinzu kommt, eine traditionelle Mesa ist meist wahnsinnig voll, und wenn man da noch eine Teekanne dazustellt, würde man sich zwangsläufig in den Details verlieren, sodass man den Tee auch gleich weglassen kann. Also reduziere ich die Mesa-Idee auf das Allerwesentlichste, auf ein oder zwei Gegenstände, die ein kleines Thema symbolisieren, denn ich will ja Tee trinken und nicht die Welt retten. Meine Tee-Altäre sind monothematisch und sehr minimalistisch. Die äußere Form hilft mir, mich auf einen Gedanken zu fokussieren, der das Teetrinken begleitet, wobei der Tee im Vordergrund steht. Es ist eher ein Grundton, ein Hintergrund, und nicht das Hauptthema. 
      Überhaupt: das Thema. Ich achte darauf, das nicht zu überfrachten, um den Tee nicht aus dem Blick zu verlieren. Oftmals geht es nur um Harmonie. Oder darum, mir bewusst zu machen, wie gut es mir eigentlich geht (man wird ja im Alltag so schnell undankbar). Es kann auch um Erinnerung gehen, um Achtsamkeit ...  Wenn ich wirklich Probleme oder Details bearbeiten will, wähle ich lieber eine andere Form der geistigen Fokussierung.
       
      Welchen Tee fürs Ritual?
      Ich wähle für meine kleinen Teerituale immer einen Tee, den ich kenne und der zum Thema passt (also, für mich). Um Tees zu verkosten, ist der Teealtar nicht die richtige Form. Nichts wäre störender, als ein Altar zum Thema Harmonie, wenn der Tee sich als ausgesprochen kratziger, unrund schmeckender Trank entpuppt. Um Tees kennenzulernen, wähle ich zwar gern ein Setting, das für mich zu dem Tee passt (oder von dem ich das zumindest glaube), aber da tut es eine Unterlage, eine Schale und eine Kanne. 
      Beispiele für meine Tee-Altäre finden sich in meiner entsprechenden Galerie. 
       
       

    • Von Komoreb in Liebe zur Teekeramik - Vom Konsument zum Produzent
         3
      Zwischenzeitlich habe ich mir tatsächlich endlich eine Töpferscheibe zugelegt. Leider ziemlich gleichzeitig auch eine chronische Sehnenscheidenentzündung.   Superdoof!  Deshalb wurde die Gute bis jetzt erst 2 mal benutzt, was mich immens ärgert. 
      Aber es hat mich doch ganz schön in den Fingern gejuckt, daher hab ich dann doch mal wieder eine kleine Session eingelegt. Ohne E-Scheibe. Nur einen kleinen Klumpen Ton, komplett freihand um die Handgelenke etwas zu schonen.
      Dabei herausgekommen sind ein kleines Yunomi im Chawan-Look, ein Yunomi oder Guinomi in Hammerschlag-Optik und eine Schale, ebenfalls mit "Hammerschlag".

  • Gleiche Inhalte

    • Von Menelaos
      Hallo zusammen,
      in den letzten Wochen haben sich bei mir einige Shengs stapelweise angehäuft. Doppelte oder mir ungefällige sollen nun den Besitzer wechseln, damit ich mich mehr auf die Tees konzentrieren kann, die ich hier noch habe. In letzter Zeit war es mehr ein Querbeettrinken, ohne den einzelnen Tees wirkliche Beachtung zu schenken. Die Tees wurden nach Erhalt alle für 3 Tage zum Lüften gelegt und danach im Druckverschlussbeutel gelagert.
       
      Von EoT gebe ich ab:
      - 2012er QiShengGu 400g Cake minus 20g - 65€
      - 2017er Jingdong Wild 400g Cake minus 20g - 50€
      - 2017er Kunlu Wild 200g Cake minus 10g - 35€
       
      Von Cha-Shifu gebe ich ab:
      - 2018er Padian Dashu 100g Cake minus 10g - 25€
      - 2012er Feng Guan 100g Cake "OVP" - 25€
       
      Von Chawangshop gebe ich ab:
      - 2016er Hekai Gushu 200g Cake minus 40g - 20€
      - 2015er Bada Old Tree Xiao 200g Cake minus 40g - 10€
      - 2016er Yibang Manguishan Xiao 200g Cake minus 10g - 30€
       
      Falls Fragen zu einzelnen Tees bestehen, schreibt gern hier rein. Dann weiß es die Allgemeinheit



    • Von VanFersen
      Vor allem in letzter Zeit tendiere ich sehr zu alten und etwas feuchter gelagerten Shengs. Mir haben es sehr loose Leaf (nicht gepresste) seit geraumer Zeit angetan. Besonders bei jenen Sorten aus den 90ern und älter fällt mir eine sehr intensive Wirkung auf den Körper auf, die Teilweise leicht unangenehm sein kann, je nach dem was man aus der Situation macht.
      Vor einer Woche nach er Arbeit tranken mein Chef, mein Kollege, meine Frau und ich einen 1996 Yiwu loose Leaf. Mir viel im ersten Moment kaum etwas auf, aber nach dem wir uns auf den Heimweg machten, fühlte ich mich, als hätte ich zwei Bier intus. Bei meiner Frau wirkte es sich eher in Magenschmerzen aus, was bei mir wiederum überhaupt nicht der Fall war. Auch beim meinem Kollegen hatte es die selbe Wirkung wie bei mir.
      Heute gerade in diesem Moment trinke ich einen 1999 loose Leaf Sheng - welcher ebenfalls eher der alten Garde was die Lagerung anbelangt zu zuschreiben ist - so auch der andere aus den 1996. Was diese Sorten, vor allem aus HK Lagerung alle gemein haben, ist eine wirklich Funky seltsame Wirkung auf den Körper.
      Ich trinke gerade den 6ten Aufguss und im Moment geht es wir sehr sehr seltsam. Es fühlt sich gerade so an, als würde der Tee einem richtig in den Kopf steigen und sich eine Art Druck auf den Kopf ausüben - dazu ist erneut ein Gefühl von leichtem Schwindel - Benommenheit wie bei einem leichten Schwips zu vermerken. Auch ein Gefühle der Trockenheit im Hals und ein leichten sich zuziehen jenem ist zu vermerken. Ich habe nichts gegen diese Umstände, sonst würde ich diese Sorten nicht trinken , aber mich fasziniert was dahinter steckt.
      Ich kann mir nur vorstellen, das Toxine oder Arten von Pilzen in dem Blattwerk jene Wirkungen hervorrufen. Denn, dass es der Tee als solches selbst ist, wage ich eher zu bezweifeln. Sicher wurde nun all dies ein Teil des Gesamtprodukts, aber ich denke nicht das diese Wirkung primär ein Bestandteil des eigentlichen Tees ist.
      Was denkt ihr? Was waren eure Beobachtungen im Bezug auf eure körperliche Reaktion und was denkt ihr ruft solche Gegenreaktionen hervor?
    • Von Tobias82
      Hallo zusammen,
      da ja manche Verkostungen eher etwas knapp ausfallen in letzter Zeit und man auch den meisten Tees mit 10 Zeilen im "welcher Tee ist heute in der Tasse"-Faden
      nicht wirklich gerecht wird, bzw. man die Thematik nur kurz anreißen, wollte ich mal wieder einen besonderen Tee etwas ausführlicher besprechen. Ohne lange
      zu überlegen, bzw. einen speziellen Tee des letzten halben Jahres heraus suchen zu müssen, nehme ich einfach mal den Kuchen, den ich in letzter Zeit öfter, aber 
      gerade die letzten 2 Tage gebrüht habe.
      Ich hoffe, über mehrere Posts mal einen etwas allgemeineren, aber auch weiteren Eindruck dieses Tees zu schilder, und auch 2-3 Punkte zu benennen, die beim Brühen
      von relativ jungem Sheng auffallen, bzw die ich auch über die letzte Zeit zu lösen versucht habe. Aber um nicht gleich mit Kritik oder Lob zu beginnen, wollte ich einfach 
      mal anhand von ein paar Bildern die Hardware, also den Kuchen und die Blätter ohne Geschmack und Aromen zu beschreiben.
      Generell ist halt interessant, dass die heutigen Tees oft vom Äußeren her schon gut aussehen, das vor Jahren noch vorherrschende Gebrösel und die vielen kaputten Blatt-
      fragmente findet man in den jüngeren Pressungen nicht mehr so häufig. Auch die günstigsten "daily-drinker" bei w2t sehen zumindest optisch schon immer ganz gut aus.

      Von daher stellt sich schon die Frage, was hat sich verändert, bzw. worin liegt denn der tatsächliche Unterschied zwischen einem 30$ Kuchen und einem für 100$?
      Gerade aus diesem Grund wollte ich mir den Bulang, wie oben beschrieben mal etwas genauer ansehen. Denn für den sehr vielversprechenden Namen sind ja die
      55 Franken schon fast ein Schnäppchen, bzw. man fragt sich, geht da noch viel mehr, bzw. auch "muss da noch viel mehr"? Gerade wenn man sich den Kuchen mal 
      genauer an schaut...
       
      Vom Aussehen her mittlerweile fast schon Standart, übliche schlichte Verpackung von "western-style-pu´erh",
      aber auch ansprechend, da auf knallige Farben und übertrieben Grafiken verzichtet wurde
       
       
      Der Tee wurde natürlich schon 2-3 mal "angenagt", aber es sind tatsächlich sehr hübsche Blätter außen verarbeitet,
      aber auch relativ potentes Material mit viel weißem Flaum kommt zum Vorschein. Ob das eine Seriennummer, oder
      Pressnummer auf dem kleinen Bild daneben ist?
       

      kleine Detailaufnahme des Ausschnittes von oben... meine Kamera ist wirklich nicht die beste, aber man sieht, dass
      ganze Blätter verarbeitet wurden und auch die losen Stücke aus ganzem Blatt bestehen.
       
          
      weitere Details des verwendeten Blattmaterials
       
      Man schreibt ja nicht über einen Tee, der einem nicht gefällt, bzw. den man nicht grundsätzlich trinkt, bzw auch mag, von daher hoffe ich, dass die etwas
      eingefärbten Kommentare nicht gleich als unlauterer Wettbewerb gesehen werden, zumal der Tee auch schon wieder mindestens drei Monate bei mir zu
      Hause liegt. Mit den Bildern wollte ich den Teil abarbeiten, den man auch bringen muss, wenn man später ins Detail gehen will.
      Neben verschiedenen Aufgußgefäßen und Temperaturen, geht es mir im Moment besonders darum, die unterschwellige Herbe von jungem Sheng abfangen
      zu können. Denn neben der sehr moderaten Bitterkeit, die man bei einem Bulang schon erwartet, kam anfangs ganz schön viel Herbe dazu, die anscheinend
      aus dem noch sehr jungen, grünen Blatt kommt und nichts mit der typischen Bitterkeit von Sheng zu tun hat. Scheint tatsächlich so, als ob viele Stoffe tatsächlich
      noch chemisch umgewandelt werden müssen und sich später zu den Alterungsaromen entwickeln.
      Jedenfalls stört diese Herbe schon, wenn man relativ filigranen und leichten Sheng trinkt, gerade wenn es um da berühmte Mouth-Feeling geht. Wenn einem
      dann die Herbe sehr dominant auf der Zunge liegt, stört das den weiteren Verlauf der Session schon und gerade das war der Punkt, an dem ich ansetzen und
      arbeiten wollte, bzw. was kann man durch veränderte Aufgussparameter wirklich noch raus holen. Soviel vorweg, es hat tatsächlich funktioniert! Was mich selbst
      freut und zeigt, dass man mit Tee wirklich arbeiten kann.
      Details zu einer einzelnen Session, bzw. konkrete Brühtechnik wollte ich später mal beschreiben...
      Hoffe, dass ist nicht zu viel auf einmal. Wollte den Cake mal kurz umreißen und dann von Tag zu Tag ein bisschen was schreiben...
      Bis dann!  
       
    • Von doumer
      Nach einem Post des Bloggers Matt bin ich auf diesen Shop gestoßen.
      Was mir dabei sehr gefällt: Das ist eine Kooperation mit Mr. Zheng, dem Gründer von Zheng Si Long, genau der Kerl, der in den Begleitvideos zu dem Buch "Puer Tea: Ancient Caravans and Urban Chic" vorkommt und von dem Peter von pu-erh.sk auch 3 richtig schöne 2009er Shengs im Angebot hatte
      Hier der Link: https://www.tea-encounter.com/
      Ich hab mal einen Rundumschlag gemacht und werde bei Gelegenheit berichten