Broken Pieces

Wabi Sabi - oder wie ich lernte den Fehler zu lieben

Der Begriff Wabi Sabi ist einer der unfassbaren Begriffe für die es in unserer Sprache keine Umschreibung oder Übersetzung gibt. Nahezu alle japanischen ästhetischen Künste tragen den Kern des Wabi Sabi in sich. Als erstes bin ich mit dem Begriff in Berührung gekommen als mein Interesse an Bonsai erwachte, danach im Ikebana und letztlich im Bereich des Tee. Was macht aber Wabi Sabi so speziell. Um das zu beantworten müssen wir uns von manchen Blickwinkeln unserer eigenen Kultur lösen. Wabi Sabi ist so etwas wie der Kontrapunkt unseres Schönheitsideals. Vieles empfinden wir als ansprechend was dem Ideal der Perfektion sehr nahe geht. Im Bereich des Wabi Sabi sollte man sich davon lösen. Gerade der Fehler macht im Wabi Sabi die Schönheit aus. Die zerbrochene Schale die in mühevoller Kleinstarbeit mithilfe von Kintsugi neu zusammengefügt wurde. Die Hagi Keramik in Ihren sich verändernden Stadien. Die Patina auf einer wunderschönen Bonsaischale oder Teekanne. Der Riss im Holz. Die (mit Absicht) nicht perfekte Form japanischer Keramik. Wenn man seine Augen einmal dafür geöffnet kann man Anklänge fast überall dafür finden. Es gibt ein paar Richtlinien die die Grundzüge dieses Ideals bilden, wobei das Wort Ideal Wabi Sabi abwertet. Zwei Punkte treten als Kernpunkte hervor auf denen sich das ganze Aufbaut. Natürliche Materialien auf der einen Seite, die Zeit auf der anderen. Auch in unserer Kultur findet man Anklänge davon, z. B. bei den Liebhabern von Antiquitäten. Ein Objekt wird nicht trotz seiner Fehler wahrgenommen, sondern aufgrund eben dieser. Bei den natürlichen Materialien gibt es wiederum einige beliebtere. Dunkle Braun- und Erdtöne sind z.B. beliebter als Rottöne. Hier findet man auch eine Analogie zur Yixing Keramik. In früheren Zeiten waren die braunen Kannen beliebter als die roten, wovon viele nach Europa verkauft wurden. Heute wird der rote Ton wegen seiner Vorzüge jedoch mehr geschätzt, was wiederum nicht die braune Keramik abwertet, sondern diese einfach anders ist. Holz und Stein sind auch zwei sehr beliebte Materialien, Metall ebenso. Was hat es aber mit der Zeit auf der anderen Seite zu tun. Wichtig ist, das sich das Material mit der Zeit verändert, an Reife gewinnt. Viele aus unserem Kulturkreis würden die Zeit am liebsten stoppen und einfrieren damit sich nur nichts verändern kann. Die Zeit sollte man loslassen können um die tiefe von Wabi Sabi zu begreifen. Hier spielt viel die Lehre des Zen und daoistischen Leitbildern hinein. Soweit diese beiden teils auseinander liegen, so eng sind sie miteinander verknüpft. Ein Objekt, Lebewesen, alles, beinhaltet von Anfang an was es war, was es ist und werden wird. Es gibt keine Trennung von all dem. Nur den Moment, das hier und jetzt. Doch trägt es seine Vergangenheit stolz in sich, zeigt es durch seine Veränderung (Patina, Risse, Sprünge, Reperaturen), seine Zukunft ist auch schon da, nur nicht sichtbar. Ein Objekt das in Stillstand ruht kann nie die Ehrwürdigkeit von Wabi Sabi in sich tragen, weshalb Aluminium zum Beispiel nie verwendet wird. Wenn ich jetzt von Fehler spreche ist es kein Fehler im Sinne dessen, sondern soll der Perfektion widersprechen. Ein altes japanisches Sprichwort sagt: "Perfektion ist den Göttern vorbehalten" Und jetzt wird es erst richtig kompliziert. Japanische Keramik ist beliebter wenn es Wabi Sabi in sich trägt und kann Preise erreichen die für einen kleinen Guinomi (Sakeschale) schier unglaublich sind. Doch weshalb ist das so? Es ist der Geist der in allem steckt. Es wird davon gesprochen das man nur mit dem richtigen Geist (Zen) ein "vollendetes" Werk erschaffen kann. Diese Vollendung ist nicht die der westlichen Welt. Das Objekt ist so fehlerbehaftet das sich der Geist nicht daran stoßen kann. Man muss über das Objekt meditieren können um im Geiste die Form zu vollenden. Ein Fehler ist dafür da, das er da ist und nicht das er kaschiert wird. Jedoch dürfen diese Fehler nicht die Absicht sein, sondern "passieren". Hier wird hoffe ich der schwere Aspekt in der Keramik sichtbar. Der Fehler in einer Keramik soll natürlich sein und sich in die Gestaltung einfügen. Damit das Ganze noch komplizierter wird ist die Form des Objektes wichtiger als das Objekt an sich. Auch wenn das Objekt schon lange verschwunden ist (z.B. ein Baum, die zerbrochene Schale, die Bambusvase), lebt die Form ewig weiter. Hier spielen religiöse und philosophische Aspekte hinein, die in der westlichen Welt undenkbar sind. Die Zeit ist der wichtige Faktor des Wabi Sabi. Stillstand ist der Tod, Veränderung zeigt uns, das die Welt doch immer gleich bleibt. Wenn man vor dem Spiegel steht und sich über neue Falten freuen kann, wenn etwas geliebtes zerbricht und man Lächeln kann, dann kann man Wabi Sabi sehen. Zum Ende bleibt noch immer die Frage offen was Wabi Sabi eigentlich ist. Wabi Sabi ist das Zeichen der Zeit in unserem Alltag in seiner ursprünglichen natürlichen und einfachsten Form und doch so viel mehr. Es ist eine stille Meditation an die Existenz und deren Ende. ...


Ann, GoldenTurtle, Manfred und 1 anderem gefällt das


9 Kommentare


vor 6 Minuten schrieb Manfred:

Danke!

Ich hoffe ich konnte das Motiv etwas vermitteln.

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Im Prinzip ja! Aber ich könnte mir schwarzgewordenes Silber doch eher auf einer alten dunkenbraunen Pu Erh-Schale vorstellen als auf @Anns beschwingter heller Schale für Matche, weißen Tee oder Grüntee.

@Cel: Warum sehe ich diesen Thread nicht unter "Neueste Beiträge"? Hast Du eine Ahnung? Es wäre schade, wenn nur ich das lese!

Was bedeutet die "444-" vor dem Thread-Namen?

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Ein in der Tat sehr interessantes Thema welches leider all zu oft - im übertragenen Sinne - nur verkürzt dargestellt wird. Wikipedia stellt dieses Thema m.E. auf wenigen Zeilen erstaunlich griffig dar:

Zitat

Ursprünglich bedeutet Wabi sich elend, einsam und verloren fühlen. Dies wandelte sich zur Freude an der Herbheit des Einsam-Stillen. Aber erst in der Verbindung mit Sabi, alt sein, Patina zeigen, über Reife verfügen, entstand die eigentlich nicht übersetzbare Begriffseinheit, die den Maßstab der japanischen Kunstbewertung bildet.

Sehr oft wird im Zusammenhang mit Wabi Sabi ein beschädigtes Objekt bemüht. Dies kann zwar durchaus den tieferen Sinn des Wabi Sabi verdeutlichen und ist als Beispiel auch sehr anschaulich. Dennoch handelt es sich dabei lediglich um eine mögliche Erscheinungsform, wobei auch dies alleine m.E. nicht hinreichend ist. Am treffendsten sind für mich daher auch die Begriffe Herbheit und Reife, weshalb ich diese eher abstrakteren Begriffe konkreten Beispielen vorziehe. Eine Schale die zu Bruch geht und wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt wird kommt dem Konzept des Wabi Sabi sicherlich näher als das Pendant firsch aus dem IKEA Regal. In aller Regel ist man aber auch in diesen Fällen noch deutlich davon entfernt. Letzteres hast du ja aber bereits zum Ausdruck gebracht.

Worin ich nicht ganz übereinstimme:

Zitat

Ein Objekt das in Stillstand ruht kann nie die Ehrwürdigkeit von Wabi Sabi in sich tragen, weshalb Aluminium zum Beispiel nie verwendet wird.

Ich bin überzeugt, dass auch diesbezüglich nicht verkürzt werden darf: Die Patina im engeren Sinne dürfte nicht allein ausschlaggebend sein. Insofern kann auch Materialien welche - um es etwas plastisch auszudrücken - nicht "welken", Wabi Sabi innewohnen. Auch eine Unterscheidung zwischen natürlichen und nicht natürlichen Materialien (wobei mir diese Unterscheidung bis zu einem gewissen Grad stets suspekt war), ist der Sache nicht zwingend dienlich. Zwar wird sich die Neigung des Materials unterscheiden, mehr aber auch nicht. 

Ein Thema, in das man sich sicherlich sehr gut vertiefen könnte. :)

GoldenTurtle und Manfred gefällt das

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vor 16 Minuten schrieb Manfred:

Im Prinzip ja! Aber ich könnte mir schwarzgewordenes Silber doch eher auf einer alten dunkenbraunen Pu Erh-Schale vorstellen als auf @Anns beschwingter heller Schale für Matche, weißen Tee oder Grüntee.

Das sind die ästhetischen Standpunkte jedes einzelnen.

vor 16 Minuten schrieb Manfred:

@Cel: Warum sehe ich diesen Thread nicht unter "Neueste Beiträge"? Hast Du eine Ahnung? Es wäre schade, wenn nur ich das lese!

Was bedeutet die "444-" vor dem Thread-Namen?

Weil ich den Beitrag unter meinem Blog veröffentlicht habe.

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vor 18 Minuten schrieb theroots:

Ich bin überzeugt, dass auch diesbezüglich nicht verkürzt werden darf: Die Patina im engeren Sinne dürfte nicht allein ausschlaggebend sein. Insofern kann auch Materialien welche - um es etwas plastisch auszudrücken - nicht "welken", Wabi Sabi innewohnen. Auch eine Unterscheidung zwischen natürlichen und nicht natürlichen Materialien (wobei mir diese Unterscheidung bis zu einem gewissen Grad stets suspekt war), ist der Sache nicht zwingend dienlich. Zwar wird sich die Neigung des Materials unterscheiden, mehr aber auch nicht. 

Lass mich darüber sinnieren, auf die schnelle will ich da nichts hinein werfen, was ich widerrufen müsste.

Es wäre toll die Diskussion hierhin auszulagern 

Als Kommentare geht das so schlecht.

bearbeitet von Cel

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@Cel Ein wunderschöner Beitrag, war auch für mich verständlich was damit gemeint ist. Meinen Respekt!

PS: Ich glaube du kannst kein PM empfangen?

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vor 14 Minuten schrieb KlausO:

PS: Ich glaube du kannst kein PM empfangen?

Ich schau nachher mal danach, muss jetzt noch weiter. Danke für Dein Lob.

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    • Von Cel in Broken Pieces
         9
      Der Begriff Wabi Sabi ist einer der unfassbaren Begriffe für die es in unserer Sprache keine Umschreibung oder Übersetzung gibt. Nahezu alle japanischen ästhetischen Künste tragen den Kern des Wabi Sabi in sich. Als erstes bin ich mit dem Begriff in Berührung gekommen als mein Interesse an Bonsai erwachte, danach im Ikebana und letztlich im Bereich des Tee. Was macht aber Wabi Sabi so speziell. Um das zu beantworten müssen wir uns von manchen Blickwinkeln unserer eigenen Kultur lösen. Wabi Sabi ist so etwas wie der Kontrapunkt unseres Schönheitsideals. Vieles empfinden wir als ansprechend was dem Ideal der Perfektion sehr nahe geht. Im Bereich des Wabi Sabi sollte man sich davon lösen. Gerade der Fehler macht im Wabi Sabi die Schönheit aus. Die zerbrochene Schale die in mühevoller Kleinstarbeit mithilfe von Kintsugi neu zusammengefügt wurde. Die Hagi Keramik in Ihren sich verändernden Stadien. Die Patina auf einer wunderschönen Bonsaischale oder Teekanne. Der Riss im Holz. Die (mit Absicht) nicht perfekte Form japanischer Keramik. Wenn man seine Augen einmal dafür geöffnet kann man Anklänge fast überall dafür finden. Es gibt ein paar Richtlinien die die Grundzüge dieses Ideals bilden, wobei das Wort Ideal Wabi Sabi abwertet. Zwei Punkte treten als Kernpunkte hervor auf denen sich das ganze Aufbaut. Natürliche Materialien auf der einen Seite, die Zeit auf der anderen. Auch in unserer Kultur findet man Anklänge davon, z. B. bei den Liebhabern von Antiquitäten. Ein Objekt wird nicht trotz seiner Fehler wahrgenommen, sondern aufgrund eben dieser. Bei den natürlichen Materialien gibt es wiederum einige beliebtere. Dunkle Braun- und Erdtöne sind z.B. beliebter als Rottöne. Hier findet man auch eine Analogie zur Yixing Keramik. In früheren Zeiten waren die braunen Kannen beliebter als die roten, wovon viele nach Europa verkauft wurden. Heute wird der rote Ton wegen seiner Vorzüge jedoch mehr geschätzt, was wiederum nicht die braune Keramik abwertet, sondern diese einfach anders ist. Holz und Stein sind auch zwei sehr beliebte Materialien, Metall ebenso. Was hat es aber mit der Zeit auf der anderen Seite zu tun. Wichtig ist, das sich das Material mit der Zeit verändert, an Reife gewinnt. Viele aus unserem Kulturkreis würden die Zeit am liebsten stoppen und einfrieren damit sich nur nichts verändern kann. Die Zeit sollte man loslassen können um die tiefe von Wabi Sabi zu begreifen. Hier spielt viel die Lehre des Zen und daoistischen Leitbildern hinein. Soweit diese beiden teils auseinander liegen, so eng sind sie miteinander verknüpft. Ein Objekt, Lebewesen, alles, beinhaltet von Anfang an was es war, was es ist und werden wird. Es gibt keine Trennung von all dem. Nur den Moment, das hier und jetzt. Doch trägt es seine Vergangenheit stolz in sich, zeigt es durch seine Veränderung (Patina, Risse, Sprünge, Reperaturen), seine Zukunft ist auch schon da, nur nicht sichtbar. Ein Objekt das in Stillstand ruht kann nie die Ehrwürdigkeit von Wabi Sabi in sich tragen, weshalb Aluminium zum Beispiel nie verwendet wird. Wenn ich jetzt von Fehler spreche ist es kein Fehler im Sinne dessen, sondern soll der Perfektion widersprechen. Ein altes japanisches Sprichwort sagt: "Perfektion ist den Göttern vorbehalten" Und jetzt wird es erst richtig kompliziert. Japanische Keramik ist beliebter wenn es Wabi Sabi in sich trägt und kann Preise erreichen die für einen kleinen Guinomi (Sakeschale) schier unglaublich sind. Doch weshalb ist das so? Es ist der Geist der in allem steckt. Es wird davon gesprochen das man nur mit dem richtigen Geist (Zen) ein "vollendetes" Werk erschaffen kann. Diese Vollendung ist nicht die der westlichen Welt. Das Objekt ist so fehlerbehaftet das sich der Geist nicht daran stoßen kann. Man muss über das Objekt meditieren können um im Geiste die Form zu vollenden. Ein Fehler ist dafür da, das er da ist und nicht das er kaschiert wird. Jedoch dürfen diese Fehler nicht die Absicht sein, sondern "passieren". Hier wird hoffe ich der schwere Aspekt in der Keramik sichtbar. Der Fehler in einer Keramik soll natürlich sein und sich in die Gestaltung einfügen. Damit das Ganze noch komplizierter wird ist die Form des Objektes wichtiger als das Objekt an sich. Auch wenn das Objekt schon lange verschwunden ist (z.B. ein Baum, die zerbrochene Schale, die Bambusvase), lebt die Form ewig weiter. Hier spielen religiöse und philosophische Aspekte hinein, die in der westlichen Welt undenkbar sind. Die Zeit ist der wichtige Faktor des Wabi Sabi. Stillstand ist der Tod, Veränderung zeigt uns, das die Welt doch immer gleich bleibt. Wenn man vor dem Spiegel steht und sich über neue Falten freuen kann, wenn etwas geliebtes zerbricht und man Lächeln kann, dann kann man Wabi Sabi sehen. Zum Ende bleibt noch immer die Frage offen was Wabi Sabi eigentlich ist. Wabi Sabi ist das Zeichen der Zeit in unserem Alltag in seiner ursprünglichen natürlichen und einfachsten Form und doch so viel mehr. Es ist eine stille Meditation an die Existenz und deren Ende. ...
    • Von Timo in Das Teeleskop
         0
      Anlässlich des Hanami habe ich einen grünen Tee von Mariage Frères gekauft, der nicht nur aufwendig präsentiert wurde, sondern durch seinen Namen „Sakura 2017“ auch suggerierte, eine Komposition aus Grüntee und Blüten der japanischen Zierkirsche zu sein. Von dem guten Ruf der Teemarke ausgehend, habe ich die Inhaltsstoffe erst gelesen, als ich zu Hause den ersten Aufguss durchführen wollte. Grüntee, Aroma und Rosenblätter. Nein danke!
       
      Weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass bisher noch kein japanische Teebauer auf die Idee gekommen ist, seinen Grüntee durch die Hinzugabe von Kirschblüten zu veredeln, begab ich mich auf die Suche. Doch während meiner Suche fand ich einen Tee, der sehr viel interessanter erschien, als mögliche Mischungen von Grüntee und Kirschblüten. Dem Teebauer Tetsuro Mochizuki aus Shimizu in Shizuoka ist es nach jahrelangen Versuchen gelungen, einen neuen Teekultivar mit dem Namen Shizu 7132 zu züchten. Im Vergleich zu anderen Kultivaren soll diese Varietät ursprünglicher und wilder sein und sich vor Allem durch einen besonders feinen und natürlichen Geschmack von Kirschblüten auszeichnen.
       
      Sencha Machiko wird der Tee genannt, der aus diesem Kultivar hervorgeht und verkauft wird. 2009 hat dieser Tee beim „World Green Tea Contest“ eine Goldmedaille gewonnen. Grund genug, meine ernüchternde Erfahrung mit einem vermeintlich hochwertigen aber in jedem Falle hochpreisigen Produkt von Mariage Fréres zu vergessen und mich stattdessen der Erfahrung hinzugeben, die mir der vielversprechende Sencha Machiko zu bieten scheint.

       
      Verpackung.
      Der Tee kommt in einer schmuckvollen Umverpackung daher, die sich wie ein Briefumschlag öffnen lässt. Im Inneren des Umschlages finden wir den zu 40 Gramm portionierten Tee in einer hochglänzenden Vakuumverpackung. Ebenfalls enthalten ist eine liebevoll gestaltete Informationsseite zum Tee und dessen Entwicklungsprozesses.

        
       

      Aussehen und Geruch.
      Abgesehen von einigen helleren Tips ist das Gesamtbild der Teeblätter eher als dunkles Moosgrün oder als mattes Olivgrün zu beschreiben. Der Geruch des Teeblattes unterscheidet sich bisweilen doch signifikant von anderen Varietäten. Während er im ersten Ansatz grasig daherkommt und somit an einen handelsüblichen Sencha erinnert, entwickelt sich ein feiner Kirchblütenduft mit zunehmender Sauerstoffzufuhr. Insbesondere retronasal ist ein blumiges Aroma deutlich wahrzunehmen.

       
      Zubereitungsmethoden.
      Erste Zubereitung, erster Aufguss (5 Gramm. 450 ml Wasser bei 70°. Ziehzeit: 90 Sekunden)
      Der erste durchgeführte Aufguss entspricht der Zubereitungsempfehlung des Importeurs. Das Ergebnis ist ein hellgrüner und äußerst schwacher Sencha, der grasige wie fruchtige Noten vermissen lässt und insgesamt nicht überzeugen kann.
       
      Zweite Zubereitung, erster Aufguss (6 Gramm. 200 ml Wasser bei 70°. Ziehzeit: 30 Sekunden)
      Das Ergebnis ist abermals ein hellgrüner, im Geschmack aber etwas intensiverer Sencha, der sich aber keineswegs signifikant von anderen Sencha unterscheidet. Lediglich retronasal waren blumige Aromen zu erahnen. 
       
      Zweite Zubereitung, zweiter Aufguss (6 Gramm. 200 ml Wasser bei 70°. Ziehzeit: 10 Sekunden)
      Weil der erste Aufguss durchaus passabel war, entschied ich mich für einen zweiten Aufguss bei reduzierter Ziehzeit. Das Ergebnis war ein mittelgrüner, durchaus guter Sencha. Fruchtige bzw. eher blumige Aromen waren ausschließlich retronasal wahrzunehmen, machten den Tee aber durchaus interessant.
       
      Zweite Zubereitung, dritter Aufguss (6 Gramm. 200 ml Wasser bei 80°. Ziehzeit: 45 Sekunden)
      Der dritte Aufguss der zweiten Zubereitung ließ leider alle interessanten Aromen vermissen. Der nun gelbgrüne Sencha war vor Allem durch eine leichte Bitterkeit geprägt. Retronasal konnte ich die durchaus interessanten, blumigen Aromen nicht mehr wahrnehmen.
       
      Dritte Zubereitung, erster Aufguss (6 Gramm. 400 ml Wasser bei 70°. Ziehzeit: 60 Sekunden)
      Nachdem die zweite Zubereitung durchaus vielversprechend war und ich mir die Frage stellte, ob das blumige Aroma noch mehr in den Vordergrund treten kann, veränderte ich die empfohlene Zubereitungsmethode geringfügig. Das Ergebnis war ein schöner, grüner Sencha, dessen blumiges Aroma aber nicht intensiver war, als beim zweiten Aufguss der zweiten Zubereitung.
       
       

       
      Fazit.
      Der Sencha Machiko des Teebauern Tetsuro Mochizuki ist zwar durchaus interessant aber vor Allem auch herausfordernd. Sein blumiges Aroma offenbart er nur bei wenigen Zubereitungsmethoden und bestraft vermeintlich falsche Ziehzeiten und Wassermengen mit deutlich spürbarer Bitterkeit.
       
      Weil man glaubt, nur die richtige Zubereitungsmethode herausfinden zu müssen, um eine blumig-fruchtige und damit sehr interessante Tasse zu bekommen, lädt der Sencha Machiko geradezu zum Experimentieren ein. Lediglich der Preis von 15,90 Euro pro 40 Gramm kann die Experimentierfreudigkeit schmälern. 
       
      Für mich stellt der Tee eine interessante Herausforderung dar, derer ich mich gerne und auch in Zukunft weiter stellen möchte. Ich bin mir sicher, alsbald eine optimale Zubereitungsmethode zu finden, um dem Tee und den jahrelangen Arbeiten des Teebauern Tetsuro Mochizuki gerecht zu werden.
    • Von Cel in Broken Pieces
         8
      Vielleicht haben sich einige von Euch gefragt ob ich überhaupt noch etwas mache. Kurz und bündig, ja. Ich arbeite noch immer an der Kanne von @Tobias82 und eigne mir nach und nach ein paar Fertigkeiten an. 
      Zwischenzeitlich habe ich ein sehr kurzes Projekt eingefügt, da meine Tochter eine Vase zerbrochen hat. Eigentlich unwichtig, jedoch stammt sie noch von meiner Omi. Also eine schnelle Reperatur. Das nächste Mal wird es noch etwas besser, hier habe ich etwas am Lack gespart...



    • Von Komoreb in Liebe zur Teekeramik - Vom Konsument zum Produzent
         0
      Vor ein paar Tagen kamen meine ersten Werke aus der Brennerei...
      Zu meiner Freude kann ich sagen, wirklich alles hat überlebt. Kein einziger Riss oder ähnliches.
      Aber ein kleiner Wermutstropfen ist die Farbe nach dem Brand. Die fällt nämlich ganz anders aus als gedacht.
      Es sollte mal Cremefarben im Spektrum beige werden, ist jetzt aber eher terracotta- bis ziegelfarben, und versprüht den Charme einer deutschen Klinkersiedlung mit mediterranem Touch.
      Ich habe noch sehr sehr viel zu lernen. 
      Das Gießverhalten meiner Kannen ist echt sch....      
      Aber irgendwann werde ich mit Sicherheit etwas vernünftiges zustande kriegen, mit dem man auch arbeiten kann und will. Nur eine Frage der Zeit. 
       
      Nun ja, dann werden als nächstes einige Stücke Glasiert. Das wird auch noch mal spannend. 
       
      Hier noch eine Impression der Farbe nach dem brennen. Je nach Lichteinfall sehr gewöhnungsbedürftig bis geht so.  In echt hat es einen deutlichen orange-stich.

       
    • Von Komoreb in Liebe zur Teekeramik - Vom Konsument zum Produzent
         0
      Heute mal ein Update direkt danach, noch mit nassem Ton.
      Eigentlich wollte ich bei den letzten Malen schon mal wieder eine Teekanne gemacht haben...
      Doch leider komme ich immernoch nicht mit dem neuen Ton zurecht. Immer wieder ist er mir gerissen, bis ich dann klein beigegeben habe und mir dachte: Ok... du hast gewonnen. Then keep it simple. 
      Ersmal an einfache Formen halten, entweder solange bis man sich an die Handhabung gewöhnt hat, oder aber bis neuer grober Ton da ist.   Je nachdem wie es läuft. 
      Hier mein Yunomi von heute...


      Der Fuß wird natürlich noch etwas getrimmt sobald es etwas angetrocknet ist.
       
      Und hier noch als Nachtrag, die letzte Session davor:

  • Gleiche Inhalte

    • Von Cel
      Nachdem ich im Thema hier
      die Begrifflichkeit etwas eingeläutet habe, wäre eine Diskussion wirklich schön. Als Kommentare lässt sich das aber schlecht machen, weshalb ich diese gerade hierher verlagern möchte.
    • Von Charyu
      Offlintreffen im Tscha-Nara Teegarten
      dem ersten Teegarten in Deutschland!
      - Korea und ein Hauch von ZEN -


       
      "Offlinetreffen" bringen wir im Forum ja automatisch mit einem Treffen von Forenmitgliedern in Zusammenhang, auf dem Tee verköstigt wird, Tee zeremoniell zubereitet wird, Teeutensilien vorgestellt werden, sich über den Geschmack von Tees ausgetauscht wird. Eine Teezeremonie Atmosphäre geschaffen wird. Eben die Schwerpunkte des TeeTalk Forums! Teeanbau und der Einkauf für den Handel, auch mal bestimmte Produktionstechniken hatte bisher Cha-Shifu (und der ein oder Andere, der damit in einem Teeanbau-Land in Berührung kam) mehr so als gern gesehene Randerscheinung mit ins Forum eingebracht.
      Aber im Grunde genommen bedeutet "Offlinetreffen" doch, das sich Forenmitglieder & Anhang persönlich außerhalb der virtuellen Welt des Forums treffen und sich über die Welt des Tees austauschen. 
      Dieser Definition folgend haben im Tscha-Nara Teegarten (und der Bonsai Schule Schneider, da ich nicht weiß wo die Bonsai Schule aufhört und der Tscha-Nara Teegarten anfängt) bereits zwei Offlinetreffen statt gefunden, ohne dass es uns bewusst gewesen wäre.
      Bereits beim ersten Besuch dachte ich, die Sitz-Ecke, in dem wir Tee tranken, wäre ideal für ein Offlinetreffen und Teeverkostung in einem sehr grünen und romantisch umrahmten Umfeld. Zeltartig überdacht, zwei Giebel und eine Seitenwand offen, der Blick auf einen begrünten Hang mit Buddha Statue und vielen Bonsai, die dort zwischen dem Grün platziert/ausgestellt sind, am Rand noch ein gemauerter Grill.

      Dao verdeckt hier gerade den von Efeu umrankten Buddha.
      Die Ausstellungsfläche für die Bonsai der Bonsai Schule Schneider erinnert mehr an einen japanischen Garten als eine moderne Verkaufsfläche eines Gartencenters. Dazu beitragend, die vielen Steinskulpturen wie die japanische Steinlaterne, Ganesha, und einige Buddha Statuen. Und wenn man genauer hin guckt, gibt es da auch sicherlich noch mehr zu finden, wie kleine Teiche im Bonsai Style. Ich hatte leider bisher nicht die Zeit hier zu stöbern, bin ehr im Galopp daran vorbei gelaufen. Aber immerhin konnte ich Tschanara dazu überreden einen Bonsai als Deko für unsere Tee-Ecke anzuschleppen.  Zuerst einen roten Ahorn und dann im Austausch einen hängenden Nadelbaum.

      @Tschanara Du musst mir bei diesem Artikel einfach mal hilfreich mit Ergänzungen, koreanischen Bezeichnungen, und der Geschichte zu dem auf dem Foto abgebildeten Tee Messlöffel aus Bambus mit Wurzelansatz aushelfen.  Und eben zu dem, was Dir sonst noch so einfällt, auch mit ergänzenden Bildern der Tee Ecke und des Bonsai Gartens (fürs Forum bitte ein bisschen romantisch verklärt).
      Ich traute mich aber nicht, Tschanara und Haeng ok (Hängog) diesbezüglich zu fragen, weil ich sie zu Nichts drängen wollte. Beim letzten Treffen am 28.05 dieses Jahres haben sie aber von sich aus vorgeschlagen ein Offlinetreffen im Tscha-Nara Teegarten (/Bonsai Schule Schneider) zu veranstalten. Sie möchten gerne noch mehr Foren-Mitglieder persönlich kennen lernen!
      Und so eröffne ich dieses Thema!
       
      Fortsetzung folgt! (Ich muss erst mal einen frischen Tee aufgießen und mich beim Schlürfen am Tee-Tisch mit Räucherstäbchen gedanklich erneut sammeln. )