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Teewissen und Teeerfahrung


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Hallo Freunde

Was heisst es, einen "guten Geschmack" zu haben? Heisst das, viel über Tee zu wissen? Heisst es, mehr und mehr differenzieren zu können, möglichst viele Kategorien zu bilden, diese und jenen Tee nach vorher festgelegten Kriterien zu beurteilen?

Diese Fragen beschäftigen mich schon seit längerem - nicht nur beim Tee.

Man kennt ja die Art Mensch, die mit Wissen vollgestopft sind. Bohrt man in die Tiefe, merkt man oft, dass es in einem gewissen Sinne gar nicht "ihr" Wissen ist, das sie da von sich geben. Es ist  Wissen, das sie bloss wiedergeben. Man verfügt nur über abstraktes Wissen, das oft aufgrund eines autoritativen Urteils als wahr angesehen wird. Dieses Wissen weist aber keinen Zusammenhang zu einem selbst auf, vielmehr stülpt man es über die eigene Wahrnehmung.
Ganz praktisch: Auf die Frage: 'Warum schmeckt es?‘ folgt die Antwort: Weil es diese und jene Sorte sei, weil es von dieser oder jener Region herkomme, diesen oder jenen Jahrgang aufweise, von diesem oder jenem Produzenten stamme („Oh, ein blablabla von blablabla aus dem Jahr blablabla, der muss gut sein.“). 

 

Damit idealisiert man die Schablone der sogenannten "objektiven Kriterien". Das mag dazu führen, dass man mit jemanden, der in den selben Mustern denkt, beliebig ausgetauscht werden kann. Man selbst ist in diesem Sinne gar nicht „da“; „Da“ ist nur das Wissen aus einem Buch, Wissen, das von anderen stammt, ein lebloser Kriteriensatz.

Das Manko besteht nicht nur darin, dass man seine (konkreten) Erfahrungen nicht in sein (abstraktes) Wissen integriert, sondern sie gänzlich durch einen Kriterienkatalog ersetzt, der nicht der eigene ist. Damit erübrigt sich ein Gespräch von vorne herein; Nichts überrascht, nichts interessiert, genausogut könnte man sich mit einem Automaten unterhalten.

Diese Haltung möchte ich gerne vermeiden. Ich habe mir darum vorgenommen, mir nichts theoretisches über Tee anzueignen, solange bis ich mich ganz konkret mit einem Tee beschäftige. Das fällt mir zwar schwer - ich bringe von Haus aus Lernfreude mit und denke auch gerne analytisch. Dafür mache ich die Erfahrung ganz für mich. Ich habe nicht nur Wissen von anderen in mir, sondern ganz speziell die Erfahrung, die meine Erfahrung ist.

"Geschmack haben" bedeutet eben nicht nur sich mit und um Tee auszukennen. Es bedeutet viel mehr. Und das möchte ich gerne entdecken.

Was meint ihr?

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vor 11 Minuten schrieb Mauritius:

Man kennt ja die Art Mensch, die mit Wissen vollgestopft sind. Bohrt man in die Tiefe, merkt man oft, dass es in einem gewissen Sinne gar nicht "ihr" Wissen ist, das sie da von sich geben. Es ist  Wissen, das sie bloss wiedergeben. 

Mit was für Leuten hast du denn zu tun? Derartige Aussage kenne ich ehrlich gesagt nicht, und ich tummel mich in verschiedenen Bereichen der Genusswelt. Höchstens von denen, die sich noch auf der steigenden Flanke des Mount Stupid befinden, aber da kann man nur drüber hinwegsehen.

Noch nie habe ich von jemanden, mit dem ich mich ernsthaft über Geschmäcker austausche, gehört, dass etwas gut sein muss. Man schlägt sich doch eher gegenseitig Sachen vor, die einem selbst schmecken und die man dem anderen deswegen empfiehlt oder zur Probe anbietet. Aber schmeckts dann nicht, hat der andere doch deswegen "keinen Geschmack"? Verletzte Eitelkeit ist auch fehl am Platz.

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Ich glaube, der Kern der ganzen Sache ist der gute alte elitäre Snobismus, welcher so alt ist wie die Welt selbst.

Ob Tee, Zigarren, Küchenmesser oder Motorräder, man wird immer wieder auf Leute treffen die sich aus ihrem theoretischen Wissen und ihren Erfahrungswerten jeglicher couleur eine Art "Identität" aufbauen, so dass jeder Versuch an dieser Identität zu "rütteln" (= neue Information, konstuktive Zweifel und Kritik) als ein persönlicher Angriff gewertet wird. Und besonders in heutigen Zeiten ist es auch sehr einfach sich Menschen zusammen zu suchen, die sich im demselben "Meinungskorridor" befinden, was sich dann bildet ist im Englischen als "echo chamber" bekannt. Dann passiert es oft dass ein solches Häuflein von Menschen auf die weitgehend unwissende Öffentlichkeit trifft, wo ihre Meinung eben keine kritische Überprüfung erfährt und sich dementsprechend stark auf diese Öffentlichkeit abfärbt. Umso gravierender fällt dann ein früher oder später einsetzender "reality check" aus :)  https://de.wikipedia.org/wiki/Weinjury_von_Paris

Was den Tee konkret angeht, steht mein Motto in der Signatur. In meinem Sinne ist "Geschmack haben" weniger eine Fähigkeit oder ein angeeigneter akademischer Wissensfundus, sondern eine reichhaltige persönliche Erfahrung wie verschiedene Tees, Aufgussweisen und Arten des Teekonsums auf MICH persönlich wirken! Und aus dieser Erfahrung, wenn diese groß genug ist, kann man dann, sehr langsam und vorsichtig, einige Generalisierungen ableiten. Und selbst wenn diese Generalisierungen erst mal stehen, muss man innerlich IMMER für ein Update oder komplettes Umdenken bereit sein.

Natürlich gilt das alles nicht wenn jemand nicht wirklich am Tee, sondern nur am identitätsstiftenden Effekt der Teekultur interessiert ist... 9_9

Bearbeitet von OstHesse
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vor 8 Stunden schrieb goza:

Noch nie habe ich von jemanden, mit dem ich mich ernsthaft über Geschmäcker austausche, gehört, dass etwas gut sein muss.

Hah, selbstverständlich gibts das - sogar die meisten Menschen gehen anders an Produkte hochtrabender Provenienz heran.

Interessantes Beispiel gefällig? Frank M. gibt diesem neuen Shou von Scott bereits vor dessen Verkostung 5 Sterne! 

ABER: Ich finde das gar nicht schlimm, höchstens amüsant. Andere Mensch wegen ihrer Fehler ablehnend, distanzierend zu kritisieren, sie als Menschen herunterzukategorisieren ist ein wesentlich schlimmerer Fehler.

Er ist vielleicht einfach kindlich begeistert, ist das schlimm? Und auch wenn er seine Identität im Kenner der Teekultur zu sein hätte - ist es mein Bier? Bringt es ihm etwas, wenn ich ihn deswegen kritisiere? Der viel bessere Weg ist es, was wirklich etwas bringt, wenn die Menschen einander mit ihren Unvollkommenheiten annehmen und einander einfach gern haben und das Leben gemeinsam geniessen.

vor 8 Stunden schrieb Mauritius:

Nichts überrascht, nichts interessiert, genausogut könnte man sich mit einem Automaten unterhalten.

Ich denke ich weiss was du meinst, das hat mMn damit zu tun nichts falsches sagen zu wollen, aus Angst davor deswegen abgelehnt, degradiert o.ä. zu werden. Aber das hat nichts mit Freundschaft zu tun, worin man ganz echt und ehrlich sein kann. Wer andere wegen falschen Meinungen über Tee o.ä. doof findet, ist selbst eine bemitleidenswerte Kreatur, die genau solche bedingungslose Annahme und Freundschaft bräuchte.

Du kannst ja ganz einfach auf das Persönliche eingehen - was er selbst  empfindet etc., und bewusst betonen, dass es doch egal ist, wenn man mal etwas falsch sagt.

Ergänzend:

Am 23.5.2021 um 11:46 schrieb GoldenTurtle:

Die Frage ist eben: bringt es einem wirklich etwas, alles über etwas in der Theorie zu erfahren?

Fortschritt, der nur aus Wissen, aber nicht aus praktischer Erfahrung besteht, ist meiner Meinung nach kein echter Fortschritt.

Der persönliche Austausch in Ehren, dagegen spreche ich keineswegs, aber wesentlich relevanter als sich von noch mehr Quellen alle möglichen Informationen holen zu können, ist die persönliche Erfahrung und die eigene Meinungsbildung (genau eben nicht von anderen nur alle Ansichten zu kopieren) - und das dauert nun halt einmal, Abkürzungen hingegen führen im Leben fast nie ans gewünschte Ziel.

Wenn dieser Fortschritt nicht natürlich ist, wenn die Schere zwischen Wissen und praktischer Erfahrung zu weit auseinander klafft, unterhalten sich letztlich Leute über LBZ und BHT, die damit gar keine eigene Erfahrung haben. Und was bringt es jemandem überhaupt, andere über Tees aus solchen Orten referieren zu hören, wenn er diese selbst gar nicht kennt?

Darum ist mein persönlicher Ansatz in der Selektion auch kontra-elitär, genau nicht solche 10€/g Tees, die sich kaum jemand leisten kann (obwohl ich diese persönlich auch kenne), jedoch die meisten dann nur von anderen darüber lesen oder hören können, sondern Tees, die sich die meisten leisten können und über die man sich dann gemeinsam unterhalten kann - und um sich einfach nur über Tees die man selbst auch hat unterhalten zu können, was wie gesagt für den eigenen Fortschritt letztlich viel, viel wichtiger ist, als alles über alles zu wissen, dafür reicht das Teeforum weitaus - zu viel theoretisches Wissen kann sogar für persönlichen Fortschritt ein Hinderungsgrund sein, wenn die Leute sich gar nicht getrauen ihre persönliche Meinung, Empfindung und Erfahrung kundzutun.

 

vor 11 Minuten schrieb GoldenTurtle:

Aber das hat nichts mit Freundschaft zu tun, worin man ganz echt und ehrlich sein kann. 

Nachtrag nach der Bearbeitungszeit: Mit Freundschaft oder einem lebendigen, lebensbejahenden Miteinander

Bearbeitet von GoldenTurtle
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vor 2 Stunden schrieb GoldenTurtle:

 ...Der viel bessere Weg ist es, was wirklich etwas bringt, wenn die Menschen einander mit ihren Unvollkommenheiten annehmen und einander einfach gern haben und das Leben gemeinsam geniessen....
 

Mann, Kröte das Wort zum Sonntag ist erst in vier Tagen fällig:)

(Ich weiß nicht, ob ihr das in der Schweiz auch habt: https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/wort-zum-sonntag/videos/index.html

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vor 37 Minuten schrieb GoldenTurtle:

PS: Und ich weiss noch immer nicht wer Mauritius ist! 🤣
Bist du der unterdessen wohl ehemalige Theologiestudent, der zumindest früher in Basel gewohnt hat?!?

Ich gebe zu: Das hier ist auch nicht mein richtiger Name. Im Internet bin ich schon seit 20 Jahren inkognito unterwegs...

...ja, das waren Zeiten, mit Compuserve, AltaVista, yahoo und Windows 2000er, als nur 10MB pro Monat (!) im Abo enthalten waren, und man den überschiessenden Anteil dann noch teuer draufzahlen musste :-)

Wir sind uns tatsächlich noch nie begegnet. Aber das können wir gerne ändern.

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vor 16 Minuten schrieb Mauritius:

Wir sind uns tatsächlich noch nie begegnet.

An Teerunden oder Teeseminaren bei Shuitang warst du früher auch nie?
Oder an den von Gabriele früher oft geplanten Teerunden?

@Paul 😅👍

PS @Mauritius: Du kannst bei Gelegenheit gerne mal an ne Teerunde bei mir kommen wenn du magst.

Bearbeitet von GoldenTurtle
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vor 12 Stunden schrieb GoldenTurtle:

An Teerunden oder Teeseminaren bei Shuitang warst du früher auch nie?
Oder an den von Gabriele früher oft geplanten Teerunden?

Nein.

 

vor 12 Stunden schrieb GoldenTurtle:

kannst bei Gelegenheit gerne mal an ne Teerunde bei mir kommen wenn du magst.

Gerne. Schick mir einfach eine PM.

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    • Von Amabila
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      Bin durch Zufall darauf gestossen und wollte nun mal selbst eine Frage stellen


      Ich trinke schon seit vielen Jahren Tee, früher war dies eher Schwarztee - bin dann aber nach und nach zum grünen Tee gekommen und hab mich auch schon seit einiger Zeit etwas durchprobiert. Richtig hochwertigen Tee habe ich aber (denke ich zumindest) noch nie getrunken.


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      ...:)
    • Von Cha-Shifu
      Liebe Teekalker,


      wie und woher bekommt ihr eure Tee Expertise?


      Ein interessanter Träger von Shopnews, Wissen und Trends ist ein Email Newsletter. Ich habe mich in vielen eingeschrieben um mich mit dem Wissen Rund um Tee außerhalb meine Wahlheimat China auseinander zu setzen, interessant was, wann, wie und mit welchem Fleiß die Herausgeber jener Emails mir weiter helfen.


      Mich interessiert wie Ihr zu diesem Thema steht!


      Grüße,


      ChaShifu



      PS: Hatte heute einen kurzen knackigen und vorallem informativen Newletter in meinem Posteingang von teeherz.de zum Thema Inhaltsstoffe von Tee.



    • Von dunaspex
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      Nun zu meinem Problem:


      Ich habe kein geordnetes Bild wo ich Anfangen soll um mich weiter zu bilden, diese Thematik ist so vielfältig und ich habe keinen Plan.

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      Wer kann mir einen Tipp geben ?



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