Amalie

Tee-Sommelier: Ernsthafter Beruf oder Jodeldiplom?

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Vielleicht noch ein paar Worte von mir, da ich durch meine Arbeit ziemlich involviert in die ganze Geschichte bin.



Motivation für uns war nicht, eine besondere Verkäufer-Qualifikation zu beteiben oder schwülstige Zertifikate zu verteilen. Das Anliegen unseres Firmengründers und Initiators des Programms war es, teebegeisterte Menschen in die Lage zu versetzen, Ihre Leidenschaft für Tee mit anderen zu teilen. Teeseminare bei der VHS veranstalten, soetwas wie Tupperparties mit Tee veranstalten oder in der Gastronomie die Gäste beraten bzw Serviepersonal speziell zu Tee zu schulen - das haben wir im Sinn gehabt, als wir dieses Ausbildungsprogramm konzipiert haben.



Die Namensfindung war wirklich schwierig. Erst geisterte der Ausdruck "Teebotschafter" durch unsere Köpfe. Wäre das der bessere Name gewesen? Ein Sommelier kann dem Weintrinker Anregungen geben, welcher neue Genuss sich wo offenbart, auf welche Qualitäten man achten kann ... und im Idealfall lässt er die Begeisterung überspringen.


Das wollten wir auch im Tee haben - ein Anliegen, dass vermutlich viele TeeTalker teilen.



Die Ausbildung erfolgt in Zusammenarbeit mit der IHK, die Standards garantiert und so sicherstellt, dass es eine allgemeingültige Ausbildung ist - nicht zu spezifisch auf unser Unternehmen zugeschnitten. Der TeeTalker namens "TeeSommelier" hat z.B. in Rosenheim ein Teegeschäft eröffnet - in Konkurrenz zu einem bestehenden TeeGschwendner-Fachgeschäft. In fast jedem Durchgang sind auch ein-zwei Teilnehmer dabei, die bei unseren Mitbewerbern arbeiten. Das ist aber kein Problem - uns eint dann die Begeisterung für Tee. Diese Begeisterung zu teilen - das ist das Anliegen hinter dem ganzen.



Dafür wird natürlich viel Teewissen vermittelt. In den ersten beiden Ausbildungsblöcken konzentriert man sich auf Teesorten und -regionen, Anbau und Verarbeitung. Im dritten Block nehme ich die Teilnehmer mit auf eine Reise durch Teetraditionen der Welt mit kräftigen Schwerpunkten in China (gemeinsames Gongfucha) und Japan. Dabei kommen die Teilnehmer erstmals in die Rolle als Präsentator / Wissensvermittler. Nach einem Teil zu praktisch organisatorischen Themen zur Veranstaltungsgestaltung und -vorbereitung geht es dann weiter mit Rhetorik und Präsentationsschulungen. Am Anfang der Blöcke 2,3 und 4 erfolgt jeweils ein schriftlicher Test über den Stoff des vorangegangenen Blocks. Am letzen Tag des 4. Blocks präsentieren die Teilnehmer dann vor einer Prüfungskomission, wie sie ein Teeseminar abhalten. Dabei werden Fachwissen und Präsentationsleistung bewertet. Dafür muss man eine Menge büffeln - das passt nicht ganz zum Jodeldiplom, wie ich es bei Loriot kennengelernt habe.



Einige der TeeSommeliers arbeiten tatsächlich im Tee-Einzelhandel. Andere in der Gastronomie und einige halten Teeverkostungen und Seminare in den diversesten Rahmen ab. Und einige investieren Geld (die IHK hat Gebühren, die nicht ohne sind) und ihren Urlaub ... einfach nur, weil sie sich total für Tee begeistern.


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Nichts gegen Dich Gero, ich lese Deine Beiträge immer mit großem Genuß und Gewinn!



Aber soviel selbstlose  (man beachte kursiv !) Aufopferung für die Teebegeisterung der Menschen wie bei Deinem Firmengründer und Initator des Programms treibt mir dann aber doch die Tränen in die Augen.


Was soll´s, jeder trommelt für seinen Stamm - aber hier ist es schon ein wenig arg laut.


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Ich möchte mich mal selber zitieren:



Ich glaub der Tea Taster ist doch ein ganz andere Nummer als ein "Tee-Sommelier"



Sehe ich dass, vereinfacht Ausgerückt so richtig: Der Tea Taster ist im weiteren Sinne der "Teemacher" und der Tee-Sommelier ein über begeisterter Teefan mit weiteren Ambitionen, die sowohl nur dem besseren privaten Verständnisses des Teeweges so wie auch beruflichen Art sein könnten? :whistling:


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Als Tea Taster arbeitet man im Einkauf und oder der Produktentwicklung. In der Regel arbeitet amn mehrere Jahre unter Anleitung, nach einer kaufmännischen Ausbildung, bevor man sich Tea Taster nennt.

TeeSommelier (IHK) ist eine Ausbildung, die auf die Beratung von Teetrinkern abzielt. Also eine ganz andere Zielrichtung als Tea Taster. Die Ausbildung kann auch innerhalb eines halben Jahres abzuschließen.

Wir sollten uns vielleicht vor Augen führen, dass man auch nicht einen Fahrradkurier mit einem 7t LKW vergleichen kann. Beide werden gebraucht, aber für ganz unterschiedliche Einsatzgebiete.

bearbeitet von geroha

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Die Kursteilnehmer in Loriots Jodelschule haben auch gebüffelt. Ich hab den Sketch nicht mehr ganz im Kopf, aber da gab es auch Hausaufgaben, einen Aufsatz von irgendeinem rennomierten Jodler lesen, beispielsweise. Ich glaube, sich als Judelaspirant mit Sachen wie "Zweites Futur bei Sonnenaufgang" auseinanderzusetzen, braucht auch Zeit und Hingabe. 


Für mich hat ein Jodeldiplom vor allem zwei Eigenschaften: 1. Es verbessert nicht wesentlich die Chancen auf dem Arbeitsmarkt (Frau Hoppenstedt wäre sicherlich enttäuscht, falls "etwas passierte" oder wenn die Kinder aus dem Haus wären) 2. Es ist nicht klar ersichtlich, in wiefern sich der Diplomierte vom Nichtdiplomierten unterscheidet. Der Jodelprofessor ist zwar 100% überzeugt, daß das Diplom-Jodeln nicht vergleichbar ist mit dem herkömmlichen Jodeln, aber er kann nicht verständlich — zumindest für den Nicht-Jodler — erklären, worin denn der Unterschied besteht.


Ich weiß selber nicht genau, warum ich so sehr auf dieser Ausbildung rumhacke. Ist es der Neid der Besitzlosen? Daß ich mir so einen Kurs nicht leisten kann? Oder daß ich allgemein den Eindruck bekommen habe, der Fachhandel hat größtenteils von Tuten und Blasen keine Ahnung? Wer weiß.


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Oder daß ich allgemein den Eindruck bekommen habe, der Fachhandel hat größtenteils von Tuten und Blasen keine Ahnung? Wer weiß.

Ich glaube, der Eindruck ist nicht sooo falsch!!

Ein Erlebnis im Aquarium"fach"geschäft: Beabsichtigter Kauf von neuen Leuchtstoffröhren. Artikel 1: 18 €; Artikel 2: 25 €.

Frage meinerseits: "Was ist denn der Unterschied?

Antwort allen Ernstes (nicht kursiv!): "Die zu 25 € sind teurer!"

Soviel dazu.

P.S.

Das Aquariumhobby habe ich, nicht deswegen, aber aus diversen anderen Gründen inzwischen aufgegeben.

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Ähnlich ist es auch bei der Musik, da gibt es auch viele nicht geschützte Titel. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass all jene welche hierzu eine richtig und gute Schulung absolviert haben, dann auch ein überdurchschnittliches Gehör haben. Diese Leute sind dann auch in Musikproduktionen gefragt. Nachweis solcher Schulungen und Qualifikation erfolgen dann aber durch den jeweiligen Arbeitgeber, der sehr wohl um all die anderen weiß, welche sich gerne mit solchen Titeln schmücken, aber die erforderlichen Anforderungen, bei weitem nicht erfüllen.


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Letztlich ist das doch in vielen Bereichen, das nach außen dicker aufgetragen wird, als nötig wäre...


Tatsächliches Wissen und Erfahrung im Umgang mit Tee mündet doch oft in die Erkenntnis, dass der


größte Teil noch "Unerforschtes Gebiet" ist und man mal wieder nur leicht an der Oberfläche gekratzt hat.



Gerade die Dynamik des Unkontrollierbaren, sich ständig verändernde Ausgangssituationen in der Zubereitung


bereichern die einzelnen Sessions doch ungemein... dann noch ein guter Teil "persönliche Wahrnehmung" und 


schon ist die Reproduzierbarkeit von Geschmack aus den Fugen...



Tobias


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Um auf die Ausgehende Frage zu kommen: "Tee-Sommelier: Ernsthafter Beruf oder Jodeldiplom"


Eigenltich ist die Frage ganz leicht zu beantworten... und zwar mit "weder noch".


Tee Sommelier ist kein Ausbildungsberuf, es ist eine zusatzqualifizierung welche man u.a. an der IHK (in Zusammenarbeit mit TeeGschwendner) oder z.B. an der Hotelfachschule Rostock absolvieren kann.



Es ist kein Beruf, aber um diesen "Titel" zu erhalten, muss man Prüfungen absolvieren. Somit ist zumindest sichergestellt, dass es sich bei dem Tee-Sommelier um jemanden handelt, der über ein gewisses Grundwissen verfügt und dieses bei Bedarf mehr oder weniger gut an seine Mitbürger weitergeben/teilen kann.


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Ich finde es sehr passend, daß wir "Deutschen" so etwas anbieten :)



(und - meiner Meinung nach braucht das eigentlich Niemand)


Wer sich mit Tee viel beschäftigt, wird das Wissen bzw die Kenntnis bekommen.


Hier gab es den Satz - man sollte die "100 wichtigsten  Tees" kennen und erkennen ikönnen.


Ein guter Teehändler kennt an sich sein gesamtes Sortiment mehr oder weniger gut. Sollte da schon fast alle erkennen können - vielleicht nicht alle trocken, aber gegossen oder im Zweifel im Vergleich sollten die Tees schon erkannt werden.


(natürlich gibt es auch Ausnahmen - wenn nun mal eine Sparte so gar nicht zu den gerne getrunkenen Tees gehört, dann können da schon Fehler passieren)



Aber wenn es Spaß macht, warum nicht.



Doch es gibt auch eine andere Seite.


Da wir "Deutschen" ja viel auf Zertifikate und Stempel und Beglaubigungen und und geben, kann es passieren, daß manch eine/r denkt, Der- oder Diejenige mit dieser Auszeichnung wüsste besser Bescheid als ein Anderer ohne. Was Unfug ist.


Wer die meiste Erfahrung und Hingabe hat, wird vermutlich am besten Bescheid wissen. Der Zettel hat da überhaupt keine Aussagekraft.


Und doch kann es leicht zu einer Überschätzung der eigenen Fähigkeiten kommen, wenn man dann solch Prüfungen bestanden hat.


Man hat ja den Titel - also ist man wer!



Es erinnert mich ein bisschen an den Kletterschein.


Da werden langjährige Kletterer gefragt, ob sie denn einen Kletterschein hätten, sonst wäre ja nicht nachgewiesen, daß sie sichern könnten.


Was für ein Blödsinn - ein langjähriger Kletterer kann x-mal besser sichern, als Frischlinge oder  Ähnliches. Da ist Erfahrung und Routine dahinter.


Und dann kommen am Ende Neulinge und denken, nur weil sie diesen Schein haben, könnten sie gut und verlässlich sichern, sind dann bei Stürzen aber überfordert, verletzen sich selber und auch für die Gesicherten kann es schwierig werden.



Von daher hat so ein Schein zwei verschiedene Seiten - Tee-Sommelier genauso wie Kletterscheine.

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Ich schalte mich in diese Diskussion ein. Mein AG hat mich für diese Ausbildung angemeldet und gestern bin ich vom ersten Block-Seminar wiedergekommen. 


Da mir die Diskussion in diesem Thread nicht entgangen ist, habe ich einige Aussagen im Blog besprochen. Hier der Artikel dazu: 


http://blog.teekeramik.com/2015/01/was-man-bei-der-ausbildung-zum-tee.html


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