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Liebe Teefreunde

Es gibt besonders rund ums Thema Sheng enorme Missverständnisse, dass ich hier ein paar der wichtigsten Erkenntnisse sammeln möchte, um endlich etwas mehr Klarheit zu schaffen:

vor einer Stunde schrieb GoldenTurtle:

wie man klar erkennen kann, magst du es gerne etwas ruppig, wild, kantig - selbstverständlich gefällt dir dann Pflückgut von jüngeren Bäumen wie beim 18er GFZ besser als von wirklich alten Bäumen - denn je älter, desto sanftmütiger und tiefer.


Wirkung

Richtig alte Bäume haben keine teadrunk / Flasherwirkung!!
Solche jugendliche Wirkungen, auf die einige aus sind, können etwas grössere Sträucher bis grössere Bäume aufweisen, i.d.R. zwischen 50-100 Jahren (was eben meist fälschlicherweise als Gushu verkauft wird - weswegen die Leute zu dem falschen Fazit gekommen sind, Gushu Sheng habe eine besonders intensive Wirkung).
Die Wirkung von echtem Gushu Pflückgut hingegen ist viel in sich gekehrter, meditativer, sanftmütiger und tiefer.

 

Was bedeutet der im Zusammenhang mit Sheng oft erwähnte Begriff Komplexität?

Am 27.1.2022 um 14:04 schrieb GoldenTurtle:

Ich sehe Komplexität grundsätzlich in 2 Dimensionen:
im Moment, d.h. die geschmacklich-aromatische Vielschichtigkeit,
aber auch über die Zeit gesehen; die Wandlung über die Aufgüsse hinweg

Am 1.2.2022 um 15:23 schrieb GoldenTurtle:

Für mich ist die Komplexität* des Pflückguts hauptsächlich das Resultat von zwei Aspekten: 

1: Je kleiner, feiner, unausgereifter das Pflückgut, desto aromatisch komplexer, nuancenreicher, feingliedriger, feinstrukturierter (wenn man dies durch die Weiterverarbeitung hindurchzutragen versteht)

2: Entfernt vergleichbar mit der Weissweinproduktion - das Klima, beim Tee aber hauptsächlich zwei Wochen vor der Ernte: die kühleren Nächte im Frühling und Herbst bringen eine zusätzliche Geschmackskomponente im Tee hervor, beim Weisswein die Säure, beim Tee würde ich es als Frische und Spritzigkeit benennen, wofür (in Yunnan) der Frühling aber noch besser geeignet ist als der Herbst.

*(die Weiterverarbeitung hingegen kann jedoch gewisse Nuancen nicht nur hervorbringen und/oder betonen, sondern auch überbetonen, was der Komplexität abträglich ist, bspw. die überproportionale Hervorbringung von Süsse, wodurch andere Aspekte verblassen)

 

Bearbeitet von GoldenTurtle
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Geschrieben (bearbeitet)

Diesen weiteren, sehr wichtigen Punkt zum tieferen Verständnis von Sheng möchte ich in diesem Thema ebenfalls festhalten:

vor 4 Stunden schrieb GoldenTurtle:

Grün produzierte Shengs (d.h. Shengs mit einer grünen Aufgussfarbe) sind frisch zugänglicher,
reifen aber weniger gut als richtig durchgewokte Shengs mit einer goldenen Aufgussfarbe, die eine tiefere Verarbeitung hinter sich haben.

Shengs, welche jung eine goldene Aufgussfarbe aufweisen ...

vor 4 Stunden schrieb GoldenTurtle:

... brauchen mehrere Jahre (guter) Reifung nach der intensiven Sheng-Verarbeitung bis sie richtig aufgehen, will heissen bis sie vollmundig werden und mehr Einblick in die Tiefe gewähren.

 

Shengs mit einer grünen Aufgussfarbe hingegen sind lagertechnisch eher wie Grüntee zu betrachten und handzuhaben, d.h. diese sind eher für den frischen Konsum produziert und etwa 2 bis 3 auf ihrem Zenit. Solche grünproduzierten Shengs geraten dann ab so 5, 6 Jahren in die sogenannte "awkward phase", die Ursache dafür wurde jedoch jahrelang missverstanden - ein Sheng hingegen, der frisch eine goldene Aufgussfarbe aufweisst, dreht mit 5, 6 Jahren (bei anständiger Lagerung) erst so richtig auf.

Nachtrag: Kann den Beitrag nicht mehr bearbeiten - im vorangehenden Abschnitt sollte es heissen:
"Shengs mit einer grünen Aufgussfarbe hingegen sind lagertechnisch eher wie Grüntee zu betrachten und handzuhaben, d.h. diese sind eher für den frischen Konsum produziert und etwa 2 bis max. 3 Jahre lang auf ihrem Zenit."

Bearbeitet von GoldenTurtle
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Am 2.5.2022 um 11:58 schrieb GoldenTurtle:

Richtig alte Bäume haben keine teadrunk / Flasherwirkung!!

Das find ich tatsächlich sehr interessant: Gibts da entsprechende Arbeiten/ Theorien zu? Können diese alten Sträucher/Bäume bestimmte Stoffe nicht mehr produziern bzw. brauchen dies nicht mehr? Oder werden gar Stoffe gebildet, die die Wirkung maskieren? Eine andere Idee kännte auch sein, das das Teadrunk phänomen eigentlich auf den Stress zurückzuführen ist, welchen jüngere Teesträucher eher erfahren als ehrwürdige alte (plantage/ jung -> "Massentierhaltung" vs schützenswerte alte Bäume), oder? Ne andere Option könnte man warscheinlich in der Selektion für Kultivare bzw. den nat. wiss. Fortschritt was manipulation bestimmter eigenschaften angeht...

 

Am 3.5.2022 um 15:31 schrieb GoldenTurtle:

Grün produzierte Shengs (d.h. Shengs mit einer grünen Aufgussfarbe) sind frisch zugänglicher,
reifen aber weniger gut als richtig durchgewokte Shengs mit einer goldenen Aufgussfarbe, die eine tiefere Verarbeitung hinter sich haben.

Da hab ich vor einiger Zeit ein interessantes Video gefunden:https://www.youtube.com/watch?v=_PiYk81fd-I Ab so ca. 6:50 wird über die Möglichkeiten durch einen angepassten "Kill Green"- Process gesprochen und wie man früher an trinkbare Ergebnisse kommt, alllerdings auf Kosten von Alterungspotential. Ca. 10:30/11:10 ist auch noch recht interresant: da wird über das Potential von Blending gesprochen. -> ist eigentlich etwas schade das man solche doch sehr Innovativen Ideen unbedingt unter dem Label Gushu verticken will (ehrlich ist das auch nicht... wie sagt man so schön: Die Welt will beschissen werden😔)... Da könnte doch eigentlich etwas neues sehr interessantes eigenes draus werden.

 

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    • Von real_G
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      Dazu ein Beitrag auf meinem blog:
      https://krabbenhueter.blogspot.com/2019/11/gushu-shu-puerh-2.html
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      https://krabbenhueter.blogspot.com/2019/10/gushu-shu-puerh-1.html
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    • Von VanFersen
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      Ich kann mir nur vorstellen, das Toxine oder Arten von Pilzen in dem Blattwerk jene Wirkungen hervorrufen. Denn, dass es der Tee als solches selbst ist, wage ich eher zu bezweifeln. Sicher wurde nun all dies ein Teil des Gesamtprodukts, aber ich denke nicht das diese Wirkung primär ein Bestandteil des eigentlichen Tees ist.
      Was denkt ihr? Was waren eure Beobachtungen im Bezug auf eure körperliche Reaktion und was denkt ihr ruft solche Gegenreaktionen hervor?
    • Von Tobias82
      Hallo zusammen,
      da ja manche Verkostungen eher etwas knapp ausfallen in letzter Zeit und man auch den meisten Tees mit 10 Zeilen im "welcher Tee ist heute in der Tasse"-Faden
      nicht wirklich gerecht wird, bzw. man die Thematik nur kurz anreißen, wollte ich mal wieder einen besonderen Tee etwas ausführlicher besprechen. Ohne lange
      zu überlegen, bzw. einen speziellen Tee des letzten halben Jahres heraus suchen zu müssen, nehme ich einfach mal den Kuchen, den ich in letzter Zeit öfter, aber 
      gerade die letzten 2 Tage gebrüht habe.
      Ich hoffe, über mehrere Posts mal einen etwas allgemeineren, aber auch weiteren Eindruck dieses Tees zu schilder, und auch 2-3 Punkte zu benennen, die beim Brühen
      von relativ jungem Sheng auffallen, bzw die ich auch über die letzte Zeit zu lösen versucht habe. Aber um nicht gleich mit Kritik oder Lob zu beginnen, wollte ich einfach 
      mal anhand von ein paar Bildern die Hardware, also den Kuchen und die Blätter ohne Geschmack und Aromen zu beschreiben.
      Generell ist halt interessant, dass die heutigen Tees oft vom Äußeren her schon gut aussehen, das vor Jahren noch vorherrschende Gebrösel und die vielen kaputten Blatt-
      fragmente findet man in den jüngeren Pressungen nicht mehr so häufig. Auch die günstigsten "daily-drinker" bei w2t sehen zumindest optisch schon immer ganz gut aus.

      Von daher stellt sich schon die Frage, was hat sich verändert, bzw. worin liegt denn der tatsächliche Unterschied zwischen einem 30$ Kuchen und einem für 100$?
      Gerade aus diesem Grund wollte ich mir den Bulang, wie oben beschrieben mal etwas genauer ansehen. Denn für den sehr vielversprechenden Namen sind ja die
      55 Franken schon fast ein Schnäppchen, bzw. man fragt sich, geht da noch viel mehr, bzw. auch "muss da noch viel mehr"? Gerade wenn man sich den Kuchen mal 
      genauer an schaut...
       
      Vom Aussehen her mittlerweile fast schon Standart, übliche schlichte Verpackung von "western-style-pu´erh",
      aber auch ansprechend, da auf knallige Farben und übertrieben Grafiken verzichtet wurde
       
       
      Der Tee wurde natürlich schon 2-3 mal "angenagt", aber es sind tatsächlich sehr hübsche Blätter außen verarbeitet,
      aber auch relativ potentes Material mit viel weißem Flaum kommt zum Vorschein. Ob das eine Seriennummer, oder
      Pressnummer auf dem kleinen Bild daneben ist?
       

      kleine Detailaufnahme des Ausschnittes von oben... meine Kamera ist wirklich nicht die beste, aber man sieht, dass
      ganze Blätter verarbeitet wurden und auch die losen Stücke aus ganzem Blatt bestehen.
       
          
      weitere Details des verwendeten Blattmaterials
       
      Man schreibt ja nicht über einen Tee, der einem nicht gefällt, bzw. den man nicht grundsätzlich trinkt, bzw auch mag, von daher hoffe ich, dass die etwas
      eingefärbten Kommentare nicht gleich als unlauterer Wettbewerb gesehen werden, zumal der Tee auch schon wieder mindestens drei Monate bei mir zu
      Hause liegt. Mit den Bildern wollte ich den Teil abarbeiten, den man auch bringen muss, wenn man später ins Detail gehen will.
      Neben verschiedenen Aufgußgefäßen und Temperaturen, geht es mir im Moment besonders darum, die unterschwellige Herbe von jungem Sheng abfangen
      zu können. Denn neben der sehr moderaten Bitterkeit, die man bei einem Bulang schon erwartet, kam anfangs ganz schön viel Herbe dazu, die anscheinend
      aus dem noch sehr jungen, grünen Blatt kommt und nichts mit der typischen Bitterkeit von Sheng zu tun hat. Scheint tatsächlich so, als ob viele Stoffe tatsächlich
      noch chemisch umgewandelt werden müssen und sich später zu den Alterungsaromen entwickeln.
      Jedenfalls stört diese Herbe schon, wenn man relativ filigranen und leichten Sheng trinkt, gerade wenn es um da berühmte Mouth-Feeling geht. Wenn einem
      dann die Herbe sehr dominant auf der Zunge liegt, stört das den weiteren Verlauf der Session schon und gerade das war der Punkt, an dem ich ansetzen und
      arbeiten wollte, bzw. was kann man durch veränderte Aufgussparameter wirklich noch raus holen. Soviel vorweg, es hat tatsächlich funktioniert! Was mich selbst
      freut und zeigt, dass man mit Tee wirklich arbeiten kann.
      Details zu einer einzelnen Session, bzw. konkrete Brühtechnik wollte ich später mal beschreiben...
      Hoffe, dass ist nicht zu viel auf einmal. Wollte den Cake mal kurz umreißen und dann von Tag zu Tag ein bisschen was schreiben...
      Bis dann!  
       
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