Zum Inhalt springen

Euer Tee-Fehlkauf des Jahres


Empfohlene Beiträge

Geschätzte Teefreunde

Aus Fehlern zu lernen ist gut, darüber auch noch lachen zu lernen wohl höhere Lebenskunst.

Seit damals sind einige Jahre vergangen und neue Fehler wurden begangen.
Fälle von bspw. schimmligen Fladen, die aber erstattet wurden, zählen hierbei nicht.

Ein Fall, der es an die Spitze meiner "Fehlkauf des Jahres"-Liste geschafft hat ist ein renommierter 12er Shou der Menghai Factory aus derer hochqualitativsten Produktlinie, dem aber scheinbar die Lagerung gar nicht recht bekommen ist.

304872453_20220804_133239-Kopie.thumb.jpg.7b9d8d3344cdd4c629761dedaa70c395.jpg

Der fette Vorsitzende meinte: "Der riecht wie wenn ein Wein korkt."
Auf diesen Vergleich war ich selbst gar nicht gekommen, aber ich musste ihm zustimmen.
Ich lüfte den Shou nun schon seit etwa einem Jahr offen, ohne erwähnenswerte Besserung.
Geliefert wurde er in einer relativ edel wirkenden Geschenkverpackung - und das ist möglicherweise auch die Quelle des Übels, denn die Verpackung weist ebenfalls noch immer diesen sonderbaren Geruch auf - vielleicht war es ein schlechtes Kartonjahr.

Hier die Erklärung aus der Weinwelt:

Kopie-von-Was-ist-Tannin_-5_png-1024x1024.png
Quelle

Vielleicht ist diese Erklärung ja auch auf die betreffende Kartonlagerung übertragbar, denn chlorhaltige Substanzen wären beim Karton, der gebleicht wurde, denkbar, und Phenol ist so weit ich weiss im Tee enthalten.

Die Optik des Tees wirkt auf jeden Fall ziemlich makellos und er ist mMn definitiv kein Fake.
Aber der gerissene Händler hat mir dafür nur einen 10%-Rabattcode angeboten, welcher ihn gar nichts kostet, weil bei dem gibts übers Jahr verteilt immer wieder 10%-Aktionstage.
Inkl. Versand war der Shou doch etwa €80.
Bitter, selbst für einen Shou.

Darüber zu lachen bin ich noch am lernen.

Aber nun Bühne frei, ich bitte um Berichte eurerseits (darf sich auch um Keramik handeln).

Link zum Beitrag

Mein größter Fehlkauf war ein "Sencha" Vanille, obwohl ich bereits einige Monate lang "richtigen" Tee getrunken habe. Meine Eltern waren zu Besuch und wollten mir eine Freude machen. Als wir in dem hiesigen Teeladen waren, wollte ich dann aus Höflichkeit nicht ablehnen...

Damals schmeckte er gar nicht so schlimm. Heute hat meine Freundin einen Kaltaufguss mit ihm gemacht und mich probieren lassen... Es schmeckt einfach nur nach billigstem Vanillearoma mit Kraut. Nichts, was einen Sencha besonders macht, findet sich in diesem "Tee" wieder. :(

Link zum Beitrag

Okay, ich schließe mich man an. Dieser zu Jahresbeginn von mir so frenetisch bejubelte Tee:

Am 23.1.2022 um 13:36 schrieb SoGen:

Ein Lingyun Bai Hao (凌云白毫), '21er Frühlingspflückung. 'Bai Hao' bedeutet 'weißer Flaum', der in der Tat auch reichlich vorhanden ist. Lingyun liegt im Westen des autonomen Gebiets Guangxi (Yao-Ethnie) unweit - für chinesische Verhältnisse, versteht sich - der Grenze zu Vietnam. Ein guter Griff bzw. eine sehr erfreuliche (nicht zuletzt auch hinsichtlich PLV) Entdeckung; ich werde diesen Tee sicher noch ausführlich (und illustriert) hier vorstellen. Im Moment möchte ich erst einmal @Onggi Abbitte leisten - ab dem dritten Aufguss wäre ich bei einer Blindverkostung doch sehr verunsichert gewesen, ob es sich um einen grünen oder weißen Tee handelt ... Geschmacklich ein Zwitter, der nach meinem Geschmack beide Welten auf's Schönste verbindet. So soll ein Sonntag beginnen!

.... liegt wie Blei. Das Zeug ist lecker - aber absolut nichts für meinen Magen. Und was hab ich alles probiert - ätherisch-sparsame Leichtaufgüsse, mit Schontemperatur ... half alles nichts. Irgendwann siegte mein Körper, der mich mit leichten Magenkrämpfen warnte, wenn ich auch nur in Versuchung geriet, die Dose mal zu öffnen. Nur zum Riechen ... Wird nicht nur nicht weniger, wird auch nicht jünger. Ich glaube, ich werde doch noch zum Lageristen. Mal schaun, ob er in zehn Jährchen alters- und magenmild geworden ist? Nee - dafür nicht. Gibt genug frische Tees, die mir bekommen.

 

Link zum Beitrag
vor 2 Stunden schrieb SoGen:

Das Zeug ist lecker - aber absolut nichts für meinen Magen. Und was hab ich alles probiert - ätherisch-sparsame Leichtaufgüsse, mit Schontemperatur ... half alles nichts. Irgendwann siegte mein Körper, der mich mit leichten Magenkrämpfen warnte, wenn ich auch nur in Versuchung geriet, die Dose mal zu öffnen.

Danke für diesen lehrreichen Beitrag, der wieder einmal bestätigt, dass man Tee auf eine unbekömmliche Weise äusserst lecker verarbeiten kann.

Nebenbei spricht dies gegen den Konsum deiner "Naturtees" (= fast gänzlich naturbelassene Teeblätter vom eigenen Teestrauch) @Teest.

vor 2 Stunden schrieb SoGen:

ab dem dritten Aufguss wäre ich bei einer Blindverkostung doch sehr verunsichert gewesen, ob es sich um einen grünen oder weißen Tee handelt ... Geschmacklich ein Zwitter, der nach meinem Geschmack beide Welten auf's Schönste verbindet.

Dies illustriert es sehr gut - wahrsch. ist der Tee sehr fruchtig und blumig, und wurde sehr schonend verarbereitet, um möglichst viel dieser Noten zu erhalten ... zu schonend. Möglicherweise ist die tiefere Ursache, dass dafür ein eher aggressiver Kultivar verwendet wurde, möglicherweise ein fruchtiger Oolong-Kultivar, der sonst relativ stark durch Woken, Oxidation oder Rösten besänftigt wird.

PS: Bei Atong ist die Bekömmlichkeit eines seiner erklärten, wichtigsten Verarbeitungs-Ziele - ich finde auch wenn ein Tee noch so lecker ist, aber wenn er schlecht bekömmlich ist, dann wurde nicht wirklich im Kunden-Sinne produziert.

@Salad Fingers Dein "Fehlkauf" kann hier leider nicht gezählt werden, da es sich dabei um ein Geschenk handelt. Aber es dokumentiert sehr schön die Entwicklung deines Geschmacks. 😁👍

Link zum Beitrag
vor 13 Stunden schrieb GoldenTurtle:

Nebenbei spricht dies gegen den Konsum deiner "Naturtees" (= fast gänzlich naturbelassene Teeblätter vom eigenen Teestrauch) @Teest.

@GoldenTurtle Ich habe bisher noch keine negativen Effekte bei meinem Frischtee bemerkt. Es war aber tatsächlich einer meiner ersten Gedanken zum Thema, ob einige (und wenn ja, welche) Tee-Verarbeitungsschritte zwingend nötig sind, um irgendwelche eventuell vorhandenen unveträglichen/leicht giftigen Stoffe aus den frischen Teeblättern (und wenn ja, welche) zu neutralisieren. (Es gibt ja Lebensmittel, wo die traditionell übliche Verarbeitung genau das tut und das Lebensmittel sonst sehr ungesund oder sogar massiv giftig wäre. Z.b. kann man sich mit einer ordentlich großen Portion roher grüner Bohnen durchaus umbringen.) Ich hab zu dem Zweck auch erst mal im Internet gesucht (bevor ich die Teepflanzen überhaupt bestellt habe). Ich habe aber nichts gefunden, was gegen den Konsum frischer Teeblätter spricht, und einiges, wo genau das gemacht wird. (Der Lubera-Frischtee, diverse Smoothie-Rezepte, wo das ganze Blatt reinkommt, usw.) Was ich nicht gefunden habe, sind Traditionen, wo so etwas schon lange üblich ist. (Halt, das stimmt nicht ganz - Wikipedia schreibt: "People in ancient Asia ate tea for centuries, perhaps even millennia, before ever consuming it as a beverage. They would nibble on the leaves raw, add them to soups or greens, or ferment them and chew like betel." Wobei ja nicht alles, was Leute vor langer Zeit gemacht haben, bevor sie auf den Trichter mit dem Teetrinken kamen, gesund gewesen sein muss. Und vor allem wurde das Konsumieren frischer Teeblätter anscheinend nach der Tee-Verarbeitungs-Erfindung ziemlich unüblich? Könnte aber auch hauptsächlich am Geschmack liegen?) Andererseits gibt es ja wissenschaftliche Untersuchungen, was in einem Teeblatt so drin ist, und bei denen ist mir auch nichts aufgefallen, was mir besonders problematisch erschien.

Ich bin allerdings Laie und habe auch den Eindruck, dass die Informationen, die ich zu dem Thema habe, noch relativ dürftig sind. Wenn du da mehr weißt (z.B. was in einem frischen Teeblatt an unverträglichen Stoffen drin sein könnte und welche Verarbeitungsschritte diese beeinflussen), lerne ich gerne dazu.

Im übrigen gibt es ja Verarbeitungsschritte, die man auch mit eigenen Teesträuchern durchaus noch relativ praktikabel durchführen kann/könnte. Welken und Rollen auf jeden Fall. Einfach ein bisschen rumliegen und oxidieren lassen auch. Ich hab mir auch schon überlegt, ob ich ein Sencha-ähnliches Dämpfen in der Mikrowelle machen könnte... 😀 (In der sowieso schon allgemein so genannten Teeküche 😁 in der Arbeit ist eine vorhandenen.) Trocknen lassen und ein paar Tage warten ginge auch. Wie gesagt, bisher hab ich noch keine Notwendigkeit und keinen besonderen Nutzen dafür gesehen, aber vielleicht ändert sich das ja noch.

Bearbeitet von Teest
Link zum Beitrag
vor 15 Stunden schrieb GoldenTurtle:

Dies illustriert es sehr gut - wahrsch. ist der Tee sehr fruchtig und blumig, und wurde sehr schonend verarbereitet, um möglichst viel dieser Noten zu erhalten ... zu schonend. Möglicherweise ist die tiefere Ursache, dass dafür ein eher aggressiver Kultivar verwendet wurde, möglicherweise ein fruchtiger Oolong-Kultivar, der sonst relativ stark durch Woken, Oxidation oder Rösten besänftigt wird.

Nachdem ich mich hier gestern über diesen Tee ausgeweint habe, war natürlich mein Widerstand erst einmal gebrochen und so landete er heute mal wieder in der Tasse. Man ist halt Sklave seiner Leidenschaften und bringt eine entsprechende Leidensfähigkeit auf ...

Also - in der Tat ein stark fruchtbetonter Tee, was sich schon beim trockenen Blatt in der Nase ankündigt. Die Richtung ist Kernobst (sonst nicht konkret zuzuordnen), was sich selbst im letzten Aufguss (von vier: 20/30/50/80 sec plus Blanchieren <10) noch deutlich der Nase präsentiert. Im Mund machen sich ab 2. Aufguss zunehmend holzige Töne bemerkbar, die den Geschmackseindruck in Richtung 'Wildfrüchte' verschieben. Wer mal einen Speierling probiert hat, weiss, was ich meine. Wobei das jetzt nicht so intensiv herüberkommt, dass es unangenehm wäre, im Gegenteil. Die edelbitteren Holznoten harmonieren wunderbar mit der 'trockenen' Fruchtigkeit - aber sie verweisen schon darauf, dass da einiges an Tanninen in der Suppe schwimmt. Dass das (bzw. die Catechine) erst ab 2 Minuten Ziehzeit ausgelöst wird, halte ich für ein Gerücht. Übrigens sind es eher diese holzigen Noten, die mich an (jungen) Fujian-Weisstee erinnern, als die fruchtigen. Wobei meine Erfahrungen hinsichtlich Fruchtigkeit mit siebenjährigem, gepresstem Shou Mei meine Referenz sind - es ist ein anderer Fruchttypus.

Der Tee ist in der Tat nur sehr leicht verarbeitet; das Blattgut erinnert an Atongs Pinglin Bai Mao Hou, ist jedoch deutlich heller (hellgrün / weiss gescheckt) und mit mehr Pekoe. Sehr lose gedreht und trocken entsprechend voluminös. Würde mich nicht wundern, wenn der Tee zumindest teilweise sonnengetrocknet wurde und nur eine schonende 'Endfeuerung' erhalten hat. Man ist da ja ein ganzes Stück weiter südlich als Fuding, schon nahe Wendekreis des Krebses - da dürfte auch die Sonnentrocknung etwas schneller gehen. Das aufgegossene Blattgut zeigt Handpflückung, recht sauberer Maofeng-Pflückstandard.

Link zum Beitrag

Deine Meinung

Du kannst jetzt schreiben und Dich später registrieren. Wenn Du ein Benutzerkonto hast, melde Dich bitte an, um mit Deinem Konto zu schreiben.
Hinweis: Dein Beitrag muss vom Moderator freigeschaltet werden, bevor er sichtbar wird.

Gast
Auf dieses Thema antworten...

×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung jetzt entfernen

  Nur 75 Emojis sind erlaubt.

×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Editor leeren

×   Du kannst Bilder nicht direkt einfügen. Lade Bilder hoch oder lade sie von einer URL.

×
×
  • Neu erstellen...