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Aged White DIY? - Ein Experiment


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Warnung: Es folgt eine Wall of Text! Das Mausrad sollte vorher gut geölt sein! ;)

 

Einleitung

Das Thema Pu Erh Lagerung wurde hier im Forum (https://www.teetalk.de/forums/topic/767-pu-erh-lagerung/) ja schon sehr kontrovers diskutiert und ich gelobe diesen Thread auch einmal komplett gelesen zu haben! ;)
Darin haben auch schon viele von euch über ihre Pu Erh Experimente berichtet und sind im Allgemeinen zu dem Entschluss gekommen, dass die feuchte Lagerung von Pu Erh Cakes mit dem Ziel der schnellen Reifung in unseren Breitengraden schwierig und nicht ohne nennenswerten Aufwand und Kosten möglich ist. Diese Experimente sind jedoch schon einige Jahre her, also ist es wieder an der Zeit, dass es jemand versucht.

Es gibt auch einen Thread zum Thema Lagerfähigkeit von weißem und gelben Tee (https://www.teetalk.de/forums/topic/2521-lagerfähigkeit-von-weißem-und-gelbem-tee/), der nicht ganz so ausführlich ist und auch keine Übereinstimmende Meinung zur Lagerung von weißem Tee getroffen wurde, außer, dass weißer Tee auch nach ein paar Jahren in einem Zip-Beutel noch gut, manchmal sogar besser schmeckt.

Mit diesem detaillierten Bericht möchte ich über mein Tee-Lager-Experiment (begonnen Anfang 2023) erzählen, was mich dazu motiviert hat und was ich mir erhoffe damit herauszufinden. Außerdem dient mir dieser Thread dann später für meine Updates. Vielleicht inspiriere ich hiermit ja noch weitere Menschen auf die ein oder andere Art.

Zu Beginn des Experiments war ich noch nicht so ein Fan von Pu Erh Tee. Daher steht hier weißer Tee erst einmal im Vordergrund. Die Erfahrung mit gereiften weißen Tee durfte ich schon mit dem 2014 Fuding Shoumei von Teewald machen, der mir sehr gefällt (Ich habe noch genug um die Zeit bis zum nächsten gereiften Weißtee zu überbrücken :P). Ansonsten habe ich vor diesem Experiment noch keinen weißen Tee in Deutschland gefunden, der beabsichtigt gereift / gelagert wurde. Deshalb wollte ich ein eigenes Experiment wagen um herauszufinden, ob wir hier im Westen auch weißen Tee reifen lassen können und ob wir dafür an der Temperatur oder Luftfeuchtigkeit etwas ändern müssen.

 

Inspirationsquellen

Zuerst war da das Video von Don Mei (https://www.youtube.com/watch?v=ZN3DIVBOGBk), welches mich auf das Thema „Weißen Tee unterschiedlich lagern“ aufmerksam gemacht hat. Er beschreibt dort einen deutlichen Unterschied zwischen feucht und trocken gelagerten weißen Tee. Er kommt zu dem Entschluss, dass eine Lagerung bei 65% relativer Luftfeuchtigkeit (RH) zu einem runden, honigsüßen und fruchtigen Tee führt, der noch nicht zu sehr nach Fermentation schmeckt. Das hört sich doch lecker an! :)

Dann gab es da noch das Hot Box Experiment (https://mgualt.com/tealog/2018/08/04/temp-control-experiment-w2t-bosch/ ) von mgualt, welches sich mehr mit Temperatur beschäftigt hat. Hier wurden die Tees einmal in Mylar Tüten innerhalb einer auf 32°C beheizten Styroporbox gelagert und dann mit dem Gegenstück verglichen, das bei Zimmertemperatur gelagert wurde. Auch hier ist eine Veränderung nach nur einem Jahr erkennbar gewesen:

Zitat

These results were quite a surprise to me; I was expecting the results to be much more subtle. Even visually, the tea has clearly aged more quickly. The harsh grassiness has been much reduced and the sweet pungency has been enhanced. At this point, I am strongly encouraged to put more teas into the hotbox. I also have another hotbox set at a higher temperature, and hope to report on that one in not too long a time.

James von TeaDB hat zusammen mit w/Char (Oolong Owl) ein Video veröffentlicht (https://www.youtube.com/watch?v=-kO9v0RIRvM), in dem Char beschreibt, dass sie ihre weißen Tees eher trocken und luftdicht lagert und damit gute Erfahrungen gesammelt hat. Schlechte Erfahrungen hat sie mit Feuchtigkeitszufuhr und zu viel Belüftung gemacht. Nicht, weil die Tees dann verschimmelt sind, aber weil ihr Aroma verschwunden war. Ob die Zufuhr von Feuchtigkeit aber wirklich den Tee verdirbt, kann sie auch nicht mit Sicherheit sagen.

In seinem Video „Pu erh tea aging and storage“ (https://www.youtube.com/watch?v=DbNibzxWE6s) geht Whilliam von Farmer Leaf ebenfalls auf die richtige Lagerung von Pu Erh ein und erwähnt dabei eine interessante Studie „The effect of relative humidity and temperature on moisture sorption by black tea“ von Jayaratnam, S. und Kirtisinghe D. (Leider nur als Sample: http://viduketha.nsf.gov.lk:8080/pdfs/TQ-44(4)/TQ-44(4)-164.pdf)
Er zeigt ein Diagramm (leider nicht in dem verlinkten PDF enthalten, aber bei 2:25 in seinem Video sichtbar: https://www.youtube.com/watch?v=DbNibzxWE6s&t=145s)

Hier im Forum wurden ja auch schon ein paar Experimente mit Pu Erh gemacht und auch dort gibt es viele inspirierende Beiträge, bei denen sich Manche auch sehr viele Gedanken um die optimalen Lagerbedingungen machten.

Für die Konstruktion meines „Pumidors“ habe ich mich dann noch durch das Pumidor 101 von TeaDB gearbeitet (https://teadb.org/pumidors-101-designing-maintain-your-own-pumidor/)

 

Ziel und Versuchsaufbau

Ich möchte erfahren, unter welchen Bedingungen sich weißer Tee am besten entwickelt:

  1. Luftdicht bei Raumtemperatur in einem Zip-Lock Beutel. Eine für unsere westliche Region übliche Methode Tee aufzubewahren.
  2. Luftdicht in einem Zip-Lock Beutel, aber wärmer als Raumtemperatur. (Ich strebe dauerhaft 25°C und mehr an)
  3. Mit etwas Airflow bei einer höheren Temperatur (ebenfalls dauerhaft 25°C und mehr) und einer höheren Luftfeuchtigkeit als im normalen beheizten Zimmer. (Hier strebe ich eine Luftfeuchtigkeit von etwas über 60% an)

Da sich auch schon bei w/Char herauskristallisiert hat, dass zu viel Airflow schlecht ist, habe ich mir eine offene Lagerung bei Raumtemperatur gespart. Irgendwer muss den Tee ja auch noch trinken und wir sind so schon bei 300g.

Apropos Tee… Der „tea under test“ ist der 2017 Fuding Gongmei 100g Teefladen von Teewald. Dieser hat zwar schon 5 Jahre auf dem Buckel, jedoch hat er auch noch ein paar Jahre vor sich. 10 Jahre kann ein weißer Tee schon lagern. Dem 2014er Shoumei haben die 9 Jahre zumindest gut getan. Ich schließe aber auch nicht aus bei einem frischen 100g Fladen noch einmal zuzuschlagen um einen Tee von Anfang an zu begleiten.

Der Tee, welcher bei Raumtemperatur lagert, liegt im Übrigen nicht bei mir, sondern bei meinem Bruder. Ich möchte das Experiment zusammen mit ihm durchführen um so auch immer eine zweite Meinung beim Tasting zu haben. Und so kann niemand schummeln. 😇

 

Von schummeln zu schimmeln...

Immer wenn es um zugeführte Feuchtigkeit geht, muss man aufpassen. Ich bin mir dessen wohl bewusst und habe mich deswegen relativ lange mit dem Thema beschäftigt. Auch in dem schon erwähnten Pu Erh Lagerung Thread wurden schon einige wichtige Dinge genannt. Auf die für mich wichtigsten Punkte möchte ich hier noch einmal eingehen.

Airflow
Auch die eigene Wohnung lüften wir regelmäßig, damit Schimmelbildung verhindert wird. Die feuchte Luft wird dabei aus dem Fenster transportiert. Es soll verhindert werden, dass sich an einer Stelle zu viel Wasser in der Luft ansammelt. Luftzirkulation hilft dabei den Wassergehalt in der Luft durchzumischen und an jedem Ort etwa auf einem Level zu halten. Viele Pumidor-Experimente haben meiner Meinung nach diesen Faktor etwas vernachlässigt.

Isolation
Warme Luft nimmt mehr Wasser auf als Kalte. Sie wirkt wie ein Schwamm. Die Temperatur bestimmt, wie sehr dieser zusammengedrückt wird. Bei Wärme ist der Druck nicht so stark und die Luft saugt sich voll. Trifft diese Luft nun auf etwas Kaltes, wird der Druck in diesem Bereich erhöht. Ist der Unterschied zu groß und damit der Druck zu stark, entweicht das Wasser aus der Luft. Es kondensiert an der kalten Stelle.
Je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit liegt die Temperatur bei welcher das passiert (Dew Point) woanders. Errechnen kann man diese Temperatur mit dem Dew Point Calculator (http://www.dpcalc.org/)
Ein Beispiel: Liegt die Temperatur bei 22 Grad und die Luftfeuchtigkeit bei 65%, so kondensiert das Wasser an Flächen, die 15°C warm sind.
Eine Isolation soll also zu kühle Außenwände verhindern, damit kein Kondenswasser entstehen kann.

Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Schimmelbildung
Schimmel bildet sich besonders schnell, wenn Luftfeuchtigkeit und Temperatur in bestimmten Bereichen liegen. Bei der von vielen angestrebten - eher feuchten - Lagerung für Pu Erh muss man einen Balanceakt hinlegen, da die angestrebten Werte für Temperatur und Luftfeuchtigkeit für eine schnelle Reifung sehr nah an kritischen Werten für Schimmelbildung liegen. Ist ja auch irgendwo logisch, denn man möchte ja ein gewisses mikrobiologisches Wachstum haben. Aber eben auch nicht zu viel.
Die Meinungen darüber, wie viel Luftfeuchtigkeit noch OK sind um keinen Schimmel zu produzieren gehen stark auseinander. Da für das Schimmelrisiko beide Faktoren eine Rolle spielen, habe ich mich am Ende auf die Angaben im Dew Point Calculator verlassen. Dieser Rechner ist für die Lagerung in Archiven und Museen etc. entwickelt worden, also sollten die Werte schon eine gewisse Aussagekraft haben.
Wenn man etwas mit dem Rechner herum spielt merkt man auch schnell, warum manche Pumidor Experimente mit einer angestrebten Feuchtigkeit von 75% oder gar mehr in die Hose gegangen sein könnten. „Mold Risk“ gibt bei dieser hohen Luftfeuchtigkeit ca. 38 Tage bis zur Schimmelbildung an. Wenn man dann auch noch den Dew Point betrachtet merkt man, dass beim Lüften im Winter - und nicht ausreichender Isolation - Kondenswasser entstehen könnte. Diese Annahme wird dann noch verstärkt, wenn man sich die weiter unten genannten Messungenauigkeiten bewusst macht, die viele Messgeräte für Luftfeuchtigkeit haben.
Da ich keine super feuchte Lagerung anstrebe und es laut Rechner unter 66% relativer Feuchtigkeit über das gesamte Temperaturspektrum kein Schimmelrisiko besteht, möchte ich eben unter diesem Wert bleiben. Gerne knapp über 60%, um noch ein wenig Spielraum zu haben und auf der sicheren Seite zu sein. 60% bei 25°C sind ja auch immer noch besser als < 50% bei 20°C wie es im Winter in einigen Wohnzimmern der Fall ist. (In Meinem auch)

Messung der Luftfeuchtigkeit
Die Überprüfung der Luftfeuchtigkeit ist zur Vermeidung von Schimmel super wichtig und wurde ja auch oft gemacht. Trotzdem ist es teilweise zur Schimmelbildung gekommen. Was bei der Überprüfung der Luftfeuchtigkeit wahrscheinlich nicht oft genug berücksichtigt wurde ist, dass das Messen der Luftfeuchtigkeit extrem ungenau ist. Die günstigen Messgeräte haben gerne einmal eine Ungenauigkeit von ±5%. Zeigt das Gerät also 65% an kann die Realität aber auch bei 70% liegen. Oftmals wird aber gar keine Genauigkeit angegeben. Man muss sich dieser Tatsache immer bewusst sein.


Der Pumidor

Disclaimer
Ich selbst habe ein Studium und eine Ausbildung im Bereich Elektrotechnik genossen. Da bei nicht fachgerechtem Zusammenbau ein Brandrisiko besteht, rate ich jeder Person ohne Fachkenntnisse in der Elektrotechnik davon ab, das hier gezeigte Gerät nachzubauen.

Gehäuse
Als Grundlage dient mir ein gebrauchter mini Kühlschrank mit Glastür von Klarstein. Diesen habe ich gebraucht über ebay erstanden, auseinander genommen und innen gründlich mit Spülmittel ohne Duftstoffen und Natron gereinigt. Nach 2 Wochen auslüften hat man im Inneren keinen deutlichen Geruch wahrgenommen. Vielleicht auch schon vorher nicht, aber ich wollte sicher und gründlich sein. Immerhin geht es hier um Lebensmittel. Ich habe überlegt den Innenraum aus Plastik mit einer selbstgebauten Kiste aus Holz zu ersetzen. Da dies jedoch erheblichen Mehraufwand und mir unbekannte Auswirkungen auf den Geruch im Inneren bedeutet hätte, habe ich es gelassen. Das Gute und in manchen Fällen auch Schlechte an Plastik ist ja, dass es keine Feuchtigkeit durchlässt oder aufnimmt. Da ich jedoch etwas Feuchtigkeitspuffer im Innenraum haben wollte, habe ich die Rückwand, welche vorher aus Metall und mit dem Kühlelement verbunden war, mit einer dünnen Sperrholzplatte ersetzt. Das von mir verwendete Exemplar roch nur sehr leicht nach Holz und keineswegs nach Leim oder anderen Chemikalien. Sie ist unbehandelt.
Zusätzlich hatte ich mir vorgenommen die Einschübe auch aus Holz herzustellen um noch etwas zusätzliches Holz mit in den Innenraum zu bringen. Inwieweit das jedoch hilft, weiß ich nicht. Doch es sieht zumindest besser aus als Plastik.

Beheizung
Die größte Herausforderung war es eine geeignete Heizmethode zu finden. Zuerst habe ich an Heizmatten für Terrarien gedacht. Nachdem ich mir ein Heizkabel zugelegt hatte musste ich leider feststellen, dass das Ding viel zu sehr nach Plastik gestunken hat. Die armen Reptilien, die solche Dinger aushalten müssen! Also musste etwas Anderes her.
Beim Zeitvertreib am PC ist mir dann irgendwann eingefallen, dass es im PC ja auch schön warm ist. So habe ich mich der finalen Lösung angenähert:
Als Heizelement dient mir eine 40W Heizpatrone, die man auch in 3D Drucker finden kann. Diese kann bis zu 180°C heiß werden, hat also schon ordentlich Potenzial zum Heizen! Um die Heizleistung der Heizpatrone in dem Innenraum des zukünftigen Pumidors zu verteilen und so eine gleichmäßige Lufttemperatur zu erreichen, benutze ich einen CPU-Kühler. Das Modell LC-CC-85 von LC-Power besitzt einen so großen Aluminium Block, dass dort ein Loch für die Heizpatrone und daneben noch ein weiteres Loch für einen Temperatursensor Platz haben. Außerdem ist er für eine Total Heat Power (TDP) von 70W ausgelegt, was an die Heizleitung von 40W doch relativ nah heran kommt. Er sollte also keine zu starke Kühlleistung haben und schön warm werden können. Um die Wärme dann zu verteilen wird einfach ein Lüfter - der ja praktischerweise direkt dabei ist - angeschmissen. Und hey, jetzt haben wir auch gleich noch das Airflow Problem gelöst!
Hinzu kommt, dass der CPU-Kühler keinen starken Geruch absondert, da er hauptsächlich aus Metall besteht.

Airflow
Wie schon beschrieben sorgt der CPU Lüfter für eine konstante Umwälzung der Luft im Innenraum. Eine Ansteuerung des Lüfters mit 25 – 30% seiner Leistung hat sich als optimal ergeben. Mit der Hand ist kein deutlicher Luftzug spürbar, jedoch haben Experimente ergeben, dass die Warme Luft mit samt der Luftfeuchtigkeit bis zum Sensor an der Decke verteilt werden und dieser so Werte ausspuckt, die an anderen Positionen im Inneren ähnlich sind. Der Kühlkörper muss nur auf wenige Grad mehr als die Zieltemperatur aufgeheizt werden, um diese zu halten. (Bei 26°C im Innenraum wird das Heizelement nur etwa 34°C warm)
Über dem Heizelement muss etwas Platz gelassen werden, damit der Lüfter die Luft ansaugen kann. Diese wird dann nach unten durch den warmen Kühlkörper gedrückt und sollte nach meinen Vorstellungen an den Seiten des Innenraums hinaufsteigen und somit im Gesamten Innenraum einen leichten Luftstrom erzeugen. (Ich habe kein Experiment mit Nebelmaschine etc. gemacht um das zu bestätigen, das ging mir dann doch zu weit :P)

Temperaturregelung
Der Innenraum soll ja nicht einfach nur irgendwie warm sein. Es soll eine konstante, einstellbare Temperatur herrschen. Gemessen wird diese von einem Si7021 Sensor. Er besitzt eine Messgenauigkeit von ±0,3°C und ±3% RH (maximal. Das Datenblatt gibt eine typische Ungenauigkeit von +-2% RH an) und gehört somit zu den etwas genaueren Sensoren. Gemessen wird die Temperatur an der Decke, also am entgegengesetzten Ende zum Heizelement. Dadurch möchte ich erreichen, dass die gemessenen Werte Mindestwerte sind. Näher am Heizelement sollte es auch etwas wärmer sein, sich jedoch alles noch im Rahmen halten, da die Luft von dem Lüfter erst einmal vom Tee weggedrückt wird.
Geregelt wird die Temperatur von einem kleinen Mikrocontroller (ESP8266) mit WLAN Modul. Der einprogrammierte PI-Regler und der Wärmepuffer des Kühlkörpers sowie des Porzellantellers (zwecks Isolation zum Plastik und Feuerschutz) bewirken eine sehr konstante Temperatur. (Zu sehen in den Bildern weiter unten)
Ein PI-Regler ist ein Regler, der dauerhaft nachregelt. Es wird im Sekundentakt ein Soll-Wert für das Heizelement errechnet und eingestellt. Das Heizelement pendelt dann um diesen Wert herum. Da das gesamte System die Wärme nur sehr langsam weitergibt, kann ich hier auf eine zu komplexe Regelung verzichten. Am Anfang habe ich es mit einem noch einfacheren Regler, einem 2-Punkt-Regler, versucht. Dieser schaltet ab einem unteren Schwellwert die Heizung an und bei einem oberen Schwellwert dann wieder aus. Das führt allerdings zu einem Schwanken in der Temperatur und Luftfeuchtigkeit, weshalb ich mir mit der Regelung der Temperatur etwas mehr Mühe geben musste.

Regulierung der Feuchtigkeit
Das ist wohl der schwierigste Teil des ganzen Projektes und am Ende bin ich auch bei den bekannten Boveda Packs gelandet. Ich benutze 2 mal 62% (±1%), 67g Packs. Da ich noch am Anfang des Projektes stehe experimentiere ich damit noch etwas herum, aber Zwei dieser Packs scheinen die Luftfeuchtigkeit im Innenraum in dem angegebenen Bereich relativ konstant halten zu können. Nachdem der Tee schon für 2 Monate in dem Pumidor lagert, knickt die Luftfeuchtigkeit auch nicht mehr so schnell ein. Wahrscheinlich haben sich die Tees so langsam vollgesaugt.
Mit 62% bin ich noch recht vorsichtig. Aber damit vermindere ich das Risiko für Schimmel, welches ab 70% drastisch steigt. Aus dem Experiment von Don und dem Video von w/Char habe ich geschlussfolgert, dass zu viel Feuchtigkeit bei dem weißen Tee auch negative Einflüsse haben kann.

Brandschutz
Das ist natürlich auch ein wichtiger Punkt beim Bau eines solchen Pumidors. Wie schon erwähnt kann das Heizelement auf 180° (wahrscheinlich sogar mehr) heizen. Aber natürlich nur, wenn man es lässt. Die Temperaturregelung schaltet das Heizelement immer nur kurz an. Die maximale Temperatur, die im  Kühlkörper gemessen werden darf ist einstellbar. Ich habe hier 60°C gewählt. Das ist eine gute Temperatur um den Innenraum schnell von 20°C auf 25°C hoch zu heizen. Und auch noch nicht zu heiß für irgendwelche Materialien innerhalb des Pumidors. Das Heizelement ist auf einem Teller platziert, der selbst die 180°C für eine längere Zeit aushalten dürfte.
Weiterhin sind diverse Sicherheitsabschaltungen eingebaut und einprogrammiert. Fällt ein Sensor aus, wird sofort die Stromzufuhr zum Heizelement physikalisch gekappt. Heizt sich der Kühlkörper 2°C über die maximale Temperatur auf, ebenfalls. Auch wenn die Temperatur nicht ansteigt, obwohl sie es sollte, wird abgeschaltet. Zusätzlich hat das Netzteil Schutzschaltungen gegen Überlastung und Kurzschluss. Eine Sicherung ist auch verbaut. Die Leitungen für die 3,5A Strom, die während des Heizvorgangs fließen, sind überdimensioniert. Weiterhin werde ich das Gerät mindestens ein mal im Jahr prüfen. Da es keine beweglichen Teile hat, wie es bei 3D-Druckern der Fall ist, sollten sich die Leitungen nicht von alleine lösen.

 

Nachdem jetzt über alles gesprochen wurde, folgen nun endlich mal die Bilder!

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Durch die Doppelglas-Tür hat man den Tee immer im Blick! :)

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Hier zu sehen der Kühler die Heizung. Das Heizelement ist einfach nur ein runder, 6 mm dicker Stift, der im Metall unten steckt. Die Leitung verläuft hinten zur Elektronik.

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Beim Öffnen leuchtet sogar das eingebaute Licht! :) (Nicht die kleine grüne Funzel, die zeigt nur an, dass der Sensor Strom bekommt.)

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Hier einmal die gesamte Elektronik auf der Rückseite. Sie wird mit einem 12V 60W Schaltnetzteil versorgt. Links unten der Mikrokontroller. Weiterhin verbaut eine Lüftersteuerung, ein Speicher für die Konfiguration, um Stromausfälle zu überleben und rechts auf dem Holz montiert ein Mosfet zur Steuerung der Heizpatrone.

 

Die gemessenen Daten werden an eine InfluxDB Datenbank auf meinem Heimserver (NAS) gesendet. Über eine App kann ich alles auslesen und einstellen.

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Die Luftfeuchtigkeit wird weitestgehend konstant gehalten. Hier zu sehen ein Abfall von 1% RH über 7 Tage hinweg. (Einer der besseren Ergebnisse)

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Man kann hier (oberer Graph) sehr gut sehen, dass die Temperatur sehr genau gehalten werden kann. Auch die Luftfeuchtigkeit ist im Vergleich zu den Werten in meiner Wohnung (unterer Graph) etwas konstanter und liegt viel höher.
Die Spikes der Luftfeuchtigkeit nach unten hin sind die Momente, in denen ich den Pumidor geöffnet habe. Vor dem Schließen des Pumidors träufle ich noch etwa 1 ml Wasser auf den Teller am Boden, dadurch nimmt die Luft sehr schnell wieder die gewünschte Luftfeuchtigkeit an, übertrifft diese sogar zeitweise. (Zu sehen rechts im oberen Graphen. Hier steigt die Luftfeuchtigkeit anschließend jedoch wieder, was daran liegt, dass ich noch mit den Boveda Packs herum experimentiere indem ich sie wiederauflade. Ein Bericht dazu folgt auch noch. 🙂)

 

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In den Einstellungen kann man die Temperatur, maximale Heiztemperatur und die Lüftergeschwindigkeit einstellen. Außerdem werden dort noch detailliertere Infos zum aktuellen Zustand angezeigt. Und bei konfiguriertem Strompreis pro kWh wird dort sogar der geschätzte Strompreis pro Jahr angezeigt. (Hier ohne Währung, da diese theoretisch unterschiedlich sein kann.)

 

Und was kostet das ganze???

Da ich bereit war etwas mehr zu investieren um ein vernünftiges Ergebnis zu bekommen, hat das Ganze schon etwas mehr gekostet. Grob überschlagen ca. 220€. (Einen Großteil davon der Kühlschrank selbst. Es ist also noch Einsparpotenzial da!)
Dazu kommen dann noch die Betriebskosten, die zu meinem Erstaunen sehr gering ausfallen, natürlich je nach eingestellter Temperatur und Strompreis.

Auch hier grob überschlagen:
Dauerhafter Stromverbrauch ohne Heizelement pro Jahr: 5kWh
Der Stromverbrauch für das 40W Heizelement für eine eingestellte Temperatur von 26°C bei einer Umgebungstemperatur von ca. 20°C: 53kWh
Bei einem aktuellen durchschnittlichen Strompreis von 33,9 Cent (Hat das Internet so gesagt…) ergibt sich ein Jahresverbrauch von ca. 19,66€.

Ermittelt wird der Verbrauch des Heizelements indem die Sekunden gezählt werden in denen das Heizelement angeschaltet und in welchen es ausgeschaltet ist. Das dadurch ermittelte Verhältnis wird auf ein Jahr hochgerechnet.
Da die Umgebungstemperatur im Sommer aber auch noch steigen wird und das Heizelement dann nicht mehr so oft angeschaltet werden muss, gehe ich davon aus, dass der Stromverbrauch am Ende des Jahres auch noch unter diesem Wert liegen wird.

 

Schlusswort

Alleine schon für das, was ich in der Zeit für den Bau des Pumidors gelernt habe, hat sich die Investition gelohnt! Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und freue mich natürlich über konstruktive Kritik sowie weitere interessante Ideen!
Sollte das ganze Projekt scheitern habe ich immerhin noch einen schönen Schrank für meinen Tee. Theoretisch kann ich den Schrank auch wieder zu einem Kühlschrank zurück bauen. Die Elektronik habe ich aufbewahrt. 😝

Der Pumidor ist schon seit Anfang 2023 in Betrieb und der darin enthaltene Tee wird von mir ca. 1 mal die Woche belüftet und alle 2-4 Wochen auf Schimmel überprüft. (Diese Angaben ändern sich vielleicht noch. Jetzt am Anfang des Projektes bin ich noch relativ vorsichtig)
Da ich inzwischen auch Pu Erh nicht mehr so abstoßend finde, hat auch ein junger Sheng (der 2021 Hekai von Teewald) einen Platz in dem Pumidor gefunden. Ich hoffe nicht, dass er den weißen Tee zu sehr beeinflusst, aber da er auch ein etwas blumiges Aroma hat denke ich nicht, dass es allzu viel schadet. Gereifter Pu Erh kommt dort natürlich nicht hinein!
Der Plan ist die initial für das Experiment gekauften Gongmei Teefladen in größeren Abständen regelmäßig zu probieren. Auch die restlichen weißen Tees die darin lagern werde ich immer mal wieder probieren, jedoch in kürzeren Abständen.
Ich bin schon sehr gespannt, was mein Experiment mich noch lehren wird. Irgendwann hoffe ich dann ein Ergebnisse zu erhalten, die ich hier teilen kann.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!


PS:
Seitdem die Bilder aufgenommen wurden, hat sich herausgestellt, dass es besser ist die Boveda Packs flach hinzulegen. Dadurch wird denke ich die Fläche in Kontakt mit dem darin enthaltenen Wasser vergrößert, was zu einem besseren Ergebnis führt.

 

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So viel Achtung hätte ich nicht erwartet. Vielen Dank! :)

vor 15 Stunden schrieb Bok:

lieber mehr als weniger Menge lagern.

Ja, das habe ich aus dem Pu Erh Lager-Thread auch mitgenommen. Mein Plan war es erst einmal zu schauen, ob die Tees darin ein paar Wochen / Monate ohne Schimmelbildung aushalten um dann die Menge zu erhöhen.
Ein paar Fladen hätte ich auch noch, die ich dort hinein legen kann, es muss aber unbedingt noch etwas Platz für die Luftzirkulation bleiben. Ansonsten funktioniert die Temperaturregelung auch nicht mehr, da die Wärme nicht bis an den Sensor gelangt. Ich denke aber dieses Jahr kommen noch ein oder 2 Fladen mehr hinein. ;) 2 kleinere, frische Fladen wären noch gut, einen dann zum Vergleich außerhalb gelagert. Oder ich zersäge einen großen.... :whistling:

vor 11 Stunden schrieb KlausO:

@DavidL das war wohl deine Doktorarbeit :thumbup:

Ja, es hat sich zumindest fast wie meine Bachelorarbeit angefühlt. ^^ Ich wollte aber alles etwas ausführlicher beschreiben, da es sicherlich noch weitere Personen geben wird, die ähnliches vor haben. Und so können Andere auf meinen Gedankengängen und Ansetzen aufbauen oder eben übernehmen.

 

Bis jetzt konnte ich auch noch keinen Schimmel erkennen. :) Es sieht bisher (nach den ersten 4 Monaten) sehr vielversprechend aus. Ich werde aber weiterhin versuchen manche Dinge zu optimieren. Nach Oben ist ja bekanntlich immer Luft.

Edited by DavidL
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  • 2 months later...

Nach fast 7 Monaten des Experiments habe ich heute mit meinem Bruder das erste Mal die Gongmei Testfladen und auch den Pu Erh probiert. Dazu wollte ich einmal ein kurzes Update geben:

Zum Pu Erh: Ich hatte das Gefühl, dass er moosiger gerochen hat. Das Geschmacksprofil hat sich nicht so sehr verändert. Kann man aber auch nach 7 Monaten noch nicht erwarten.

Hauptsächlich ging es aber um die weißen Tees:

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Von links nach rechts: In Tüte im Pumidor; Im Pumidor ohne Tüte; In Tüte bei Zimmertemperatur.

Ich hatte das Gefühl, dass der mittlere Fladen etwas dunkler aussah, aber das liegt wahrscheinlich einfach nur daran, dass keine der grünen / gelben Blätter außen am Fladen liegen. Die Farben kommen durch das Foto auch leider nicht so gut rüber. Tatsächlich sah der rechte Teefladen noch etwas bunter aus, als im Bild.

Hier zuerst ein paar Impressionen vom Ereignis. Getestet wurde in kleinen 50ml Gaiwanen.

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Die Tees haben wir nacheinander zubereitet. Im Hintergrund sieht man noch die anderen Blätter. Benutzt haben wir 2,2g und eine Ziehzeit von ca. 30 Sekunden.

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Das Ergebnis war, wie zu erwarten, noch nicht so aussagekräftig. Die Blätter vom Zimmertemperatur-Tee waren etwas zerbrochener und wahrscheinlich hat er deswegen etwas säuerlicher geschmeckt. (Beim nächsten Mal geben wir uns mehr Mühe!)
Es gab noch keinen großen geschmacklichen Unterschied zwischen dem Pumidor-Tee und dem Zimmertemperatur-Tee. Allerdings hatte der Tee, der offen im Pumidor lag, einen etwas zurückhaltenden Duft und auch der Geschmack war nicht ganz so intensiv. Gefühlt aber etwas minziger als die  restlichen beiden. Das heißt aber noch nichts, da es auch anderen Umständen geschuldet sein kann. Sollte der Eindruck aber in den zukünftigen Verkostungen bestehen bleiben, wäre das schon eine erste Erkenntnis.

Noch etwas zu den Bedingungen im Pumidor:
Hier zu sehen sind 2 Screenshots. Jeweils eine 30-Tage Zeitspanne.
Links vom 25. Mai und rechts von heute dem 25. Juni. Aktuell herrschen in meiner Wohnung (unteres Diagramm) fast die selben Bedingungen wie im Pumidor. Daher ist der Energieverbrauch auch wie erwartet super gering. Die Heizung ist nur für 6% der Zeit an um die paar Grad auf 28°C hoch zu heizen. Die Luftfeuchtigkeit ist aber viel konstanter und immer über 60%. Die Knicke in der blauen Kurve sind die Tage an denen ich den Pumidor geöffnet habe und die Boveda Packs aufgeladen und den Pumidor etwas belüftet habe. (Zu dem Aufladen schreibe ich auch nochmal einen Beitrag um meine Erfahrung darüber zu teilen.)


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Abschließend bleibt zu sagen: Es läuft noch alles nach Plan. Und ich freue mich auf die zukünftigen Verkostungen und die Erkenntnisse, die ich mit dem Experiment vielleicht noch haben werde. :)

Edited by DavidL
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Ja, wenn man die schnellstmögliche Reifung haben möchte wäre das sicher sinnvoll. Bei weißem Tee ist das Lagern in Form eines Fladens aber üblicher. Da der Platz in so einem Pumidor eher begrenzt ist, kann das bei dem Vorhaben möglichst viel gereiften Tee hier in unserem Klima zu reifen schon von Vorteil sein.

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Schöner Test, ich bin schon auf das Ergebnis nach paar Jahren gespannt.
Da ich selber auch so einige Boveda Packs im Einsatz habe, bin ich etwas über den Abfall der Luftfeuchtigkeit verwundert.
Deine Temperatur ist ja superstabil, daher fallen mir nur 2 mögliche Erklärungen ein:

  • die Bings nehmen noch immer Luftfeuchtigkeit auf
  • dein Pumidor ist nicht dicht und Feuchtigkeit entweicht

Denkst du eine davon könnte zutreffen?

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@Lateralus

100% dicht ist der Pumidor tatsächlich nicht. Die Rückwand ist aus Holz und dahinter gibt es einen ca. 6x4 cm großen Ausschnitt, in dem früher das Kühlelement gesteckt hat. Die Ränder der Holzplatte habe ich nicht abgedichtet und einen Kanal um die Kabel für den Sensor sowie das Heizelement in das Innere zu führen gibt es auch. Die Tür ist vermutlich auch nicht ganz dicht.

Ich denke aber, dass das auch ganz gut sein kann.

Ob die Bings immer noch Feuchtigkeit aufnehmen weiß ich nicht genau. Inzwischen liegt dort auch noch ein 400g Bing drin, den ich extra mal zum Reifen gekauft habe. Und ich werde wahrscheinlich auch noch frische Bings dort hinein tun, wenn ich geeignete finde.

Seit kurzem verwende ich auch 4 Boveda Packs. Das hat etwas gegen den Abfall der Luftfeuchtigkeit geholfen. Jedoch verlieren sie ungleichmäßig Wasser. Ich denke die ersten Packs müssten langsam ausgetauscht werden.

Perfekt ist das ganze System nicht. Aber für meine Zwecke reicht es. Aufladen tu ich inzwischen jede Woche, früher habe ich es nur alle 3 Wochen gemacht. Aber wenn die Packs nicht ganz so trocken werden, ist das besser für deren Funktion.

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  • 8 months later...

Nach nun ca. 15 Monaten habe ich mit meinem Bruder gestern die 2. Verkostung der Testfladen veranstaltet.

Die Tees liegen dieses Mal in einer anderen Reihenfolge:
Zimmertemperatur mit Tüte, Pumidor mit Tüte, Pumidor ohne Tüte

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Rein optisch hat sich noch nicht so viel getan. Es sind immer noch sehr grüne Blätter vorhanden. Durch die unterschiedlichen Belichtungen lassen sich die Fotos auch nicht so gut vergleichen.
Was aber zählt ist der Geschmack. Und da haben wir tatsächlich langsam ein paar Unterschiede schmecken können!

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Der bei Zimmertemperatur gelagerte Fladen hat sich, wie zu erwarten war, fast gar nicht verändert. Er schmeckte gefühlt noch so, wie wir ihn gekauft haben. Medizinisch kräutrig, leichte Süße, aber auch etwas trocken und "rau".
Interessant waren die anderen beiden Fladen:
Geruchstechnisch hat der Fladen, der ohne Tüte im Pumidor lagert, etwas abgenommen. Er roch nicht mehr so intensiv, wie die anderen Beiden. Das deutet schon mal darauf hin, dass man bei einer sehr luftigen Lagerung Aroma verliert.
Geschmacklich haben sich beide leicht verändert. Der in der Tüte lagernde Fladen war leicht runder und süßer. Er hatte etwas mehr Tiefe und schmeckte nicht mehr so "fresh", wie der bei Zimmertemperatur lagernde Fladen.
Die größte Veränderung hat der dritte Fladen durchgemacht. Er war noch einmal etwas süßer, war jedoch auch im Geschmack nicht ganz so intensiv, wie die ersten beiden. Das Geschmacksprofil wies aber schon mehr Ähnlichkeiten mit dem gereiften Shoumei 2014 auf, der aktuell meine Referenz für diese Art gereiften Weißtee darstellt.
Ob die Abnahme im Geschmack nun an der relativ kleinen Dosierung mit 2g und den Minigaiwanen lag, oder aber durch die luftige Lagerung kommt, wird sich denke ich erst mit den nächsten Verkostungen zeigen.

Die gestrige Verkostung deutet jedoch schon an, dass eine höhere Temperatur den Tee schneller verändern lässt. Ob gut oder schlecht und ob eine Feuchtigkeitsregulierung sinnvoll ist, wird sich noch zeigen.

 

 

Und wenn ich hier schon ein Update gebe, dann auch dazu, wie ich aktuell versuche die Luftfeuchtigkeit zu regulieren.
Durch das Nachfüllen der Boveda Packs ist mir inzwischen schon eines davon kaputt gegangen, da durch die harten Kristalle die Membran zerstört wurde.
Nach meinem Verständnis, dem Lesen einiger Beschreibungen und dem Überfliegen des Boveda Pack Patents, ist die Membran tatsächlich nur eine Komfortfunktion und dient nur der einfacheren Handhabung. Daher habe ich mir gedacht, dass man sie theoretisch auch weglassen kann.
In einem anderen Forum habe ich auch gesehen, dass sich Leute mit einem Glas, einer Membran (um beim Umkippen des Glases ein Auslaufen zu verhindern) und einer Salz/Zucker Lösung ihre eigenen Boveda Packs gebaut haben. So habe ich mich auch einmal an einer solchen Lösung versucht.
Am schwierigsten war es ein Salz zu finden, bei dem sich eine Luftfeuchtigkeit von knapp über 60% einstellt. In einem alten Sicherheitspaper zu den 62% Boveda Packs (In den Neuen müssen keine Angaben über Inhaltsstoffe mehr gemacht werden, solange sie nicht giftig sind...) habe ich dann herausgefunden, dass früher außer einem Verdickungsmittel und Wasser nur noch Kaliumcitrat in den Packs steckte. Ich habe nun also eine gesättigte Kaliumcitratlösung in 2 kleinen Gläsern mit einem Staubfilter darüber in dem Pumidor stehen...

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Das Verhalten dieser Lösung ist mir noch etwas unklar. Die Luftfeuchtigkeit steigt über einen Tag langsam an, kann dann über 4 weitere Tage relativ konstant bei 62% gehalten werden und anschließend geht sinkt sie dann recht schnell wieder ab.
Ich vermute, dass die Oberfläche nicht ausreichend ist, werde aber noch etwas mit dieser Methode experimentieren. Positiv ist jedoch, dass die Luftfeuchtigkeit nicht sehr schnell und hoch steigt. Kaliumcitrat scheint also geeignet zu sein um die Luftfeuchtigkeit in den 60ern zu halten. Außerdem lassen sich die Gläser einfacher befüllen als so ein Boveda Pack.
Dadurch, das durch die Verdunstung die gelösten Salze zurückbleiben, sollte auch nichts von dem sauren Kaliumcitrat auf den Tee gelangen. Sollte hier jemand sein, der das besser weiß als ich, dann möge er mir bitte sagen, dass das Vorhaben eine schlechte Idee ist. Bisher (seit ein paar Wochen im Einsatz) scheint es jedoch ganz gut zu funktionieren.

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Ne, daran habe ich noch nicht gedacht. Ich kann mir aber vorstellen, dass diese nicht gut geeignet sind um Wasser wieder abzugeben. Die von mir eingesetzte Kaliumcitratlösung ist flüssig. Die Moleküle können sich also leichter bewegen um an die Oberfläche zu gelangen, wo sie dann in die Luft übergehen. Bei einem Gel wird das sehr schwierig. Ich denke es wird nur die äußere Schicht hart werden und das restliche Wasser innen einschließen.

Im Endeffekt ist das ja auch das Gegenteil von dem, was sie machen sollen.

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