Paul

6FTM Fengqing Lushi (sheng) 2003

Empfohlene Beiträge

Wie den meisten sicherlich schon länger aufgefallen ist hat Chris seine Sheng-Abteilung dreigeteilt: Fermentierter - Semi-Fermentierter und Roher Sheng.


Was heißt das nun für uns?



Also mal eine Verkostungsnotiz aus der 10+ fermentierten Ecke: Six famous tea mountains sind im Gaiwan mit ihrem Fengqing Lushi 2003


.


Einiges kenne ich von den SFTM und dem Schnewittchen hinter dem 7. aber auch nicht so viel, daß ich mit meinem Wissen bei einer chin. Olympiade (ausgerichtet von wem auch immer) antreten wollte oder könnte ;)



Das Procedere wie immer Porzellangaiwan(100 ml), 4,5 gr,  Waser von der Waldquelle, zwei mal waschen und los:



Bei den Blättern fällt auf, daß es relativ kleine Brocken sind, der Duft der Waschgänge (Wald Holz Rinde) läßt auf einiges hoffen.



1. A. 20 s


F: rot-braun


D: Wald, Kuba, Zuckerrohr, Hitze, Sandfarben (die Stiefel der Sodaten im Irakkrieg)


G: Rauch, Holz, Rum (guter!) pulsieren und Süße im Abgang



2.A. 40 s


F: Mahagoni


D: Hallenbad; Voll, Groß


G: Eichenholz, Meer Salzig, Weite, wehender Strandhafer, pulsierend und stark mineralisch



3.A.60 s.


F: hell Mahagoni


D: ein wenig Moder und Muff der angenehmen Sorte, Gemütlichkeit einer zu wenig gelüfteten Küche


G: Holz und Rauch etwas für den Mac Barens Navy Cut Raucher, der ich in einem vorigen Leben mal war



Memories are made of this!


usw. usw.



Das Gong fu Cha Gepleure kann einem auch manchmal auf den Geist gehen; entweder ist die Kanne nicht heiß genug, das Wasser noch zu kalt ode schon zu lange verkocht, das Sieb nicht zu finden, vergessen zu riechen , der Becher verkehrt, die Ausschankkanne nicht da, wo verflucht ist der Pinsel, den Teefreund vergessen zu gießen - ihr kennt das alle.



DESHALB mach ich mir shengs gerne mal auf diese entspannende Art: in diesem Fall: 2,2 gr. 200 ml Kanne und ca drei min ziehen lassen (ohne Uhr und zählen!)



1. A. 3 min


F: Mahagoni


D: Wald, aber Waldrand (man steht am Walrand und hat die bäuerlich gepflegte Kulturlandschaft vor sich, das dunkle ungebändigte verbindet sich im Duft mit der gebändigten Natur, ein interessantes olfaktorisches Phänomen!


G: Wald Rauch pulsierend aber mehr Süße als bei Gong Fu Cha



2.A. 5 min


F: Mahagoni


D: dito


G: dito



Auf diese entspanntere Art, kommen die Eindrücke nicht so Feuerwerksmäßig, sondern etwas langsamer, schleichend. Zwischentöne werden spürbar und genießbar.


Ich habe den Eindruck, daß der Tee diese Art des freundlicheren Umgangs mag und mit einem Mehr belohnt!



Ach ja, übrigens hat den Tee auch Hobbes besprochen: http://half-dipper.blogspot.de/2010/07/2003-6ftm-fengqing-lushi.html


Gelesen hab ich den Text, natürlich erst nach der Verkostung - Großes Pfadfinderehrenwort!




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Ich möchte keine Diskussion über den Zusammenhang von Geruch - Emotion - und - Erinnerung oder Synästhesie oder sonst etwas lostreten. Bis du in der Zeile verrutscht? Ist das eine Beschreibung der Farbe oder des Geruchs? Das mit dem Hallenbad an anderer Stelle ist klar.




1. A. 20 s


F: rot-braun


D: Wald, Kuba, Zuckerrohr, Hitze, Sandfarben (die Stiefel der Sodaten im Irakkrieg)


G: Rauch, Holz, Rum (guter!) pulsieren und Süße im Abgang



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@Klaus: Ja, die Farbe ist mir schon klar... Aber warum ist es unter "D(uft)" aufgeführt? Als Farbe war ja auch rot-braun angegeben.


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Diese Verkostungsbeschreibung sollte auf hochwertigem Papier großformatig gedruckt und dann eingerahmt werden! Sodann zur Weihe der Heiligen Hallen an jedem Austragungsort der Teezui feierlich am Ehrenplatz aufgehängt werden!

weniger schwülstig ausgedrückt: die vermutlich beste Verkostungsbeschreibung, die ich je gelesen habe.

Zwar halte ich mich nicht für einen Synästhesisten, aber mir geht es auch manchmal so, dass ich einen Duft am Besten mit einem Sinneseindruck beschreiben kann, der nicht über die Nase wahrgenommen wird. Vielleicht gefallen mir gerade deswegen Pauls Verkostungsnotizen so gut.

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.. Aber warum ist es unter "D(uft)" aufgeführt? 

Kannst du dir in etwa vorstellen, wie so ein Soldatenstiefel im Irakkrieg gerochen haben muss, wenn der Soldat tage- oder wochenlang nicht aus seinen Knobelbechern herausgekommen ist? 

Vielleicht meint Paul ja das  :yahoo:

bearbeitet von TeeStövchen

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Kannst du dir in etwa vorstellen, wie so ein Soldatenstiefel im Irakkrieg gerochen haben muss, wenn der Soldat tage- oder wochenlang nicht aus seinen Knobelbechern herausgekommen ist? 

Vielleicht meint Paul ja das  :yahoo:

Stövchen, genau das war meine Sorge, dass das gemeint war :D

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@seti

Sandfarben ist vollkommen ok unter Duft; kannst Du etwa keine Farben riechen?

Da steht "Sandfarben (die Stiefel der Soldaten im Irakkrieg)" weil ich bevorzuge die assoziative Art des Schmeckens und Riechens, d. h. mich interessiert welche Assoziationen ein Tee in mir weckt. Ich hätte auch "Der Flug des Phönix 1965 mit Hardy Krüger" nehmen können. das weckt ähnliche Bilder. Natürlich versuche ich auch einen Tee einzuordnen, aber ich habe festgestellt, daß Kategorien wie: Wald, erdig, grün usw. nicht ausreichen, um den Tee in meiner Erinnerung so zu speichern, daß ich ihn wenn ich ihn brauche wieder aufrufen kann.

Richtig gut und weiterführend sind solche Verkostungseindrücke wenn man sie am Teetisch mit anderen Fachleuten abgleichen kann, das schärft Zunge, Nase und Hirn.

@geroha

Danke für das Kompliment, ich nehme es mal als solches, weil ich nirgends den Ironiemodus gesehen habe.

Schade, daß es bisher noch nie geklappt hat mal gemeinsam am Teetisch zu sitzen; aber vielleicht beim nächsten Teetreffen?

@Teestövchen

Deinen Einwurf nennen die Engländer treffend "down to earth"

Der Geruch der Stiefel war auf keinen Fall gemeint, da ich ihn nicht kenne.


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Paul, danke. Ich bin in der Tat Synästhet, jedoch teils auch auf anderem Gebiet. Bei meinen "öffentlichen" Eindrücken versuche ich diese aber herauszulassen, da solche Umschreibungen einem anderen nichts sagen. Sollte ich aber anscheinend doch mal tun!



Neben Synästhesie gibt es ganz einfach auch verknüpfungen zwischen Gerüchen und Erinnerungen, die hat wohl jeder. Diese sind aber sehr individuell.


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Den Tee habe ich auch gerade in der Tasse. Bislang gingen meine Verbeugungen in diesem Thread an Paul für die wunderbar zu lesende Beschreibung. Jetzt verneige ich mich (sehr federnd wippen, denn der Tee hat ENERGIE!) in Richtung Worms zu Chris und an die Teebauern in Fengqing.



Meine Geschmackseindrücke überlappen sich kaum mit Pauls Beschreibungen, aber was mich an diesem Tee so völlig begeistert, ist nicht der Geschmack (meine Geschmacksnerven dümpeln im ersten oder zweiten Gang und müssen nicht hochschalten), sondern das Gefühl, das der Tee mir bereitet. Originalzitat aus meinen Livenotizen:



"Irgendwo zwischen wirklich feines Stöffchen! und voll das krasse Zeug!"



Wer immer schonmal wissen wollte, warum die These besteht, man genieße Tee nicht nur mit dem Mund, sondern mit dem ganzen Körper: hier wird man fündig!


bearbeitet von geroha

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Gerade zum ersten Mal im Gaiwan.

Pauls Eindrücken weiss ich nichts hinzuzufügen... Ein grosser Tee...!


Wow...

Der Tee erzählt einem wirklich was...  :) Enorm vielschichtig...

Er beginnt recht herb, aber doch wieder nicht... Ganz schwierig zu beschreiben.. Wie ein schroffer Schulterklopfer, der aber an Ehrlichkeit und Herzlichkeit kaum zu übertreffen ist...

Dann, ab Aufguss 8+, süsser und weicher. Trotzdem behält er das herbe Volumen vom Anfang.

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Am 5.11.2014 um 11:21 schrieb Paul:

Sandfarben (die Stiefel der Sodaten im Irakkrieg)

Gerade wieder im Gaiwan, diesmal allerdings gebrüht nach der Douji-Methode.

Der Charakter des Tees verändert sich dadurch. Ich möchte meine neuen Impressionen gerne auf Paul´s grossartiger Beschreibung aufbauen.

Erinnert er mich "normal gebrüht" an marschierende Soldaten, vollgepumpt mit Adrenalin, hat er nun einen ruhigeren Charakter. 

Der Tag geht zu Ende und die Stiefel ruhen neben ihrem Besitzer, der im Licht der untergehenden Sonne an zu Hause denkt. Wehmütig, aber hoffnungsvoll. Wärme und ein Hauch von Melancholie erfüllen dabei sein Inneres. 

So wirkt der Tee auf mich. Er vermittelt Ruhe und Wärme, doch im Nachhall spürt man deutlich die grosse Kraft die er hat, und die bei entsprechender Zubereitung gnadenlos zur Geltung kommt.

Übrigens ist kein Hauch von Bitternis vorhanden.

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