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Welcher Tee ist heute in eurer Tasse? Teil 3


Joaquin

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Yiwu Zeng Si Long 2005 von pu-erh.sk.

Ich wollte Samples von Peters Thailandtees kaufen, schob den Kauf aber vor mir her. Als ich die Bestellung schließlich aufgab, war ich überrascht diesen Tee und einen 2013er NaKa im Shop zu finden und kaufte aus Neugierde jeweils 25g. Es gab auch noch einen Yiwu aus 2007, den bemerkte ich aber zu spät und er war ausverkauft.

Ein gealterter Factory Sheng aus Yiwu war mein erster Sheng von dem ich einen großen Kuchen kaufte. Der hier erinnert mich vom Geruch und Aussehen der trockenen Blätter sehr an diesen Kuchen. 
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Geruch: Medizin, leicht holzig; Nass: stärker werdendes Holz, in der Packung war noch leicht Vanille aber davon ist nichts mehr zu richten, nach ein paar Aufgüssen Wald der sich nach zwei bis drei Aufgüssen wieder verabschiedet.

Geschmack : Medizin wird schwächer und später wieder etwas stärker, Holz und Leder werden stärker, süß wird der Tee erst nach eignen Aufgüssen und das auch nur sehr leicht, Holz und Leder abklingen ab.

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Ich mag den Tee und das hat sicherlich mit Nostalgie zu tun, denn vom Gesamtbild her sind die Factory Shengs von letzter Woche https://www.teetalk.de/forums/topic/4544-welcher-tee-ist-heute-in-eurer-tasse-teil-3/?do=findComment&comment=121027

diverser im Geschmacksbild und länger anhaltend. 

 

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Am Nachmittag gab es mal wieder etwas ganz anderes: ein Sencha Namens Taishou.

Ein Futsumushi (普通蒸し) Sencha von dem berühmten Hiruma Yoshiaki (比留間嘉章), ein bekannter Tee-Produzent, versiert auf handgerollte (temomi (手揉み)) Tees, der schon viele Preise gewonnen hat. Auch wenn die Blätter durchaus schön sind im Vergleich zu anderen Senchas, die ich bisher hatte scheint es sich nicht um einen Handgerollten Sencha zu handeln - andererseits suggeriert der Name Taishou (大賞 bzw. たいしょう was so viel wie "Grand Prix bedeutet) etwas anderes suggeriert. Das interessante an den Tees von Hiruma Yoshiaki jedenfalls ist sein selbst entwickeltes UV-Welksystem: dadurch wird ichô-ka (萎凋香) ein besonderes florales Aroma gefördert - vielleicht deshalb auch quasi kein ooi-ka (覆い香) (der typisch "algige" Duft von beschatteten Tees) vorhanden? Für interessierte gibt es auch ein interessantes Interview in einem Blog-Post von Florent (TdJ) zu dem Thema. ABER: als ignoranter Pu-Head durch und durch wusste ich von all dem nichts, als ich den Tee getrunken habe - und zu allem Überfluss ist auch noch der erste Aufguss etwas kurz geraten (dank tief verwurzelter Sheng-Trinkgewohnheit juckt es beim ersten Aufguss schon nach ein paar Sekunden in den Fingern, da kommen 120 Sekunden unglaublich lange vor). Und trotzdem: ein wirklich toller Tee, der mich sehr überrascht hat: der erste Aufguss hat ein sanftes Umami und subtile nussige Noten, zugleich aber auch eine fruchtige Süße und leicht herbe Säure. Ab dem zweiten Aufguss übernehmen die letzteren auch ganz klar die Regie was zusammen frisch und fruchtig nicht unähnlich einer Kiwi wirkt mit einer floralen Nase. Da wurde mir bewusst, warum ich früher (bevor ich Pu'erh für mich entdeckt hatte) insbesondere von japanischen Tees angetan war - evtl. bleibt dieses Jahr noch Zeit für das eine oder andere Sample, der Tee hat mir auf jeden Fall Lust darauf gemacht! :) 

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Klingt nach einer sehr tollen Tee-Session. Beziehst du den direkt aus Japan oder bei uns? Leider finde ich den Tee nicht bei google, nur ein sehr interessantes Interview mit Hiruma Yoshiaki: http://sommelier-the-japonais.blogspot.com/2011/10/interview-de-hiruma-yoshiaki-innovation.html 

Zum UV-Welksystem, von dem du schreibst und das auch im Interview Erwähnung findet: das dürfte analog sein zum "Stehenlassen" des Tees für ca. 24 Stunden im Bambuskorb oder einem sonstigen, geeigneten Behältnis und scheinbar noch ein wenig ausgefuchster, nehme ich mal an. Der Duft des Tees wird also geradezu wie bei einem Parfum optimiert; "algig" beim Taishou, wie du schreibst. Auch blumiger? 

@GetsomeIch hatte die D700 irrtümlich auf "Brillant", statt wie sonst auf "Standard" bei der Bildoptimierung nach dem Aufguss. 

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Farmer Leaf Nuo Gu Wan 2020

Ein Maocha aus dem vergangenen Frühling und das kleine Geschwisterkind des Nuo Gu Wan Single Trees 2020, von dem ich hier schon mal berichtet habe. Laut Williams neuestem Video, in dem passenderweise der Nuo Gu Wan Garten zu sehen ist, stammt die "Single Trees" Charge von den großen Bäumen, in die man hinein klettern muss um die Blätter zu pflücken.

Beim heutigen Tee handelt es sich also um die kleineren Bäume. Ein Vergleich zwischen den beiden Tees liegt natürlich nahe und ich kann schon mal vorweg nehmen: die Verwandtschaft ist offensichtlich. Bevor ich darauf genauer eingehe, möchte ich jedoch zunächst meine Verkostungsnotizen zum "Standard" Nuo Gu Wan wiedergeben.

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Das trockene Blatt riecht blumig und sehr grün. So grün, dass man es sogar als stechend bezeichnen kann. Das setzt sich im feuchten Blatt fort, wird dort aber etwas entschärft. Wir kommen nun in bekanntes, blumig-süßes Jingmai Territorium.
Der Aufguss verströmt ein Aroma von Blütenhonig und Gewürzen wie Pfeffer und Kurkuma. Am Gaumen herrschen Gewürze und eine mineralische Bitterkeit vor. Der Körper ist eher dünn.
Im Abgang gibt's dann wieder mehr Süße als Gewürze mit einer komplexen Aromatik, die erneut an Blütenhonig erinnert. Leider stellt sich eine gewisse Kratzigkeit am Rachen ein, die den Gesamteindruck des Tees als "zu grün" unterstreicht.

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Nun würde ich dieses Urteil in einem anderen Kontext vielleicht auf das Maocha-Dasein des Tees schieben, aber im direkten Vergleich zum "Single Trees", ebenfalls ein Maocha, wird hier doch ein deutlicher Qualitätsunterschied offensichtlich. Metaphorisch gesprochen spielen beide Tees die selbe Melodie. Der Unterschied entsteht in der Interpretation: Das selbstbewusste, aber gemessene forte des "Single Trees" steht der Melodie deutlich besser zu Gesicht als das etwas brachiale und zu Übersteuerungen neigende fortissimo des Standard Nuo Gu Wans. Weil letzterer so übermütig in die Tasten haut, kommt zudem der Rythmus hier und da etwas ins Holpern.

Worauf dieser Unterschied letzten Endes genau zurückzuführen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Zunächst ist da natürlich das unterschiedliche Ausgangsmaterial. Ich kann mir gut vorstellen, dass gerade bei einem jungen Sheng, der ziemlich grün verarbeitet wurde (das trifft auf beide Tees zu), das Endergebnis stark vom Ausgangsmaterial abhängig ist. Je besser das Blattgut, desto grüner und direkter kann man es verarbeiten, ohne dabei einen rauen Tee zu produzieren, der erst durch Reifung gefällig wird.
Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass der Standard Nuo Gu Wan noch grüner verarbeitet wurde, als die Single Trees Produktion. Dass es sich also nicht nur um ein Problem der Passung von Material zu Verarbeitung handelt, sondern auch um eines des Verlusts an Balance und Maß in der Verarbeitung.

Während der Nuo Gu Wan Single Trees ein hervorragender Tee ist und einer der besten Farmer Leaf Eigenproduktionen, die ich bisher probieren durfte, ist der Standard Nuo Gu Wan weit unter der für meinen Geschmack hohen Durchschnittsqualität von Williams Tees.

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Nach langer Zeit mal wieder Yancha im Kännchen, genauer ein BJG Sample unbekannter Herkunft (ggf aus einem Tausch mit einem Teefreund von hier?)

Irgendwie finde ich Yancha passt gut zum aktuell kalten Wetter, aber der leichte BJG hat auch schon diese Frühlingsfrische, die ja bereits in der noch kalten Luft liegt, enthalten.

Jedenfalls ein gelungener Tee mit einer interessanten und frischen Mais Note. Erinnert mich immer an meine Reise nach Wuyishan, wo man die BJG Teebüsche schon von weitem an der gelblichen Farbe erkennt. Sieht auf den ersten Blick immer so aus als wären die Büsche krank oder zumindest ein Nährstoffmangel.

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Farmer Leaf Jingmai Gushu Herbst 2020

Nach dem enttäuschenden Nuo Gu Wan lässt der nächste überzeugende Farmer Leaf Tee nicht lange auf sich warten.

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Das trockene Blatt duftet nach Mandarine und Wiesenblumen. Nach dem Aufgießen entströmt dem Kännchen dann ein unerwartet deftiges Aroma mit Gewürzen, Roggenvollkornbrot, fruchtigen Anklängen und Heidekraut.
Der Aufguss riecht süßlich und leicht mineralisch. Am Gaumen zeigt der Tee einen schönen Körper, Gewürze und Heidekraut tauchen wieder auf und werden von einer üppigen Süße getragen.
Der Abgang ist lang und wärmend. Ein nennenswertes Huigan ist nicht vorhanden. Stattdessen lässt sich der Tee vor allem im Mundraum nachspüren. Er wirkt stimulierend und regt den Speichelfluss an, ohne dabei unangenehm trocken oder adstringent zu sein.

Ein schöner Herbst-Sheng mit einem gänzlich anderen Charakter als die Vorgängerversion aus dem Jahr 2019. Weniger grün verarbeitet und mit einer üppigeren Aromatik, behält er gleichzeitig die Stärken des Vorgängers in Sachen Körper und Balance bei. Sehr gelungen!

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1980er Tongqing Hao Yingming via Chenshi-Chinatee

Ein großer Name und eine gewichte Jahreszahl wecken bei diesem Tee durchaus Erwartungen, da ich bislang nur zwei wirklich gute Tees von Tongqing Hao kenne (einen 2005er und einen 1990er). Daher und weil Tongqing Hao (同庆号) eine der ältesten Tee-Fabriken/Marken ist, hat der Name für mich einen anderen Stellenwert als z.B. Dayi/CNNP etc. - wobei man natürlich klar sagen muss, dass sich die Inhaber heutzutage dem durchaus bewusst sind und entsprechendes Marketing aufgezogen haben: es gibt beispielweise einen Flagship-Store in Jing Hong, der als eine Art Erlebnis-Location aufgezogen ist, was mich etwas an Karls Erlebnis-Dorf erinnert (an dem ich vor Jahren auf dem Rückweg aus Heiligenhafen vorbeigekommen bin) - ein Kommerz-Paradies Franchise mit dem selben Feeling, jedoch Erdbeeren anstatt Tee als Thema - auch hierzu haben Eugene und Belle vor ein paar Jahren einen lesenswerten Blogbeitrag geschrieben. Die Submarke/Produktlinie Yingming (英敏) bedeutet wenn ich das richtig verstehe, so viel wie "brillant" (korrigier mich, wenn das Mist ist @chenshi-chinatee) - typisch chinesischer Pathos, denn optisch ist das ganz schön derbes Holz, was hier geboten wird, was ja aber nichts negatives sein muss. Jedenfalls sollte man sich davon nicht abschrecken lassen: der Tee ist super weich und sanft - die ersten Aufgüsse sind schwer wie ein Shu und hinterlassen auf der Keramik sprichwörtlich ölige Spuren. Da zeigt sich ganz klar, dass der Tee bis 2011 in Hong Kong gelagert wurde - auch wenn es deutlich extremere Beispiele gibt hat der Tee den unverkennbaren HK-Storage Charakter, den alle HK-Shengs gemeinsam haben. Die schwere und weiche Textur ist zwar schön, aber nachdem ich in letzter Zeit einige HK-Shengs hatte muss ich sagen, dass ich ganz eindeutig zu einer trockeneren Lagerung tendiere: für mich geht hier zu viel Charakter und Energie verloren und da ich ein Fan von Vielfalt bei Tee bin, ist auch das Gleichschalten des Charakters für mich ein klarer Nachteil. Auf Grund des Alters und der Tatsache, dass die Zeit in Hong Kong hier schon wieder 10 Jahre zurückliegen ist bei diesem Tee aber zum Glück nichts von feuchtem Erdkeller zu merken - es zeichnen sich durchaus schöne Lakritz- und holzige Ledernoten ab, jedoch ist der Tee für meinen Geschmack etwas zu sanft - Tees des gleichen Alters, die trockener gelagert wurden wie z.B. der tolle 1980er Song Ping sagen mir da persönlich doch mehr zu, aber Geschmäcker sind hier natürlich unterschiedlich. Auch wenn nicht ganz mein Fall trotzdem vielen Dank für das Sample @chenshi-chinatee - ich bin gespannt auf die weiteren :) 

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Der heutige Tag stand im Zeichen der ein und derselben Kanne.

Diese Kann war für Yancha vorgesehen, @Anima_Templihatte jedoch gute Erfahrungen mit Shou und Hong Cha gemacht. Beide sind nur selten meine Baustelle, aber einen Shou habe ich noch da.

Luxi Beeng 2005 von Die Kunst des Tees. Vor Jahren einer der ersten ganzen Cakes auf der Teereise. In der Erinnerung ist der Tee mild, trocken und Sesam. Letztes Jahr hatte ich etwas davon nachgekauft, um den Tee mit dem neuen Erfahrungsschatz zu kontrastieren. Im Gaiwan kommt er der Erinnerung sehr nahe, lediglich etwas Süße kommt dazu. Beschrieben wir der Tee mit einem beerigen Nachgeschmack. Dieser blieb bisher verborgen, aber in der heutigen Sitzung mit der Kanne: Tada! Beeren und zwar nicht nur im Nachgeschmack. Ein bisschen Holz ist auch noch mit von der Partie. Da der Tee nun ungefähr ein Jahr unangetastet im regal stand, wollte ich ihn nächste Woche im Büro wegtrinken. Jetzt bleibt er erst mal im Regal, wird aber regelmäßiger hervorgeholt.

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Davor hatte ich den Li Hua Niang 2016 Winter, ebenfalls DKdT, in der selben Kanne. Als Probe 2018

kennengelernt, habe ich letztes Jahr 50g  für die selten Gelüste nach gerösteten Oolongs angeschafft. Zu meiner Überraschung hatte ich die Süße der Probe nicht als Insektenbisssüße erkannt. Die Frucht ist komplett verschwunden und die Röstung noch etwas mehr abgeklungen. Für mich persönlich ein Gewinn. Das die Kanne an dem Tee viel Verändert, lässt sich im Vergleich mit dem Gaiwan nicht sagen. In beiden tritt in ein oder zwei Aufgüssen leichte Sahne zu Tage, also eine Mischung aus leicht cremigem Mundgefühlt und Milch. Während  ich Milky Oolongs für Geißel der Menschheit halte, ist das bei diesem Tee eine angenehme Sache.

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Nummer drei Yancha Rou Gui 2020 von @chenshi-chinatee. Ein Tee der tut was er soll und das ist gut so. Zimt, leichte Röstung und ab und zu spitzen Blümchen durch. Bei Yanchas fällt es mir wie bei Schwarztees schwer passende Begriffe zu finden. Aber alle Rou Gui bisher verkosteten Rou Gui waren auf ihre Art einfach zu erfassen.

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Fazit des Tages: Die Kanne ist ein Allrounder. Das macht die Entscheidung über ihren zukünftigen Einsatzbereiches nicht einfacher.
 

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2005 Songpin Hao Green Label via @chenshi-chinatee 

Nach dem Tongqing Hao gestern ist heute wieder ein großer Name im Kännchen: Songpin Hao (宋聘号). Auch wenn der Name nicht ganz so viel Prestige hat (soweit ich das beurteilen kann) stammt die Marke doch auch aus der Familien-Marken Frühzeit (oder auch Hao Ji Cha" (号 级 茶)) der Puerh-Produktion und wurde 1875 gegründet - der Großteil der frühen Produktionen vor 1912 waren wohl eher von mittelmäßiger Qualität (Fokus eher auf Quantität), aber es entstanden auch ein paar der berühmtesten Tees, die auf Auktionen schon auch mal 3000000¥ erzielen (wobei das noch fast ein Schnäppchen im Vergleich zu einem Fu Yuan Chang aus den frühen 1900er Jahren ist, da wurden 2kg vor ein paar Jahren für 1700000$ verkauft). Interessierten Lesern sei hier ein Artikel von Oliver Schneider empfohlen, in dem er das Glück hatte, einen Songpin von 1910 zu trinken - auch wenn ich nicht den Grammpreis wissen möchte! Glücklicherweise gibt es aber von Songpin Hao wie auch von Tongqin Hao eine moderne Iteration (für die es sogar ein eigene Website gibt, inklusive typisch-chinesischem Imagefilm voller Pathos) nachdem die ursprünglichen Familienbetriebe in den 50ern von der Regierung geschlossen wurden, weshalb dieser Tee etwas günstiger zu erstehen ist 😉

Bei diesem Tee handelt es sich um ein Green Label oder auch Lǜ Biao (绿标) von 2005 aus Yiwu (易武山), der aus Material von 60-80 Jahre alten Bäum(ch)en gefertigt wurde. Wie der Tongqing Hao von gestern wurde auch dieser Tee bis 2011 in Hong Kong gelagert, allerdings wirkt das hier GANZ anders: zum einen ist die Zeitspanne natürlich nicht so groß und zum anderen ist das ein Tee mit einer sehr festen Pressung der Kategorie Tee-Zange statt Tee-Piekser - dadurch "leidet" der Tee nicht unter dem typischen HK-Storage Syndrom, sondern es äußert sich nur in einer weicheren Textur, als es vermutlich sonst der Fall wäre. Und genau diese weiche Textur ist auch eine der zwei Stärken des Tees - von Anfang bis Ende ist jeder Aufguss einfach super smooth. Und das, obwohl die zweite Stärke - der wandlungsfähige Geschmack - äußerst derb startet: Leder, Stall, Pilze, ranziger Weihrauch und eine Schärfe, die mich zusammen mit der zwar nicht aufdringlichen aber doch irgendwie subtil-dominierenden pilzigen Fermentations-Note an eine Pfeffer-Pfiggerlings-Soße denken lässt. Besonders spannend ist hier der Vergleich von einem glasierten Schälchen mit der Tamba-yaki Guinomi von Masafumi Ohnishi (大西雅文): während die Schärfe im glasierten Schälchen sehr konzentriert/punktuell ist, wirkt sie in der Guinomi diffuser und breiter - etwa wie wenn man auf ein Stück Chilli beißt vs. wenn ein Gericht mit etwas Chilli gewürzt ist. Je nach Aufguss gefällt mir mal das eine, mal das andere besser, denn interessanterweise wirkt das punktuelle stark genug um Ansätze von Adstringenz zu überdecken, die wenn das nicht da ist offensichtlicher werden. Mit fortschreitenden Aufgüssen wandelt sich das ganze dann und wird zahmer - jetzt eher Steinpilz-Sahnesoße mit einer schönen Süße aber nach wie vor reichhaltig. Da es im Grunde "nur" ein Xiaoshu Sheng ist, handelt es sich zwar nicht um ein Qi-Hammer aber eine dezent entspannende Wirkung hat der Tee doch, die mich etwas an die tollen entspannten 2012er Lui Shui Dong und 2012er Yi Shan Mo von Tea Urchin denken lässt: ein (trotz Derbheit) entspannter Tee - nichts für jemanden der auf der Suche nach bunten Farben und Feuerwerk ist sondern etwas handfestes, unaufgeregtes ohne viel Tamtam was mir sehr gut gefällt (auch wenn ich hinsichtlich Optik gestehen muss: das Neifei (内飞) von Songpin Hao ist einfach cool).

Toller Tee, vielen Dank für das Sample @chenshi-chinatee 🙂 

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@Lateralus: Da musste ich erst einmal nachschlagen was sich hinter Petrichor verbirgt und würde sagen so eine Assoziation nicht bei Rou Guis wahrgenommen zu haben. Am ehesten kam Petrichor für mich bei Grüntees hin. Aber auch da bin ich gerade sehr unschlüssig. Hast du diese Assoziation auch bei anderen Tees?

Ich möchte noch einen Nachtrag von letzter Woche machen. Den Liming Tea King 2004 von pu-erh.sk. Von Peters älteren Semestern ist das der verschlossene Tee und zwar nicht nur metaphorisch, denn das Blatt braucht ein paar Aufgüsse um sich zu öffnen.

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Geruch: Keller, Holz; nass: leicht medizinisch und eine kräftige Strenge, leicht Hafer im Hintergrund, später mischt sich etwas Leder dazu

Geschmack und Mundgefühl: Ab Aufguss 3 mit aufgegangenen Blatt tut sich was, Schwierig, stark (möglich dass sich hier Bitterkeit verbirgt), Holz und Keller sind da,  Assoziation nach Lakritze? aber schnell verworfen, wärmt definitiv, eine flüchtige Süße im Nachgeschmack die zwar stärker aber nie stark wird, Kräuter scheinen durch zu kommen, wird jetzt milder aber immer noch kräftig  

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Der schwierigste von Peters gelagerten Tees. Nicht schlecht, aber vorangegangenen bevorzuge ich.

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Am 17.4.2021 um 13:21 schrieb doumer:

Die Submarke/Produktlinie Yingming (英敏) bedeutet wenn ich das richtig verstehe, so viel wie "brillant" (korrigier mich, wenn das Mist ist @chenshi-chinatee) - typisch chinesischer Pathos,

Yingming ist eigentlich nur der chinesische Name der japanischen Familie Hidetoshi (Aufgepasst, viel Storytelling, mit Vorsicht zu genießen!) die den Tee angeblich in den frühen 30er von Tongqinghao in Yunnan haben produzieren lassen. Das endete natürlich mit dem Anfang des zweiten Weltkriegs in Asien (1937). Bis zu den 80er Jahren gab es noch 80 Stück, die von einem findigen taiwanesischen Geschäftsmann gepantscht/gestreckt wurden mit Material aus den 60ern und 80ern. So konnten Sie die 80 Stück wieder vervielfachen - angeblich jenseits des Faktors 10. 

Ob es stimmt oder nicht, sei dahin gestellt, vielleicht kann ja jemand hier eine C-14 Messung organisieren, dann wissen wir, mehr :D 

 

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2012 EoT Bulang

Mit großem Respekt bin ich an diesen Tee heran gegangen. Wird er doch allenthalben als "bitteres Schwergewicht"  gehandelt. Umso mehr freue ich mich, dass ich mich getraut und dazu noch, mit etwas über 8gr, hoch dosiert habe.

Der Duft des Blattgutes im heißen Kännchen ist eindeutig mit Kuhstall zu assoziieren, allerdings eher mit Heu und Dung, als mit Ammoniak und Pisse.

In der Schale zeigt sich ein gehaltvoller und interessanter Bulang. Die Bitternoten sind weit weniger extrem als erwartet, zudem sprechen sie genau die richtigen Bereiche im Mund an, sodass auch eine leichte süße in der vorderen Partie einen kleinen aber feinen Beitrag leisten kann. Der Tee wandelt sich nicht stark, sondern behält seinen Charakter stringent bei, wofür ich sehr dankbar bin. Ordentliches Qi, lässt mich kurzzeitig tief ins Kissen sinken.

So stelle ich mir einen bitteren UND stimmigen Bulang vor, klasse!

Stellt sich nur die Frage, ob meine Weichei-Phase endgültig vorbei ist, oder ich nur einen guten Tag hatte... :D

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vor 20 Stunden schrieb Getsome:

Da musste ich erst einmal nachschlagen was sich hinter Petrichor verbirgt

Dito! Hatte den Begriff schon häufiger gehört und immer gedacht, dass es sich wohl um eine Art Kraut o.Ä. handeln wird :D

"Geruch von Regen der auf Erde trifft" klingt fast schon poetisch. Diese Assoziation hatte ich bei Yancha ebenfalls noch nie, aber bei so manchem Shu Puerh wäre das eine treffende Beschreibung.

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      Hallo zusammen,
      ich suche eine Teeset und habe genau das richtige bereits gefunden. Allerdings sieht das Angebot nicht gerade vertrauenswürdig aus. Link siehe unten.
      Die Tassen passen IN die Kanne und nicht aussenrum stapelbar.
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      Meine Google Suche hat nichts ergeben, vielleicht kennt jemand ein paar speziel Teehändler
      https://www.amazon.de/dp/B08P8FTJP2/ref=cm_sw_r_apan_glt_i_2780B55DQSV5PHQFASNW?_encoding=UTF8&psc=1
      Vielen Dank im Voraus.
      Julian
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      Mölki
       



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      Ich finde sie absolut köstlich. Wer Chai- Tee  mag , wird sie sicherlich  lieben ! 
      https://www.teahouse.de/Oriental-Gewuerz-Tee:::126.html
      Kennt die schon wer ??  






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