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Welcher Tee ist heute in eurer Tasse? Teil 3


Joaquin

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2011 Dayou Yongde Jiu Wan Sheng Zhuan (via TTpl)

Nach dem kürzlich getrunkenen 2015er Yongde hier ein weiterer Vertreter von dort, dieses mal von Dayou, der laut Beschreibung im Shop recht repräsentativ für die Region sein soll. Es handelt sich um Dashu-Material von Bäumen aus Xiaomengtong und Dazukou, die angeblich ökologisch bewirtschaftet werden und hat die letzten 10 Jahre in Taiwan gereift. ABER: es handelt sich um ein Zhuancha, der recht fest gepresst ist und besteht (wie leider bei Zhuanchas viel zu oft) aus größtenteils eher zerhacktem Blattgut - das im nassen Zustand ein leicht rauchiges Aroma von alten Ledersofas hat, sehr Old School Factory Style. Entsprechend hab ich schon mit einem gewissen Maß an Adstringenz gerechnet, aber was der Tee liefert ist schon heftig: Adstringenz pur - da kann nur ein gewisser grausamer Mini-Bing aus Myanmar mithalten. Wenn der erste Schock nachlässt kommt noch etwas rauchige Bitterkeit durch, die nach der Adstringenz wie Salz in der Wunde wirkt - nach vier Aufgüssen musste ich die Session abbrechen, was echt was heißen soll (ich kann mich nicht daran erinnern, wann das das letzte mal der Fall war). Zugegeben: ich hab den Tee (wie ich es bei Sheng immer mache) sehr stark dosiert aber ein guter Tee muss das nicht nur abkönnen sondern zeigt dann auch glasklar seine Stärken - ein schlechter eben genau so klar seine Schwächen. Und das ist das einzige, was hier erkennbar ist...

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Heute hab ich mich mal ein wenig mit dem Thema Tibetischer Buttertee auseinandergesetzt:

(Als Grundlage habe ich allerdings Fu Zhuan benutzt, da ich den grade zu Hand hatte.)

Hier ein Bildchen vom Resultat:

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Die Kanne habe ich bewusst nicht mit fotografiert, da die unbedingt mal poliert werden müsste😅

Der Fu Zhuan den ich als Basis benutzt hab, war alles in allem etwas zu sanft (trotz stärkerer Dosierung+ 45min Kochzeit), weshalb er nicht so rausgekommen ist wie ich mir das gewünscht hätte. -> Beim nächsten mal würde ich einen Tee mit mehr "Biss" wählen.

Salz und Butter haben sich erstaunlicherweise positiv ausgewirkt, indem sie Teilaspekte des Tees betont haben, wohingegen die Milch leider viel Geschmack geschluckt hat. -> Nächstes mal ohne (bzw. weniger) Milch, dafür mit einem Zucker/Salz Gemisch, wie man es in einigen Milchtee Rezepten findet.

Fazit:

Sehr interessantes Konzept aber auch sehr mächtig -> mehr als 1 Tasse ist echt nicht drin😅🤣

 

(Eins hab ich noch vergessen: Ich habe weder Yakbutter noch Yakmilch gefunden und musste deshalb auf Kuhmilchprodukte zurückgreifen.)

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Der oben von @doumer verkostete "Tee" hätte wohl glänzend zu FireStream's deutschem Buttertee gepasst!

@FireStream: Ohne richtig ranzige Yak-Butter kannst du den mMn definitiv nicht "Tibetischer Buttertee" nennen, und wie @SoGen früher regelmässig erwähnte ist Teeblätter auszukochen aus gesundheitlichen Gründen nicht empfehlenswert, angeblich entwickelt sich dabei etwas unerwünschtes (nebst einem schlechten Geschmack).

Bearbeitet von GoldenTurtle
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vor 3 Stunden schrieb GoldenTurtle:

@FireStream: Ohne richtig ranzige Yak-Butter kannst du den mMn definitiv nicht "Tibetischer Buttertee" nennen

Mal gucken, vielleicht findet sich ja was. Ich glaube allerdings das ein wochenlang dauernder, ungekühlten Import aus Tibet dann doch etwas zu extrem für die armen Paketzusteller und Zöllner wäre😅🤣

vor 3 Stunden schrieb GoldenTurtle:

@SoGen früher regelmässig erwähnte ist Teeblätter auszukochen aus gesundheitlichen Gründen nicht empfehlenswert

Interessant. Grade für gealterten Weißtee hab ich genau das Gegenteil gelesen... Werde bei Zeiten mal die Suchfunktion malträtieren👍

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vor 5 Stunden schrieb GoldenTurtle:

wie @SoGen früher regelmässig erwähnte ist Teeblätter auszukochen aus gesundheitlichen Gründen nicht empfehlenswert, angeblich entwickelt sich dabei etwas unerwünschtes (nebst einem schlechten Geschmack).

Aleks Pontvik nennt in seinem Buch Grüne Wunderdroge Tee folgende schädliche Nebenwirkungen des Trinkens von Tee-Absud: Zirkulationsstörungen, nervöses Zittern, Gedächtnisschwäche, stark beschleunigte Herztätigkeit sowie später chronische Verfallserscheinungen wie vorzeitige Arteriosklerose und Sehstörungen. (Seite 107)

Bearbeitet von teewelt
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vor 51 Minuten schrieb teewelt:

Zirkulationsstörungen, nervöses Zittern, [], stark beschleunigte Herztätigkeit

Der Teil klingt verdächtig nach Koffein: https://www.uniklinikum-saarland.de/de/einrichtungen/fachrichtungen/zellbiologie/seminar_zellbiologie_20192020/kaffee_tee_mehr_ist_besser/koffeinvergiftung/ und ist mir selber schon beim Gong Fu Style von 5g auf 1l begegnet.

Was mich jetzt aber überracht hat, sind die chronische Verfallserscheinungen + Gedächtnisschwäche. Da ich da auf die schnelle nix gefunden hab.

 

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@teewelt Schön, dass es dich auch noch gibt!

Am 22.1.2018 um 18:12 schrieb Paul:

@GoldenTurtle hat eine neue "Unterschrift: "Tee ist eine Droge." X.

Und wie Raku damals treffend dazu bemerkte:

Am 24.1.2018 um 15:56 schrieb Raku:

Die Dosis macht das Gift.

Viel Guttuendes ist übermässig konsumiert ungesund.

PS: Beim Auskochen hingegen meinte ich beträfe es nicht primär das Koffein, sondern etwas anderes bilde sich dabei - Tee auszukochen sieht ja schon optisch übel aus (und riecht auch dementsprechend), kein Wunder also, dass sich dabei auch unvorteilhaftes entwickelt. Wie schon Salomon sagte; es gibt eine (übertriebene) Sparsamkeit, die einem selbst schadet.

Prost!

Bearbeitet von GoldenTurtle
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vor 2 Stunden schrieb GoldenTurtle:

@teewelt Schön, dass es dich auch noch gibt!

Danke!

Pontvik geht es an der von mir genannten Stelle in seinem Buch um den Genuss von schwarzem Tee als Dekokt, wie er damals in Tunesien üblich gewesen sein soll. Pontviks Forschungen stammen aus den 1960er und 1970er Jahren und er bezieht sich hier auf die folgenden beiden Texte:

Etienne Burnet: Enquête sur l'Alimentation en Tunesie.

E. Gobert: Comment les Tunesiens prennent-ils le Thé?

Die Texte wurden 1939 und 1940 in der Revue des Archives de l'Institut Pasteur de Tunis veröffentlicht. Sicherlich gibt es dazu mittlerweile eine Reihe von neueren Erkenntnissen. 

Neben der Überdosis von Koffein, die durch das Dekokt dem Körper zugeführt wird, macht Pontvik vor allem Methylalkohol für die schädlichen Wirkungen verantwortlich. (Seite 108)

 

 

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vor 6 Stunden schrieb teewelt:

Neben der Überdosis von Koffein, die durch das Dekokt dem Körper zugeführt wird, macht Pontvik vor allem Methylalkohol für die schädlichen Wirkungen verantwortlich.

Aber ... wie kann denn dabei Methylalkohol entstehen?!?
Vielleicht hat @Manfred als in der Chemie Bewanderter einen sachdienlichen Hinweis?

Bearbeitet von GoldenTurtle
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vor 10 Minuten schrieb GoldenTurtle:

Methylalkohol entstehen?!?

Da gibt´s noch ein Problem: Methylalkohol oder auch Methanol hat einen Siedepunkt von 65 °C (->https://de.wikipedia.org/wiki/Methanol )allerdings als Reinstoff und nicht wie hier als Gemisch!:

Zitat

"Beim Verdampfen eines Stoffgemisches kommt es zu einem veränderten Siedeverhalten und man beobachtet einen Siedebereich anstatt eines einzelnen Siedepunktes" https://www.chemie.de/lexikon/Siedepunkt.html

 

Bearbeitet von FireStream
Quelle für Siedepunkt
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vor 3 Stunden schrieb FireStream:

Da gibt´s noch ein Problem: Methylalkohol oder auch Methanol hat einen Siedepunkt von 65 °C (->https://de.wikipedia.org/wiki/Methanol )allerdings als Reinstoff und nicht wie hier als Gemisch!:

 

Ja, leider: das ist wie beim kochen mit Alkohol: wenn man das ins Wasser kippt, dann dauert es weseeentlich länger, bis der da rausverdampft ist. Das Siedepunktargument greift also nicht wirklich. Entsteht das Methanol bei der Fermentation? (würde dann also eher bei stark fermentierten Tees zutreffen und bei grünen kaum?)

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Ich kenne mich mit dem Ablauf bei der Fermentation nicht aus. Aber sollte nich beim Trocknen der Teeblätter das eventuell gebildete Methanol entweichen? Wenn nicht, wäre die Gefahr, sich zu vergiften, ja auch bei einem kurzen Aufguß gegeben, nicht nur beim Auskochen. Das kommt mir sehr unwahrscheinlich vor.

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vor 10 Stunden schrieb frenchcopper:

Entsteht das Methanol bei der Fermentation?

Moment, diese Richtung ist mMn ein totaler Irrweg - die Fermentation hat nichts mit einem Dekokt zu tun.

Wie Manfred festhielt:

vor 1 Stunde schrieb Manfred:

Aber sollte nich beim Trocknen der Teeblätter das eventuell gebildete Methanol entweichen?

Auch wenn Methanol während des Fermentationsprozesses ensteht, ist dies für den Konsumenten letztlich gänzlich unproblematisch.

Es geht ums Dekokt! Beim Auskochen des Tees soll angeblich etwas ungesundes entstehen! Aber es ist mir absolut rätselhaft, wie Methanol bei dem Prozess entstehen soll - möglicherweise sind die von teewelt zitierten Quellen unzuverlässig. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass wir auf falsche Aussagen selbst in den renommiertesten Teebüchern stossen.

PS: Wenn die Methanolbildung bei der Fermentation für jemanden problematisch ist, dann nur für die Arbeiter in den Factories.

Wo Methanol ein Risiko für Endverbraucher darstellt, ist beim Konsum von privat gebranntem Alkohol. Ich hatte ja früher mehr mit Alkohol zu tun (daraus resultierte der noch immer gut laufende Matcha Cocktail in einer lokal ziemlich bekannten Bar), und von der Zeit erinnere ich mich, dass Kenner im Osten Selbstgebrannten zum Test 1, 2 Tage in die Tiefkühltruhe stecken, weil bei sehr tiefen Temperaturen vorhandenes Methanol in der Flasche von Auge erkennbar wird.

Ich meinte, es schimmert dann bläulich.

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2012 Kunzhushan via Nannuoshan

Vom Kuzhushan hatte ich bislang nur einen Tee (der interessanterweise fast gleich alt ist), der hat es jedoch in sich, daher war ich auf diesen Tee besonders gespannt. Interessant ist jedenfalls die Info, dass der Tee bis 2020 kühl und trockenen in Zhengzhou gelagert wurde - das erklärt sicherlich auch warum der Tee obwohl er ein Jahr älter ist deutlich jünger wirkt als der andere Kuzhushan (dessen Lagerverhältnisse bis 2021 kenne ich leider nicht) aber dazu gleich mehr.

Auf dem Wrapper steht oben 景谷古树七饼茶 (Jinggu Gushu Qizi Bingcha) und groß in der Mitte 苦竹山 (Kuzhushan) also handelt es sich angeblich wie bei dem 2013er auch um Gushu-Material, wenn dem Hersteller zu glauben ist - den Fabriknamen unten kann ich leider nicht genau entziffern, ist aber auf jeden Fall eine Factory (茶厂 = Teafactory), laut Jo (wenn ich mich richtig erinnere) "Jing Gu Xin Ming".  

Das Blattgut wirkt auf Grund dessen deutlich grüner und bei weitem nicht so schön wie bei dem 2013er, was aber auch mit der Tatsache zusammenhängen kann, dass es sich bei dem Sample um das Binghole handelt - dort ist das Material ja besonders hart gepresst. Das mag nicht repräsentativ sein, aber man kann nur mit dem "arbeiten" was man hat - und wenn das ganze 50g Sample nur ein Brocken Binghole ist, hab ich hier leider wenig Spielraum, auch wenn ich versucht habe, die schönsten Blätter vom Rand für die Session "abzuschälen". Das nasse Blatt jedenfalls hat ein schön derben Duft von unreifen Zwetschgen, Dornenhecke und kaltem Rauch in dem jedoch eine gewisse Schärfe mitschwingt, die auf eine typische Factory-Produktion hindeuten könnte. Die ersten zwei bis drei Aufgüsse sind wie schon befürchtet fast ausschließlich adstringent - wenn diese abklingt hallt noch eine etwas fruchtige Bitterkeit mit leichten Rauchnoten nach. Letzteres erinnert etwas an den 2013er ansonsten trennen die Tees aber Welten: während der 2013er sehr klar definiert ist und ein bemerkenswertes Qi hat, ist der 2012er zunächst in einen Adstringenz-Nebel verhüllt in dem man Qi vergeblich sucht (okay, der 2013er hat ca. das doppelte gekostet) - ab dem vierten Aufguss lichtet sich der zwar ziemlich plötzlich und der Tee macht eine 180°-Wende hin zu einem weichen, zahmen Schatten von Bitterkeit, aber auch das gibt mir nicht viel, da z.B. die komplexe Fermentation eines Dong Banshan fehlt. Auch wenn man den Tee im Vergleich zum 2011er Dayou Zhuancha von letzter Woche trinken kann, denke ich nicht, dass ich das mit dem Rest vom Binghole noch machen werde...

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Bearbeitet von doumer
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vor 3 Stunden schrieb GoldenTurtle:

Es geht ums Dekokt! Beim Auskochen des Tees soll angeblich etwas ungesundes entstehen! Aber es ist mir absolut rätselhaft, wie Methanol bei dem Prozess entstehen soll - möglicherweise sind die von teewelt zitierten Quellen unzuverlässig. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass wir auf falsche Aussagen selbst in den renommiertesten Teebüchern stossen.

Vielleicht sollte für diese Diskussion ein eigener Faden eröffnet werden.

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vor 2 Stunden schrieb doumer:

2012 Kunzhushan via Nannuoshan

... Das nasse Blatt jedenfalls hat ein schön derben Duft von unreifen Zwetschgen, Dornenhecke und kaltem Rauch in dem jedoch eine gewisse Schärfe mitschwingt, die auf eine typische Factory-Produktion hindeuten könnte....Auch wenn man den Tee im Vergleich zum 2011er Dayou Zhuancha von letzter Woche trinken kann, denke ich nicht, dass ich das mit dem Rest vom Binghole noch machen werde...

Dornenhecke?

Weißdorn oder Schwarzdorn?

Im Unterschied zum Schwarzdorn (Schlehe) treibt der Weissdorn zuerst die Blätter und dann die Blüten. Die Blätter sind drei- bis fünflappig und glänzen an der Oberfläche. Die schneeweissen Blüten besitzen 5 Kronblätter und über 20 Staubgefässe mit rosaroten Staubbeuteln.

Wahrscheinlich meinst Du den Weißdorn, den hab ich jedenfalls im Geruchsgedächnis gespeichert, beim Schwarzdorn leider nur den Geruch des aufgesetzten Schlehenschnaps :)

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vor 23 Stunden schrieb GoldenTurtle:

Aber ... wie kann denn dabei Methylalkohol entstehen?!?

Nur damit es kein Missverständnis gibt: Methanol kommt als flüchtige Aromakomponente im fermentierten Tee vor und entsteht nicht beim Auskochen. In dem Standardwerk Tee und Tee-Erzeugnisse zählt Walter Feldheim alle Alkohole auf, die im schwarzen Tee nachgewiesen wurden, darunter das Methanol. (Seite 99)

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vor einer Stunde schrieb teewelt:

Nur damit es kein Missverständnis gibt: Methanol kommt als flüchtige Aromakomponente im fermentierten Tee vor und entsteht nicht beim Auskochen. In dem Standardwerk Tee und Tee-Erzeugnisse zählt Walter Feldheim alle Alkohole auf, die im schwarzen Tee nachgewiesen wurden, darunter das Methanol. (Seite 99)

Ja und ich denke auch, daß (teilweise) zellgebundene (?) Aromestoffe natürlich nicht soo schnell verfliegen, denn sonst würde doch Tee nach gar nix schmecken, wenn grundsätzlich alle leicht flüchtigen Aromen verfliegen würden.

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Ich hatte im Laufe der letzten Wochen einige schöne Yiwu-Shengs im Gaiwan, von denen ich in diesem Kombi-Post berichten möchte. Drei davon kommen vie Teekontor Kiel von Meister Yu, einer ist von Chenshi-Chinatee.

Manzhuan Huang Shan 2012 von Jinsong Yu via Teekontor Kiel

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Süß-deftiger Geruch im trockenen Blatt. Reif für das Alter mit Noten von Leberpastete und Rosinen. Im angewärmten Gaiwan kommen Schoko-Aromen hinzu. Nach dem Waschgang riecht das Blatt fruchtiger mit beerigen, weingummi-artigen Noten. Ich als Millennial fühle mich tatsächlich irgendwie an den Geruch der blauen Powerade aus den Nullerjahren erinnert. Klingt schlimmer als es ist, denn im Verlauf der Aufgüsse wird das Aroma gesetzter und natürlicher. Immer wieder tauchen auch blumige Aspekte auf, sowie eine markante Weihrauch-Note. Sehr komplex!
Der Aufguss duftet süß mit schwerer Frucht und Vanille. Am Gaumen übersetzt sich das in einen schweren Körper mit weicher Textur, die aber auch von einigen holzigen Tanninen unterfüttert wird. Auf Geschmacksebene spielen hier Beeren und Holz die größte Rolle.
Der Abgang bringt Cranberry und wieder ein bisschen von dieser Powerade-Assoziation. Er wird ziemlich trocken und endet in einem dezenten, frischen Huigan.

Ein gefälliger, aber geschmacklich doch überraschender Tee. Unterm Strich wirklich lecker.

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(Heute mal mein wenig fotogenes Alltags-Setup. Patina kann ja durchaus sexy sein, aber auf weißem Porzellan hat sie eigentlich nichts zu suchen :whistling:)


Mengla Gushu 2009 von Jinsong Yu via Teekontor Kiel
Aus dem Doypack kommen einem zunächst einige Fermentationsnoten entgegen, die Rasenschnitt, Pflanzengeschäft und Tropengehege im Zoo evozieren: süßlich, schwer, animalisch. Im angewärmten Gaiwan öffnet sich der Duft in eine ganz andere Richtung: hier wird es fruchtig mit Cranberries, Kirsche und Datteln.
Das nasse Blatt wartet dann aber wieder mit strengeren Noten auf: Trauben-Tresterbrand und in den frühen Aufgüssen etwas animalisch-strenges, fast schon Gülle-artiges. Gleichzeitig ist das Aroma expressiv fruchtig und durchaus süß, wobei sich vor allem in den späteren Aufgüssen eine gewisse trockene Rotweinnote zeigt.
Der Aufguss ist fruchtig (jetzt in erster Linie getrocknete Früchte) und vanillig. Am Gaumen breiten sich spannende Noten von leichtem Rotwein und Mate aus. Trotz diesen Noten kommt der Tee dabei jetzt sehr süß und kaum bitter daher. Am Gaumen hat er eine gute Struktur, die ich jedoch eher als schlank und elegant, denn als füllig bezeichnen würde. Präsente Tannine verleihen dem Tee eine schöne Textur und leiten über in einen Abgang mit entsprechend deutlichem Sheng Jin und einem leicht pikanten Charakter bei wenig ausgeprägtem Huigan.

Noch so ein Komplexitätswunder von Yu (zumindest in Sachen Aroma). Faszinierend, wie das auch hier wieder Hand in Hand mit einer gefälligen Süffigkeit geht.


Yiwu Gushu 2008 von Jinsong Yu via Teekontor Kiel
Marshmallow und Kirsche im trockenen Blatt wird nach dem Schütteln im warmen Gaiwan zu Kirsche und Fruchtschnitte-Riegel (diese Dinger, die aus gepresster Dattelpampe zwischen zwei Schichten Esspapier bestehen. Gibt es zum Beispiel im Drogeriemarkt zu kaufen). Nach dem Waschgang lautet die Assoziation rote Grütze. Wir bewegen uns also auf ultra-fruchtigem Territorium.
Der Aufguss kommt etwas ausgeglichener daher mit milden Aprikosennoten und einigen mineralisch-zimtig-frischen Anklängen. Am Gaumen ist der Tee recht leicht mit Noten von Quitten und einer angenehmen, ledrigen Trockenheit, die auch hier wieder an Rotwein denken lässt.
Der Abgang ist frisch und eher trocken mit einem netten Sheng Jin. Das Huigan ist auch bei diesem Tee wenig ausgeprägt.

Nach dem allzu süßen ersten Eindruck entpuppt sich der Yiwu Gushu doch noch als schöner, gut ausbalancierter Sheng. Ich weiß nicht mehr, wieviel ich vor ca. anderthalb Jahren dafür bezahlt habe, aber ich meine mich zu erinnern, dass er ziemlich günstig war. Damit wäre das Preis-Genuss-Verhältnis hier bemerkenswert gut, wobei man berücksichtigen sollte, dass der Tee für einen Sheng nicht sehr ausdauernd ist.


Yiwu Spring Brick 1998 von Chenshi-Chinatee
Wenn ich mich recht ersinne wurde der Tee in Hongkong gelagert, was die offensichtlich starke Fermentation erklären würde. Das trockene Blatt riecht modrig und mineralisch, auf den Blättern sind weiße Pünktchen zu erkennen. Im vorgewärmten Gaiwan zeigen sich Noten von Kartoffeln, spicy Muskatnuss und Walnuss. Nach dem Waschgang bekommt das Blatt einen milderen und süßeren Duft. Macadamia und Pekannuss-Kuchen, sowie Kaffee legen sich über eine weiterhin präsente, pikant-würzige Note.
Der Aufguss riecht mild und süß mit einer leicht kräutrigen Note in Richtung Hustensirup. Am Gaumen ist der Tee mineralisch-erdig mit entsprechend adstringenter Textur am Zahnfleisch, ohne dass jedoch nennenswerte Tannine vorhanden wären. Pikant und leicht modrig im Geschmack, punktet der Tee vor allem mit einem sehr ordentlichen Körper.
Der Nachgeschmack ist metallisch und lässt den Abgang im Zusammenspiel mit dem sehr pikanten Charakter etwas unharmonisch wirken. Das Sheng Jin ist ausgeprägt und angenehm, das Huigan ist eher schwach.

Diese alten HK-Shengs sind eher nicht so mein Ding, weshalb die Verkostungsnotiz den Tee vermutlich wenig attraktiv klingen lässt. Zumindest die körperliche Wirkung ist jedoch angenehm und beruhigend. Zusammen mit dem erdigen, bodenständigen Geschmack kann das für gemütliche Sessions sorgen.

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"...einige Fermentationsnoten entgegen, die Rasenschnitt, Pflanzengeschäft und Tropengehege im Zoo evozieren: süßlich, schwer, animalisch." - hübsche Formulierung @Shibo

Den Yiwu Gushu 2008 habe ich heute morgen auch getrunken , ich fand keine rote Grütze sondern einen hübsch ausgewogenen Sheng - sehr gut für Anfänger - und bei mir recht ausdauernd.

Zum Preis: Teehaus Schnorr Ffm: 50 gr/59,95 E

                   TKK:50gr/34,90 €

                   Shuitang: 50gr/37 CHF

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vor 8 Stunden schrieb Paul:

und bei mir recht ausdauernd

Oh tatsächlich? Gut, dass du es erwähnst... vielleicht lag es bei mir am Kontrast mit den anderen in letzter Zeit getrunkenen Shengs, die allesamt entweder fest gepresst oder aber aus sehr hochwertigem Blattgut gefertigt waren und damit eine wohl eher überdurchschnittliche Ausdauer mit sich brachten.

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