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Welcher Tee ist heute in eurer Tasse? Teil 3


Joaquin

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2018 Yibang Huangpian von Yu

Mal wieder ein Huangpian - dieser spezielle aus Yibang von Jingsong Yu wurde wärmstens empfohlen und hab ich großzügiger Weise ein Sample von einem Teefreund erhalten. Üblicherweise bin ich kein großer Fan von einem Huangpian, was mehrere Gründe hat:

  1. im Vergleich zu einem Sheng aus "normal" jungen Blättern bietet ein Huangpian deutlich weniger Qi/Kraft, Tiefe, Textur und Komplexität - gerade die ersten sind aber für mich genau das, was ich in einem Tee (aka Sheng) suche
  2. ein "echter" Huangpian (also nicht nur großes/reifes Blatt, sondern wirklich alte Blätter - das unterscheidet diesen Tee hier z.B. von dem tollen 2006er Guangbie Laozhai von XZH) hat IMMER eine (für meinen Geschmack) leicht säuerliche Note, die so riecht wie der Heckenschnitt von einem alten Gestrüpp - was mir absolut nicht gefällt
  3. gepresst sitzen die Huangpian-Blätter so sehr zusammen und haben eine so trocken-spröde Konsistenz, dass es beim Lösen immer zu viel Staub und Brösel kommt - bei einem guten Tee wäre das schade

Aber es gibt ein paar wenige Ausnahmen, die trotzdem (und insbesondere der saure Heckenschnitt lässt sich nicht verbergen) trinkbar sind (auch wenn im Vergleich zu einem Herbst-Sheng, was ja auch ein signifikantes Downgrade zur Frühjahrsernte in den relevanten Metriken darstellt (von der Auswirkung auf die Pflanze ganz zu schweigen), die Ausnahmen hier deutlich weniger sind) - und die beste davon ist tatsächlich auch von Yu: der 2017er Lao Man E Huang Pian.
Das Blatt jedenfalls ist wie oben beschrieben ein typischer Huangpian und schon am Aroma vom trockenen Blatt kann man den sauren Heckenschnitt riechen, der sich dann natürlich auch im Aufguss auf der Geschmacksebene zeigt - aber: auch wenn ausgeprägt ist die Säure nicht zu dominant, so dass die Yibang-Fruchtigkeit deutlich wahrnehmbar ist. Hier ist die dämpfende Wirkung eines Huangpians evtl. sogar von Vorteil, denn die Fruchtigkeit wirkt hier nicht zu bunt sondern richtig schön - insgesamt für einen Huangpian durchaus trinkbar.

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Off-Topic: zum allerersten mal ist mir mit einem Kännchen ein Unfall passiert - zum Glück ist aber nur ein winziges Stückchen abgesplittert, das die Funktion nicht beeinträchtigt - das kommt davon, wenn man unachtsam ist :( 

Bearbeitet von doumer
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Yuchi Wild Black Tea von TTpl

Wie die letzten drei besprochenen Hongchas handelt es sich auch heute wieder um einen taiwanesischen aus Yuchi - im Gegensatz zu diesen aber nicht um einen gekreuzten Kultivar: im Shop steht, dass es sich um eine wild wachsende indigene Sorte handelt, die Camellia Sinensis var. Assamica sehr ähnlich sein soll - heute nutzt man stattdessen aber für den berühmten "Red Jade" / "Ruby 18" den Kultivar HongYu (TRES-18), der eine Kreuzung aus diesem indigenen Kultivar und Assamica-Pflanzen aus Burma darstellt. Bei diesem indigenen Kultivar scheint es sich um den Shan Cha zu handeln, den Emilio auch schon vor ein paar Jahren im Angebot hatte - dieser war deutlich rustikaler und weniger beerig-süß als sein Red Jade aus dem selben Jahr - daher verständlich, dass die Produzenten den hybriden Pflanzen den Vorzug geben, da dieser mich vor 4 Jahren doch deutlich mehr beeindruckt hat (war es doch der erste Yuchi Hongcha dieser Art für mich). Um so überraschter war ich heute, als ich diesen Tee im Kännchen hatte - zumal es sich noch um die 2019er Version handelt und nicht die (inzwischen ebenfalls schon ausverkaufte) 2021er Version im Shop - denn dieser Tee hat alles, was ich in einem Hongcha suche (und wie heute morgen geschrieben habe ist das letztlich das entscheidende bei der Bewertung eines Tees, denn es gibt keine 100% objektive Tee-Bewertungs-Maschine): Der Tee hat eine sehr schöne, ausgeprägte Pfirsich-Note (schon mit gewissen Beeren-Noten aber weit von einem Ruby 18 entfernt) ohne dass diese zu überladen wirkt, eine bestimmte aber ebenfalls nicht übermäßige Süße, einen vollen Körper ohne schwer zu wirken und null Malzigkeit (was mit ein Grund ist, warum ich insbesondere Hongchas aus Taiwan so mag) - irgendwie erinnert mich das ganze an einen typischen Pfirsich-Eistee nur in gut und natürlich. Eigentlich ist der Tee nirgends der Beste / der Süßeste / der Beerigste / der Fruchtexplosionigste ... und genau das macht ihn so gut: er hat die perfekte Balance und hakt alle Checkboxen ab, um für mich der ideale Hongcha zu sein - zumindest aus sommerlicher Sicht - um sich im Winter den Arsch an einem Bullerjan zu wärmen ist ein kerniger vermutlich passender, aber ich habe den Luxus (oder das Pech) das nicht zu müssen, da ich meine Tage an den Bildschirm gekettet bin. Eine echte Perle unter den "echten" Hongchas (es gibt noch Grauzonen wie den 2019er Huazhu Yesheng Hongcha oder den 2017er Lao Man E Hongcha von Peter, die mehr Sheng als Hongcha sind und auch großartig sind, aber die spielen etwas außerhalb der Konkurrenz)!

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vor 9 Stunden schrieb doumer:

die beste davon ist tatsächlich auch von Yu: der 2017er Lao Man E Huang Pian.

Seltene Zustimmung 😁, finde ich ebenfalls einen der besten Huang Pians.
Aber dass der so gut ist hat auch seine Gründe - das Blattgut ist für Huang Pian erstens sehr wenig ausgereift und zweitens kaum gelb (d.h. es ist mMn eigentlich kein Huang Pian, sondern ein Lao Ye).
Das Pflückgut beim Yibang hingegen ist etwas reifer und hat deswegen (auch hier Zustimmung) leider etwas wenig Bitterkeit.
Aber der LME kriegt wie erwähnt wohl harte aber auch teure Konkurrenz aus Bingdao!

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@topic: bemerkenswerte Jingdezhen Porzellan Tasse mit Asche-Anflug aus der Privatkollektion von Gabriele (hat er bei lokalem Besuch vor Jahren direkt bei einem Künstler für sich bezogen), gestern bei der Teerunde verwendet.

Bearbeitet von GoldenTurtle
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Am 22.6.2022 um 17:05 schrieb Lateralus:

Ich bilde mir ein hier irgendwann davon gelesen zu haben, dass es Echizen schafft diese Mangonase in die Tasse zu schummeln, aber mir gelingt das leider nicht.

 

Ich kann den per PN erhaltenen Tip bestätigen, dass man die Mangonase mit einem Kaltaufguss in die Schale rüber retten kann.

 

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Morgen liebe Teefreunde! Bei mir gibts heute, noch kurz vor der Arbeit, einen grossen Aufguss 15er Dongding aus dem Qingxin Dapang Kultivar, von Atong in diesem Fall wahrsch. gesourced und endgeröstet.
Von dem Kultivar hatte ich zugegen erst selten, und es ist wieder so ein Fall, den ich damals (frisch) in die jahrelange Reifung verbannt habe, und wiedermal hat es sich gelohnt.

Der Vergleich zum Qingxin Kultivar ist naheliegend, da dieser bestimmt in der Abstammungslinie anzutreffen ist. Und das merkt man auch, Qingxin hat ja so eine grüne Frischenote, beim Qingxin Dapang spielt etwas mehr Wärme mit und auch etwas reifere, tiefe Fruchtnoten, während Qingxin eher hellere, fast blütenhafte Fruchtnoten aufweist. Der Kultivar ist auf jeden Fall gelungen, besonders wenn man ihn ein paar Jahre reift. Er scheint auch etwas mehr Mineralität aufzuweisen, was natürlich einem Dongding gut steht.

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Mit der grossen Kanne (ca. 3dl) gibts mit 3g natürlich nur 2, 3 langgezogene Aufgüsse, aber für die Arbeit ist das sogar optimal. Zudem kommt so der Einfluss der guten Kanne durchwegs zur Geltung.

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Prosit!

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PS: Dieses Bild hab ich bei der Gelegenheit noch rasch geknipst betr. der Shudei-Eisenoxid-Beschichtungsdiskussion bei glänzenden, "nichtglasierten" Kannen. Man beachte hierbei, dass Farbe und Glanz auch auf der Deckelauflagefläche identisch ist, woran man mMn am einfachsten erkennt, dass es sich um reinen Ton und nicht um eine ehemals wässrige und nun glänzende Ton-Eisenoxid Beschichtung handelt.

Am 27.6.2022 um 08:02 schrieb Lateralus:

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Das sieht kulinarisch verwegen aus! 
Erinnert mich an Noma (und das ist ein Kompliment!!):

 

Bearbeitet von GoldenTurtle
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Nachtrag

Nach langer Ziehzeit hier das Blattgut vom oben besprochenen Qingxin Dapang Kultivar noch etwas besser abgelichtet:

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Das Bild vom Blattgut im vorangehenden Beitrag war ja nüscht.

Dieser Oolong ist doch reifer geerntet, als ich zu Beginn gedacht hatte.
Er hat aber eine sehr gute Bitterkeit, genau richtig für einen Dongding.

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Warst du tatsächlich schon im Noma?
Ich bin mir noch gar nicht sicher ob das Noma wirklich existiert. Zumindest ich habe es bei meinen 2 Dänemarkbesuchen nicht geschafft dort einen Platz zu erwischen. Egal wieviele Monate zuvor man auf die Homepage sieht, alles ist immer ausreserviert.

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@Lateralus Glücklicherweise ... nicht.
Man braucht ja nicht auf jeder Hochzeit zu tanzen.
Ich koche lieber selbst, als es mir nur servieren zu lassen.
Klar, man kann dies auch als Inspiration betrachten - interessehalber habe ich mich früher über die Spitzengastronomie informiert, aber heutzutage interessiert es mich nicht mehr wirklich, zumal Teefreund F. einerlei etwa auf dem Niveau kocht (weniger Molekular-Schnickschnack, aber was Qualität und Kombination anbelangt). U.a. von ihm konnte ich in den vergangenen Jahren auch einiges lernen.
Aber irgendwann geht man lieber seinen eigenen Weg, als nach immer noch weiterer Inspiration zu suchen.

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Hattrick! Weil ich mich wegen eines kleinen Unfalls vor etwas mehr als einer Woche noch zu schonen habe, war ich heute wieder mit einer Freundin gemütlich in der Badi ... allerdings konnte ich noch immer nicht schwimmen, dafür haben wir wieder eine Teerunde zelebriert! 🥳

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Heute gab es wieder Sheng, aber weniger reifen als letztes Mal; 16er Banuo, wieder eine Long Zhu von Jeep in Kooperation mit der Penguin Society. Das Dorf liegt in Lincang, genauer in Mengku, genauer auf dem Dongbanshan ... interessanterweise aber grosse Unterschiede zu der Produktion von Fengyamingyuan mit Pflückgut vom gleichen Berg.

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Die Gute hat ja keine Ahnung, was sie da vorgesetzt kriegte.
Der Tee war gut, richtig gut. Ich scheue mich sogar Vergleiche zu einem renommierten Tee von vor zwei Tagen anzustellen. 
Eine auf eine sehr schöne, fruchtige, trinkfreudige Weise ausgeprägte, tiefe, komplexe und dichte Bitterkeit.
Wie die Jeep Tees mit ein paar Jahren Reifung zulegen ist mitunter spektakulär - frisch war der anständig, aber ich bin ja so froh, dass ich damals die sich nicht auf dem Zenit befindlichen Tees mehrheitlich in der Verbannung gereift habe, will meinen in die Reifung verbannt habe.
Ich höre immer wieder wie Leute dann von "wegtrinken" sprechen - mMn ein echter Fehler, weil man nicht weiss, wie die Tees in einigen Jahren sein könnten.

Davon habe ich nun jedoch nur noch 3 Kugeln und Nachschlag ist unmöglich, leider.

Unglaublicherweise haben die Leute in der Badi kaum geguckt - wenn ich im Gaiwan Tee aufgegossen habe war das wie das Natürlichste von der Welt.

Als sie dann eine Runde schwamm, hatte ich die Zeit ein, zwei Aufgüsse mit entspannender Musik von diesem Album zu geniessen:

PS: Der Regen kam dann auch später ...

Bearbeitet von GoldenTurtle
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2005 "unbekannter" Sheng Zhuan Cha via Tea Mountain 

Der Name des Tees ist zugegebenermaßen wenig vielversprechend: wenn selbst der Händler nichts über den Tee weiß, riecht das etwas nach Glücksspiel - aber zu einem Preis von 13€ (für 50g) nehm ich da gerne dran teil. Zwei Dinge sind jedenfalls bekannt: das Produktionsdatum und die Lagerung - die ersten 7 Jahre in Guangzhou, 6 Jahre in Kuala Lumpur und dann bis 2021 bei "einem Partner" unter nicht näher spezifizierten Bedingungen. Das bedeutet, dass der Tee zunächst etwas Feuchtigkeit abbekommen hat, für eine gewisse Zeit in eine der (meiner Meinung nach) interessantesten Lagerbedingungen erfahren durfte und dann (vermutlich, siehe weiter unten) etwas trocknen durfte. Der Wrapper ist eher generischer Natur, daher sollte man nicht unbedingt auf die Angaben dort wetten.
野生 = Yesheng 喬木 = Qiaomu 大葉 = Da Ye 茶磚 = Cha Zhuan Ist zwar immer etwas schwierig, wenn es "gekünstelte" Zeichen sind (und die traditionelle Schreibweise ist fehleranfälliger als die vereinfachte) aber so ungefähr sollte es hinkommen: ein Tee-Ziegel aus Material von wilden, großen Bäumen ... naja ;-)

Besonders erwähnenswert ist das sehr schöne Sample - es ist ein großer, zusammenhängender Brocken vom Ziegel (siehe Detailbild) - das hab ich leider schon viel zu oft ganz anders erlebt (Binghole-only oder nur noch Krümel)! Dabei sieht man auch, das das Material für Zhuancha-Verhältnisse sehr ordentlich ausschaut - oft wird hier (wie bei Tuochas) nicht unbedingt das schönste Material verwendet. Man sieht und riecht hier zwar wie zu erwarten war eine gewisse Feuchtigkeit, aber die wirkt schon etwas entfernter, weshalb ich vermute dass der letzte Lagerungs-Abschnitt von trockener Natur gewesen sein muss. Im Feuchten Zustand zeigen sich dann etwas überraschende aber sehr angenehme Noten von Maggikraut und einem Hauch Zimt - durchaus vielversprechend! Der Geschmack ist angenehm warm und weich - auch hier natürlich mit feuchter Note (der man Malaysia anmerkt!), die aber sehr sauber ist (kein Keller oder Dreck) und einer dezent nussigen Süße. Und auch wenn man ihn pusht wird der Tee nie bitter, adstringent oder unangenehm - im Gegenzug bleibt er leider aber auch immer recht leicht in Körper/Textur und hat bei weitem nicht die Energie, wie es ein wirklich hochwertiger Tee des gleichen alters hat. Daher eher ein Tee zum "nebenher trinken" oder um Einsteiger an ältere und/oder feuchtere Shengs heranzuführen aber nicht das, was ich suche...

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In der letzten Zeit komme ich kaum zur intellektuellen Auseinandersetzung mit Tee. Das ist wirklich bedauerlich. Zumal noch einige Proben im Regal liegen. Dem 2021er Jingmai Gulan von Farmer Leaf aus diesem Regal möchte ich den heutigen Mittag widmen. 

Von meiner letzten Farmer Leaf Bestellung war nicht sonderlich begeistert. Die zu Weißtee verarbeitete Sommerernten waren gut. Dank euren Tipps, konnte ich auch einen Zugang zum Miyun finden. Den Gulan hingegen hatte ich nicht begriffen.

Im Nachgang gaben mir aber ein paar Sachen zu denken. Da waren zum einen die positiven Besprechungen. Der Ao Ne Me wurde mehrmals als positives Beispiel genannt. Zum anderen lassen die auf dem Farmer Leaf Youtube-Kanal veröffentlichten Videos wenig Zweifel an Williams Fachwissen über und seiner Leidenschaft für Tee. Bisher galt für mich immer: Hat ein Händler Fachwissen und Leidenschaft für Tee, so gibt es mindestens einen Tee in dessen Sortiment, der mich restlos überzeugt.

Daher war eine zweite Chance nur folgerichtig.  

Los geht's! Bei der Zubereitung des Miyun waren etwas mehr Blatt und eine leicht höhere Ziehzeit dem Gesamterlebnis zuträglich. Den Jingmai Gulan verstehe ich als einen der Top-Tees aus dem Farmer Leaf- Sortiment. Soll heißen, die Beschreibung des Tees, das verwendete Rohmaterial und der aufgerufene Preis präsentieren den Tee als solchen. Mal sehen was daraus wird.

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Duft und Geschmack sind bei den ersten beiden Aufgüsse alles andere als spektakulär. Der Duft zieht ab Aufguss drei an und spielt sich mal mehr und mal weniger in den Vordergrund. Ab ca. Aufguss acht flaut er ab. Die beste Beschreibung die mir einfällt ist frisch, Blumenwiese und etwas Wald. Genau in der Reihenfolge. Wobei gerade der frische Duft noch etwas eingeordnet werden muss. Andere Pu Erh rischen auch frisch. Insbesondere wenn sie erst kürzlich gepresst wurden. Selbstverständlich begegnen uns Ausnahmen, aber meistens gilt: Ist der Tee in den letzten drei Jahren geerntet und verarbeitet worden -> dann riecht er frisch. Wenn die "Frische" anderer Pu Ehrs einer unparfümierten Seife entspricht, dann entspricht diese Frische der einer parfümierten Seife. Die Analogie passt nur auf der Ebene Intensität und nicht für die "künstlich - natürlich"- Achse.

Der Geschmack hingegen bleibt lange Zeit auf einem gleichbleibenden Niveau. Bei dem ich genau so schlau wie bei der letzten Bestellung bin. Der Tee trinkt sich super angenehm weg. Da zwickt auch auch nichts. Abgesehen davon bleibt ein Achselzucken. Mit einer Ausnahme. Nach Aufguss 10 muss man bei jedem Aufguss kochendes Wasser und Ziehzeiten von vier Minuten aufwärts wählen, damit man mehr als farbiges Wasser in der Schale hat. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Mineralien, Adstringenz und dem vorangegangenen Geschmacksprofil des Tees. Sowas mag ich persönlich recht gerne, verursacht aber wohl keine allgemeine Euphorie.

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Das liest sich recht verhalten, der Tee ist aber deutlich besser. Dafür muss ich nochmal auf Williams Videos zu sprechen kommen. Für mein Verständnis beschreibt William seine Tees recht zurückhaltend in den Videos. Er ist überzeugt von seinen Produkten, keine Frage. Er lobt sie nicht in den Himmel und walzt sie nicht ins letzte Details aus. Das Vor- und Nachteile, aber darum soll an dieser Stelle gar nicht gehen. Er fokussiert sich, jedenfalls meines Erachtens nach, stärker auf das Mundgefühl und das Cha Qi und da punktet der Gulan! Das Cha Qi: Wender beruhigend noch aufwühlen, dafür leicht erhöhtes und beständiges Aufmerksamkeitsgefühl. Das geht jetzt schon knappe zwei Stunden so. Sauber!

Das Mundgefühl sticht ebenfalls heraus. Das Augenmerk liegen hier auf den Aufgüsse fünf bis acht. Meine Beschreibung, wenn auch mit einem Sternchen versehen, ist: kräuterig, frisch und leicht ölig. 

Bisher bin ich zufrieden mit der zweiten Chance. Aber mir fehlt noch der Überblick, um den Jingmai Gulan 2021 im Gesamtbild einzuordnen.

Hier die Beschreibung von der französischen Homepage zum Vergleich: "Spring 2021 first and second flush. We carefully selected the raw material used in this Pu-erh cake, they come from the best ancient tea gardens of Jingmai we have access to. You'll be charmed by the balance of this tea. Smell the complex orchid fragrance, delivered with a short-lived bitterness and leaving a powerful Cha Qi in its wake."

 

Am 3.5.2022 um 10:35 schrieb GoldenTurtle:

 

Chili magst du auch?!? 👍
Dieses Jahr schon was gepflanzt?
Das Thema muss mal wieder hervorgeholt werden!

Nein, gepflanzt ist nichts. Meine diesjährige Ausrede ist, dass der Hof ein einziges Materiallager ist und die Handwerker ständig irgendetwas anrühren, zurechtschneiden und passend fluchen. 

Ich bin über Chili Klaus und Hot Ones zu schärferem Essen gekommen. Habe aber praktisch keine Ahnung und kaum Erfahrung. Zwei Freunde sind da etwas weiter, sie lassen mich gelegentlich daran teilhaben.

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Ich melde mich endlich zurück und trinke heute etwas Besonderes:

Formosa Mingjian Wuyi von Atong Chen.

Im Vergleich zu den günstigeren taiwanesischen Oolongs, die ich sonst trinke, schon ein großer Unterschied. Die Aromen sind vielfältiger, der Geschmack hallt deutlich länger nach und er scheint auch deutlich ergiebiger zu sein. Nach 300ml habe ich das Gefühl, dass sich der Tee erst anfängt zu entwickeln.

Ich schmecke allerdings neben den Fruchtnoten auch Honignoten heraus - das habe ich in der Produktbeschreibung nicht gefunden. Kann das jemand bestätigen?

 

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@Salad Fingers Fürs Kopfkino wissenswert: Der Wuyi Kultivar kommt vom Festland, aus Fujian, einer der von Atong damals auf die Insel Geschmuggelten und war ursprünglich ein Yancha Kultivar!

Zu den Honignoten; Ich kenne einige Oolongs aus dem Kultivar, erwähnenswert hierbei ein Dongding, aber explizite Honignoten hätte ich diesbezüglich nicht in Erinnerung, jedoch eine ordentliche Fruchtnote. Möglich, dass deiner z.B. einen leichten Guifei-Befall hatte (möglicherweise weist sogar Atongs Salat Guifei-Noten auf), und diesen nennt man bezeichnend u.a. Mi Xiang, was korrekt übersetzt Honig Duft bedeutet.

vor 4 Stunden schrieb Salad Fingers:

Nach 300ml habe ich das Gefühl, dass sich der Tee erst anfängt zu entwickeln.

Hier bemerkst du etwas, das sonst vielen entgeht, und das hat mit der häufig anzutreffenden Überpflückung in der Teewelt zu tun.
Seine eigenen Pflanzen lässt Atong natürlich nicht überpflücken, aber wenn dies bei Teepflanzen geschieht, dann sind sie schneller ausgelaugt. Wenn man nun einen doppelt so teuren Tee auch doppelt so lange aufgiessen kann, relativiert sich der Preis teilweise so sehr, dass der billige Tee auf die Tasse gerechnet teurer wird als der scheinbar teure Tee. Auch vom Koffeingehalt her ist das ein interessantes Detail, denn so kriegt man bei der etwa gleichen Menge Koffein (mit dem man es ja besser nicht übertreibt) viel mehr Teegenuss.

Bearbeitet von GoldenTurtle
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Danke @GoldenTurtle für die Informationen!

vor 20 Stunden schrieb GoldenTurtle:

Wenn man nun einen doppelt so teuren Tee auch doppelt so lange aufgiessen kann, relativiert sich der Preis teilweise so sehr, dass der billige Tee auf die Tasse gerechnet teurer wird als der scheinbar teure Tee.

Genau der Gedanke kam mir auch. Insgesamt habe ich gestern 1200ml aufbrühen können (ab ca. 1000ml wurde der Tee dann etwas schwach). An Tagen, an denen ich nebenbei solche Mengen zu mir nehme, werde ich in Zukunft auch mal öfter zu den hochwertigeren Tees greifen. 👍

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Mein Neffe schien heute Nachmittag zu ahnen was da gleich abgehen wird ...

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Der ist 5 und hat in den vergangenen Jahren schon verschiedenes Hochwertiges aus der Pu'Er-, Oolong- und Hongcha-Welt mit mir verkostet ... und heute war dann eine 18er Single Tree Selektion aus Lincang an der Reihe ...

Einer teeinteressierten Freundin meiner Schwester, die auch schon mehrere Male bei Runden mitgetrunken hat, aber bisher meist mehr Anfängerfreundliches aus der Oolong-Welt, war dies punkto urzeitliche Bitterkeit und Intensität ziemlich starker Tobak, Ihm jedoch hat es sogar dermassen gut geschmeckt, dass nur seine Mutter ihn vom Weitersüffeln abhalten konnte (morgen ist ja wieder Kindergarten) - er versuchte gar hinter ihrem Rücken vom Tässchen weiterzuschlürfen. Der hing am Sheng wie andere in der Wirtschaft am Zapfhahn. Interessanterweise wollte er vor dem Sheng ständig mit mir kämpfen - danach schien ihm dies total entfallen zu sein.

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PS:

vor 20 Stunden schrieb johannesparker:

Aqua Rosa von Kusmi Tea 😍Mix aus Beeren und einer Brise Hibiskus. Ein Traum

Ein Albtraum ist in gewissem Sinne ja auch ein Traum.

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2006 Changtai Hao #642 via Nannuoshan

Vor noch nicht all zu langer Zeit hab ich zum ersten mal ein guten Changtai getrunken - dass dieser hier zu dem Preis da nicht mithalten kann ist klar, aber da er für seine gute Lagerung gelobt wird, muss ich ihn natürlich auch probieren ;-)
Das Blatt ist leider sehr Factory-typisch kleingehackt - da sieht selbst der Brick von gestern besser aus, hat aber im nassen Zustand einen angenehmen speckigen Duft: leicht rauchig, ledrig, deftig - aber nicht "dreckig", definitiv vernünftige Lagerung. Und auch auf der Geschmacksebene ist er OK: nur wenn man ihn pusht zeigt sich die typische miese Factory Säure-Adstringenz-Mischung, wenn man etwas vorsichtiger ist manifestiert sich diese nur als herb-scharfe Kante in einer durchaus trinkbaren Mischung aus säuerlich-holzigen und süßlichen dunklen Fruchtnoten. Da es sich um einen Blend handelt (daher auch die Nummer) lässt sich hier freilich keine tiefergehende Betrachtung wie bei einem ordentlichen Single Origin Sheng durchführen - und da es nur ein Massenwaren-Factory-Sheng ist (wenn auch mit ordentlicher Lagerung) wars das leider auch schon: keine spannende Textur, null Tiefe oder Qi. Daher qualitativ für mich uninteressant: einen Sheng nur wegen dem Geschmack zu trinken (und selbst dafür gibt es VIEL interessantere) ist wie Musik nur wegen der Lautstärke zu hören. Und da spricht nicht (nur) der Tee-Snob in mir - z.B. ein Dong Banshan gibt mir im Vergleich sehr viel mehr für einen ähnlichen (sogar noch etwas günstigeren) Preis!

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vor 16 Minuten schrieb doumer:

wenn man etwas vorsichtiger ist manifestiert sich diese nur als herb-scharfe Kante in einer durchaus trinkbaren Mischung aus säuerlich-holzigen und süßlichen dunklen Fruchtnoten

Oha, aus geschmacklicher Perspektive ist dies ja beinahe als Kompliment zu erachten! 😅

vor 16 Minuten schrieb doumer:

einen Sheng nur wegen dem Geschmack zu trinken (und selbst dafür gibt es VIEL interessantere) ist wie Musik nur wegen der Lautstärke zu hören

Klar, der Sheng bietet nicht das "volle" Sheng-Erlebnis - aber viele wollen auch etwas gemütliches für nebenbei, bspw. während der Arbeit einen kleinen Genuss, der aber weder viel Zeit noch Aufmerksamkeit fordert.

Deine Art des Teetrinkens mit voller Aufmerksamkeit, und diesen mit allen Sinnen erleben zu wollen ist nicht 0815, noch war es die Zielgruppe dieser Selektion. Ziel war es u.a., dass Leute sich über verschiedene Produktions-"Arten"; grössere, mittlere und kleine Produzenten, als auch über unterschiedliche Reifestadien in einem preiswerten Rahmen einen Überblick verschaffen können. Ich informiere dich gerne, wenn eine "das volle Sheng-Erlebnis, Preis spielt eine nebensächliche Rolle"-Selektion ansteht. 😁

Bearbeitet von GoldenTurtle
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Heute in meiner Tasse: Die abgefallenen Blätter vom Wochenende.

(Siehe meine Posts in https://www.teetalk.de/forums/topic/14736-tee-aus-eigener-tee-pflanze-erfahrungen/ .)

Die Pflanzen stehen ja im Büro, und ich hab sie Freitagabend und Montagmorgen gegossen (und hab jetzt auch eine Wasser-Sprühflasche hier, hab ich heute auch schon gemacht). Trotzdem sind übers WE ein paar Blätter abgefallen. (Es war ja auch ziemlich heiß.) Heute nachmittag hab ich mir die Pflanzen lange angeschaut und dann beschlossen, sie nicht noch weiter durch Ernte zu stressen (sie sind ja noch klein), sondern die abgefallenen Blätter (minus einiger besonders schlechte Stellen) zu verwenden. Da die Blätter ja schon auf der Erde lagen, hab ich sie vorher abgewaschen und dann mit kochendem Wasser aufgegossen (wegen Hygiene). Und was soll ich sagen: Schmeckt eindeutig besser als das letzte Mal mit den frischen Blättern! (Ist durch den halbgetrockneten Zustand vermutlich näher am Grüntee, was die Oxidation betrifft.)

Worauf ich ja mal neugierig wäre (aber vielleicht gibt es hier schon irgendwo einen solchen Thread?): Ein oder mehrere von den High-End-Gourmets (z.B. "schon mit gewissen Beeren-Noten aber weit von einem Ruby 18 entfernt") und Eso-Tee-rikern (z.B. "Qi/Kraft, Tiefe, Textur und Komplexität") hier könnten ja mal ein kleines Umweltprojekt machen und sich der Herausforderung stellen, aus einer Fensterbrett-Teepflanze unter Bürobedingungen (chronischer Zeitmangel, ganzjährig beerntete Pflanze, Wasserkocher, Thermoskanne, Computeruhr, Tasse, Besteck, Edelstahl-Thermoskannen-Teesieb, vielleicht noch Wasserfilter, sonst nicht viel) einen passablen Geschmack herauszuholen. Hier ist so viel geballtes Expertenwissen dazu vorhanden, und für Leute, die aus Gründen der Transportenergie/CO2-Einsparung selbst anbauen, wären die daraus resultierenden Tipps sicher hilfreich. Es muss (und wird wahrscheinlich) kein überragender Geschmack werden (ich hab mich z.B. auch noch nie über Automatenkaffee beschwert) - aber hoffentlich besser, als z.B. mein Tee am Freitag geschmeckt hat... %}. Und für Leute, die Tee in den hier vorherrschenden Preisklassen kaufen, sind die Teepflanzen auch locker erschwinglich (ca. 10,-€/Topf). (Die Pflanzen sollten natürlich trotzdem gut gepflegt und nach dem "Projekt" nicht einfach entsorgt werden, da es in Europa einfach noch sehr wenige gibt und "jede europäische Teepflanze zählt" - sie sind zwar nicht teuer, aber oft ausverkauft. Und was ein echter Tee-Gourmet ist, hat ja zumindest auch schon irgendeine Art kalkarmes Wasser zum Gießen...)

Challenge accepted? 😆

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@doumer Ich nachverkoste gerade, inspiriert von deinem Beitrag, den 06er 642er aus der trockenen Zhengzhou Lagerung. Und ich finde diesen aromatisch und geschmacklich einen der leckersten semi-aged Shengs überhaupt. Ja, es ist kein "intensive Wirkung"-Sheng, sondern einfach ein Genuss. Zuerst wollte ich den ja gar nicht in die Selektion nehmen, aber der Geschmack hatte mich immer wieder so überzeugt, weit mehr als manch weit höher eingestufte Produktionen, denn in der Produktions-Hierarchie ist diese Nummernproduktion eigentlich ja als eher gering einzustufen, aber ich finde diese Hierarchie nicht mehr wirklich aussagekräftig, weil es einfach unterschiedliche Produktionslinien sind und diese mMn nicht eine klare Güte- oder Qualitäts-Klasse kennzeichnen (nicht diese einzelne Nummer, sondern die Linien generell).

Aber ich denke es ist sinnvoll, wenn die Teetrinker verstehen, dass die Allermeisten das, worin du deinen persönlichen Tee-Climax findest, gar nie erreichen werden: nämlich in einer fast ausschliesslichen, intensiven und komplexen Bitterkeit und einer ebensolchen Wirkung. Wenn ein Sheng allein diese beiden Punkte aufweist, kriegt er bei dir i.d.R. bereits die volle Punktzahl. Ich glaube mittlerweile den zeitgenössischen chinesischen Begriff für deine Teevorliebe gefunden zu haben: "Bawang"! Diese Präferenz bedeutet übersetzt ungefähr: "Overlord", "Despot" oder "Badass King" und ein entsprechender Tee zeichnet sich durch "a strong tea that reveals itself through it bitterness, pungency, overpowering cha qi and thick long-lasting mouth-feel" aus. Verschiedene Produzenten haben bereits Pu'Er unter diesem Begriff produziert. Abgesehen davon: Preis - eher nebensächlich, Fruchtnoten und Huigan - nicht so wichtig, Vollmundigkeit - nicht so wichtig, mundwässernd - nicht so wichtig, Wandlung, Nachhall und Komplexität abgesehen von der Bitterkeit - nicht so wichtig. 

@topic: Nachtrag zum Sheng von gestern - auffallend, wie stark dieses Pflückgut in Lincang gerollt wurde, die Blätter gingen kaum auf.

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@Teest Das Problem bei deiner Challenge ist, dass man ein hohes Alter von Teepflanzen resp. -Bäumen nicht ganz so leicht simulieren kann.

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Ja also für ein typischen Factory Sheng ist der schon OK - aber auch wenn er schmeckt verbessert sich die Qualität des Blattes dadurch nicht, daher die Wertung. Ist klar, dass das sehr subjektiv ist und das betone ich ja auch immer wieder, dass Bewertungen bei denen der Faktor Mensch die Wertung macht und kein objektives Gerät immer subjektiv bleiben werden.

Interessant, wo hast du denn den Begriff her? Bis auf den Preis (der ist halt leider doch nicht ganz nebensächlichen - schließlich muss das Tee-Budget an andere Stelle eingespart werden 🙈) geht das aber schon in die richtige Richtung (auch wenn der Geschmack generell eher nebensächlich ist).

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vor 32 Minuten schrieb GoldenTurtle:

@Teest Das Problem bei deiner Challenge ist, dass man ein hohes Alter von Teepflanzen resp. -Bäumen nicht ganz so leicht simulieren kann.

Ja, das kommt natürlich erschwerend hinzu. (Ich kann mir ja auch nicht einfach einen 50jährigen Teestrauch kaufen. Bei Lubera gibt es immerhin welche, die schon mehrere Jahre alt sind - siehe https://www.lubera.com/de/shop/camellia-sinensis-fresh-t_produkt-2279115.html , "kräftige Pflanze im 5 L Topf" - aber das ist eher die Ausnahme, und die sind natürlich auch immer vergriffen.) Abgesehen davon sind die Mehrheit der Plantagen-Teesträucher ja auch nicht so extrem alt - das sind dann ja eher nur die für Spezial-Feinschmecker-Tees. (Oder sehe ich das falsch?)

Fallllls sich tatsächlich jemand hier der Sache annimmt, wäre es vermutlich in diesem Thread off-topic und sollte woanders hin? (Aber bis jetzt wissen wir ja noch nicht, ob überhaupt.)

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    • Von linda_leniem
      Hat sich schonmal  jemand eine Tee Pflanze gekauft und Erfahrungen, ob eine sinnvolle Ernte und Verarbeitung möglich ist? ich überlege, mir über z.B. Baldur Garten ein Pflänzchen zu kaufen. 

      Baldur Garten Teepflanze
      Sie könnte bei mir hell, aber nur drinnen stehen. 
       
       
    • Von Manfred
      Mich interessieren im Moment die Veränderungen, die im Tee bei der Herstellung stattfinden und die letztlich ja zu den unterschiedlichen Ausprägungen unterschiedlich hergestellter Tees führen. Konkret interessiert mich, was im Tee beim Erhitzen abläuft. Die Teeblätter enthalten sowohl Theanin als auch Zucker, so daß beim Erhitzen ab 120 bis 140 °C eine Maillard-Reaktion stattfindet. Das Ergebnis sind Röstaromen, wie man sie auch im Brot oder beim Erhitzen von Fleisch auf der Pfanne oder auf dem Grill erhält. Ich habe bisher dazu wenig gefunden, obwohl ich lange gesucht habe. Könnte einer von euch hier irgendwelche Hinweise auf Ergebnisse geben, die vielleicht schon irgendwo bekannt sind?
      Interessanterweise habe ich aber eine Untersuchung gefunden, die sich mit der Rolle von Lysin in der Maillard-Reaktion befaßt (Food Control 99 (2019) 73-78) und Inhaltsstoffe identifiziert, die bei der Maillard-Reaktion aus Lysin entstehen: Furosin und 5-Hydroxymethylfurfural. Das 5-Hydroxymethylfurfural konnte ich beschaffen und den Geschnack testen. Es schmeckt "nach Muckefuck", aber doch nicht genau nach dem Ton, den ich schon in einigen Tees gefunden habe. Aber Lysin ist nicht Theanin ond es ist weniger Lysin als Theanin enthalten.
      Ich bin für jeden Hinweis in dieser Richtung dankbar.
       
    • Von real_G
      Guten Tag, werte Forumsgemeinde!
      Ich bin der Thomas und trinke (erst) seit gut zwei Jahren täglich möglichst guten Tee, meistens in den frühen Morgenstunden ... und bin vollständig dem Wahnsinn verfallen.
      Aus unerklärlichen Gründen landet doch fast immer Sheng pu'erh in den Kännchen (90-95%); und die Kännchen werden immer kleiner...
      Aber von einigen Oolong (Dan Cong, Felsentee) bin ich durchaus ebenfalls angetan!
      Ich würde mich freuen, den ein oder anderen Austausch hier auf dem Forum mit euch zu erleben! 
      Erstmal muss ich mich hier ein bisschen einfinden...
      Ah, jetzt ist es 23:30, die Übergangsphase beginnt: Alles ruft schon nach dem morgigen Tee, er ist bereit im Pumidor... jetzt muss ich nur noch irgendwie einschlafen! 
      Herzliche Grüße und träumt schön von den altehrwürdigen Teebäumen 🙂
      Thomas
    • Von Paul
      Einer muß ja mal damit anfangen:
      Teezui 2022 ?
      Ja oder Nein? Kassel oder woanders?
      Wie ist den so die allgemeine Stimmung?
      Wer würde kommen, unter welchen Bedingungen?
    • Von Lena
      Hallo ihr lieben! 
      Eigentlich bin ich immer die stille Mitleserin und konnte mir schon echt viele, gute Tipps von euch einfangen - Danke dafür! 
       
      Jetzt habe ich aber selbst mal eine Frage (und ich hoffe es ist so erlaubt?) :
      Kennt ihr Teaballs? 🤔 Ich bin vor ein paar Tagen darauf gestoßen und wäre echt mal neugierig auf den Geschmack und die Qulität. Hat jemand Erfahrungen? 

      Liebe Grüße
      Lena ❤️
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