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Ich habe mich die letzten Tage mehr oder weniger intensiv mit der Chaozhou Gongfu Cha beschäftigt ... 


hier ein schöner Post  dazu im Teamasters Blog: 
 http://teamasters.blogspot.de/2014/05/chaozhou-gongfucha-brewing-step-by-step.html

noch sehr lesenswert ebenfalls: 
http://www.kyarazen.com/chaozhou-gongfu-tea/ (wobei es mich wundert dass hier die Verwendung eines Pitchers beschrieben wird, ich habe den Eindruck dass gerade das Weglassen des Pitchers einer der entscheidenden Punkte der ChZ Gongfu ist...  ansonsten geht der Post sogar noch mehr in die Tiefe als Teamasters... beide zusammen gelesen sind wohl am besten als Einstieg :) ) 

Dieser Faden kann genutzt werden für alle Infos bezüglich dieser wohl ursprünglichsten Form der heutigen "Chinesischen Teezeremonie":  der Chaozhou Gongfu Cha

Erst mal habe ich eine Frage... in manchen Varianten der ChZ Gongfu wird eine extra schale mit Wasser aufgestellt in dem die Teekanne noch mal  gebadet wird... diese befindet sich jedoch eh in einer Schale und wird dort auch heiß... 

ich verstehe den Sinn dieser weiteren Schale irgendwie nicht... 

vielleicht kann jemand von euch chinesisch, denn hier in dem Video scheint es kurz erklärt zu werden...  (die schale die ich meine ist ganz links) 

 

bearbeitet von TaoTeaKing

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Also noch vor kurzem habe ich manchen Punkten die bei der ChZ Gongfu eine Rolle spielen meistens gänzlich außer acht gelassen... heute habe ich aber gerade ein phänomenales Erlbenis...  ein Tee, 25g Sample, den ich neulich ausprobiert und fast als ungenießbar entsorgt oder für immer "gelagert" hätte... stellt sich heute als sehr angenehm heraus... 

Es kommt vieles Zusammen, die Ästhetik spielt natürlich auch eine Rolle... auf dem Foto sieht man mein aktuelles Setup, es gefällt mir zur Zeit besser als jedes andere bisher...  das Weglassen ist dabei mal eine schöne Sache,

folgende Dinge verschwinden bei mir, erst mal für eine Weile, im Schrank: 

1. Pitcher ...  zu der Frage warum man den Pitcher weglassen soll/kann, sagt Imen von http://tea-obsession.blogspot.de/

Zitat

when tea is hot, the aroma is better accentuated. Using thin wall pot or gaiwan to brew, and skiping cha hai will keep the temp as high as possible. This is also the essence of chao zhou kung fu style.

2. Tee- Pinsel (ich wüßte bei diesem Set-Up nicht wofür) 
3. Sieb (sein wir ehrlich, wen stören schon die wenigen kleinen Partikel im Schälchen... und wenn nach ChZ Gongfu Art die kleineren Teile in der Mitte "eingebaut", also von großen Blättern umrandet und überdeckt werden, geht auch weniger von den Partikeln in die Schälchen
4. Tee-Löffel – benutz deine Hände  (da man den Tee eh mit den Händen im Kännchen arrangiert, gibt es keine Berührungsängste...)  
5. komisches Schiebe-Ding ... auch nur was wenn man den Tee nicht mit den Händen berühren möchte 

Es ist schwer zu beschreiben... die ChZ Gf animiert mich irgendwei dazu bei allem viel achtsamer zu sein... ob die im folgenden beschriebenen Details wirklich konkret praktisch einen so großen Unterschied machen...  ich weiß es nicht... 


Von GoldenTurtle wird ja oft betont dass man mit einem guten Tee nicht viel falsch machen kann, ja... das glaube ich auch. 
Aber was machen wir mit einem nicht sooo wunderbaren Tee? 
In vielen Quellen heisst es, die ChZ Gf wurde gerade besonders oft benutzt um aus nicht besonders hochwertigem Tee trotzdem das aller aller beste rauszuholen... und heute hat genau das bei mir geklappt!  

Was also macht ChZ Gf gerade für mich aus? 
1. das Anordnen der Blätter ... ich achte drauf die zerbrochenen, kleinen, staubigen Tee-Teile in die Mitte zu arrangieren, außen und oben drüber kommen die großen intakten Blätter

2. das Kännchen badet in heißem Wasser 

3. der  trockene Tee wird vorher im trockenen Kännchen (erst heiß mit Wasser spülen/erwärmen, dann trocken wedeln... fächern) im Wasserbad etwas erhitzt/geröstet ...

4. nur von der Seite aufgießen, nicht direkt in die Mitte (siehe Punkt 1.) 

5. die Teekanne schütteln (siehe Video, bei Min: 3:17 Link zu ChZ Gf Video auf der größten chinesischen Youtube-artigen Website  )  ... ich glaube das soll den Effekt haben, dass trotz der sehr kurzen Ziehzeit noch genügend Geschmack/Aroma in den Tee geht... sich vom Blatt löst,  ... die kurze Ziehzeit also verhindert zu große Bitterkeit... und das Schütteln soll trotzdem für Geschmack sorgen. 

6. nach belieben noch Mikro-Vibrationen.. allerdings halte ich den Effekt davon eher für zu vernachlässigen... etwas esoterisch anmutend... aber... wer weiß?  :yahoo:
https://teaism99.com/2015/10/25/vibro/

7. Teile vom Aufguss beim abgießen verwerfen... also z.B. anstatt den  kompletten Inhalt des  Kännchens in die Schälchen zu schütten, z.B. das letzte 1/6 in die unterliegende Schale kippen... das habe ich heute angewendet, einfach irgendwie nach Intuition... hat, wie gesagt, sehr gut geklappt. 

Also heute, dank ChZ Gf,  von einem 1-2 Sterne- zu einem 3 bis 4 Sterne-Tee aufgestiegen: 2005 MENGKU WILD ARBOR "ZHENG SHAN DA YE" (von YS) 

 

 

 

IMG_2467.JPG

bearbeitet von TaoTeaKing

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Am 19.10.2016 um 11:59 schrieb TaoTeaKing:

Erst mal habe ich eine Frage... in manchen Varianten der Chaozhou  Gongfu wird eine extra schale mit Wasser aufgestellt in dem die Teekanne noch mal  gebadet wird... diese befindet sich jedoch eh in einer Schale und wird dort auch heiß... 

ich verstehe den Sinn dieser weiteren Schale irgendwie nicht... 

vielleicht kann jemand von euch chinesisch, denn hier in dem Video scheint es kurz erklärt zu werden...  (die schale die ich meine ist ganz links) 

 

Hi, weiss jemand vielleicht doch die Antwort, eventuell @Cha-Shifuoder @chenshi-chinatee9_9

Warum wird in der Chaozhou  Gongfu manchmal die Teekanne noch kurz in eine weitere (neben dem eigentlichen "Teeboot") mit Wasser gefüllte Schale kurz eingetaucht?

bearbeitet von TaoTeaKing

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Am 4.11.2016 um 00:44 schrieb TaoTeaKing:

Hi, weiss jemand vielleicht doch die Antwort, eventuell Cha-Shifu oder Chenshi-chinatee ? 9_9

Warum wird in der Chaozhou  Gongfu manchmal die Teekanne noch kurz in eine weitere (neben dem eigentlichen "Teeboot") mit Wasser gefüllte Schale kurz eingetaucht?

Ich habe die Frage mal auch im Teachat Forum sowie im "Tea" Sub-Reddit gestellt.. 
nur auf Reddit habe ich auch sofort einige Rückmeldungen und eine (einfache) Antwort  bekommen: https://www.reddit.com/r/tea/comments/5b60vc/question_about_a_detail_in_some_forms_of_chao/

Zitat

The guy in the video says the second bowl can be cold or hot water. It used to tweak the intensity of the brew. I've seen many Chaozhou people steep, but never saw they use this second bowl. Perhaps because it wasn't in Chaozhou, will for sure check next time in Chaozhou :)

... eigentlich die naheliegendste  Erklärung ... bei der ChGongfu soll die Hitze so konstant wie möglich auf hohem Niveau sein, daher auch dort oft die Verwendung von Teebooten bei denen die Teekanne komplett im heißen Wasser schwimmt... wenn dann z.B.  geschüttelt (die Tekanne wird in ein Tuch eingewickelt und geschüttelt) wird ... soll die Kanne vor dem ausgießen in dem zweiten Becken noch mal einen Hitzeschub bekommen... 

Was ich mich dann nur frage ist, warum nicht im 1. Becken, im Teeboot, dort ist ja auch noch heißes (vielleicht aber etwas kühleres) Wasser?

Wie schon jemand auch auf Reddit geschrieben hat... die zweite Schale wirkt etwas sehr überflüssig... 
ich würde trotzdem gern mal, z.b. von dem Tee-Meister aus dem Video auf der chinesischen Youtube ähnlichen Seite... hören wie er es genau erklärt warum er die zweite Schale braucht... 

Neugier ist schon eine komische "Krankheit" manchmal... :D

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Es gibt ja neben Teachat.com auch noch teadrunk.org ... dort wurde gerade ein chinesischer Text über die "Chaozhou Gongfu Cha" ins englische übersetzt... 
hier der Link: http://teadrunk.org/topic/45/chaozhou-gong-fu-article-olive-pit-charcoal-stoves/ 

Zitat

Chaozhou Gongfu Cha clay stove, clay kettle and olive pit charcoal [1]
Chaozhou Gongfu Cha, is also known as Chao-Shan (Chaozhou and Shantou) Gongfu Cha. These two terms are of the same origin and are synonymous.  The pre-modern prefecture of Chaozhou included Shantou as well as many other cities and towns. [2] The history of Chaozhou tea culture is linked to all of these places, which is why it's called "Chaozhou gongfu cha" 

Chaozhou gongfu cha is flexible and its many origins have blended to give it a distinct character. It terms of technique and paraphernalia it is open-ended, flexible and pluralistic. Its flexibility invites innovation. 

The four treasures of gongfu cha: Yixing zisha teapots, Jingdezhen ruoshen Cup, Maple Creek clay kettle, and Chaoyang terracotta stove. Also prized are Yan family Chaoyang tin cans and Chao'an Chen clan feather fans.[3] 
As mentioned above, Chaozhou Gongfu Cha has distinct characteristics. As long as there is a tea boat -- and these are found in every household -- it is considered gongfu cha. As Mr. Weng says "The tea set used by Chaozhou people is all basically the same. The difference lies in the quality of the tea set which is finer or coarser in accord with the means of the householder." This is the foundation of the saying "Enjoyed alike by gentleman and commoner."  
[...]
If one wishes improved results, one must start with high quality tools. If one wishes to enjoy the best gongfu cha, a Chazhou stove, kettle and olive pit charcoal are indispensible!

 

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Ok wahrscheinlich liest hier eh fast keiner mit, dennoch... im teachat forum habe ich endlich eine super Antwort auf die Frage nach der zweiten Schale bekommen. :yahoo:

http://www.dyee.org/bbs/thread-527011-1-1.html

hier wird es auf chinesisch erklärt, der Link ist jedoch sehr sehenswert weil es dort sehr viele, wie ich finde, ganz sehenswerte Bilder zu sehen gibt... 
Kyarazen war so nett etwas zu übersetzen: 

Zitat

which means, to allow the tea brew to be softer and smoother, you can dip the pot into cold water and shake it a bit before dispencing
 

or 

Zitat


where the use of hot water will aid in creating a stronger brew

 

 

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youtube Video in dem  ein gewisses "Jason Walker" erklärt warum man bei der Chaozhou Gongfu Cha den Tee schichtet und auch zerbrochene Teile sehr erwünscht sind, bzw. sogar extra hergestellt werden... 

 

bearbeitet von TaoTeaKing

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vor 5 Stunden schrieb TaoTeaKing:

youtube Video in dem  ein gewisses "Jason Walker" erklärt warum man bei der Chaozhou Gongfu Cha den Tee schichtet und auch zerbrochene Teile sehr erwünscht sind, bzw. sogar extra hergestellt werden... 

Interessantes Video, auch wenn Audio- und Videoqualität an Körperverletzung grenzen *g*

Die Idee, den Tee zu schichten ist aber echt interessant! Schade dass er keine Kommentare zulässt.

 

Kennst du diesen Artikel zur CZ-Technik?

http://www.kyarazen.com/chaozhou-gongfu-tea/

bearbeitet von miig

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ja ich kannte schon die Technik, fand aber auch gut im Video erklärt warum man das machen soll/kann. 
Ja, die Qualität... das Video wäre auch (nur) fast für den Fundstücke Faden :lol:
 

Den Artikel kenne ich, er ist von mir im ersten Beitrag dieses Fadens erwähnt ;)

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      Nach dieser theoretischen Einführung möchte ich euch den Behälter vorstellen, für welchen ich mich entschieden hatte. Verkauft wurde sie als eine aus der Edo-Zeit (1603 - 1868) stammende Seto Chaire.

       
      Soweit ich ein Utensil in meine Sammlung aufnehmen kann, bin ich immer bestrebt, so viel wie möglich darüber herauszufinden. In diesem Fall geben gleich mehrere Merkmale Aufschluss über die mögliche Herkunft. Einerseits findet sich auf der Unterseite eine Prägung des Künstlers, was bei älteren Chaire eher selten und bei sehr alten Stücken gänzlich unüblich ist. Da sich die Entzifferung jedoch eher schwierig gestaltete, kann auch die dazugehörige Holzkiste weitere Informationen liefern. Diese wird regelmässig für ein bestimmtes Utensil angefertigt, dient dessen Schutz und gibt Aufschluss über den Inhalt und Künstler. In diesem Fall wurde sowohl die Aussen- als auch die Innenseite des Tomobako-Deckels beschriftet.

       
      Auf der Aussenseite findet sich die Information Seto (瀬戸) tea container (茶入) und somit nichts, was nicht schon bekannt gewesen wäre. Auch die Innenseite des Deckels gibt leider keinen Aufschluss darüber, aus wessen Hand dieses Objekt stammt. Denn die Signatur auf der Innenseite stammte augenscheinlich von einem der Leider der Omotesenke Schule, d.h. einer der drei Hauptschulen. Um wessen Signatur es sich genau handelt, ist hingegen nicht ganz klar: Entweder um jene der neunten Generation Kōshuku Sōsa (1775-1825), oder jene der sechsten Generation Gensō Sōsa (1678-1730). Fest steht hingegen, dass weder der eine noch der andere Vorsteher der Omotesenke diese Chaire erschaffen hat. Es stellt sich also die Frage, wieso trotzdem dessen Signatur vorzufinden ist. Die Antwort ist einfach: Die Signierung von Tomobakos durch Head-master der grossen Teeschulen ist nicht unüblich. Dies geschieht entweder dann, wenn der Vorsteher einer Schule einer gewissen Keramik einen erhöhten künstlerischen Wert zumisst. Ebenso aber, soweit ein Künstler oder Besitzer einer Keramik – gegen eine entsprechende Gebühr - darum erbittet.
      Somit blieb als einziger Hinweis auf den Künstler, die Signatur auf der Chaire. Glücklichweise wurde mir auch diesbezüglich weitergeholfen: Es handelt sich um die Signatur von Ninnami Dohachi (Takahashi Dohachi Ⅱ), einem bekannten Künstler aus Kyoto. Mit dieser Hilfe war es auch nicht mehr schwer, dessen Signatur in einem Nachschlagewerk (Handbook of Marks on Pottery & Porcelain, 1919) zu finden.

       
      Daraus ergibt sich nun die Frage, ob die Holzkiste und deren Inhalt wirklich zusammengehören. Auf den ersten Blick macht dies wenig Sinn, denn auf der Box ist klar „Seto“ vermerkt, was dafür spricht, dass deren Inhalt aus Seto stammt. Ninnami Dohachi hingegen war, wie erwähnt, in Kyoto tätig, womit dessen Erzeugnisse als Kyōyaki bezeichnet werden müssten. Hier kommt aber die Doppeldeutigkeit solcher Begriffe zum Tragen: Begriffe wie Kyōyaki, Setoyaki usw. können als Herkunftsangaben verstanden werden, die unabhängig von der Optik eines konkreten Stücks verwendet werden. Jedoch sind an diesen spezifischen Orten auch immer spezifische Stile hervorgegangen, so dass die Begriffe nicht selten auch für eine bestimmte Art von Keramik stehen. Wirft man einen Blick auf die Chaire, stellt man fest, dass diese in einer typischen (ko-)Seto-Optik gefertigt wurde, d.h. mit brauner hochglänzender Glasur. Hier schliesst sich der Kreis wieder: Der Vermerk „Seto“ auf der Box muss daher nicht zwingend auf die Herkunft verweisen, sondern kann sich auch auf den Stil beziehen. Es fragt sich daher, ob ggf. in zeitlicher Hinsicht Hinweise darauf bestehen, ob Inhalt und Box zusammengehören. Die sechste Generation der Omotesenke lebte von 1678-1730, die neunte von 1775-1825. Ninnami Dohachi, dessen Prägung die Chaire trägt, lebte von 1783-1855. Soweit die Signatur von der sechsten Generation stammen sollte, ist auszuschliessen, dass Box und Inhalt zusammengehören. Soweit die Signatur auf dem Deckel hingegen der neunten Generation zugeordnet werden kann, stimmt auch die zeitliche Komponente und Box sowie Inhalt könnten durchaus zusammengehören.
      Gänzlich lässt sich dies nicht ohne weitere Abklärungen klären, ebenso nicht, ob die Prägung der Chaire sowie die Signatur auf der Box authentisch sind. Soweit die Authentizität gegeben sein sollte, lässt sich die Chaire aber ziemlich genau datieren, so dass sie irgendwann in der späten Edo-Zeit zwischen 1800-1825 entstanden sein muss.

       
       
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