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Thomas87

Tee und Erleuchtung

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Da gibt es das große Getue um den Geschmack. Aber was heißt schon: Geschmack?
Es heißt, sich aus einer Vielzahl von Möglichkeiten auf ein subjektives Spezifika zu kaprizieren und sämtliche Alternativen zu negieren.
Der Gipfel des Geschmacks ist die Liebe.
Sie glaubt, unter Milliarden von Männern und Frauen - die man gar nicht kennt - diesen/diese eine/einen als höchstes Geschmackserlebnis anjubeln zu müssen und alle Restangebote zur zweiten und dritten Wahl zu degradieren.
Geschmack, auf welcher Ebene auch immer, ist im Grunde Engstirnigkeit, das berühmte Brett vorm Kopf, das man - in dummdreister Verkehrung - als erstrebenswertes Kulturgut verkauft; auch hierin offen pluralistisch der jeweiligen Geschmackszielgruppe angepasst, denn der Geschmäcker sind viele und der Markt bedient sie alle, ob mit oder ohne Geschmack. Hauptsache, das Ding verkauft sich.

Wenn man nun den Geschmack, das Schmecken genauer untersucht: Was passiert da?
Ganz einfach: Das Gehirn erhält einen Sinnesreiz und vergleicht diesen mit den gespeicherten Erinnerungen an frühere Reize. Das Neue, Frische, Unerhörte wird also eingeebnet, etikettiert und mit dem Alten und Toten verglichen; indem man Wahrnehmung versprachlicht, in die Enge von Wörtern treibt, sie auf Kennzahlen reduziert, Datenbanken darüber anlegt; allgemein: sie in den Würgegriff allerlei Kognitionen nimmt: So geht das Lebendige dahin.

Und kaum hat man diese unglaubliche Verarmung an Wirklichkeit vollzogen, beklagt man sich über die Schalheit des Lebens, seine Triste und Langeweile und stürzt sich sofort in das Hamsterrad der Reizerneuerung und plant beim Genuss des einen bereits den nächsten.
Dieses unendliche Erwerben, dieses Probieren, Bewerten, Begutachten, Bemeinen und Hinausposaunen, diese unermüdliche Betriebsamkeit des Geistes beklatschen wir wohlwollend, wo wir doch nur Krämer und Händler verwesender Gedanken sind und glauben, einem Lebendigen hinterher zu jagen, welches wir doch selber ständig vor uns her treiben.

Kein Wunder, dass die Leute verdep(p)ressieren; die sich dazu nicht einmal am eigenen, sondern ernstlich am Geschmack - Welchen Tee trinkst Du gerade? - der anderen orientieren.

Wenn es also ‚Erleuchtung‘ gibt - und traditionell lädt der Teegenuss dazu ein, in ihm mehr als bloße Hydration und Zellversorgung zu erblicken - wie ‚schmeckt‘ dann diese ‚Erleuchtung‘?

Seit Jahren, ach was, seit Jahrzehnten trinken wir Tee, feinste Gewächse aus feinsten Schalen in allerfeinster Verfeinerung: Und was ist passiert? Nichts.
‚Hier steh‘ ich nun, ich armer Tor, und bin so schlau als wie zuvor!’
Genau das ist ‚Erleuchtung‘:
Es geschieht nichts!
Dies ist das berühmte Nichts, auf das manche ihr Leben lang hinarbeiten, 
es immer vor Augen haben und doch nie erblicken.
Dies ist das echte Nicht, das sich der Korruption durch das Sein und Etwas so sehr entzieht,
dass es nur das ist, was es ist: nichts.

Es passiert nichts. Rein gar nichts.
Dies ist das berühmte Zen-Lachen.
Die Zeit knallt auf sich selbst zurück.
Da ist nichts! Das ist es!
Darauf eine Tasse Tee!


Die Mönche hatten Ito, 
dessen tiefes Schweigen bei der Tee-Meditation ihren Neid hervorrief, 
Zucker in den Tee gestreut. 
Scheel aus den Augenwinkeln starrten sie nun verhohlen
nach einem Augenzucken, einem Stirnrunzeln, einem Lippenrollen, einem Zungenplopp -
einer kleinsten Abweichung vom Ritual.
Aber Ito schien so tief zu meditieren und den Zucker vielleicht gar nicht herauszuschmecken?
Da erhöhten die Mönche den Zuckeranteil auf drei Löffelgaben.
Nun musste eine Reaktion kommen!
Ito aber, noch bevor er seine Schale an die Lippen angesetzt hatte,
reichte sie in erweiterter Zeremonie ehrerbietig und mit Huldigung an den Meister weiter.
Die Mönche gerieten in Angst und Schrecken und die Röte stieg ihnen zu Gesicht.
Nun würde der ehrwürdige Meister Opfer ihres Schabernacks werden.
Zuerst kostete der Meister nur, dann trank er die ganze Schale aus.
Dann sagte er: ‚Lecker.‘
Am nächsten Tag aber war der Zucker aus der Küche verschwunden.
Nie wurde über diesen Vorfall gesprochen.
Itos Schweigen hatte sich über das ganze Kloster gelegt.
So stark war es.

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Das große Getue um den Geschmack entsteht meinerseits, wenn man den Geschmack bewertet. Solange ich den Geschmack nur beobachte, kann ich etwas entdecken oder übersehen. Es ist mir egal, ob jemand sagt, dass es nach Orange oder Asphalt schmeckt.

Was anderes ist, wenn mein Körper unangenehm darauf reagiert, meinetwegen mit Magenreizung oder Britzeln auf der Zunge. Dann ist das nicht mein Tee oder er ist schlecht verarbeitet. Es gibt auch Warnsignale, die man nicht übersehen sollte.

Das große Getue entsteht, wenn man über den Geschmack nachweisen möchte, ob der Tee seinen geforderten Preis gerecht wird, ob mir x für y verkauft wird usw...

Aber wenn ich letztendlich an meinem Tisch sitze und Tee trinke, fällt das ab und ich beobachte, was mir mein Geschmack erzählt. Dann wird alles gut.:)

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  • Gleiche Inhalte

    • Von paxistatis
      Guten Abend zusammen,
      ich hätte mal eine Frage: Mittlerweile merke ich, dass man für Tee eine gewisse Zeit braucht und er natürlich auch wach macht.
      Wenn ich jetzt so durch das Forum lese, habe ich das Gefühl, dass ihr fast immer Tee trinkt, auch abends usw.
      Ich wollte mal fragen wie ihr das zeitlich schafft? Also zum einem abends mit dem Teein das ja wach macht und zum anderen das "dauernde" trinken?
      Ich kann bei mir auf der Arbeit Homeoffice machen (Luxus, ich weiß ), da nutze ich das dann gerne, aber ich würde vermutlich nicht meine Teekanne mitnehmen. Geht bei uns auch einfach nicht.
      Daher mal so meine Frage, wie ihr das so schafft und wieso ihr abends um zwölf nicht noch senkrecht im Bett sitzt  (Ich hoffe die Frage gibt es nicht schon, ich konnte nicht viel finden und sie ist im richtigen Forum)
      Viele Grüße ! 
    • Von shavior
      Hallo zusammen,
      da ich mein früheres Hobby Tee nun vollends aufgebe, möchte ich den Rest meiner Teeutensilien gerne in gute Hände abgeben.
      Alle Sachen sind gut und pfleglich behandelt worden. Wir sind ein Nichtraucherhaushalt.
      1. Gaiwan Blau/Weiß
      Ich habe ihn  ca. 2015 gekauft. Die kleinen Reiskörner sind lichtdurchlässig. Fassungsvermögen randvoll (= effektiv nutzbar weniger) 247 ml.
           
        
      Preis (exkl. Versand): 7 Euro.
      2. Gaiwan rot
      Ich habe ihn  ca. 2015 gekauft. Fassungsvermögen randvoll (= effektiv nutzbar weniger) 250 ml.


      Preis (exkl. Versand): 12 Euro.
      3. Japanische Kyusu unglasiert
      Ich habe sie ca. 2015 gekauft und sie hat ein Fassungsvermögen von ca. 340 ml. Ich hab sie nur mit gefiltertem Wasser und mit Sencha verwendet. Gereinigt wurde sie nur mit kochendem Wasser und niemals mit Spülmittel.


      Preis (exkl. Versand): 20 Euro.
      4. Japanische Kyusu glasiert mit 360° Sieb
      Ich habe sie ca. 2016 gekauft und sie hat ein Fassungsvermögen von ca. 310 ml. Ich hab sie nur mit gefiltertem Wasser und mit Sencha verwendet. Gereinigt wurde sie nur mit kochendem Wasser und niemals mit Spülmittel.
         
       
      Preis (exkl. Versand): 20 Euro.
      5. Japanisches Matchaset
      Ich verkaufe das auf den Bildern gezeigte Matchaset bestehend aus Teelöffel (Chashaku), Teebesen (Chasen) und der Matchaschale. Das Set ist auch aus ca. 2015 (nicht 100% sicher, war ein Geschenk damals) und war keines der billigen Ebaysets die man heute bekommt. Es wurde nur Matcha damit zubereitet und daraus getrunken. Ich hab noch eine Dose Matcha, ich kann aber nicht mehr sagen welcher drin ist (wurde mal ein anderer eingefüllt, ich vermute einer der günstigeren von Maiko aus 2016). Den gibts auf Wunsch gratis dazu, ohne Garantie dass er noch gut ist (wurde durchgehend im Kühlschrank gelagert).
       
      Preis (exkl. Versand): 30 Euro.
       
      Es kommen Versandkosten in Höhe von 5 Euro dazu (versichert, DHL Paket).
      Falls wer alle 5 Artikel nimmt, bekommt der den o.g. Versand umsonst, außerdem lege ich dann gratis die Reste meiner trinkbaren Teesammlung dazu:
      - Einen Sencha Kamo von Maiko Tee (Alter unbekannt, ich vermute 2016), ca. 30-50% voll (Wert ca. 5 Euro)
      - Eine 250g Packung Grüner Darjeeling der Teekampagne ca. 60% gefüllt aus 2017 (Wert ca. 10 Euro)
      - Eine 1000g Packung Darjeeling FF  FTGFOP1 der Teekampagne ca. 60%-70% gefüllt aus 2017 (Wert ca. 20-25 Euro)
      Bevor jetzt jemand denkt ich bin bekloppt: Der Aufwand nur ein Paket zu packen zu müssen ist mir das wert. Die Tees stehen hier sonst eh nur noch herum.
       
      Falls jemand tauschen will: Seit 1-2 Jahren heißt meine Leidenschaft Espresso/Kaffee/Rösten, falls ihr da was loswerden wollt kämen wir sicher ins Geschäft
       
      Viele Grüße,
      shavior
    • Von Paul
      Für die diesjährige Urlaubsplanung zwei Tipps?
      Mit Olivier Schneider für ca. 2000 € eine Woche Gong Fu Cha lernen?
      http://www.puerh.fr/evenement/stage_retraite_pratique_the_gong_fu_cha_thailande_2018.htm
      Oder erheblich schicker mit Lady Carnarvon auf "Downton Abbey".
      https://www.ladycarnarvon.com/dine-and-dream/
      Mein Fazit: Ich tät zu keinem wollen - weil: ich hab dafür nix anzuziehn
    • Von Thomas87

      Viel Mühe nimmt der Connaisseur auf sich - feinstes Geschirr, allerfrischesten Direktimport aus dem Teegarten, umfassende Schulung sämtlicher Gaumenknospen - um sich den unverfälschten und wahren Genuss zuzuführen, den nur ein optimal zubereitetes Produkt zur Geschmacksentfaltung, ach was, -explosion bringen kann, um ja jede Gehirnzelle zu betören: Ja, das ist es! Jetzt hab’ ich’s!
      Nun gibt es ein technisches Problem. Das ist die Wassertemperatur.
      Tee - zumal schwarzer - verlangt kochend heißes Wasser zur Lösung aller Inhaltsstoffe. Der Kenner gießt zwar nicht sprudelnd kochendes Wasser drüber, sondern wartet und lässt ein paar Grad abfallen, aber auch dann hat der Tee immer noch reichlich 40 Grad Übertemperatur: Er ist nicht trinkbar, will man sich nicht die Zunge verbrühen. 
      Also wartet der Teekenner ab. In dieser Wartezeit aber beginnt bereits der Alterungsprozess des Getränks. Man kann das an der Verfärbung von gelb zu gold zu braun direkt beobachten und selbst bei grobem Geschmacksempfinden herausschmecken: Der Tee verbittert. Das Optimum ist verpasst.
      Die Findigen behelfen sich mit Milch und gießen kalte zu. Dann hat man ein Milchmischgetränk, aber keinen Tee mehr: Perdü der reine Genuss.
      Andere nun kippen Kanne zu Kanne schnell hin und her und sind so mit Zwischentemperaturmessungen beschäftigt, dass die Konversation bei Tische leidet und die Gäste sich eher im Labor vermuten, als beim Teekränzchen.
      Wieder andere bereiten einen Teesud und ergänzen diesen - nach langen Messreihen - mit der richtigen Menge Kaltwasser, das sie tassengerecht portioniert haben, um ja den optimalen Trinkpunkt des Maximalaromas, der bei etwa 69 Grad liegt, also im Wägpunkt zwischen Frische und Bitterung, nicht zu verpassen. 
      Dies sind die Ingenieure der Teezeremonie, mithin die MINT-Leute, die nach aufwendiger Kurvendiskussion und präziser Grenzwertberechnung sämtliche Parameter in einen Annäherungspunkt kulminiert haben und letztlich doch am inhärenten Kompromiss zwischen Alltag und Wissenschaft scheitern. Wer schon tut sich solche Prozeduren an?
      Kurzum: Die Suche nach dem Geschmacksoptimum, nach dem reinen Genuss artet aus in aufwändige technische Szenarien oder in kulinarische Unzulänglichkeit und wie in jedem magischen Viereck ist das eine nicht zu haben, ohne auf das andere verzichten zu müssen: 
      Wer Tee richtig und optimal genießen will, handelt sich eine Menge Stress ein und konterkariert damit jeden Genuss.
      Dabei haben wir - Ähh - über Kalkanteile im Brühwasser und deren geschmacksbeeinträchtigende Wirkung noch gar nicht gesprochen. Über Wasser generell. Über Blattentfaltungsräume. Kannen- und Tassenformen und deren Einfluss auf die Degustation. Über Mondphasen, Raumfeuchte und jahreszeitliche Bedingungsgefüge. Über Kindheitsprägungen und die Genderproblematik beim Teetrinken.
      Die Experten haben - im Gegensatz zum Laien - die Lehre vom Optimum längst aufgegeben. Sie beurteilen ein Lebensmittel, Wein, Olivenöl, Butter, nicht nach Optimalgenuss, sondern nach Typgerechtigkeit. Schmeckt das Ding so, wie es schmecken sollte? Damit aber sind wir in der Mode, sprich der Relativität und nicht in der Spiritualität, also dort, wo ein jeder Kenner hin gelangen will, nämlich in die Istigkeit.
      Was also spricht der Weise? Wie schält er sich aus dem Dilemma? Wie kann er noch unbefangen Tee trinken, ohne zu verzweifeln? 
      Nun, Bodhidharma ging es nur um die Wirkung. Hierfür genügt auch eine Dose Red Bull. Klappt kalt wie warm: Die Gans ist raus!
      ps
      Dieser Beitrag bezieht sich auf diesen Koan:
      Chokoglu brachte dem Meister eine Schale Tee. ‚Zu heiß‘, sprach der Meister.
      Chokoglu brachte eine neue Schale. ‚Zu bitter‘, sagte der Meister. 
      Nun kam Chokoglu mit einer dritten Schale an. ‚Zu dünn. Dieser Tee schmeckt nach gar nichts‘, entgegnete der Meister.
      Viele Jahre lang brachte Chokoglu nun dem Meister Tee, aber niemals nahm der Meister eine Schale von ihm an. Immer hatte er etwas einzuwenden. Niemals fand eine Schale sein Genügen.
      Da hörte Chokoglu damit auf, dem Meister Tee zu bringen.
      Sofort rief der Meister: ‚Wo bleibt mein Tee?‘
       
    • Von Zockerherz
      Guten Morgen ihr Lieben,
      ich bin ja ein Mensch, der sich eh immer viel zu viele Gedanken über unnützen kram macht ^^ und da ich leider nicht viel hierzu gefunden habe komme ich nicht umhin nochmals ein neues Thema aufzumachen.
      Und zwar geht es um die Reinigung von Teedosen insbesondere von den Match Dosen. 
      Ich möchte zum einen Match aus den Tüten in die kleinen 20g Döschen umfüllen und mir teils auch Tee aus der größeren Packung in die kleinen Döschen füllen um nicht immer die größeren Packungen aus dem Kühlschrank zu nehmen und zu öffnen. Durch den Gummirand schließen die ja recht luftdicht ab.
      Problem: Wie bekomme ich das hin ohne dass Fremdgerüche vom Vorgänger in der Dose bleiben?
      Ich habe eine kleine Dose von Koyamaen und von Magic Matcha. Beide Dosen habe ich ordentlich gereinigt mit heißem Wasser und auch mit Sodalauge. Ich habe das Gefühl, dass hier immer noch Fremdgerüche (zumindest in der Magic Matcha Dose) sind und ich habe keine Lust mir den guten Tee zu verhunzen  
      Ich hatte mal gelesen, dass der eine oder andere diese Matcha Döschen ebenfalls wiederverwendet. Spült ihr die einfach nur mit heißem Wasser aus oder geht ihr da mit härteren Mitteln heran?
      Viele Grüße und einen schönen Samstag
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