Lateralus

Sencha Zubereitung: Über die Mysterien von Raum, Zeit und Temperatur

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Hallo,

die furchteinflößende Vielfalt an Zubereitungsarten bei Sencha kann einen Anfänger gehörig in den Wahnsinn treiben.
Wenn schon alleine der Lieferant auf der Packung zwar Zeit, Temperatur und Teemenge halbwegs spezifiziert (bei einem TL als Mengeneinheit wird dem kleinen Nerd in mir ganz ganz übel), bei der Wassermenge dann aber so abenteuerliche Werte wie 100-300ml erwähnt werden, dann sind das für den Anfänger zu viele Freiheitsgrade.

Mir ist schon klar dass es hier nie ein Universalrezept geben wird, und man sich immer durch etwas trial&error an das eigene Optimum herantasten muss, denn immerhin geht es hier um ein Naturprodukt das immer unterschiedlich sein kann. Wenn man aber nun vor einer bescheidenen Menge von 40g gar nicht günstigem Tee sitzt, dann ist die Anzahl der Versuche die man damit treiben kann nicht endlos.

Es gibt auch einige Seiten im www die sich damit außeinander setzen, aber manche kommen mir irgendwie seltsam vor.
Mich würde daher eher die Meinung der, im positivsten aller Sinne, Tee-Verrückten hier im Forum interessieren.
Vielleicht kristallisiert sich ja ein gemeinsames Nenner heraus (vermutlich aber nicht).

Was wäre die Start-Empfehlung für die Zubereitung (Gewicht, Menge Wasser, Wassertemperatur und Ziehzeit) von Sencha normaler Qualität?
Und welche Parameter würdet ihr in welche Richtung verändern wenn es um Top-Qualität geht?

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vor 31 Minuten schrieb Lateralus:

die furchteinflößende Vielfalt an Zubereitungsarten bei Sencha kann einen Anfänger gehörig in den Wahnsinn treiben.

Muss sie aber nicht :) Es ist typisch, dass man sich am Anfang zu viel Kopf um solche Dinge macht. Stell es ein wenig zurück, hab Spaß und probier herum.

vor 30 Minuten schrieb Lateralus:

Was wäre die Start-Empfehlung für die Zubereitung (Gewicht, Menge Wasser, Wassertemperatur und Ziehzeit) von Sencha normaler Qualität?

Einfach mal mit was anfangen - wenn der Teehändler ein Spektrum angibt, im Zweifelsfall die Mitte anpeilen. Damit fährst du recht sicher, alles weitere ergibt sich dann mit der Zeit.

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Ich würde im Zweifelsfall eher eine niedrigere Temperatur (ca. 65 Grad) für den ersten Versuch wählen. Dann kann schon nicht viel schiefgehen, es geht dann nur noch um das Verhältnis von Wasser und Teeblätten. Auch bei langem Ziehen sollte der Tee nicht bittern.

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Ich persönlich finde die Beschreibung von Maiko sehr gut. http://www.maiko.ne.jp/german/sencha.htm
6-8 Gramm auf 250 ml bei 70 - 80 °C. 90 Sekunden.

Ich persönlich fahre mit der 1g pro 30ml Faustregel und ca. 80 °C geschmacklich gut, aber ich mag es etwas herber und grasiger, von daher ist die Methode nicht für jeden geeignet.

Spielen würde ich am ehesten mit der Temperatur, da diese meiner Meinung nach mit den meisten Einfluss auf den Tee hat. Chris von Yutaka-Tee gießt alle seine Tees nur mit 40-50 Grad heißem Wasser auf. 

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Vielen Dank, für alle konkreten Tipps!
Gerade für den Anfänger ist es ganz hilfreich einen Ausgangspunkt zu haben.
Dass dieser individuell pro Person und dann auch noch mal pro Sencha ist, macht das Leben spannender aber nicht unbedingt einfacher ;-)

Falls ein anderer Anfänger über diesen Thread stolpert, ich habe für mich diese Anfangsrezeptur herausgefunden die ich bei jedem neuen Sencha zunächst mal ausprobiere:

1. Aufguss: 60°C / 2g / 50mL / 60s
2. Aufguss: 60°C / 2g / 50mL / 15s
3. Aufguss: 60°C / 2g / 50mL / 35s
4. Aufguss: 60°C / 2g / 50mL / 60s

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Ja, man muss sich eher nur trauen einen Startpunkt zu setzen und dann sich die Zeit zu nehmen, sich dem eigenen Geschmack anzunähern. Für mich bspw. ist eine gewisse Herbe Grundbestandteil von Sencha. Weshalb ich auch eher zu 70°C - 75°C tendiere. Doch im Gegensatz zu Pu-Erh oder Oolong finde ich 50 ml etwas wenig für einen Eindruck bei Sencha. Zumal da die Abweichung relativ gesehen recht groß wird (außer man hat eine so kleine Kanne).

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@Lateralus Natürlich gerne, 4 bis 5g auf die 50ml.

Du machst ja 5 Aufgüsse somit hättest diese 4 bis 5g auf 250ml Wasser bei einem westlichen Aufguss.

bearbeitet von KlausO

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Am 22.2.2018 um 10:07 schrieb Stiefelkante:

Doch im Gegensatz zu Pu-Erh oder Oolong finde ich 50 ml etwas wenig für einen Eindruck bei Sencha.

Geht mir genau so, daher brühe ich immer pro Person 100ml auf. @Lateralus in der Anfangszeit habe ich auch sehr starke Schwierigkeiten damit gehabt Senchas "lecker" hinzubekommen, was unteranderem daran liegt, dass der Shop, von dem ich vermute von dem du deine Tees beziehst, für jeden Sencha einfach 60° angibt. So schmecken mir die Senchas aber einfach zu lasch, unabhängig von Qualität und Preisklasse. Ebenfalls mein Rat an dich: Schraub mal die Temperatur hoch (besonders bei späteren Aufgüssen) und schau ob es dir so besser gefällt. I.d.R. brühe ich wie folgt: 

Für zwei Personen: Tokoname Kyusu mit 230ml Kapazität (ich fülle gerne bis oben auf, einige Leute lassen gerne Raum in ihren Kyusus...)

8g Sencha, 200ml pro Aufguss 

1. 70° 60 Sekunden 2. 75° 30 Sekunden 3. 80° 30 Sekunden - bei besonders guten Senchas nehme ich Temperatur eigentlich auch nicht herunter. Je nach Dämpfung variiere ich dann die Ziehzeit. Ähnlich wie @Stiefelkante und @Zockerherz gefallen mir Senchas aber auch vor allem, wenn sie  stark sind. Würde mich interessieren ob dir höhere Temperaturen gefallen. :) 

(Eine Sache der ich zu Beginn vor allem viel zu geringe Aufmerksamkeit geschenkt habe, ist das Thema Wasser. Hier im Forum habe ich auch gute Tipps dazu gefunden!)

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Ich bin ein Fauler Mensch (arbeite genug, da kann ich mir das auch mal Privat erlauben :P) . Bei mir ist der Wasserkocher auf 80 °C eingestellt sodass er das Wasser warm hält. Er heißt maximal bis 85°C hoch, nach dem Umschütten habe ich dann ca 75-80 °C denke ich. 

Alle meine Aufgüsse mache ich bei der Temperatur. Der erste ist 90 Sekunden, die folgenden zwei in der Regel dann 60 Sekunden, selten auch mal 90 Sekunden. Das kommt darauf an wie herb ich den Tee mal zwischendurch haben möchte. Bei mir werden es in der Shibu 5g auf 150 ml oder 4g auf 120 ml.  Also voll bis zum Deckel.

Es kommt auch sehr auf den Tee an. Der Sencha Myazaki neigt generell zum grasigen herben frischen, da kann man auch ruhig mal etwas tiefer gehen auf 70 oder sogar 60 °C. manche Tees wiederum haben so ein Gemüsiges/Umami Aroma, also was Gyokuros ausmacht, dass einige Tees für mich auf niedrigeren Temperaturen schon unerträglich schmecken. Aber über Geschmack streitet man sich nicht. Einfach ausprobieren und mit der Temperatur spielen.

Ich finde @Kodama hat da nochmal eine schöne Faustformel genannt, ich persönlich finde aber eine Dosierung von 1g auf 30 ml ganz passabel. :)

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    • Von Franzerl
      Hallo Zusammen,
       
      ich trinke viel Kaffee seit Jahren, den ganzen Tag über verteilt. Mir bekommt das Zeug aber nicht mehr so wirklich, also bin ich in letzter Zeit dran, eine Alternative zu finden. Ich habe mir, bitte nicht hauen, vor ein paar Wochen zum probieren schwarzen Beuteltee gekauft. Er schmeckt ganz gut, hiervon mache ich jetzt morgens immer eine große Kanne fertig und fülle die um in eine Thermoskanne und nehme die mit auf Arbeit und trinke dann davon.
       
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      Danke euch allen schonmal!
    • Von seika
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      Los geht es mit einem Blick auf die Blätter.

      Die Farbe auf dem Foto mag aufgrund des künstlichen Lichts beim fotografieren etwas täuschen, bei natürlichem Licht sind sie etwas dunkler. Von der Form her im schmalen Bereich und wie ebenfalls zu sehen, (aufgrund des Blends?) nicht besonders einheitlich von der Farbgebung. Deckt sich mit dem Foto aus dem Buch. 
      Bevor es weiter geht, vorab noch ein paar Details zum ersten Aufguss. Ich habe weder gewogen noch die Temperatur gemessen, einzig bei der Zeit schaue ich auf die Uhr. Nach meiner Erfahrung dürften es etwa 4-5g gewesen sein. Die Temperatur dürfte etwa 70-75 Grad betragen haben, und die Ziehzeit war 45 Sekunden. Als Aufgussgefäß kam meine Kōransha Kyūsu mit Sazanka-Motiv und ca. 180ml Fassungsvermögen zum Einsatz, die Fukagawa-Seiji Schale faßt ungefähr 100ml. Zu den beiden gesellte sich farblich und vom Material her abweichend eine hellblaue Hagi-yaki Yuzamashi. 
      .    
      So nun zur Frage, inwieweit die Bewertung aus dem Buch zutrifft. Natürlich kann ich hier nur mit subjektiven Eindrücken aufwarten, die bestätigen aber im Großen und Ganzen die Einschätzung dieses Tee. Die Farbe ist wie zu erkennen grün-gelb. Der Duft sehr frisch, von hi-ka keine Spur. im Mund zeigt sich ein komplexes Gebilde aus Umami, Süße und Herbe mit einem mittleren Körper. Gefällt mir sehr gut. 

      Der zweite Aufguss, den ich ich mit etwa 85 Grad an- und sofort abgegossen habe, ist farblich schon etwas intensiver und auch grüner. Das spiegelt sich auch im Geschmack wieder, mehr Körper ein wenig mehr Herbe, ohne aber zu aufdringlich zu sein. Ebenfalls sehr lecker. Insgesamt habe ich vier Aufgüsse gemacht, wobei der letze wohl eher meiner Sentimentalität geschuldet war, da ich noch etwas in Erinnerungen and eine schöne Zeit im Sommer letzten Jahres schwelgen wollte.

      Zu guter Letzt noch ein paar Impressionen vom Izumo-Schrein. Ich hoffe, euch hat die kurze Vorstellung ebenso viel Spaß gemacht, wie mir. 


       






       
       
       
       
       
       
       
    • Von The_Darkside
      Hi, ich bin kein ausgewiesener Teetrinker, aber so ne gewisse Vorgehensweise ist mit beim Teekochen dann doch bekannt 🤣
      meine Freundin hat heut Tee gemacht; Mann ist dann doch mal krank und heißer Tee tut Hals gut; sie hat das kochende Wasser in meinen Pfefferminztee gegossen, und direkt Honig rein. 
      ist das jetzt falsch? Ich würde sowas nämlich nie tun. Was zum süßen kommt für mich erst NACH dem ziehen rein....!? 
    • Von djbeile
      Guten Morgen an Alle Teefreunde,
      ab nächster Woche werde ich hier ein Blog verfassen über den Philips Teezubereiter.
      Ich bin der Glückliche der über eine andere Seite das neue Gerät testen darf und werde euch hier in schriftlicher Form und mit Videos zeigen wie gut das Gerät wirklich ist.
      Vorab schon ein paar Infos:
      Philips TeezubereiterKombination aus Teekocher und Teekanne zum Servieren.
      Sorgt bei jeder Teesorte für die richtige Wassertemperatur und Ziehzeit.
      Vier Schnellwahltasten ermöglichen eine schnelle und einfache Zubereitung der beliebtesten Teesorten.
      Eine Taste für persönliche Einstellungen ermöglicht es, die Temperatur und Ziehzeit individuell zu variieren.
      Spezieller Leuchtring zeigt an, wenn der Tee ausreichend gezogen hat.
      Großes Teesieb, das komplett herausgenommen werden kann.
      Für Teebeutel und losen Tee geeignet.
      Die doppelwandige Teekanne hält den Tee lange warm.
      Kapazität: 0,7 Liter.
      Im Handel erhältlich: seit August 2011.
      Unverbindliche Preisempfehlung: 229 Euro.
      weiteres Erfahrt ihr von mir in den nächsten Tagen und Wochen.
      Euch allen ein schönes Wochenende :-)

    • Von Key
      eure meinungen zum ersten teezeremonie-automaten würde mich interessieren.

      im video wird er gezeigt:


      auf der jadequell HP genauer erklärt:

      teezeremonie-automat
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