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miig

Warum Gong Fu Cha (meistens) keine Teezeremonie ist

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Geschrieben (bearbeitet)

Hallo zusammen,

schon länger stolper ich immer wieder über diesen Begriff, den ich höchst unzutreffend finde. Also hier mal das gesammelte Argument. Natürlich ist dies eine Einladung zur Diskussion :). Ich behaupte also: *Trommelwirbel*

Gong Fu Cha ist keine  "Chinesische Teezeremonie". Dieser Begriff ist unzutreffend, irreführend und bei genauerem Hinsehen sinnlos.

Warum? Weil eine Zeremonie etwas ganz bestimmtes ist:

Zitat

Bedeutungsübersicht

in bestimmten festen Formen bzw. nach einem Ritus ablaufende feierliche Handlung

Beispiele

  • eine kirchliche, feierliche Zeremonie
  • die Zeremonie der Taufe, der Amtseinführung
  • eine Zeremonie vollziehen
Zitat

Herkunft

unter Einfluss von französisch cérémonie < mittellateinisch ceremonia, cerimonia < lateinisch caerimonia = religiöse Handlung, Feierlichkeit

La source: https://www.duden.de/rechtschreibung/Zeremonie

Man hat also durchaus feste Abläufe, und grade die Videos auf Youtube demonstrieren auch das Wiederholen ganz bestimmter, nicht unbedingt nötiger Handlungen. Das hat schon etwas rituelles. Dennoch:

 Im Gegensatz zum japanischen Cha No Yu, das eine völlig andere Angelegenheit ist und hiermit nicht vermischt werden soll, wird bei der Gongfu-Methode mit einer bestimmten Technik Tee zubereitet. Und während dies durchaus spirituelle Konnotationen haben kann, siehe den Global Tea Hut-Stil, und die verliebten Arrangements der Taiwaner, ist Feierlichkeit und der Aspekt einer Religiosität in sehr vielen Fällen überhaupt nicht präsent. Somit sollte man besser von der Gongfu-Methode sprechen, oder, wenn es sein muss, von der chinesischen Art, Tee zu machen, nicht aber von einer Zeremonie.

Natürlich hat es Gründe, warum der Begriff beliebt ist: Er klingt mystisch, irgendwie geheimnisvoll, nach östlicher Weisheit und meditativen Ritualen. Und wie so vieles, das mit diesen Eigenschaften gepusht werden soll, ist's Blödsinn. :devil:

 

bearbeitet von miig

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Könnte eine spannende Diskussion werden :) Macht es aber vielleicht auch Sinn, sich zunächst noch näher über den Begriff Gong Fu Cha zu unterhalten? Ich nehme die inflationäre Verwendung in den deutsch- oder englischsprachigen Foren und Blogs, die ich verfolge, so wahr, dass damit oft eigentlich nur eine Zubereitungsform verstanden wird, die ein hohes Verhältnis von Teeblättern zu Wasser und mehrere Aufgüsse umfasst. Warum man lieber den chinesischen Ausdruck Gong Fu abseits seiner ursprünglichen Bedeutung verwendet, als schlicht von Mehrfachaufgüssen zu sprechen, lasse ich erst einmal dahingestellt. Es verstehen ja auch vermutlich die meisten, was damit gemeint sein soll, von daher, warum nicht. Möchte man es aber exakter fassen, würde ich z.B. fragen wollen, ob man überhaupt von Gong Fu sprechen kann, wenn man für einen gelungenen Aufguss Waage und Thermometer benötigt? ;)

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https://de.wikipedia.org/wiki/Kung_Fu

Ich lasse mal das wiki sprechen und mir selbst bleibt nur das " harte, geduldige Arbeit" erhalten.

Erst wer 10 000mal die Kanne oder den Gaiwan gelehrt hat, dringt etwas in dieses Gong Fu des Tees ein. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Oder wir reden über optische Kopie eines Vorgangs, der eben aus der Überlagerung von vielen einzelnen Bewegungen, körperlich wie auch geistig besteht.

@nemo: als Meister bracht man Waage und Thermometer nicht mehr um sein Gong Fu zu bewegen. 

Ja, es gibt viele, die Tee als Zeremonie bis ins Extreme treiben. Gong Fu würde für mich da bedeuten, dass man das schon wieder abgestreift hat und sich auf das reduziert, was nötig ist um den Tee zu gießen.

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Ja, ich hatte gedacht, zum Thema Gong Fu Cha ein eigenes Thema aufzumachen.

Dieser Thread war eher als Angriff auf die Teezeremonie gedacht *g*

Würde vorschlagen, dass wir hier weiter  über Gong Fu Tee an sich sprechen:

 

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Ah, ein Zwei-Fronten-Vorstoß, verstehe. Da war ich wohl zu schnell ;)

Meine Meinung zum Zeremonie-Begriff: Ich denke, mit der entsprechenden Einstellung kann man alles (?) zeremoniell betreiben und sinnhaft aufladen. Bei meinem Teetrinken ist einiges Ritualisiertes dabei, aber es gehört jedenfalls nichts Zeremonielles dazu und ich teile Deine Einschätzung, dass der Begriff der Tee-Zeremonie wohl in den meisten Fällen unzutreffend verwendet wird.

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Ja @nemo, du hast Recht, drum hab ich noch ein "(meistens)" eingefügt :)

@Krabbenhueter: War aus Spaß übertrieben formuliert. Was ich meine ist, meine Kritik an dem m.E. meistens unpassend gebrauchten Begriff "Teezeremonie".

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  • Gleiche Inhalte

    • Von OstHesse
      Liebe Grüße an alle Teekenner!
      Dieses Thema brennt mir schon lange auf der Zunge, denn heute ist es besonders populär Gongfu Cha, die traditionell chinesische Teezubereitungsmethode und die sogenannte "westliche Methode" gegeneinander zu stellen und zu vergleichen, wobei wir fast immer die Aussage "Gongfu Cha ist 'besser!" zu hören bekommen. Unser @miig hat mal ein Thema gepostet wo er nach der Definition von Gongfu Cha fragte, nun, ich bevorzuge da eine rein technische Herangehensweise. Das Wort gongfu wird je nach Quelle und Translator mit "Anstrengung", "Mühe", "Fertigkeit" und "Kunst" übersetzt, wenn man aber einfach den Vorgang selbst anschaut sowie die dahinter stehenden Ziele, ist Gongfu Cha praktisch dasselbe was wir in Europa mit Wein, Whisky und Zigarren machen! Man kann all diese Sachen nur des Alkohols wegen einfach herunterstürzen und die Zigarren nur des Nikotins wegen verqualmen, die Kenner tun das jedoch nie - man verwendet spezielle Geschirr, Werkzeuge und Konsummethoden um den Genuss soweit zu maximieren wie es nur geht. In Zigarren-, Wein- und Whiskyclubs geht es primär um Genuss, Erkenntnis und das soziale Beiwerk, nicht stupides saufen und quarzen. Die Genussmittel sind der Star der Show, kein Kenner wird seinen besten Single Malt mit Eiswürfeln malträtieren oder die feinste Zigarre brutal im Aschebecher ausdrücken, exakt diesselbe Mentalität haben die Chinesen auch wenn die eine Gongfu Cha Session machen.
      Wenn aber nun von "westlicher Methode" gesprochen wird, werden darunter fast immer moderne Teegewohnheiten der breiten Bevölkerung in Europa und Nordamerika gemeint, wobei auch fast immer  angenommen wird dass eben diese die "europäische Teekultur" darstellen. Diese Sicht halte ich für falsch!
      Ich habe mich in letzter Zeit mit Geschichte des Tees in Europa auseinander gesetzt, schriftliche Quellen und Abbildungen aus dem 17 bis 19 Jh., aus der Zeit wo weder Indien noch Sri Lanka als Teeproduzenten eine Rolle spielten (hier, hier hier nur um Einige zu nennen), nur um Folgendes festzustellen. Bis ungefähr 1820 war der gesamte verfügbare Tee ausschließlich chinesischen Ursprungs und er war nicht nur "Tee" sondern Bohea, Hysson, Singlo, Souchong, Congou, Pekoe, etc., wobei das was wir heute "Schwarztee" nennen um die Mitte des 18 Jh. den größten Anteil am europäischen Teeimport erlangte. Bis dahin war Grüntee tatsächlich die am meisten konsumierte Teeart in Europa (quelle). Das Teegeschirr, wie die Abbbildungen und Beschreibungen vom Teetrinken zeigen, wurde ebenfalls teils aus China importiert teils nachgeahmt, Abbildungen von Teetrinkern zeigen wenig bis gar keine Lebensmittel auf dem Teetisch, der chinesische Einfluss hier ist kaum zu übersehen. Einfach zusammengefasst, die europäische Teewelt des 18 Jh., wo britische, ostfriesische und russische Teekulturen in ihren Grundzügen gebildet wurden, war eine nahezu komplett andere Welt, die viel näher an China war an unsere heutgen westlichen Teegewohnheiten!
      Warum hat sich die europäische Teewelt so radikal verändert? Nun, zuerst haben die Teeplantagen in Assam den Teemarkt komplett umgekrempelt, bereits am Ende des 19 Jh. war indischer Schwarztee bereits so billig und so verbreitet, dass er andere Teesorten vom Markt nach und nach verdränge. Es war trotzdem noch klassischer Blattee welcher die klassische Zubereitung zuließ. Als aber in den 1930ern die CTC-Methode erfunden und perfektionert wurde, eroberte der nach CTC hergestellte Assam Schwarztee ab den 1950ern die gesamte Welt! Die Gründe dafür waren und sind; er extrahiert viel schneller, ist als Staub perfekt für Teebeutel, kann in rauhen Mengen produziert weren und ist schön billig. Die wohl tiefste Zäsur ist jedoch sein Geschmack und Aufgussverhalten, welche sich von den klassischen chinesischen Oolong, Heicha und Hongcha fundamental unterscheiden! So passierte es dass die alten Aufguss- und Konsummethoden nach und nach aufgegeben und vergessen wurden, denn die Teekannen, Samoware und Stövchen hatten einfach keine Funktion mehr. CTC Assam braucht keine hohe Dauerhitze im Gegensatz zu o.g. chinesischen Tees, er brüht nur einmal auf, man kann ihn einfach im Gefäß behalten ohne dass es zu bitter wird und sein rauher intensiver Geschmack lässt sich wunderbar mit Milch, Zucker und allerlei Gebäck und Kuchen ergänzen.
      Man kann also sagen dass unsere moderne "westliche Teekultur" an sich ziemlich jung ist und fast komplett auf CTC Assam ausgerichtet ist. Sie lässt sich mit traditionellen europäischen Teekulturen kaum bis gar nicht vergleichen - anderer Tee mit komplett anderen Eigenschaften, andere Zubereitungsweise (Teebeutel, Teeeier, tea brewer, etc.) und eine völlig andere gesellschaftliche Stellung des Teetrinkens. CTC Assam wird heute von der Masse der Konsumenten als "der Tee" schlechthin verstanden und wird als Beiwerk zu Süßigkeiten, Gebäck und Kuchen gesehen und nicht als etwas Eigenständiges, deswegen kann man ihn mit chinesischen Tees nicht vergleichen. Er ist weder "besser" noch "schlechter" sondern ANDERS! CTC Assam tut das wofür er gezüchtet und hergestellt wurde, und das ist nun mal nicht die Gongfu Cha.
      Was ich hier vermitteln will ist, die gegenwärtige Welle von Interesse am chinesischen Tee und chinesischer Teekultur hat bereits einmal vor mehr als 300 Jahren stattgefunden! Das Resultat dieser Begegnung war die Formation der britischen, ostfriesischen und russischen Teekulturen, China war das einzige Vorbild. Die moderne "westliche CTC Assam - basierte Methode" hat mit all diesen historischen und modernen Vorlagen nahezu nichts gemeinsam. Von daher ist das ganze Gongfu Cha VS Westliche Methode eigentlich sinnfrei, denn hier werden förmlich Äpfel mit Kartoffeln verglichen! Die moderne westliche Teekultur ist weder "traditionell" noch "europäisch".
      Was ich übrigens faszinierend finde ist, je mehr man sich mit der chinesischen Teekultur beschäftigt, desto mehr entdeckt man über die eigene fast vergessene Teekultur, wie sie einmal bei den Briten, Russen und Deutschen herrschte.
      Das was wir als Teefans heute tun, dürfe vor 200 bis 300 Jahren durchaus zur Normalität gehört zu haben



      Grüße, OstHesse
    • Von VanFersen
      Meileaf hat es und viele andere auch im Angebot - einige kennen es sicher, den Gongfu-Maker! Bin ich ein Fan davon? Persönlich = eher nicht. Vielmehr wäre es, als einfache Variante für unser Teehaus relevant für die Kundschaft die es simpel und einfach mögen und nicht viel Tamtam um viele einzelne Elemente in der traditionellen Gongfu Variante. Mein Chef hat nun einige getestet, war aber von jenen die er bisher probierte nicht begeistert, was Qualität und Handling anbelangte.
      Es wäre sowohl für eine neuartige und leichte Handhabung direkt im Teehaus zum genießen gedacht, wie gesagt für jene die es eher schlicht und simpel haben wollen, wir aber dennoch den Gongfu-Weg unter das Volk bringen könnten und auch für zu Hause. Es wird beides geben, richtig Gongfu und Gongfu für Einsteiger.
      Aber welcher? Habt ihr gute Tipps oder Erfahrungen mit einem dieser Maker der wirklich gut war und seinen Zweck gut und lange erfüllt hat?
    • Von miig
      Hallo zusammen,
      man spricht so oft von "Gongfu-Tee" und ähnlichem. (Bitte sagt nicht, chinesische Teezeremonie...) Ich hab aber den Eindruck, dass das ein sehr unscharfer Begriff ist, dessen unterschiedliche Verwendung öfter mal Missverständnisse verursacht. Also würd ich mal herumfragen wollen, was ihr so darunter versteht.
      Ein Hinweis: Mir gehts weniger darum, die eine, wahre Definition zu finden, sondern eher, das Spektrum zu erfragen, zu sehen, was gehört definitiv dazu, was darf auf gar keinen Fall... es wird immer Abweichungen geben, das gehört dazu und macht auch viel des Spaßfaktors aus
      Achja: Gongfu Cha ist keine Teezeremonie (forumsinterner Link)
      Ich wollte mehr dazu schreiben, aber bevor der andere Thread zu voll wird, lasst uns an dieser Stelle hier über die Bedeutung von Gong Fu Cha sprechen
    • Von alexgrossmann
      Hi Leute! Ich bin relativ neu hier und blogge gelegentlich über Tee und wollte mit euch meinen letzten Eintrag teilen.
      Es geht um das Thema Teezubereitung im Gongfu-Stil. Dazu habe eine Infografik gebastelt (leider nur auf Englisch :/).
      Was haltet Ihr davon? Und wie läuft das bei euch ab?
      Hab die Info Grafik an den Forum Eintrag angehängt aber sollte das mit der Darstellung nicht so hin hauen hier nochmals der Link zum Blog Eintrag:
       
      LG
      Alex

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