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Am 21.1.2019 um 10:25 schrieb GoldenTurtle:

Aber ich habe gelernt, man soll die Menschen lieben und nicht die Dinge - Dinge geniessen ja, aber nicht das Herz daran hängen. Die Unersättlichkeit, immer noch mehr und noch mehr von etwas haben zu wollen ist ein starkes Anzeichen dafür, dass man diesbezüglich im Leben die Prioritäten falsch gesetzt hat. I

Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Das ist sowieso ein Thema, das mir auf der Seele brennt.

Für mich hat das Thema noch eine weitere, tiefere, eine Metaebene: Die Frage danach, wie ich wissen kann, wer ich bin. Ich habe bei mir festgestellt, dass ich mich eben vornehmlich durch das definieren will, was ich weiss (oder habe). Nicht durch das, was ich bin.

Für mich hängt das zusammen: Definiere ich mich durch das, was ich weiss, halte ich mich -quasi automatisch- an Dinge, und nicht an Menschen. Denn Dinge sind nur von meiner Interpretation abhängig und „wehren“ sich nicht gegen das, zu was ich sie bestimme. Und dann komme ich in einen Kreis, der sich paradox gegen mich wendet: Mein Herz hängt an den Dingen, die letztendlich mich definieren. Und damit hat nichts mehr Platz, nicht einmal mehr ich.

Denn wenn ich mich durch das Wissen definiere, dann bin ich beliebig austauschbar mit jemandem, der dieses Wissen auch hat. Und das bedeutet, dass ich eigentlich gar nicht hier bin.

Wie ist das denn bei Dir heute? Schaffst Du es, die Balance zu halten zwischen dem „Interesse daran haben“ an und „nicht das Herz daran hängen“?

Zu kompliziert? Weisst Du, was ich meine?

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vor 5 Stunden schrieb Mauritius:

Wie ist das denn bei Dir heute? Schaffst Du es, die Balance zu halten zwischen dem „Interesse daran haben“ an und „nicht das Herz daran hängen“?

Verblüffend, ich habe erst gestern oder vorgestern daran gedacht, dass ich dies heute nicht mehr so formulieren würde wie der Dalai Lama, denn ich denke heute Liebe zu allem (zu Menschen und zu Dingen) ist gut und schön und echtes Leben. Nur wird leider (wie ich dies auch viele Jahre lang tat) in den wohl allermeisten Fällen Liebe verwechselt mit einem Mix aus Begierde und emotioneller Abhängigkeit, eine gewisse Art von Flucht zu Menschen oder Dingen. Damit es keine solche falschen Abhängigkeiten gibt, um eine emotionelle Unabhängigkeit zu erlangen, braucht der Mensch aber meiner Ansicht nach ein tiefes Vertrauen für das Leben und für die Zukunft (ich möchte niemandem mehr etwas aufdrängen - jeder kann selbst herausfinden, wo er dies finden kann), aber vor der emotionellen Unabhängigkeit kommt gewiss, in diesem Vertrauen in inneren Frieden und innere Zufriedenheit eintauchen zu können.

Sofern ich es richtig verstehe, nennt Petrus nennt diesen "Zustand" Gottseeligkeit, ankommen, Frieden finden.

bearbeitet von GoldenTurtle

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vor 30 Minuten schrieb GoldenTurtle:

Sofern ich es richtig verstehe, nennt Petrus nennt diesen "Zustand" Gottseeligkeit, ankommen, Frieden finden.

Wenn ich Dich richtig verstehe, ist Deine Position holistischer geworden; Du schliesst nun viel mehr darin ein. Liebe ist also das ultimative Prinzip, Liebe zu allem, ob es Dinge sind oder Menschen. Der Boden für die Liebe ist dann eine Art Urvertrauen.  Dort, wo „echte“ Liebe fehlt ist Missbrauch von Emotion und Flucht zu den Dingen ausserhalb der Liebe.

Liebe verstehe ich so: Ich bin nicht, aber du bist.

Am Schluss (oder am Anfang!) ist die Frage also nur, ob all mein Denken und Handeln aus Liebe motiviert sind oder nicht. 
Wo bist Du mehr zuhause: Im Buddhismus oder im Christentum?

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Uff, wenn du so konkret fragst - ich habe meine Ohren offen, nicht zuletzt über den Tee hatte ich schon mit einigen Menschen aus unterschiedlichen Glaubensrichtungen tiefe, ehrliche Gespräche und finde z.B. Buddhismus und auch andere Religionen haben sehr gute Ziele; Dankbarkeit, Zufriedenheit, Liebe zum Leben, zu der Schöpfung, zu den Menschen - das ist das Ziel, damit stimme ich überein. Ich selbst bin aber zum Christentum zu zählen, denn ich glaube nicht, dass der Mensch das alleine erreichen kann, weil er in so vielen egoistischen Begierden und emotionellen Abhängigkeiten verstrickt ist, dass er so meiner Meinung nach gar nicht zu der echten Liebe zu allem gelangen kann. Meiner Meinung nach braucht es der Mensch, wenn er dereinst erkennt wie egoistisch und fern von echter Liebe er wirklich ist, genau so bei Jesus Annahme und Geborgenheit und Liebe zu finden, denn in Gott entspringt die echte, bedingungslose Liebe, nicht im Menschen. Eine Liebe die nicht bedingungslos ist, ist gar keine Liebe. Nebenbei passe ich aber keinesweg in eine typische christliche Kategorie - ich gehe seit ca. 12 Jahren nicht mehr in eine Kirche, weil ich fast all das was sich so etabliert hat, an einem Tag pro Woche in die Kirche gehen und zuhören was einseitig von einer Bühne gepredigt etc. so überhaupt nicht in der Bibel gelehrt sehe. Viel mehr ginge es um ein Miteinander und ein Füreinander, eine echte Familie. Dies nur um bruchstückhaft zu antworten um hier den Rahmen nicht zu sprengen. Wer sich tiefergehend dafür interessiert, mit am besten vertritt wohl Wayne Jacobsen von thegodjourney meine spritituellen Ansichten, er und seine teilweise sehr alten, erfahrenen Freunde sind mitunter schon Jahrzehnte weg vom institutionellen Christentum und gehen neue, freie Wege.

bearbeitet von GoldenTurtle

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Sehr gerne darf das Thema wieder auf nichtspirituelle Themen abwandern, aber wenn ich zuvor schon darüber geschrieben habe, möchte ich abschliessend zum vorherigen Beitrag gerne noch etwas betonen und ergänzen, was sich in Gesprächen mit Freunden unterschiedlicher Religionen und Glaubensrichtungen herausgestellt hat, dass alle, restlos alle folgendes falsches Grundverständnis vom Christentum gelehrt bekommen haben - der Freund mit dem ich den Matchadrink erfunden habe sagte mir bspw. mal, ich solle mich ruhig melden, wenn ich zur Askese Peitschenhiebe bräuchte um heiliger zu werden. 

Meiner heutigen Ansicht nach wird üblicherweise von den Kanzeln mehreres vom Allerwichtigsten 180° falsch herum gelehrt und letztlich konkret nur ein "nicht dürfen" und ein "müssen" aus dem Christentum gemacht. Aber beides ist absolut falsch. Erstens geht es im Christentum darum, das zu finden und frei zu leben, was man wirklich von tiefstem Herzen möchte (Hebräer 8:7-9, 1. Timotheus 1:5). Zweitens bemerkt man dabei aber immer mehr, wie oberflächlich und egoistisch man tatsächlich ist, man von Begierden getrieben das tut, was man eigentlich nicht wirklich möchte, das aber nicht lebt, was man eigentlich wirklich möchte. Aber jetzt kommts, an diesem Punkt wurde so viel schlechtes getan, indem man Gott als Polizisten darstellt, der die Menschen für das Gute belohnt und für das Schlechte bestraft, was in anderen Religionen z.B. Karma genannt wird. So war es auch im alten Testament, Segen und Fluch. Aber genau um da rauszukommen ist Jesus gekommen, hat allen Fluch auf sich genommen und den Segen verdient für die, die ihm vertrauen. Man muss sich nichts mehr Gutes verdienen, es ist alles Gnade, geschenkt. Also sagt er nicht; du tust das falsch und das und das und musst das und das tun. Nein, er nimmt den Menschen so an wie er ist, immer, und gibt Ihm was er wirklich braucht, und darin ist Verwandlung. Es geht dann nicht darum sich anzustrengen das Richtige zu tun, sondern zu finden was man zutiefst möchte. Und wenn man wieder Fehler macht, was dazugehört im Lernprozess, wird man wieder angenommen. Auch fehlerhaft kann man so Frieden und Geborgenheit finden. Was dann wohl irgendwann zu innerer Zufriedenheit und echter Liebe zum Leben und zu Menschen führen kann.

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Es kommt halt immer darauf an, wen man fragt. Der/die eine wird das eine für die richtige Betrachtungsweise oder Deutung halten, der/die andere etwas anderes. Nicht nur inter- sondern auch intrareligiös und -konfessionell.

Auch liegt es nicht nur an den Lehrenden, wenn es "Missverständnisse" gibt. Ich halte so ein Internetforum für eine ungeeignete Plattform für religiöse Diskussionen und will meine eigenen Ansichten gar nicht erst versuchen darzustellen. Aber ich kann von mir selbst sagen, dass ich vieles von dem was mir im Religionsunterricht, der Kirche oder im Philosophiestudium vermittelt wurde, nicht gleich "richtig" verstanden habe. Und wer weiß, ob ich es heute hab ;)

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Zitat

Sehr gerne darf das Thema wieder auf nichtspirituelle Themen abwandern, aber wenn ich zuvor schon darüber geschrieben habe, möchte ich abschliessend zum vorherigen Beitrag gerne noch etwas betonen und ergänzen, (...)

Vielen Dank für Deine interessanten Darstellungen. Das Topic bezieht sich ja auf Philosophie im Allgemeinen, wir machen hier genau das, deshalb gehört diese Diskussion auch hier hin.

Ich kann Vielem zustimmen, was Du schreibst.
Ich kenne Wayne Jacobsen nicht, werde mich aber definitiv mit ihm auseinandersetzen.

Du schreibst:

Zitat

Meiner heutigen Ansicht nach wird üblicherweise von den Kanzeln mehreres vom Allerwichtigsten 180° falsch herum gelehrt und letztlich konkret nur ein "nicht dürfen" und ein "müssen" aus dem Christentum gemacht. Aber beides ist absolut falsch. Erstens geht es im Christentum darum, das zu finden und frei zu leben, was man wirklich von tiefstem Herzen möchte (Hebräer 8:7-9, 1. Timotheus 1:5). Zweitens bemerkt man dabei aber immer mehr, wie oberflächlich und egoistisch man tatsächlich ist, man von Begierden getrieben das tut, was man eigentlich nicht wirklich möchte, das aber nicht lebt, was man eigentlich wirklich möchte.

 

Wenn ich den Römerbrief lese, und sehe, was andere Christen in der Vergangenheit dazu gesagt habe, sehe ich, dass es einen Unterschied gibt zwischen „Errettung“ auf der einen Seite und „Heilig werden“ auf der anderen Seite. Errettung ist kein Verdienst sondern aus Gnade allein geschenkt. Diese Gnade beinhaltet auch, dass der Christ ein neues Herz geschenkt bekommt (Hes 36,26). Im biblischen Sinne bezeichnet das Herz oftmals den Sitz des „Ichs“, also meiner eigenen Persönlichkeit, Emotionen, Willen etc.

Erst, wenn man dieses neue Herz geschenkt bekommen hat, kann man überhaupt sehen, wie selbstsüchtig mein „wirkliches Ich“ ist. Paulus ist recht klar darin zu zeigen, dass kein Mensch gut ist, ausserhalb von Gottes Gnade irgendetwas Gutes tun kann, oder gar Gott suchen will (Röm 1-3; Röm 8,8). Wir sind also von Natur aus gegen Gott gerichtet und wollen Ihn, der das summum bonum ist, nicht.

 Du schreibst weiter:

 

Zitat

Aber jetzt kommts, an diesem Punkt wurde so viel schlechtes getan, indem man Gott als Polizisten darstellt, der die Menschen für das Gute belohnt und für das Schlechte bestraft, was in anderen Religionen z.B. Karma genannt wird. So war es auch im alten Testament, Segen und Fluch. Aber genau um da rauszukommen ist Jesus gekommen, hat allen Fluch auf sich genommen und den Segen verdient für die, die ihm vertrauen. Man muss sich nichts mehr Gutes verdienen, es ist alles Gnade, geschenkt. Also sagt er nicht; du tust das falsch und das und das und musst das und das tun.

Gott ist auch gerecht. Gerecht heisst, dass er Sünde bestrafen muss. Wie Du richtig schreibst, hat Christus die Strafe stellvertretend auf sich genommen (2.Kor 5,21). Hier sehe ich auch einen grossen Unterschied zu allen anderen Religionen: Dort muss der Mensch Gott durch sein Tun versöhnen, hier versöhnt sich Gott mit dem Menschen selbst.

Müssen muss auch nicht das Gegenteil von Dürfen sein; Das Evangelium ist ein Befehl  (Matt 28,19). Aber ein Befehl nimmt nicht notwendigerweise etwas von der menschlichen Freiheit weg. Augustinus schreibt hier beispielsweise, dass wir frei sind das zu tun, was wir tun wollen. Und wenn Johannes in seinem ersten Brief schreibt: "Denn Gott lieben heißt nichts anderes als seine Gebote befolgen; und seine Gebote sind nicht schwer", hat dies alles mit dem neuen Herz zu tun. Die Frage ist also nicht in erster LInie, ob wir etwas tun müssen oder nicht, sondern viel mehr, ob wir es überhaupt wollen.

Das Wollen hat den Primat, nicht das Tun. Ich mache ein Beispiel: Nehmen wir an, es ist Wahltag. Am Wahlabend befindet sich jemand, der nicht gehen kann, er sitzt also im Rollstuhl. Es zur Abstimmung kommt: Jeder, der mit diesem Kandidaten einverstanden ist, soll sich erheben.
Die Frage ist nun nicht in erster Linie, ob der Lahme fähig ist, aufzustehen, sondern ob er überhaupt aufstehen will. Erst nachdem dieser Punkt geklärt ist kommt die Frage der Fähigkeit.

Noch ein Punkt: Die Summe des Gesetzes ist die Liebe (Matt 22,40). In anderen Worten: Wenn wir sagen, wir müssen lieben, verlangen wir, dass wir das Gesetz halten! 

Gedanken zum Wochenanfang :-)

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vor 29 Minuten schrieb Mauritius:

Das Topic bezieht sich ja auf Philosophie im Allgemeinen, wir machen hier genau das,

Nun ja - ich habe eher den Eindruck, das ist hier 'Theologie am Teetisch'. Nicht, dass ich mich deswegen beschweren möchte - nur dazu eine kleine Bitte @GoldenTurtle: lass 'karma' da raus, offensichtlich verstehst Du den Begriff nicht. Übrigens ein Begriff mit sehr komplexer Begriffsgeschichte - grundsätzlich wären da schon einmal die hinduistischen, die jainistischen und die buddhistischen hermeneutischen Traditionen (innerhalb deren man weiter differenzieren kann) zu unterscheiden. Was dann abendländische Esoteriker und sonstige Spinner in den letzten hundert Jahren noch daraus gemacht haben, kann man angesichts einer über zwei Jahrtausende alten Begriffsgeschichte in die Tonne treten. Auch sonst ist das hier artikulierte Verständnis von Buddhismus ... nun ja, ich sage mal ausbaufähig. Nicht, dass ich mich dazu anbieten würde, auch wenn ich mich für entsprechend qualifiziert halten würde bzw. meine Lehrer mich dafür halten. Ich sehe es jedoch ebenfalls eher so:

vor 16 Stunden schrieb nemo:

Ich halte so ein Internetforum für eine ungeeignete Plattform für religiöse Diskussionen und will meine eigenen Ansichten gar nicht erst versuchen darzustellen.

Nix für ungut ...

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bearbeitet von SoGen

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vor 7 Minuten schrieb SoGen:

Nun ja - ich habe eher den Eindruck, das ist hier 'Theologie am Teetisch'. Nicht, dass ich mich deswegen beschweren möchte

Christliche Theologie ist christliche Philosophie. Es gibt keine klare Trennung zwischen den beiden und kann es nicht geben, weil die gesamte Epistemologie auf Gottes Offenbarung beruht. 
Mit dem Buddhismus kenne ich mich praktisch gar nicht aus, aber das war auch nicht das Thema.

Dir einen schönen Tag!

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Pfeiff, und ich dachte die Diskussion sei beendet. 😁

vor einer Stunde schrieb SoGen:

nur dazu eine kleine Bitte @GoldenTurtle: lass 'karma' da raus, offensichtlich verstehst Du den Begriff nicht.

Fühl dich ruhig frei den Begriff zu erläutern! 👍
Ein Austausch mit ganz unterschiedlichen Ansichten finde ich wertvoll!

Übrigens weiss ich nicht wer @Mauritius ist, kennen wir uns vielleicht von Teerunden bei Shuitang? Dort gab es einen damaligen Theologiestudenten aus Basel, den ich mal pauschal im Verdacht habe. 😁

Weshalb ich mich u.a. so ausschweifend über das Thema ausgelassen habe, ist weil so viele, insb. alte Leute die es so aufrichtig meinen, unter falscher Theologie regelrecht leiden.
Ein Teefreund (mit eher buddhistischem Hintergrund) erzählte mir neulich an einer Teerunde, wie viele seiner sehr alten Patienten wirkliche Angst hätten Gott nicht zu genügen.

Dabei wäre es genau umgekehrt - sie könnten mit ihrer Fehlerhaftigkeit Annahme und Frieden finden.

Paulus schreibt im 1. Korinther 6,12:
"Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich."

Es geht nicht darum für Gott gut zu sein, sondern Gott geht es darum, dass es den Menschen gut geht!
Aber irgendwann wurde begonnen das umzukehren und ein perverses Perfektions-Belohnungsspiel daraus zu machen. Aber mit dem (falschen) Verständnis eines harten, den Menschen mit Fehlern ablehnenden Gottes wird der Mensch nur noch schlechter, wenn er nicht weiss, dass Gott immer mit ihm ist und ihm sogar gut gesinnt ist, sogar während er Fehler macht.

vor 1 Stunde schrieb Mauritius:

Das Evangelium ist ein Befehl  (Matt 28,19).

Hier muss ich dir arg widersprechen, dies war nur der ausdrückliche Auftrag an die 11 Jünger!
Für alle Christen hingegen gilt nur folgendes Gebot: an Jesus zu glauben, ihm zu vertrauen und miteinander in Liebe zu leben (1. Joh. 3:23), und das reicht.
Wie z.B. The Message brillant im 1. Korinther 13 übersetzt; Liebe drängt nichts auf. Liebe scheint viel mehr (Joh. 13:34-35).

vor 1 Stunde schrieb Mauritius:

Noch ein Punkt: Die Summe des Gesetzes ist die Liebe (Matt 22,40). In anderen Worten: Wenn wir sagen, wir müssen lieben, verlangen wir, dass wir das Gesetz halten! 

Das ist genau der heikle Punkt, an dem man das Pferd verkehrt herum aufzäumen kann. Man ist ganz schnell wieder im Müssen ohne die stete, bedingungslose Annahme und darin zu lernen frei den schönen und guten Verlangen des eigenen Herzens gemütlich zu folgen.

bearbeitet von GoldenTurtle

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vor 2 Stunden schrieb Mauritius:

Christliche Theologie ist christliche Philosophie.

Eine etwas problematische Gleichsetzung - kein geringerer als ein gewisser Scha'ul aus Tarsos (aka Paulus) sah ja noch einen Gegensatz zwischen Philosophie (die zu seiner Zeit selbstredend keine "christliche" war) und Theologie - vgl. explizit Kolosser 2,6 - 10. Was dann christliche Philosophie genannt wurde, war nach derem Selbstverständnis eben nicht Theologie, sondern lediglich eine Hilfswissenschaft der Theologie, Petrus Damianis 'ancilla theologiae'. Wobei insbesondere Thomas von Aquin der Philosophie den Bereich natürlicher Vernunft zuweist, der Theologie hingegen den göttlicher Offenbarung. Zwar partizipiert das 'lumen naturale' der Vernunft am göttlichen lumen (ist ihm demgemäß nachgeordnet); nichtsdestotrotz gibt es eine eindeutige Unterscheidung zwischen lumen naturale und lumen fidei - entsprechend zwischen Philosophie und Theologie.

vor 2 Stunden schrieb Mauritius:

Es gibt keine klare Trennung zwischen den beiden und kann es nicht geben, weil die gesamte Epistemologie auf Gottes Offenbarung beruht.

Das ist schon extrem verkürzt, wobei ich Dir zugute halten will, dass Du vermutlich statt "gesamte" eigentlich "christliche" schreiben wolltest (oder "gesamte christliche Epistemologie"?). Selbstverständlich gibt es eine Epistemologie, die nicht auf göttlicher Offenbarung beruht; die gab es schon bei den Vorsokratikern und erst recht spätestens seit dem Empirismus, eigentlich schon seit Thomas Hobbes. Wobei am Rande angemerkt sei, dass Philosophie ja auch außerhalb des Abendlandes betrieben wurde ...

Auf den kürzesten Nenner gebracht ist der Unterschied zwischen beiden derselbe wie der zwischen Glaube und Vernunft - und spätestens seit der Aufklärung (insbesondere seit Kants Kritiken) hat man gelernt, zwischen beidem sauber zu trennen. Was nun nicht gegen die Möglichkeit einer "christlichen Philosophie" spricht - das liegt nun allerdings eher daran, dass es keine evidente Definition von Philosophie gibt. Zumindest ich halte es da mit Max Horkheimers Diktum in der 'Kritik der instrumentellen Vernunft': "Es gibt keine Definition der Philosophie. Ihre Definition ist identisch mit der expliziten Darstellung dessen, was sie zu sagen hat."

vor 2 Stunden schrieb Mauritius:

Mit dem Buddhismus kenne ich mich praktisch gar nicht aus, aber das war auch nicht das Thema.

Du selbst hat das Thema hier eingebracht. Zur Erinnerung:

Am 14.8.2020 um 15:55 schrieb Mauritius:

Wo bist Du mehr zuhause: Im Buddhismus oder im Christentum?

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vor 46 Minuten schrieb SoGen:

nichtsdestotrotz gibt es eine eindeutige Unterscheidung zwischen lumen naturale und lumen fidei - entsprechend zwischen Philosophie und Theologie.

Nur teilweise einverstanden. Paulus bezieht sich in der genannten Kolosserstelle auf die leere Philosophie der Menschen (wahrscheinlich Stoizismus und Epikureismus). Das widerspricht jedoch nicht meinem Punkt, dass es auch eine christliche Philosophie gibt.

Gilson und andere interpretieren Thomas anders. Auch war er nie der Meinung, dass es etwas zwei Wahrheiten gibt, sondern zwei Wege zur einen Wahrheit. Das haben auch die Nachreformatorischen Theologen gesehen: Ja, die Philosophie ist Magd der Theologie, das bestätige ich. Aber auch die Vernunft ist Teilbereich der natürlichen Selbstoffenbarung Gottes und damit im ultimativen Sinn Theologie. Deshalb gibt es auf dieser ultimativen Ebene keine Unterscheidung zwischen Philosophie und Theologie, nur eine temporale.
Thomas wird von der römischen Kirche bis heute so verstanden, wie Du beschreibst. Ich lehne diese Position jedoch ab.

Das gleiche gilt für jeden Fakt; Jeder Fakt ist von Gott vorinterpretiert, weil von Ihm erschaffen. Es gibt keine nackten Fakten und damit auch keine Vernunftautonomie des Menschen. Die Partizipation am "Licht der Vernunft" ist immer analog in dem Sinne, als sich die menschliche Erkenntnis der göttlichen nachgeschaltet ist. Das Ziel des Christs ist es aber die Gedanken Gottes auf kreatürliche Weise nachzudenken.

Eine Autonomie ist von Anfang an widerchristlich. Gott ist nicht der Schluss eines Syllogismus, sondern deren notwendige Voraussetzung, und zwar im metaphysischen, als auch im epistemologischen Sinne. (Im ethischen Sinne sowieso.)

Zitat

Das ist schon extrem verkürzt, wobei ich Dir zugute halten will, dass Du vermutlich statt "gesamte" eigentlich "christliche" schreiben wolltest (oder "gesamte christliche Epistemologie"?). Selbstverständlich gibt es eine Epistemologie, die nicht auf göttlicher Offenbarung beruht; die gab es schon bei den Vorsokratikern und erst recht spätestens seit dem Empirismus, eigentlich schon seit Thomas Hobbes. Wobei am Rande angemerkt sei, dass Philosophie ja auch außerhalb des Abendlandes betrieben wurde ...

Ja und nein. Es gibt eine "Pseudo"-nichtchristliche Philosophie. Aber wenn man davon ausgeht, dass das Christentum wahr ist (was ich tue), dann stehen diese Philosophie schon immer auf dem Boden der christlichen Weltanschauung und sind keine wirklichen Philosophien, sondern haben ihr Fundament schon immer auf dem christlichen Boden gehabt.

 

Zitat

Auf den kürzesten Nenner gebracht ist der Unterschied zwischen beiden derselbe wie der zwischen Glaube und Vernunft - und spätestens seit der Aufklärung (insbesondere seit Kants Kritiken) hat man gelernt, zwischen beidem sauber zu trennen.

Bitte entschuldige mich an dieser Stelle: Diese Position der strikten Zweiteilung historisch aber auch philosophisch naiv. Kant hat seine ganz eigenen Probleme, und davon auszugehen, dass die Vernunft quasi völlig unangetastet von irgendwelchen Glaubenssätzen im luftleeren Raum hängt -wie es die Rationalisten tun- wurde immer und immer wieder als unmögiich qualifiziert (vgl. Wittgenstein, Polanyi, Rorty etc.).

Du selbst hat das Thema hier eingebracht. Zur Erinnerung:

Zitat

 

Am 14.8.2020 um 15:55 schrieb Mauritius:

Wo bist Du mehr zuhause: Im Buddhismus oder im Christentum?

 

Ich habe nur gefragt, zu welcher Position er sich mehr hingezogen fühlt. Ich habe das Thema des Buddhismus selbst nicht angeschnitten, auch kenne ich mich darin zu wenig aus.


Meine Worte sind mir beim ersten Lesen etwas harsch ausgefallen, ich hoffe, Du siehst das nicht als Angrif, sondern als Austausch unter Freunden.
Ich jedenfalls sehe es so und grüsse Dich entsprechend.

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Ich möchte um zum übergeordneten Thema zurückzukommen ein paar wichtige Worte sagen.

Ich finde jeder sollte am Teetisch einen Platz haben seine Meinung und Ansicht mit einbringen zu dürfen, solange nicht einer die Freiheit des anderen (oder sonstwas) zu beschneiden versucht. Für die einen ist Philosophie untrennbar mit Religion verbunden, für andere ist Religion etwas abstraktes, woraus sie lediglich philosophische Lebensregeln oder Lebensweisheiten herauslesen. Engstirnigkeit und Restriktion finde ich im gegenseitigen Umgang aber ein grosses Übel (egal welche Seite wen unterdrückt), was auch die Geschichte zeigt. Ich war an wortwörtlich hunderten Teerunden und da waren teilweise Menschen dabei von unterschiedlichsten Glaubensrichtungen, von Atheisten über Moslems, Juden, Buddhisten, Hindus, Schamanen, Geistheiler, kleine Sondergruppen und Christen mit ebenfalls sehr unterschiedlichen Ansichten untereinander ... und dann gibt es diesen Spruch japanischer Herkunft: Über einer Schale Tee treffen sich die Kulturen - was mir in den vergangenen Jahren sehr stark an Bedeutung gewonnen hat, denn der friedliche, ehrliche, menschliche, offene Austausch miteinander halte ich für etwas vom Wichtigsten was die Menschheit überhaupt braucht. Denn nur in zwischenmenschlicher Distanz und Isolation entsteht Hass und daraus Gewalt zwischen Religionen und Kulturen. Aber genau mit einer gemeinsamen Tasse Tee hat man einen gemeinsamen, menschlichen Nenner, auf der man mit einer toleranten Haltung wunderbar aufbauen und gemeinsam eine Teerunde geniessen kann (es macht Spass sich so auszutauschen). Ich bin folglich sehr dafür, in der Teekultur die gegenseitige Toleranz noch bewusster zu fördern. Ich finde es sehr wichtig, dass wir Menschen es schaffen wegzukommen vom "ich habe recht" und "ich muss die anderen überzeugen" ... das Leben von jedem ist doch sein eigenes Bier, jeder soll frei seinen Ansichten folgen dürfen, so lange er andere damit nicht stört, aber mit dieser Haltung dann einen offenen, ehrlichen und menschlichen Austausch zwischen Religionen und Kulturen halte ich für sehr wertvoll und wichtig für die Zukunft.

bearbeitet von GoldenTurtle

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Ich denke, es ist wichtig, dass man gewillt ist, anderen überhaupt zuzuhören.

Aber: 

Zitat

Ich finde es sehr wichtig, dass wir Menschen es schaffen wegzukommen vom "ich habe recht"

Das muss aber auch gleicherlei für die Position gelten, die Du gerade hier vertreten hast! Wenn nicht, ist die Position selbstwidersprüchlich. Ich stimme Dir also zu, aber einen Relativismus, im Sinne von: "Alle haben recht oder keiner, wer weiss" lehne ich ab. Und muss es auch ablehnen, 

 

bearbeitet von Mauritius

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vor 3 Minuten schrieb Mauritius:

Ich denke, es ist wichtig, dass man gewillt ist, anderen überhaupt zuzuhören.

Absolut, aber es ist doch was schönes, wenn man wirklich ehrlich miteinander ist und z.B. Schwächen zugibt oder Dinge, die für einen keinen Sinn machen etc.

vor 4 Minuten schrieb Mauritius:

Wenn nicht, ist die Position selbstwidersprüchlich.

Ja, für sich selbst anerkennt man gewisses selbstverständlich als richtig oder falsch, wegkommen aber davon dies auf andere zu implizieren, dass andere dies oder das auch so tun oder glauben müssten. Das ist eine falsche Verantwortung, die leider auch sehr gerne gelehrt wurde. Aber das Leben der Anderen ist ihr eigenes Bier. Dennoch ist ein offener, ehrlicher Austausch der eigenen Ansicht etwas gutes, gerade der Austausch mit Menschen anderer Religionen hat mir selbst schon echt geholfen, gewisse eigene verschrobene Blickwinkel und Fehlinterpretationen zu korrigieren.

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