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Nach längerer Zeit wollte ich mal wieder etwas zu einem Tee schreiben, den ich gerade trinke. Allerdings nicht wie oft üblich im Thema "Welcher Tee ist heute in meiner Tasse", da ich auf der einen Seite finde, dass manche Tees eben auch eines eigenen Themas würdig sind, auf der anderen Seite gehen Posts im erwähnten Thema eben schnell unter und es entstehen nur noch selten eine wirkliche Diskussion oder Unterhaltung über den Tee oder das, was ihn besonders macht.

Heute habe ich einen ganz speziellen Gyokuro getrunken, welcher sehr naturbelassen produziert wurde. Den Kamo Native Natural Gyokuro von "The Tea Crane":

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Der Bauer (Yamazaki Tokuya) macht für seine Teepflanzen einen eigenen organischen Dünger aus Verschnitt der eigenen Felder und macht ansonsten nicht viel mit den Pflanzen. Auch bei der weiteren Verarbeitung wird eher wenig aussortiert, sodass der Tee optisch sehr grob wirkt. Stängel sind zahlreich vertreten, kleine Knäuele aus kleinen Teeteilchen etc:

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Auch geschmacklich gefällt mir der Tee besonders. Das für Gyokuro typische ausgeprägte Umami ist hier, wohl aufgrund des Anbaus eher verhalten, jedoch merkt man dem Tee schon seinen Gyokuro-Charakter an.

Dafür hat er eine ausgeprägte Süße, ein samtiges, wenn auch nicht sehr öliges Mundgefühl. Dabei entwickelt er eine angenehme Zitrusnote mit einem langen Nachgeschmack. Auch hat er ein ausgeprägtes "Oika", zu dem mir grade aber die Worte für eine sinnvolle Übersetzung fehlen (erbitte untertänigst um Hilfe 😔).

Hier noch ein paar Bilder:

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Insgesamt ein Tee, der auf verschiedene Weisen besonders ist und mir gut gefällt. 😊

Hat von euch schon jemand Erfahrungen mit ähnlich produzierten Japantees oder oder vielleicht sogar mit diesem speziellen Tee gemacht? Was haltet ihr, nicht nur ökologisch betrachtet, sondern eben auch aus Genießer-Sicht davon?

Und hat eventuell sonst auch schon jemand bei Tea Crane bestellt? Ich kenne den Shop über einen Tee-Freund, der sich sehr für japanische Raritäten im Sinne von traditionellen und ortsspezifischen Verarbeitungen interessiert. Da hat der Shop eine Menge zu bieten, ansonsten habe ich das Gefühl, dass er recht unbekannt ist.

Ich hoffe der Post gefällt und lädt zur Unterhaltung ein. 😊

Liebe Grüße,

Felix 😉

 

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Danke für die Vorstellung. Scheint ein sehr interessanter Tee zu sein, in vielerlei Hinsicht. Einen vergleichbaren Gyokuro hatte ich noch nicht. Tea Crane ist mir zwar nicht völlig unbekannt, viel weiss ich allerdings nicht von und über ihn bzw. seinen Shop. Ich glaube ich habe ihn immer mit dem Schweden verwechselt, der ein ähnliches Businesskonzept hat. 😅

@cml93 hat einen von der Philosophie her ähnlichen Gyokuro aus seinem Angebot vor nicht allzu langer Zeit hier im Forum vorgestellt. Bei dem wurde, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, auch nicht aussortiert. Er beinhaltet also ähnlich wie bei deinem das ganze Blatt und die Stengel. Ganz so "wild" sah er auf den Bildern aber nicht aus. 😉  

Ich mag mich täuschen, aber mir kommt es so vor, dass in den letzten Jahren mehr experimentiert wird, was die verschiedenen Verarbeitungsformen angeht. Aracha oder unsortierte Tees sind mir früher gefühlt nie über den Weg gelaufen. Das kann aber natürlich auch andere Gründe haben. 😉 Ich finde es bereichernd, dass es solche Tees gibt. Das meine ich mehr aus Geniesser-Sicht. Im Endeffekt können einen auch Tees "weiterbringen" die einem vielleicht nicht so zusagen, wenn man das warum an bestimmten Merkmalen festmachen kann. Ich habe mir z.B. mal einen Sencha mit extra starkem hi-ire (hi-ka) besorgt. War nicht mein Fall , aber ich weiss woran es gelegen hat, und das hilft bei der Auswahl zukünftiger Tees. Der ökologische Aspekt ist für mich in seiner Gesamtheit da schon schwieriger zu betrachten. Bio ist für mich bei Japantees ein Plus, aber keine Grundvorraussetzung, gerade bei Gyokuro. Hoffentlich war das jetzt kein Stich ins Wespennest. 😅 

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Am 9.4.2020 um 19:58 schrieb Teelix:

Hat von euch schon jemand Erfahrungen mit ähnlich produzierten Japantees oder oder vielleicht sogar mit diesem speziellen Tee gemacht?

Ich kenne nur die Dento Hon Gyokuro aus Yame. Die gehen ja auch in diese Richtung und werden zudem von Hand geerntet.

Tyas ist ein interessanter Typ und es lohnt sich auf jeden Fall seinen Werdegang (und seine Tees) zu verfolgen.

Am 13.4.2020 um 05:24 schrieb seika:

Ich glaube ich habe ihn immer mit dem Schweden verwechselt, der ein ähnliches Businesskonzept hat. 😅

Meinst du evtl. Oscar Brekel? Der hat immerhin ein sehr interessantes und gut strukturiertes Buch über japanischen Tee geschrieben.

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Am 9.4.2020 um 19:58 schrieb Teelix:

speziellen Gyokuro ... welcher sehr naturbelassen produziert wurde.

Gut, was passiert beim naturbelassenen Pflanzenwachstum:

Vorteil: eine natürliche Ertragsreduktion und dadurch eine Steigerung der Aromatik (vergleichbar zur Weinproduktion, wo dies sehr häufig sogar noch von Hand gefördert wird, weil man gelernt hat, dass ein weniger an Menge ein mehr an Aromatik bedeutet, weil so mehr Kraft und Leben von der Pflanze in die verbleibenden Beeren geht [allerdings hat man in der Weinwelt auch eher die Problematik der Überproduktion, weshalb dies auch globalökonomisch gesehen relativ gelegen kommt]).

Nachteil: weniger Ernte, aber falls dennoch überpflückt wird (insb. punkto Häufigkeit): weniger Geschmack und immer schwächere und krankheitsanfälligere Pflanzen

D.h.: bei der naturbelassenen Produktion muss man sich mehr der Pflanze anpassen.
Um viel ernten zu können und damit es doch noch nach irgendwas schmeckt, wird, um beim Beispiel Japan zu bleiben, dort i.d.R. relativ viel Dünger verwendet.

Aber in der Teewelt ist dies auch noch eher die Regel, nicht zuletzt wegen des kurzzeitigen Egoismus-Denkens der Menschen.

Und da sind wir wiedermal beim üblichen Täter: das Klima - wenn alte Teebäume sterben, wer ist Schuld? Das Klima! Aber ist das wirklich so?
Was Sheng angeht wäre es bei alten Bäumen bspw. optimal nur eine Ernte pro Jahr, im Frühling, das wäre am gesündesten für die Bäume (abgesehen von gar keiner Ernte 😁).
Eine Herbsternte würde vielleicht auch noch drinnliegen, wenn es denn dabei bleiben würde.
Aber nein, im Sommer müssen sie dann auch noch eine spotbillige Sommerernte machen und daraus Weisstee oder Rottee produzieren - dafür bekommen sie eigentlich so wenig, aber es ist Gift für die Bäume. Ah ja, und bei einer Ernte im Frühling bleibt es meistens auch nicht. Bei den alten Bäumen sollte hier ein besonderer Fokus darauf sein, dass man Sommerernten keinesfalls unterstützt (alles was billig ist hat einen Haken für irgendwen), optimalerweise auch Herbsternten nicht, weil die alten Bäume kann man nicht durch neue ersetzen. In Sri Lanka habe ich bspw. mal von einer durchschnittlichen Zahl von 20 Jahren gehört, dass, nachdem sie die Teepflanzen mit sehr viel Dünger und wesentlichem Überernten so sehr ausgebeutet haben, sie nach dieser Zeit bereits die Teepflanze ersetzen müssen, weil sich der Ertrag so sehr zu reduzieren beginnt.

Euer Kaufverhalten bestimmt die Produktion der Zukunft.

bearbeitet von GoldenTurtle

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vor 58 Minuten schrieb GoldenTurtle:

Nachteil: weniger Ernte, aber falls dennoch überpflückt wird (insb. punkto Häufigkeit): weniger Geschmack und immer schwächere und krankheitsanfälligere Pflanzen

Sehe hier das Problem der Überpflückung nicht. Die Teebüsche werden bei konventionellem Anbau sowieso getrimmt.

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vor 1 Stunde schrieb Diz:

Meinst du evtl. Oscar Brekel? Der hat immerhin ein sehr interessantes und gut strukturiertes Buch über japanischen Tee geschrieben.

Genau den meinte ich. Hatte auch eine Fernsehsendung auf NHK. Der Posterboy der japanischen Teebranche quasi.😜

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Habe ihn Dank einer Probe von @Teelix gerade in der Houhin.

Wirklich ein interessanter Tee. Eher dezentes Umami, aber dennoch vorhanden. Die Süße kommt schön im Nachhall. Vordergründig bringt er grasig-spinatige Aromen, die mir sehr gut gefallen. 

Da der Tee einen anderen Weg geht als bei Gyokuro üblich, habe ich auch eine höhere Wassertemperatur gewählt, welche dem Tee gut zu Gesicht steht.

Der Gesamteindruck ist sehr positiv, auch wenn er mit klassischen Gyokuros aus dieser Region eher weniger zu vergleichen ist.

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1/2 offtopic Nachtrag zu meinem vorherigen Beitrag in diesem Thema (aber ganz offtopic ist es eben nicht):

Scott hat in den vergangenen 2, 3 Tagen seine ersten 2020 gepressten Pu's rausgebracht (wohlgemerkt solche mit Material noch nicht von diesem Jahr, sondern mit gelagertem Maocha) ... u.a. diesen ... und da stellt sich mir die Frage ob er hier mitliest, denn sowas hat er vorher noch nie dass ich es je gesehen hätte betont:

"Tea is harvested only twice a year, not 4 times a year like in many places. This gives the tea more strength, body, aroma and cha qi!"

bearbeitet von GoldenTurtle

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Am 9.4.2020 um 19:58 schrieb Teelix:

Den Kamo Native Natural Gyokuro von "The Tea Crane":

Die Farbe des Aufgusses auf deinen Fotos und die Philosophie hinter dem Produkt hat mich dazu bewogen den jetzt auch zu bestellen. Ist vielleicht zwar nicht grad die Zeit um Gyokuro zu bestellen, aber das 30g Paket wird schon einen guten ersten eindruck vermitteln. Wenn er schmeckt wie er aussieht, dann freue ich mich auf die 2020er Ernte!!

Ich werde jedenfalls berichten :)

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Am 2.6.2020 um 14:47 schrieb Mr. Tee:

Den Kamo Native Natural Gyokuro von "The Tea Crane":

Und in der tat: Mich nun selbst in meinem Zitat zitierend, komme ich nicht umhin mich in Lobpreisungen bezüglich dieses Tees zu ergehen:

Ich habe selten einen so blumigen, fruchtigen und leichten, dabei trotzdem vollmundigen Tee getrunken! Der ist wirklich edel und hat mit seiner Kiwi/Erdbeer süße mein Herz erobert! Vor allem, dass man einem solchen Tee selbst mit viel Mühe keine Bitterkeit entlocken kann ist schon speziell... Der Hersteller empfielt für den 3. Aufguss 98° / 1min und das Ergebniss ist nachwievor von eleganter Fruchtigkeit und Leichtigkeit geprägt! Hervorragend ! 

+ 3. und 4. Aufguss kommt noch Blaubeere mit ins Spiel 😅 ich bin ein bisschen verzückt grade !

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      Bereits der erste Augenschein auf den Tee verrät, wie der Silbernadeltee zu seinem wunderschönen Namen gekommen ist. Die Teeblätter sind etwas größer und an der Rückseite von feinem Silberflaum überzogen. Auch dieser Tee hat eine besondere kulturelle Bedeutung; so sagt man ihm nach, dass er der Legende nach einst in der Trinkschale des Kaisers Cheng Nung entstanden ist, als dieser sich unter einem Teestrauch niedergelassen hat.

      Weißer Tee

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      Kostbar und geheimnisvoll!

      Überall auf der Welt gilt weißer Tee als die exklusivste Tee-Sorte überhaupt. Ins Deutsche übersetzt bedeutet sein Name etwa „Weiße Pfingstrose“, „Wassergeist“ oder „Silbernadel“. Baihao Yinzhen heißt „die Weißhaar-Silbernadel“, welche als weißer Tee in den Da-Bai-Gärten von Zhenghe und Fuding im Norden der Provinz Fujian geerntet wird. Als eine der besten, teuersten und rarsten Teepflanzen wurde der Silbernadeltee in früheren Zeiten sogar mit Gold aufgewogen.

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      (Doch weiß niemand genau, welche besonderen Vorsichtsmaßnahmen in der heutigen Zeit ergriffen werden, um das faszinierende, an Orchideen erinnernde Aroma der Silbernadeln zu bewahren. Teekenner jedenfalls lieben diesen himmlischen Duft) 😊

      Was den Silbernadeltee zudem noch rarer macht: Er wird bloß zweimal im Jahr geerntet – und dann auch nur an zwei Tagen, die zuvor sorgfältig geplant werden. Ist es an jenen Tagen entgegen der Wetterprognose windig oder regnerisch, verzichtet man lieber auf die Ernte…

      Silbernadeltee in der Kultur

      Der kostbare Silbernadeltee ist Bestandteil vieler Zeremonien der traditionellen chinesischen Teekultur, die über viele Jahrhunderte gewachsen ist. „Gong Fu Cha“ gilt als bekannteste chinesische Teezeremonie, ihr Ritus hat schon lange einen festen Platz in Chinas faszinierender Teekultur.

      Gong Fu Cha  beschreibt die besondere Perfektion, die man nur durch Erfahrung und besondere Übung erreichen kann. Im Zentrum steht dabei das stetige Bemühen des Teemeisters, den perfekten Tee zuzubereiten, was zum einen handwerkliches Geschick und zum anderen die richtige meditative Verfassung braucht. (Wenn Sie einen Besuch in China planen, nehmen Sie unbedingt an einer unvergesslichen klassischen Teezeremonie teil.)

      Mehrere Aufgüsse

      Bei Gong Fu Cha wird der Tee in mehreren Aufgüssen getrunken. Beim ersten Aufguss sollen sich zunächst die Knospen öffnen - vorab wird der betörend schöne Duft genossen, darum wird der Tee zur ersten Einstimmung direkt in die Schalen eingeschenkt. In China nennt man dies  den „Aufguss des guten Duftes“. Anschließend folgt der „Aufguss des guten Geschmacks“ – und jetzt, beim zweiten Aufguss, können sich die Aromen so richtig entfalten!

      Poetisch bezeichnet man die weiteren Aufgüsse des Tees als „Aufguss der sehr langen Freundschaft“, denn solange man den Tee immer wieder aufgießt, ist man ihm symbolisch freundschaftlich zugewandt. 😊 Mit jedem weiteren Aufguss muss der Tee jeweils zehn Sekunden länger ziehen, auf diese Weise schmeckt er immer wieder ein bisschen anders und man kann bald feststellen, wie mannigfaltig seine Geschmacksvariationen doch sind!

      Teezeremonie

      Wer eine Teezeremonie mit Silbernadeltee begehen möchte, geht dabei wie folgt vor: Zunächst werden die Teegefäße/Teekanne erwärmt. Im nächsten Schritt werden Gefäß oder  Kanne mit etwas frisch aufgebrühtem Wasser gefüllt und der Silbernadeltee hineingegeben. Mit heißem Wasser auffüllen, den Duft wahrnehmen – und das Wasser wieder abgießen.

      Nun einen zweiten Aufguss mit 70-80 Grad heißen Wasser vornehmen, und (je nach Geschmack) 3-5 Minuten ziehen lassen und durch ein Sieb kreisförmig in die Teeschale eingießen. Den Duft genießen, das Auge an der Farbe erfreuen! Schließlich kann der Tee getrunken werden. Jeder weitere Aufguss sollte dann 10 Sekunden länger ziehen. Am Schluss dieser schönen Teezeremonie werden die gebrauchten Teeblätter schließlich in saubere Teeschalen gelegt und den Gästen als Geschenk und Erinnerung überreicht. 😄🌿🍵

      Eine gepflegte Teezeremonie mit Silbernadeltee bietet uns in unserer heutigen schnelllebigen Zeit ein wunderschönes Ritual, um im Familien- oder Freundeskreis einmal so richtig abzuschalten und ein wenig „herunterzufahren“. 😊
       

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