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Wie kommt der grüne Tee aus Yunnan zu mir nach Hause?


Willy

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Hallo Leute,

Das ist mein erster Beitrag hier, weil ich noch nicht sehr lange Tee trinke. Ich habe nie gerne Tee getrunken, bis ich vor ca. einem Jahr zufällig einen grünen Tee getrunken habe der richtig zubereitet wurde (wasser mit 70°, nur eine paar Min. gezogen, offener Tee, usw.). Seit dem trinke ich 2-3 Liter täglich :)

Nun zu meiner Frage: Wie kommt mein lieblings Tee (grüner Tee aus Yunnan) von China bis zu mir nach Hause? Stecken da irgendwelche seelenlose Großkonzerne dahinter die den Markt unter sich aufteilen, den Preis festlegen, mit tausenden Lietern durch Chemie verseuchte Abwässer ganze Landstricht vergiften, die Arbeiter/Bauern in so eine Art moderne Sklaverei drängen und somit humanitäre und ökologische Katastophen anrichten? Oder ist es tatsächlich so wie es z.B. in der Dokumentation "Auf der legendären Teeroute" dargestellt wird? Mit kleinen Familienbetrieben die auf ihrem eigenen Land nach überlieferter Tradition Tee anbauen und mit der Hand pflücken, in kleinen Dörfern den Tee selbst verarbeiten und auf so einer Art Bauernmarkt verkaufen? Und wenn dem so wäre, hat der kleine Teeladen bei mir um die Ecke seinen eigenen Einkäufer, der in Yunnan die Bauernmärkte abklappert und nach dem besten Tee sucht um den dann zu kaufen? Wenn ich z.B. bei einem Teeladen in München einen grünen Tee aus Yunnan kaufen ist das dann der selbe wie der den ich in z. B. Berlin bekommen würde, weil alle Tees vom gleichen Zwischenhändler kommen, oder bezieht jeder Teeladen seinen Tee von einem anderen kleinen Zwischenhändler, die ihre Tees alle aus einer etwas anderen Region in Yunnan bekommen?

Ich habe dazu schon etwas gegoogelt, aber bisher noch nicht viele zuverlässige Informationen gefunden. Weiß jemand genaueres?

MfG

Willy

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gibt beide varianten, aber beide sind (wahrscheinlich gewollt) übertrieben.

verdienen tun die teebauern nicht grade massig, aber es reicht zum leben in diesen landstrichen.

gero kann dazu eventuell mehr sagen wie es bei TG abläuft (oder ablaufen sollte).

kleine teeshops können keine leute da hin schicken, die ökologisch nachhaltige anbauweise, faire löhne oder dergleichen überprüfen. was billig und gewisse mindeststandards erfüllt ist gut. teuer will niemand (okay kleine gruppe idealisten vielleicht, die bei solchen teefanatikern, wie wir es sind breiter gestreut sind).

aber wie bei allem auch ist auch da viel gewolltes image dabei, denke aber, das es da auch einen knallharten preiskampf gibt, grade bei x-beliebigen teesorten, also nicht grade der teebauer, der seine plantage am xihu hat.

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Herzlich willkommen Willy!

Ich habe zu diesem Thema nur unzureichende Informationen (basieren auf einem Gespräch mit einem Teehändler, der auch Tee importiert), aber sicherlich ist die Vorstellung, wie sie in der Doku beschrieben wird, ein bisschen sehr romantisch, auch wenn das nicht bedeuten muss, dass es das nicht gibt.

In Deutschland gibt es ja mehrere Importeure und Großhändler, die große Mengen einkaufen und die dazu gehörige Qualitätskontrolle durchführen, wozu sicherlich auch eine Inspektion vor Ort gehört. Zumindest kann man das aus den Berichten von TeeGschwendner entnehmen, woraus man schließen kann, dass dieser Aufwand auch von anderen Importeuren betrieben wird.

Die Ware eines Großhändlers kann theoretisch jeder Teehändler kaufen, daher ist es möglich und auch häufig der Fall, dass bestimmte Tees von verschiedenen Händlern angeboten werden, manchmal sogar unter anderen Bezeichnungen. Da ein Großhändler also kleine Händler versorgt, kauft er sicher den Tee nicht auf kleinen Märkten, sondern schließt Verträge mit Bauern und kauft ihnen große Mengen ab. Bei Raritäten hingegen kann das auch anders ablaufen, weil die Menge begrenzt ist und die Nachfrage kleiner ausfällt.

Wie der Tee angebaut wird, ist nicht so einfach zu erfahren. Es gibt aber Importeure, die sehr auf Nachhaltigkeit setzen. Bezüglich der Rückstände ist Deutschland sehr streng, daher kannst Du Deinen Tee beruhigt trinken. Ob die Bauern ausgebeutet werden, ist wiederum eine andere Frage, die man aus der Ferne schlecht prüfen kann. Der Preis ist sicherlich ein Indikator. Wenn ein Tee verdächtig günstig ist, dann wird auch der Bauer nicht viel davon haben.

Vielleicht schreiben ja noch andere und besser informierte User etwas dazu. Chenshi hat ja nun auch schon etwas dazu geschrieben.

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Ein sehr interessantes Thema. Mein Bild der kleinen Teegeschäfte ist, dass die ihren Tee einfach bei irgendeinem vermutlich Hamburger Teegroßhandelsunternehmen einkaufen und sich ihr eigenes Sortiment dann aus irgendwelchen Produktkatalogen zusammensuchen. Deswegen habe ich mir auch schon immer die Frage gestellt, wie groß denn nun die Chance ist, bei zwei unterschiedlichen Teehändlern aufgrund dieser Dynamik dann doch den gleichen Tee bekommen zu haben. Bei den riesigen Mengen, die importiert werden, halte ich die Chance aber dann doch für sehr gering. Aber Allgemein stört es mich schon, dass die meisten Teehändler keinen großen Wert auf Transparenz legen, man hat eigentlich nie das Gefühl, zu Wissen, was sich da eigentlich in der Tasse befindet.

Was mich aber insbesondere auch interessiert ist die angesprochene ökologische und humanitäre Komponente. Natürlich weiß man es nie genau, aber kann an sich gewissener Richtlinien bedienen, wie zum beispiel das Herkunftsland? Ich zum Beispiel fühle mich bei japanischem Tee besser als bei sagen wir indischem Tee, weil in meinem Kopf im industrialisierten Japan niemand für den Tee ausgebeutet wird, während in Indien irgendwelche Frauen für einen Hungerslohn 10 Stunden täglich Tee pflücken. Ist an solchen Bildern etwas dran, oder ist das eher ein Klischee / ein Irrglauben?

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Bei Japan kann man davon ausgehen dass das ökologische und humanitaere stimmt, aus unserer Sicht wohlgemerkt. Indien hab ich kein Plan, nehme jetzt ein paar chinesische Zahlenbeispiele:

Städtische Mittelschicht verdient mind. 400 Euro Monat. Und kommt damit rel. gut aus. Gehn wir aufs Land reicht die Hälfte gut aus. Dann noch ein paar EUR abgezogen sind wir bei 150. Damit kann man keine großen Sprünge machen, am hungertuch nagt man nicht. Auto ist auch nicht drin aber LCD tv. In etwa vergleichbar mit 800-1000 Euro hierzulande.

Denke das ist halbwegs realistisch, bei Nachhaltigkeit kann ich nur spekulieren, aber nach unseren westl. Standards wird's zumeist nicht so dolle sein.

Wenn hier jmd noch konkrete fundierte Zahlen hat, bitte nicht zögern, ich schätze hier nur, für mich aber plausibel

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Auch da gibt es sicher beides. Ich meine mal gelesen zu haben, dass das Bio-Siegel auch humanitäre Faktoren abdeckt oder täusche ich mich? Außerdem habe ich gelesen, dass gerade in Indien die Tea Testates sehr gute Arbeitgeber sind, die außerdem noch Schulen und medizinische Versorgung anbieten, was in Indien verhältnismäßig gut ist.

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Yep, das vergisst man sehr schnell. Ist ein guter Punkt von Chris, den ich auch aus anderen Ländern kenne. In Polen, immerhin EU-Land, ist man glücklich über Arbeit, die hierzulande schon als Strafe angesehen werden würde. Nicht umsonst kommen die ganzen Saisonarbeiter aus Ost-Europa, um hier bei der Ernte zu helfen. Und die verdienen weit weniger als es der neue Mindestlohn vorschreiben soll. Bin mir nicht mal sicher, ob der auf die Saisonarbeiter überhaupt Anwendung findet, wenn er denn eingeführt wird. Was ich damit sagen wollte, ist, dass die Leute dort sicher eine andere Einstellung zu Arbeit haben, was nicht bedeutet, dass ich Ausbeutung (was es sicher auch gibt) gutheiße.

Übrigens ist auch in Japan nicht alles Gold was glänzt. Dort gibt es mittlerweile viele Leute die trotz Arbeit in ärmlichen Verhältnissen leben (working poor) trotz Überstunden. Und die Rente fällt nicht selten so gering aus, dass Rentner dazu gezwungen sind einer Teilzeitarbeit nachzugehen. Ein Fall ist mir besonders in Erinnerung geblieben als ich in Kyôto war. An einer Bushaltestelle in der Nähe einiger Touristenattraktionen stand ein älterer Herr, der nur dazu da war den Leuten zu sagen, wann der nächste Bus kommt, obwohl die Fahrpläne, wie an jeder anderen Haltestelle, aushingen. Es war gerade Anfang März und der Herr trug nur seine Uniform und keine Jacke. Uns allen war mit dicker Jacke schon kalt und man hat ihm angesehen, dass er das Zittern nicht unterdrücken konnte. Mir blutet noch heute das Herz, wenn ich daran denke. In meinen Augen war diese Arbeitsstelle eines Menschen nicht würdig, in Japan hingegen gehören auch solche Service-Tätigkeiten zum Alltag dazu und es wird häufig berichtet, dass die Menschen stolz sind einer bekannten Firma anzugehören und ihre Uniform tragen zu dürfen. Schwierig darüber zu urteilen. Aber ich schweife ab...

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Du musst auch sehen, dass jede Arbeit besser ist als keine. Hartz gibt's da nicht. Da muss man leider mit zweierlei Maß wiegen. Da geht's dann ums Überleben

Das ist mir klar. Darum bin ich auch grundsätzlich gegen Boykotte von solchen Dingen, ich sag mir dann immer "Hätten die Menschen die Möglichkeit auf einen besseren Job, dann würden sie diesen auch annehmen". Ist ja auch nicht so, dass ich keinerlei indischen Tee trinken würde oder so.

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Bei uns sieht das so aus, dass wir (Franchisegeber) direkt von den Erzeugern einkaufen, bei uns mischen/umpacken, an unsere Franchisepartner (die Einzelhändler) verkaufen und diese wiederum an die Endverbraucher verkaufen. Das ist eine relativ kurze Handelskette, wo wir sehr gut nachvollziehen können, woher unser Tee kommt.

Um zu dem hier angesprochenen China etwas zu sagen (wobei ich zu Japan und Darjeeling/Nepal mehr Infos habe), muss man feststellen, dass die Gruppe der Anbieter sehr heterogen ist.

Da gibt es z.B. ein Bio-Projekt in Wuyuan (Nähe Qimen und Huangshan, weiter im Landesinneren von der Drachenbrunnen-Stadt Hangzhou), wo mit Unterstützung der EU gezielt Bio-Teeanbau eingeführt wurde. Die Organisation auf chinesischer Seite ist ein guter Anprechpartner für das praktische Handling und für uns eine sehr transparente Quelle.

Viele Anbieter, die ihre Produkte an uns verkaufen wollen, betreiben Teefabriken und kaufen bei vielen kleinen Teebauern die Blätter an - oder mischen Tees, die sie von wieder anderen Anbietern eingekauft haben. Da weiß man schlimmstenfalls überhaupt nicht, wer wie welchen Tee angebaut hat - das ist uns dann i.d.R. zu heiß. Unter welchen Bedingungen haben die Bauern gearbeitet? Wieviel Chemie wurde eingesetzt?

In meinen Augen ist das wichtigste Stichwort hier: CSR (Corporate Social Responsibility).

Diese "soziale Verantwortung" der Unternehmen ist ein Aspekt, den inzwischen auch Stiftung Warentest und ander Qualitätsprüfer einbeziehen, wenn sie ein Testurteil über ein Produkt abgeben. Da kann sich ein Unternehmen, dass sich über viele Jahre einen Ruf aufgebaut hat, keinen Verriss leisten. Gerade Teetrinker sind typischerweise sehr bewusste Verbraucher, die sich gerne und genau informieren (zumindest die, die den Weg in ein Fachgeschäft finden).

Damit unsere Franchisepartner selbst erleben können, wie, wo und von wem der Tee angebaut wird, organisieren wir 2-3 Reisen pro Jahr in die Ursprungsgebiete. Es war eine Gruppe von ca. 20 Personen im Mai mit einem unserer Teataster in China (aber nicht Yunnan).  Nächstes Frühjahr reist eine Gruppe nach Nepal ... wenn alles läuft wie geplant, bin ich dabei.  ;D

Noch ein Nachtrag zu Indien: die meisten großen Teegärten in Darjeeling sind schon Bio-zertifiziert oder in der Zertifizierungsphase - das begrenzt schon mal die Pestizidmengen, mit denen die Arbeiter in Kontakt kommen können. Es gelten die Vorgaben der ILO (International Labour Organisation), die u.a. die wöchentliche Arbeitszeit begrenzen. Wir sehen uns bei Besuchen vopr Ort auch die Schulen und Krankenhäuser an, die es angegliedert an die Fabriken gibt - d.h. die Bildungs- und Gesundheitsversorgung ist auch gewährleistet. Und nochmal CSR: lange bevor das ein Thema war, haben wir darauf geachtet, dass die Menschen im Ursprung unter würdigen Bedingungen arbeiten. Das liegt zum einen in der Philosophie unseres Gründers ... zum anderen darin, dass wir selber gerne unseren Tee trinken. Aber der würde einem doch im Halse stecken bleiben, wenn man Kinderarbeit oder ähnliche Missstände befürchten müsste.

Genussvolle und ungetrübte Teestunden wünsche ich Euch!

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In Japan habe ich das auch sehr unterschiedlich erlebt.

Da gab es die "Glückspilze", die irgendwie einen guten Namen (geerbt) hatten und auf ihren 2-3 Hektar Tee angebaut haben, zur Erntezeit ihre Nachbarn und Familie zur Hilfe hatten und selber den Tee bis zum Endprodukt in eigener Fabrik verarbeiteten und teuer verkauften.

Dann gab es diejenigen (das waren in Shizuoka damals '98 recht viele), die sich genossenschaftlich organisiert hatten, ihre Teeblätter in die Genossenschaftsfabrik brachten und entsprechend ihres Anteils des Rohmaterials am Erlös des Arachacha-Verkaufs beteiligt waren. Das waren i.d.R. Menschen, die auch etwas Teeanbau betrieben, ihr Einkommen aber hauptsächlich aus anderen Quellen bezogen.

Und dann gab es noch diejenigen, die nach Ausscheiden aus dem normalen Berufsleben (z.T. Mitte/Ende 50) irgendetwas brauchten, um sich bis zum offiziellen Rentenbeginn über Wasser zu halten und sich dann mit dem Verkauf selbst geernteter Teeblätter versuchten. Da sah ich dann zum Teil Teefelder, die nur halb so groß waren wie ein Fußballfeld.

Zum Glück ist in Japan die Technik so vorangeschritten, dass man auch mit maschineller Ernte brauchbare Tees produzieren kann. Wirklich krumm gebuckelt hat sich also niemand ... zumindest nicht physisch.

Übrigens habe ich nirgendwo Schilder gesehen im Stil von: "Hier wächste der Tee von XYZ-en" - die großen Marken scheinen (aber das weiß ich nicht zu 100%) ihren Aracha bei diversen Bauern / Genossenschaften zu kaufen um dann ihren Tee daraus zu blenden.

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Übrigens habe ich nirgendwo Schilder gesehen im Stil von: "Hier wächste der Tee von XYZ-en" - die großen Marken scheinen (aber das weiß ich nicht zu 100%) ihren Aracha bei diversen Bauern / Genossenschaften zu kaufen um dann ihren Tee daraus zu blenden.

eine praktisch fertige ausarbeitung zu aracha hab ich ja in meinen unterlagen. ich zitier mal daraus:

dieser rohtee/aracha wird oft von kleineren teebauern produziert, und dann auf auktionen an die grossen firmen zur endverarbeitung und vermischung mit tees anderer gärten versteigert.

interessant dazu auch der folgende artikel:

http://www.teepod.de/aracha-japanischer-rohtee/

scheint also so zu sein, wie gero es vermutet. :)

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Wir waren diesen Sommer in China und haben Tee direkt bei den Teebauern eingekauft. Einer unserer chinesischen Teebauern (Zhejiang, nicht Yunnan) hat uns zu diesem Thema folgendes berichtet:

Bei Grüntees aus China gibt es zwei ganz grundsätzliche Qualitäten: die hochwertigen Frühlingspflückungen und die einfacheren Sommerpflückungen. Die Sommerpflückungen werden meist von großen Unternehmen oder Konzernen produziert. Für ihn ist dies unattraktiv, da er mit diesem Geschäft kein Geld verdienen würde. Er produziert nur Frühlingstees, die in China sehr teuer verkauft werden. Tee wird häufig an Freunde und Geschäftspartner verschenkt und dann sollten es möglichst die besten Qualitäten sein. Bietet ein Kunde zu niedrige Preise, bekommt er eben keinen Tee.

Seine Teegärten sind in einer abgelegenen, hügeligen Gegend, so dass eine maschinelle Ernte gar nicht möglich ist. Für ihn wird es zunehmend schwieriger Erntehelfer zu finden, da diese den weiten Anfahrtsweg scheuen und in den Industriebetrieben bequemer Geld verdienen können. Viele Dorfbewohner, die in den Städten arbeiten, kommen zur Teeernte gerne in ihre Heimat zurück und verbringen die 5-6 Wochen der Frühlingsernte mit ihren Familien. Die Löhne in Chinas Städten steigen stark an, er bekommt nur Erntehelfer wenn er einen attraktiven Lohn bietet.

Vom oben genannten Teehersteller haben wir auf unserer Website (siehe Profil) ein Video veröffentlicht.

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  • 1 Jahr später...

Wir waren diesen Sommer in China und haben Tee direkt bei den Teebauern eingekauft. Einer unserer chinesischen

Teebauern (Zhejiang, nicht Yunnan) hat uns zu diesem Thema folgendes berichtet:

Bei Grüntees aus China gibt es zwei ganz grundsätzliche Qualitäten: die hochwertigen Frühlingspflückungen und die einfacheren Sommerpflückungen. Die Sommerpflückungen werden meist von großen Unternehmen oder Konzernen produziert. Für ihn ist dies unattraktiv, da er mit diesem Geschäft kein Geld verdienen würde. Er produziert nur Frühlingstees, die in China sehr teuer verkauft werden. Tee wird häufig an Freunde und Geschäftspartner verschenkt und dann sollten es möglichst die besten Qualitäten sein. Bietet ein Kunde zu niedrige Preise, bekommt er eben keinen Tee.

Das kann ich bestätigen! Wenn man in China in einer Shopping-Mall in den Teeladen geht, sind die Regale voll von Geschenk-Sets. Hier wird teilweise gigantischer Aufwand betrieben. Ich habe mal einen Tee verkostet, der in einer handgefertigten Holz-Schatulle als Geschenk verkauft wurde, beides zusammen hätte mehrere hundert Euro gekostet. China konsumiert ja um die 90% seines Tees selbst im eigenen Land, und die wirklich guten Tees gehen bisher so gut wie gar nicht in den Export, weil die westlichen Großhändler so was niemals einkaufen würden. Das lohnt sich für die gar nicht bzw. ist nicht deren Zielgruppe. Es gibt aber inzwischen kleinere Bauern bzw. Fabriken, bei denen jemand Englisch spricht und die dann anfange, im Direktvertrieb auch wirklich exzellente Tees ins Ausland zu verkaufen. 

Problem dabei ist, dass jeder Tee aus China, der in Deutschland in den Handel kommen soll, vor der Verzollung im Labor getestet werden muss. Selbst wenn die Lieferung nur ein paar Kilo groß ist. Und so ein Labortest kostet dann ein paar hundert Euro, die auf den Einkauf- und Lieferpreis obendrauf kommen. Aus meiner Sicht erreichen diese Tests (die sicherlich gut gemeint sind) das genaue Gegenteil: Sie machen die qualitativ wirklich hochwertigen Tees in Deutschland unrentabel bzw. unbezahlbar, der Teetrinker hierzulande muss sich dann mit Massenware zufrieden geben. Wenn er sich damit nicht zufrieden geben will, muss er versuchen mittels anderer, möglicherweise riskanter Kanäle an seinen Super-Tee zu kommen. 

Bearbeitet von BuddhaTee
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