• Blogeinträge

    • Von Cel in Broken Pieces
         10
      Der Begriff Wabi Sabi ist einer der unfassbaren Begriffe für die es in unserer Sprache keine Umschreibung oder Übersetzung gibt. Nahezu alle japanischen ästhetischen Künste tragen den Kern des Wabi Sabi in sich. Als erstes bin ich mit dem Begriff in Berührung gekommen als mein Interesse an Bonsai erwachte, danach im Ikebana und letztlich im Bereich des Tee. Was macht aber Wabi Sabi so speziell. Um das zu beantworten müssen wir uns von manchen Blickwinkeln unserer eigenen Kultur lösen. Wabi Sabi ist so etwas wie der Kontrapunkt unseres Schönheitsideals. Vieles empfinden wir als ansprechend was dem Ideal der Perfektion sehr nahe geht. Im Bereich des Wabi Sabi sollte man sich davon lösen. Gerade der Fehler macht im Wabi Sabi die Schönheit aus. Die zerbrochene Schale die in mühevoller Kleinstarbeit mithilfe von Kintsugi neu zusammengefügt wurde. Die Hagi Keramik in Ihren sich verändernden Stadien. Die Patina auf einer wunderschönen Bonsaischale oder Teekanne. Der Riss im Holz. Die (mit Absicht) nicht perfekte Form japanischer Keramik. Wenn man seine Augen einmal dafür geöffnet kann man Anklänge fast überall dafür finden. Es gibt ein paar Richtlinien die die Grundzüge dieses Ideals bilden, wobei das Wort Ideal Wabi Sabi abwertet. Zwei Punkte treten als Kernpunkte hervor auf denen sich das ganze Aufbaut. Natürliche Materialien auf der einen Seite, die Zeit auf der anderen. Auch in unserer Kultur findet man Anklänge davon, z. B. bei den Liebhabern von Antiquitäten. Ein Objekt wird nicht trotz seiner Fehler wahrgenommen, sondern aufgrund eben dieser. Bei den natürlichen Materialien gibt es wiederum einige beliebtere. Dunkle Braun- und Erdtöne sind z.B. beliebter als Rottöne. Hier findet man auch eine Analogie zur Yixing Keramik. In früheren Zeiten waren die braunen Kannen beliebter als die roten, wovon viele nach Europa verkauft wurden. Heute wird der rote Ton wegen seiner Vorzüge jedoch mehr geschätzt, was wiederum nicht die braune Keramik abwertet, sondern diese einfach anders ist. Holz und Stein sind auch zwei sehr beliebte Materialien, Metall ebenso. Was hat es aber mit der Zeit auf der anderen Seite zu tun. Wichtig ist, das sich das Material mit der Zeit verändert, an Reife gewinnt. Viele aus unserem Kulturkreis würden die Zeit am liebsten stoppen und einfrieren damit sich nur nichts verändern kann. Die Zeit sollte man loslassen können um die tiefe von Wabi Sabi zu begreifen. Hier spielt viel die Lehre des Zen und daoistischen Leitbildern hinein. Soweit diese beiden teils auseinander liegen, so eng sind sie miteinander verknüpft. Ein Objekt, Lebewesen, alles, beinhaltet von Anfang an was es war, was es ist und werden wird. Es gibt keine Trennung von all dem. Nur den Moment, das hier und jetzt. Doch trägt es seine Vergangenheit stolz in sich, zeigt es durch seine Veränderung (Patina, Risse, Sprünge, Reperaturen), seine Zukunft ist auch schon da, nur nicht sichtbar. Ein Objekt das in Stillstand ruht kann nie die Ehrwürdigkeit von Wabi Sabi in sich tragen, weshalb Aluminium zum Beispiel nie verwendet wird. Wenn ich jetzt von Fehler spreche ist es kein Fehler im Sinne dessen, sondern soll der Perfektion widersprechen. Ein altes japanisches Sprichwort sagt: "Perfektion ist den Göttern vorbehalten" Und jetzt wird es erst richtig kompliziert. Japanische Keramik ist beliebter wenn es Wabi Sabi in sich trägt und kann Preise erreichen die für einen kleinen Guinomi (Sakeschale) schier unglaublich sind. Doch weshalb ist das so? Es ist der Geist der in allem steckt. Es wird davon gesprochen das man nur mit dem richtigen Geist (Zen) ein "vollendetes" Werk erschaffen kann. Diese Vollendung ist nicht die der westlichen Welt. Das Objekt ist so fehlerbehaftet das sich der Geist nicht daran stoßen kann. Man muss über das Objekt meditieren können um im Geiste die Form zu vollenden. Ein Fehler ist dafür da, das er da ist und nicht das er kaschiert wird. Jedoch dürfen diese Fehler nicht die Absicht sein, sondern "passieren". Hier wird hoffe ich der schwere Aspekt in der Keramik sichtbar. Der Fehler in einer Keramik soll natürlich sein und sich in die Gestaltung einfügen. Damit das Ganze noch komplizierter wird ist die Form des Objektes wichtiger als das Objekt an sich. Auch wenn das Objekt schon lange verschwunden ist (z.B. ein Baum, die zerbrochene Schale, die Bambusvase), lebt die Form ewig weiter. Hier spielen religiöse und philosophische Aspekte hinein, die in der westlichen Welt undenkbar sind. Die Zeit ist der wichtige Faktor des Wabi Sabi. Stillstand ist der Tod, Veränderung zeigt uns, das die Welt doch immer gleich bleibt. Wenn man vor dem Spiegel steht und sich über neue Falten freuen kann, wenn etwas geliebtes zerbricht und man Lächeln kann, dann kann man Wabi Sabi sehen. Zum Ende bleibt noch immer die Frage offen was Wabi Sabi eigentlich ist. Wabi Sabi ist das Zeichen der Zeit in unserem Alltag in seiner ursprünglichen natürlichen und einfachsten Form und doch so viel mehr. Es ist eine stille Meditation an die Existenz und deren Ende. ...
    • Von Timo in Das Teeleskop
         0
      Anlässlich des Hanami habe ich einen grünen Tee von Mariage Frères gekauft, der nicht nur aufwendig präsentiert wurde, sondern durch seinen Namen „Sakura 2017“ auch suggerierte, eine Komposition aus Grüntee und Blüten der japanischen Zierkirsche zu sein. Von dem guten Ruf der Teemarke ausgehend, habe ich die Inhaltsstoffe erst gelesen, als ich zu Hause den ersten Aufguss durchführen wollte. Grüntee, Aroma und Rosenblätter. Nein danke!
       
      Weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass bisher noch kein japanische Teebauer auf die Idee gekommen ist, seinen Grüntee durch die Hinzugabe von Kirschblüten zu veredeln, begab ich mich auf die Suche. Doch während meiner Suche fand ich einen Tee, der sehr viel interessanter erschien, als mögliche Mischungen von Grüntee und Kirschblüten. Dem Teebauer Tetsuro Mochizuki aus Shimizu in Shizuoka ist es nach jahrelangen Versuchen gelungen, einen neuen Teekultivar mit dem Namen Shizu 7132 zu züchten. Im Vergleich zu anderen Kultivaren soll diese Varietät ursprünglicher und wilder sein und sich vor Allem durch einen besonders feinen und natürlichen Geschmack von Kirschblüten auszeichnen.
       
      Sencha Machiko wird der Tee genannt, der aus diesem Kultivar hervorgeht und verkauft wird. 2009 hat dieser Tee beim „World Green Tea Contest“ eine Goldmedaille gewonnen. Grund genug, meine ernüchternde Erfahrung mit einem vermeintlich hochwertigen aber in jedem Falle hochpreisigen Produkt von Mariage Fréres zu vergessen und mich stattdessen der Erfahrung hinzugeben, die mir der vielversprechende Sencha Machiko zu bieten scheint.

       
      Verpackung.
      Der Tee kommt in einer schmuckvollen Umverpackung daher, die sich wie ein Briefumschlag öffnen lässt. Im Inneren des Umschlages finden wir den zu 40 Gramm portionierten Tee in einer hochglänzenden Vakuumverpackung. Ebenfalls enthalten ist eine liebevoll gestaltete Informationsseite zum Tee und dessen Entwicklungsprozesses.

        
       

      Aussehen und Geruch.
      Abgesehen von einigen helleren Tips ist das Gesamtbild der Teeblätter eher als dunkles Moosgrün oder als mattes Olivgrün zu beschreiben. Der Geruch des Teeblattes unterscheidet sich bisweilen doch signifikant von anderen Varietäten. Während er im ersten Ansatz grasig daherkommt und somit an einen handelsüblichen Sencha erinnert, entwickelt sich ein feiner Kirchblütenduft mit zunehmender Sauerstoffzufuhr. Insbesondere retronasal ist ein blumiges Aroma deutlich wahrzunehmen.

       
      Zubereitungsmethoden.
      Erste Zubereitung, erster Aufguss (5 Gramm. 450 ml Wasser bei 70°. Ziehzeit: 90 Sekunden)
      Der erste durchgeführte Aufguss entspricht der Zubereitungsempfehlung des Importeurs. Das Ergebnis ist ein hellgrüner und äußerst schwacher Sencha, der grasige wie fruchtige Noten vermissen lässt und insgesamt nicht überzeugen kann.
       
      Zweite Zubereitung, erster Aufguss (6 Gramm. 200 ml Wasser bei 70°. Ziehzeit: 30 Sekunden)
      Das Ergebnis ist abermals ein hellgrüner, im Geschmack aber etwas intensiverer Sencha, der sich aber keineswegs signifikant von anderen Sencha unterscheidet. Lediglich retronasal waren blumige Aromen zu erahnen. 
       
      Zweite Zubereitung, zweiter Aufguss (6 Gramm. 200 ml Wasser bei 70°. Ziehzeit: 10 Sekunden)
      Weil der erste Aufguss durchaus passabel war, entschied ich mich für einen zweiten Aufguss bei reduzierter Ziehzeit. Das Ergebnis war ein mittelgrüner, durchaus guter Sencha. Fruchtige bzw. eher blumige Aromen waren ausschließlich retronasal wahrzunehmen, machten den Tee aber durchaus interessant.
       
      Zweite Zubereitung, dritter Aufguss (6 Gramm. 200 ml Wasser bei 80°. Ziehzeit: 45 Sekunden)
      Der dritte Aufguss der zweiten Zubereitung ließ leider alle interessanten Aromen vermissen. Der nun gelbgrüne Sencha war vor Allem durch eine leichte Bitterkeit geprägt. Retronasal konnte ich die durchaus interessanten, blumigen Aromen nicht mehr wahrnehmen.
       
      Dritte Zubereitung, erster Aufguss (6 Gramm. 400 ml Wasser bei 70°. Ziehzeit: 60 Sekunden)
      Nachdem die zweite Zubereitung durchaus vielversprechend war und ich mir die Frage stellte, ob das blumige Aroma noch mehr in den Vordergrund treten kann, veränderte ich die empfohlene Zubereitungsmethode geringfügig. Das Ergebnis war ein schöner, grüner Sencha, dessen blumiges Aroma aber nicht intensiver war, als beim zweiten Aufguss der zweiten Zubereitung.
       
       

       
      Fazit.
      Der Sencha Machiko des Teebauern Tetsuro Mochizuki ist zwar durchaus interessant aber vor Allem auch herausfordernd. Sein blumiges Aroma offenbart er nur bei wenigen Zubereitungsmethoden und bestraft vermeintlich falsche Ziehzeiten und Wassermengen mit deutlich spürbarer Bitterkeit.
       
      Weil man glaubt, nur die richtige Zubereitungsmethode herausfinden zu müssen, um eine blumig-fruchtige und damit sehr interessante Tasse zu bekommen, lädt der Sencha Machiko geradezu zum Experimentieren ein. Lediglich der Preis von 15,90 Euro pro 40 Gramm kann die Experimentierfreudigkeit schmälern. 
       
      Für mich stellt der Tee eine interessante Herausforderung dar, derer ich mich gerne und auch in Zukunft weiter stellen möchte. Ich bin mir sicher, alsbald eine optimale Zubereitungsmethode zu finden, um dem Tee und den jahrelangen Arbeiten des Teebauern Tetsuro Mochizuki gerecht zu werden.
    • Von Cel in Broken Pieces
         8
      Vielleicht haben sich einige von Euch gefragt ob ich überhaupt noch etwas mache. Kurz und bündig, ja. Ich arbeite noch immer an der Kanne von @Tobias82 und eigne mir nach und nach ein paar Fertigkeiten an. 
      Zwischenzeitlich habe ich ein sehr kurzes Projekt eingefügt, da meine Tochter eine Vase zerbrochen hat. Eigentlich unwichtig, jedoch stammt sie noch von meiner Omi. Also eine schnelle Reperatur. Das nächste Mal wird es noch etwas besser, hier habe ich etwas am Lack gespart...



    • Von Komoreb in Liebe zur Teekeramik - Vom Konsument zum Produzent
         0
      Vor ein paar Tagen kamen meine ersten Werke aus der Brennerei...
      Zu meiner Freude kann ich sagen, wirklich alles hat überlebt. Kein einziger Riss oder ähnliches.
      Aber ein kleiner Wermutstropfen ist die Farbe nach dem Brand. Die fällt nämlich ganz anders aus als gedacht.
      Es sollte mal Cremefarben im Spektrum beige werden, ist jetzt aber eher terracotta- bis ziegelfarben, und versprüht den Charme einer deutschen Klinkersiedlung mit mediterranem Touch.
      Ich habe noch sehr sehr viel zu lernen. 
      Das Gießverhalten meiner Kannen ist echt sch....      
      Aber irgendwann werde ich mit Sicherheit etwas vernünftiges zustande kriegen, mit dem man auch arbeiten kann und will. Nur eine Frage der Zeit. 
       
      Nun ja, dann werden als nächstes einige Stücke Glasiert. Das wird auch noch mal spannend. 
       
      Hier noch eine Impression der Farbe nach dem brennen. Je nach Lichteinfall sehr gewöhnungsbedürftig bis geht so.  In echt hat es einen deutlichen orange-stich.

       
    • Von Komoreb in Liebe zur Teekeramik - Vom Konsument zum Produzent
         8
      Gestern Abend wurde wieder etwas gewerkelt...
      Ein Yunomi und eine kleine Schale sind entstanden. Letztere hat mich einiges an Fingerspitzengefühl gekostet, da ich sie nicht "aufgebaut" habe, sondern sie aus Vollmaterial herausgearbeitet habe.
      Dies ging beim Äußeren sehr gut, da ich den Block da noch auf der Scheibe zentriert hatte. 
      Um das Schaleninnere auszuarbeiten, musste ich sie aber von der Scheibe nehmen, da sie durch den schmalen Fuß nicht genug Standfestigkeit gehabt hätte.