doumer

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  1. 2019 San Zhu von Kancha Mein erster Tee von einem bis vor kurzem unbekannten Produzenten aus Frankreich: Kancha! Der Inahber von Kancha, Julien, hat den Shop 2016 eröffnet und legt besonderes Augenmerk auf den ökologischen Hintergrund der Tees, was ich sehr gut finde. Zum Tee: Hierbei handelt es sich um ein Blend von "alten Bäumen", wobei das Alter nicht genannt wird. Er startet sehr sanft und bleibt auch die ganze Session über recht zurückhaltend - aber nicht schwach! Primär herrscht eine weiche Süße vor, die aber unterschwellig von leicht fruchtigen, würzigen Noten begleitet wird, was zu dem schon häufiger erwähnten (und von mir sehr geschätzten) Stall-Charakter führt. Insgesamt erinnert mich der Tee etwas an den 2014er Long Lan Xu von EoT als dieser noch jünger war - jedoch in einer zurückhaltenderen, zugänglicheren Version. Die Textur ist schön rund und voll - auch wenn im Vergleich zu anderen aktuellen Produktionen wie z.B. die von Tea Encounter das Blatt nicht so schön wirkt (im Bezug auf Blattgröße/Bruch). Allgemein würde ich sagen ist das ein schöner Tee für Einsteiger, denn selbst wenn man ihn etwas länger ziehen lässt bleibt die Bitterkeit im unteren Bereich (aber trotzdem genug, um interessant zu sein) - ich bin gespannt auf die weiteren Tees von Kancha!
  2. Also soweit ich weiß stammen alle Kunlu von EoT von den selben Bäumen, auch beim 2016er hat David schon geschrieben dass es sich um diese hohen, abgelegenen, wilden Bäume handelt.
  3. 2020 Kunlu Ancient Tree Wild (EoT) Schon beim Öffnen des Samples fällt neben einem intensiven Duft nach gerösteten Maronen, der mich an einen Long Jing erinnert, vor allem die Farbe des Tees ins Auge: Neben den für Yesheng üblichen sehr dunklen, fast schwarzen Blättern strahlen einen fast schon Neongrüne Blätter an (kommt auf dem Foto nicht so extrem rüber - aber ist halt auch nur eine simple Smartphone-Kamera von 2016). Sehr grüne Teile sind an sich bei Yeshengs durchaus üblich, aber hier fehlen die sonst meist ebenfalls vorhandenen braun-orangenen Parts, so dass das Tee-Material etwas wie ein Duplex-Druck wirkt. Leider ist es aber im Vergleich zu den Vorgängern deutlich kleinteiliger (für die Session habe ich die schönsten Blätter genommen), da es sich hier aber nur um ein Sample handelt, kann man das natürlich nicht verallgemeinern. Zum Tee hat David bereits geschrieben, dass er etwas zahmer als die 2017er oder 2016er Version ist, weshalb ich auch nicht zimperlich bei der Dosierung war - und in der Tat muss ich David hier zustimmen: Was die Bitterkeit betrifft ist der Tee seinen Vorgängern deutlich unterlegen. Im Vergleich zum 2017er ist der Tee auch weniger fruchtig, kann dafür mit leichten Röst- und Nuss-Noten aufwarten, an das Qi des 2016er kommt er aber nicht heran. Daher muss ich gestehen, dass der Tee für mich nicht an seine Vorgänger herankommt, auch wenn es defintiv ein schöner Yesheng ist, an dem Freunde von einer gepflegten Bitterkeit ihre Freude haben, ohne dass Gäste die ein Schälchen mittrinken möchten einem gleich davon laufen (vielleicht).
  4. In Vorbereitung auf die 2020er Version heute als Gedächtnisauffrischer der 2017 Kunlu Ancient Tree Wild von EoT 3 Jahre später ist der Tee deutlich zahmer geworden, dafür kommt eine schöne erfrischende Süße zum tragen, die mich etwas an Maracuja erinnert. Dass der Tee zahmer wirkt wird durch den Echizen-Shibo zusätzlich verstärkt, dafür gewinnt er an Körper, was dem Tee durchaus gut steht - trotz der wilden Herkunft ein schön entspannter, exotisch wirkender Yesheng. Besonders schön bei dem Shibo finde ich auch die Aussicht - dank der extrem großen Oberfläche kann man richtig schön das Blatt beobachten, da es im Gegensatz zu einem Yixing-Kännchen als relativ dünne Schicht ausgebreitet ist, toll!
  5. 2020 Zhang Jia Wan von Zheng Si Long Nach dem Mang Zhi hat auch dieser Tee erfreulicherweise keinerlei Pelzigkeit aufzuweisen, interessanterweise noch nicht einmal die sonst in nahezu jedem Sheng von Zheng Si Long zu findende Klebrigkeit - ein klarer, sauberer Sheng, an dem es absolut nichts auszusetzen gibt! Wenn ich es nicht um Vorfeld gewusst hätte, müsste ich auch sagen, dass ich den Tee nicht als ZSL-Produktion erkannt hätte - er hat eine klare Leichtigkeit, die ich so nicht von ZSL kenne, mir aber sehr gut gefällt. Neben primär Süßen Noten hat der Tee auch verschiedene Facetten zu bieten, die je nach Aufguss man in eine zart bittere, mal eine leicht derbe Stall-Note gehen und der Tee somit nicht langweilig wird. Allerdings ist nichts davon ausgeprägt genug, um dem Tee einen wirklich eigenständigen Charakter zu verleihen (innerhalb der ZSL Produkt Range auf Grund der Klarheit natürlich schon, aber allgemein gesprochen), daher weiß ich nicht ob der Tee wirklich das Zeug hat mich zu fesseln ...
  6. @Anima_Templi also ich bin natürlich kein Experte und @GoldenTurtle müsste selbst erläutern, was er mit "gründlich durchwoken" meint, aber mein Verständnis ist folgendes: Ein starker Kill-Green Prozess (zumindest das "Braten", k.a. ob sich das beim Bedampfen in Japan anders verhält) sorgt dafür, dass mehr Enzyme (und wer weiß was noch alles, Chemiker bin ich leider auch nicht) "gekillt" werden (das Erreichen einer bestimmten Temperatur ist hier wichtig, damit die Enzyme abgetötet werden) und somit für eine stärkere Fixierung des aktuellen Zustandes des Tees sorgen - wie man es von Grüntees kennt. Sprich zu Beginn 100% durchgewokt = Grüntee, wenn man das Material vorher entsprechend oxidieren lässt entsteht eben andere Teesorten. Bei Sheng will aber genau das nicht - sonst ist es wie bei dem Bangdong der Fall, dass der Tee besonders grün produziert wurde, d.h. er ist zwar direkt nach der Produktion besonders aromatisch, es gibt aber nichts mehr (oder zu wenig) was da noch reifen kann (oder zumindest schlechter, als bei der herkömmlichen Produktionsmethode) - die Kunst bei einem Sheng besteht daher darin, das richtige Maß zu finden, damit man am Ende weder Grüntee noch Kompost hat. (Angaben ohne Gewähr, es handelt sich lediglich um mein Verständnis - falls es Korrekturen gibt sehr gerne!)
  7. 2020 Bang Dong von Tea Encounter Bei dem Bang Dong handelt es sich um den preiswertesten der 3 Xiaoshu Shengs von Tiago in diesem Jahr - ermöglicht wird das durch die Nutzung von Xiaoshu-Material von ca. 20 Jahre alten Pflanzen und dadurch, dass Bangdong nicht unbedingt zu den gefragtesten Pu-Gegenden gehört. Dass sich Tiago eher auf ein sauberes Umfeld des Tees als auf das Alter der Pflanzen wert legt finde ich hier eine sehr gute Entscheidung, denn das ist meiner Meinung mindestens genau so wichtig, wenn nicht noch wichtiger: Was bringt es Material von einem alten Teebaum zu haben, wenn dieser jämmerlich in einem Beton-Grab in verseuchtem Umfeld zugrunde geht. Natürlich ist die Kombination aus beidem (Gushu + reines Umfeld) am idealsten und meiner Meinung nach auch ein Grund dafür, warum Peters Tees so außergewöhnlich sind, aber dafür muss man natürlich auch entsprechend in die Tasche greifen - schließlich hat es auch einen Grund, warum die aufgespritzten Fleischreste in Plastik-boxen aus dem Supermarkt nur einen Bruchteil von einem echten Stück Fleisch vom Hofladen kosten. Jetzt aber zum Tee: Das Blatt sieht auf jeden Fall sehr schön kräftig und intensiv grün aus, was gleich Erinnerungen an die 2019er Version weckt. Insgesamt wirkt das Material etwas gröber, da auch einiges an Stängeln/Ästen enthalten ist, was mich persönlich aber überhaupt nicht stört - im Gegenteil: ich finde das eigentlich eher sympathisch, insbesondere wenn dafür auch schön große Blätter vorhanden sind (ist mir hundert mal lieber als das Factory-Häckselwerk). Wie von den übrigen Tea Encounter Shengs gewohnt ist auch dieser eher mild und startet etwas schüchtern, entwickelt dann aber schnell sehr schöne Limetten- und Pfefferminz-Noten, was den Tee super erfrischend macht! Insbesondere an solch heißen Tagen wie momentan macht das den Tee zu einer echten Grüntee-Alternative für den hardcore Pu-Addict, da erfrischend und trotzdem Pu-Feeling zugleich. Ordentlich dosiert kann der Tee sogar mit einer vernünftigen Textur aufwarten - auf Grund des Xiaoshu-Materials fehlt es ihm natürlich an Qi, Komplexität und Tiefe, aber dafür gibt es andere Tees zu anderen Preisen, die dann auch für andere Situationen gedacht sind. Die Frische hält der Tee auch die ganze Session über durch - ich bin mal gespannt, wie er sich heute Abend noch entwickelt. Bisher bereitet mir der Tee auf jeden Fall viel Spaß! Ein wichtiger Hinweis von Tiago zu dem Tee: Hier wurde ein sehr intensives Cha Qing durchgeführt, was sicherlich mit verantwortlich ist, warum der Tee so super frisch ist, allerdings zeitgleich auch bedeutet, dass der Tee nicht unbedingt für eine langfristige Lagerung ausgelegt ist.
  8. Naja, was will man machen? 🤷‍♂️ Mein letzter Tee Anfang der Woche war aber passend zu den Temperaturen auch ein Sencha - durch das Abkühlen bzw. die daraus resultierende "Wartezeit" aber auch in der Tat schön entspannt 😊
  9. Nachdem die letzten Tage leider keine Zeit für Tee blieb, heute endlich mal wieder zumindest eine kurze Session: 2012er Xiaoshu Mengsong von prSK Astreiner Xiaoshu, der natürlich nicht die Tiefe der Gushus von Peter hat, aber sonst alles bietet, was ein guter Sheng so braucht. Gerade für unter der Woche ideal, da er auch deutlich freundlicher für den Geldbeutel ist
  10. @Shibo schöner Bericht! Klingt auf jeden Fall nach einem etwas anderen Erlebnis, als ich es mit dem Goishicha von 2015 hatte - der ist (zumindest für meinen Geschmack) definitiv zitronig-pilzig. Kommen aber definitiv beide aus dem selben Ort - daher wäre ein Vergleich der beiden Jahrgänge sehr spannend - wenn du Lust auf einen kleinen Tausch hast, schreib mir eine PN
  11. 2020 Tian Men Shan GaoGan von EoT Dieser Tianmenshan (天门山) stammt wie der Lao Jie Zi aus einem Yiwu Staatswald (Guoyoulin (国有林)) und ebenfalls von hohen Bäumen (Gaogan 高杆) - auch preislich befindet er sich auf nahezu dem selben Level (1,20$/g vs. 1,49$/g des Lao Jie Zi). Trotz dieser vielen Gemeinsamkeiten hat der Tee aber einen ganz anderen Charakter! Im Gegensatz zu dem zurückhaltenden, ätherischen Start des Lao Jie Zi startet der Tianmenshan mit einem wahren Paukenschlag: Voller schwerer Körper, reichlich Energie und parfümig-florale süße Noten machen einem klar, dass man es hier mit einem qualitativ hervorragenden aber stereotypischen Yiwu Sheng zu tun hat. Da kann auch die (zumindest in dieser Dosierung recht ausgeprägte) Adstringenz nichts daran ändern: es gibt kein Entkommen von den Orchideen. Im Laufe der Aufgüsse wandeln sich zwar die floralen und adstringenten Noten und lassen einer angenehmen Honigsüße Freiraum, bleiben aber immer merklich vorhanden - das mag sicherlich vielen Yiwu-Liebhabern gefallen aber mein Fall ist es um ehrlich zu sein nicht. Das Qi des Tees fällt leider etwas enttäuschend aus: während der Lao Jie Zi hier ja ein sehr schönes und trotz seiner Direktheit entspannendes Qi hat (was maßgeblich dazu beiträgt, warum mir der Tee so gut gefallen hat), hat dieser Tee zwar auch viel Energie, aber diese scheint ihr Pulver zum Großteil auf Geschmacks- und Texturebene zu verbrauchen, denn das Qi ist zwar vorhanden und lässt den Kopf auch etwas wie in Watte gepackt anfühlen, hat aber keinen langanhaltenden, entspannten Charakter. Die Euphorie von Matt kann ich hier nicht nachvollziehen - im Vergleich dazu wirkt sein Bericht über den Lao Jie Zi deutlich zurückhaltender. Ich stimme ihm zwar zu, dass der Tianmenshan im Vergleich regelrecht überstimmulierend ist, aber genau das ist meiner Meinung nach das Problem: Es fehlt die Harmonie und die Tiefe - das ist z.B. auch der Grund, warum ich Peters Tees (prSK) den amerikanisch-lauten Tees von W2T und Co bevorzuge. Daher würde ich im direkten Vergleich den Tianmenshan eher mit 4-Sternen bewerten, auf Grund der Qualität sind aber 5-Sterne im globalen Vergleich auf jeden Fall angebracht. PS: Zwecks Vergleichbarkeit habe ich zwischendurch extra auch Porzellan Pitcher und Schälchen verwendet, um auszuschließen, dass die Keramik dieses mal den Unterschied macht. Dieses winzige (50-60ml) Yuzamashi von Nobuhara Katushi ist so süß (und zum Glück von der Sorte Bizen-yaki, die den Tee nicht sonderlich stark beeinflusst)
  12. Stimmt - und war trotzdem gut! (war hier zugegebenermaßen auch eher ein Versehen - bin etwas aus der Übung mit Japanern und hab den Shibo wie gesagt bislang nur mit Sheng genutzt - war aber trotzdem lecker)
  13. Klar, wurde ja 2019 sehr deutlich was der Jahrgang für einen Unterschied machen kann 😉 @topic: Dôsenbô Kanaya-Midori Sencha von Thes du Japon Auch wenn ich den Echizen Shiboridashi primär mit Sheng nutzen werde (und bislang ausschließlich genutzt habe) muss das Debüt doch standesgemäß mit einem ordentlichen, ganz frischen Japanischem Sencha stattfinden! Dieser Tee stammt wirklich aus Uji, genauer gesagt Dôsenbô, wurde auf ca. 400-500 Meter von Mr. Yuki angebaut und ist komplett unbeschattet. Was mich auf den Tee aufmerksam gemacht hat war die Beschreibung seiner Geschmacksnoten: milchig und nach Kiefer. Und tatsächlich: abgesehen von den üblichen süßen Umami-Noten hat der Tee eine schön milchig-weiche Textur und erinnert in den ersten Aufgüssen wirklich durch gewisse harzige, dunkle und trotzdem frische Facetten, die einen durchatmen lassen an den Duft eines Nadelwalds - klasse! Ich war bei der Dosierung evtl. etwas "enthusiastisch" (aber dank der massiven Bauweise des Shiboridashis schließt der Deckel trotzdem), weshalb schon eine gewisse Adstringenz mitschwingt, aber die passt meiner Meinung nach gut zu dem Charakter des Tees. Zwar nicht ganz so ein Aha-Erlebnis wie mit dem Gyokuro Fujitsubo, aber trotzdem ein außergewöhnlicher Sencha, der mehr leistet, als sein Preis erwarten lässt.
  14. Kenn ich sogar, aber auf die Folge über Teegeschirr warte ich bisher vergeblich Echt jetzt? Von 2017 habe ich nur den Bulang von ihm und der ist schon obwohl Bulang eher mäßig bitter... Ich habe bislang auch alle Farmerleaf Tees als eher zart und vor allem zugänglich erlebt - ordentliche Anfänger-Shengs. Die Gulan heben sich meist doch klar von den übrigen des Jahrgangs ab, sind inzwischen aber auch vom Preis her über das Anfänger-Stadium hinaus. den 2016er hatte ich erst vor 2 Monaten, den 2015er muss ich mal wieder rauskramen, das interessiert mich jetzt doch!
  15. OK alles klar - dachte schon ich übersehe etwas 😉 Wie gesagt, eine Blindverkostung machen wir durchaus gerne mal (wenn das von mir beschriebene Vorgehen zählt), ein Blindvergleich im Grund nie weil zu umständlich und meist kein identisches Equipment vorhanden.
  16. @Lateralus mal eine ganz dumme Frage: wie machst du das mit den Blindtests organisatorisch? Alleine ist das doch im Grunde unmöglich - wenn du z.B. zwei Tees testen möchtest musst du zum einen zwei identische Tee-Aufguss-Gefäße + zwei identische Schälchen haben, außerdem darfst du nicht wissen, welche Tees zu vergleichst (wenn du z.B. einen Lao Ban Zhang und einen Yiwu vergleichst suchst du automatisch nach den für die jeweilige Gegend typischen Charakteristika) und zu guter letzt darfst du auch den Tee an sich/das Blatt nicht sehen (auch nicht beim Aufgießen) da man daraus ebenfalls Rückschlüsse ziehen kann. Folglich kann ein richtiger Blindtest nur gemacht werden, wenn jemand anderes für dich Tees zubereitet - oder übersehe ich etwas? Übrigens: Das war bisher jedes mal wenn ich mit Peter Tee getrunken habe zumindest ein paar mal pro Treffen der Fall, dass er einfach einen Tee aufgegossen hat ohne uns vorher zu sagen um was es sich handelt (zugegebenermaßen ist die Chance dass es sich um einen ordentlichen Sheng handelt bei ihm recht hoch aber trotzdem ist genau das für mich eine Blindverkostung). War z.B. sehr spannend zu sehen, wie die Teerunde eben noch in lebhaften Diskussionen vertieft plötzlich nach dem ersten oder zweiten Schälchen eines Tees ganz ruhig wurde - erst dann hat sich heraus gestellt, dass Peter gerade begonnen hat, einen 2009er Lao Ban Zhang Gushu aufzugießen 😉 Und wenn man das als Blindverkostung definiert, dann mag ich das sehr (ich hab z.B. alle seine 2019er so kennen gelernt und an den ersten Eindrücken hat sich auch nachdem ich wusste welcher Tee was war (und somit die Region und den Preis kannte) nichts geändert - lässt sich nur eben im Alltag nicht umsetzen (zumindest ist das bei mir so). Daher bin ich auch nicht deiner Ansicht, dass nur ein Blindtest einem etwas über den Tee erzählt - als ich das erste mal (blind) die Herbstversion des Rareness 5 probiert habe, war sofort klar welcher Tee das ist, weil er unverkennbar eine ähnliche Energie und eine ähnliche Birnen-Note hat wie die Frühjahrsversion, ob blind oder nicht macht hier keinen Unterschied. @Shibo ich denke genau damit bringst du es auf den Punkt: Erwartungshaltung und situative Umstände. Wer im Vorfeld weiß, dass er jetzt einen super-teuren Tee aus einer geheimen Gegend trinkt, geht da ganz anders ran, wie jemand der nur weiß, dass er jetzt einen Tee trinkt. Wenn man alleine trinkt und daher zwangsweise weiß, welchen Tee man jetzt trinkt (und damit meist auch, was er gekostet hat) hilft nur, sich dessen bewusst zu sein und möglichst darauf zu achten, sich davon so wenig wie möglich beeinflussen zu lassen (denn hier hat @Lateralus definitiv Recht: niemand ist jemals wirklich Objektiv). Genauso haben die situativen Umstände einen enormen Einfluss auf das Ergebnis der Teerunde: nach einem anstrengenden Arbeitstag, an dem ich geistig völlig ausgelaugt bin wird auch ein Rareness 5 nicht den selben Einfluss hinsichtlich Qi auf mich haben, wie wenn ich mir an einem Vormittag am Wochenende 2 - 3 Stunden Zeit (und Ruhe) dafür nehme - ebenso Körperlich: wenn ich starke Schmerzen habe kann der Tee noch so gut sein, ich kann mich niemals wirklich darauf konzentrieren, weil der Schmerz ständig ablenkt usw.
  17. Nach dem indirekten Tipp von @Anima_Templi stelle ich hier auch mal mein neu erworbenen Echizen Shiboridashi aus der selben Quelle vor: Ein sehr gewichtiger Echizen Shiboridashi von Nobuyasu Kondô, von dem ich bereits eine wunderbare Kyusu habe, allerdings trotz der Größe/des Durchmessers auf Grund der sehr flachen Form eine recht geringe Füllmenge von 60-70ml hat, ideal um darin auch Puerh zu brühen (was in der >220ml Kyusu nicht wirklich oder nur unter heftigem Materialeinsatz möglich wäre), denn so unorthodox das auch klingen mag gefällt mir das Ergebnis von Sheng in Echizen sehr gut (mehr Breite, während auf Grund der Ascheglasur verhältnismäßig wenig beschnitten wird). Die Größe, das Gewicht und die raue Ascheglasur gibt dem Stück ein sehr tollen archaischen Charakter - auch wenn alleine der Deckel mehr wiegt als das komplette Kännchen von Jan Pavek mit ähnlicher Füllmenge (60ml). Dazu ein im Verhältnis genau so wuchtiges Bizen-Teeschälchen von Fujiwara Akira, welches interessanterweise innen glasiert ist, um das Ergebnis des Echizen-Aufgusses nicht noch weiter zu verändern. Die Glasur hat das Schälchen auch dringen nötig, denn es ist aus fast unverarbeitetem Berg-Ton, den Akira in der nähe seines Ateliers selbst abbaut (im Gegensatz zu dem sonst üblicherweise für Bizen Stücke verwendetem Ton aus Reisfeldern): Der ist durchlässig wie ein Schwamm (wer schon mal ein nur leicht/teilglasiertes Hagi Stück verwendet hat weiß was ich meine)! Und selbst mit Glasur schwitzt das Schälchen ziemlich, aber das wird sich im laufe der Zeit geben.
  18. Möglich - die 2015er Version davon gefällt mir z.B. dagegen ziemlich gut...
  19. @GoldenTurtle wie es der Zufall so möchte gab es gestern fast genau ein Jahr später ein Rest-Sample an der selben Stelle bei dem selben Tee-Freund von dem 2019er ZSL Wa Long. Fazit: hat zwar etwas an Körper gewonnen, aber nach wie vor eine sehr pelzige Angelegenheit - um ehrlich zu sein hätte ich ihn dieses mal auch deutlich niedriger bewertet als bei meiner Notiz von vor einem Jahr. Matt hatte den in Zusammenhang mit dem Wa Long von Tea Encounter kürzlich auch erwähnt und fand den 2019er nicht trink-reif.
  20. Die Samples bei Tea Encounter sind immer 20g - in dem Fall der 2019er gab es eine erste Runde alleine und dann eine zweite Runde mit einem Freund - allerdings lag da kein halbes Jahr dazwischen. Dein System macht durchaus Sinn - wenn ich eine Notiz zu einem Sample verfasse ist i.d.R. nicht alles auf einmal aufgebraucht (außer das Sample ist < 10g), den Rest gibt es dann meist auch mit etwas zeitlichem Abstand (allerdings meist Monate und nicht Jahre - bei den (für mich) interessanten Tees handelt es sich meist um kleine Produktionen, die schnell ausverkauft sind) - in Ausnahmefällen (wenn sich wirklich große Abweichungen ergeben) aktualisiere ich evtl. die Notiz oder entscheide mich dann für oder gegen einen Kauf (und dann dient natürlich der Bing als weitere Basis für Aktualisierungen). Eine dritte Runde gibt es nur wenn das Sample >20g ist, was oft nicht der Fall ist, aber mehrere Jahre lasse ich Samples meist nicht liegen (außer ich vergesse sie 😅).
  21. Mich auch - hab nur leider nix mehr von den 2019ern 🤷‍♀️ Generell wäre es bei ZSL interessant, was er anders macht dass die Tees diese typische "Klebrigkeit" haben - die zieht sich hier ja schon sehr konsistent durchs Programm (auch bei "älteren") und ist mir so noch bei keinem anderen Händler/Hersteller aufgefallen. Tiago war auch so nett die Frage mal an Mr. Zheng weiterzugeben aber es kam natürlich keine brauchbare Antwort zurück (typisch chinesisches Geschwafel ala "only traditional processing as passed down by our ancestors...").
  22. @Frau Mahlzahn schöner Tetsubin und toller Tee! Ich bin sehr gespannt auf dein Bericht - für mich ist die Bereicherung beim Teetrinken durch einen Tetsubin im Vergleich zu einem elektrischen Wasserkocher vergleichbar wie ein Yixing-Kännchen im Vergleich zu einem Tee-Ei: Funktioniert beides, aber das eine bereitet mir wesentlich mehr Freude
  23. Hm, möglich - die ZSL Tees sind ja ganz offensichtlich grundlegend anders Produziert als z.B. die Tees von Peter oder Yu. Mal schauen, zunächst sind mal noch ein paar 2020er dran
  24. @GoldenTurtle holla, das schaut echt abenteuerlich aus - wie war er? Mein Lieblings-Liu Bao ist auch hart an der Kompost-Grenze Ah, bin gespannt was du/ihr dazu meint. Welchen Jahrgang habt ihr bestellt (oder mehrere)? Da gibt es doch erhebliche Unterschiede bei ZSL (leider).
  25. 2020er Mang Zhi von ZSL Der Tee ist zum Glück eher der 2018er Version ähnlich als der (für mich) recht enttäuschenden 2019er Version: Auf Geschmacks-Ebene wartet der Tee zunächst mit einer erfrischenden Bitterkeit auf, bei der die Süße zunächst noch im Hintergrund bleibt, im Laufe der Aufgüsse aber langsam die Oberhand gewinnt. Die schon oft erwähnte ZSL-Klebrigkeit tritt hier nur sehr dezent zu Tage - vermutlich ein Grund, warum der Tee nicht die unangenehme Pelzigkeit der 2019er Version aufweißt (ich habe hier die Klebrigkeit in Verbindung mit Bitterkeit in Verdacht). Etwas schade ist, dass sich die Nussigkeit der 2018er Version hier nicht wiederfindet, dafür ist die Süße ausgeprägter. Positiv ist auch, dass der Tee ein überraschend starkes Qi aufweist, zumindest hat es ein überraschend aggressives Auftreten - der Charakter erinnert mich an manche Bulangs, da es nicht sonderlich entspannend ist sondern sich eher wach-machend zwischen den Augen festsetzt (ist natürlich Geschmackssache, aber ein entspannendes Qi ist mir deutlich lieber). Alles in allem ein ordentlicher Tee, der auf allen Ebenen etwas zu bieten hat und für die 2020er Tees mehr Hoffnung macht, als ich nach 2019 hatte.