OstHesse

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    Tee-Probierer
  1. Das Leben ist schön

    Ich hänge gerade an Videos wie diesem da an. Der Alltag eines professionellen chinesischen Tee-Händlers, was da alles für Leute kommen, wie der tee verkostet wird und vor allem diese authentisch-bäuerliche Herangehensweise an das Teetrinken ist einfach faszinierend anzusehen. Besonders die Szene ab 19:15 - da hat sich ein Kunde übers Ohr hauen lassen und die Reaktion des alten Teehändlers ist einfach... nunja... so sieht wohl ein Chinese aus wenn er sich über jemanden richtig aufregt!
  2. Mythos Yixing?

    S. 752, Abschnitt "chemicals and materials"; es wird in einem einzigen Satz nur gesagt dass die Teekannen erworben wurden und dass alle denselben Bodedurchmesser und Volumeninhalt haben, der darauffolgende Abschnitt "preparation" erwähnt keine Vorbehandlung der Testgefäße und auch sonst irgendwo im Text gibt es keinerlei weitere Angaben. Der Text erwähnt jedoch die tradierte Meinung dass die Yixing-Ware bestimmte Öle und Essenzen aufnehmen kann, ohne auf diese weiter einzugehen. Von daher gehe ich davon aus dass wenn es eine Vorbehandlung gegeben hätte, die Autoren diese auch mehr als erwähnenswert finden würden. Das Papier selbst sagt nur, wir haben das und dies detektiert, es gibt zwar den obligatorischen Diskussionsabschnitt, dieser gibt aber nur blanke Vermutungen her (Originalzitat: The mechanism by which Zisha (or Yixing) ware produces more fragrant and nutritional tea soup can only be speculated. (Liao et al., S.756)).
  3. Mythos Yixing?

    Nun, ich bin soweit. Liao Z. H. et al.: Effect of teapot materials on the chemical composition of oolong tea infusions. JSciFoodAgric 2018; 98: 751–757 Das Ziel dieser experimentellen Ministudie war zu überprüfen, ob das Aufgussgefäßmaterial einen Einfluss auf die chemische beschaffenheit des Tees hat. Das Studiendesign ist, zusammengefasst, wie folgt: frischer Oolong-Tee (nicht weiter spezifiziert) wurde von einem örtlichen Hersteller gekauft, daselbst wurden sechs frische unbenutzte Teekannen erstanden, bestehend aus Zisha-Ton, Zhuni-Ton, Eddelstahl, Keramik, Glas und Plastik. Bestimmte Menge des Tees wurden mit einem Liter kochend heißem Wasser in einem Glasbehälter übergossen und 5 Minuten ziehen gelassen. Anschließend wurde der Tee vom Teeblatt befreit. Je 100 ml von diesem fertigen Tee wurden in jede der sechs Teekannen gefüllt und für 5 Minuten stehen gelassen. Nach dem Ablauf der 5 min. wurde der Tee aus jeder Teekanne gesondert abgegossen, gefiltert und anschließend einer Reihe von Tests unterzogen. Für den Zisha-Ton hat es folgendes ergeben... Der Mineralgehalt des Tees (laut diesem Papier und auch anderen Quellen) entfällt auf über 90% auf Kalium, was es zum dominierenden Mineral im Tee macht. Der frische unbenutzte und "unbehandelte" Zisha-Ton senkt den Kaliumgehalt des Tees sehr deutlich, im Vergleich zu anderen getesteten Materialien. Als Erklärung wurde Absorption des Kaliums durch den Ton postuliert. Weiterhin wurde bei Zisha eine deutlich höhere Menge an EGC und EGCG festgestelllt, die statistisch bedeutend über den Werten anderer Teekannen liegt. Das Papier liefert dafür keine Erklärung, es wird nur der Befund festgestellt. Und als dritte relevante chemischen Verbindung ist der Koffeingehalt bei Zisha deutlich reduziert, im Vergleich zu anderen Materialien. Alle anderen getesteten Verbindungen und Inhaltsstoffe zeigten bei allen sechs Materialien keine statistisch signifikanten Abweichungen. Das ist so ziemlich das einzige mehr oder weniger valide wissenschaftliche Experiment mit Zisha-Ton. Warum EGC und EGCG - Level in "Zisha-Tee" höher sind und Koffein niedriger, dafür gibt es leider keine wissenschaftlich fundierte Antwort. Einzig und allein bei Kalium kann man mehr oder weniger fundiert annnehmen dass dieser aus dem Tee eben durch die von mir bereits in Hülle und Fülle erwähnten Bestandteile des porösen Tons aufgenommen und gespeichert werden - um dann in den Tee wieder abgegeben zu werden! Dadurch könnte man ganz gut den Effekt erklären wie alte vielbenutzte Zisha-Teekannen den weniger guten Tee "besser" machen können.m eben durch Abgabe der gespeicherten Stoffe. Nun, laut diesem Papier ist der Zisha-Effekt tatsächlich mess- und darstellbar. Ist also entgültig kein Mythos. ??
  4. Mythos Yixing?

    @Manfred Nur als Ergänzung: http://www.gruenertee.de/inhaltsstoffe/spurenelemente-mineralstoffe/ Ich habe auch anderswo nachgeschaut und fast überall zeigen die Nährstofftabellen für Tee einen dem Traubenwein sehr ähnlich hohen Kaliumgehalt. gruenertee.de hat für die Angaben sogar eine anständige Quelle angegeben. Wenn du die o.g. Studie schneller als ich in die Hände bekommst, schau mal ob die Ergebnistabellen das Verhältnis der Spurelemente vor und nach Zisha-Einwirkung erkennen lassen. Wenn der Ton tatsächlich Minterale und Spurelemente bindet, anstatt diese abzugeben, dann könnte es sein dass eben die Mengen an Magnesium, Natrium und Kalzium (= Kaliumantagonist!) sehr stark "abgeschleift" werden und eben Kalium, trotz Verluste, zum "dominanten Mineral" wird, von daher die Effekte ähnlich wie beim Wein. Aber wie gesagt, warten wie es ab, was Liao et al. so herausgefunden haben... Grüße, OstHesse
  5. Mythos Yixing?

    Lieber @Manfred da ist es: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/jsfa.8522/abstract Ich könnte keinen Volltext ausfindig machen, aber der abstract gibt genug Informationen , die ganz und gar spannend sind... Die guten Forscher sagen also es verhält sich gerade umgekehrt, mehr Katechine, weniger Koffein, w e n i g e r Gesamtmineralien und w e n i g e r Kalium! Aha... ... was wohl heißen sollte wir können unseren Tee gleich in Stahltassen aufbrühen und uns die Yixing-Ware gleich sparen, denn statistisch gesehen ist der Effekt auf den Tee wohl ziemlich der gleiche. Komisch ist nur, ich hab mal guten Bai Mudan zu Testzwecken in destilliertem Wasser aufgegossen,also komplett ohne Mineralien, es schmeckte richtig lasch. Mein Teewasser ist neutral, der Minteralgehalt ist eher niedrig. Meine Duanni benutze ich schon seit Monaten ausschließlich für Bai Mudan, denn er liefert einen vorzüglichen vollen Tee mit eindeutig weniger Koffein aber mit einem richtigen "Mineralbiss" (so kommt es mir zumindest vor). Und jetzt sagt der gute Chinese dass meine Duanni den Mineralanteil eigentlich verringert... Ich werde mir auf jeden Fall den Studien-Volltext besorgen. Tja, jetzt haben wir unser Experiment. Schöne Weihnachten!!! OstHesse
  6. Mythos Yixing?

    Kaolinit, ein Verwitterungsprodukt des Feldspats, ist selbstverständlich säurebeständig, und da Yixing-Ware technisch gesehen hauptsächlich aus Kaolinit besteht, zählt es zu Keramik bzw. Steinzeug. Glimmer und Eisenoxid haben aber als Beimischungen mit Kaolinit nichts zu tun.
  7. Und da sind wir wieder... https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/jugendliche-erkrankt-hepatitis-und-gelbsucht-so-gefaehrlich-ist-gruener-tee_id_4994197.html Grüner Tee verursacht Leberentzündungen! Finger weg vom grünen Tee!! Mein Gott, wir werden alle... Und so weiter. Doof nur wenn Leute wie wir die eigentlichen medizinischen Berichte lesen und es genau nehmen. https://www.livescience.com/52392-green-tea-hepatitis.html Es stellt sich heraus dass dieser "Grüntee" eine unbeklannte Mischung unbekannter Zusammensetzung, denn weder die Betroffene noch die Ärzte scheinen zu wissen was die chinesische Aufschrift auf der Verpackung eigentlich angibt. Auch ist eine Reihe von Fällen dokumentiert wo Supplemente und Extrakte auf Grüntee-Basis, jedoch kein Grüntee i.e.S. eben zu Leberentzündungen geführt haben. Diese Umstände scheinen für FOKUZ aber keine Relevanz zu haben, denn der Artikel nennt Camellia sinensis als direkter Verursacher der Leberentzündung. Einfach so. Ich zitiere: Die angegebene Quelle sagt folgendes: Auch hier gibt es ein Problem: Frankreich und Spanien haben Camellia sinensis - Extrakte verbieten lassen, jedoch nicht Grüntee in seinem Originalzustand! Für den unkundigen Leser entsteht aber der Eindruck als hätten diese zwei Länder Tee an sich komplett abgeschafft. Wenn man den Quellenangaben dieses Papieres folgt, kommt das: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/lt.21021/full Was wir hier also haben sind gut dokumentierte Fälle von hochkonzentrierten Camellia sinensis - Extrakten mit Begleitstoffen, welche zu akuten Leberentzündungen geführt haben. Der Unterschied zwischen Extrakt mit fragwürdigen Nebenstoffen und frischem Grüntee-Blatt scheint für den messerscharfen Verstand der Sensationsmedien nicht so wichtig zu sein, Camellia sinensis ist Gift!!! Wir werden alle sterben... /facepalm/
  8. Mythos Yixing?

    @Cel Absolut richtig, und ich glaube ich kann auch sagen woher diese H+ Ionen (= Säure) kommen - aus dem Teeblatt! Hab nämlich mit pH-Indikator Tee und verbrauchte Teeblätter gestest (Sheng, Oolong) und ich erhielt Werte zwischen 5 und 5,4. Es gibt sogar eine kleine Studie über die Wirkung des Schwarztees auf menschliche Zähne, die pH-Werte die dort angegeben werden sind so ziemlich diesselben und zumindest in der "conclusion" (ich weiß, ich sollte besser die eigentliche Studie zitieren... ) wird Schwarztee als milde Säure charakterisiert, was aber jeder von uns anhand des Ph-Werts von 5 klar sehen kann. Was ich aber noch erwähnen muss ist; es liegt mir absolut fern die mystisch-romantische Aura der Yixing-Tonwaren zu "entzaubern"! Wenn überhaupt dann liefern die spektrografischen Analysen und die mineralogische Forschung handfeste Belege dass der Zisha-Ton eine reale Auswirkung auf den Tee entfaltet, die wissenschaftlich erklärt werden kann. Somit ist z.B. jeder Vorwurf eines Placebo-Effektes vom Tisch. Außerdem bin ich der Meinung dass die Mehrheit unserer deutschen Mitbürger keine ausgeprägten Romantiker sind, wissenschaftliche Belege würden diese zum Erwerb qualitativer Yixing-Ware eher bewegen als mystische Legenden. Somit sollten wiss. Hintergründe für unsere verehrten Teeanbieter von besonderem Interesse sein, die übrigens nebenbei viele Fragen der Kunden bezüglich der Schadstoffe beantworten. The Zisha clay is real!!! Das ist meine eigentliche Message! Grüße, OstHesse
  9. Mythos Yixing?

    @Manfred @Tobias82 Ich glaube ich hab da was: http://www.minersoc.org/pages/Archive-CM/Volume_29/29-1-77.pdf In dieser experimentellen Studie wurden zwei der häufigsten Glimmerarten, Muskovit und Biotit, fein zermahlen, auf ihre Kaliumfreisetzungseigenschaften untersucht. Zwar wurden da harte Chemikalien verwendet, die garantiert kein 85°C heißes Trinkwasser sind, aber auf der S. 79 haben wir handfeste Zahlen wieviel Kalium Glimmer generell enthalten - zwischen 45 und 85 mg Kalium pro 1g Glimmer. Biotite haben konkret etwa 45mg/g im Schnitt (siehe Table 1., ebd.), die gemessenen Freisetzungsmengen bewegen sich je nach Chemikalie und Methode zwischen 16 und 42 mg Kalium pro Gramm Biotit, was an sich schon eine ganze Menge ist. Man wird einwenden dass heißes Trinkwasser bei weitem nicht so hohe Kaliumextraktion verursachen wird als die in der Studie angewendeten Chemikalien und Prozesse, was natürlich richtig ist. Es wird am Anfang der Studie ausdrücklich auf die Rolle der Glimmer als Kaliumlieferanten der Pflanzen eingegangen, was an sich schon darauf hinweist dass Regen und Grundwasser als Lösungsmittel potent genug sind. Als Querverweis finde ich die zwei mineralreichsten Mineralwässer, die z.Z. auf dem Markt sind, am besten: https://www.mineralienrechner.de/vergleichstabelle-gerolsteiner-mineralienrechner/53.html Wenn wir all diese Werte auf 100ml herunterrechnen, hätten wir 1-3 mg Kalium, 9-30 mg Kalzium und 10-12 mg Magnesium. Ich habe schon eine Menge Minteralwässer ausprobiert und jahrelang Hydrogenkarbonat als Gegenmittel zum übersäuerten Magen genommen, sowohl "Gerolsteiner" als auch "Apollinaris" schmecken substantiell mineralischer als der handelsübliche Rest, und das liegt eindeutig nicht am Hydrogenkarbonat allein. Die geringste Kaliumextraktionsrate in der Studie liegt für Biotit bei 1,6 mg/g und Muskovit 0,2 - 0,9 mg/g, was den Werten der o.g. Mineralwässer eigentlich recht gut entspricht. Man darf auch nicht vergessen dass Zisha-Ton aus feinen gemahlenen Partikeln besteht und das Material an sich ungewöhnlich porös ist, was die Kontaktfläche zwischen Wasser und Kannenmaterial drastisch erhöht und potentiall auch die Kalium-Extraktionsrate. Außerdem ist die Kanne keine 1 Gramm, sondern um einiges schwerer, da kommt wesentlich mehr Material in Kontakt mit Wasser. Eine Kalium-Extraktionsrate von 200µg bis 2mg ist anhand dieser Daten durchaus realistisch und reicht eindeutig aus um Geschmack und Konsistenz des Wassers/Tees zu beeinflussen. Es wird dabei natürlich auf die Tonart ankommen, Zini ist nicht Duanni und umgekehrt Grüße, OstHesse
  10. Mythos Yixing?

    Da bräuchten wir hier einen echten Chemiker, der uns erzählen kann wie man Kalium zu Hause einfach und sicher nachweisen kann, ohne ins Labor rennen zu müssen. Ist da zufällig einer unter uns hier?
  11. Mythos Yixing?

    Ich hab recherchiert. Laut dieser Quelle besteht Zisha-Ton vorwiegend aus folgenden Mineralien; Kaolinit, Quarz, Eisenoxid und Glimmer (engl. mica). Kaolinit ist klar, Quarz ist weitgehend uninteressant, da purer Siliziumoxid, Glimmer jedoch ist tatsächlich eine reichhaltige Quelle von Kalium und Magnesium: https://de.wikipedia.org/wiki/Glimmergruppe#Echte_Glimmer https://www.inver-online.de/img/glimmer.pdf Aus rein chemischer Sicht sind die zuvor verlinkten spektrografischen Analyseergebnisse absolut schlüssig und legen nahe dass die im Zisha-Ton enthaltene Glimmerbestandteile die Quelle von Kalium und Magnesium darstellen. Bezüglich ihrer Löslichkeit in Wasser - Quelle (S. 207 ff ) Da der Zisha-Rohstoff zuerst fein zermahlen und dann durch das brennen quasi nur zusammen-gesintert wurde, haben wir es wohl mit sehr kleinen Glimmer-Partikeln zu tun die dann mit Wasser reagieren und Alkalimetalle freisetzen. Quasi der klassische Verwitterungsprozess im Taschenformat Das ist so mein gegenwärtiger Stand, und ich glaube dass der "Mythos Yixing" eben für mich keiner mehr ist. Er lässt sich doch ganz plausibel naturwissenschaftlich erklären. Die Besonderheit des Yixing-Tons müsste also in der mineralischen Zusammensetzung des Rhstoffs liegen, wobei die Glimmer-Bestandteile ausschlaggebend sein dürften. Grüße, OstHesse #fullTeaNerd
  12. Mythos Yixing?

    Mal wieder hab ich mich mit Yixing-Chemie beschäftigt und eine Lektion lernen müssen. Hier sind nochmal die schönen Tabellen: https://www.teachat.com/viewtopic.php?t=18092 Die Sache ist, diese Tests sind spektroskopische Untersuchungen, d.h. das Material wird zuerst durch einen Laserpuls verdampft um danach spektroskopisch untersucht zu werden. Die Bestandteile des Materials liegen dabei natürlicherweise als Oxiddämpfe vor, da diese sich an der Luft sofort oxidieren, was bedeutet dass diese Tests nichts über die Originalverbindungen im Ton aussagen sondern nur den prozentuellen Anteil der Elemente darstellen. Die Löslichkeit der Oxide spielt also überhaupt keine Rolle. Meine hart gelerne Lektion; wenn ich mal wieder eine chinesische Studie lese, bitte sehr penibel die Rohdaten und verwendete Methoden überprüfen und nicht zu sehr von "abstracts" und "discussions" ablenken lassen. Die oben verlinkten Tabellen zeigen aber alle konsistent und eindeutig die Konzentration der Elemente, Eisen (6-10%), Kalium (2-3%) und Magnesium (1-2%) scheinen neben Hauptbestandteil Kaolinit (Aluminium-Schichtsilikat) am üppigsten vorhanden zu sein. Vor allem Kalium ist nach wie vor auffällig, denn: http://www.schneider-oenologie.com/downloads/chemische-sauerung-und-entsauerung.pdf http://www.remstalkellerei.de/wein-lexikon/kalium/ "Maskierender Effekt", mehr "Mundfülle", sinkender Kaliumgehalt macht Wein "dünn" und "spitz", das kommt mir doch sehr bekannt vor. Es stellt sich mir jetzt die Frage, welches Kaliummineral ist es denn in unserem Zisha-Ton? Die einfachste Antwort wäre vielleicht ganz allgemein Kalium-Silizium-Vernindingen?...
  13. Qualität und Entwicklung bei mittelreifem Sheng

    Dritter Tee! Dieser ist aber keine 10+, sondern ein Dayi 8582 (2013), also ein 4 Jahre alter Sheng-Klassiker. Gewaschenes Teeblatt gibt noch viel "Holz" von sich, nach dem ersten Aufguss verschiebt sich dieses in den Hintergrund und bleibt dort, es kommen gebackene Äpfel, Aprikosen-Kompott, ein Hauch Birne und eine richtig kernige Mineralität - salzige Brise, heißer Sand und Steine am Meeresstrand, erhitzt durch die gnadenlose Mittagssonne. Das klare trockene Holz, eine leichte Süße und gebackene Äpfel dominieren den Tee bis zum Schluss, nach dem 6-7 Aufguss gesellt sich ein Hauch vom frischen Champignon dazu. Keine Spur von Bitterkeit. Die Trockenlagerung hat, was Aromen, Textur und Geschmack angeht, nichts großartig verändert, jedoch Vorhandenes verstärkt, wie z.B. die Steinobst-Aromen und die Mineralität. Das "Holz" hatte vorher eine gewisse erdig-morsche Note, die jetzt aber weg ist. Im Großen und Ganzen schmeckt er immer noch relativ "jung", ich schätze die morschen Noten hatten die jugendliche Frische dieses Sheng mehr oder weniger überdeckt. Der Antrunk und Abgang sind überraschend mild und ausbalanciert, gut anhaltender Nachgeschmack der von der mineralischen Astringenz dominiert wird. Macht leicht "bu-bu" im Kopf. ich für meinen Teil habe folgendes beschlossen; wenn ich wieder mal alten Sheng anschaffen werde, wird dieser bei mir zuerst verkostet und dann je nach Bedarf einer mehrmonatigen ultra-trockener Lagerung unterzogen. Keiner dieser drei Tees hat davon einen geschmacklichen Verlust davongetragen, im Gegenteil alle haben was dazu gewonnen, auch wenn in unterschiedlicher Art und Weise. Grüße, OstHesse
  14. Qualität und Entwicklung bei mittelreifem Sheng

    Nun, gut, zweiter Tee verkostet, der CNNP Yiwu (2006) Die Veränderung des Tees ist weniger drastisch als beim Jinggu, aber umso spezifischer. Die Holzigkeit, die diesem Yiwu von Anfang an zu eigen war, ist geblieben, die Steinfrucht-Kompott-Noten, die vor der Lagerung da waren, sind nur noch ganz im Hintergrund zu erahnen. Dafür kommt eine samtweiche den Geschmack eindeutig dominierende Süße zum Vorschein, die Textur des Tees ist viel feiner als vorher, was sich aber richtig in den Vordergrund gerückt hat ist diese intensive Mineralität, die einen prickelnden Nachgeschmack und langanhaltende Mundfrische hinterlässt! Eben dieser Mineral-Kick gibt dem Tee eine ganz andere Erlebnisnote, welche vor einem halben Jahr noch nicht da war, zumindest nicht derartig im Vordergrund. Der Geruch des Teeblattes in der Kanne lässt noch viel Uriges durchblicken, das Aroma und Geschmack in der Tasse jedoch fast gar nicht mehr, klares Holz mit einem Anflug erntefrischer Kartoffel und alter handgestrickter Topflappen aus purer Wolle. Die Art und Weise die Mineralität zum Vorschein kommt, erinnert mich deutlich an junge Gushu Shengs. Die psychoaktive Wirkung des Tees ist eindeutig stärker geworden. Morgen verkoste ich das letzte Sheng-Stück, verrate aber noch nicht was für Tee das ist. Überraschung muss sein. Grüße, OstHesse
  15. Qualität und Entwicklung bei mittelreifem Sheng

    Tja, dazu hätte ich jetzt was zu berichten. Vor einigen Monaten (4 bis 5, weiß nicht mehr genau), habe ich drei Stücke meiner 10+ Jahre alten "Bauernhof"-Shengs an meine Eltern verschenkt, in der Honffnung sie könnten den urigen Noten was abgewinnen. Es hat sich herausgestellt dass meine Eltern diese Tees in ihrem Gartenhäuschen in einer Plastiktüte deponiert und vergessen haben. Diese lagen also monatelang in einem Schuppen, der viel Sonne abbekommt (Hitze hatten wir ja in den letzten Sommermonaten reichlich) und eine recht trockene Atmosphäre schafft. Keine sonstigen Feuchtigkeitsquellen waren im Schuppen vorhanden, kein Keller, das Häuschen ist von viele Pflanzen und Bäumen umgeben. Und heute war ich eben in diesem Schuppen, half meinen Eltern beim Schleppen vieler Gärtner-Utensilien und entdeckte meine Tees, unberührt und luftdurchlässig eingetütet... Selbstverständlich hab ich diese Sheng-Stücke mit nach Hause genommen und ich bin gerade dabei den Changtai Golden Jinggu (2004), eines der drei Stücke, zu verkosten. Beim Kauf war das Urig-Erdig-Kompostige viel zu sehr ausgeprägt, was meine Geschmack gar nicht traf. Nach ca. 4-5 Monaten relativ trockener westsächsischer Gartenhäuschen - Lagerung hat sich der Jinggu wie folgt verändert: Das urig-kompostige "Muh-Muh" hat sich bedeutend abgerundet und verschob sich in Richtung gut eingelegten Apfel-Kompotts, rohen Kartoffeln und reifen Holzes. Textur wurde weicher, die früher von "Muh-Muh" zu sehr dominierte Süße entfaltete sich jetzt voll und jetzt schmecke ich sogar eine gewisse Minzigkeit heraus, die sich nach dem 5-ten Aufguss voll entfaltet. Besonders der langanhaltende minzig-prickelnde Nachgeschmack ist sehr angenehm und erfrischend. Der Raum füllte sich mit dem Aroma von frisch geernteten rohen Kartoffeln. Die Lehre die ich daraus ziehe: dry storage for the WIN! Verehrter @doumer hatte da tatsächlich recht. Die Frage die sich mir aber jetzt stellt ist, eignen sich alle Shengs für trockene Lagerung? Es gibt da ganz kontroverse Meinungen und gar hitzige Debatten...