OstHesse

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    Tee-Genießer
  1. The Tea Garden von George Morland, 1790 Chelsea Pensioner von J. Jenkins, 1826 Familienportrait von Tomofei Mjagkov, 1844 Afternoon Tea von Jean François Raffaëlli, ca. 1880
  2. Jetzt wirds aber richtig nerdy... Wir haben hier bisher sechs Abbildungen gesehen (Mieris, Koets II., Verkolje, van Aken und zwei von Hayman ) die zwischen 1680ern und 1740ern zeitlich situiert sind und zwei Dinge zeigen; ziemlich kleine Trinkschalen und eine relativ kleine Teekanne von matter brauner Farbe und Design-features, die all jenen sehr bekannt vorkommen die sich mit der traditionellen Yixing-Keramik auseinandergesetzt haben. Diese Darstellungen wurden von fünf unterschiedlichen britischen und niederländischen Künstlern angefertigt und sind über einen Zeitraum von 60 Jahren verstreut. Ich habe natürlich die europäischen Teekannen aus Kupfer recherchiert, das Ergebnis ist dass diese mehr oder weniger alle (die bis heute überdauert haben und auf Bildern immer noch zu erkennen sind) so aussahen wie van de Schlichten's Exempel (erste Hälfte 18 Jh.). Ich konnte keine 200-300ml kleinen europäischen Kuperkannen vom chinesischem Design finden. Wenn man ihre Farbe und Oberflächentextur anschaut, im Gegensatz zum obigen Exempel, liegt die Annahme, es handelt sich um Ton, sehr nahe. Und da wie auch wissen dass die Chinesen Teegeschirr speziell für den europäischen Teemarkt herstellten (Ca Mau Schiffswrack), inklusive Teeschalen... ... jeder weiß doch worauf ich hinaus will! Die ersten chinesischen Erwähnungen von besonders kleinen Kannen und Trinkschalen stammen aus dem 18 Jh (siehe Lawrence Zhang) und Thomas Short schreibt in seinem Werk (herausgegeben 1730) dass Pekoe und Congou beide fünf Aufgüsse vertragen ("will bear five Waters"), der Congou aber zeitnah abgegossen werden muss ("presently pour'd off") da er sonst zu stark extrahiert ("the whole Strength of the Tea will be drawn out at once" S.13). Die Aufguss-Zahl wird auch für Grüntee angegeben, Hysson z.B. verträgt ebenfalls fünf Durchgänge wobei explizit gesagt wird dass man bei diesem Tee weniger Blatt für diesselbe Wassermenge baucht als es bei anderen Tees der Fall ist (S.14). Wir haben also nicht nur moderat große (Ton?)kannen die der klassischen Yixing-Keramik ähnlich sehen, sondern auch die mitunter sehr kleinen Trinkschalen (Hayman, Koets II., Verkolje) und den Bericht eines Gelehrten aus genau demselben Zeitraum, welcher sich kaum mit der Praxis eines simplen einmaligen 5-minütigen Aufgusses vereinbaren lässt. Ich interpretiere die Belege mal vorsichtig: Es wurden vermutlich nicht nur Tee, sondern auch das Geschirr und die Zubereitungspraxis nach Europa exportiert, denn die konkrete Gegend wo die Europäer den Tee kauften (Fujian, Guangdong), ist auch die Geburtsstätte der Chaozhou Gongfu Cha. Die Mode dafür hielt in Europa offenbar nicht lange, denn ab der 2 Hälfte des 18 Jh. bildete sich mehr oder weniger das raus was wir heute von den Ostfriesen immer noch kennen, große Teekannen und Tassen + Zucker & Sahne dominierten nun komplett. Grüße, OstHesse
  3. The Strong Family von Charles Philips, 1732. Sehen wir da etwa ein wohlbekanntes Teetablett??? https://images.metmuseum.org/CRDImages/ep/original/DP164826.jpg The Gascoigne Family von Francis Hayman, ca. 1740er Jonathan Tyers and His Family von Francis Hayman, 1740
  4. Einstieg in den Teegenuss

    @Joinatic Willkommen in der Teewelt! Ich würde Dir an dieser Stelle einfach mal meinen Leitfaden-Entwurf empfehlen. Eine sehr vereinfachte erfahrungs-basierte Übersicht über alle wichtigsten Teesorten, Wassertemperatur, Aufgusszeit, usw., die dazu dient dass man als Anfänger kosteneffektiv herumexperimentieren und wenig bis gar nichts falsch machen kann. Denn... Grüße!
  5. An English Family At Tea, Joseph van Aken, ca. 1720: Nikolaas Verkolje, erste Hälfte 18 Jh.
  6. Um mit dem Thema Gongfu Cha weiter zu machen... Fast alle europäischen Teebilder aus dem 17-18 Jh. haben ziemlich diesselben Utensilien auf dem Tisch! Teekanne (Silber und Porzellan sicher identifizierbar, braunfarbige Teekannen könnten aus Ton oder Kupfer sein) Behälter zur Aufbewahrung von Tee große Schale, vermutlich zum Ausgießen der Teereste oder fürs überschüssige Wasser Kandiszucker mit Zange Teeschalen mit Untertasse (Beispiel) Milchkanne (ich kenne aber kein Bild welches zeigt was eigentlich drin ist) Es ist also grundsätzlich alles da was wir für eine Chaozhou Gongfu Cha - Session brauchen, Kanne, Teetablett (tellerartige "Teeboote" sind heute noch verbreitet), wenn wir einfach Milch und Kandiszucker wegtun, das dazugehörige Geschirr aber behalten, haben wir einen Cha Hai und die Zange noch dazu Und ja, die Niederländer mit ihren Tee- und Teegeschirrexporten haben die Ostfriesische Teekultur entscheidend geprägt, deswegen ist alles oben Aufgezählte auch 1 zu 1 Bestandteil des ostfresischen Teetrinkens (außer der großen Schale, die ist heute weg, warum auch immer). Ich behaupte mal frech, schon mal aufgrund der verfügbaren Quellen, dass das ostfriesische Teetrinken ein echtes Relikt aus dem 18 Jh. zu sein scheint, so macht es auch Sinn warum diese Teekultur zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt wurde. Eine Parallele wäre z.B. Chadō, welche vor fast 1000 Jahren von den Chinesen übernommen, bewahrt und weiterentwickelt wurde, in China selbst aber schon lange vergessen. Früher hat vielleicht ganz Europa so getrunken, wie oben beschrieben, heute tun's nur die Ostfriesen. Wenn wir aber weiter und weiter in die Vergangenheit blicken, wie Niederlanden des 17 Jh., das Quasi-Ursprungsland der europäischen Teekultur als Ganzes, sehen wir die chinesischen Einflüsse umso deutlicher. Was aber die moderne "westliche" Teekultur angeht, HIER ist eine Quelle aus der Übergangszeit zwischen "traditionell" und "modern". Ich möchte nochmal betonen, ob modern oder traditionell, nichts davon ist objektiv "besser". Es kommt nur auf die Ziele und den Zweck an! Grüße, OstHesse
  7. @nemo Bild 1: Niclas Lafrensen, 2. Hälfte 18 Jh. Bild 2: Willem van Mieris, spätes 17 Jh. Bild 3: Jan Josef Horemans II, 2. Hälfte des 18 Jh. Es sind auffällig viele niederländischen Maler die Bilder über Tee hinterließen. Dies könnte damit zu tun haben dass die Niederländer praktisch für die ersten 100 Jahre die eifrigsten Teeimporteure waren, noch vor den Briten. Egbert van Heemskerck I. oder II., Niederlande, 17./18. Jh.: A.R. de Gasc, 1761, Ekaterinburg https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/ce/Female_portrait_by_A.R._de_Gasc_(1761%2C_Ekaterinburg)_anagoria.jpg
  8. Liebe Grüße an alle Teekenner! Dieses Thema brennt mir schon lange auf der Zunge, denn heute ist es besonders populär Gongfu Cha, die traditionell chinesische Teezubereitungsmethode und die sogenannte "westliche Methode" gegeneinander zu stellen und zu vergleichen, wobei wir fast immer die Aussage "Gongfu Cha ist 'besser!" zu hören bekommen. Unser @miig hat mal ein Thema gepostet wo er nach der Definition von Gongfu Cha fragte, nun, ich bevorzuge da eine rein technische Herangehensweise. Das Wort gongfu wird je nach Quelle und Translator mit "Anstrengung", "Mühe", "Fertigkeit" und "Kunst" übersetzt, wenn man aber einfach den Vorgang selbst anschaut sowie die dahinter stehenden Ziele, ist Gongfu Cha praktisch dasselbe was wir in Europa mit Wein, Whisky und Zigarren machen! Man kann all diese Sachen nur des Alkohols wegen einfach herunterstürzen und die Zigarren nur des Nikotins wegen verqualmen, die Kenner tun das jedoch nie - man verwendet spezielle Geschirr, Werkzeuge und Konsummethoden um den Genuss soweit zu maximieren wie es nur geht. In Zigarren-, Wein- und Whiskyclubs geht es primär um Genuss, Erkenntnis und das soziale Beiwerk, nicht stupides saufen und quarzen. Die Genussmittel sind der Star der Show, kein Kenner wird seinen besten Single Malt mit Eiswürfeln malträtieren oder die feinste Zigarre brutal im Aschebecher ausdrücken, exakt diesselbe Mentalität haben die Chinesen auch wenn die eine Gongfu Cha Session machen. Wenn aber nun von "westlicher Methode" gesprochen wird, werden darunter fast immer moderne Teegewohnheiten der breiten Bevölkerung in Europa und Nordamerika gemeint, wobei auch fast immer angenommen wird dass eben diese die "europäische Teekultur" darstellen. Diese Sicht halte ich für falsch! Ich habe mich in letzter Zeit mit Geschichte des Tees in Europa auseinander gesetzt, schriftliche Quellen und Abbildungen aus dem 17 bis 19 Jh., aus der Zeit wo weder Indien noch Sri Lanka als Teeproduzenten eine Rolle spielten (hier, hier hier nur um Einige zu nennen), nur um Folgendes festzustellen. Bis ungefähr 1820 war der gesamte verfügbare Tee ausschließlich chinesischen Ursprungs und er war nicht nur "Tee" sondern Bohea, Hysson, Singlo, Souchong, Congou, Pekoe, etc., wobei das was wir heute "Schwarztee" nennen um die Mitte des 18 Jh. den größten Anteil am europäischen Teeimport erlangte. Bis dahin war Grüntee tatsächlich die am meisten konsumierte Teeart in Europa (quelle). Das Teegeschirr, wie die Abbbildungen und Beschreibungen vom Teetrinken zeigen, wurde ebenfalls teils aus China importiert teils nachgeahmt, Abbildungen von Teetrinkern zeigen wenig bis gar keine Lebensmittel auf dem Teetisch, der chinesische Einfluss hier ist kaum zu übersehen. Einfach zusammengefasst, die europäische Teewelt des 18 Jh., wo britische, ostfriesische und russische Teekulturen in ihren Grundzügen gebildet wurden, war eine nahezu komplett andere Welt, die viel näher an China war an unsere heutgen westlichen Teegewohnheiten! Warum hat sich die europäische Teewelt so radikal verändert? Nun, zuerst haben die Teeplantagen in Assam den Teemarkt komplett umgekrempelt, bereits am Ende des 19 Jh. war indischer Schwarztee bereits so billig und so verbreitet, dass er andere Teesorten vom Markt nach und nach verdränge. Es war trotzdem noch klassischer Blattee welcher die klassische Zubereitung zuließ. Als aber in den 1930ern die CTC-Methode erfunden und perfektionert wurde, eroberte der nach CTC hergestellte Assam Schwarztee ab den 1950ern die gesamte Welt! Die Gründe dafür waren und sind; er extrahiert viel schneller, ist als Staub perfekt für Teebeutel, kann in rauhen Mengen produziert weren und ist schön billig. Die wohl tiefste Zäsur ist jedoch sein Geschmack und Aufgussverhalten, welche sich von den klassischen chinesischen Oolong, Heicha und Hongcha fundamental unterscheiden! So passierte es dass die alten Aufguss- und Konsummethoden nach und nach aufgegeben und vergessen wurden, denn die Teekannen, Samoware und Stövchen hatten einfach keine Funktion mehr. CTC Assam braucht keine hohe Dauerhitze im Gegensatz zu o.g. chinesischen Tees, er brüht nur einmal auf, man kann ihn einfach im Gefäß behalten ohne dass es zu bitter wird und sein rauher intensiver Geschmack lässt sich wunderbar mit Milch, Zucker und allerlei Gebäck und Kuchen ergänzen. Man kann also sagen dass unsere moderne "westliche Teekultur" an sich ziemlich jung ist und fast komplett auf CTC Assam ausgerichtet ist. Sie lässt sich mit traditionellen europäischen Teekulturen kaum bis gar nicht vergleichen - anderer Tee mit komplett anderen Eigenschaften, andere Zubereitungsweise (Teebeutel, Teeeier, tea brewer, etc.) und eine völlig andere gesellschaftliche Stellung des Teetrinkens. CTC Assam wird heute von der Masse der Konsumenten als "der Tee" schlechthin verstanden und wird als Beiwerk zu Süßigkeiten, Gebäck und Kuchen gesehen und nicht als etwas Eigenständiges, deswegen kann man ihn mit chinesischen Tees nicht vergleichen. Er ist weder "besser" noch "schlechter" sondern ANDERS! CTC Assam tut das wofür er gezüchtet und hergestellt wurde, und das ist nun mal nicht die Gongfu Cha. Was ich hier vermitteln will ist, die gegenwärtige Welle von Interesse am chinesischen Tee und chinesischer Teekultur hat bereits einmal vor mehr als 300 Jahren stattgefunden! Das Resultat dieser Begegnung war die Formation der britischen, ostfriesischen und russischen Teekulturen, China war das einzige Vorbild. Die moderne "westliche CTC Assam - basierte Methode" hat mit all diesen historischen und modernen Vorlagen nahezu nichts gemeinsam. Von daher ist das ganze Gongfu Cha VS Westliche Methode eigentlich sinnfrei, denn hier werden förmlich Äpfel mit Kartoffeln verglichen! Die moderne westliche Teekultur ist weder "traditionell" noch "europäisch". Was ich übrigens faszinierend finde ist, je mehr man sich mit der chinesischen Teekultur beschäftigt, desto mehr entdeckt man über die eigene fast vergessene Teekultur, wie sie einmal bei den Briten, Russen und Deutschen herrschte. Das was wir als Teefans heute tun, dürfe vor 200 bis 300 Jahren durchaus zur Normalität gehört zu haben Grüße, OstHesse
  9. Der Test-Wahn hat nun ein Ende! Ich hab mich jetzt eine gaaanze Weile mit Yixing, Tea Tastern, Silber, Kaffetassen und Gaiwanen beschäftigt um einfach mal experimentell deren thermische Eigenschaften herauszufinden. Der eigentliche (geheime ) Zweck war von Anfang an die Formulierung einer fundierten Empfehlung für Anfänger, die in die Welt des Tees eintauchen wollen, um gleich vom Tsunami des zum Teil sehr spezifischen Teewissens weggespült zu werden. Tausende Experten, tausende sich widersprechende Angaben. Meine Idee war ein simpler Grund-Leitfaden und ein Stück Geschirr welches sich überall in deutschen Haushalten findet. Am Ende war nur noch die Kaffeetasse übrig, es erfolgte eine Phase der Recherche und der Temperaturtests mit all meinem Teegeschirr (Yixing, Gaiwan, Tea Taster, etc.). Und jetzt ist es endlich soweit, der Gewinner ist.... ..... .... Die Befunde sind: wenn ich 95°C heißes Wasser in die kalte Tasse mit gewaschenem Teeblatt gebe, dann habe ich schon mal 80°C plusminus zwei Grad Kerntemperatur, wenn die Tasse handwarm ist, sinds schon mal 84-85°C. Wenn ich aber die Tasse durch ersten 95°C Aufguss vorwärme, das Blatt kurz (1 min max.) lüfte und dann wieder 95°C rein gebe, kriege ich 88-90°C! Bei normalem Gongfu-Cha - Vorgang, ohne Eile, hält die Tasse 86-88°C Kerntemperatur über mehrere Aufgüsse hinweg, ohne dass ich mein Wasser wieder erhitzen oder die Tasse begießen muss. Tja, das glich den Temperatur-Werten meiner Yixing doch viel zu sehr, deswegen hab ich nochmal den Test von Stéphane durchgeführt, 150ml Wasser wurden verwenden. 95°C heißes Wasser, nach 5 Sekunden in der kalten Tasse waren es 87,5°C und nach fünf Minuten bei geschlossenem Deckel 75°C. Die Werte von Stéphanes Hung Ni Shui Ping im oben verlinkten Artikel, bei 165 ml Wasser waren es 88°C nach 5 Sekunden und nach 5 Minuten 76°C, bei ansonsten denselben Parametern. Man könnte also sagen, die Werte sind fast identisch! Ob es nun an einem speziellen Porzellanrezept liegt oder an was anderem, die gute alte ostdeutsche Triptis-Porzellan -Tasse liefert genauso wie meine Yixing eine beständige Kerntemperatur im Schnitt um 86-88°C, je nach Wassertemperatur, und bietet auch ohne Vorheizen (Begießen mit Wasser) ein sehr vergleichbares Ergebnis, wenn man den temperatur-unabhängigen Einfluss des Tons auf Aroma und Geschmack ausklammert. Ich will damit zeigen, dass die Wahl einer Kaffeetasse als Aufgussgefäß nicht nur für Anfänger, sondern auch für Fortgeschrittene nicht nur geeeignet sondern auch gar zu empfehlen ist!! In Verbindung mit dem Leitfaden ergibt sich hier eine sehr kosten- und zeiteffektive Kombo für jeden der in die Welt des Tees eintauchen will, ohne Kopfschmerzen und Verwirrung. Ich für meinen Teil habe all mein Teegeschirr blitzeblank gereinigt und in den Schrank verstaut - jetzt ist erst mein Triptis-Gaiwan dran, für alle Tees die ich habe! Grüße, OstHesse
  10. Du merkst dass du teeverrückt bist, wenn...

    Du merkst dass du teeverrückt bist, wenn selbst eine solche Teeverkostung wie: https://www.youtube.com/watch?v=tRiUNAC6b-0&t=5m55s ... wild-romantische Gefühle erzeugt. Das Setting, der Tisch, die Omas Einmach... Gläser, es fehlen nur noch urwald-bedeckte Berspitzen und eine Menge unheimlichen Nebels.
  11. Der Klub der Starktee-Freunde

    Der Hochtemperatur-Test! Das eigentliche Glasgefäß einer Thermoskanne lässt sich normalerweise problemlos aus der Verkleidung herausnehmen, ich hab's gemacht, das Gefäß außen und innen vorgewärmt und mir einen Tee gemacht. 5g Jingmai Gushu Sheng, Jahrgang 2017, 1 bis 1,5 Minuten Ziehzeit, 120-130ml Wasser, Kerntemperatur 98-95°C. Die Hitze hat aus den 5g Tee alles herausgeholt, der Geschmack war recht kräftig wenn man bedenkt dass es nur 5 Gramm waren, ganz im Hintergrund lauerte aber dieser spezifische "zerkochtes Gras - Geschmack", welcher beim 5 Aufguss alles dominierte und den Tee zur "Giftsuppe" verkommen ließ. Außerdem wurde ein Effekt offensichtlich, welcher immer wieder bei Yixing- und auch Silberkannen beschrieben wird; die feinen und recht flüchtigen Teearomen (fruchtig, floral, frisch, etc.) werden durch die Hitze bedeutend minimiert, die zwei ersten Aufgüsse die ich machte schmeckten recht bescheiden, der Geschmack war nocht nicht voll da und es fehlte sehr spürbar an Aromen. Ich hatte auch in der Vergangenheit mit Stövchen experimentiert, und möchte hier einfach meine Beobachtungen und mein Fazit mitteilen. Wenn es um Pu Erh, weiße Tees, Darjeeling First Flush und Oolongs geht, entwickeln diese, meinen Präferenzen nach, ihr volles Aroma und maximalen Geschmack im Kerntemperaturbereich von 86-90°C Kühlere Temperaturen betonen die feinen Aromen umso mehr, der Geschmackskörper ist aber auch leichter und der Tee verträgt insgesamt mehr Aufgüsse. Temperaturen über 92°C schlagen zu sehr auf Aromen und tendieren dazu Sachen aus dem Teeblatt herauszuholen die wir nicht wirklich wollen. Natürlich gibt es Ausnahmen, Tees die man fast direkt kochen kann, ich gehe hier aber von der Mehrheit der o.g. Teetypen aus. Insgesamt es ist eine Sache des Geschmacks, aber wenn wir hier vom "Starktee" reden, muss einfach klar definiert werden; Starktee ist viel Teeblatt aufgegossen mit kochend heißem Wasser (~90°C Kerntemperatur), nicht Tee welcher eine halbe Stunde lang aufgebrüht und nicht der Tee welcher wie eine Suppe auf dem Herd gekocht wurde.
  12. Anfängerfreundliche Aufgussgefäße

    Die Herkuft des Tea Tasters ist entgültig geklärt!! Tea Industry Photograph Collection (Baker Library, Harvard Business School) ca. 1885 Tea Tasting Room, Fuzhou (Fujian), 1890s. Oswald Collection, Os05-164, © 2008 SOAS Arthur Reade: Tea and Tea Drinking. London 1884 Die Abbildungen und dessen Entstehungszeit deuten darauf hin dass die Tea Taster - Tassen tatsächlich vom Gaiwan abstammen, denn oben sind Fotos verlinkt wo wir in Reih und Glied stehende Deckeltässchen bei den Chinesen in Fujian und Guandong der 1880er sehen, währenddessen um diesselbe Zeit europäische Abbildungen nur Löffel und Schälchen zeigen. Das früheste europäische Foto ist das im vorigen Post verlinkte aus Indien am Ende des 19 Jh., wo diese Tassen wohl aus China rüber "geschwappt" sind. Die Frage ist jetzt - darf ich jetzt die Tea Taster offiziell als "Gaiwan" bezeichnen???
  13. Der Klub der Starktee-Freunde

    Noch was nachgetestet... Wenn ich den Test 5). wiederholt habe, allerdings ohne Teeblatt, betrug die Kerntermperatur satte 92°C, was bedeutet dass mein Tea Taster, vorgeheizt mit 95°C Wasser, dem Brühwasser trotzdem an und für sich drei Grad entzieht. Wenn Teeblatt dabei ist, sinds 85°C ±1,5° Kerntemperatur, was heißt dass der vorgeheizte Taster und Teeblatt zusammen einen Abfall von rund 10°C bewirken. Zehn minus drei sinds 7°C die das Teeblatt für sich beansprucht. Warum mache ich diese Tests? Nun, die Debatte um "die richtige Wassertemperatur" ist von ihrem Ende noch sehr weit entfernt, es gibt so viele Meinungen wie Teetrinker, und es sind nun mal besonders Anfänger die davon Kopfschmerzen bekommen! Mein Test soll zeigen dass die Wassertemperatur im Wasserkocher/Thermoskanne bei weitem nicht diesselbe ist die sich dann im Aufgussgefäß ergibt! Dies ist aber dem Normalbürger kaum bewust, habe ich den Eindruck. Wassertemperatur-Empfehlungen, die man überall auf der Welt vorfindet, meinen in 99% der Fälle die Wassertemperatur im Wasserkocher, nicht Kerntemperatur vom Wasser & Blatt im Gefäß. Was praktisch bedeutet, dass ein typischer 150ml Gaiwan mit durchschnittlich dicken Wänden einen Temperaturabfall von bis 20° hinlegen kann, wenn er z.B. so lange zwischen den Aufgüssen herumstand bis er kalt wurde. Und dann gibt es Leute, die dich wie einen gottlosen Ketzer anschauen, wenn du deinem Grünen 95°C Wasser gibst, ohne vorheizen, wo die Orthodoxen Teetrinker doch ihre 80°C - Grenze penibel einhalten... Auch gibt es in derselben Ecke viel Gerede ums Silber, es heißt dass Silberkannen die Hitze besonders gut leiten und viel heißer werden als alle andere Materialien, was zu einem "besseren" Tee führt. Nunja, theoretisch ist es so dass die Wärmeleitfähigkeit von Silber sehr hoch ist, so gegen 410 W/mK, die Wärmekapazität sich jedoch zwischen jener von Sand und Zinn befindet, ist also ziemlich niedrig. Was zumindest theoretisch bedeutet dass diese Kannen kaum Hitze aufnehmen, sich aber sehr schnell aufheizen. Wenn also mein Tea Taster aus reinem Silber wäre bei exakt denselben physischen Dimensionen, würde das Vorheizen ihn auf Punkt 95°C bringen, das lauwarme Teeblatt (was sich zwischen Aufgüssen sehr schnell abkühlt) würde aber seine 7°C Temperaturabfall nach wie vor verursachen. Wir wären dann bei 88°C, sprich drei Grad heißer als mein Taster aus glasiertem Porzellan. Genau die drei Grad, siehe Postanfang. Ob jetzt die drei Grad Temperaturunterschied sich bei Oolongs und Sheng im Geschmack derartig bemerkbar machen, bezweifle ich zutiefst. Grüße, OstHesse
  14. Der Klub der Starktee-Freunde

    Der Temperatur-Test !! Tea Taster - 140ml Randvolumen, 120ml effektive Teemenge per Aufguss, Gewicht 212 Gramm. Wasser - 95°C. Inhalt - als "Dummy-Tee" wurde heruntergetrunkenes voll entfaltetes Teeblatt vom jungen Sheng verwendet, Trockengewicht 7 Gramm. 1). Kalter Tee in das kalte Gefäß rein, aufgegossen, Thermometer-Sonde rein, Deckel zu, leicht mit Wasser begossen. Kerntemperatur: 76°C 2). Lauwarmer Tee in das lauwarme Gefäß rein, aufgegossen, Thermometer-Sonde rein, Deckel zu, leicht mit Wasser begossen. Kerntemperatur: 79°C 3). Warmer Tee in das etwa 40°C heiße Gefäß rein, mit 95° Wasser aufgegossen, Thermometer-Sonde rein, Deckel zu, leicht mit Wasser begossen. Kerntemperatur: 82°C 4). Warmer Tee in das kalte Gefäß rein, Deckel zu, Gefäß mit 95°C heißem Wasser begossen, Deckel auf, Wasser rein, Deckel zu, leicht mit Wasser begossen. Kerntemperatur: 84°C 5). Warmer Tee in das etwa 40°C heiße Gefäß rein, Deckel zu, Gefäß mit 95°C heißem Wasser begossen, Deckel auf, Wasser rein, Deckel zu, leicht mit Wasser begossen. Kerntemperatur: 86°C Der Temperaturabfall war relativ konstant, 1,5 bis 2 Grad je Minute, es stellte sich heraus dass das Begießen des Gefäßes mit heißem Wasser während des Brühvorganges sich kaum auf die Kerntemperatur auswirkte. Die Durchgänge 4). und 5). wurden mit einer anderen Methode durchgeführt, wobei das Gefäß zuerst vorgeheizt wurde bevor man den Tee aufbrühte, dies bewirkte eine Erhöhung der Kerntemperatur um satte 10 Grad. Grüße, OstHesse