OstHesse

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Über OstHesse

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    Tee-Genießer
  1. Es gab eine ganze Auflagenserie des Originalwerkes, der Originaltext wurde immer erweitert so dass am Ende "Mrs. Beeton" zu einer Art Eigenbezeichnung wurde, ähnlich dem Herrn "Knigge". Was uns die 1915-er Auflage aber vermittelt ist wie Tee im frühen 20 Jh. gemacht wurde bzw. was die Menschen als guten Tee erachtet haben. Man nehme weiches Wasser, bringe es zum Kochen und verwende es umgehend, langes Kochen macht Wasser hart und es ist besser neues frisches Wasser audzufüllen anstatt altes schon gekochtes zu nehmen. Ein voller Teelöffel Tee (3-4 Gramm laut eigenen Messungen) reicht für zwei kleine Teeteassen (historische Teetassen der kleineren Sorte sind so um 100-120 ml effektive Füllhöhe, hab recherchiert!), was ein Tee-Wasser-Verhältnis im Schnitt von 1g Tee auf 64 ml oder 1,6g pro 100ml ergibt. Ich möchte dazu noch eine viel konkretere Quelle angeben: http://www.raggedsoldier.com/measurments.pdf Es geht um die Maße des 19. und frühen 20 Jh., wobei wir auf S.21 explizite Angaben haben was ein "voller Teelöffel" und "kleine Teetasse" im damaligen Verständnis gewesen sind. Zitat: "1 small tea-cup = 1/2 cup or 4 ounces" (= 120ml) und "1 fluid drachm (dram) = 1/8 oz. or 1 teaspoon, or 60 grains" sowie "1 scruple = 20 grains, or 1/24 ounce, or a generous 1/4 teaspoon" Ein voller Teelöffel wäre damit 60 bis 80 oder durchschnittlich 70 grains, was 4,5 Gramm entspricht. Eine kleine viktorianische/edward'sche Teetasse wäre um 120ml. Damit lässt sich meine bisherige Rechnung ganz gut bestätigen, und wenn wir eben "a generous teaspoon" oder 80gr/5,2g Tee nehmen würden, wäre das Verhältnis gar 1g auf 46ml, also im Bereich von anständigem Grüntee nach chinesischem Vorbild. Ein spannender Fakt nebenbei... Etwa 1km entfernt von meiner Wohnung befindet sich ein altes Gebäude, Jugendstil, erbaut um 1900. Trotz der ganzen Jahre Jahre hat es keiner geschafft die in die Mauer eingelassene Werbetafel eines Lebensmittelgeschäftes so richtig zu entfernen, so dass man immer noch lesen kann was in diesem Geschäft vor 120 Jahren so verkauft wurde. Und eines der angebotenen Waren war eben "Chin.Thee" Zu denken, dass der Tee, den ich jetzt trinke, vor 120 Jahren einen Katzensprung von mir zu kaufen war, hier in den Untiefen der westsächsischen Provinz, und die Hausfrau von nebenan eben diesen "nach Mrs. Beeton" zubereitet hätte...
  2. Dieser Artikel hat meine Einstellung zum japanischen Chadō wirklich etwas verändert, denn für Menschen mit Angststörungen, Phobien oder anderweitigen stressverbundenen Problemen werden eben Achtsamkeitsübungen und Meditation seit Jahren empfohlen. Und Chadō ist wohl der meditativste Weg Tee zu trinken den man sich denken kann. Ich kenne gar Leute die davon richtig profitieren könnten. Für mich persönlich ist der japanische Chadō leider nichts, ich bin einfach kein Mensch für ritualisierte repetitive und theatralisch anmutende Handlungen die Stunden dauern können ohne einen einzigen Schluck Tee
  3. Optimale Größe Gaiwan und Kyusu

    In der Tat ein oft unterschätztes Thema... Das Totalvolumen bei Teekannen wird am einfachsten wir folgt gemessen. Kanne komplett mit Deckel auf die Waage stellen, Waage auf Null stellen oder das Gewicht schriftlich notieren. Kanne runter von der Waage, Deckel runter, komplett mit kaltem Wasser bis zum Überschwappen füllen und den Deckel wieder draufmachen. Due Kanne wieder wiegen, mit dem ganzen Wasser drin. Da 1ml Wasser ziemlich genau 1g wiegt, ist der Unterschied zwischen voll und leer ist dann das Gewicht des Wassers und somit das Volumen. Beim Gaiwan im Prinzip dasselbe anwenden, mit dem einzigen Unterschied dass der Gaiwan bis zu jener gedachten Linie mit Wasser gefüllt werden soll, wo die Kante des Deckels die Wände des Gaiwan berührt. Sprich wenn der Deckel zu ist, darf kein Wasser am Deckelspalt hervor quellen. Immer wieder etwas Wasser abgießen bis nichts mehr hervor quillt, abwiegen, den Gewichtsunterschied in Gramm feststellen, und da hat man wieder das Totalvolumen. Es ist aber tatsächlich so dass dieses Totalvolumen nicht 1 zu 1 als "sich daraus ergebene Teemenge" verstanden werden soll. 6 Gramm Teeblatt sind bei mir je nach Teeart und Qualität so um 18g (±4) schwer wenn sie komplett re-hydriert sind, in meinem "everyday Gaiwan" (120ml Totalvolumen) sind das bei 6g Teeblatt 100 bis 110ml Tee die daraus kommen (sprich nur etwa 80% vom Totalvolumen). Das heißt, damit können nur zwei Menschen mir zwei 50ml Trinkschälchen per Aufguss serviert werden! Wenn ich also 4 Personen sitzen habe, die ihren Tee z.B. nach Ostfriesen-Art gern haben (120ml Teetassen), dann brauche ich 4x120=480ml Tee. Die 480ml durch 0,8 teilen und da hat man schon das benötigte Aufgussgefäß-Totalvolumen für diese Session! Das Totalvolumen ist vor allem wichtig das Wasser zu Teeblatt - Verhältnis schätzen zu können. Eine sehr bekannte Zahl ist z.B. 1 Gramm Tee auf 15ml Totalvolumen, auf 120ml sind es 8 Gramm. Es gibt aber Leute die eben 1g pro 20 oder 30ml nehmen, das muss man für sich selbst entscheiden. Mein persönlicher Goldstandard ist 1g auf 20ml. Bei obiger Runde aus 4 Personen und dem landläufigen Gewohnheits-Standard von 2g Teebeutel-Tee auf 230ml Mug (1g auf 115ml) werde ich 5 bis 6g Tee in der 500 bis 600ml Kanne zubereiten. Soll am Ende heißen, der persönliche Mengenbedarf an Tee entscheidet über die Größe des Aufgussgefäßes
  4. Ein neuer Ernte-Trend in Yunnan?!

    Und doch sind die Zeiten gar nicht lange her, wo tatsächlich absolut legitime Historiker, Kampfkünstler, Japanologen und Museumskuratoren geglaubt bzw. verbreitet haben dass ein Samuraischwert durch Eisen und Stahl wie Butter schneidet ohne Schaden zu nehmen und dass typische Ritterschwerter 5 bis 10 Kilo gewogen haben. Und das, obwohl selbst ein Achtklässler sehr schnell nachrechnen kann dass diese Vorstellungen an der physikalischen Realität völlig vorbei gehen. Man sollte die Macht der Filmindustrie, des dabei erzeugten Hype und einer handfesten Massenhysterie nicht unterschätzen, egal ob es um Schwerter, Meteoriten oder Tee geht.
  5. Ein neuer Ernte-Trend in Yunnan?!

    Ein vergleichbares Thema existiert auch bei uns hier in Mitteleuropa!
  6. Welcher Tee ist heute in eurer Tasse? Teil 3

    Morgensonne, Morgenfrische, Duanni, 6,4 Gramm Dian Hong.
  7. Da ich so langsam den Ruf eines verrückten Teewissenschaftlers nicht mehr ausweichen kann, hier ist die Kurzversion meiner langjährigen Tests und Experimente! Tees die hohe und persistente Hitze benötigen sind am besten mit Tonkannen bedient Tees die es kühler mögen sind in Glaskannen und Gaiwans sehr gut aufgehoben Japanische Grüntees entfalten sich bei mir am besten in einer 300ml Glasteekanne Gefäße unter 120ml sehe ich kritisch bei hitze-bedürftigen Tees da diese einfach nicht die Hitze halten können Form der Gefäße ebenfalls wichtig - das Teeblatt soll nicht auf engstem Raum zusammengepfercht werden; ich hatte schon mehrere Versuche diesbezüglich. Meine Triptis gegen eine Tea Taster Tasse, bis auf drei Gramm exakt dasselbe Gewicht (mit Deckel), die Kerntemeratur wurde während des Versuchs gleich gehalten, diesselbe Wasser- und Teemenge, es war einzig und allein die Form welche unterschiedlich war. Der Geschmacksunterschied war bemerkenswert, die Triptis bot wegen ihrer halbkugeligen Form eine viel bessere Extraktion, viel mehr Aromen als im Tea Taster, welcher da eher die mineralische Geschmacksrichtung einschlug. Mein Fazit ist, es ist relativ egal welches Gefäß du nimmst, wenn es kein Ton ist der chemisch mit den Tee reagiert, muss das Gefäß nur genug Raum für die Entfaltung des Teeblattes liefern und die Kerntemeratur halten können welche der konkrete Tee benötigt. Kerntemperatur = die konkrete Temperatur des Wassers und Teeblattes im Gefäß während des Brühvorganges, meist deutlich niedriger als die Temeratur des Wassers im Wasserkocher.
  8. Ich sehe mir oft und gern den YouTube-channel von Sergey Shevelev an! Der Mann hat vor allem eine Riesenauswahl an "Tee -Abennteuer", seine Reisen, Landschaftsaufnahmen und der Herstellungsprozess von Tee selbst. Man kann seine Videos, im Unterschied zu anderen vergleichbaren Formaten, einfach so schauen auch wenn man kein Wort Russisch und/oder Mandarin versteht (dürfte für die meisten eh einerlei klingen ), denn seine Videos, wie ich finde, sind im höchsten Maße selbsterklärend. Es gibt z.B. einen rein britischen Begriff, builder brew oder builder's tea, ein starker Milchtee der vorzugsweise von Bauarbeitern konsumiert wird. Kräftig, kratzig, erfrischend. Und hier hat der herr Shevelev als einziger auf YouTube das yunnanesisch-chinesische Pendant dazu vor die Kamera bekommmen! Sheng PuErh mit der Konsistenz und Textur von Heizöl! Die Naturaufnahmen sind aber immer wieder eine Genuss!
  9. Eure "Arbeitspferde" für den Alltag

    Ich möchte an der Stelle aber ausdrücklich sagen dass es mir fern liegt einen neuen Hype a lá "deutsches Porzellan is best!!!" auszulösen! Die ein Paar Grad höhrere Kerntemperatur machen weder Yixing noch Silber irgendwelche Konkurrenz, man kann auch einen großen dicken Gaiwan genauso hoch heizen, nur wird man ihn dann nicht anfassen und benutzen können ohne sich die Finger zu verbrühen. Wenn man es bildlich formuliert, nimmt die "Triptis" die Lücke zwischen dickwandigen Gaiwans und Silberteekannen ein, für Leute die es einen Tick heißer mögen als im typischen Gaiwan, aber ohne Geschmacksbeeinflussung einer Yixing und ohne die Brutal-Hitze einer Silberkanne welche dann Noten und Aromen aus dem Tee herausholt die man nicht wirklich haben will. Und das glasierte Porzellan ist komplett neutral, denn selbst Silber ist laut einigen Reviews nicht so geschmacksneutral wie man es oft erzählt bekommt. Und letztendlich ist es die Vielseitigkeit. Wenn ich z.B. einen Yencha oder alten Sheng habe der Hitze braucht, heize ich hoch mit 95°C, wenn's z.B. junger zarter Yiwu sein soll dann 95°-93°C Wasser ohne Vorheizen und im Falle des Dian Hong kein Vorheizen und <90°C Wasser. Alles im denselben Gefäß. Spart Wasser, Zeit und liefert anständig. Relativ billig und in rauhen Mengen verfügbar, bei Bruch und Scherben ist's nicht Schade drum. Mehr ist's halt nicht.
  10. Eure "Arbeitspferde" für den Alltag

    Keine Ahnung. Am besten einfach ausprobieren! Bei mir war es ein kompletter Zufallsfund.
  11. Eure "Arbeitspferde" für den Alltag

    Tja, ein Jahr ist's her und hier sind 3 Top Gründe warum die "Triptis" entgültig zu meinem besten Gefäß aufgestiegen ist! 1). Sie bringt eine um ein Paar Grad höhrere Kerntemperatur selbst bei ganz normalem Aufgießen, ohne Vorheiz-Orgien 2). Wenn ich einen Tee habe welcher richtige Hitze benötigt, kann ich bis in den Yixing bzw. unteren Silber - Bereich hoch heizen 3). Die Form der Tasse lässt das Teeblatt sich besser entfalten, was die Extraktion verbessert Etwas höhere Kerntemperatur + bessere Entfaltung bringt die beste und schnellste Extraktion mit sich, was sich im intensiveren, breiteren und stärkeren Aufguss niederschlägt. Eben das was ich persönlich bevorzuge, weniger die langsame Entfaltung die bei der klassischen Gongfu-Cha erwünscht ist. Das soll nur (mal wieder) verdeutlichen warum ich Pauschalempfehlungen im Bereich Teegeschirr eher kritisch eingestellt bin.
  12. Anmeldungen für die Teezui 7 in Kassel

    Ich habe mir voriges Jahr fest vorgenommen mich in 2019 anzumelden, leider kollidiert das Teezui-Wochenende bei mir mit einem relativ kurzfristig festgelegten Krankehausaufenthalt. Aber nächstes Jahr...
  13. Noch eine Quelle... https://www.youtube.com/watch?v=PyZ0z9rp8R0&t=36m24s Ein russischer Tee-Historiker hält einen Vortrag über die Geschichte des Tees in Russland und zeigt die Kopie einer Preisliste aus einem St. Petersburger Teegeschäft aus dem Jahr 1833 (time tag im Link)! Die Liste hat vier Kategorien (Schwarztee, "Blumentee", Weißtee und Grüntee) und von jeder Kategorie gibt es ungefähr ein halbes Dutzend Angebote. Der billigste Tee heißt "ordinärer Schwarzer" und macht 6 Rubel, derweil der teuerste Weißtee einem mit 50 Rubeln (!!!) zu Buche schlägt. Bermerkenswert ist auch die Tatsache dass die Provinz Fujian auf dieser Listen eine besondere Rolle spielt, denn da kommen die besten und teuersten Tees. Es wird in dieser Vorlesung auch eine Karte gezeigt wo anhand historischer Quellen rekonstruiert wurde wo genau die Europäer (Niederländer, Russen, Engländer, usw.) ihren Tee bezogen haben - es sind Fujian, Zhejiang, Anhui, Hunan, Hubei und Guangdong - wobei Fujian hochwertigen Schwarzee (Oolongs und Hongcha) und Hunan/Hubei eher billigen "ordinären" Schwarzen geliefert hat, alles Tees die sich in Europa der meisten Nachfrage erfreuten.
  14. Mythos Yixing?

    Ein kleines Update... Ich habe in letzter Zeit intensiv weißen Tee verkostet, und zwar abwechselnd in der Duanni Yixing Teekanne und dem Triptis-Gaiwan, um festzustellen wieviel des Teegeschmackes biochemisch durch den Ton beeinflusst wird, unabhängig von den thermischen Eigenschaften des Tons! Das Ergebnis; die ersten drei Aufgüsse sind in der Triptis deutlich bitterer und von der Textur her "dünner", ab dem vierten Aufguss verschwindet dieser Unterschied dann aber fast komplett wenn sich die Mineralien aus dem Tee ordentlich zu lösen beginnen. Von daher kommt mein Eindruck, dass so um 60% der geschmacksverbessernden Eigenschaften des Tons (Yixing, Chaozhou, Jianshui, etc.) allein auf seine thermischen Eigenschaften entfallen. Der biochemische Einfluss des Tons kann bei verschiedenen Tonmaterialen sehr unterschiedlich ausfallen, bei Duanni ist er relativ groß, aber z.B. beim generellen Zini Zisha eher zweitrangig. Zumindest laut meinen eigenen Beobachtungen.