Ringelmaus

Neue-Mitglieder
  • Gesamte Inhalte

    74
  • Benutzer seit

  • Letzter Besuch


Reputationsaktivitäten

  1. Like
    Ringelmaus reagierte auf Jinx für ein Blogeintrag, Howto Teealtar - eine persönliche Annäherung   
    Warum Teealtar?
    Ehrlich, ich bewundere alle, die ihren Nicht-Alltagstee aus immer derselben Tasse und der immer gleichen Kanne trinken. Das ist eine Art der Reduktion, die ich bewundere, denn sie hat so eine lässige Hab-ich-nicht-brauch-ich-nicht-Attitüde, die mir fehlt. Vielleicht bin ich zu sehr Hedonistin. 
    Vor allem aber bin ich Kunsthistorikerin, praktiziere Meditation und habe auch Erfahrung mit schamanischen Praktiken. Und bei dieser Kombi landet man praktisch automatisch bei der Überzeugung, dass alles irgendwie eine Auswirkung und eine Bedeutung hat. Und dass das Leben ohne Schönheit nicht wirklich lebenswert ist. 
    Daher habe ich mir angewöhnt, aus meinem nicht-alltäglichem Teekonsum ein Ritual zu machen, wenn auch oft nur ein kleines. Der Tee-Altar ist bei mir immer temporär angelegt (ich habe genug Staubfänger in der Wohnung) und nimmt sehr wenig Platz weg. Er kann praktisch überall stehen. Er hilft mir, zu fokussieren, mich auf das Teetrinken zu konzentrieren und außerdem einem Wunsch, einer Stimmung oder einem Gefühl einen sichtbaren, symbolischen Ausdruck zu verleihen. Über allem schwebt der Tee, sozusagen. Er hilft mir bei der Verinnerlichung. 
     
    Die Frage der Traditionen
    Ich habe einiges über Teetraditionen gelesen. Nach meinem Verständnis teilen die sich grob in zwei Gruppen - die eher gesellige Zeremonie im Stil der britischen Tea Time, der friesischen Teezeremonie, der usbekischen,  russischen, der marokkanischen oder der türkischen Variante. Hier geht es vor allem darum, Menschen um den Tee zu versammeln und gemeinsam nicht nur den Tee zu genießen, sondern auch die passenden Beigaben in Form von kleinen Speisen. Es ist grundsätzlich eine gesellige Veranstaltung, auch wenn es selbstverständlich möglich ist, auf türkische, russische, britische oder andere Art Tee auch allein auf eine sinnvolle Weise zu genießen. 
    Die andere Gruppe kann gesellig sein, muss aber nicht. Hier steht der Tee im Mittelpunkt, Zugaben in Form von Speisen sind fakultativ, marginal und manchmal störend. Dazu zähle ich das Teetrinken im chinesischen Stil (was man hier so Gong Fu Cha nennt) oder auch die japanische (wobei beide Länder natürlich auch gesellige Teerunden kennen, man sollte diese Einteilung also nicht zu eng gefasst sehen).
    Persönlich mag ich beides, aber der temporäre Altar kommt bei mir nur bei der zweiten Variante zum Einsatz, selbst wenn ich meinen marokkanischen Minztee trinke oder den Caydanlik nur für mich auf den Herd stelle. 
    Wichtig ist mir der persönliche Ansatz: Ich habe einiges über die verschiedenen Teetraditionen gelesen, vor allem über die asiatischen, aber um sie zu meinen zu machen, muss ich sie verändern. Denn ich kann mir nur etwas aneigne, was ich verstehe, und damit meine ich nicht die intellektuelle Durchdringung. Die ist nämlich der einfache Teil. Wenn ich über die Hintergründe der chinesischen und japanischen Teezeremonien lese, verstehe ich das intellektuell, aber wenn ich es imitiere, dann bleibt die Handlung auf der gefühlsmäßigen Ebene irgendwie unbehaust, weil ich in diesen Traditionen nicht zu Hause bin. Also übernehme ich, worin ich mich zu Hause fühle und lasse beiseite, was mir zu wenig bedeutet, als dass ich es sinnvoll praktizieren könnte.
     
    Der temporäre Altar
    Hier bin ich deutlich von meiner schamanischen Praxis beeinflusst, und zwar von der Tradition der Mesa. Nicht, dass ich Schamanin wäre oder über viel Erfahrung verfügen würde. Aber die Mesa sagt mir etwas - zumindest das, was ich daraus für mich gemacht habe. Es geht darum, ein reales Abbild von etwas zu schaffen - einem Wunsch, einem Zustand, einem Gefühl. Wobei es mir von vornherein um ein ideales Abbild geht, kein reales (man stellt z .B. nicht sein chaotisches Leben oder eine Krankheit dar,- das wäre ganz furchtbar -, sondern das Leben, das man gerne führen würde, keinen Streit, sondern die Versöhnung etc., also nicht das Problem, sondern die Lösung). Dazu ist es wichtig, symbolische Gegenstände auszuwählen, die einem wirklich etwas bedeuten. Man wählt, was man als Symbol für das Thema für angemessen hält, und nicht das, was man nur optisch ansprechend findet oder was einem die Oma geschenkt hat, was einem aber an sich gleichgültig ist. Was meine Tee-Altäre von einer schamanischen Mesa unterscheidet, ist, dass ich darauf verzichte, den Prozess abzubilden, z. B. das Abbild von Trauer, das sich durch Veränderung der Mesa zur Bewältigung wandelt. Das wäre mir für ein Teeritual viel zu kompliziert, und daher setze ich dort an, wo sich im schamanischen Ritual der Endpunk befindet. Schließlich will ich Tee trinken und nicht tiefgreifende Probleme bearbeiten. 
    Hinzu kommt, eine traditionelle Mesa ist meist wahnsinnig voll, und wenn man da noch eine Teekanne dazustellt, würde man sich zwangsläufig in den Details verlieren, sodass man den Tee auch gleich weglassen kann. Also reduziere ich die Mesa-Idee auf das Allerwesentlichste, auf ein oder zwei Gegenstände, die ein kleines Thema symbolisieren, denn ich will ja Tee trinken und nicht die Welt retten. Meine Tee-Altäre sind monothematisch und sehr minimalistisch. Die äußere Form hilft mir, mich auf einen Gedanken zu fokussieren, der das Teetrinken begleitet, wobei der Tee im Vordergrund steht. Es ist eher ein Grundton, ein Hintergrund, und nicht das Hauptthema. 
    Überhaupt: das Thema. Ich achte darauf, das nicht zu überfrachten, um den Tee nicht aus dem Blick zu verlieren. Oftmals geht es nur um Harmonie. Oder darum, mir bewusst zu machen, wie gut es mir eigentlich geht (man wird ja im Alltag so schnell undankbar). Es kann auch um Erinnerung gehen, um Achtsamkeit ...  Wenn ich wirklich Probleme oder Details bearbeiten will, wähle ich lieber eine andere Form der geistigen Fokussierung.
     
    Welchen Tee fürs Ritual?
    Ich wähle für meine kleinen Teerituale immer einen Tee, den ich kenne und der zum Thema passt (also, für mich). Um Tees zu verkosten, ist der Teealtar nicht die richtige Form. Nichts wäre störender, als ein Altar zum Thema Harmonie, wenn der Tee sich als ausgesprochen kratziger, unrund schmeckender Trank entpuppt. Um Tees kennenzulernen, wähle ich zwar gern ein Setting, das für mich zu dem Tee passt (oder von dem ich das zumindest glaube), aber da tut es eine Unterlage, eine Schale und eine Kanne. 
    Beispiele für meine Tee-Altäre finden sich in meiner entsprechenden Galerie. 
     
     

  2. Like
    Ringelmaus reagierte auf RobertC für ein Blogeintrag, Kintsugi Gehversuch (Teil 3)   
    Die verbleibenden Arbeiten nach dem ersten Kleben und Austrocknen im Muro bestanden eigentlich nur noch aus dem Aufbringen der Urushi Lackschicht, die die Klebestellen verzieren soll. Dies war für mich die schwierigste, da extrem filigrane Arbeit. Eigentlich ist hier das Ziel eine möglichst feine Linie konstanter Dicke. Dafür fand ich aber den im Set mitgelieferten Pinsel schon fast zu grob. Aber es wird sicherlich ausschließlich an mir gelegen haben, dass meine Linienführung alles andere als perfekt ist  Den frisch aufgebrachten Urushilack lässt man ungefähr eine halbe Stunde im Muro antrocknen und bringt dann mit einem sehr feinen Wattebausch aus Baumwolle das goldfarbene Pulver vorsichtig auf den Lack auf. Das ganze habe ich dann wieder mindestens zwei Wochen in den Muro gelegt. Was mir wie ich finde überhaupt nicht gut gelungen ist: Die verzierten Goldlinien sind extrem rau und haben eine deutliche Textur. Ich hoffe das ist gut auf den Bildern zu erkennen. Habt ihr vielleicht eine Idee wodurch dies entstanden sein könnte? Das Pulver ist ja extrem fein, aber vielleicht habe ich hier mit der Watte selbst etwas eingedrückt oder es sind eingeschlossene Baumwollfasern?!
    Gesamtfazit
    Schritt 1 war nicht allzu kompliziert durchzuführen und auf Anhieb konnte eine stabile Klebung erzielt werden. Das feine Verzieren im letzten Schritt ist vielleicht nichts für Grobmotoriker aber dafür habe ich nun umso mehr Respekt für diese geniale japanische Handwerkskunst! Der Respekt gilt natürlich auch @theroots und @Cel, die solche Arbeiten ebenfalls selbst angegangen sind ?
     
    PS: Ach wäre es schön Blogbeiträge speichern und dann mehr als nur einige Minuten editieren zu können bevor man sie veröffentlicht. So ist dies leider eine unfreiwillige Triologie geworden ?