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  1. Bei den Kollegen von der Chanoyu - Fraktion ist Bambusholzkohle (Miyabi) oder Kohle aus Harteiche / Ubame (Binchotan) das Heizmaterial der Wahl. Wobei mE Kokosnuss ein brauchbarer und billigerer Ersatz ist, der als Shisha-Holzkohle hierzulande überdies problemlos zu bekommen ist. Wobei man über den bekannten Internethändler mittlerweile auch Binchotan bekommt ... _()_
  2. "very ungay" - ich schmeiss mich wech ... Da soll noch mal einer sagen, Proletkult sei tot. Ist das tatsächlich Vladimir Putin, der da den Angus-Bullen reitet? Die Sorte Stunt passt jedenfalls zu ihm ... Bei mir ist heute ein eher bourgeoiser Abendlektüre-Begleiter im Glas - ein Carlos Primero Imperial X.O. Brandy. Ein Solera Gran Reserva, in alten Sherry-Fässern ausgebaut. _()_
  3. Zur Eröffnung des Tages die letzte Rate einer 100gr - Probe des von Cha Dao angebotenen Xihu Longjing vom März dieses Jahres. Wenn man zum nussigen Grundcharakter des Longjing zur Abrundung elegant-herbe Noten mag, ist man hier richtig - man darf ihm dann ruhig 85° gönnen und hat dafür eine sehr filigrane, aber prägnante Aromenstruktur. Wobei das nussige hier eher Richtung Erdnuss als geröstete Kastanie geht, was ich so bisher nur vom Dafo Longjing kannte - bei einer Blindverkostung hätte ich ihn als solchen angesprochen. jedenfalls - wer's gefälliger (um nicht zu sagen: frivoler) mag, sollte ihm weniger Hitze zumuten. Oder besser gleich einen dafür geeigneteren Tee wählen; aufgrund seines Prestiges und der entsprechenden Nachfrage ist das Preis-Leistungsverhältnis von Xihu Longjing generell ja nicht gerade günstig. Daher wird es bei mir diese Saison auch bei den 100 gr bleiben - die waren gerade richtig (und hinreichend), um das sensorische Gedächtnis hinsichtlich Longjing wieder mal etwas aufzufrischen. Zum Beginn des Nachmittags und zur Einstimmung auf den nun angesagten Rundgang über meine Ländereien in Begleitung meines reinrassigen spanischen Chucho Callejero war dann noch ein Fenghuang Dancong von Nan Yi in der Tasse - Entenkacke-Aroma ... Wer auch immer sich den Namen (Ya Shi Xiang) hat einfallen lasssen, muss ein echtes Marketing-Genie gewesen sein. Selbstredend hat der Name nichts mit Geschmack oder Aroma des sehr bukettreichen, duftig-leichten Oolongs zu tun, sondern (so jedenfalls die mir am plausibelsten erscheinende Legende) mit dem für Teebüsche angeblich optimalen Dünger. Jahrgang ist mit 2018 angegeben (leider nicht die Saison); trotzdem glaube ich, er müsste noch ein wenig nachreifen. Die ersten beiden Aufgüsse hatten im Abgang eine merkliche Herbheit, die nun zu diesem Tee nicht so recht passt und den Genuss etwas trübt. Dafür wurden die drei folgenden Aufgüsse um so schöner, bevor er dann sehr dezent begann, zu verblassen. Nächstes Mal werde ich die beiden ersten Aufgüsse etwas weniger heiss (90° statt 95°) aufgießen. Schaun mer mal ... _()_
  4. Um mal wieder meinem selbsterteilten Volksbildungsauftrag gerecht zu werden: das geht hier ein bissel durcheinander. Afternoon Tea und High Tea sind mitnichten dasselbe. Mrs. Elaine Lemm - eine Spezialistin britischer Gastrokultur (sowas soll es tatsächlich geben ...) beschreibt hier kurz den Unterschied. Wobei der High Tea im 'Des Indes' zweifellos eine Luxusversion dieser very-british-tradition ist. Ich zögere allerdings, das dabei angebotene Getränk unter 'Teekultur' einzuordnen, wie ich überhaupt 'british tea culture' für ein Oxymoron halte. Ist ja auch historisch erklärbar - diese entstand erst, als den Briten in den 70ern des 19. Jahrhunderts die Kaffeeplantagen auf Ceylon an Kaffeerost eingingen und man auf massenhafte Teeproduktion umstellte - wobei die heimische Kundschaft der Umstellung ziemlich klaglos folgte (nicht zuletzt aus Kostengründen). Seitdem sind die Briten (Achtung: pauschale Diffamierung!) der Auffassung, wenn Tee schon nicht schmeckt wie Kaffee sollte er wenigstens so aussehen (schlimmer treiben's da nur noch die Iren ...). Um den trotzdem noch bestehenden Unterschied zu kaschieren, gießt man den Kaffee (wenn man sich denn schon mal dazu versteigt) dann auch entsprechend dünn auf. Sieht zwar nicht aus wie Spülwasser, schmeckt aber so ... Dafür kann der Tee an Bitterstoffen locker mit Kaffee mithalten. Ansonsten und ontopic ist Hug the Tea in der Papestraat 13 möglicherweise einen Besuch wert - Laden und Teebar mit Angebot an Snacks, spezialisiert auf Japantees. High Tea gibt's da auch - wobei das Angebot allerdings sehr unbritsch wirkt. Vielleicht ganz gut so ... _()_
  5. Was speziell Darjeeling angeht, war das zumindest früher mal anders. Früher meint, bevor clevere BWL-Schnösel á la 'Teekampagne' die Preise kaputt gemacht haben worauf dann auch die Qualität dem race to the bottom zügig gefolgt ist. Damals sahen Darjeelings auch noch aus wie schwarzer Tee, d.h. sie waren ordentlich durchoxidiert und trotzdem leicht und duftig. Und man hatte es auch nicht nötig, aus Marketing-Gründen modischen Gesundheits-Hypes zu folgen und grünen Tee zu produzieren - bestenfalls drittklassigen. First und second flushs aus Darjeeling galten als die besten (wobei ich persönlich dem Qimen Hao Ya den Vorzug gab - wenn er denn zu kriegen war) und waren mit Abstand die teuersten schwarzen Tees auf dem Weltmarkt. Zu Recht; jedenfalls die von Plantagen, die noch mit China-Hybriden (zurückgehend auf die von Robert Fortune geschmuggelten Pflanzen) produzierten und nicht mit ertragreicheren Assamica - Kultivaren. Ein ordentlich produzierter second flush erzielte dann auch höhere Preise als der first flush derselben Plantage - wegen des durch Befall mit Kleinzikaden ('jassids') und Thripsen hervorgerufenen und zu recht berühmten 'muscatel flavor'; first flush hat das nicht zu bieten. Und wenn man zur Ertragsmaximierung mit Insektiziden arbeitet, natürlich auch der second flush nicht - dann (und nur dann) ist der im Vergleich zum first flush zweitklassig. Aber eine qualitativ hochwertige Produktion, die das Potential des terroirs ausschöpft, muss der dafür zu erlösende Preis halt erst einmal zulassen. Das heisst der Endverbraucher - aber wenn der vor allem auf den Preis schaut und Qualität nicht von Schund unterscheiden kann ... Sic transit gloria mundi. So weit mein rant zum Sonntag. _()_
  6. Da muss ich mich geschlagen geben; ich habe nur 85 Tage geschafft. Bi Luo Chun, am 29.03. bei DTH geordert. Zwei fehlgeschlagene Versuche, über Shenzhen (vom Ausfuhrzollamt zurück an Absender). Dritter Versuch dann über Suzhou / Jinhua City, wo es mit dem Zoll dann geklappt hat - am 21.05. der Fluggesellschaft übergeben. Die hat dann für den Transport allerdings bis zum 19.06. gebraucht - wusste gar nicht, dass es sooo langsame Flieger gibt. Oder war's ein Zeppelin? Dann der Hammer: der deutsche(!) Zoll hat die Sendung in sage und schreibe 19(!) Stunden(!) abgefertigt. Praktisch durchgewinkt. Wegen Wochenende dauerte es dann gerade noch bis zum Vormittag des 22.06. und der Postbote überreichte mir die Sendung ... Mit der Schmach des 2. Platzes werde ich nun wohl leben müssen. Trotzdem - die deutschen Zöllner und Pharisäer haben jetzt was gut bei mir - ich lass nix mehr auf die kommen ... _()_
  7. Speziell dafür auch von mir ein 'like' ... _()_
  8. OT - alles Käse. Tilsiter ist ja nur für die Nase etwas gewöhnungsbedürftig (und im Vergleich z.B. mit einem reifen Époisses harmlos). Der wahre Connaisseur zeigt sich - wie richtig angemerkt - erst bei dem, was man der Zunge zumutet. Beim richtigen Ausgangsmaterial braucht es nicht einmal eine sonderlich lange Reifezeit. Das Heftigste in der Beziehung ist mir vor ca. 3 Jahren begegnet. Urlaub auf dem Bauernhof im normannischen Pays de Bray. Im nächstgelegenen Örtchen Aumale gab es in der Rue René Gicquel eine Fromagerie, die natürlich auch Affinage betrieb; insbesondere mit dem regionalen AOC-Käse, dem Neufchâtel. Junger ist schon mit 12 Tagen Reifung verzehrfertig, nach etwa einem Monat ist er reif. Weicheiern wird der Verzehr empfohlen, bevor er ein Alter von drei Monaten erreicht, danach erfordert er schon einiges an Unerschrockenheit. Der, den ich dort erstand, war ein Fermier, ein halbes Jahr gereift. Mit einem Cidre doux (sonst ziehe ich brut vor) als Begleitgetränk eine Offenbarung - aber hierzulande ist so etwas leider schlicht unverkäuflich. Aaah - mais où sont les neiges d'antan? _()_
  9. @teewelt: Direkten Zugriff auf die Texte habe ich leider nicht; Übersetzungen scheinen nicht zu existieren und Japanisch kann ich nur ein paar Brocken. Meine Quelle für obiges (auch für die Bilder) ist: Patricia J. Graham Tea of the Sages: The Art of Sencha University of Hawai'i Press Honolulu 1998 ISBN 0-8248-1942-X Leider nur antiquarisch erhältlich zu recht saftigen Preisen. Ich hatte mir daher bei Google Books eine Ebook-Version für ca. 20 € gekauft und mich ziemlich geärgert. Ist nur PDF (was ja okay ist), aber grottenschlechter, offensichtlich vollautomatischer, unlektorierter Scan und nur mit Anstrengung zu lesen. Inhaltlich nichtsdestotrotz (jedenfalls für mich) hochinteressant. Die Bibliographie ist da nur in Romaji und wegen der Scanqualität kann ich Lesefehler nicht ausschließen. Auch die Form der bibliographischen Angaben ist .... ich sag mal: ungewöhnlich. Die beiden genannten Texte von Akinari werden jedenfalls wie folgt (d.h. von mir ein wenig sortiert) angegeben - die Angaben zur Originalveröffentlichung lasse ich mal aus: Ueda Akinari Seifū sagen (Miscellaneous Comments on the Way of Pure Elegance) in: Hayashiya Tatsusaburo, Yokoi Kiyoshi, and Narabayashi Tadao, eds. Nihon no chasho (Japanese books on tea) Vol. 2 Tōyōbunko, 206 Tokyo: Heibonsha 1972 pp. 153 - 210 Ueda Akinari Chaka suigen (Drunken words of a Tea Addict) in: Nakamura Yukihiko Kinsei sakka kenkyū (Research on writers of the early modern era) Tokyo: Sanichi Shobō 1961 pp. 219 - 249 _()_ Da der Text ja nun nicht sooo umfangreich ist, vermute ich mal du meinst die unhinterfragbare autoritative Gültigkeit ...
  10. Das ist zutreffend. In Japan entstand ab der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts der 'Bunjincha', der 'Tee der Literati', aus dem dann die verschiedenen Schulen des Senchadō hervorgehen sollten. Vorbild war die Teekultur der chinesischen Literati der Mingzeit. Dies war vor allem auch eine Gegenbewegung zum aristokratisch-elitären Chanoyu. Wichtigster Impulsgeber war Baisaō (1675–1763), ursprünglich ein Zen-Mönch der Ōbaku-shū, die durch den chinesischen Zenmeister Yinyuan Longqi (Jap. Ingen Ryūki, 1592 - 1673) im Jahr 1661 etabliert worden war. Ingen und seine chinesischen Begleiter hatten die mingzeitliche chinesische Art der Teezubereitung mitgebracht, wo sie am Manpuku-ji (noch heute Haupttempel der Ōbaku-shū) ausgeübt wurde. Dieser 'Import' setzte auch andere wichtige kulturelle Impulse in Japan - von der Kalligraphie bis zur Architektur. Die frühe Bunjincha-Bewegung hatte jedenfalls das Problem, dass es in Japan selbst weder eine Produktion von Sencha gab noch geeignete Geräte für die Zubereitung - beides wurde erst durch diese Bewegung initiiert. Tee und Geschirr wurde zunächst aus China über die in Nagasaki ansässigen chinesischen Kaufleute importiert. Wie durch hinterlassene Teegerätschaften nachgewiesen ist, war das für die Zubereitung von Sencha (im ursprünglichen Sinn eine generelle Bezeichnung für grüne Blatt-Tees, gleich welcher Herkunft) bevorzugte Material Yixing. Allerdings aufgrund der Abschottungspolitik der Tokugawa schwer erhältlich und teuer - schon in China selbst. Die sich mit der Popularisierung des Bunjincha und dann des Senchadō entwickelnde japanische Produktion sowohl von (grünem) Blatt-Tee als auch von dem dazu benötigten Teegeschirr entwickelte sich zunächst in enger Anlehnung an chinesische Vorbilder. Tokoname- und Banko-Keramik entstand so in enger Anlehnung an das Vorbild Yixing. Wichtigster Initiator war der Maler Kimura Kenkadō (1736 - 1802), ein Freund und Erbe einiger Teegeräte Baisaōs - viele hatte Baisaō vor seinem Tod vernichtet, vermutlich um einem "Reliquienkult" vorzubeugen. Kenkadō jedenfalls publizierte nicht nur ein Buch mit Zeichnungen von Baisaōs Teegeräten, er ließ auch einheimische Handwerker Kopien von Teegeräten Baisaōs anfertigen. Kimura Kenkadō und Ueda Akinari (1734 - 1809), ein Arzt und Schriftsteller, der zwei einflussreiche Arbeiten über grünen Tee verfasste ('Vermischte Kommentare zum Weg reiner Eleganz' 1794 und 'Trunkene Worte eines Teesüchtigen' 1807) waren dann die wichtigsten Wegbereiter des Senchadō. Links Yixing-Kanne aus dem Nachlass Ingen Ryūkis, rechts Yixing-Kanne (auch als Wasserkessel genutzt)aus dem Nachlass Baisaōs / Kenkadōs. Links Baisaō, genannt 'der alte Teehausierer', rechts Ueda Akinari. _()_
  11. Für besonders Durstige was Bodenständiges: Mit Deckel, damit der Tee nicht so schnell kalt wird ... @Konfusius: bitte nimm mir den Ulk nicht übel - aber für mich gehen "Mugs" und Tee gar nicht ... Aber jedem Tierchen sein Pläsierchen . _()_
  12. Echt jetzt? Meine Lieblingsversion jedenfalls ist die hier: _()_
  13. Ich dachte er favorisierte einen Tee aus seinem angeblichen Heimatort: Junshan Yinzhen (Gelbtee). Dem Großen Vorsitzenden werden ja Unmengen von Zitaten zugeschrieben (und vor vielen Jahren besaß ich auch eines dieser kleinen roten Büchlein mit einer Auswahl davon). Eines der bedenkenswerteren von ihm lautet jedenfalls: ... wobei ich nicht meine Hand für die Authentizität des Zitates ins Feuer lege. Fest steht, dass Mao nach einem längeren Aufenthalt am Xihu (Westsee) im Jahr 1953, wo er an der Verfassung arbeitete, sich immer wieder für längere Zeit an den Westsee zurückzog. Bei zwei Aufenthalten dort zu Beginn der 60er Jahre soll der große Vorsitzende sogar persönlich seinen Longjing gepflückt haben ... Um mit Giordano Bruno (einem Revolutionär ganz anderen Kalibers) zu sprechen: Se non è vero, è molto ben trovato ... Hier etwas zur Quelle des laufenden Tigers und hier etwas über die feudalen Residenzen der Avantgarde der Arbeiterklasse am Westsee. Das genügsame und einfache Leben ... _()_
  14. ... und der in der Kleinpackung (30 gr) ist schon über ein Jahr alt. Größere Packungen sogar über zwei Jahre - für mich zumindest heisst das überlagert. Wobei der Preis für einen Zhejiang Longjing (was konkret bedeutet: eine Kopie von außerhalb des originalen Anbaugebietes) ohnehin schon sehr sportlich ist. Insbesondere, da man bei einer so schwammigen Pflückungsangabe wie "Anfang April" mit ziemlicher Sicherheit von einer Pflückung nach dem 4. April ausgehen kann - das ist dann ein Yuqian. Bio hin oder her - der Tee ist zu teuer. _()_
  15. Ja, das hat immer auch ein wenig von Glücksspiel ...