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  1. Ich denke mal, Dir ist schon klar, dass da zwar Stoppuhr steht, aber Timer (gibt's da eigentlich eine deutsche Übersetzung?) gemeint ist. Wir wollen aus dem Teegenuss ja nun keine olympische Angelegenheit machen, wo der Sieger mit der Stoppuhr ermittelt wird . Der Kult des Agon ist griechisches Kulturerbe und passt mE nicht so recht in die chinesisch geprägte Teekultur. _()_
  2. Geht auch ganz gut. Ich messe dann in Atemzügen - die sind beim Teetrinken bei mir ziemlich konstant, gut 4 / min. Werkzeug wie ein Timer bringt da allerdings schon mehr Präzision in die Technik - und es gibt dem Geist die Freiheit, sich während der Ziehzeit auf andere Aktivitäten zu konzentrieren. Z.B. die Vorbereitung des nächsten Aufgusses ... Statt dabei im Hinterkopf Zahlenreihen aufzusagen, genügt ein gelegentlicher Seitenblick zum Timer. Der, wie auch das Thermometer, mit der Zeit zunehmend zur bloßen Referenz wird. Das Zeitgefühl wird mit anhaltender Übung von selbst zunehmend präziser - ganz ohne Zählen. Ich kann nachvollziehen, wenn das jemandem zu technisch erscheint und für Sparsamkeit bei der Verwendung von Werkzeug habe auch ich grundsätzlich etwas übrig. Jeder setzt da die Akzente etwas anders - und wenn auch die Selbstcharakterisierung als 'Technik-Nerd' selbstironisch überzeichnet war, so ist doch einer der Akzente, die ich persönlich setze, die bereits erwähnte Präzision. Und da sind dann halt auch Timer, Thermometer und Feinwaage im Werkzeugkasten. _()_ Ergänzend: Präzision ist kein Selbstzweck. Sie dient der Reproduzierbarkeit von Ergebnissen. Wenn ich dann auf das Ergebnis - den Aufguss eines bestimmten Tees mit identischen Parametern (Teemenge, Wassermenge, Wassertemperatur und Ziehzeit) - morgen anders reagiere als heute, dann erzählt mir der Tee nicht nur etwas über sich, sondern auch über mich. _()_
  3. @linda_leniem: Danke für den Tip. Wenn sich die Gelegenheit ergibt und das Lokal auch etwas interessantes Vegetarisches anbietet ... _()_
  4. Ich bin ja so ein wenig Technik-Nerd. Und so nutzte ich früher beim Zazen (wobei man die Augen selbstredend offen hat, man will ja nichts verpassen ... ) einen Meditationstimer. Funktioniert wie ein normaler Timer, nur mit einer roten Blink-LED statt des deutlich nervigeren Gepiepses. Mittlerweile nehme ich den beim Teeaufguss - für das Zazen nutze ich zur Zeiteinteilung mittlerweile eine App, bei der ich als Signalton den als MP3 aufgenommenen Klang meiner Rin-Schale benutze, der das formelle Zazen einleitet und abschließt. Beim gemeinsamen Zazen hat man ja auch einen (freilich menschlichen) Domestiken, der einem diese Arbeit abnimmt - es sei denn, dieses Los hat einen selbst getroffen. Dann hat man wenigstens beim alleine sitzen Urlaub vom Job ... _()_
  5. Ein etwas konservativer als die genannten 'Jasmin Pearls' gearbeiteter Jasmintee ist Chung Hao. Das ist in aller Regel ein klassisch pfannengeröster Grüntee (es wird aber auch neuerdings mit leichten Ooolongs experimentiert), der mit frischen Jasminblüten vermischt wird. Hat der Tee hinreichend Aromen aufgenommen, wird der Jasmin ausgesiebt (! - heißes Wasser löst da unerwünschte Aromen aus) und durch frischen ersetzt. Dies wird ggf. mehrfach wiederholt, bis der Tee der Vorstellung des Verarbeiters von einer optimalen Verbindung der Tee- und Jasminaromen entspricht. Was beim Chung Hao bedeutet, dass Jasmin und Tee ein harmonisches Amalgam bilden, in dem keiner der Ausgangsstoffe im Vordergrund bzw. Hintergrund steht. Wobei - wie häufig - der Name allein noch keine Qualitätsgarantie ist. Die Qualität hängt natürlich von der der Ausgangsmaterialien ab und vom Verarbeitungsaufwand - konkret der Anzahl der Beduftungen und der Sorgfalt, mit der aromatisch ausgelaugte Jasminblütenblätter wieder entfernt wurden. Auch davon, wo man das 'ausgelaugt' ansetzt - auf der Skala zwischen leichter und schwerer flüchtigen Aromen. Die Versuchung, eine billige Massenpflückung (mit entsprechend heftigen Gerbstoffen) zu nehmen und dessen Aromafehler mit heftiger Parfümierung zu überdecken, liegt da im Sinne der Profitmaximierung nahe. Aber das funktioniert allenfalls mit der Nase, nicht mit der Zunge. Die Blender unter den Jasmintees entlarven sich schnell. Die große Zeit dieses Tees ist eigentlich vorbei; er hatte seine (gehobene) Kundschaft vor allem in Nordchina. Es gibt aber zumindest problemlos auffindbar noch mittlere bis ordentliche Qualitäten auf dem Markt unter 10€ / 100 gr. In den oberen Preisregionen (in die ein wirklich guter Chung Hao aufgrund seines Produktionsaufwands gehört) gehen heute andere Tees besser als aromatisierte, der Geschmack der entsprechend betuchten Kundschaft hat sich weiterentwickelt (oder nur gewandelt? ). Ansonsten - herzlich willkommen hier im Forum. Gerade erst hatten wir Anlass, die bescheidene Frauenquote hier zu bemängeln - und schon naht Abhilfe ... _()_
  6. Teevorstellung: Wuyi Ming Jian

    Nicht wirklich ... Lediglich der für diesen Oolong verwendete Kultivar stammt vom Wuyi Shan in Fujian, Nanping-Distrikt. Der Tee selbst kommt aus Mingjian auf Taiwan (Nantou-Distrikt). Mit besserwisserischen Grüßen _()_
  7. Wünsche Euch ein tolles Treffen. Muss mich entschuldigen, morgen hat meine Frau Geburtstag und entsprechend ist die Planung dieses Wochenendes ausgefallen. Auch ich werde da meinen Spass haben - um Euren müsst Ihr Euch selbst kümmern. Wird sicher nicht schwer ... _()_
  8. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, da es mir da ähnlich geht. Wobei für mich schon der Versuch, die sensorische Erfahrung eines Tees mit Worten zu beschreiben, eine Beeinträchtigung der Erfahrung selbst ist, da das Benennen der Erfahrung ihre Unmittelbarkeit be- und eingrenzt, sie in ein Gefängnis aus Worten sperrt. Davon abgesehen: über den Geschmack von Tee zu schreiben ähnelt ein wenig dem Verfassen von Pornographie für ein Publikum von Eunuchen; die Beschreibung verhilft dem Leser nicht wirklich zum Nachvollzug der Erfahrung. Ansonsten ist mir beim Lesen und Schreiben hier eher weniger bewusst (und wichtig), wer da nun Männlein und Weiblein ist. Aber ich denke schon, dass Männer tatsächlich häufig zu einem etwas anderen Zugang neigen.Konkret dazu, sich von Technik faszinieren zu lassen - was hier speziell die Zubereitungstechnik des Tees und das dabei verwendete Werkzeug betrifft. Da haben Männer gerne einen Hang zu Optimierung, zur möglichst großen Annäherung an das Ideal - z.B. das der perfekten Tasse Tee. Frauen - jedenfalls, wenn ich hier mal meine eigene als Referenz nehmen darf - betrachten solchen männlichen Ehrgeiz anscheinend eher nachsichtig-belustigt. Stichwort: Männerspielzeug. Mir selbst hilft ein solcher 'weiblicher Blick' ein wenig dabei, Technik nicht überzubewerten (ein vor allem bei Neophyten verbreitetes Problem); sie ist nicht mehr als Mittel zum Zweck und es ist nicht gut, wenn man vor lauter Optimierung der Mittel deren Zweck aus den Augen verliert. _()_
  9. Danke an @Cel für die metallurgischen Anmerkungen. Das ist jetzt nicht so mein Beritt. Der Hauptpunkt bei Satetsu ist mE, dass es beim Ausschmelzen ein Material höherer Dichte ergibt als anderes Ausgangsmaterial. Wobei die Aficionadas da noch zwischen rotem und schwarzem Eisensand unterscheiden. Ein gewisser Dr. Schweikart schreibt, er sei der geringere Kohlenstoffgehalt, der bei Tetsubin aus diesem Material Rostbildung zumindest erschwert. Bei meinen rudimentären Chemiekenntnissen will mir das nicht so recht einleuchten, aber vielleicht kann ja jemand mit etwas fundierterem Basiswissen auf diesem Gebiet dazu etwas beitragen, @Manfred vielleicht, wenn ihn das Thema reizt. Richtig ist jedenfalls, dass Satetsu (also das Ausgangsmaterial) einen vergleichsweise sehr geringen Kohlenstoffanteil hat. Bei der Verarbeitung zu Klingenstahl wird es deswegen gezielt aufkarbonisiert. Wie es bei der Verarbeitung zu Gusseisen aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Schon gut möglich, dass da ein Aufkarbonisieren unterbleibt und das Material des Tetsubin nicht nur dicht sondern auch kohlenstoffarm ist. Wie Letzteres allerdings zur Rostfestigung beitragen soll, verstehe ich nicht. _()_
  10. Ursprünglich hat man aus dem Zeug hochwertige Waffen produziert, die sich nicht einmal ein simpler Samurai leisten konnte. Da sind mir persönlich Wasserkessel schon sympathischer. Wobei sich meine Japan-Manie in Grenzen hält und ich keine Vorbehalte gegen europäisches Werkzeug habe - und bei meinem Wasserkocher das bisschen Dichtungsmaterial zwischen Boden aus Edelstahl und Korpus aus Glas in Kauf nehme - zugunsten eines günstigen Preises und des Bedienungskomforts. Das mag knickrig klingen, aber ich beherzige die Devise, sich stets den besten Tee zu kaufen, den man sich leisten kann. Werkzeug hat da eine nachrangige Priorität. So lange die Qualität stimmt (was als Mindestanforderung vor allem Geschmacksneutralität bedeutet), sind ästhetische Gesichtspunkte nachrangig. Was Hojo Akira (und andere Gurus) angeht, so frage ich mich manchmal schon, wo eigentlich die Grenze zwischen sensorisch noch wahrnehmbaren Effekten, Autosuggestion und Bluff liegt. Aber das ist nicht mein Problem ... _()_
  11. Okay - da kann ich auch nur raten ... _()_
  12. Korrektur: Gantetsu (Fels-Eisen, 岩鉄) im Gegensatz zu Satetsu (Sand-Eisen, 砂鉄) natürlich ...
  13. Zumindest die untere Marke in Siegelschrift auf @Jahwabisans Kessel ist gut zu identifizieren - es ist definitiv die von Iwachu und es ist eine andere Marke als die auf @silvanmentils Fotos. Iwachu stellt Tetsubin sowohl aus Satetsu wie auch aus Ganbetsu her, wobei Tetsubin aus reinem Satetsu eine ganz andere Preisklasse sind - die sind etwa um den Faktor 10 teurer. In der Regel auch schon daran zu erkennen, dass sie außen poliert sind und silbrig glänzen. Sie werden ohnehin auch keiner 'schwärzenden' kamayaki*-Behandlung ausgesetzt, da Satetsu auch so schon relativ rostresistent ist. Laut Hojo Akira verbessert das Fehlen des kamayaki die positive geschmackliche Beeinflussung des Wassers durch das Tekki (Gusseisen). Satetsu Tekki ist allerdings auch spröder; diese Kessel sind noch bruchgefährdeter als 'normale' Nenbu Tekki Tetsubin und entsprechend sorgfältig zu behandeln. _()_ * eine abschließende Reduktionserhitzung in einem speziellen Brennofen, bei der am Ende Sauerstoff zugeführt wird. Die dabei entstehende feine Schicht aus 'schwarzem Rost' verhindert den Befall mit 'rotem Rost' bzw. verringert dessen Wahrscheinlichkeit. Diese hauchdünne kamayaki-Schicht ist der Grund, warum man die Tetsubin innen niemals reinigen (womöglich sogar scheuern) sollte - dann ist die Schicht nämlich hin. Ergänzend: ich kann Akira Hojos These weder falsifizieren noch verifizieren, nur weitergeben. Wenn mir allerdings jemand freundlicherweise eine Satetsu-Tetsubin als Produkttester zur Verfügung stellt, bin ich gerne bereit dazu und würde nicht einmal ein Honorar dafür verlangen. Mir schwebt da ein Langzeitversuch über ein paar Jahre vor ... Entsprechend Hojos Theorie würde sich die anscheinend weggeschrubbte kamayaki-Schicht bei @Jahwabisans Kessel geschmacklich sogar vorteilhaft auswirken - so lange er das dadurch entstandene Rost-Problem im Griff behält. Vielleicht den Kessel nach Gebrauch innen gründlich trockenföhnen oder so ... _()_
  14. *räusper* - also Leute, ich habe bereits Hersteller und Modell der Tetsubin gepostet - es handelt sich um das Modell 'Uma' von Iwate. Nicht gelesen? Das ist eine 'klassische' Nanbu Tekki Tetsubin und keine dieser modernen Gusseisen-Kyusus. Also keine Beschichtung und auch kein Lack innen. Allenfalls außen Urushi zum Abdichten. Dass irgendein Noob anscheinend das Ding innen geschrubbt hat (womöglich mit etwas abrasivem), vermutlich um durch falsche Behandlung entstandenen Rost zu entfernen (was man tunlichst lassen sollte), ist eine andere Geschichte. _()_
  15. Zum Thema Beschichtung will und kann ich nur auf Grundlage der Fotos nichts sagen, bin da auch nicht so der Experte. Der Hersteller ist jedenfalls Iwachu in Morioka, Iwate*. Größter Hersteller von Nanbu-Tetsubin mit durchaus respektablem Ruf. In der Größe musst Du da für eine Neue wenigstens 250 - 300 € anlegen. _()_ * vgl. Marke mit Abbildung auf dieser Webseite Über den Hersteller ließ ich auch das Modell schnell ausmachen, offensichtlich dieses hier. _()_