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Alle erstellten Inhalte von SoGen

  1. Nun ja - Jan van Eyck oder Rogier van der Weyden beispielsweise würde ich nun nicht als "Primitive" bezeichnen ... Aber dessenungeachtet auch meinerseits Danke für all die sachdienlichen Hinweise ... _()_
  2. Amazon Tee und Zubehör

    Da fehlt dann aber was. Glattes ist China Krauses eher Afrika - auch bei eBay.
  3. Amazon Tee und Zubehör

    Ich fürchte, wir haben in Bezug auf Tee sehr unterschiedliche Vorstellungen von "etwas gutes". Ein freundlich gemeinter, grundsätzlicher Hinweis: guter Tee muss nicht unbedingt teuer sein, aber ein halbes Pfund "Erstklassiges chinesisches Da Hong Pao" für 8,67 € ist als Angebot in etwa so seriös wie eine Flasche "erstklassigen" schottischen Single Malt zum selben Preis. Für das Geld kriegst Du keinen guten Whisky und genau so wenig einen guten Tee, schon gar keinen erstklassigen. Das gilt auch für die angebotenen Pu Erhs. Zweifellos gibt es Leute, denen auch so etwas schmeckt (chacun à son goût ...) - aber auch welche, die das Zeug (falls sie es denn geschenkt oder sonstwie aufgedrängt bekämen) allenfalls als Badewasserzusatz verwenden würden. Es hat seine Gründe, dass "etwas Gutes" seinen Preis hat. Etwa das Verhältnis Angebot - Nachfrage oder dass wirklich gute Produkte auch einen entsprechenden Produktionsaufwand voraussetzen - und damit entsprechende Produktionskosten. Wenn 0,10€/g Deine Schmerzgrenze ist, dann ist das völlig in Ordnung. Dafür kriegt man durchaus etwas Trinkbares, wenn auch nicht in gehobener oder gar Spitzenqualität. Bei Amazon allerdings eher nicht. _()_
  4. Bei 'Röstung' ist zu unterscheiden zwischen shaqing (殺青, wörtl. 'Töten des Grün') und beihuo ( 焙火, 'Rösten [über] Feuer). Shaqing ist das Stoppen enzymatischer Oxidation des frischen Blattgutes durch Erhitzung. Die Erhitzung kann durch kurzzeitiges Dämpfen (蒸青, zhengqing), durch 'Backen' (烘青, hongqing) oder durch 'rösten', also trockenes Erhitzen in Pfannen (炒青, chaoqing) stattfinden, grundsätzlich auch durch Besonnung (曬青, shaiqing). Durch chaoqing (was Du hier vermutlich mit 'Röstung' meinst) fixierte Grüntees schmecken nicht nach Rauch, auch wenn dabei andere Aromen entwickelt werden als beim zhengqing, häufig nussige oder in Richtung Kastanien gehende. Das passende Stichwort ist hier Maillard-Reaktion. Richtig ist, dass in China die Fixationsmethode des zhengqing während der Qing-Dynastie weitgehend durch (vorwiegend) chaoqing und hongqing abgelöst wurde, während in Japan noch hauptsächlich mit zhengqing gearbeitet wird. Das beihuo ist nun ein späterer Verarbeitungsschritt, der bei Grüntee in aller Regel gar nicht stattfindet. Eine bekannte Ausnahme ist etwa Hojicha - ein japanischer(!) Tee, der nach dem Dämpfen(!), Rollen und Trocknen auch noch geröstet wird. Und auch der schmeckt nicht nach Rauch. _()_ Isst Du auch Dein Schnitzel roh, um die Geschmacksverfälschung durch das Braten zu vermeiden? _()_
  5. Welcher Tee ist heute in eurer Tasse? Teil 3

    @Shibo: ein Kultivar, der in großen Höhenlagen (Dong Ding, Li Shan ...) hervorragende Ergebnisse bringt, mag zwar in mittlerer Höhenlage eine sehr frühe Pflückung zulassen - ob das dann allerdings ebenfalls solche Ergebnisse bringt, ist eine andere Frage ... Da fehlt dann wohl ein wenig die klimatische Herausforderung, die mE den Charakter eines Tees ganz wesentlich formt. Deine Vermutung, es könne sich da um ein Experiment handeln, scheint mir plausibel zu sein. _()_
  6. Vergleich von Unterschieden in der Shengproduktion

    Ergänzend noch als Nachtrag zur Diskussion über objektive Qualitätsbeurteilung hier der Verweis auf ein anderes Modell (über die Kriterien appearance, tincture, liquid color und aroma), das bei taiwanesischen Tees Verwendung fand. Das scheint zunächst nicht allzu kompliziert - aber die Auswertung der Rohdaten ist alles andere: https://core.ac.uk/download/pdf/81925843.pdf Wessen mathematischen Horizont das zumindest auf Anhieb übersteigt, der bzw. die findet 1. sich in guter Gesellschaft (nämlich meiner) wieder und 2. zumindest auf der drittletzten Seite der Arbeit eine schöne Tabelle mit den 69 in Taiwan am häufigsten eingesetzten Kultivaren. Leider nur in Transliteration. _()_
  7. Welcher Tee ist heute in eurer Tasse? Teil 3

    Sicher ein verführerischer Gedanke - aber bei realistischer Einschätzung nicht umsetzbar. Bin nicht mehr der Jüngste und auch nicht der Gesündeste und habe überdies eine Frau, der es ähnlich geht. Da ist man dann auch aufeinander angewiesen. Im Moment richtet sich unser Ehrgeiz auf eine Frühlingswoche in Venedig (da muss man halt hin, so lange es noch steht ...) mit Besuch des Teatro La Fenice (es wird natürlich Verdi gegeben, Rigoletto). Ist zwar deutlich unspektakulärer, aber sicher auch weniger stressig ... On topic: heute (natürlich) wieder der Autumnal vom Lu Shan in der Tasse. Hat eine in der Aufgussfolge zunehmend deutlicher hervortretende "silbrige" edelbittere Grundtönung (neige sonst eher nicht zu Synästhesien). Kräftiger 'Minzeffekt' auf der Zunge (mit Pfefferminze nicht geschmacklich, aber hinsichtlich des kühlenden Effekts vergleichbar). Als Autumnal hat er erwartungsgemäß weniger 'Kanten' (aber auch weniger Struktur) als eine Frühlingspflückung. 'Spitze' Noten (bei billigen Yun Wus die Regel) sind bei einem top grade natürlich ohnehin nicht zu erwarten; die erwähnte bittere Grundtönung ist weich und harmonisch in breite, vegetabile Aromen eingebunden. Die Herbstpflückung macht bei einem Tee dieses Stils durchaus Sinn ... _()_
  8. Welcher Tee ist heute in eurer Tasse? Teil 3

    @nannuoshan: der Sinn des Zitates von @GoldenTurtles Anfrage erschließt sich mir nicht so recht - da fehlt vermutlich noch was? Ich möchte mich jedenfalls der Anfrage anschließen und ebenfalls Interesse bekunden. Für mich ist der Lu Shan 'locus classicus' des Yun Wu (was ja im Wesentlichen lediglich eine Form des Kleinklimas beschreibt) und ich wäre durchaus interessiert zu erfahren, was andernorts aus solchen Anbaubedingungen herausgeholt werden kann - zumal der von @GoldenTurtle eingestellte Link auf eine deutlich andere Verarbeitung als im Lu Shan hinweist. Andererseits ist Fujian für mich mit seinen Ooolongs aus Anxi (wo es ja auch nicht nur Tie Guan Yin gibt) und Wu Yi sowie den Weißen aus Fuding ziemlich abgedeckt. Hinsichtlich Grüntee für mich ein großer weißer Fleck auf der Karte. Um mein Interesse ein wenig zu begründen ... _()_
  9. Teekanne Fehlkauf?

    Hallo, ergänzend zu @GoldenTurtle- der Name des Produzenten steht doch da ganz deutlich : ja unendlich. _()_
  10. Vergleich von Unterschieden in der Shengproduktion

    Danke - und auch Danke für den Tip. Wobei ein Kilopreis von 940,- € (beim Kauf von 1/4 lb) ja schon eine Hausnummer ist. Der o.g. vom Lu Shan kostet regulär nicht einmal die Hälfte (ca. 447,- €/kg, wobei nur 50g-Packungen angeboten werden) - was ja auch nicht gerade ein Schnäppchen ist. Dazu wurde er dank einer Rabattaktion, bei der ich nur zwei Päckchen voll bezahlte und drei mit einem Rabatt von 80% bekam. Waren drei komplizierte Bestellungen - mehr als 150 $ Warenwert (um den Rabatt zu bekommen), dabei aber unter 150 €, um die Zollfreiheitsgrenze nicht zu überschreiten ... Jetzt aber Schluss mit offtopic ... _()_
  11. Vergleich von Unterschieden in der Shengproduktion

    Wenn ich mich hier mal 'reinhängen darf - da wurde ja Einiges angesprochen, was nicht nur für Shengs relevant ist (über die ich als Pu-Muffel wenig zu sagen wüsste), sondern mE generell für Tee. @GoldenTurtle: ich denke, das 'Profil' von Polyphenolen (die bzw. deren Derivate Probleme im Magen bereiten können) bestimmt einen Tee ganz wesentlich - insbesondere seine 'Bekömmlichkeit'. Grundsätzlich ließe dies eine empirische (und in diesem Sinn objektive) Beschreibung zu. Das Problem liegt natürlich im Detail - das bedürfte einiger Untersuchungen zur Bestimmung dieser Polyphenole und ihrer relativen quantitativen Verteilung beim jeweiligen Tee sowie ihrer jeweiligen (potentiellen) Wirkung auf die menschliche Magenschleimhaut (was wiederum die Erstellung einer auf ausreichend großer Datenmenge beruhenden Statistik voraussetzen würde). Neben der praktischen Umsetzung (wie gut bzw. schlecht dies bei gesundheitlichen Aspekten funktioniert, lässt sich gerade bei Tee gut beobachten) gibt es jedoch weitere Komplikationen. Zum einen ist eine Bewertung nach dem Kriterium 'Bekömmlichkeit' doch recht eindimensional - und andere Qualitätskriterien sind in eher geringerem Ausmaß einem empirischen Zugang offen. Das ist übrigens auch bei Wein so - eine sensorische Prüfung zur Qualitätsbestimmung ist auch da nicht durch empirische Daten ersetzbar. Wobei ein guter Verkoster durchaus zwischen "gut gemacht" und "schmeckt mir" unterscheiden kann und beides nicht notwendig zusammenfallen muss. Wenn man persönlich Qualität vorrangig nach ästhetischen Kriterien beurteilt, ist man vollends auf eine subjektive Perspektive festgelegt - auch, wenn sich solche 'Qualitätsurteile' unterschiedlicher Subjekte durchaus decken können. Dann haben wir solche Nerd-Klüngel wie hier ... Wobei auch 'Bekömmlichkeit' eine stark subjektive Komponente hat (an das obige anküpfend: ausgedrückt durch die statistische Stichprobenvarianz). Noch dazu ist diese subjektive Komponente zeitabhängig variabel. Beispielsweise musste ich die letzten beiden Tage wegen Magenproblemen auf meinen Tee verzichten. Heute dann ein vorsichtiger Wiedereinstieg (nach einem leichten Frühstück, nicht wie sonst auf nüchternen Magen) mit einem Lu Shan Yun Wu. Top grade, ein Autumnal, am 06.09. letztes Jahr gepflückt und verarbeitet. 10g/180ml/85°C, sechs Aufgüsse. Drei Tage war der Kerl so krank, jetzt säuft er wieder, Gott sei Dank! _()_
  12. Milch und Tee

    Hallo zurück, zur ersten Frage: Leute, die Teeblätter einer Sorte (beispielsweise Assamica-Varietät, gerne auch mit CTC-Häcksler bearbeitet und zu Schwarztee oxidiert) aufbrühen, die dann Bitterstoffe erstens in reichlicher Menge und zweitens von geschmacklich eher unerwünschter Qualität entwickeln. Diese Bitterstoffe kann man praktischerweise chemisch abpuffern - dazu dient das Fett in der Milch. Zur zweiten Frage: Zucker (der die verbliebene Bitterkeit so gut es geht verdeckt und kaschiert - allerdings auch noch ein bißchen mehr) ist zu Milch eher die Regel. Konkret gibt es hinsichtlich des "wie" unterschiedliche, z.T. recht elaborierte Gebräuche, worüber beispielsweise eine Googlesuche tieferen Aufschluss geben könnte, falls sich hier keine auskunftsfreudigen Experten finden lassen sollten. Um auch mit meiner persönlichen Meinung nicht hinterm Berg zu halten: dann schon lieber Schnaps in den Tee kippen. Das hebt die Laune noch'n Tick besser. _()_
  13. Da stimme ich Dir grundsätzlich zu, zumal Gusseisen deutlich reaktionsfreudiger ist als Kupfer. Wobei es im Zweifelsfall einer Definition bedürfte, was wir jeweils unter einem "äußerst guten gustatorischen Sinn" verstehen. Muss aber nicht sein ... Es ist gerade der deutliche Einfluss des Kesselmaterials auf das Aufgusswasser, gegen den ich Bedenken habe. Ich persönlich halte Wasser vor der Aufgussphase gerne möglichst frei von geschmacksbeeinflussenden Materialeinflüssen. Da ist Glas und Edelstahl das inerte Material der Wahl; bei einer offenen Feuerung würde ich auch eher zu einem traditionellen Keramikkessel als zu Gusseisen tendieren. Der Gusseisen-Effekt mag durchaus positiv ('effektvoll') sein, aber ich habe da (bei häufiger oder gar ausschließlicher Verwendung einer Tetsubin) die Vorstellung eines gewissen Maggi-Effekts. Wer diese klassische, umamilastige und nach gedoptem Liebstöckel schmeckende universell einsetzbare Gewürzsoße klassischer deutsch-bürgerlicher Küche wie ich noch aus Zeiten kennt, als sie (neben chronisch verstopften oder wahlweise leeren Salz- und Pfefferstreuern sowie einigen Zahnstochern) zur Grundausstattung eines deutschen Wirtshaustisches gehörte, weiss, wovon ich rede. Übrigens - ich liebe Allgäuer Kässpatzen mit reichlich Maggi. Wohl als Folge irgendeines frühkindlichen Traumas. Aber alle Tage möchte ich es nicht haben ... _()_
  14. Nur mal so als vielleicht sachdienlicher Hinweis: ich habe selbst keine Erfahrung mit Kupferkesseln. Was jedoch Kochgeschirr im Allgemeinen angeht, so ist Kupfer immer noch das Material, mit dem die meisten Profis bevorzugt arbeiten. Üblich ist bei diesem Geschirr heute eine Edelstahlauskleidung. Die Auskleidung ist nötig, weil Kupfer mit verschiedenen Lebensmitteln wechselwirkt und in Überdosierung (wobei die Schwelle allerdings für ein Schwermetall recht hoch liegt) toxisch ist. Die technische Herausforderung des Herstellers liegt darin, die Auskleidungsschicht (die auf das Kupfer aufgewalzt wird) möglichst dünn zu halten, um die Wärmeleitfähigkeit des Kupfers optimal zu nutzen. Das hat seinen Preis, der bei Profigeschirr in einer ganz anderen Liga spielt als bei dem vorgestellten Kessel. Eine Klärung, ob er ausgekleidet ist, würde ich auf jeden Fall vor einem Kauf herbeiführen. Wenn er ausgekleidet sein sollte, würde ich bei dem Preis nicht allzuviel Zeitgewinn beim Erhitzen erwarten. Wobei sich bei unbeschichtem Kupfer hingegen die Frage stellt, wie denn nun Wasser mit Kupfer interagiert. Geschmacklich dürfte das eher unauffällig sein, insbesondere wenn der pH-Wert des Wassers nahe beim Neutralpunkt liegt. Aber wer die Eisenionen bei einer Tetsubin herausschmeckt, wird wohl auch da etwas finden ... _()_
  15. Welcher Tee ist heute in eurer Tasse? Teil 3

    Heute nachmittag ein weiterer Oolong aus der Sendung von @chenshi-chinatee: ein holzkohlegerösteter Tie Guan Yin Jahrgang 1993. Dieser sowie ein '98er Da Hong Pao waren der eigentliche Grund meines Kaufs; der gestern erwähnte Songzhong hat lediglich als Ablösung meines den Weg alles Irdischen gegangenen Milan Xiang gedient. Da wären Viele in Frage gekommen (was dem Milan Xiang nicht das beste Zeugnis ausstellt). Mir ging es hauptsächlich um den Abschluss meines Projektes, mir ein Geschmacksurteil hinsichtlich gelagerter Oolongs zu bilden. Anders gesagt: haben wir es da lediglich mit gehypten ehemaligen Ladenhütern zu tun oder lohnt sich der Aufwand an Lagerung (Lagerkosten - die natürlich mit eingepreist werden) tatsächlich? Einen sehr instruktiven Einstieg hatte ich Dank der diesjährigen TeaTravelBox-Aktion und da speziell @wu.chia.yu's Formosa-Oolongs. Nochmals Danke dafür. Jetzt sind abschließend die Fujian-Oolongs dran. Der Tie Guan Yin heute ist zunächst irritierend, weil die Aufgussfarbe Röstnoten verspricht, die aber schon lange verflogen sind. Ein schöner, gut eingebundener Alterungston - aber ich musste unweigerlich an diesen Zettel an der Kaffeemaschine meiner ehemaligen Arbeitsstätte denken: Lachen Sie nicht über unseren Kaffee - auch Sie werden einmal alt und schwach ... Anders gesagt - das Aromaspektrum ist insgesamt sehr harmonisch, sehr weich, durchaus komplex, aber auch sehr "leise", so dass die Komplexität eher zu erahnen als tatsächlich zu riechen oder zu schmecken ist. Dosiert hatte ich 6g auf ca. 180ml bei 95°. Ich frage mich, wie dieser Tee auf eine Nachröstung reagieren würde ... Insgesamt ist mein Eindruck zwiespältig - sowohl speziell bei diesem Tie Guan Yin als auch generell, was gelagerte Oolongs angeht. Das erwähnte "Geschmacksurteil" dürfte auf ein entschiedenes "es kommt darauf an ..." hinauslaufen. _()_
  16. Welcher Tee ist heute in eurer Tasse? Teil 3

    Erfreulicherweise war er noch knapp vor Beginn der Feiertage eingetroffen und hatte daher heute sein Debut als Feiertagsnachmittagstee: der Songzhong Donfanhong Dancong, aktueller Jahrgang von @chenshi-chinatee. Fotografisch dokumentiert leider nur die Überreste der Bescherung: 10 sehr leckere Aufgüsse, mit einem schönen Vanillegrundton, der in den späteren Aufgüssen zunehmend deutlicher wird, begleitet von einer milden Adstringenz, die eigentlich nur auf der Wangeninnenhaut spürbar ist. Sowohl Kontrast als auch Ergänzung zum Morgentee, einem 19er Mingqian Anji Bai Cha. _()_
  17. Der Kessel muss ergonomisch passen - d.h. man muss ihn gut im Griff haben und mit möglichst wenig Kraftaufwand um seinen Schwerpunkt bei Befüllung kippen können. Diese Ansatzpunkte zu erspüren kann durch ein zu geringes Gewicht auch eher erschwert werden. Grundsätzlich halte ich es für einen problematischen Ansatz, Defizite in der Technik (im 'handling') durch Materialeinsatz zu kompensieren. Eher umgekehrt - kostet zwar etwas Übung (mit dem geliebten Objekt Tee - da kann man eigentlich nicht von Kosten sprechen ...) aber schont den Geldbeutel. Und die richtig edlen Teile setzen ohnehin eher eine entwickelte Technik voraus, d.h. sie sind in der Regel wenig fehlerverzeihend. Da ich zum Teil erstaunlich gute Teesets schon unter "Puppengeschirr" erworben habe, möchte ich dem mal wiedersprechen... Okay, das war natürlich mit 'tongue in the cheek' dahergesagt - gelegentlich mache ich mir auch in 'Puppengeschirr' einen Oolong. Der Punkt dabei ist wiederum, dass hier, bei dieser Zubereitungsmethode und dem dafür geeigneten Tee, das geringe Volumen sinnvoll ist, wenn man in einer Session 9 oder 10 Aufgüsse macht. Das ganze Zeug will ja auch getrunken werden ... Trotzdem sollte man da auch einen gewissen Sinn für Proportion wahren - konkret hier von Kanne und Hand. Disproportionen sind ein klassischer Auslöser von Humor. Sado oder genauer Senchado beschäftigt sich mit grünem Blattee, Chanoyu mit Matcha. Die Sitte, grünen Blattee zu trinken wurde in Japan durch einen "Reformationsversuch" lanciert, wo man Priester des zeitgenössischen Chan einlud - speziell Ingen Ryūki, der zum Gründer der Ōbaku Zenshu wurde. Er und seine Mönche brachten unter Anderem auch die Methode, grünen Blattee aufzugießen (so, wie man es mittlerweile im mingzeitlichen China tat) nach Japan. Senchado gelangte überwiegend durch den 'Teeheiligen' Baisao (der auch die erste japanische Senchaproduktion initiierte) zu Popularität insbesondere unter bürgerlichen Intellektuellen. Senchado war damit auch eine kulturelle Gegenbewegung zum elitären, in der Samuraiklasse verankerten Chanoyu. Zunächst - da es ja noch gar keinen japanischen Sencha gab - trank man natürlich chinesischen Tee, importiert über den Außenhandelshafen Yokohoma und die dort ansässigen Chinesen. Senchado ist heute wie Chanoyu in etliche Linien und Schulen geteilt. Anders als bei Chanoyu (und da insbesondere der Urasenke shu) scheint es allerdings außerhalb Japans praktisch keine Lehrangebote zu geben. Schon richtig. Wobei das mit dem "man nehme" so eine Sache ist. Wer kann (oder will) es sich schon leisten, zum Teetrinken einen eigenen Raum mit eingelassener Feuerstelle zu bauen? Offen gesagt, habe ich für solche Herangehensweisen zwar Respekt, aber auch nicht mehr. Mir ist das zu museal. _()_
  18. Wenn ich mir mal erlauben darf, an Stelle von @doumer zu antworten - selbstverständlich, ohne ihm damit vorgreifen zu wollen: wie ein Kessel nun zu führen ist, hängt weniger von seinem Material ab als von seiner physischen Form. Das Materialgewicht spielt da als zu behandelnde Aufgabe eher eine nachgeordnete Rolle. Leichtere und bessere Führung ist eine Sache der Übung (auch z.B. des Trainings der gesamten Armmuskulatur), die der physischen Form (und dem Materialgewicht des Kessels) angemessen ist. Dabei spielen dann auch teils praktische, teils ästethische Bedingungen eine Rolle. Konkret (und beispielhaft) u.a. die Frage, welches Fassungsvermögen der Kessel hat. Wenn der aufgrund des Materialwerts zu klein ist, dann ist es das Material nicht wert. Und es sieht etwas komisch aus, wenn jemand mit Puppengeschirr hantiert ... Daraus könnte man selbst eine ethische Frage ableiten: ist das Wasser im Kessel für mich alleine oder reicht es wenigstens für zwei? So etwas: - wollen wir doch lieber vermeiden, oder? Wobei ich frei einräume, dass ich mir selbst zumeist auch nur allein einen auf die Lampe gieße - aber meine bescheidenen Schätze reichen auch zum Teilen von heißem Wasser aus. Die einfachere Frage nach dem "wieviel" mal vorgezogen: so viel, wie Du halt brauchst, um das Wasser in Deinem Kessel zum Kochen zu bringen. Hängt also vom Material des Kessels, seiner Wandstärke und Volumen / Befüllung sowie dem verwendeten Ofen ab (genauer: dessen Effektivität). Da kommst Du nicht umhin, selbst zu experimentieren. Zum "was": traditionell Bambusholzkohle, die es in größeren Brocken für Shisha-Raucher schon recht preiswert gibt. Bessere Qualitäten, die speziell für die Verwendung mit Räucherwerk gedacht sind, bekommt man z.B. bei Händlern, die das Shoyeido-Sortiment führen (da gibt es einige). Da findet man dann auch Räucherasche, auf der im Öfchen die Kohlen plaziert werden - traditionell mit überlangen, eisernen 'Chopsticks'. Absolut geruchsfrei ist auch die teurere Variante nicht, wie auch Gas- oder Spritbrenner als Alternative. Von der Brandgefahr bei indoor-Gebrauch mal abgesehen (die nicht sonderlich hoch ist, aber einen sorgfältigen und achtsamen Umgang damit erfordert). Ich persönlich bin deswegen nach einiger Unentschlossenheit vorerst doch bei der Elektrizität geblieben. Übrigens gibt es auch Leute in der chanoyu-Szene, die ihre furos auf elektrisch umrüsten ... Beim Sado ist es wohl ähnlich, jedenfalls scheint es zumindest in Japan kein Problem zu sein, sich seinen ryoro elektrisch umrüsten zu lassen, da gibt's eigene sets dafür, die mit unserer Spannung natürlich nicht funktionieren. Wobei man da (in der Teeschule) trotzdem natürlich auch eingehend darin unterrichtet wird, wie man traditionell so ein Ding heizt und die convenience einer elektrischen Erhitzung nur beim privaten Üben in Anspruch nimmt. Das ist dann eine solide Schulung - falls Dein Interesse über eine Grundanleitung (ob es eine solche hier gibt, weiss ich nicht) hinausgehen sollte. _()_
  19. Wobei ich persönlich - ohne dies irgendwie als ehrenrührig missverstanden zu haben wollen - bei der zweiten Fraktion mich frage (bzw. einen entsprechenden Verdacht hege), ob da nicht die Erwartungshaltung die sinnliche Erfahrung stärker manipuliert als das verwendete Material. Im medizinischen Bereich würde man von einem Placebo-Effekt sprechen; unter uns Teemenschen würde ich es höflich als die 'Magie des Materials' bezeichnen. Beides - erhöhte Erwartungshaltung und magische Sensibilität scheinen mir doch irgendwie in Korrelation zum damit verbundenen Kostenaufwand zu stehen . Was ja nicht per se schlecht sein muss, damit kann man arbeiten. Ich denke, es gibt irgendwo eine Grenze, wo sich Erwartungshaltung und Aufwand (technischer und materieller) die Waage halten. Anders gesagt: wo sich der Aufwand auch wirklich amortisiert. Erfahrungsgemäß ist dies auf niedrigem Level zumindest einfacher, womit man sich natürlich nicht zufrieden geben muss. Womit man sich da zufrieden gibt, ist eine zentrale Frage des Teewegs und die Antwort darauf ist immer eine individuelle, damit nicht hinterfragbare. Entlang dieser angesprochenen Grenze verläuft mE der Teeweg, wenn denn meine Karte stimmt ... _()_
  20. Kleiner technischer Tip: ich benutze dazu (wie übrigens auch zum Schneiden von Koblauch) einen Trüffelhobel. Scheiben mit 0,2 mm Dicke sind damit kein Problem. Dazu braucht es eigentlich nur noch heisses Wasser zum Aufgießen. Wenn die Atemwege kratzen, einen Löffel guten Honig dazu. _()_
  21. Wie einen Wasserkessel halt. Man befüllt ihn mit Wasser und bringt es darin zum Kochen. Der Größenunterschied ist IMHO vor allem den Materialkosten geschuldet. Wobei das grundsätzlich natürlich zwei deutlich unterschiedliche Ansätze sind: während Gusseisen das Teewasser anreichern soll, steht bei Silber die Neutralität des Edelmetalls (und seine leichte biozide Wirkung) im Vordergrund. Eine Betonung des Konzepts 'Reinheit' als Gegenposition zu wechselseitiger Durchdringung von Tee, Material und Technik. Das wäre nur zum Abkühlen des Wassers sinnvoll, da Silber eine hohe Wärmeleitfähigkeit besitzt (noch höher als Kupfer). Und zum Abkühlen ist ein Keramik-Yuzamashi allemal hinreichend. Der Vorteil des Materials (eben seine Leitfähigkeit) lässt sich am besten beim Erhitzen des Aufgusswassers nutzen. Das bringt, wenn man denn die Materialkosten dafür aufbringen kann und will, eine schnellere Wasseraufbereitung. Und hat den Snob-Faktor einer kostspieligen Lösung. Das mit dem Eisen im Teewasser ist eh eine Sache, von der man nicht notwendig überzeugt sein muss ... _()_
  22. Neue Teetrinkerin mit Fragen

    Neenee , nicht wirklich - es ist nur: Exotik liegt im Auge des Betrachters ... Nochmals Danke für die Erinnerung. _()_
  23. Neue Teetrinkerin mit Fragen

    Danke @Doris Lessing für die unverkrampften Schilderungen aus exotischen Teeprovinzen. Wobei - seien wir doch mal ehrlich - die Ostfriesenmischung mit ihrem ausgiebigen Assamanteil (wenn dieser nicht durch billigere indonesische Plantagentees ersetzt wurde, der holländische Kolonialwarenmarkt war ja praktisch nebenan) vor allem dem Problem geschuldet ist, mit Ostfrieslands leicht brackigem Grundwasser zurecht zu kommen. Entsprechend 'kräftig' muss der Extrakt schmecken und die heftige, assamica-typische Gerbsäure wird halt mit Fett in Form von Sahne abgepuffert; die Ecken und Kanten des groben Geschmacksprofil überschleift man gelassen mit klebrigem Kandiszucker. Sicher wurde das Problem da auf kulturtechnisch interessante Weise gelöst, wenn auch verbunden mit einem gustatorischen (und mE auch gesundheitlich bedenklichem) Defizit. Immer noch besser als Schnaps saufen - und genau das war der Gegner, gegen den Tee da antrat. Also - was soll man mit so einer Landschaft anfangen, statt sie sich schön zu saufen ... Miit unernsten Grüßen (Karnevalssaison ist ja schließlich auch noch, seit 11. November ...) _()_
  24. Welcher Tee ist heute in eurer Tasse? Teil 3

    Mein bereits erwähntes Projekt mit dem Enshi Yu Lu hat heute die erste Phase mit der letzten (von 5) Verkostungen abgeschlossen. Da ein Versuchsansatz auch einer mit vier Aufgüssen und entsprechend reduziertem Blattgut gewesen war (was diesen Tee mE unnötig verharmlost) hatte ich noch knapp 13g übrig, was ihm die Chance zu einem fulminanten Abschied gab. Der Tee zeigt deutlich Knochen - aber wie auch Connaisseure rustikalerer und blutigerer Genüsse wie etwa eines Koteletts vom minderjährigen Salzwiesenlamm wissen: das Beste sitzt am Knochen. Der Enshi Yu Lu ist gewissermaßen ein Tee zum Abnagen - wenn man ihn als eine Art Flüssigdrops versteht (die frühen Ausgüsse zeigen zur seidigen Konsistenz durchaus bonbonartige Note), ist das eine zu kurzsichtige Einschätzung. Die hohe Dosis (statt sonst 10g) ermöglicht es noch einmal, diesem Tee (dessen hoher Selengehalt eine Besonderheit dieser Teesorte ist) bis auf den Grund bzw. ein Stück über die Genze ins Anorganische hinaus zu folgen, zu Wurzeln und Boden (der Quelle des Selen). Ob das nun 'gesund' ist oder nicht, darüber mögen die Geister streiten. Für welche Sichtweise man sich da auch entscheidet (oder nicht entscheidet), es ist auf jeden Fall sinnvoll, Überdosierungen zu vermeiden. Weswegen ich mich die nächsten drei, vier Tage anderen Tees widmen werde, bevor der Prätendent sein Debut bekommt. Investiert habe ich erst einmal in zwei Sitzungen mit ihm. Höchste Zeit, sein Weihnachtsgeld sinnvoll zu verplanen ... wenn man denn welches kriegen sollte. Hängt ja bekanntlich davon ab, wie brav man im vergangenen Jahr war. Mal schauen, wie weit ich damit komme ... In diesem Sinne (sagt man, glaub ich, so unverfänglich und wertfrei) Euch allen schon mal 'happy season' mit Euren Lieben. Bevor es mir womöglich für den Rest des Monats noch die Laune verhagelt ... _()_
  25. Welcher Tee ist heute in eurer Tasse? Teil 3

    Es gibt Tees, die trinkt man beim Rasieren aber es gibt auch Tees, für die man sich eigens rasiert. Der heutige Sonntagstee ist so ein Kandidat - wobei es da zur Rasur keiner Klinge bedarf. Nur keinen Stress deswegen, der Elektrobrummer tut's auch, wenn auch nicht so ganz präsise. Beim Zhu Ye Qing hingegen fühle ich mich versucht, noch Anzug und Krawatte mit drauf zu packen - dieser Funktionärstee ist mir irgendwie unheimlich. Deswegen wurde er in der Winterkollektion ersetzt, durch eine mingqian-Pflückung eines Yu Hua Cha, Nanjings lokaler Stil. Die Fotos des Händlers bringen Farbe und Verarbeitung der Blätter ganz gut herüber, von einem leichten silbrigen Schimmer des trockenen Blattguts abgesehen - obwohl das Blattgut sehr wenig Flaum ausweist. Den Zubereitungsempfehlungen auf der Webseite folge ich lediglich hinsichtlich Aufgusstemperatur. Ein voller, süßlicher, an Blumenwiese erinnernder Duft, gut harmonierend mit dem vollen Geschmack, der unauffällig einen schönen, grasigen Umamieffekt als Akzent aufweist. Das Aroma geht dann ab. 3. und 4. Aufguss schnell in die Breite, was etwas erzeugt, dass ich einen Kamillentee-Effekt nennen würde. Weniger wegen des (vage kräuterigen) Geschmacks als wegen einer wohltuenden Wirkung im Magenbereich. ME empfehlenswert für Leute mit Problemen in dieser Region. Entsprechend zurückhaltend und weich eingebunden sind hier Bitteraromen, die sich mit 5. und 6. Aufguss naturgemäß zunehmend im Vordergrund präsentieren. So ganz in die Karten schauen lässt er sich nicht - zumindest bin ich hier noch nicht in Wurzel und Boden eingedrungen. Bei der jungen Rinde ist hier Schluss. Aber ich habe ja noch ein wenig Vorrat, um das nächste Halbjahr ein wenig mit diesem Tee zu arbeiten. Der Name 'Regenblume' (Yu Hua) hat übrigens nichts mit den Erntebedingungen zu tun - spätestens mit dem Einsetzen der Monsunregen hat die Pflückarbeit abgeschlossen zu sein. Der Name bezieht sich vielmehr auf die Ursprungslage dieses Tees, die Landschaftsformation 'Regenblumenterasse' südlich von Nanjing. Zu der es selbstredend eine volksetymologische Legende gibt: der buddhistische Mönch Yun Guang habe dort einst so vollkommen den Dharma gelehrt, dass die ihm lauschenden Götter als Zeichen ihres Beifalls Blumen vom Himmel regnen ließen. Ein paar Kamelienblüten scheinen da auch dabei gewesen zu sein ... Bevor das hier zu abgehoben wird, noch eine kleine persönliche Anekdote (*stöhn - Vaddererzählt wiedervom Kriech ...*) - der Tee und ich hatten keine schöne erste Begegnung. Als man seinerzeit noch per snailmail mit Hilfe von zugesandten Hochglanzpapier - Katalogen Tee bestellte, hatte ich den von meinem damaligen Hauptlieferanten in Bremen bekommen. Der übrigens immer noch existiert und zunehmend zu einer Art Teeversion von Tchibo geworden ist. Der Tee war nicht billig, aber den Preis nach meiner Auffassung bei weitem nicht wert. Was mir ein langjähriges Vorurteil gegenüber dieser Sorte beschert hat. Um so mehr Anlass, sich in den nächsten Wochen mit ihr zu versöhnen und Freundschaft zu schließen. Den geeigneten Repräsentanten dazu habe ich schon mal gefunden. _()_