seika

Mitglieder
  • Gesamte Inhalte

    2.045
  • Benutzer seit

  • Letzter Besuch


Reputationsaktivitäten

  1. Like
    seika reagierte auf Cel für Ein Blogeintrag, Die Glasur - eine unendliche Ausdrucksform   
    Oft wird im Forum über unglasierte Ware gesprochen, verschiedene Wirkungen auf unterschiedliche Tees diskutiert und ob die Eine jetzt besser ist als die Andere. Diesem Thema versuche ich später noch einen Bericht zu widmen, wenn es denn klappen sollte das ich doch noch den Kern finde. 
    Hier soll es aber einmal um Glasuren gehen. Allzuoft werden sie vernachlässigt obwohl sie eine Spielwiese sind, die in Ihren Möglichkeiten nahezu unbegrenzt sind. Oftmals sieht man nur einfarbige und einfache Glasuren, doch ist das nur die Spitze. Wenn man sich die Hagi Keramik aus Japan ansieht, merkt man erst wie vielfältig eine simple Glasur sein kann.
    Die Hagi Glasur basiert auf einer simplen Fedspat Glasur, wobei jeder Töpfer seine eigene Rezeptur besitzt. Zwischen feminin und maskulin, zarter Glasur und zerklüfteter Oberfläche ist alles möglich. Im Zusammenspiel mit verschiedenen Scherben (Tonkörper) entsteht eine Dynamik die selten zu finden ist. Wer sich die Möglichkeiten verinnerlichen will, dem empfehle ich einfach einmal eine Suchmaschine zu nutzen und sich die Bilder über Hagi Yaki anzusehen. Auch das Farbenspiel nimmt bei dieser Glasur immer mehr zu. Ein weiterer Vertreter dafür ist die Shino Glasur, bei der viel mit Unterglasurmalerei gearbeitet wird.
    Im Bereich der Tokoname Kannen sieht man ab und an Glasuren die sich durch das Spiel des Feuers verändern, entsprechend wie der Körper der Feuerquelle ausgesetzt ist. 
    Ein sehr urtümlicher Vertreter, in seiner Dynamik aber sehr vielfältiger ist die Ascheglasur. Bizen Keramik und, Iga und Shigaraki sind die bekanntesten Städte dafür. In seiner Ausführung sehr einfach, da der Tonkörper ohne jegliche Glasur in den Ofen gestellt wird, ist es mit die unberechenbarste Methode. Die Asche vom Feuer fliegt frei im Holzofen umher und schmilzt auf dem Tonkörper zu einer natürlichen Glasur. Die Form wird nicht überall und nicht gleichermaßen glasiert. Jedes Stück wird einzigartig.
    Eine Glasur die mich immer aufs neue fasziniert ist Tenmoku. Von glänzenden tiefschwarz, mit eingelegten Blättern, über braun bis hin zu blauen Flecken ist alles möglich. Diese Glasur sollte sauerstoffarm gebrannt werden um seine Möglichkeiten voll nutzen zu können. Leider ist auch hier der Zufall so hoch, dass man sich jedes Mal auf ein Neues überraschen lassen  uss.
    Eine weitere tolle Glasur ist Kinyo aus dem chinesischen Raum. Die verschiedenen in sich laufenden Farben gefallen mir sehr gut, leider sieht man selten wirklich gute Vertreter davon.
    Wer auf der Suche nach einer universellen Kanne ist und sich bei der Auswahl etwas Zeit lassen kann, sollte sich Kannen mit verschiedenen Glasuren ansehen. Es gibt so viele tolle die einem das Herz erfreuen.
    Zum Ende noch ein paar Eindrücke verschiedener Glasuren.







  2. Like
    seika reagierte auf Komoreb für Ein Blogeintrag, Meine bisherigen Versuche. Eine Zusammenfassung.   
    Erster Versuch, wie man sieht alles noch sehr unbeholfen und schief:

     
    2te Sitzung, Technik etwas abgewandelt. Alles etwas gleichmäßiger:
     
    Dritte Sitzung, gewisse Sicherheit schleicht sich ein. Es wird experimentiert:
     
    Vierte Sitzung, wollte diesmal keinen Becher machen. Wagen wir mal was...

     
    Fünfter Versuch. Die Shiboridashis haben mich einige Nerven gekostet. Trotz alledem wollte ich endlich mal eine richtige Kanne probieren...

    Und ich muss zugeben: Die ist viel besser geworden als ich es mir zugetraut hätte! Da war ich echt richtig glücklich danach.
     
    Sechste Sitzung. Ich möchte eine neue Technik ausprobieren, es wird gespachtelt...
     

     
    Siebte Sitzung. Nicht mein Tag...bei der linken ist mir 2 mal hintereinander der Deckel runtergefallen. Brutal genervt lasse ich den Dritten so wie er ist, auch wenn ich nicht zufrieden bin. Mal 5 gerade sein lassen...
     
    Achte Sitzung, habe das Gefühl ich mache Rückschritte. Habe es etwas übertrieben mit dem experimentieren. Die linke Kyusu schaut ganz schön k.... aus. Habe nicht ganz den Effekt erreichen können den ich im Kopf hatte. Vielleicht kann man beim Glasurbrand was rausholen.
     
    Neunte Sitzung. Etwas neues soll her. eine andere Form...

     
    Elfte Sitzung. Meine Freundin hat mir neuen Ton geschenkt. Dieser ist diesmal ganz fein und lässt sich ganz anders verarbeiten. Ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig weil er schnell aus der form gerät, weil er viel weicher ist. Ich verzweifel bei meinem ersten Versuch damit und alles landet in der Tonne. Daher auch leider keine Bilder von der Zehnten Sitzung.

    Hatte den Ton diesmal etwas austrocknen lassen und danach neu durchgeknetet. Nun ließ er sich etwas besser verarbeiten, war aber immer noch viel weicher als der Alte...

    Mit dem Ergebnis bin ich aber sehr zufrieden. 

    Nun muss ich nur noch Verpackungsmaterial besorgen, damit ich meine Werke auch heil zur nächsten Brennerei bringen kann.
    Dort wird sich dann zeigen ob ich ordentlich gearbeitet habe und ob sich der Aufwand gelohnt hat.
    Ich bin gespannt bis zum geht nicht mehr!
    Falls dieser Bericht gut ankommt und auf Interesse stößt, würde ich in Zukunft hier regelmäßig meine Sitzungen dokumentieren.
    Wäre natürlich für mich sehr interessant, da ich so vielleicht auch noch konstruktive Kritik bekommen kann und auch erfahre ob für so etwas überhaupt ein Bedarf besteht.
  3. Like
    seika reagierte auf RobertC für Ein Blogeintrag, Seminar mit Meister Atong Chen   
    Liebes digitale Teetagebuch,
    am Sonntag 12.6. fand in Frankfurt organsiert vom Teehaus Schnorr das Seminar zur Thema Geruch und Geschmack von Oolong statt. Aufgrund verschiedene Anfragen möchte ich hier meine Erfahrungen mit euch teilen.
     
    Allgemeines
    Geschätzte 30 bis 35 Teeliebhaber aus Deutschland und der Schweiz fanden sich an diesem verregneten Sonntagmorgen im Schnorr Seminarraum in einem Industriegebiet am Rand von Frankfurt ein. Menglin Chou vom Teehaus Shui Tang aus Zürich hat für Meister Atong Chen übersetzt. Neben den Mitarbeitern von Schnorr und Shui Tang waren aber auch sämtliche mir bekannte andere mit Atong verbundeamn Händler und Großhändler aus dem deutschsprachigen Raum vertreten. Die Teilnehmer saßen jeweils zu 5 bis 7 Personen an runden Tischen. Die Tees wurden jeweils mit 3g in einer Reisschüssel pro Tisch mit kochendem Wasser aufgegossen, die Teilnehmer konnten mit einem Teelöffel aus Metall in ihre kleine Schale abfüllen und natürlich am Löffel riechen. Dieses Setup erlaubte es, die Tees nach ca. 5 bis 10 Minuten frisch zu probieren während Atong gerade über diesen Tee sprach. Es war aber auch möglichst später nochmal zu probieren und zu vergleiche. Es wurde übrigens Volvic Wasser verwendet, woraus ich schließe, dass entweder Atong oder der Veranstalter Schnorr dieses Wasser für Oolongs dem Frankfurter Leitungswasser für überlegen hält.
     
    Geruchs- und Geschmacksvielfalt von Taiwan Oolongs
    Im ersten Teil des Seminar wollte uns Atong eine möglichst breite Übersicht des Geruchs- und Geschmacksspektrums der Taiwan Oolongs aufzeigen. Es wurden hier über ca. 3 Stunden insgesamt 9 Tees verschiedener Regionen Taiwans und aus unterschiedlichen Kultivare aufgegossen, wobei zu beidem keinerlei Angaben gemacht wurden. Daher werde ich im Folgenden die Tees beschreiben sowie mit Punkten auf einer Skala von 50 (schlecht) bis 100 (außerordentlich) bewerten.
    Tee 1: ein grüner Oolong, sehr vegetal, leicht süß, 80-84. Ich denke Atong wollte uns mit diesem Tee testen, denn nachdem wir alle probiert haben sollten sich alle die Hand heben, denen der Tee geschmeckt hat. Es waren mehr als 90% der Hände oben, aber ich habe keine Hand gesehen, die ich aus dem Teetalk kenne  Wenn man diesen Tee nach über einer Stunde in der Reisschüssel nochmal probiert hat war er wirklich untrinkbar, definitiv ein Test von Atong
    Tee 2: Oriental Beauty Art, reifer Pfirsich, Lychee, Honig, sehr rund und süß, 91-94. Was für ein Unterschied zu dem Tee davor!
    Tee 3: stark gerösteter Oolong, stärker oxidiert, Honig, Kräuter, Schokolade, Karamell, 91-93.
    Tee 4: Kugeloolong, blumig, leicht, Orchideen, Frische, etwas Osmanthus, heller Karamell, 90-92.
    Tee 5: Kugeloolong, sehr ähnlich zu 4, deutlichere Orchideen, 91-94.
    Tee 6: Kugeloolong, sehr ähnlich zu 5, andere florale Noten, 91-94.
    Tee 7: Meiner Meinung nach ein Hong Cha (obwohl es ja nur Oolongs sein sollten)?!, Kräuter, Zitrone, Mal, Karamell, Dörrobst, Zimt, sehr rund, 91-93.
    Tee 8: Gui Fei, tropische Früchte, aber leichter off-taste 89-90.
    Tee 9: Gelagerter Zwirbeloolong, leicht floral, rund, blumig, Honig, Dörrobst, ölig, 92-95.
     
    Anbaugebiete in Taiwan
    Im zweiten Teil des Seminar haben wir uns, nach einem schönen Mittagessen, mit den unterschiedlichen Regionen und Anbaugebieten genauer beschäftigt. Diesmal waren alle Tees aus dem Qingxin Kultivar und die jeweiligen Anbaugebiete wurden genannten und genauer vorgestellt.
    Tee 1: Baozhong aus Pinglin, Spinat, Erbsen, ölig-dichte Textur, 92-94. In Pinglin, sagte Atong, könne er selbst seine Tees nur von einem Großhändler, aber nicht direkt beim Erzeuger einkaufen.
    Tie Guan Yin aus Muzha (ist ja kein Qingxin, haben wir daher nicht probiert) sollte bernsteinfarben sein und nach reifen Obst schmecken. TGY kam wohl 1919 von China nach Taiwan.
    Tee 2: La La Shan, sehr rund, leichte Röstung, tropische Früchte, sehr langer Nachgeschmack, 92-95.
    Tee 3: Mingjian, mild, Pfirsich, frisch, 90-92. Ebenes, tiefer liegendes Gebiet mit viel Sonne, meist Erntemaschinen. Hier liegen sämtliche Teegärten von Atong, die sich im Familienbesitz befinden. 
    Tee 4: Dong Ding, Zwirbelblatt, sehr ausgewogen rundes Mundgefühl, Karamell, Nuß, würzig, 92-94.
    Tee 5: Ali Shan, leicht geröstet, rund, fruchtig frisch, aber nicht so gut wie der La La Shan, 90-92.
    Tee 6: Li Shan, mild, helles Obst, sehr ausgewogen und langanhaltend, 92-94. Früher wurde in Li Shan Apfel- und Birnenanbau betrieben.
    Tee 7: Qi Lai Shan, sehr ähnlich zum Li Shan, aber etwas grüner produziert, 91-93.
    Tee 8: Gangkou "Meeresoolong", angenehm bitter (ähnlich wie Sheng), grün, langanhaltend, 90-92. Kommt ganz aus dem Süden von Taiwan und wird im Wok geröstet ähnlich wie Grüntee.
    Tee 9: als Zugabe gabe es dann noch einen gelagerten Oriental Beauty aus Atongs privater Schatzkammer, Rosen, Honig, Lychee, wundervoll ausbalanciert und langanhaltend, 94-97+.
     
    Was ich sonst noch aus dem Seminar über Oolong mitgenommen habe
    Ein höherer Oxidationsgrad führt zu einem facettenreicheren Tee
    Ein blutroter Blattrand ist ein gutes Indiz für einen guten, höheren Oxidationsgrad
    Grasiger Geruch (wie frisch gemähter Rasen) -> negativ, zu wenig gewelkt oder oxidiert
    Ölgeschmack -> nicht gut bei neuem Tee, aber gut bei gelagertem Tee
    Eine starke Röstung braucht eine entsprechende Oxidation
     
    Insgesamt eine für mich gelungene Veranstaltung, dank neuem Teewissen und persönlichen Teekontakten.