KlausO

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Reputationsaktivitäten

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    KlausO reagierte auf Cel für Ein Blogeintrag, Echtes Kintsugi   
    Vielleicht haben sich einige von Euch gefragt ob ich überhaupt noch etwas mache. Kurz und bündig, ja. Ich arbeite noch immer an der Kanne von @Tobias82 und eigne mir nach und nach ein paar Fertigkeiten an. 
    Zwischenzeitlich habe ich ein sehr kurzes Projekt eingefügt, da meine Tochter eine Vase zerbrochen hat. Eigentlich unwichtig, jedoch stammt sie noch von meiner Omi. Also eine schnelle Reperatur. Das nächste Mal wird es noch etwas besser, hier habe ich etwas am Lack gespart...



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    KlausO reagierte auf RobertC für Ein Blogeintrag, Kintsugi Gehversuch (Teil 1)   
    Es lässt sich einfach nicht vermeiden! Eine kleine Unachtsamkeit und schon ist es passiert - das geliebte Teezubehör landet unsanft im Spülbecken oder auf dem Boden. Handelt es sich dann um etwas Besonderes sitzt zunächst der Schock tief. Aber manchmal kommt eine Reparatur mittels Kintsugi in Frage, was hier im Forum auch schon an verschiedenen Stellen berichtet und ausprobiert wurde.
    Bei dieser traditionellen japanischen Technik, die mittels Urushi Lack arbeitet, erhalten die reparierten Stücke durch die golden oder silbern verzierten Linien über den Bruchstellen einen eigenständigen Charakter. 
    Wer viel Geduld aufbringen kann darf sich gerne an Frau Watanabe aus Berlin wenden. Erst kürzlich habe ich im englischen Teeforum eine sehr positive Referenz bezüglich der Qualität und Preise ihrer Arbeiten gelesen, was sicherlich zu noch längeren Wartezeiten führen dürfte.
    http://www.teachat.com/viewtopic.php?f=36&t=21568&p=288993&hilit=kintsugi#p288993
    Der geneigte Teefreund, der neben Geduld auch noch etwas Neugier mitbringt, darf sich natürlich auch selbst ausprobieren. So kam ich zu meinem ersten Kintsugi Gehversuch. Mit einem in Japan bestellt Repair Kit sowie meinem ersten "Opfer", einer handgemachten Porzellan Teeschale einer Künstlerin aus Heilbronn.
    Mit etwas Mehl, Wasser und dem Urushi Lack wird zunächst eine klebrige Masse angerührt. Dabei entsteht ungefähr die Konsistenz von Zahncreme oder Haargel. Diese wird mit einer Spachtel auf beide Seiten der Bruchstellen aufgebracht bevor diese zusammengeklebt werden. Überflüssiges Klebematerial kann mit Zahnstochern entfernt werden. Diese Schritte sind je nach Anzahl der Bruchstücke zu wiederholen. Die zusammengesetzte Tasse habe ich dann mit Kreppband fixiert.
    Danach muss der Urushi Lack aushärten. Dies passiert am besten bei mindestens Raumtemperatur und sehr hoher Luftfeuchtigkeit (über 80%). Daher habe ich mir einen sogenannten Muro gebaut. Eine kleine verschließbare Kiste, am besten isoliert, feuchte Tücher rein, ggf. ein Hygrometer zur Kontrolle der Luftfeuchte und die reparierte Keramik am besten so lagern, dass auch von unten Luft heran kommen kann. So kam ich auf in der Spitze 92% Luftfeuchtigkeit. Nach gut zwei Wochen war meine reparierte Teetasse ausgehärtet. Allerdings zeigten sich auch erste Anzeichen von Schimmel auf den feuchten Küchentüchern. Dies nur als Warnung an die Freunde der schnellen Pu Lagerung mit aktiver Befeuchtung.
    Da Urushi wie gesagt durch Feuchtigkeit aushärtet empfiehlt sich grundsätzlich Terpentin-Ersatz zum Saubermachen. Außerdem sollte beachtet werden, dass wohl manchen Menschen auf Urushi allergisch reagieren - also am besten Handschuhe tragen.
    Nach dem Aushärten und Entfernen des Kreppbandes können die reparierten Bruchstellen vorsichtig mit einem Messer, sehr feinen Schleifpapier oder Terpentin von überflüssigem Material befreit werden. In meinem Fall hat hier nur eine Kombination sowie viel Geduld geholfen. Durch das Schleifpapier kann ein feiner Übergang an den Bruchstellen erzielt werden.
    Mit dem Zwischenergebnis bin ich schon sehr zufrieden, aber mir ist klar, es liegt noch ein weiter Weg vor mir!







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    KlausO reagierte auf RobertC für Ein Blogeintrag, Seminar mit Meister Atong Chen   
    Liebes digitale Teetagebuch,
    am Sonntag 12.6. fand in Frankfurt organsiert vom Teehaus Schnorr das Seminar zur Thema Geruch und Geschmack von Oolong statt. Aufgrund verschiedene Anfragen möchte ich hier meine Erfahrungen mit euch teilen.
     
    Allgemeines
    Geschätzte 30 bis 35 Teeliebhaber aus Deutschland und der Schweiz fanden sich an diesem verregneten Sonntagmorgen im Schnorr Seminarraum in einem Industriegebiet am Rand von Frankfurt ein. Menglin Chou vom Teehaus Shui Tang aus Zürich hat für Meister Atong Chen übersetzt. Neben den Mitarbeitern von Schnorr und Shui Tang waren aber auch sämtliche mir bekannte andere mit Atong verbundeamn Händler und Großhändler aus dem deutschsprachigen Raum vertreten. Die Teilnehmer saßen jeweils zu 5 bis 7 Personen an runden Tischen. Die Tees wurden jeweils mit 3g in einer Reisschüssel pro Tisch mit kochendem Wasser aufgegossen, die Teilnehmer konnten mit einem Teelöffel aus Metall in ihre kleine Schale abfüllen und natürlich am Löffel riechen. Dieses Setup erlaubte es, die Tees nach ca. 5 bis 10 Minuten frisch zu probieren während Atong gerade über diesen Tee sprach. Es war aber auch möglichst später nochmal zu probieren und zu vergleiche. Es wurde übrigens Volvic Wasser verwendet, woraus ich schließe, dass entweder Atong oder der Veranstalter Schnorr dieses Wasser für Oolongs dem Frankfurter Leitungswasser für überlegen hält.
     
    Geruchs- und Geschmacksvielfalt von Taiwan Oolongs
    Im ersten Teil des Seminar wollte uns Atong eine möglichst breite Übersicht des Geruchs- und Geschmacksspektrums der Taiwan Oolongs aufzeigen. Es wurden hier über ca. 3 Stunden insgesamt 9 Tees verschiedener Regionen Taiwans und aus unterschiedlichen Kultivare aufgegossen, wobei zu beidem keinerlei Angaben gemacht wurden. Daher werde ich im Folgenden die Tees beschreiben sowie mit Punkten auf einer Skala von 50 (schlecht) bis 100 (außerordentlich) bewerten.
    Tee 1: ein grüner Oolong, sehr vegetal, leicht süß, 80-84. Ich denke Atong wollte uns mit diesem Tee testen, denn nachdem wir alle probiert haben sollten sich alle die Hand heben, denen der Tee geschmeckt hat. Es waren mehr als 90% der Hände oben, aber ich habe keine Hand gesehen, die ich aus dem Teetalk kenne  Wenn man diesen Tee nach über einer Stunde in der Reisschüssel nochmal probiert hat war er wirklich untrinkbar, definitiv ein Test von Atong
    Tee 2: Oriental Beauty Art, reifer Pfirsich, Lychee, Honig, sehr rund und süß, 91-94. Was für ein Unterschied zu dem Tee davor!
    Tee 3: stark gerösteter Oolong, stärker oxidiert, Honig, Kräuter, Schokolade, Karamell, 91-93.
    Tee 4: Kugeloolong, blumig, leicht, Orchideen, Frische, etwas Osmanthus, heller Karamell, 90-92.
    Tee 5: Kugeloolong, sehr ähnlich zu 4, deutlichere Orchideen, 91-94.
    Tee 6: Kugeloolong, sehr ähnlich zu 5, andere florale Noten, 91-94.
    Tee 7: Meiner Meinung nach ein Hong Cha (obwohl es ja nur Oolongs sein sollten)?!, Kräuter, Zitrone, Mal, Karamell, Dörrobst, Zimt, sehr rund, 91-93.
    Tee 8: Gui Fei, tropische Früchte, aber leichter off-taste 89-90.
    Tee 9: Gelagerter Zwirbeloolong, leicht floral, rund, blumig, Honig, Dörrobst, ölig, 92-95.
     
    Anbaugebiete in Taiwan
    Im zweiten Teil des Seminar haben wir uns, nach einem schönen Mittagessen, mit den unterschiedlichen Regionen und Anbaugebieten genauer beschäftigt. Diesmal waren alle Tees aus dem Qingxin Kultivar und die jeweiligen Anbaugebiete wurden genannten und genauer vorgestellt.
    Tee 1: Baozhong aus Pinglin, Spinat, Erbsen, ölig-dichte Textur, 92-94. In Pinglin, sagte Atong, könne er selbst seine Tees nur von einem Großhändler, aber nicht direkt beim Erzeuger einkaufen.
    Tie Guan Yin aus Muzha (ist ja kein Qingxin, haben wir daher nicht probiert) sollte bernsteinfarben sein und nach reifen Obst schmecken. TGY kam wohl 1919 von China nach Taiwan.
    Tee 2: La La Shan, sehr rund, leichte Röstung, tropische Früchte, sehr langer Nachgeschmack, 92-95.
    Tee 3: Mingjian, mild, Pfirsich, frisch, 90-92. Ebenes, tiefer liegendes Gebiet mit viel Sonne, meist Erntemaschinen. Hier liegen sämtliche Teegärten von Atong, die sich im Familienbesitz befinden. 
    Tee 4: Dong Ding, Zwirbelblatt, sehr ausgewogen rundes Mundgefühl, Karamell, Nuß, würzig, 92-94.
    Tee 5: Ali Shan, leicht geröstet, rund, fruchtig frisch, aber nicht so gut wie der La La Shan, 90-92.
    Tee 6: Li Shan, mild, helles Obst, sehr ausgewogen und langanhaltend, 92-94. Früher wurde in Li Shan Apfel- und Birnenanbau betrieben.
    Tee 7: Qi Lai Shan, sehr ähnlich zum Li Shan, aber etwas grüner produziert, 91-93.
    Tee 8: Gangkou "Meeresoolong", angenehm bitter (ähnlich wie Sheng), grün, langanhaltend, 90-92. Kommt ganz aus dem Süden von Taiwan und wird im Wok geröstet ähnlich wie Grüntee.
    Tee 9: als Zugabe gabe es dann noch einen gelagerten Oriental Beauty aus Atongs privater Schatzkammer, Rosen, Honig, Lychee, wundervoll ausbalanciert und langanhaltend, 94-97+.
     
    Was ich sonst noch aus dem Seminar über Oolong mitgenommen habe
    Ein höherer Oxidationsgrad führt zu einem facettenreicheren Tee
    Ein blutroter Blattrand ist ein gutes Indiz für einen guten, höheren Oxidationsgrad
    Grasiger Geruch (wie frisch gemähter Rasen) -> negativ, zu wenig gewelkt oder oxidiert
    Ölgeschmack -> nicht gut bei neuem Tee, aber gut bei gelagertem Tee
    Eine starke Röstung braucht eine entsprechende Oxidation
     
    Insgesamt eine für mich gelungene Veranstaltung, dank neuem Teewissen und persönlichen Teekontakten.
     






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    KlausO reagierte auf Joaquin für Ein Blogeintrag, Die Nespresso-Kapseln Alternativen - Besser und Umweltschonender?   
    Das Nestlé-Patent auf das Nespressosystem ist wohl in Teilen ausgelaufen, so das sich nun viele andere Kapselhersteller in den Nespresso-Markt drängen. Ein wie es scheint sehr rentabler Markt, aber Nespresso-Kunden legen vor allem Wert auf Einfachheit und Geschmack, und für diesen sind sie gerne bereit, auch etwas mehr für einen guten Espresso zu zahlen.

    So verwundert es dann also auch nicht, dass auch die jetzt auf dem Markt erhältlichen Kapseln, sich im Preis nicht sonderlich unterscheiden. Weder untereinander, noch zu denen von Nestlé.

    Warum sollte man nun also als bisher zufriedener Nestlé-Kunde, auf einen der anderen Kapsel-Anbieter wechseln? Nun, eine Möglichkeit wäre da, die Qualität. Wenn man zum gleichen Preis nun viel besseren Espresso und Lungo aus seiner Nespresso-Maschine zaubern könnte, dass wäre doch wirklich hervorragend und ein echter Grund, hier das System zu wechseln. Doch leider erfüllt meines Wissens nach, keiner der bisherigen Anbieter dieses sensorische Qualitätskriterium. In einem Schnelltest der Stiftung Warentest schnitt ein Anbieter, welcher bei REWE angeboten wird, geschmacklich ziemlich schlecht ab. Auch bei der bisherigen Konkurrenz, konnte ich persönlich keinen wirklichen Champion ausmachen wo ich sagen würde, da kann man umsteigen. In der Tat sind die meisten richtig billig im Geschmack und man merkt den Unterschied deutlich.

    Eine weiter Möglichkeit der Wahl, wäre der moralische Aspekt. Rein aus Gewissensgründen könnte ja der ein oder andere sich für einen etwas schlechter schmeckenderen Espresso begeistern, wenn denn zum einen der ökologische Aspekt und auch der faire Handel gegenüber den Kaffee-Bauern gegeben wäre.

    Für jene, die es nicht wissen, die Original-Nespresso-Kapseln aus dem Hause Nestlé sind aus Aluminium. Für die Herstellung von Aluminium ist ein hoher Energieaufwand nötig, ebenso wie für das Recycling der Kapseln, wenn sie denn auch richtig über den Gelben Sack entsorgt werden und nicht über den normalen Hausmüll. Zudem entsteht durch das Kapselsystem ein ordentlicher Müll.

    Ich habe bisher keinen anderen Hersteller gesehen, der bei der Produktion alternativer Kapseln vollständig auf Aluminium setzt. Die meisten setzen hier auf Plastik. In der Regel sind diese Kapseln zudem noch in einer weiteren Kunststoffhülle eingebettet, damit das Aroma dort nicht entfliehen kann, wodurch man noch mehr Müll hat. Ich denke der Austausch von Aluminium durch Kunststoff, ist auch nicht gerade der ökologischere Weg der Müll- und Ressourcenvermeidung.

    Dann gibt es da den Hersteller Ethical Coffee Company, der kompostierbare Nespresso-Kapseln anbietet. Auch hier hat die Stiftung-Warentest das ein wenig relativiert. Sagen wir es mal so, der Ansatz ist ja nicht schlecht. Weiterhin gibt es noch Esrpimo, welche ebenso für ihre Kompostierbarkeit nach EU-Norm werben, aber auf deren Homepage, wurde ich nicht wirklich dazu fündig, worin dieser besteht. Sehr ominös. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass es sich hier um ein und die selbe Firma handelt. Beiden Kapselsystemen sind aber nicht für alle Nespesso-Maschinen geeignet, verstopfen diese sogar und können nur durch mechanisches Nachhelfen, aus dem Kapselmechanismus entfernt werden. Der Grund liegt hier in der Festigkeit der Kapseln, welche durch das teilweise, ökologische Material, nicht gegeben ist.

    Überhaupt benötigen fast alle alternativen Kapseln, bei den Hebelmaschinen einen teilweise enormen Kraftaufwand, um hier den Verschluss zu schließen. Dann später beim aufmachen, geben viele dieser Kapseln, die zum Verschließen aufgebrauchte Energie, dann zum großen Teil wieder ab und der Hebel schnellt mit hoher Geschwindigkeit und Knall wieder zurück. Das verkraften auf Dauer auch nicht alle Maschinen. Gerade die moderneren Maschinen mit Motor, überwinden diesen hohen Widerstand überhaupt nicht und so kann man dort die Kapseln erst gar nicht verwenden. Andere Maschinen sind für einen so hohen Kraftaufwand nicht konstruiert und man läuft Gefahr, die Maschine und Einzelteile, durch den hohen Kraftaufwand zu beschädigen.

    Konkurrenz ist gut und belebt das Geschäft, aber zur Zeit macht hier niemand wirklich Nestlé Konkurrenz. Geschmacklich ist bei vielen das Level viel zu schlecht. Die ökologischen Aspekte überzeugen bei einigen Herstellern noch nicht wirklich und nur wenige bieten echten und kontrollierbaren Fairtrade-Kaffee an, der dann auch wiederum halbwegs vernünftig schmeckt. Im Preis scheinen sich alle möglichst große Stücke von Kuchen abschneiden zu wollen und so findet man dort kaum ein echtes Schnäppchen, wobei aber auch hier ein wenig Bewegung in den Markt zu kommen scheint. Die Kompatibilität zu allem Maschinen, scheint für einige Hersteller zudem ein weiteres Problem darzustellen, so dass unter allen Aspekten sich nur schwer, wirkliche Konkurrenz ausfindig machen lässt.

    Zumindest noch nicht und so werde ich zwar weiterhin hier und da andere Angebote austesten, aber hauptsächlich über den Nespresso-Club meine Kapseln von Nestlé beziehen.
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    KlausO reagierte auf Krabbenhueter für Ein Blogeintrag, Warum ich (k)einen blog schreibe ...   
    Warum ich (k)einen blog schreibe ...

    Liebes Tagebuch,

    heute sollst du die Geschichte erfahren, wie ich ganz einsam im Wald stand und den Schnee rieseln hörte...

    Wen interessiert das schon?

    Gut, ich bin es los, endlich los und kann mich besser auf meine Kungfucha konzentrieren.
    Meditativ im Schnee stehen und meditativ Tee gießen ist sehr ähnlich und vielleicht für die anderen auch interessant, wenn sie verstehen, was wirklich dabei nicht gesagt wird.

    Aber (ver)führt dieses inflationäre Entstehen und damit Lesen von blogs nicht dazu, den eigenen Weg zu verlassen und sprunghaft anderen Leuten in ihren Fußstapfen zu folgen, die wiederum inspiriert von anderen ihren Weg schon lange verlassen haben?

    Eigentlich sehne ich mich mehr danach, jetzt draußen im Schnee zu stehen (auch wenn mir die Beine schmerzen) oder einfach Tee zu gießen oder am besten draußen im Schnee, Tee zu gießen...
    Der Schnee fällt mit einem leisen tickenden Geräusch auf die Zweige der Bäume. Und wirklich, oben in der Kiefer, drei Bäume rechts von mir, klopft ein Specht nach Würmern!
    Tack, Tack, Tack – Pause – Tack, Tack, Tack, ...
    Klischees, Idylle, zerrissen vom Schmerz meiner Beine – ha ha, das ist Leben!
    Und doch habe ich noch leicht den Geschmack eines Tees im Mund, auf der Zunge, den ich vorhin, daheim gegossen hatte. usw...

    Ich schreibe keinen blog um anderen einen Gefallen zu tun, Wissen anzuhäufen oder geheimste innere Gedanken nach außen zu stülpen.

    Letztendlich habe ich nicht genug, dass es ausreicht einen blog mit Leben zu füllen.
    Aber vielleicht interessiert es jemanden, wie ich letztens meinen Puerh zubereitet habe. Dieses Geräusch, das mich angenehm in den Schlaf verfolgen könnte, wenn ich mit meiner Nadel zwischen die trockenen Blätter den Raum suchend, eindringe, um sie vorsichtig voneinander zu trennen. Ich könnte eine ganze Scheibe so zerlegen, einfach nur des Zerlegens willen, nur um dabei diesem entstehenden knisternden Geräusch zu lauschen und den Geruch atmen zu können, der mir so fremd und doch auch so vertraut erscheint.

    Schreiben – nicht schreiben...

    Es ist ein Spiel.

    Wer gerade vorbeikommt, ist eingeladen, darf dabei sein.
    Als wenn ich mitten im Wald Tee gieße und jeder der gerade da ist, darf probieren, mit mir genießen.
    Nein, ich setzte mich nicht mitten auf den Boulevard, wo ich weiß, dass mich jeder sieht, ich nicht zu übersehen bin. Mache keine Show für den Applaus.
    Hier im Wald ist es schön und kommt keiner vorbei, trinke ich den Tee selbst, allein, genieße den Weg seines Entstehens, die Geräusche – die Ruhe.
    Es darf nicht zur Last werden, zum Zwang, die Erwartungen schürend – befriedigend.

    Vielleicht schreib ich doch einen blog – natürlich, darauf läuft es letztendlich hinaus.

    Krabbenhueter