GoldenTurtle

Mitglieder
  • Gesamte Inhalte

    9.116
  • Benutzer seit

  • Letzter Besuch

  • Tagessiege

    9

Reputationsaktivitäten

  1. Like
    GoldenTurtle reagierte auf Komoreb für ein Blogeintrag, Freestyle modellieren   
    Zwischenzeitlich habe ich mir tatsächlich endlich eine Töpferscheibe zugelegt. Leider ziemlich gleichzeitig auch eine chronische Sehnenscheidenentzündung.   Superdoof!  Deshalb wurde die Gute bis jetzt erst 2 mal benutzt, was mich immens ärgert. 
    Aber es hat mich doch ganz schön in den Fingern gejuckt, daher hab ich dann doch mal wieder eine kleine Session eingelegt. Ohne E-Scheibe. Nur einen kleinen Klumpen Ton, komplett freihand um die Handgelenke etwas zu schonen.
    Dabei herausgekommen sind ein kleines Yunomi im Chawan-Look, ein Yunomi oder Guinomi in Hammerschlag-Optik und eine Schale, ebenfalls mit "Hammerschlag".

  2. Like
    GoldenTurtle reagierte auf Cel für ein Blogeintrag, Wabi Sabi - oder wie ich lernte den Fehler zu lieben   
    Der Begriff Wabi Sabi ist einer der unfassbaren Begriffe für die es in unserer Sprache keine Umschreibung oder Übersetzung gibt. Nahezu alle japanischen ästhetischen Künste tragen den Kern des Wabi Sabi in sich. Als erstes bin ich mit dem Begriff in Berührung gekommen als mein Interesse an Bonsai erwachte, danach im Ikebana und letztlich im Bereich des Tee. Was macht aber Wabi Sabi so speziell. Um das zu beantworten müssen wir uns von manchen Blickwinkeln unserer eigenen Kultur lösen. Wabi Sabi ist so etwas wie der Kontrapunkt unseres Schönheitsideals. Vieles empfinden wir als ansprechend was dem Ideal der Perfektion sehr nahe geht. Im Bereich des Wabi Sabi sollte man sich davon lösen. Gerade der Fehler macht im Wabi Sabi die Schönheit aus. Die zerbrochene Schale die in mühevoller Kleinstarbeit mithilfe von Kintsugi neu zusammengefügt wurde. Die Hagi Keramik in Ihren sich verändernden Stadien. Die Patina auf einer wunderschönen Bonsaischale oder Teekanne. Der Riss im Holz. Die (mit Absicht) nicht perfekte Form japanischer Keramik. Wenn man seine Augen einmal dafür geöffnet kann man Anklänge fast überall dafür finden. Es gibt ein paar Richtlinien die die Grundzüge dieses Ideals bilden, wobei das Wort Ideal Wabi Sabi abwertet. Zwei Punkte treten als Kernpunkte hervor auf denen sich das ganze Aufbaut. Natürliche Materialien auf der einen Seite, die Zeit auf der anderen. Auch in unserer Kultur findet man Anklänge davon, z. B. bei den Liebhabern von Antiquitäten. Ein Objekt wird nicht trotz seiner Fehler wahrgenommen, sondern aufgrund eben dieser. Bei den natürlichen Materialien gibt es wiederum einige beliebtere. Dunkle Braun- und Erdtöne sind z.B. beliebter als Rottöne. Hier findet man auch eine Analogie zur Yixing Keramik. In früheren Zeiten waren die braunen Kannen beliebter als die roten, wovon viele nach Europa verkauft wurden. Heute wird der rote Ton wegen seiner Vorzüge jedoch mehr geschätzt, was wiederum nicht die braune Keramik abwertet, sondern diese einfach anders ist. Holz und Stein sind auch zwei sehr beliebte Materialien, Metall ebenso. Was hat es aber mit der Zeit auf der anderen Seite zu tun. Wichtig ist, das sich das Material mit der Zeit verändert, an Reife gewinnt. Viele aus unserem Kulturkreis würden die Zeit am liebsten stoppen und einfrieren damit sich nur nichts verändern kann. Die Zeit sollte man loslassen können um die tiefe von Wabi Sabi zu begreifen. Hier spielt viel die Lehre des Zen und daoistischen Leitbildern hinein. Soweit diese beiden teils auseinander liegen, so eng sind sie miteinander verknüpft. Ein Objekt, Lebewesen, alles, beinhaltet von Anfang an was es war, was es ist und werden wird. Es gibt keine Trennung von all dem. Nur den Moment, das hier und jetzt. Doch trägt es seine Vergangenheit stolz in sich, zeigt es durch seine Veränderung (Patina, Risse, Sprünge, Reperaturen), seine Zukunft ist auch schon da, nur nicht sichtbar. Ein Objekt das in Stillstand ruht kann nie die Ehrwürdigkeit von Wabi Sabi in sich tragen, weshalb Aluminium zum Beispiel nie verwendet wird. Wenn ich jetzt von Fehler spreche ist es kein Fehler im Sinne dessen, sondern soll der Perfektion widersprechen. Ein altes japanisches Sprichwort sagt: "Perfektion ist den Göttern vorbehalten" Und jetzt wird es erst richtig kompliziert. Japanische Keramik ist beliebter wenn es Wabi Sabi in sich trägt und kann Preise erreichen die für einen kleinen Guinomi (Sakeschale) schier unglaublich sind. Doch weshalb ist das so? Es ist der Geist der in allem steckt. Es wird davon gesprochen das man nur mit dem richtigen Geist (Zen) ein "vollendetes" Werk erschaffen kann. Diese Vollendung ist nicht die der westlichen Welt. Das Objekt ist so fehlerbehaftet das sich der Geist nicht daran stoßen kann. Man muss über das Objekt meditieren können um im Geiste die Form zu vollenden. Ein Fehler ist dafür da, das er da ist und nicht das er kaschiert wird. Jedoch dürfen diese Fehler nicht die Absicht sein, sondern "passieren". Hier wird hoffe ich der schwere Aspekt in der Keramik sichtbar. Der Fehler in einer Keramik soll natürlich sein und sich in die Gestaltung einfügen. Damit das Ganze noch komplizierter wird ist die Form des Objektes wichtiger als das Objekt an sich. Auch wenn das Objekt schon lange verschwunden ist (z.B. ein Baum, die zerbrochene Schale, die Bambusvase), lebt die Form ewig weiter. Hier spielen religiöse und philosophische Aspekte hinein, die in der westlichen Welt undenkbar sind. Die Zeit ist der wichtige Faktor des Wabi Sabi. Stillstand ist der Tod, Veränderung zeigt uns, das die Welt doch immer gleich bleibt. Wenn man vor dem Spiegel steht und sich über neue Falten freuen kann, wenn etwas geliebtes zerbricht und man Lächeln kann, dann kann man Wabi Sabi sehen. Zum Ende bleibt noch immer die Frage offen was Wabi Sabi eigentlich ist. Wabi Sabi ist das Zeichen der Zeit in unserem Alltag in seiner ursprünglichen natürlichen und einfachsten Form und doch so viel mehr. Es ist eine stille Meditation an die Existenz und deren Ende. ...
  3. Like
    GoldenTurtle reagierte auf Cel für ein Blogeintrag, Die Kanne von Tobias nimmt Form an   
    Nachdem ich insgesamt drei Mal die Kanne zusammengebaut und auseinander genommen habe bin ich jetzt bei diesem Ergebnis. Ich habe nicht alle Kleinteile verwendet die @Tobias82 mir zu gesandt hat. Das liegt einzig und alleine daran, dass das Ergebnis immer schlechter wurde je mehr Teile ich verwendet habe. Es sind insgesamt zwei Teile über geblieben.
    Das Zusammenfügen hat mich manch Nerv beraubt und ist auch nicht an allen Stellen perfekt. Wer so etwas selber probieren will kann mir danach berichten ob er perfekte Ergebnisse erzielt.

    So sah die Kanne heute Morgen aus. Das Zusammensetzen habe ich gestern Abend das letzte Mal gemacht. Eigentlich wollte ich sie so nicht präsentieren, jedoch ist es einfach eine schmutzige Arbeit. Die Grundreinigung erfolgte direkt nach den Fotos. Jedoch sollte man sich im Normalfall Zeit lassen, da man nicht mit viel Druck arbeiten darf und die Haftung der Teile minimal ist.

    Wie @theroots erwähnt hat sollten Arbeiten mit Urushi ernst genommen werden, da der Lack ein sehr starkes Allergen ist. @GoldenTurtle hatte ja auch nahgefragt. Wie man sieht benutze ich Handschuhe, die ich nur nicht trage wenn es nicht anders geht. Teils wechsel ich diese auch mitten im Arbeiten wenn sie zu klebrig oder schmutzig werden.
    Vor ein paar Tagen habe ich mir auch noch die Zeit genommen und den Deckel von Tobias überarbeitet. Dieser ist noch nicht gereinigt. Jetzt ist auch erst einmal die Zeit die Teile aushärten zu lassen. Nur bei der Kanne muss ich nach und nach ein paar Fugen füllen die durch das Verschieben der Teile entstanden sind.

  4. Like
    GoldenTurtle reagierte auf RobertC für ein Blogeintrag, Bangwei Gushu 2016 - Fladen vs. Kugel   
    Nachdem letzte Woche @SilonijChai von der Bangwei Gushu Kugel aus dem CNNP/HQF 9 Berge Tasting-Set extrem begeistert war, bin ich von meiner ursprünglichen Idee, meinen Bangwei Fladen zunächst nicht aufzubrechen, sofort abgewichen. Damit ergab sich die interessante Möglichkeit Fladen und Kugel parallel zu verkosten und so möglichst gut miteinander zu vergleichen.
    In beiden Fällen handelt es sich um Bangwei Gushu Material aus der Frühlingsernte 2016, eingekauft und verarbeitet durch CNNP bzw. HQF. Im Falle des 357g Fladens war das Pressdatum der 19. April. Laut dem Einkäufer des Maochas für beide Produkte sollte der Fladen noch einen Tick hochwertiger sein. Die Kugeln sind nur als Set verfügbar, der Fladen kostet ca. 80€, d.h. ca. 0,22 €t/g.
    Zum parallelen Setup habe ich zwei Porzellan Gaiwans mit ca. 90ml, jeweils 7.5g Tee und 95°+ Lauretana verwendet. Bis auf die höhere Dosierung durch die Größe der Kugel ist dies quasi mein Standard für den Parallelvergleich. Auf den Bildern im Folgenden ist links immer die Kugel und rechts der Fladen zu sehen.
    Die ersten beiden Aufgüsse nach dem obligatorischen Waschgang konnten nicht sinnvoll verglichen werden, da die Kugel in der Mitte relativ hart ist und daher noch nicht komplett aufgegangen war. Ab dem dritten Aufguss sind die Blätter aber komplett gelöst. Der Aufguss der Kugel ist im Vergleich zum Fladen zunächst etwas trüber, der Fladen von Farbton etwas dunkler. Da ich aber aktuell nur zwei unterschiedliche Glaspitcher verwenden kann, sollte man den Unterschied im Farbton nicht überbewerten. Während die Kugel etwas bitterer in den Aufgüssen 3-5 ist, wirkt der Fladen auch auf der Zunge klarer und scheint allgemein ein etwas schärferes, deutlicheres Profil zu haben. Ab dem 7. Aufguss ist die leichte Trübe der Kugel komplett verschwunden, beide Tees sind sehr klar und auch der Farbton passt sich an.
    Soviel zu den kleinen aber feinen Unterschieden. Allgemein ist dieser Tee ein sehr starker Allrounder, für mich bisher ohne Schwäche. Sehr viel Power, leicht bitter, schönes Huigan, in späteren Aufgüssen findet man die Süße auch schon direkt im Aufguss, extrem dicke Textur und - das beste zum Schluss - die Farbe! Ich meine diese dunkle, klare Farbe kam ja schon super auf dem Bild von @SilonijChai zur Geltung. Wirklich bemerkenswert für einen Tee des aktuellen Jahres, der erst vor wenigen Monaten gepflückt und danach sofort gepresst (Fladen) bzw. von Hand gerollt (Kugel) wurde. Durch die hohe Dosierung habe ich zunächst nur sehr kurze Ziehzeiten verwendet. Aber nach dem 15. Aufguss wird der Tee merklich flacher und nach dem 18. war für mich Schluss. Zum Thema Wirkung, da extrem subjektiv, nur so viel: Ja, Wirkung war für mich definitiv vorhanden und ich empfand sie als durchweg positiv.
    Fazit und Bewertung
    Der Bangwei 2016 ist wirklich ein toller Tee - dicht, komplex, ausgewogen und mit klarer, bereits jetzt schon sehr dunkler Farbe. Das Spektrum dieses Tee ist erstaunlich ausgewogen, da kein Aspekt zu stark ausgeprägt ist so dass er Anderes überlagern könnte. Schwächen oder irgendwelche Off-Tastes waren für mich nicht erkennbar. Mit 80€ für 357g ist dies daher für mich bisher das beste Preisleistungsverhältnis aus dem Jahrgang 2016.
    Fladen 91-94
    Kugel 91-93










  5. Like
    GoldenTurtle reagierte auf RobertC für ein Blogeintrag, Kintsugi Gehversuch (Teil 1)   
    Es lässt sich einfach nicht vermeiden! Eine kleine Unachtsamkeit und schon ist es passiert - das geliebte Teezubehör landet unsanft im Spülbecken oder auf dem Boden. Handelt es sich dann um etwas Besonderes sitzt zunächst der Schock tief. Aber manchmal kommt eine Reparatur mittels Kintsugi in Frage, was hier im Forum auch schon an verschiedenen Stellen berichtet und ausprobiert wurde.
    Bei dieser traditionellen japanischen Technik, die mittels Urushi Lack arbeitet, erhalten die reparierten Stücke durch die golden oder silbern verzierten Linien über den Bruchstellen einen eigenständigen Charakter. 
    Wer viel Geduld aufbringen kann darf sich gerne an Frau Watanabe aus Berlin wenden. Erst kürzlich habe ich im englischen Teeforum eine sehr positive Referenz bezüglich der Qualität und Preise ihrer Arbeiten gelesen, was sicherlich zu noch längeren Wartezeiten führen dürfte.
    http://www.teachat.com/viewtopic.php?f=36&t=21568&p=288993&hilit=kintsugi#p288993
    Der geneigte Teefreund, der neben Geduld auch noch etwas Neugier mitbringt, darf sich natürlich auch selbst ausprobieren. So kam ich zu meinem ersten Kintsugi Gehversuch. Mit einem in Japan bestellt Repair Kit sowie meinem ersten "Opfer", einer handgemachten Porzellan Teeschale einer Künstlerin aus Heilbronn.
    Mit etwas Mehl, Wasser und dem Urushi Lack wird zunächst eine klebrige Masse angerührt. Dabei entsteht ungefähr die Konsistenz von Zahncreme oder Haargel. Diese wird mit einer Spachtel auf beide Seiten der Bruchstellen aufgebracht bevor diese zusammengeklebt werden. Überflüssiges Klebematerial kann mit Zahnstochern entfernt werden. Diese Schritte sind je nach Anzahl der Bruchstücke zu wiederholen. Die zusammengesetzte Tasse habe ich dann mit Kreppband fixiert.
    Danach muss der Urushi Lack aushärten. Dies passiert am besten bei mindestens Raumtemperatur und sehr hoher Luftfeuchtigkeit (über 80%). Daher habe ich mir einen sogenannten Muro gebaut. Eine kleine verschließbare Kiste, am besten isoliert, feuchte Tücher rein, ggf. ein Hygrometer zur Kontrolle der Luftfeuchte und die reparierte Keramik am besten so lagern, dass auch von unten Luft heran kommen kann. So kam ich auf in der Spitze 92% Luftfeuchtigkeit. Nach gut zwei Wochen war meine reparierte Teetasse ausgehärtet. Allerdings zeigten sich auch erste Anzeichen von Schimmel auf den feuchten Küchentüchern. Dies nur als Warnung an die Freunde der schnellen Pu Lagerung mit aktiver Befeuchtung.
    Da Urushi wie gesagt durch Feuchtigkeit aushärtet empfiehlt sich grundsätzlich Terpentin-Ersatz zum Saubermachen. Außerdem sollte beachtet werden, dass wohl manchen Menschen auf Urushi allergisch reagieren - also am besten Handschuhe tragen.
    Nach dem Aushärten und Entfernen des Kreppbandes können die reparierten Bruchstellen vorsichtig mit einem Messer, sehr feinen Schleifpapier oder Terpentin von überflüssigem Material befreit werden. In meinem Fall hat hier nur eine Kombination sowie viel Geduld geholfen. Durch das Schleifpapier kann ein feiner Übergang an den Bruchstellen erzielt werden.
    Mit dem Zwischenergebnis bin ich schon sehr zufrieden, aber mir ist klar, es liegt noch ein weiter Weg vor mir!







  6. Like
    GoldenTurtle reagierte auf RobertC für ein Blogeintrag, Wu Ye Dan Cong   
    Bevor ich mich in den nächsten Tage in den Sommerurlaub verabschiede - aller Voraussicht nach wohl ohne Internet - möchte ich mit euch meinen letzten Dan Cong Parallelvergleich teilen. Vielleicht fragt ihr euch auch: schon wieder ein Parallelvergleich? Auf der anderen Seite haben sogar Schweizer Beobachter der Teezui 2016 aus der Ferne kürzlich festgestellt, dass es bereits eine ganze Paralleltrinkerfraktion zu geben scheint. Ich sehe das inzwischen ganz schmerzlos - es lässt sich einfach viel effektiver durch die ganzen Teevorräte trinken, die wir hier so anhäufen, wenn man in jeder Hand einen Gaiwan hält und zeitgleich abgießt 
    Diesmal stehen zum Vergleich der Dark Leaf Dan Cong, März 2015, von Cha-Shifu (links in den zusammengesetzten Bildern) sowie der 2014 Da Wu Ye Big Dark Leaf von Teahabitat. Und letzterer zeigt sofort, dass hier "großes dunkles Blatt" Programm ist! Ansonsten hat Michaels Tee ein deutlich dunkleres Blatt, fast schwarz, mit sehr stark fruchtigem Duft, während die von Imem eingekauften Teeblätter oliv-braun sind, d.h. vermutlich weniger stark oxidiert und geröstet wurden, und blumig sowie nach Kräuter duften. Auf jeweils knapp 4g Teeblätter im 80-100ml Gaiwan kam kochendes mineralarmes Flaschenwasser.
    Nach dem Waschgang riecht der linke Gaiwan nach Dörrobst, Litschi sowie weiteren Fruchtnoten, auch erkenne ich etwas was mich an einen taiwanesischen Gui Fei Oolong erinnert. Rechts finde ich Schokolade, Vanille, Kräuter und süße blumige Noten. Aber lasst uns den Tee endlich probieren! Der dunkle Ritter zu meiner linken eröffnet im ersten Aufguss sehr leicht und erfrischend während Imem mit feinsten Orchideennoten, tollem Körper und cremiger Textur kontert. Interessanterweise finde ich keine bitteren Noten, obwohl ich durch das Parallelsetup sicherlich sogar etwas länger ziehen lasse. Daher habe ich den dritten Aufguss bewusst überzogen und war überrascht. Denn Michaels Tee ist hier nur leicht bitter geworden und auch bei Imem - sogar noch einen Tick weniger bitter und dies schlägt sehr schnell in eine angenehme Süße über.
    Die insgesamt 6 Aufgüsse, die ich mit beiden Tees gemacht habe, verfestigt das Bild, dass sich schon vor dem ersten Aufguss abzeichnete: Michaels Wu Ye Auswahl geht für mich eher in die fruchtige und frische Richtung während Imems Selektion klar blumig ist. Außerdem hat ihr Tee aus meiner Sicht die Nase vorne hinsichtlich Huigan und Körper sowie ein tolles Mundgefühl durch seine super cremige Textur. Wirkung war natürlich auch vorhaben und zwar nicht zu knapp durch die doppelte Menge Tee Allerdings kann man in so einem Setup schwer die Wirkung den einzelnen Tees genauer zuschreiben. Damit komme ich zu meiner Bewertung: 
    Dark Leaf Dan Cong 2015 (Cha-shifu) 90-92
    Da Wu Ye Big Dark Leaf 2014 (Teahabitat) 91-94
    Insgesamt ein echtes Tee-Highlight für mich, da ich seit längerem keine Dan Congs mehr getrunken habe. Positiv überrascht war ich, dass mir diese tendenziell doch eher "grün" produzierte Sorte Dan Cong so gut gefallen hat. Auch waren beide Tees sehr verzeihlich was Ziehzeiten angeht. Wer Imem und Teahabitat noch nicht kennt: für Dan Congs sicherlich deutlich mehr als ein Geheimtipp! Da aber das Preisniveau bei Michael deutlich angenehmer ist, kann ich beide Tees guten Gewissens empfehlen.




  7. Like
    GoldenTurtle reagierte auf RobertC für ein Blogeintrag, Tie Luo Han Direktvergleich   
    Dieses Mal wollte ich zwei schöne Yanchas parallel trinken, also machte ich mich auf die Suche nach vergleichbaren Kandidaten. Fündig wurde ich in zwei stärker gerösteten Tie Luo Han (TLH) jeweils geerntet im Frühling 2014.  Beide habe ich irgendwann im letzten Jahr gekauft - einen von JKTeashop (JKT, in den zusammengesetzten Bildern immer links) und den anderen von Chenshi Chinatee (Chris).
    Das Blattgut bei JKT hat leider einiges an Bruch dabei während Chris hier mit schönen intakten Blättern punkten kann. Farbe und Röstgrad sind sehr ähnlich und beide Tees duften nach Dörrobst. Bei Chris ist dieser Duft etwas intensiver und fruchtiger. Nach dem Spülen kommt noch Vanillegebäck bei JKT und getrocknete Pflaumen bei Chris dazu.
    In der Tasse haben beide Tees eine schöne Mineralität, die von der starken Röstung unterstützt wird. Der TLH von JKT kommt dabei im Aufguss etwas dunkler daher, allerdings ist er etwas unharmonisch mit einem leichten harschen off-taste. Der Tee von Chris ist sehr harmonisch, schmeckt zunächst nach getrockneten Aprikosen und später süß und fruchtig. Wirklich eine runde Sache, ich traue dem Tee von Chris sogar zu mit den Jahren noch etwas an Komplexität zu gewinnen.
    In den Bildern seht ihr die Aufgüsse 1, 3 und 5, danach habe ich nur noch einen der beiden Tees aufgegossen.
    JKT 88-89
    Chris 91-94+
    Fairerweise muss angemerkt werden, dass der Tee von Chris mehr als zweimal so teuer ist, aber meine Bewertungspunkte  bezieht sich ausschließlich auf Qualität und Geschmack, nicht auf das Preisleistungsverhältnis. 






  8. Like
    GoldenTurtle reagierte auf RobertC für ein Blogeintrag, Seminar mit Meister Atong Chen   
    Liebes digitale Teetagebuch,
    am Sonntag 12.6. fand in Frankfurt organsiert vom Teehaus Schnorr das Seminar zur Thema Geruch und Geschmack von Oolong statt. Aufgrund verschiedene Anfragen möchte ich hier meine Erfahrungen mit euch teilen.
     
    Allgemeines
    Geschätzte 30 bis 35 Teeliebhaber aus Deutschland und der Schweiz fanden sich an diesem verregneten Sonntagmorgen im Schnorr Seminarraum in einem Industriegebiet am Rand von Frankfurt ein. Menglin Chou vom Teehaus Shui Tang aus Zürich hat für Meister Atong Chen übersetzt. Neben den Mitarbeitern von Schnorr und Shui Tang waren aber auch sämtliche mir bekannte andere mit Atong verbundeamn Händler und Großhändler aus dem deutschsprachigen Raum vertreten. Die Teilnehmer saßen jeweils zu 5 bis 7 Personen an runden Tischen. Die Tees wurden jeweils mit 3g in einer Reisschüssel pro Tisch mit kochendem Wasser aufgegossen, die Teilnehmer konnten mit einem Teelöffel aus Metall in ihre kleine Schale abfüllen und natürlich am Löffel riechen. Dieses Setup erlaubte es, die Tees nach ca. 5 bis 10 Minuten frisch zu probieren während Atong gerade über diesen Tee sprach. Es war aber auch möglichst später nochmal zu probieren und zu vergleiche. Es wurde übrigens Volvic Wasser verwendet, woraus ich schließe, dass entweder Atong oder der Veranstalter Schnorr dieses Wasser für Oolongs dem Frankfurter Leitungswasser für überlegen hält.
     
    Geruchs- und Geschmacksvielfalt von Taiwan Oolongs
    Im ersten Teil des Seminar wollte uns Atong eine möglichst breite Übersicht des Geruchs- und Geschmacksspektrums der Taiwan Oolongs aufzeigen. Es wurden hier über ca. 3 Stunden insgesamt 9 Tees verschiedener Regionen Taiwans und aus unterschiedlichen Kultivare aufgegossen, wobei zu beidem keinerlei Angaben gemacht wurden. Daher werde ich im Folgenden die Tees beschreiben sowie mit Punkten auf einer Skala von 50 (schlecht) bis 100 (außerordentlich) bewerten.
    Tee 1: ein grüner Oolong, sehr vegetal, leicht süß, 80-84. Ich denke Atong wollte uns mit diesem Tee testen, denn nachdem wir alle probiert haben sollten sich alle die Hand heben, denen der Tee geschmeckt hat. Es waren mehr als 90% der Hände oben, aber ich habe keine Hand gesehen, die ich aus dem Teetalk kenne  Wenn man diesen Tee nach über einer Stunde in der Reisschüssel nochmal probiert hat war er wirklich untrinkbar, definitiv ein Test von Atong
    Tee 2: Oriental Beauty Art, reifer Pfirsich, Lychee, Honig, sehr rund und süß, 91-94. Was für ein Unterschied zu dem Tee davor!
    Tee 3: stark gerösteter Oolong, stärker oxidiert, Honig, Kräuter, Schokolade, Karamell, 91-93.
    Tee 4: Kugeloolong, blumig, leicht, Orchideen, Frische, etwas Osmanthus, heller Karamell, 90-92.
    Tee 5: Kugeloolong, sehr ähnlich zu 4, deutlichere Orchideen, 91-94.
    Tee 6: Kugeloolong, sehr ähnlich zu 5, andere florale Noten, 91-94.
    Tee 7: Meiner Meinung nach ein Hong Cha (obwohl es ja nur Oolongs sein sollten)?!, Kräuter, Zitrone, Mal, Karamell, Dörrobst, Zimt, sehr rund, 91-93.
    Tee 8: Gui Fei, tropische Früchte, aber leichter off-taste 89-90.
    Tee 9: Gelagerter Zwirbeloolong, leicht floral, rund, blumig, Honig, Dörrobst, ölig, 92-95.
     
    Anbaugebiete in Taiwan
    Im zweiten Teil des Seminar haben wir uns, nach einem schönen Mittagessen, mit den unterschiedlichen Regionen und Anbaugebieten genauer beschäftigt. Diesmal waren alle Tees aus dem Qingxin Kultivar und die jeweiligen Anbaugebiete wurden genannten und genauer vorgestellt.
    Tee 1: Baozhong aus Pinglin, Spinat, Erbsen, ölig-dichte Textur, 92-94. In Pinglin, sagte Atong, könne er selbst seine Tees nur von einem Großhändler, aber nicht direkt beim Erzeuger einkaufen.
    Tie Guan Yin aus Muzha (ist ja kein Qingxin, haben wir daher nicht probiert) sollte bernsteinfarben sein und nach reifen Obst schmecken. TGY kam wohl 1919 von China nach Taiwan.
    Tee 2: La La Shan, sehr rund, leichte Röstung, tropische Früchte, sehr langer Nachgeschmack, 92-95.
    Tee 3: Mingjian, mild, Pfirsich, frisch, 90-92. Ebenes, tiefer liegendes Gebiet mit viel Sonne, meist Erntemaschinen. Hier liegen sämtliche Teegärten von Atong, die sich im Familienbesitz befinden. 
    Tee 4: Dong Ding, Zwirbelblatt, sehr ausgewogen rundes Mundgefühl, Karamell, Nuß, würzig, 92-94.
    Tee 5: Ali Shan, leicht geröstet, rund, fruchtig frisch, aber nicht so gut wie der La La Shan, 90-92.
    Tee 6: Li Shan, mild, helles Obst, sehr ausgewogen und langanhaltend, 92-94. Früher wurde in Li Shan Apfel- und Birnenanbau betrieben.
    Tee 7: Qi Lai Shan, sehr ähnlich zum Li Shan, aber etwas grüner produziert, 91-93.
    Tee 8: Gangkou "Meeresoolong", angenehm bitter (ähnlich wie Sheng), grün, langanhaltend, 90-92. Kommt ganz aus dem Süden von Taiwan und wird im Wok geröstet ähnlich wie Grüntee.
    Tee 9: als Zugabe gabe es dann noch einen gelagerten Oriental Beauty aus Atongs privater Schatzkammer, Rosen, Honig, Lychee, wundervoll ausbalanciert und langanhaltend, 94-97+.
     
    Was ich sonst noch aus dem Seminar über Oolong mitgenommen habe
    Ein höherer Oxidationsgrad führt zu einem facettenreicheren Tee
    Ein blutroter Blattrand ist ein gutes Indiz für einen guten, höheren Oxidationsgrad
    Grasiger Geruch (wie frisch gemähter Rasen) -> negativ, zu wenig gewelkt oder oxidiert
    Ölgeschmack -> nicht gut bei neuem Tee, aber gut bei gelagertem Tee
    Eine starke Röstung braucht eine entsprechende Oxidation
     
    Insgesamt eine für mich gelungene Veranstaltung, dank neuem Teewissen und persönlichen Teekontakten.
     






  9. Like
    GoldenTurtle reagierte auf Charyu für ein Blogeintrag, Pu Erh delight   
    Mein liebes Teetagebuch,
    beim Herumexperimentieren mit Oolong kam ich auf die Idee die Methode mit geringer Einwaage auf meinen Pu Erh zu übertragen. Anlass war die Überlegung mal nicht zig Aufgüsse zu produzieren. Nicht mal fast nur einen ganzen Tag an einer Sorte kleben bleiben und sich nen ordentlichen Teebauch anzusüffeln (s. Foto oben). 
    Die Frage, was mein neues Teespielzeug, der lachende Buddha der Zukunft, wohl im Sack verstaut hat, den er so fest mit seiner rechten Hand umklammert, stellt sich mir immer wieder, wenn ich ihn ansehe. 
    Und an dieser Stelle möchte ich doch gleich mal die Füllmenge meines Jianshui Equipments fest halten, damit ich es nicht wieder aus­li­tern muss, sondern hier nachlesen kann.
    Jianshui Dragon Egg = 275ml bis oberer Rand Jianshui Gaiwan = 150ml, auf die ich gewöhnlich mit Teewasser auffülle, knappe 200ml bis oberer Rand Glaspitcher = Füllmenge bis 400ml Bisher hatte ich ja grundsätzlich im Gong Fu Cha Stil zubereitet. Also mit einer Einwaage von 5 bis 8 Gramm auf diese Kanne. Aus dem Gaiwan trinke ich lieber. Wenn ich den zum Aufgießen nehme, gibt es immer so ein ordentliches Geplätscher. Worauf ich nicht immer so den großen Bock habe. 
    Also dachte ich mir, Einwaage verringern und Ziehzeiten verlängern. 
    3g auf die Kanne Kurzer Spülgang mit wenig (heißem) Wasser, Blätter mindestens 5 Min. im Dampf der heißen Kanne wecken. 3/ 2/ 3/ 5 Min. Ziehzeit als Faustregel, Abwandlung je nach Stärke des verwendeten Pu's und der Stärke des Pu's auf die ich gerade Lust habe.  Natürlich verwende ich bei Pu Erh mein Leitungswasser. Später hab ich aber festgestellt, dass ein Schuss Mineralwasser zum Leitungswasser diesen oder jenen Shou ein wenig aufzupeppen vermag. Er wird etwas spritziger. Das finde ich zwar nicht unbedingt nötig, aber je nach Lust und Laune abwechslungsreich. 
    Je nach Pu, hab ich dann so zwischen 3 und 5 genießbaren Aufgüssen heraus geholt, mein Ziel damit also erreicht. 
    Überdies: 3 x 275ml = 825ml; 5 x 275ml = 1,375 Liter 
    Das Ergebnis hat mich dann allerdings doch positiv überrascht! Mehr Tiefe im Geschmack, reichhaltiger und Vielfalt der Aromen, samtige Textur.
    Diese Zubereitung muss ich mir unbedingt als Alternative zu Gong Fu Cha merken, weshalb ich Sie Dir, liebes Teetagebuch, mit Freude anvertraue. 
    Aber wie nennt man dieserart Zubereitung gängiger Weise ? Ist es der so oft erwähnte westliche Stil ? 
    Na, vielleicht bekomme ich ja mal eine Antwort aus dem Forum. Bisher erschien es mir nämlich immer so, als verstünde Jeder etwas Anderes darunter. Eine eindeutige Definition hab ich nämlich nicht gefunden. 
    Und so hab ich meine Fantasie etwas spielen lassen. Erst dachte ich an Shou light. Doch ich hatte ja auch gereiften Sheng damit probiert und war ebenso angetan. Ein Titel sollte kurz und knackig sein und wenn möglich selbsterklärend. Also Pu Erh. Aber "light" ? Nach einem Blick ins Englisch - Deutsche Wörterbuch, erschien mir die Bedeutungsvielfalt doch zu groß. "delight", wie "das Vergnügen", "das Entzücken", "die Wonne" im Hinblick auf die Gaumenfreude, die ich beim Trinken des so zubereiteten Pu Erh empfand, erschien mir dann schon passend. Und so hab ich es gemacht. 
    So, mein liebes Teetagebuch, bis demnächst und Tschö mit Ö  
     
     
  10. Like
    GoldenTurtle reagierte auf Dao für ein Blogeintrag, Vom Samen zum Keimling - Teil 1   
    Hallo zusammen,
    da es seit mindestens 10 Jahren voll out ist keinen Blog mehr zu haben ziehe ich auch mal nach .
    Hauptsächlich wird es darum gehen Camellia Sinensis und für die Teeproduktion geeignete verwandte Arten anzubauen.
    In den letzten Monaten habe ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigt und zuletzt eine Keimrate von 80% geschafft zu erzielen.
    Wohlwissen, dass alles schief läuft, sobald andere zugucken, werde ich es trotzdem mal versuchen und euch live davon berichten wie es läuft.
    Für den Versuch habe ich 400 Samen bestellt. Da der Händler meines Vertrauens jedoch "nur" 250 Samen vorrätig hatte werden wir erst mal damit vorlieb nehmen.
    Die anderen 150 Samen werden jedoch in ein paar Wochen ankommen und dann nachziehen.
    Für die grässliche Bildqualität entschuldige ich mich schon mal. Die wird wohl auch in der nächsten Zeit nicht mehr besser werden, da ich zurzeit nur meine drittklassige Laptopkamera habe.
    So sehen die hübschen aus bevor sie gefoltert werden:

    Was gefoltert?! Spinnst du Dao?
    Nun, um die Samen zum Keimen zu bringen müssen sie Wasser aufnehmen. Daher werden wir erst mal die Wände der Samen ordentlich anrauen. Zuerst habe ich dafür ein Marmeladenglas genommen und Schleifpapier so hineingetan, dass die Wände von innen damit abgedeckt waren. Wenn man dann Samen hineintut und das Glas in kreisenden Bewegungen schwingt werden die Wände schon recht schnell angeraucht - verglichen damit, dass man auch jeden Samen einzeln anrauen kann.
    Noch schneller geht es jedoch so:

    Man packt ein Handtuch auf den Tisch um den Schall zu dämmen, damit die bessere Hälfte oder die Nachbarn nicht genug von euch und eurer Teesucht haben .
    Nun klemmt man Schleifpapier fest, nimmt ein paar Samen und legt den Deckel vom Marmeladenglas drauf. Der Deckel soll dabei nur auf den Samen, nicht auf dem Papier aufliegen. Nun reibt man ein paar Sekunden über dem Schleifpapier. Die Samen sollen lediglich ein wenig heller an manchen Stellen werden. Die Samen müssen nicht überall angeraut sein.
    Samen mit einer aufgebrochenen Wand haben kaum eine Chance zu keimen, daher darf man nicht zu fest drücken oder zu lange schleifen. Da ich mir bei der Kamera Bildvergleiche sparen kann, sollte jeder vorher mal einen Samen einzeln schleifen und beobachten wie sich der Samen dabei farblich verändert.
    Als nächstes packen wir die angerauhten Samen in einen Socken:

    Beizmittel sollen zwar helfen, aber mein Fußschweiß ist vielleicht doch ein bisschen zu krass . Daher eine saubere Socke die zuletzt ohne Gegenstück aus der Waschmaschine aufgetaucht ist. Die binden wir einfach zu und versenken sie in einem Wasserbad bei Zimmertemperatur. Dann legen wir noch etwas zum beschweren darauf, sodass auch alle Samen abgedeckt sind.

    Nun müssen wir ein bis 2 Tage warten. Das Wasser wird sich dabei bräunlich färben und meist schwimmt eine dünne ölige Schicht auf dem Wasser.
    Damit ihr schon mal was richtiges zum gucken habt, hier ein paar Ultra-HD Bilder von meinem letzten geglückten Versuch: 


    Die Pflanzen in den einzelnen Zellen wachsen in einer Mischung aus Anzuchterde, Sand und Vermiculit. Das habe ich im Verhältnis 1:1:1 gemischt.
    Das Vermiculit nimmt Wasser auf, gibt viele Nährstoffe über sehr lange Zeit ab und lockert die Erde auf. Das ist besonders wichtig, da die Wurzeln etwas Sauerstoff brauchen.
    Stark verdichteter Boden wie man ihn auf den meisten Maisäckern findet ist daher auch ungeeignet.
    Der Sand sorgt für genügend Drainage, sodass die Pflanzen keine Staunässe erleben müssen. Bei Staunässe haben die Pflanzen schnell mit Pilzen und Schimmel zu kämpfen, was die größte Gefahr für eure Pflänzchen wäre.
    Die Pflänzchen im Eimer wachsen auf Vermiculit ohne Beimischung von Sand oder Erde. Das war ein geglücktes Experiment, was aus Mangel an Erde und einer unerwartet hohen Keimrate entstanden ist. Die Pflänzchen haben dort einen etwas langsameren Wuchs, was jedoch daran liegen kann, dass die Pflanzen weniger Sonne kriegen.
    So, das war es für heute. Ich hoffe es hilft dem einen oder anderen und ich werde mich dann bald mit dem nächsten Schritt melden, sobald die Pflänzchen lange genug im Wasser gelegen haben.

  11. Like
    GoldenTurtle reagierte auf Hypnozyl für ein Blogeintrag, Der Einstieg in die Welt des Tees   
    "Da steh' ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor!"
    (Faust - Johann Wolfgang von Goethe)
    Nanu? Ist dieser Hypnozyl nicht einer von den Neuen hier im Forum? Was könnte der schon Interessantes, oder gar Erleuchtendes schreiben wollen?
    In erster Linie möchte ich diesen Blog führen, um für mich meinen eigenen Werdegang in der Welt des Tees zu dokumentieren. Das könnte ich zweifelsfrei auch für mich alleine machen, aber vielleicht findet sich in meinen Ausführungen ja auch der ein oder andere Neuling wieder. Vielleicht findet sogar einer von den vielen Profis in diesem Forum Gefallen an den Gehversuchen eines noch unwissenden Teeinteressierten. Stufenweise werde ich hier künftig meine Werdegang niederschreiben. Mal sehen ob ich hier auf Interesse stoße.
    Ich fange mit der Frage an, wie ich überhaupt zu Tee komme.
    Als Kampfsportler und Wasserballer aus dem Ruhrpott, der am Wochenende gerne auf der Tribüne im Fußballstadion steht, Bier tinkt und seine Mannschaft gröhlend anfeuert wirke ich auf den ersten Blick bestimmt nicht wie jemand, der sich mit der sanften und teils lieblichen Natur des Tees auseinander setzt. Ich hatte in meinem bisherigen Leben wenig Berührungspunkte mit Tee. Hier und da mal einen Beutel mit Kräuter- oder Früchtetee, oder auch mal einen schwarzen Tee. Zu  mehr reichte es bislang nicht. Für mich gab es immer nur Kaffee. Entsprechend meiner eigenen natur, stark, schwarz, ungesüßt. Andere Kaffeetrinker mussten sich meinen gekochten Kaffee stets mit Wasser und Milch verdünnen. Ich mag es halt kräftig und rau. Selbst beim Wetter stehe ich auf raues Klima. Skandinavien wird dem Mittelmeerraum vorgezogen, ich mag kühle Temperaturen, bei denen ich nicht schwitze. Kälte statt Hitze. Wasserball statt Yoga. Schäferhund statt Chihuahua.
    Aber wieso denn Tee, wenn es doch gar nicht zu meiner eigenen Natur zu passen scheint? Die Frage ist pragmatisch einfach zu beantworten: Im Büro gibt es einfach keinen guten Kaffee.
    Ich habe die Abteilung gewechselt und die Kaffeemaschine in der neuen Abteilung hat, obschon ihres jungen Alters, ihre besten Tage bereits hinter sich. "Irgendjemand wird sich schon drum kümmern" scheint hier bei knapp 20 Mitarbeitern der allgmeine Gedankengang zu sein, wenn das Thema Reinigung der Kaffeemaschine aufkommt. Nun gut, ohne mich. Eine Alternative muss her. Kaffee vom Bäcker? Kaffee in der Thermoskanne von zu Hause? Alles nicht das Wahre. Aber wir dürfen am Platz eigene Wasserkocher betreiben. Ist vielleicht Muckefuck die Lösung? Nein, schmeckt grauenvoll. Relativ schnell bin ich beim Tee gelandet. Liegt ja auch auf der Hand. Beutel in die Tasse, heißes Wasser drauf und fertig. Halt stop! Wieso nicht direkt vernünftigen Tee? Diese ganzen Beuteltees schmecken doch letzten Endes alle gleich. Nein, ich will etwas Neues. Ich will richtigen Tee!
    Ich dachte mir, es kann ja nicht all zu schwer sein, einen guten Tee zu bekommen und zu trinken. Tee trinken ist ja keine Wissenschaft. Aber wie fange ich an? Welchen Tee nehme ich? Ach, ist doch einfach. Es gibt (bei damaligem Kenntnisstand) schwarzen und grünen Tee, Kräuter- und Früchtetees und irgendetwas mit Roiboos. Letzteres könnte aber auch einfach nur eine Unterkategorie sein... Irgendwo muss ich anfangen, ich starte mit dem klassischen Schwarzen. Bei der Kleiderwahl macht mit dem kleinen Schwarzen ja auch selten etwas falsch. Aber welchen schwarzen Tee nehme ich? Es gibt ja die ein oder andere Sorte. Assam habe ich schonmal getrunken, Dajeeling ist ein Begriff und auch Ceylon hat man schon einmal irgendwo gehört oder gelesen. Nach kurzer Recherche im Internet wird mir aber bewusst, dass ich von Tee überhaupt keine Ahnung habe.
    Plötzlich wird mir klar, dass es eben nicht nur schwarzen und grünen Tee gibt. Was zum Teufel ist denn Pu Erh, Oolong oder Matcha? Roten Tee gibt es auch? Ach ne, das ist eigentlich auch schwarzer Tee, aber aus China stammend. Wieso dann diese Differenzierung?! Und Kräuter- und Früchtetees sind gar keine Tees? Letztlich bin ich zu folgender Schlussfolgerung gekommen: Ich brauche Hilfe.
    Ich suchte mir im Internet einen Laden in der näheren Umgebung, in dem ich mich beraten lassen konnte. Schnell wurde ich fündig und machte mich auf den Weg.
    Ich schilderte dem Händler meine Situation (Kaffeetrinker, stark und rau, sucht Alternative, 0 Erfahrung, würde gerne mit Schwarztee starten). ich wollte von ihm wissen, welcher Tee für jemanden wie mich ein guter Einstieg wäre. Seine unermessliche Kompetenz offenbarte mir der Händler mit seiner ersten Gegenfrage: "Welchen Tee trinken Sie denn gerne?"
    Bitte was? Ist die Frage sein Enst?! "Nun, bisher schmeckte mir Jagertee ganz gut. Für den Arbeitsalltag ist das allerdings keine Option, auch wenn es vieles erträglicher machen würde..."
    Der Händler setzte noch einen oben drauf: "Da muss ich mal eben telefonieren, ich wüsste jetzt nicht, welcher Tee für Sie geeignet wäre".
    Oh man, wo bin ich hier nur gelandet? Naja, sein Gesprächspartner am Telefon hatte ihm nahegelegt, mir einen Assam zu empfehlen. Darüber hinaus würde wohl auch eine georgische Teemischung eine geeignete Option für mich darstellen. Beide Sorten hielt er mir hin um daran zu schnuppern. Höflich habe ich eine Nase voll genommen, aber als Anfänger kann man mit den Gerüchen halt noch gar nichts anfangen. Nun gut, die beiden teste ich, auch wenn ich wenig überzeugt war.
    Zu Hause wollte ich sofort loslegen, aber da stieß ich schon auf die nächsten Schwierigkeiten: Wie brühe ich den Tee jetzt auf? Ich brauche ja irgendeinen Filter oder so. Ein schneller Blick in dieses Forum brachte mich zunächst nicht weiter. Hier unterhielt man sich über Gaiwan, Kyiushu, Gong fu Cha und was weiß ich nicht noch alles. Das war mir alles noch zu viel, ich wollte doch nur diese beiden Tees trinken. Da fiel mir ein, dass ich doch irgendwo noch ein altes Teesieb in der Schublade hatte. Es handelte sich dabei um eine Teezange wie ich später herausfand. Damit startete ich nun also meine ersten Gehversuche. Nach einigen Versuchen mit unterschiedlichen Teemengen und Ziehzeiten kam ich zu meinem ersten Ergebnis: Der Assam war ok, die georgische Mischung dagegen schmeckte überhaupt nicht. Aber das kann es ja jetzt noch nicht gewesen sein. Ich brauchte mehr Input.
    Ich suchte mir also den nächsten Teeladen aus, bei dem die Beratung ja nur besser werden konnte. Unterm Strich machte der zweite Händler einen wesentlich kompetenteren Eindruck, aber die große Erleuchtung blieb auch dieses mal aus. Dieser Händler schickte mich mit einem schwarzen Tee von/aus Java und einem mit Karamell und Sahne aromatisierten Schwarztee nach Hause. Bei letzterem habe ich mich bequatschen und vom Duft betören lassen. Die Erfahung, die ich mit diesen beiden Tees machte sind hier aber auch nicht unebdingt der Rede wert.
    Meine ersten Gehversuche waren nicht besonders eindrucksvoll. Das konnte und sollte es aber nicht gewesen sein. Ich muss mich einfach ein bisschen mehr mit Tee auseinander setzen, Blogs lesen, in Foren stöbern und viel probieren. Ich änderte also meine Strategie. Weg von schlechten Beratungen in Teeläden hin zur Onlinerecherche. Ich verbrachte einige Tage damit, vor allem das Teetalk Forum zu durchstöbern. Ich war relativ schnell an einem Punkt angekommen, an dem ich glaubte meine Mitmenschen über Tee aufklären zu können. Unterscheiden konnte ich relativ schnell zwischen 6 verschiedenen Teesorten (schwarz, grün, weiß, gelb, Pu Erh, Oolong), sowie den Teeähnlichen Aufgussgetränken wie "Kräuter- und Früchtetees". Ich wusste sogar inzwischen wobei es sich um einen Gaiwan handelt, oder was Gongfu cha bedeutet und wieso schwarzer Tee aus China eigentlich als roter Tee bezeichnet wird. "Dann kann ich ja jetzt ein paar Tees bestellen" dachte ich mir. Aber nein, so einfach war es immer noch nicht. Es gibt einfach viel zu viele verschiedene Sorten alleine bei Assam Tees. Von Darjeeling, Ceylon usw. mal ganz zu schweigen.
    Schnell kam ich zu der Erkenntnis: Da steh' ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!