Geschätzte Teefreunde
Das ist ein Thema, das mich persönlich beim Geniessen von Sheng, Shou oder Fu Cha beschäftigt.
Dieser Beitrag nimmt Bezug auf diesen, diesen und diesen, und um Ecken gesehen auch auf diesen Beitrag.
Zur Einleitung: Selbstverständlich spielt die Betonung und Herausarbeitung der Süsse bei Shou und Fu in der Verarbeitung nochmals eine grössere, gewichtigere Rolle, d.h. bei Sheng ist die Selektion und das Pflückgut selbst diesbetreffend verhältnismässig wichtiger, wenn jemand einen trockenen (bedeutet nicht süssen) Sheng produzieren möchte.
Um einmal mehr der Weinwelt einen Begriff in die Teewelt zu entwenden: Knochentrocken ... so zeigt sich die wahre Seele des Natur, ungeschminkt, ohne süsse Worte, die so manch anderes dahinter verschleiern, undeutlich machen - und darum haben weniger Süsse eine grössere Tiefendimension. Achtung: Tiefendimension ist nicht zu verwechseln mit Vielschichtigkeit. Nach meinem Verständnis meint Tiefendimension der Natur intensiv zu begegnen.
Nun ist natürlich für Anfänger, die Tee eigentlich nicht mögen, Süsse Trumpf - denn jedem kann etwas schmecken, wenn es nur süss genug ist. Das bedeutet auf der anderen Seite jedoch, dass man einerseits entweder der Zugänglichkeit Tribut zollt, oder man etwas für echte Liebhaber der Materie macht. Wie in einem der oben gelinkten Beiträge geschrieben geht bspw. die Menghai Factory im Shou bei günstigeren Einstiegsprodukten häufig den zugänglichen, süsslichen Weg, hingegen bei wirklich hochwertigem Pflückgut durchwegs einen sehr trockenen, auf Umami ausgerichteten Weg.
Ich habe in meiner persönlichen Sammlung Sheng Produktionen, die dermassen trocken sind (ich nannte sie in der Vergangenheit bspw. champagne-dry), dass leider selbst wirklich erfahrene lokale Teefreunde keinen Zugang mehr dazu finden konnten, es nicht wirklich geniessen konnten. Darum das "vs." im Titel, und darum folgende Formulierung:
Quotevor 14 Stunden schrieb GoldenTurtle: eine fragile Aromenstruktur mit nur dem Mindestmass an notwendiger Süsse
D.h. also, die meisten der sehr erfahrenen westlichen Teetrinker brauchen dennoch ein gewisses Mindestmass an Süsse, einen dünnen Teppich aus Süsse, um darüber den Zugang zur eigentlichen Materie finden zu können.