Nach den wirklich üblen Erfahrungen mit "Instant Pu" nun zu MENGKU ORGANIC 2007 ein neuer Tee bei Chris, aber auf unbestimmte Zeit nicht lieferbar, wie ich mit Bedauern lesen mußte - vielleicht gibt es ja noch Reste? Auf Nachfrage teilte er mir mit, daß Nachschub unterwegs sei, aber von 2010
Zu "organic" kann ich nichts sagen, da fehlt mir die Ausrüstung, zu dem Tee aber schon; es folgen drei (!) Verkostungen des gleichen Tees:
Warnung: Der erste Versuch bewegt sich noch im gewohnten Umfeld, also die Beschreibung des Erlebten an Hand von "nachvollziehbaren" Eindrücken; im zweiten Versuch wird es schon assoziativer und er erhebt natürliche keinen Anspruch auf Nachvollziehbarkeit; der dritte Versuch hat eigentlich nichts mehr mit einer Teeverkostung zu tuen, sondern ist eine kleine literarische Miniatur/Fingerübung, die gefällt oder nicht - viel Spaß beim Lesen!
1. Versuch: sehr stark dosiert, Gaiwan, Quellwasser, waschen, D: rauchig und Kampfer
1. A: D: Orange, grün/Gras überdeckt von Kampfer F: mittelgelb G: Mengkumäßig, wenig Bitternis (!trotz des hohen Dosierung? liegt vielleicht daran, daß ich wirklich sofort abgieße) volles Mundgefühl, süß, Banane
2. A: D: Schokolade, Kampfer F: mittelgelb G: Banane, füllt den Mund voll aus
3. A: D: Tabak F: mittelbraun G: wie ein gutes Altbier!
die Blätter im Gaiwan quellen über
2. Versuch: Die Süße der Melancholie schwächer dosiert, Gaiwan, Quellwasser, D: der vertraute Geruch eines guten Onkels mit Eierflecken auf der Weste und einer Brasil mit Pappmundstück, aber auch der Geruch des Praters und der Absinthrausch der Mädchen in den Gedichten von Peter Altenberg
1. A: viel weniger Teeblätter, die Nuancen sind feiner am Anfang weich Frucht, Pflaume, Brot ein Hauch von Bitternis, die Jugend des Onkels steht im Vordergrund, die Wiesen, das Gras, die Spaziergänge, die Sorglosigkeit, die Süße -
man besucht den Onkel, es riecht gemütlich, man will das Fenster öffnen, die Sonne soll hereinschauen, er winkt ab "zu spät, zu spät"
an dieser Stelle eine Anmerkung zu meiner geänderten Art des Wasserzugießens: Früher hab ich recht zaghaft das Wasser über jeden Tee gegossen, meist am Rand runter um ihn nicht zu erschrecken, den Tee, das hat sich ein wenig geändert. Jetzt gieße ich auch schon mal schwunghaft in die Mitte des Tees, schleiche mich nicht an der Wand lang, wie ein armer Verwandter, sondern klopfe laut an und trete ein und wirble die Blätter durcheinander. Die verschiedenen Arten des Wasserzugießens beeinflussen tatsächlich das Geschmackserlebniss!
2. A: Karamell, gebrannte Mandeln, "die bronzenen Brüste der Mädchen unterm Augustmond" in Erinnerung an Manfred Streubel
3. A: schon fast ein wenig zu süß, aber nach der Süße förmlich eine Exposion im Mund
4. A: weich breiig ausdauerndes Mundgefühl
3: Die Schönheit des Alltäglichen
1. A: Sommer auf abgeernteten Gurkenfeldern, ein alter Gummiball auf einem Innenhof, Betonfußboden, ein einsamer verkrüppelter Aprikosenbaum der dringend Wasser bräuchte, ein stahlblauer Himmel und drückende Hitze.
2. A: ein leichter Wind kommt auf, die Fahnen über den Häusern flattern, es ist Nachmittag vorbei, einzelne Menschen kommen in den Innenhof, Stühle werden rausgestellt, Bretter liegen auf Holzböcken, Kinder spielen mit dem Ball, einige lassen Kreisel tanzen und einer sitzt auf der Mauer und schmollt
3. A: Die Alten rauchen, trinken Tee und schwätzen sich ins Grab, die ersten Feuer werden angezündet, es riecht nach Rauch und man überlegt was man kochen könnte - müßige Überlegungen es ist eh nur Reis und Gemüse da, die Sonne geht unter, Laternen werden angezündet, Glühwürmchen fliegen, das Leben dauert ewig und leises Gekicher in der Dunkelheit
4. A: Die Feuer verlöschen, Rauch schwebt durch den Innenhof und die Menschen gehen schlafen.
Fazit: Warum und zu welchem Zwecke trinkt man Tee/ studiert man Universalgeschichte?
Eine interessante Frage, die eines Essays wert wäre; einen lesenswerten Versuch einer Antwort gibt key in seinem Block.
Im Austausch mit einem profunden Kenner der Pu-Szene sagte jener, dieser Tee käme ihm ein wenig langweilig vor, das stimmt und stimmt auch wieder nicht. Langweilig im Sinne von "kennen wir schon, brauchen wir nicht" ist er nicht! Langweilig im Sinne von "dem Alltag entsprechend" ist er wohl. Er ist kein Knaller oder Blender sondern ein Tee der die Wogen glättet und einem sanft über den Kopf streift und sagt: Das wird schon.
Deswegen trinke ich Tee, weil man dort eine scheinbar unendliche Menge von unterschiedlichen Eindrücken bekommt und alleine dadurch, daß man heißes Wasser über die Blätter einer Pflanze schüttet
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