Welchen Tee trinkt ihr heute?

  • 2008 Mansong

    Ich habe kürzlich ein paar ältere Samples von Peter bekommen und er hatte die Idee, ein spezielles Sample-Set zusammenzustellen, das vom Anfang bis zur jüngeren Vergangenheit reicht, damit auch diejenigen eine Chance haben, die älteren, inzwischen ausverkauften Tees zu probieren, was ich für eine sehr schöne und lohnenswerte Idee halte! Das hat natürlich seinen Preis: einerseits muss die private Schatzkammer geplündert werden (wie gesagt, die meisten Tees sind inzwischen ausverkauft) und andererseits entsprechende Samples zusammengestellt werden (was alleine schon für einen höheren Grammpreis sorgt, da die meisten Händler heutzutage bei Samples deutlich aufschlagen) - wer sich davon nicht abschrecken lässt kann dafür eine schöne prSK-Zeitreise erleben.

    Beim ersten Tee, den ich aus den Samples ausgewählt habe, handelt es sich jedoch um einen, der es nicht in das Sample-Set geschafft hat: ein Mansong von vermutlich 2008. Die ersten Sheng unter Peters eigener Marke "pu-erh.sk" hat er 2010 produziert, nachdem er in 2009 viele Kontakte knüpfen konnte - da das inzwischen schon ein paar Jahre her ist, gibt es bei dem Tee das eine oder andere Fragezeichen aber das ist nicht schlimm 😉

    Interessant bei dem Tee ist vor allem, dass es sich um den ältesten Mansong handelt, den ich bislang probieren durfte - und um ehrlich zu sein wäre ich bei einer Blindverkostung auch niemals darauf gekommen, dass es sich um einen Yibang handelt! Blindverkostungen sind ein großer Spaß, wie ich kürzlich wieder mit einem Tee-Freund aus Frankreich feststellen durfte: man geht zwangsweise völlig unvoreingenommen an einen Tee heran, da sämtliche Informationen fehlen (denn Hand aufs Herz: auch wenn man nur Region und Jahrgang weiß, transportiert das schon so viele Informationen, die wiederum mit entsprechenden Erfahrungen verknüpft sind, dass man im Grund niemals unvoreingenommen ist, auch wenn man es sich einredet) und muss sich voll und ganz darauf verlassen, was einem der Tee erzählt. Da macht es einem Mansong natürlich auch nicht gerade leicht, da es (auf Basis meiner eher mageren Erfahrung mit diesem Dorf) eher untypisch für den stereotypischen Yibang-Charakter ist, wie es z.B. die letzten beiden Jahrgänge des Mansongs von Peter bewiesen haben (der 2021er sogar noch extremer als der 2020er). Dazu kommt dann die Transformation durch die Reifung - in diesem Fall EU-Storage in der Slowakei - und man schwimmt immer mehr. Auf Grund des Altersunterschieds ist ein Vergleich zu den aktuellen Produktionen von Peter aber schwer - evtl. sinnvoller ist ein Vergleich mit dem 2009er Yibang oder Jim's 2010er Yibang - aber da ich von beiden nur ein Sample hatte und das mittlerweile auch schon über 2 Jahre her ist, bewege ich mich hier auf eher dünnem Eis. Klar ist aber: wir bewegen uns optisch zwischen den beiden genannten - der 2009er Yibang sah "goldener" aus (hatte allerdings auch Taiwan-Storage!) und der 2010er Yibang sah (damals) grüner aus - aber es gibt durchaus Parallelen zu sowohl diesen beiden als auch zu den jüngeren Mansongs. Denn wie schon erwähnt wirkt der Tee wenig "bunt" oder fruchtig im Charakter sondern wie die beiden jüngeren Mansongs primär herb und bitter, aber natürlich dabei durch das Alter ganz anders: keine Schlehen sondern eher Walnuss(haut), im Abgang eine leicht zimtige Süße, was wiederum an den 2010er erinnert. Eher komplex und vielschichtig auf der Geschmacksebene hat der Tee doch auch eine gewisse Schärfe - zumindest im Anklang, wie wenn jemand mit einem scharfen Aftershave vor kurzem im Raum war - die mich den Tee potentiell eher als etwas jünger hätten einschätzen lassen, aber da es sich um EU-Storage handelt lässt sich das natürlich schwer vergleichen. Fakt ist jedoch: auch in Europa reift Tee problemlos und gerade für Single Origin Sheng und insbesondere für hochwertige, moderne Produktionen halte ich das für deutlich besser geeignet als eine zu feuchte Lagerung. Das Qi des Tees ist ordentlich, fokusiert auf die Mitte der Stirn aber dabei nicht zu stark und was ich besonders erwähnenswert finde ist die Textur: sie ist einerseits sehr voll und ausgeprägt aber andererseits ohne schwer oder besonders gewichtig zu sein, weshalb mich der Tee etwas an das "Leichtgewichtige" erinnert, was ich letzte Woche bei dem 2020er Jingmai Gushu beschrieben habe (nur natürlich anders weil älter). Durchaus ein guter Tee, aber der Charakter trifft meinen persönlichen Geschmack nicht 100%tig - aber sicherlich auch ein Tee, mit dem man sich erst vertraut machen muss: beim 2021er Mansong habe ich ja zunächst auch etwas lamentiert aber mit jedem mal, den ich ihn getrunken habe, hat er mir besser gefallen...

  • Mein Sample-Vorrat ist aufgebraucht. Dass ich das noch erleben darf! Über einen Zeitraum von gut drei Jahren hatte ich ausnahmslos immer einen Vorrat an noch nicht probierten Tees zuhause. Immer - bis auf einige wenige Fälle, in denen ein Tee die digitale Tinte nicht wert war - habe ich hier etwas zu meinen Eindrücken geschrieben, wenn ich einen Tee neu verkostet habe. Mit diesem Beitrag werde ich also gewissermaßen den ersten großen Abschnitt meiner Tee-Reise beschließen, in welchem ich hunderte Tees in Quer- Vertikal- und Diagonalvergleichen probiert habe. Mein Antrieb war dabei das Kennenlernen von Tee in all seinen Facetten, den großen Kategorien und den obskursten Nischen. Mein Fokus lag auf dem sensorischen Erleben und Beschreiben, auf dem Assoziieren und dem Herstellen von Verbindungen.

    Diese Routine des Verkostens und Beschreibens hat mir viel Vergnügen bereitet . Sie hat erheblich zu meiner Wertschätzung von Tee beigetragen und noch viel mehr zu meiner Wertschätzung des Privilegs, Zeit (und Geld, aber vor allem Zeit) für die ausgiebige Beschäftigung mit diesem wunderbaren Getränk zu haben. Sie hat mir einen kostbaren Zugang eröffnet zu Ebenen der Konzentration, Geduld und Introspektion, die mir im Alltag sonst versperrt blieben. Nun ist jedoch der Moment gekommen, in dem ich beginnen möchte, Tee wieder ein Stück mehr als legeres Genussmittel zu behandeln. In letzter Zeit krame ich gerne einfach in meinem Vorrat (streng genommen ist mein Sample-Vorrat nicht leer, nur sind eben keine "neuen" Samples mehr dabei; außerdem habe ich natürlich auch ein paar Bings, die sich trotz widriger Lagerungsbedingungen nicht allzu schlecht entwickeln) und ziehe etwas Bekanntes hervor, das ich dann gerne auch mal nebenbei im Home Office aufgieße.

    Für den teetalk bedeutet das, dass ich hier zunächst einmal weniger posten werde. Denn ein Nebeneffekt dieses nebenher-Genießens ist, dass ich weniger zu dem jeweiligen Tee zu sagen habe, und weniger das Gefühl habe, überhaupt etwas sagen zu müssen. Das fühlt sich gerade irgendwie ganz schön an. Vielleicht juckt es mich doch in den Fingern, und ich lege mir dieses Jahr einen Sampler an frischen chinesischen Grüntees zu, oder im Herbst etwas Gyokuro, oder vielleicht auch mal den ein oder anderen Matcha. Vielleicht kaufe ich dieses Jahr aber auch gar nichts neues, Vorräte dafür hätte ich genug.


    Nun aber @topic mit einer Überdosis Shui Xian Yancha. Fünf sind's an der Zahl. Der Beitrag ist jetzt schon lang. Aber noch längst nicht zu Ende /emoticons/cool@2x.png 2x" title="B)" width="20" />

    Wuyi Origin Shui Xian 2020 Das trockene Blatt riecht floral mit einer guten Portion Kloreiniger, oder besser gesagt Klo und Reiniger, das heißt stechend und ein bisschen nach Urin. Bei der zweiten Session - nachdem das Doypack einige Wochen offen war - ist das Ganze zwar schon deutlich erträglicher, aber hier ist eindeutig etwas bei der Röstung schiefgelaufen. Im warmen Kännchen ist der Geruch dankbarerweise weniger stechend, trotzdem stellt sich die Frage, warum ich diesen Stinker eigentlich in das Nixing Kännchen für milde Oolongs befördert habe und nicht in das Jianshui Kännchen für... nun ja... Stinker. Nach dem Auslüften wird der Geruch aber auch hier milder und fruchtig-süßer. Im nassen Blatt kommen die floralen Noten wieder stärker durch, die mich jedoch auch nicht unbedingt glücklich machen. Mit den späteren Aufgüssen wird der Geruch etwas entspannter und in der zweiten Session geht es sogar deutlich mehr in Richtung exotischer Fruchtnoten (v.a. Kakaofrucht)... vielleicht ist ja doch noch nicht alle Hoffnung verloren. Das Aroma des Aufgusses ist schon in der ersten Session deutlich besser. Die Röstung bringt jetzt Noten von Datteln, Feigenbaum, Schokolade und Krapfen hervor. Am Gaumen hat der Tee zunächst einen scheinbar eher dünnen Körper für einen Yancha, dafür ist er schön weich im Mundraum. Er ist etwas säuerlich, was in Verbindung mit den dezenten Fruchtaromen entfernt an den Geschmack von Apfelsaft erinnert. Die säuerliche Note wird ergänzt durch eine merkliche Mineralität, was besonders den vorderen Mundraum und das Zahnfleisch etwas zu stark beschäftigt. Die Röstung war wohl einfach zu heftig. Nach dem Auslüften wird aber auch dieser Aspekt zumindest ein bisschen besser und die Mineralität wirkt besser integriert. Außerdem wirkt der Tee tatsächlich körperreicher als in der ersten Session Im Abgang ist das Zahnfleisch nach wie vor überfordert mit Säure und Mineralität und auch im Rachen wird es jetzt etwas kratzig, aber die Aromatik ist ganz gut: florale und schokoladige Noten ebben auf und ab, ohne dass jeweils eine Note die klare Überhand behält. Ich hätte mir mehr Dominanz der Schokolade gewünscht, aber naja, ich hätte mir generell einen anderen Tee gewünscht. Da habe ich Wuyi Origin in meinem vorherigen Beitrag noch so hochgelobt und dann solch ein Ausrutscher... Wenn man mal die Kirche im Dorf lässt, ist der wohl durchaus okay. Vermutlich wird er von einem weiteren Auslüften profitieren. Trotzdem: im Vergleich zu dem hohen Niveau, welches WO und Lazy Cat sonst an den Tag legen, ist das durchaus ein Ausreißer.

    Wuyi Origin Gao Cong Shui Xian 2020

    Im trockenen Zustand ist der Geruch dem des anderen WO Shui Xians recht ähnlich, also ebenfalls etwas unangenehm. Schon im vorgewärmten Kännchen wird es jedoch entspannter. Der Funk geht jetzt in eine erdigere Richtung, Schokoladennoten kommen auf. Im nassen Blatt konkretisieren sich die erdigen und schokoladigen Noten nebst eindeutig kräutrigen Aromen... so langsam wird's echt interessant! Der Aufguss hat eine sehr dunkle Farbe und Aromen von Krapfen, Malz und Vegetation in der mediterranen Sonne. Am Gaumen überzeugt der Tee mit einem sehr vollen Körper und butterweicher Textur. Aromatisch dominieren Malz, Moschus und Erde, sowie nach hinten raus eine klare Note von Nori-Blättern. Eine latente Bitterkeit begleitet den Geschmack und lässt den Tee im Zusammenspiel mit den genannten Noten ziemlich ernst wirken. Erst im Abgang setzt die Mineralität so richtig ein, deren Trockenheit an dieser Stelle aber super passt und eine Menge Spaß und Lust auf den nächsten Schluck macht. Durch sie ist der Abgang laaang. Das Huigan ist überraschend fruchtig und süß.

    Wow, das ist mal etwas anderes! Ein wirklich herausfordernder Tee, der mich aber schnell in seinen Bann gezogen hat und ein ganz besonderes Aromenspektrum bietet. Wenn man über die paar "Fehlnoten" und Startschwierigkeiten hinweg sehen kann, wird man am Gaumen mit einem Tee von großer Qualität belohnt.

    Lazy Cat Tea Gao Cong Shui Xian 2020 Im trockenen Blatt fruchtige Aromen (Maracuja, Apfel), sowie Magnolie und Kakao. Im warmen Kännchen weiterhin duftig mit Magnolie, Apfel und Maracuja, sowie einem klitzekleinem bisschen Funk durch die Röstung. Im nassen Blatt werden die blumigen Noten stärker betont. Der Aufguss riecht zwar nicht besonders expressiv, aber süß mit Krapfen und floralen Noten. Am Gaumen ist der Tee dann jedoch außerordentlich aromatisch mit Magnolie und milder Frucht (v.a. Apfel), sowie einer deutlich zu vernehmenden, angenehmen Gerstengras-Note. Körper und Textur sind gut und werden von einer leichten Bitterkeit und Mineralität begleitet. Der Tee ist ein ganz kleines bisschen kratzig am Rachen, ich habe dahingehend allerdings auch eine ziemlich niedrige Wahrnehmungsschwelle und möchte es daher nicht überinterpretieren. Der Abgang liefert ein Butter-Aroma, fruchtige Noten (Maracuja), Krapfen und Magnolie. Das yan yun ist zwar definitiv vorhanden, aber kommt irgendwie etwas klebrig rüber, anstatt einfach trocken und sauber... zu diesem Eindruck trägt der insgesamt sehr süße Charakter mit Sicherheit bei. Das Huigan ist dafür erfreulich frisch Nett, aber kein Highlight. Irgendwie nicht tiefgründig genug für einen richtig guten Yancha.

    Lazy Cat Tea Lion Mount Shui Xian 2020 Bananenbrot vom feinsten, Himbeeren und Schokolade im trockenen Blatt. Mjam! Nach dem Schütteln der Blätter im vorgewärmten Kännchen werden die fruchtigen Noten (Himbeeren und Traube) betont. Im nassen Blatt geht es noch stärker in Richtung Traube und generell in Richtung der helleren Fruchtnoten. Mango ist auch dabei, ein paar Fermentationsnoten ebenfalls. Später kommen Aromen von Tropenholz und eine warme Nussigkeit zum Vorschein. Im Aufguss zeigen sich Dattel, Holz und Pflaumenkompott... der scheint recht stark oxidiert zu sein. Am Gaumen ist der Tee mega weich und vollmundig, sowie latent bitter. In aromatischer Hinsicht dominieren die holzigen Noten, aber auch das Bananenbrot und die Schokolade kommen nochmal durch. Der Abgang ist dezent bitter und liefert eine Mineralität, deren Intensität Sekunde für Sekunde nach dem Schlucken steigt. Man fängt regelrecht an zu sabbern. Gleichzeitig stellen milde Gebäck-Noten eine erstaunliche Balance her, es schweben sogar ein paar süß-blumige Noten vorbei. Der Ausklang wird dann aber so richtig trocken und verleitet unweigerlich zum nächsten Schluck. Das ist, ich wage zu behaupten, yan yun par excellence. Wow, das ist ein herausragender Tee! Allerdings nicht sooo ausdauernd, der scheint wirklich mehr über die Oxidation zu kommen.

    Cha Dao Lao Cong Shui Xian 2020 (Sample von @Anima_Templi) Das trockene Blatt riecht zurückhaltend nach Datteln und entfernt blumig. Im warmen Kännchen wird der Duft plötzlich außerordentlich erdig für einen yancha. Auch im nassen Blatt ist der Duft weiterhin sehr erdig und erinnert fast schon an einen Shou. Der Tee wirkt jetzt aber auch wieder etwas süßer. Ist der möglicherweise ungewollt fermentiert? Der Aufguss riecht dezent vanillig... ehm, ist das wirklich kein Shou? Am Gaumen ist der Tee schön weich und rund. Er hat keinen außerordentlich schweren Körper, ist aber auch nicht dünn. Auf der aromatischen Ebene zeigen sich Vanille und etwas Aprikose. Der Abgang ist sauber und kurz, trocken, vielleicht sogar mineralisch (was sich dann mit dem Begriff "yan yun" beschreiben ließe). Es dominiert das holzige Vanille-Aroma. Der war nicht schlecht, aber irgendwie so gar nicht das, womit ich gerechnet hatte. Wenn Anima da nicht "Lao Cong Shui Xian" drauf geschrieben hätte... ich würde ihn wohl für einen Shou halten. @Anima_Templi hast du noch etwas von dem Tee da, oder ihn in letzter Zeit nochmal probiert? Mich würde interessieren, wie du ihn findest. Ich bin in meinen Yancha-Verkostungen ja momentan stark durch das Sortiment von Wuyi Origin und Lazy Cat geprimed. Vielleicht weicht der Tee daher subjektiv stärker von einem "üblichen" Yancha ab, als es objektiv der Fall ist.

  • Quote

    vor 12 Stunden schrieb Shibo: ...

    Nun ist jedoch der Moment gekommen, in dem ich beginnen möchte, Tee wieder ein Stück mehr als legeres Genussmittel zu behandeln. In letzter Zeit krame ich gerne einfach in meinem Vorrat (streng genommen ist mein Sample-Vorrat nicht leer, nur sind eben keine "neuen" Samples mehr dabei; außerdem habe ich natürlich auch ein paar Bings, die sich trotz widriger Lagerungsbedingungen nicht allzu schlecht entwickeln) und ziehe etwas Bekanntes hervor, das ich dann gerne auch mal nebenbei im Home Office aufgieße.

    Für den teetalk bedeutet das, dass ich hier zunächst einmal weniger posten werde. Denn ein Nebeneffekt dieses nebenher-Genießens ist, dass ich weniger zu dem jeweiligen Tee zu sagen habe, und weniger das Gefühl habe, überhaupt etwas sagen zu müssen. Das fühlt sich gerade irgendwie ganz schön an.

    ....

    Sehr schöner Testbericht @Shibo

    Deine Erfahrung beim Teetrinken den Tee nicht mehr analysieren zu müssen (nach was schmeckt er, gut gewockt, Lagerung), sondern den Schnabel zu halten, nicht nachdenken zu müssen, sondern nur "einfach" Tee zu trinken.

    Wasser kochen, Tee aufgießen, Tee trinken - eine Erfahrung die die meisten nicht machen, aber umso schöner, wenn man das Glück hat dahin zu kommen.

    P.S. Tee trinken ist auch was anderes als Tee zu verkosten, dabei muß man analysieren, in Beziehung setzen, mit anderen vergleichen, Fehler aufspüren, ein Bewertungssystem entwickeln usw.

    @doumer macht das in seinem Blog https://puerh.blog/

    Meine Bewunderung und mein Dank sind ihm für diese Arbeit gewiss!!

  • Quote

    vor 23 Stunden schrieb Shibo: Mein Sample-Vorrat ist aufgebraucht. Dass ich das noch erleben darf! Über einen Zeitraum von gut drei Jahren hatte ich ausnahmslos immer einen Vorrat an noch nicht probierten Tees zuhause

    Oha, das ist allerdings ein heheres Ziel, an dem ich seit Jahren ohne Erfolg arbeite /emoticons/biggrin@2x.png 2x" title=":D" width="20" /> Gratuliere!

    Ich weiß sehr gut, was du meinst. mir geht es ähnlich. Ein so großer Teil meiner Zeit ist davon geprägt, dass ich analysieren, genau wiedergeben und strukturieren muss. Ich mach das auch gern, dennoch fühlt es sich deshalb wie mehr Arbeit an, wenn ich einen Tee explizit verkoste.

    Deshalb mach ich das nur noch in gewissen Fällen, meistens, wenn man Eindrücke vergleicht oder es besonders interessante Tees sind. Aber meistens nehm ich mir die Stunde oder 90 Minuten für den Tee, mach ein, zwei Fotos, und schreib dann auf, was mir im Gedächtnis geblieben ist. Ich arbeite meistens keine Kriterien mehr ab, weil dann artet es schon wieder in mehr Arbeit aus.


    Quote

    vor 7 Stunden schrieb JanS: Die Gedanken der letzten Beiträge sind so ähnlich bereits cineastisch aufbereitet worden:

    Sehr netter Clip. Das ist definitiv ein Lin's-Wasserkessel /emoticons/smile@2x.png 2x" title=":)" width="20" />

  • Quote

    Am 19.2.2023 um 00:09 schrieb Shibo: Der war nicht schlecht, aber irgendwie so gar nicht das, womit ich gerechnet hatte. Wenn Anima da nicht "Lao Cong Shui Xian" drauf geschrieben hätte... ich würde ihn wohl für einen Shou halten.

    Schön, dass es nicht nur mir so geht... /emoticons/wink@2x.png 2x" title=";)" width="20" />

    Ich vermute, dass dieser Tee iwann zuviel Feuchtigkeit abbekommen hat. Interessant zu trinken, aber m.E. darf der so nicht verkauft werden, zumal zu diesem Preis.... /emoticons/sad@2x.png 2x" title=":(" width="20" />

    Könnte sich das Forum zusammenschließen, um ein riesiges, in einem Leben nicht zu brühendes Probenpaket für @Shibo zu schnüren? Wäre jammerschade, täte man hier nichts mehr von Dir lesen! /emoticons/smile@2x.png 2x" title=":)" width="20" />

    And in the end, the love you take is equal to the love you make.

  • @Anima_Templi Hilfe /emoticons/biggrin@2x.png 2x" title=":D" width="20" /> Ich will doch einfach nur Tee trinken! Aber im Ernst: Vielen Dank für deine netten Worte, das freut mich aufrichtig!

    Der Shui Xian ist ein weiterer Hinweis darauf, dass es in Deutschland nicht so leicht ist, an guten Yancha zu kommen. Das Cha Dao hat ja einen guten Ruf, aber selbst solche Händler kommen scheinbar nicht so ohne weiteres an gute Qualitäten zu vernünftigen Preisen. In Sachen intensiv und kompetent geröstete Oolongs sind die taiwanesischen Oolongs von Atong für mich die beste Alternative auf dem inländischen Markt. Mittlerweile bekomme ich die sogar lokal beim Teehaus Cöln. Natürlich ist das nicht dasselbe wie ein Yancha, aber für mich decken diese Tees viele Merkmale ab, die ich an Yancha schätze.

  • Den Mittagsschlaf des Nachwuchses nutzend war heute ein vorerst letztes Mal der vorzügliche Sencha Okumidori von d:matcha in meiner Tasse (Mai '22, 10 Tage beschattet).

    Im ersten Aufguss (ca. 65°C, 90s) trifft das Umami in der Verkleidung von Tomatenmark auf die Geschmacksknospen.

    Im zweiten (80°C, 15s) paart sich die Würze von Tomatenmark mit frischem Zedernholz und der Süße von Trauben im Abgang.

    Der dritte Aufguss ("flash brew" mit kochendem Wasser) erfrischt mit einer holzig-mineralischen Note und einem Hauch von Seeluft.

    Die Zubereitungstipps von d:matcha ergeben mit jedem Aufguss einen anderen, feinen Geschmack, zumindest bei deren Tees.

    Ich empfehle die genannte Firma den Fans von japanischem Grüntee. Die Versandgebühren liegen bei kurzen Lieferzeiten zwar bei über 20€, dafür sind die Preise für den Tee moderat und man kann sich den Tee auch mit dem Schiff liefern lassen, was die Kosten auf ca. 7€ senkt.

  • Nachdem die Tage langsam wieder länger werden und ein etwas früherer Feierabend als üblich ergab sich heute ungeplant die "Notwendigkeit" für ein kurzes Update zum 2020 Chafang Danzhu von prSK

    Ich hatte den Tee jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr im Kännchen und bin sehr erstaunt, wie sehr sich der Tee in der relativ kurzen Zeit verändert hat! Liest man die ursprünglichen Notizen von Anfang/Mitte 2021 steht vor allem im Fokus, wie rau der Tee ist (wenn man mal von der anfänglichen durchaus steilen Lernkurve für Thailang-Shengs absieht): bitter und adstringent, grob und unverfälscht - definitiv nichts für den typischen Connaisseur, der bei dem Tee entweder die Augen verdreht hätte und vom Stuhl (sofern vorhanden) gefallen wäre oder aber unter lautem Fluchen davongelaufen wäre und ewige Feindschaft dem Gastgeber gegenüber geschworen hätte. Heute aber (und man beachte, dass ich in einem Zhuni-Kännchen gebrüht habe, keine offenporige europäische Keramik!) zeigt sich der Tee regelrecht zahm - natürlich dominieren nach wie vor Bitterkeit und Adstringenz die Geschmacksebene, sind aber runder und sanfter geworden und haben einen sehr schönen moosigen Charakter, begleitet von einem leichten Pfeffer-Aroma - und sind vor allem auch schwerer in der Textur. Die Kraft und Tiefe ist nach wie vor da aber der Charakter ist nicht mehr so brachial wie vor 2 Jahren - jetzt lässt sich klar erkennen, dass es sich hier um den Vorgänger des 2021er mind_switch handelt, bei dem ein deutlicher Fortschritt in der Produktionsmethode zu erkennen war. Gerade das unverfälschte, rohe liebe ich bei einem (jungen) Sheng so sehr - daher bin ich froh, dass ich mit meinen Vermutungen, dass allen Unkenrufen zum Trotz um einen guten Tee handelt, richtig lag - und bin sehr gespannt, wie sich der Tee (auch im Vergleich zum mind_switch) weiter entwickelt!

  • Matcha Narino von Horii Shichimeien

    Ein Tee, welcher explizit für die Koicha-Zubereitung gedacht ist. Ähnlich wie bei allen anderen Sorten zeigt sich auch hier die wahre Qualität des Tees. Durch die extrem hohe Dosierung zeigen sich sowohl die Stärken, aber eben auch die Schwächen. Schonungslos.

    Der Tee hält aber, was versprochen wird. Kein Hauch von Bitternis. Nur eine leicht vegetabil/algige Note. Dazu eine leichte Nussigkeit. Es ist generell sehr interessant, dass er geschmacklich eher leicht und frisch ist, was ich bei dieser Dosierung so noch nicht hatte. Das Highlight ist aber der Nachgeschmack in Verbindung mit der starken, aber dennoch subtilen Kraft des Tees. Eine feine, geschmeidig nussige Süße. Ich habe kein einziges Mal das Gesicht verzogen, weil etwas unangenehm war. Das will bei mir und Koicha schon etwas heißen... /emoticons/wink@2x.png 2x" title=";)" width="20" />

  • 2022 Ban Po Lao Zhai Gushu von Google Maps schön sehen kann. Nannuo ist eher für Taidicha bekannt und daher für mich in der Regel uninteressant, in Banpo gibt es aber ein paar alte Bäume und von diesen stammt dieser Tee. Vergleichsmöglichkeiten sind daher eher rar - der einzige Tee, den ich kenne und bei dem explizit Banpozhai als Herkunft angegeben ist, ist der 2020er Nannuoa von

  • Da Ao Qingxin Oolong by sazen

    Es ist sehr lange her, dass ich zuletzt einen "unfertigen" Oolong in der Schale hatte. Unfertig in diesem Fall deshalb, weil der Tee keine Röstung erfahren hat. Da der Tee aber mit zu den hochpreisigsten taiwanesischen Oolongs im Angebot von sazen zählt und die Qualität sehr betont wird, dachte ich mir, ich probiere mal wieder einen solchen.

    Die 10gr kamen vakuumverschweisst, weshalb es eine Weile gedauert hat, bis der Tee olfaktorisch wahrnehmbar war. Dann aber wird man mit einem überbordenden Bouquet floral-grüner Süße überhäuft. Hach ja.... ich hatte schon fast vergessen, was nutt** beim Tee bedeutet. /emoticons/smile@2x.png 2x" title=":)" width="20" />

    In der Schale das gleiche Bild. Sehr grün, frisch und floral. Allerdings mit leicht fruchtigen Spitzen, was das Gesamtbild schön abrundet. Was mich aber wirklich freut ist, dass der Tee nicht auf den Magen schlägt. Er ist gut verträglich und vermittelt das Bild einer impulsiven, unverfänglich schillernden heile Welt Frühlingswiese in voller Blüte und das im besten Sinne! Sicherlich einer der besten Oolongs dieser Machart, die ich bisher verkosten konnte. Mir persönlich fehlt aber die Tiefe und Substanz, welche dem Tee, bedingt durch die fehlende Röstung, nahezu komplett abgeht.

    Dieser Tee ist die passende Begleitung einer fröhlichen, elitären Damenrunde, die eifrig diskutiert, ob Pastelltöne im Frühjahr wieder getragen werden dürfen. Mir hat es mal wieder Spaß gemacht, an diesem Damentisch zu sitzen und ein wenig zu lauschen. /emoticons/smile@2x.png 2x" title=":)" width="20" />

    And in the end, the love you take is equal to the love you make.

  • @Moni_F: Was sagst du zu dem Bai Hao Yin Zhen? Den aus dem letzten Jahr mochte ich sehr. Von meiner Probenbestellung bei Farmer Leaf waren noch genau zwei Stück übrig: Pasha small leafs und Pasha big leaves. Gestern waren die small leaves an der Reihe. Die Probenreste waren heute in der Tasse. Optik und Duft sind beide einladend. Darüber hinaus fällt das Urteil wirklich schwer. Es ist zudem mein erster "reiner" Pasha -Tee. Mit der Probe der big leaves, lässt sich hoffentlich Klarheit schaffen.

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