Welchen Tee trinkt ihr heute?

  • Nachtrag zu gestern, am Wasser lags nicht, denn tatsächlich hat es mir direkt nach dem Tee Laojizi nochmal gelüstet. Selbst die Brösel waren erste Sahne und lieferten wieder dieses leicht stechende Qi (was einfach an Kokain erinnert, da es die Zunge betäubt) und ich auch beim BanPen oder Mengsong Gushus wahrnehmen konnte, wobei es bei den Bulang Gushus angenehmer, da eleganter, wirkte.

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    Morgendlich gab's den 1984 Dong Ding Oolong, 3,5g im Gaiwan.


    Schmeckte sehr ähnlich dem 1960 Dong Ding Oolong, jedoch mit mehr Körper und weniger Adstringenz. Der 1984 Oolong ist eindeutig höherwertig, was optisch bereits an der Verarbeitung zu erkennen ist, auch wenn zu Kugeln rollen noch kein Qualitätsmerkmal darstellt, ist es doch mehr Aufwand und deutet in diesem Vergleich auf besseres Material hin - was ich darüberhinaus an vollerem Körper und eben weniger grober Adstringenz (grobe Stängel) festmache.



    Nun zu meiner These, dass beide Oolongs aus dem gleichen Jahr (vermutlich 90er) stammen und lediglich zu Marketingzwecken alt betitelt wurden. Wobei der schlechtere einfach älter gemacht wurde um den gleichen Preis (zumindest bei Kamil im Shop) wie beim jüngeren eizufordern (ich denke jedoch, dass das nicht Kamil zuzuschreiben ist).

  • Nachdem ich die letzten freien Tage eher gebastelt habe (eine Vorstellung davon kommt auch bald), berichte ich auch mal wieder von meinem heutigen Tee.

    Jingmei White 2020 von Teamania (über die letzte Teezui erstanden, danke nochmal Diz )

    Ich muss sagen, der Tee hat mich positiv überrascht. Trotz der aktuellen Pollenlage, die meinen Geruchssinn etwas einschränkt, konnte ich genug wahrnehmen um zu behaupten, dass dieser Tee zu den besten Yunnan Whites gehört, die mir bisher untergekommen sind. Lediglich die Textur könnte für meinen Geschmack dicker sein.
    Der Tee bietet wie auf der Angebotsseite beschrieben florale und fruchtige Aromen. Geschmack und Geruch liegen hier sehr nah beieinander, daher unterscheide ich hier nicht. Die Blumen kann ich nicht bestimmen, die fruchtigen Noten liegen eher im Zitrus-Spektrum. Ich würde aber noch hölzerne Noten ergänzen. Kein frisches Holz, sondern altes. Im Abgang hatte ich auch öfter einen etwas erdig süßen Geschmack, den ich bisher nur von Shou her kenne.
    Aus dem Li Jiao Cup kommt der Tee schön rund und eher hölzern, aus den kleinen Porzellan Cups werden die fruchtigen und floralen Noten hervorgehoben.
    Ich habe die 7g Probe komplett verwendet und muss nun feststellen: Damit kommt man über einen Liter. Ich werde also den ganzen Tag etwas davon haben. :)

  • 2021 Nannuo Danzhu von Länggass Tee

    Zugegeben: der Tee hat einen schwierigen Start bei mir - ich bin kein all zu großer Fan von Nannuo (ich hatte einfach noch keinen interessanten Tee von dort) und auch kein Fan von solchen Mini-Formaten. Aber als ich dann gesehen habe, dass der ganze Mini-Bing EXAKT in die Öffnung von dem Zini-Kännchen von Ma Yong Qiang (马永强) passt fand ich das dann doch irgendwie cool (irgendwo schlummert doch noch ein Kind in uns allen 🙈) - und ich muss gestehen, der Tee hat mich dann doch sehr positiv überrascht!

    Jedenfalls stammt das Material wie der Name schon sagt von nur einem Baum (Danzhu) am Steilhang vom Zhuilong-Garten in Banpozhai, dessen Alter auf ca. 600 Jahre geschätzt wird (im Shop steht 400 aber da ist auch ein anderer Tee abgebildet?). Und vermutlich liegt genau hier der Unterschied, warum dieser Tee im Vergleich zu den anderen Nannuos die ich bisher hatte auch interessant ist: man merkt (wenn man entsprechende Referenz-Tees kennt), dass es sich hier um Material von wirklich alten Bäumen handelt - vielleicht nicht super-duper-alt wie der 2024er 970 years old tea tree von prSK oder der 2022er Bang Dong Ji Gu Shu von prUK aber doch eindeutig älter, als das was einem normalerweise als Gushu verkauft wird - denn gerade an letzteren erinnert mich der Tee vom Charakter her durchaus! Denn geschmacklich ist auch dieser Tee sehr sanft - er hat etwas mehr zu bieten als der Bangdong wenn man ihn pusht und die meisten Metriken sind OK aber die Stärke ist ganz klar das sanft wirkende aber doch sehr intensive, kopflastige Qi des Tees, was direkt ab dem ersten Aufguss spürbar ist. Sehr schön ist auch, dass sich der Tee sauber und klar anfühlt - keine Off-Noten sei es von Storage oder Produktion - was zusammen mit einem unaufdringlichen aber sehr gefälligem Aroma für einen äußerst angenehmen Gesamtcharakter sorgt. Schöner Tee - eher etwas für ruhige Momente - und definitiv der beste Nannuo den ich bisher hatte 😊

  • Heute den nächsten Jingmei White (2019) von TTpl

    Dieser hier wurde nicht gepresst und sieht, trotz einem Jahr mehr auf dem Buckel, weniger gereift aus.
    Frisch schmeckt er auch. Sehr blumig und fruchtig. Medizinische Noten, wie es in der Beschreibung steht, konnte ich nicht nachvollziehen. Ich habe etwas mit den Parametern experimentiert und habe festgestellt, dass die Süße erst heraus kommt, wenn man ihn mit geringerer Temperatur zubereitet, dafür aber länger ziehen lässt. Holzige Noten habe ich hier nicht gefunden.
    Die Aufgussfarbe ist auch noch heller, als beim Tee von gestern, was auf ein geringeres Oxidationslevel schließen lässt.

  • 2016 BYH Manxiu Danzhu, 5 g im Gaiwan.
    Ein angemessener Sonntagstee, der gleichzeitig auch noch der Vollmond-Energie Respekt zollte. Da ich aus Manxui noch keinen Tee getrunken habe, kann ich zur Aussage, dass "es er beste Tee von dort" sei nichts sagen - jedoch, dass es ne lehrreiche Erfahrung dar gestellt hat.

    Beim ersten Aufguss ging das Gebräu den Rachen runter, gleichzeitig stieg eine subtile florale Note in die Nase, was sehr faszinierend war, sich aber leider nicht wiederholte. Die geschmackliche Ebene zeigte eine leicht vegetale Bitterkeit gepaart mit offensichtlicher Süße - was man von Yiwu erwartet, und vom floralen, parfümartigen HuiGan abgerundet wurde. Dennoch blieb die geschmackliche Ebene rel. dezent und wandelte sich nach dem dritten Aufguss lediglich (der Erste am Nachmittag war intensiv fruchtig), nahm aber nicht an Intensität zu.

    Interessant war, dass ich meine die von doumer beschriebene "Quellwasser"-Qualität, beobachtet zu haben. Denn der Tee war sehr samtig, schwer aber dennoch wässrig (blieb geschmeidig, wo andere Gushus richtig dick und fast unbeweglich wirken). Abgesehen davon zeigte er sich auch adstrigent, wobei das eher eine tiefe Kraft war die sich dadurch manifestierte und sich im subtilen, entspannenden ChaQi wiederspiegelte. Darüberhinaus attestierte die beachtliche Ausdauer von der Qualität des Materials, habe während ich (abends) diese Zeilen verfasse nochmal einen langen Aufguss angesetzt, da der letzte sogar nur minimal Adstringent war, was bei anderen lang gezogenen Shengs ganz und gar nicht üblich ist.

  • doumer Und wie war der Tee verglichen mit dem Ban Po von TTpl? Den hattest du ja auch schon 2 mal.

    Deutlich besser - zumindest wenn man mit etwas subtileren Tees etwas anfangen kann. Das Qi ist bei dem Tee eindeutig schöner :)


    @topic: 2006 Bingdao Lao Zhai Ancient Tree via EoT

    Heute ist mal wieder ein Tee im Kännchen, den man durchaus auch als Referenz-Tee ansehen kann, denn Bingdao ist wie so manch anderes super-ghyptes Dorf etwas, wo es nicht so leicht ist, überhaupt authentische Tees zu finden. Bislang hatte ich zwei authentische Bingdao: den 2010er von Yu und den 2017er von HQF (wobei letzteres schon arg lang her ist, weshalb der Post dazu etwas dürftig ist) - den 2018er Nanpo Zhai von YS und den 2013er von der Shuangjiang Menkumengdai Tea Factory sehe ich nicht als Bingdao, da es sich nicht um das gefragte Kerngebiet (Bing Dao Lao Zhai (冰岛老寨)) handelt und die Minzigkeit, also genau die Charakteristik, für die Bingdao ja so bekannt ist fehlt (Scott macht das korrekt indem er den Tee als Nanpo labelt, bei dem anderen ist das leider nicht der Fall). Jedenfalls stammt dieser Tee hier von dem selben Produzenten, der auch den 2006er Naka produziert hat, den EoT kurz im Programm hatte - wenn ich den Text im Shop richtig verstehe handelt es sich um den Batch, der in Malaysia gelagert wurde und mit 2,73€/g ist er doppelt so teuer wie der Tee von Yu - was nur möglich ist, da es sich noch um eine frühe Produktion unter der "All for Tea" Marke handelt.

    Jedenfalls merkt man bei dem Tee, dass er eine hervorragende Lagerung in Malaysia erfahren durfte: im Gegensatz zu den EoT-eigenen Produktionen, die während der Malaysia-Ära doch eine deutlich wahrnehmbare Note hatten (die mir aber sehr gut gefallen hat), ist das hier nicht der Fall aber die Reifung ist schon deutlich weiter als bei dem Bingdao von Yu - er ist eindeutig holziger und dunkler im Geschmack aber ganz deutlich ist auch die minzig/mentholige Note, für die wie gesagt Bingdao ja steht - hier bekommt man also im Gegensatz zu anderen auch was einem versprochen wird, weshalb auch Geschmack und Charakter des Tees klar seine Stärken sind! Ebenfalls sehr schön auf Grund der tollen Reifung ist das Aroma: super sauber und dennoch lebendig - so muss ein guter semi-aged Sheng riechen. Ebenfalls gut ausgeprägt ist das Qi des Tees: ich finde es zwar wie bei dem Nannuo Danzhu von LGT gestern eher kopf- als körperlastig und weniger sanft als beim Danzhu aber trotzdem noch angenehm - und da durchaus kräftig gibt es da nichts zu meckern. Etwas schwach ist der Tee in den Punkten Tiefe, Textur und Komplexität - aber das ist bei dem Bingdao von Yu genau so - evtl. ist das ja etwas für die Region charakteristisches aber bei einer Testgruppe von 2 kann ich da freilich nicht verallgemeinern. Insgesamt aber auf jeden Fall ein schöner Tee, der sich lohnt wenn man einen etwas gereifteren Bingdao probieren möchte - bei dem Preis bleibt es aber definitiv wie bei allen Referenz-Tees die zu Bildungszwecken gekauft wurden auch bei einem Sample 😅

  • Grün, grün, grün sind alle meine Kleider Tees. Heute war das so, die beiden Coldbrews nach dem Ausflug in den Japanischen Garten, habe ich noch ein paar Mal heiß aufgegossen.

    Den Anfang machte Chao Daos Taiping Hou Kui 2024. Den hatte ich bei der Bestellung des 2025er Drachenbrunnentees mitbestellt. Die diesjährige Ernte verzöget sich Wetterbedingt, also wurde der vorrätige Teil der Bestellung schonmal zugestellt.
    Optisch macht der Tee einiges her, wie eine Mischung aus Spagetti und Zucchininudeln. Das Aroma ist zurückhaltend, frisch, pflanzlich und etwas gemüsig.
    Im Geschmack liegt er zwischen kräftig gemüsigen Tees wie dem Lushan Yunwu und den süßeren Tees wie dem im Anschluss folgenden Mao Feng. Dieser Taiping Hou Kui ist für meinen Geschmack mild, frisch, süß und schmeckt etwas nach Kohl. Der Kaltaufguss ist erfrischend, das hatte ich nach dem Kohlgeschmack im Heißaufguss nicht erwartet. Nur an der Überzeugung hapert es noch: In einer Welt in der Long Jing, Gan Lu, Mao Feng oder Lushan Yunwu verfügbar sind, ist der Platz des Taiping Hou Kui wo? Könnt ihr dazu was sagen? Was macht den Taiping Hou Kui im Schnitt und was in der Spitze aus?

    Als nächstes eine positive Überraschung, denn den Mao Feng 2024 hatte ich links liegen lassen. Herr Thamm hat mir ein Päckchen in die Bestellung dazugelegt. Dieser Tee hat leichte Anleihen von Fruchtblüten in Duft und Geschmack, schmeckt leicht süß und lässt jegliche Schwere vermissen. Erfrischend wird er durch eine Note, die mir nur von Darjeeling-Frühjahrsernten bekannt ist. Spritzig trifft es am ehesten, obwohl spritzig die Vorstellung an einen Fruchtsaftschorle weckt, was selbstverständlich daneben ist. Bitter ist er ganz und gar nicht, die gefühlte Erfrischung, verhält sich ähnlich zur Erfrischung einer Zitrone. Die Beschreibung fällt mir einfach schwer. Kurz und prägnant: Der Tee gefällt. Er passt gut zur aktuellen Wetterlage.

  • Hallo Miteinander,

    heute bin ich auf meiner Wanderung durch die Teewelt ein Stück in die Vergangenheit unterwegs :)

    und probiere einen Gushu Weißtee aus den 90er Jahren, den ich bei NanYi bestellt hatte.

    Der hat auch diese gelben Sporen zwischen den Blättern...

    Zubereitung: im Shiboridashi / 110ml á la Gong fu cha, so in die Richtung jedenfalls

    Die trockenen Blätter duften nach Weißtee, Kräutern und ein klein wenig auch nach alter Abstellkammer (aber eher im positivem Sinne) und dann kommt noch ein wenig Herbstlaub mit dazu.

    Die feuchten Blätter verändern ihre Duftnuancen mit fortschreitenden Aufgüssen.

    Geschmacklich erinnert mich das an einen Mix aus ganz mildem, süßlichem Weißtee, Hagebuttentee und Schwarztee mit deutlich öligem Mundgefühl und hier und da kommt noch eine Art minzige Note hinzu und ziemlich lang anhaltenden Nachgeschmack.


    Ob das ein Standard im Teeregal wird weiß ich noch nicht, aber er gefällt mir recht gut!


    so.. da gehen noch ein paar Aufgüsse 8o

  • 2011 CYH QianJiaZhai, 6g im Gaiwan.

    Hatte ihn länger nicht mehr, rel. einfaches Geschmacksprofil, initiell bitterer Kampfer danach holzig, später etwas pilzig, also nicht unbedingt was man mit Lincang assoziieren würde, da er def. ein eher kräftieres Profil zeigte - liegt auch an der Reifung.

    Aus den 6g habe ich einiges rausgeholt, ChaQi war auch leicht vorhanden. Solide CYH Qualität zu einem sehr günstigen Preis, z.B. hier zu bekommen, auch wenn ich ihn von Kamil (noch günstiger) bekommen habe. Wundere mich etwas wo der geringe Preis herrührt, denn an der Qualität hapert's ned, vermutlich an dem etwas eigenen Profil (wenn auchh recht zugänglich), wenig Blumen oder Frucht, und richtig süß wurdes erst zum Ende raus. Andererseits ist ja nördlicher Tee generell günstiger, aber der hier (gerade als CYH!) ist trotzdem nen Schnäppchen.

  • Die neue Charge TTpl Eigenmarken Shengs sind verfügbar und da auch 2 neue Shengs dabei sind, versuche ich mich wieder mit einem Blindtasting um zu schauen, ob ich die vor einem Jahr schon mal probierten Shengs erfolgreich wiedererkennen kann. Und auch weil es mir einfach Spaß gemacht hat. :) Die Auflösung poste ich dann mit dem letzten Tee.

    Heute der erste Tee davon: 2024 ??? von TTpl :P

    Vom Geruch her wirklich sehr süß mit viel Tiefe. Nach kurzer Zeit dann auch spritzig fruchtige Gerüche. Alles untermalt von einer gewissen derben Note, die mich anfänglich Richtung (Lao) Mansa lenkte, hatte der letzte Mansa und der 2020er GFZ von Yu eben auch eine ähnliche Note. Geruchlich also schon mal sehr vielversprechend.

    Die Textur ist dünn bis mitteldick und leicht ölig. Angenehm auf jeden Fall.

    Geschmacklich gab es auch wieder sehr viel Süße. Gerade in den ersten beiden Aufgüssen war sie sehr präsent. Aber ab dem 2. Aufguss kam dann eine kernige Bitterkeit hinzu und wurde immer stärker. 2 und 3 noch bitter-süß mit an Grapefruit erinnernden fruchtigen Noten dann danach etwas beerig-bitter, wie Holunderbeere. Gegen Ende dann wieder etwas spritziger, so wie aufgewärmte Bitter-Lemon Limonade ohne Kohlensäure, auch wenn mir das manchmal so vorkam. Ein leicht prickeldes Gefühl hatte ich schon auf der Zunge.

    Da das Geschmacksprofil eher zum Laos Tee der diesjährigen Reihe passt und dieser wohl auch aus der Nähe zu Mansa / GFZ / Yiwu kommen soll ("Laos, but just less than fe kilometers from Yiwu border near areas Tong Qing He and Mang She Qing.") würde ich daher meinen finalen Tipp auf Laos setzen.

  • 2016 Ethereal von prUK

    Diesen Tee habe ich (wie der Name schon sagt) exemplarisch für subtile/ätherische Tees ausgewählt, die ich in letzter Zeit auch mal mit dem ROC Julunzhu getestet habe und muss sagen, so langsam zeichnet sich hier eine Tendenz ab. Dadurch, dass es hochgebrannt ist, geht es eher in Richtung der Zhuni-Kännchen als wie das Zini von Chen Ju Fang - das rundet doch deutlich mehr ab, gibt aber auch eine weichere, vollere Textur (was Zini von Ma Yong Qiang liegt da irgendwo dazwischen, jedoch näher an dem ROC Kännchen). Daher bevorzuge ich das von Chen Ju Fang für kräftige junge Sheng, das von Ma Yong Qiang für eher subtilere junge Sheng und das ROC tatsächlich eher für semiaged/aged Sheng (was bei mir bislang nahezu Zhuni-exklusiv war) - aber gerade bei den subtilen Sheng könnte man ja meinen, dass das ROC auch gut passen würde, warum da dann also das von Ma Yong Qiang? Weil hier das ROC manchmal etwas "over the top" ist: wie schon ein paar mal angesprochen kann es durchaus die Bitterkeit verstärken, da es hochgebrannt, mit ordentlicher Wandstärke und von kompakter Bauform ist - und das fällt gerade bei subtilen jungen Tees deutlich mehr ins Gewicht (da es das fragile Gleichgewicht bei subtilen Tees schnell mal stört), da bietet das von Ma Yong Qiang eine bessere Balance. Bei aged/semi-aged ist das "Bitterkeits-Risiko" geringer, daher kann es hier die Stärke des intensiveren Extraktionsverhalten ausspielen und gerade die angehenden Fermentationsnoten bei einem guten semiaged Sheng wie diesem hier kommen hier schön zur Geltung 😊

  • durchaus die Bitterkeit verstärken, da es hochgebrannt, mit ordentlicher Wandstärke und von kompakter Bauform ist

    Und es so die Bitterkeit durch sehr viel Wärmekapazität und guter isolierung fördert? Oder glaubst du, dass ein anderer Grund dahinter steckt?


    Heute bei mir: Unbekannter (oder vielleicht auch nicht) Tee Nr. 2 von den TTpl eigenmarken Shengs.

    Die trockenen Blätter rochen nicht so aussagekräftig leicht süßlich und etwas nach Heu. Es gab nicht so viel Tiefe, wie bei dem Tee gestern.

    Nass hingegen haben die Blätter meiner Meinung nach den Tee dann schon verraten. Sie rochen deutlich fruchtig, nach Orangen(schale) und später noch etwas cremig, wie ein Pudding mit Früchten.

    Die Textur war initial sehr dünn und wässrig, aber der Tee brauchte einfach etwas länger um wach zu werden. Später war die Textur etwas besser, wenn auch nicht so schön, wie bei dem gestrigen Tee.

    Geschmacklich war er nur leicht süß, aber auch wie im Geruch fruchtig und mineralisch. Auch hier wieder sehr orangig. Als hätte man einen sehr kleinen Tropen ätherisches Orangenöl in den Tee gegeben. Bitterkeit gab es dieses Mal nicht. Nur eine recht starke Trockenheit, die sich nach und nach aufbaut, aber am Ende dann doch recht stark ist.

    Beide Kriterien, Orangennoten und langsam aufbauende Trockenheit, kommen mir von dem Hua Zhu aus dem Vorjahr sehr bekannt vor und daher ist das auch mein Tipp.

  • Ein Nachtrag von gestern Nachmittag:
    Farmer Leafs Jingmei Miyun 2022: Vor einiger Zeit sprach ich mal davon, dass mich ein Tee aufgekratzt zurückließ. Dieser Tee ist das beste Beispiel dafür. In aller Regel fühle ich mich nach dem Genuß eines Tees fokussiert und ruhig oder aufmerksam und aktiv. Einige wenige Tees fühlen sich ausschließlich beruhigend an. Bei wieder wenigen anderen fühlt man ein Kribbeln oder so ähnlich. Dieser Tee ist zunächst sehr ähnlich der "aufmerksam und aktiv"- Gruppe. Dann wechselt das Gefühl zu einer Art Unsicherheit im Sinne von "Hatte ich heute noch einen Termin?". Manchmal dann zu einem stärkeren " Aber irgendwas ist doch". Nervös ist sicher ein zu starkes Wort.



    Heute:
    Ein Mengding Gan Lu 2024 ist der letzte Grüntee aus meiner Bestellung bei Teewald. Sonst sieht man den Teewald vor lauter Tee nicht.
    Aus dem angewärmten Gaiwan duften Blumen, gemähtes Graß trockene Erde und Holzspäne. Es hat einige Sitzungen mit vier verschiedenen Grüntees über die letzten Wochen gebraucht, um den Duft der Grüntees besser beschreiben zu können. Das feuchte Blatt erinnert stark an eine sich aufheizende Wiese nach dem Regen. Im Hintergrund versteck sich ein mit Süße assoziierter Duft, der sich nicht festnageln lässt.
    Das Koffein trifft einen sofort nach dem ersten ersten Aufguss. Ein starker Gegensatz zum Mao Feng aus dem Cha Dao, der es sanfter angehen lässt. Auf der Geschmacksebene löst der Gan Lu weitgehend ein, was durch den Duft versprochen wurde. Im Gaiwan kommen Graß und Blumen besser zur Geltung, während im Grandpa Style die Süße mehr durchkommt. Ein Coldbrew Anfang der Woche hatte diese erfrischende Darjeelingnote.



    Auch dieser Grüntee gefällt mir, besonders am Vormittag. Zeitgleich setzt eine Sättigung bei Grüntees ein. Ich habe noch etwas Long Jing aus diesem Jahr vorbestellt, aber dann ist es erst mal gut.

    Noch ein Gedanke der weniger mit den Tees direkt zu tun hat: Drachenbrunnentee oder süßer Tau Mengdings sind metaphorisch stark aufgeladene Namen über die ich mir kaum Gedanken mache, weil die Benennung vieler Tees einen regionalen Bezug hat und einen Mantel um bestimmte Zubereitungs- und Erntemethoden legt. Außerdem ist die Authentizität der Tees für den Endkunden fast unmöglich festzustellen.
    Hätte man mir in einer Blindverkostung Teewalds Mengding Gan Lu und Chao Daos Mao Feng mit der Aufgabe hingestellt, welcher davon zu der Bezeichnung süßer Tau passt, so wäre die Wahl auf den Mao Feng gefallen.
    Beim Drachenbrunnentee fehlt es hingegen an Assoziationen. Trinken Drachen aus dem Brunnen? Baden sie darin? Mögen sie die Gegend um den Brunnen? erinnern die Teeblätter an kleine Drachenschuppen und wie schmeckt das? Eine der Legende zur Namensgebung hab ich gelesen, nach der geht es nicht um die Metapher sondern die Geschichte, die ich mit Fruchtbarkeit des Anbaugebietes und dessen besonderer Stellung verbinden würde.

  • Das aufgekratzte Gefühl kenne ich. Habe ich bisher nur bei Sheng von jungen Bäumen beobachten können. Manchmal bekomme ich von solchen Shengs aber auch einfach nur starken Hunger.

    Yanchas lassen mich auch nicht so richtig gerade denken. Eher etwas durcheinander. Wobei sich das noch in Grenzen hält.

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