Welchen Tee trinkt ihr heute?

  • Doumerähnliche Ziehzeiten. ^^

    Ich erinnere mich da an die Teezui vor zwei Jahren, wo Doumer einige Pu Erhs vorgestellt hat. Da saß ich davor und fragte mich, wann denn nun endlich abgegossen wird ^^ War schon kräftiges Kraut.

    Da ich von beiden Pu noch ein halbes Sample habe, kann ich es nochmal versuchen. Wie wäre es mit 5 g und 15 Sekunden ziehen lassen? Aber das hatte ich ja schon, das war die Light-Version.

    Meine Herren, Pu-erh ist echt was für Tüftler. Der Tee macht es einem nicht leicht.

    Pu Erh ist definitiv etwas zum experimentieren. Am Ende weißt du am Besten, wie dir die Aufgüsse zusagen und kannst damit die weiteren beeinflussen. Vielleicht auch je nach Blattgut erst einmal ein längerer, um ggf. zusammenhängende Brocken zu lösen und nachfolgend kürzere? Da hilft nur ausprobieren und ein Gefühl für den eigenen Geschmack entwickeln. (Oder in gemeinsamen Runden trinken :S)

  • Da ich noch gefühlt hundertdrölfzig Pu-erh Proben besitze (ich habe sie nicht gezählt), ist Vorrat für eine lange, sehr lange Tüftler-Phase vorhanden. ;)

    Was mich etwas nervt, ist, dass ich zwar beim Duft etwas herausriechen kann, aber nullkommanull beim Geschmack herausschmecke. Meine Nase funktioniert offenbar besser als mein Gaumen. Obwohl, bei Oolongs und grünen Tees schmecke ich sehr wohl verschiedene Nuancen raus.

    Aber Pu-erh war bisher nur entweder " schmeckt wie Tee, kann man trinken", oder "schmeckt wie grausiger Tee, kann man nicht trinken ".

    Und dann lese ich die Beschreibungen von doumer und anderen, wie sie ein Dutzend Nuancen herausschmecken, und denke mir, ok, mein Gaumen ist für Pu-erh nicht gemacht, der kann da nix unterscheiden. Irgendwie ein bisschen frustrierend. Sonst kann ich doch auch bitter, süss, grasig, holzig, kräutrig, fruchtig und so weiter unterscheiden. Warum bei Pu nicht?

  • Dass andere so viel herausschmecken bzw. beschreiben können, liegt an der längeren Teereise mit Pu Erh. Das ist ganz normal. Es dauert bei jedem unterschiedlich lange. Doumer widmet sich ausschlißlich dem Pu Erh und trinkt schon sehr lange. Ich konnte anfangs auch nur schwitzige Socken erschmecken.

    Wenn du an dem Thema dran bleibst und auf die richtigen Tees stößt, die dir mehr liegen, dann klappt das schon. Auch hilft es mit anderen Personen zu trinken, da 2 Zungen mehr schnecken und andere Menschen teilweise auf Dinge kommen, die einem selber nicht einfallen. Gerade wieder auf der Teezui erlebt.

  • Doumer widmet sich ausschlißlich dem Pu Erh und trinkt schon sehr lange. Ich konnte anfangs auch nur schwitzige Socken erschmecken.

    Na, ich hoffe, doumer widmet sich auch noch anderem, nicht nur Pu-erh. ^^

    Das macht mir Hoffnung. Immerhin, schwitzige Socken hatte ich als Geschmack noch nicht.

    Ich bleibe dran.

  • Es wird langsam interessanter.

    Ma An Shan Sheng 2019 ( Cha-Dao), 2. Teil der Probe

    Ca. 5 g, bei etwa 95 Grad aufgebrüht, 3 Aufgüsse, 15,30,45 Sekunden lang gezogen.

    Die Aufgüsse verändern sich im Geschmack, sind intensiv, aber nicht unangenehm. "Schmeckt gut, nach Tee, kann man trinken." ;) Ich kann trotzdem keine Nuance näher definieren. Macht nichts. Aber der Weg stimmt. Eher weniger Pu-erh, also ca. 5 g für mein Kännchen, mit etwas weniger als 100 Grad aufgießen, bei 15 Sekunden anfangen. Ich nehme an, das ist dann ein leichter Aufguss, aber so kommt mir der Pu-erh eher freundlich entgegen statt mit der Keule.

  • Um wieder von dem ganzen Tee der Teezui runter zu kommen, heute nur etwas Weißtee, der bei mir eher eine geringe, dafür aber lange Wirkung hat.

    Der liebe Getsome hat mir drei Proben von weißem Tee mitgegeben und mich um meine ehrliche Meinung gebeten. Diese kommt hier nun zu Tee Nr. 1:

    Meiner Einschätzung nach handelt es sich hier um Shoumei. Die Blätter sehen eher gröber aus und der Knospenanteil ist relativ gering. Im ersten Bild ist die Probe von Getsome oben, dann folgt ein Shoumei aus 2014 und unten ein Pai Mudan aus 2024. Nicht immer eindeutig, bei den Weißtees, da es auch keine klare Grenze gibt.

    Leider war der Geruch nicht so intensiv. Er hat leicht pappig und kräutrig gerochen. Schon mal kein so guter erster Eindruck, jedoch ein weiteres Zeichen für einen Shoumei. Denn Pai Mudans riechen eher floraler / fruchtiger.

    Der Aufguss war erstaunlich dunkel und sah auf dem ersten Blick vielversprechend aus. (Zweites Bild oben) Im Geschmack zeigte sich dann jedoch, dass keine Süße vorhanden war und dafür recht viel Säure und Bitterkeit. Ich war erst irritiert, ob meine Geschmacksnerven nach dem Zähneputzen noch nicht auf der Höhe sind, jedoch zeigte sich dann später beim Trinken meines 2014er Shoumeis, dass dem nicht so ist. Aus dem recht frisch kräutrigem Geschmack, der fehlenden Süße und Holzigkeit schließe ich, dass dieser Shoumei nicht sehr alt ist. Da die Blätter trotzdem schon sehr braun sind, würde ich sagen, dass er schon brauner produziert wurde, wovon ich kein Fan bin. Oft werden so produzierte Weißtees dann mit einem viel höheren Alter verkauft.

    Es kann gut sein, dass der etwas größere Anteil an Bruch die Bitterkeit und Säure verstärkt haben. Da kann ich bei Weißtee nur empfehlen nicht wie bei Pu Erh seitlich den Tee abzubrechen, sondern in Schichten von oben nach unten.

    Zu guter Letzt habe ich meinen Shoumei aufgegossen um noch einmal eine Referenz zu haben. (Drittes Bild) Meine letzte Weißtee Session liegt nämlich schon länger zurück. Und es wurde gleich klar, dass der Geruch viel intensiver war. Er verströmte einen süßlich holzigen Geruch, gepaart mit etwas Kräutern und Frucht. Auch der Aufguss davon war nicht bitter, sondern holzig, süßlich, und kräutrig. Mir fehlt etwas die Textur, darin ist Shoumei leider nicht so gut. Dieser Tee hat mich dann im Gegensatz zum Tee von Getsome auch direkt im ganzen Körper gewärmt. Mein Kopf war auch kurz etwas benebelt.

    Mir gefällt Tee Nr. 1 nicht so gut. Sehr gereift ist er meiner Meinung nach nicht. Viel mehr möchte ich gar nicht bewerten. Ich habe noch etwas, um nochmal andere Parameter zu testen. Vielleicht ist er ja mit weniger Tee und längeren Ziehzeiten etwas besser. Alle Angaben ohne Gewähr. Ich habe hier nur meine Meinung in den Raum gestellt zu einem Tee, zu dem ich keinerlei Infos habe.

  • Weißtee Nr. 2 von Getsome :

    Rein von den Farben der Blätter her sieht dieser Tee schon deutlich besser aus, als Tee Nr. 1. Wie im ersten Bild zu sehen, links der erste Tee, rechts der heutige Tee. Die Farben vom ersten Tee wirken dagegen verblasst. Dieser Tee hat nicht ganz so viele Spitzen. Es sind jedoch auch ein paar feine Pickings dabei, bei denen nur eine Knospe und ein Blatt zu erkennen sind. Daher ist mein erster Gedanke, dass es sich hier um einen Blend handeln könnte.

    Alleine von dem Befüllen meines Kännchens hat sich schon ein süßlich, kräutriger Duft verbreitet, der mir Hoffnung gab. Die Blätter rochen anfangs süßlich, nussig. Das wandelte sich dann kurz darauf in ein Gemisch aus kräutrigen und fruchtig florale Noten. Erkennen konnte ich Brennessel, Zitronenmelisse und Fenchel. Die Blume und Frucht konnte ich nicht bestimmen. Alles aber deutlich intensiver, als beim gestrigen Tee.

    Auch geschmacklich fanden sich die Kräuter wieder. Leider verschwand die Süße nach 2 Aufgüssen, worauf die weiteren dann hauptsächlich nach Kräutern schmeckten. Ein wenig Holz und zum Schluss auch eine ganz leichte Bitterkeit waren auch noch vorhanden. Insgesamt aber viel runder und deutlich weniger sauer, als Tee Nr. 1.

    Dieser Tee hat mir daher deutlich besser gefallen. Die Komplexität im Duft sowie in den ersten Aufgüssen lassen mich weiterhin einen Blend vermuten. Das Alter dürfte höher sein, als beim ersten Tee.

  • PS: Die Blätter nach dem Entleeren des Kännchen waren doch schon recht groß und ledrig. Ich möchte nicht ausschließen, dass es sich um einen Weißtee aus Yunnan handeln könnte. Bei einem solchen Tee hatte ich auch schon einmal einen minzigen Geschmack wahrgenommen. Wobei der Geruch der Blätter für mich eher auf einen Weißtee aus Fujian passt.

  • Tee Nr. 3 von Getsome (Danke nochmal an der Stelle, hat mir Spaß gemacht die Tees ohne Vorwissen zu analysieren)

    Dieser Tee enthält deutlich mehr Knospen, weshalb ich von einem Pai Mudan ausgehe. Auch die Intensität der Farben sieht gut aus. Der Geruch ist süßlich, leicht blumig, etwas beerig und auch holzig, kräutrig. Direkt nach dem Waschgang jedoch, gab es noch eine kakaoartige Note, die allerdings nicht lange vorhanden war. Sehr schön und vielschichtig jedenfalls.

    Aus dem ersten Aufguss erhielt ich einen Tee, der recht herb und kakaoig war, wie es der Duft auch angedeutet hat. Im Nachgeschmack dann eine leichte Himbeernote. Leider waren die darauffolgenden Aufgüsse irgendwie leerer. Die Herbe Kakaonote verschwand und es stellte sich ein generischer Weißteegeschmack ein, der aber nicht spannend war. Allerdings habe ich etwas mit den Ziehzeiten und der Temperatur experimentiert und konnte mit deutlich geringerer Temperatur (ca. 80°C) und längeren Ziehzeiten (um die 2 Minuten) doch noch etwas aus dem Tee holen. Ich denke beim nächsten Mal werde ich direkt eine geringere Temperatur verwenden, es handelt sich hier ja immerhin um dünnere Blätter.

    Ich weiß noch nicht, wie ich den Tee bewerten würde, denn einerseits war der Duft der Blätter sehr schön und vielversprechend, andererseits konnte ich wenig davon im Tee wiederfinden. Aber es kann sehr gut sein, dass ich einfach nicht für diesen Tee die richtigen Parameter verwendet habe. Auch Porzellan könnte bei den eher feineren blumigen Aromen hier einen Vorteil haben. Durch den doch noch teilweise frischen Geschmack, würde ich von einem nicht allzu hohem Alter ausgehen. Im Einstelligem Bereich.

    Eine Runde kann ich mit dem Rest noch drehen. Mal sehen, wie die wird.

  • Mein Pour Over Set ist leider kaputt gegangen, dafür hat sich mal wieder eine Tee-Session ergeben. Heute mit dem Silver Needle Cake von Teekenner. Das Blattgut ist von 2019, ich habe ihn seit Anfang 2023 bei mir. Ob er sich entwickeln wird weiß ich nicht. Aber bisher hat er sich durchaus gehalten.

    Er ist recht unkompliziert, verträgt durchaus verschiedene Temperaturen und schmeckt floral-würzig bis kräuterig.

  • 1996 Jiang Cheng Tea Brick von TKK

    Ich habe heute eine Probe des Jiang Cheng Tea Bricks von TKK aufgegossen. Es ist ein Tee, der auch bei dem sehr heißen Wetter gut tut. Nach einigem Probieren habe ich die richtige Konzentration gefunden, bei der der Tee gerade nicht zu bitter ist. Dann ist der Geschmack ausbalanciert; ich schmecke eine Grundlage von Holz und Leder, darüber eine erdige Süße und ein Muskataroma; insgesamt ein voller Geschmack und ein angenehmes Mundgefühl.

    Der Tee ist sehr ausdauernd und gut zu trinken, gerade das richtige an einem Tag, am dem man viel schwitzt.

  • Ich bin nun bei den letzten Resten des Ku Zhu Shan Danzhu 2024 von Teewald angelangt. Die floralen Noten sind inzwischen verflogen und es kommen so langsam die ersten fruchtigen Reifungsnoten. Auch der Aufguss ist deutlich dunkler geworden, anfangs war er noch grün. Die Entwicklung ist nun im 2. Jahr sehr rasant vorangeschritten. Da der Tee von mir aber nicht für die Reifung gekauft wurde, halte ich mich nun ran.

    Die Textur ist schön dick, eine schöne Süße ist auch noch vorhanden und durch die Reifung ist er jetzt super rund. Eine Bitterkeit hat sich allerdings entwickelt, diese ist aber genießbar und nicht zu stark.

    Der Tee hat eine sehr milde Wirkung auf mich, was ich so an ihm mag. Er entspannt mich und gibt mir Energie. Aber nicht so viel, oder in einer Art, die mich aufgedreht werden lässt.

    Ich schließe also nicht aus mir noch einmal einen Kuchen davon zu kaufen. Aber erstmal habe ich einen anderen Tee im Visier...

  • Dieses Wochenende werde ich wohl leider die letzten Gramm eines erstaunlich vielseitigen Tees genießen, dessen 50 g ich in den letzten Wochen auf ganz unterschiedliche Weise erkunden konnte - Zeit, es in Wortform festzuhalten:

    Der Experimental Sencha von der Unearthed Gallery wurde leicht oxidiert und ist damit schon irgendwo auf der Abzweigung, sich nicht nur "withered" sondern vielleicht auch Oolong nennen zu dürfen. mich freut es, dass nicht immer alles eindeutig klassifiziert werden kann.


    Schon der Duft macht Lust auf die erste Tasse: Honig, Schokolade, Kirsche und feine nussige Noten steigen aus den Blättern auf. Bereits bei niedrigen Temperaturen um 60 °C zeigt sich der Tee von seiner cremigen und vielschichtigen Seite. Kakao, sanftes Umami und gebackene Süßkartoffel verbinden sich mit floralen Anklängen zu einem weichen, harmonischen Gesamtbild. In den folgenden Aufgüssen entwickeln sich zusätzlich fruchtige Noten von unreifer Birne und irgendwie auch Bananenpüree, begleitet von einer spannenden Würze, die an Gemüse, Pilze und frisches Grün erinnert.

    Mit etwas mehr Temperatur, zwischen 70 und 80 °C, legt der Tee spürbar an Fülle zu. Nun treten Aromen von Fruchtkompott, Vanille und Aprikose in den Vordergrund, getragen von einem beinahe panna-cotta-artigen Mundgefühl. Gleichzeitig gewinnen die würzig-vegetalen Noten an Präsenz, während die leichte Oxidation für eine angenehme Blumigkeit und süße Holzigkeit sorgt. Dennoch bleibt der Tee bemerkenswert ausgewogen und wird nicht bitter.

    Selbst westlich aufgegossen macht er problemlos mit: Hier erinnert er stellenweise an einen milden Darjeeling: süß-blumig, leicht malzig, mit feiner Fruchtsäure und dezenter Holzwürze.


    Diese Wandlungsfähigkeit kannte ich noch nicht und macht ihn für mich so interessant – je nach Zubereitung zeigt er immer wieder neue Facetten, ohne seinen Charakter zu verlieren.

    Vielleicht mach ich aus den letzten Gramm, die ich jetzt noch habe, noch einen Cold Brew... Vom Wetter her würd's ja passen

  • Ein lieblicher Vertreter -zarter fruchtiger Körper mit flüchtiger, nektarartiger Süße im unmittelbarem Nachgeschmack. Geschmacklich igendwo zwischen Klarapfel und Zitrusfrucht, etwas pflanzlich. Süffig.

    späterer Aufguss, etwas kräftiger, ... die Aromatik wird etwas breiter durch eine pflanzliche Herbe die nach vorne kommt.

  • Nein Manfred, stimmt, der Teename fehlt. Ich musste den Beitrag mehrfach bearbeiten, weil die Fotos und der Text nicht so wollten, und irgendwie ist der Name dann verloren gegangen.


    Also der Vollständigkeit halber, es war der Sanyangfeng Rougui von layzcat teas. 🙂

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!