Aged White DIY? - Ein Experiment

  • Huch, ist das spannend.

    Ohne das Gelesen zu haben, habe ich mir die letzten Tage auch schon die Frage gestellt. welche Lagermethode wohl zum "weiter-Agen" geeignet ist. Auf einer englischsprachigen Seite hatte ich gelesen, dass man bei losen Tees die alt werden sollen, auf Belüftung achten soll, also nicht die typisch dichte Dose, Da ich ein paar Tests machen will (natürlich nicht so anspruchsvoll wie du, dazu fehlt mir der Platz), habe ich mir einen Satz "Dosen mit Belüftung" gekauft und die Absicht gute Tees zu halbieren, eine Hälfte für den Direktgebrauch, die andere darf alt werden.

    Früher hatte ich einen Bai Mu Dan (Anfang der 90er) der war einfach nur fantastisch. Ich hatte damals circa 250 gr davon und der hat etliche Jährchen (min 12 Jahre) hinter sich gebracht, Er wurde in Ehren gehalten und zu Genießeranlässen getrunken. In einer einfachen Dose gelagert und ist meiner Ansicht nach immer besser und besser geworden. Seitdem hatte ich nicht mehr so guten bekommen, aber die Absicht, sobald ich fündig werde wieder reichlich zu kaufen, um ihn alt werden zu lassen. Leider bisher noch nix ; - (

    Erst bei der Recherche ob andere auch so eine Erfahrung gemacht haben, bin ich auf Aged White Tea gestoßen und habe mir den ersten bestellt. Der hat mich zumindest schon mal so begeistert, dass ich mir drei Kuchen nachgeordert habe. Mit der Absicht einen offen zu lagern, sprich in Papier, einen im Zip Beutel zu lassen - aber ab und an zu öffnen und den dritten verschlossen zu lassen bis zu dem auf der Tüte angegebenen MHD von Ende 31.

    Und jetzt bin ich gerade über dein Thema gestolpert. Echt klasse was du da so machst. Topp. Ich werde das Thema jetzt laufend verfolgen.

  • Zum Reifen werden die meisten Tees luftdicht gelagert. Pu Erh ist da so eine Ausnahme, dafür gibt es sogar einen eigenen Thread. Bei weißem Tee ist bisher auch die Devise ihn trocken und luftdicht zu lagern. Daher weiß ich nicht, ob deine Dosen mit Belüftung so eine gute Idee sind. Je mehr Luftaustausch über die Zeit passiert, desto mehr wird das Aroma darunter leiden.

    MHDs haben bei Tees eigentlich nichts zu bedeuten. Solange dort nur Teeblätter enthalten sind, kann die Tüte auch noch viel länger zu bleiben.

  • Herzlichen Dank. Der "alte Weiße" hat wieder seinen Weg in den Zip-Beutel gefunden ....

    Also besser alle Tüten von Anfang an geschlossen halten und keine Experimente diesbezüglich.

    Ich werde die Dosen mit Tees im mittleren Preissegment mal Testen, schwarz, weiß, und Oolong, nach einem Jahr kann ich sie dann beurteilen, wenn Aroma fehlt, kann ich dann ein wenig aufpeppen, oder Röstversuche starten, etc. Nachrösten machen die mit Oolong ja wohl auch professionell um wieder mehr Aromen rein zu bekommen. Mal schauen. Es sind 4 Dosen 9*7cm, also auch keine Pötte..

    Gibt es hier Empfehlungen für Bing-Tonkrüge? Bzw. wo man welche unkompliziert herbekommt?

  • oder Röstversuche starten, etc. Nachrösten machen die mit Oolong ja wohl auch professionell um wieder mehr Aromen rein zu bekommen.

    Soweit ich weiß, dient das Nachrösten bei Oolong vor allem dazu, dem Tee Feuchtigkeit "auszutreiben" , weil diese einer Lagerung in vor allem feuchten Klima eher im Wege steht. Grundsätzlich hat Röstung auf die Aromatik aber Einfluss.

    Das selbst Rösten ist gar nicht so leicht, bzw. dabei ein gelungenes Ergebnis zu erreichen. Aber es ist unterhaltsam, wenn man das über Stunden betreibt, ergibt sich dabei immer wieder ein herrlicher Duft in der Wohnung.

    Es gibt verschiedene Studien dazu, die eine Idee zu Temperatur und Dauer der Röstung geben. Einfach mal googlen. Hier wäre ein Beispiel.

    Gibt es hier Empfehlungen für Bing-Tonkrüge? Bzw. wo man welche unkompliziert herbekommt?

    Schwierig. Die sind gar nicht so häufig zu finden. Vor allem bezahlbare Varianten. ShuiTang hat glaube ich Tongefäße.

  • Gibt es hier Empfehlungen für Bing-Tonkrüge? Bzw. wo man welche unkompliziert herbekommt?

    Ich hatte mir bei Nan Yi Tee eine Dose aus Lila Ton gekauft = Jian Shui Zitao Teedose

    Die Dose ist ganz hervorragend verarbeitet und der Deckel schließt nahezu Luftdicht, sehr passgenau.

    Dort hatte ich auch https://nan-yi-tee.de/p/jian-shui-zi…wahrungsgefaessdieses gesehen, welches aktuell aber nicht auf Lager ist .


    Wenn du via Google nach Teedose lila Ton suchst, findest du einige passende Behältnisse, flache Dosen, wo z.B. ein Bing rein passt ..
    Auf Temu (= meine Mutter kauft dort gern mal) findet man sowas auch

  • Also besser alle Tüten von Anfang an geschlossen halten und keine Experimente diesbezüglich.

    Du darfst natürlich auch gerne Experimente machen, dann vergiss aber auch nicht davon zu berichten. ^^

    Ich denke solange nicht zu viel Luftaustausch stattfindet und es sich einfach nur um nicht super dichte Dosen handelt, hat weißer Tee damit keine Probleme. Oolongs sollen wohl bei zu viel Feuchtigkeit sauer werden, daher werden sie oft auch in versiegelten Töpfen gelagert. Mit Oolongs kenne ich mich aber weniger aus.

    Zum eigentlichen Thema:

    Weiterhin beschäftige ich mich noch damit, wie genau die Sensoren sind. Ob die eingestellten 62% auch wirklich ca. 62% sind

    Ich habe festgestellt, dass mir beim Hinzufügen der vor kurzem bestellten Sensoren ein Fehler in der Programmierung unterlaufen ist. Die Differenz der Messwerte beträgt jetzt nur noch ca. 3,5%, was bei den ganzen Toleranzen, Hysteresen und Drifts.mit der Zeit ein valider Wert ist. Trotzdem vertraue ich den neuen Sensoren mehr und werde die Sensoren in meinem Pumidoren mal austauschen.

  • Danke für eure Tipps. da ich einige Bings unterzubringen habe (12 cm Durchmesser) werde ich mir wohl den mal probieren. Sollte absolut dicht sein laut Beschreibungen und Bewertungen, ich lebe gern so plastikfrei wie möglich.... ich werde dann im Jahresabstand berichten ;)

  • Nach 1,5 Jahren in dem Pumidor habe ich nun zum ersten Mal den 2021er Shoumei getestet, den mein Bruder und ich im August 2023 gekauft haben.
    Dieser hat beim Kauf noch deutlich frischer geschmeckt, weswegen ich ihn als noch besseren Kandidaten für das Experiment halte.

    Hier zu sehen:

    Pumidor offen
    Pumidor in Tüte
    Zimmertemperatur in Tüte

    Der Unterschied zwischen dem bei Zimmertemperatur und dem bei 27°C gelagerten Tee war hauptsächlich die Farbe, diese ist auch im Bild leicht dunkler. Interessanterweise ist die Farbe von dem offen im Pumidor gelagertem Tee nicht so dunkel.
    Außerdem war der Tee aus dem Pumidor leicht runder, aber noch nicht bemerkenswert. Ich denke in ein, zwei Jahren wird sich noch etwas besser zeigen, welche der beiden Tees besser ist.

    Der Ausreißer ist der offen im Pumidor gelagerte Tee: Ich weiß nicht, ob es an dem ebenfalls im Pumidor lagernden Sheng, dem bis zu letzt ungenügendem Luftaustausch, oder generell an dem hohen Wassergehalt in der Luft lag. Jedenfalls hat er sich quasi in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Zwar war er nochmal deutlich runder, als der Tee aus der Tüte, dafür hatte er aber eine Gemüse-Note, die ich von dem 2024er Gorrena Wulong (aus Portugal) her kenne. Diese fand ich bei dem Sheng im letzten Tasing auch, nur nicht ganz so ausgeprägt. Er hat mehr wie ein Grüntee geschmeckt...
    Welcher Tee hier jetzt wen und vor Allem wie beeinflusst hat, lässt sich nicht sagen. Ich folgere auf jeden Fall, dass eine höhere Luftfeuchtigkeit den Aromatransfer begünstigt.

    Die offen gelagerten Tees werde ich weiterhin so lagern, auch wenn sich eigentlich schon gezeigt hat, dass es keine gute Idee ist verschiedene Tees offen in einem Pumidor zu lagern. Ich habe sie nun in einen Baumwollsack gewickelt, um generell den Aromaverlust bei den Tees zu reduzieren und schaue, ob das hilft. Ich denke in einem Jahr weiß ich dann wieder mehr.

  • Nach 2 Jahren Lagerung habe ich heute erneut den 2021er Shoumei probiert, der 2023 gekauft und in unterschiedlichen Bedingungen gelagert wurde.

    In der heutigen Runde konnte ich schon einen deutlicheren Unterschied erkennen: Der Tee, der bei erhöhter Temperatur in der Tüte gelagert wurde, scheint sich korrekt zu entwickeln. Er riecht leicht holziger und geht mit einem leicht fruchtig süßen Aroma schon etwas in die Richtung des 2014er Shoumei, der das Zielbild vorgibt. Der bei Zimmertemperatur gelagerte Shoumei war eher kräutrig (richtung Kamille, Fenchel), brotig im Gerucht und hatte einen leicht zitrischen Geschmack und ein leicht kratziges Gefühl am Gaumen, den der Tee aus dem Pumidor nicht hatte. Er war dagegen runder und hatte weniger dieser "high notes". Auch war er weniger kräutrig.

    Der Ausreißer offen im Pumidor gelagerte Shoumei hatte immer noch diese funkige Note, die auch durch die gesamte Verkostung hin vorhanden war. Er war zwar am rundesten von den drei Tees, allerdings kann man ihn nicht genießen. Es ist gefühlt jedoch schon besser geworden.

    Daraufhin habe ich auch nochmal den Sheng probiert, der sich entweder inzwischen korrekt entwickelt, oder aber inzwischen den Geschmack vom Shoumei aufnimmt, denn er schmeckte holziger und kräutriger als zuvor jedoch immer noch sehr komisch. Ich habe ihn also nochmal in einen weiteren Wrapper eingepackt und weiter vom Weißtee separiert.

    Es sieht also weiterhin so aus, dass Weißtee in den Tüten gut reift und von höheren Temperaturen profitiert. Bei unseren Breitengraden gelagerte Weißtee scheint sich nur sehr langsam zu entwickeln, vielleicht müssen wir die Zeiten des Sprichworts bei uns deshalb verdoppeln. 2 Jahre: Tee, 10 Jahre: Medizin, 14 Jahre: Schatz

    Von links nach Rechts, bzw. oben nach unten:
    Zimmertemperatur, Pumidor mit Tüte, Pumidor ohne Tüte


  • Moin David,

    das ist eine beeindruckende Serie an Experimente und eine sehr saubere Herangehensweise. Es gibt in China bereits künstliche Alterungstechnologien für weiße Tees - diese basieren auf eine unversiegelte, ventilierte Lagerung bei erhöhter Temperatur (45-50 °C) und niedriger Luftfeuchtigkeit (15-20 %) für 180 Tage. Das Ergebnis entspricht im Geschmacksprofil nicht ganz dem gewünschten Tee mit natürlicher Lagerung (versiegelt, RT, <60% Luftfeuchtigkeit), kommt dem aber nahe (deutlich süßer, nicht ganz so nach Kräutern).

    Die Studie kann man hier einsehen (wenn man akademischen Zugang hat) - in dem Zuge ist der Link hier evtl. auch interessant.

    Es gibt noch eine andere Veröffentlichung die sehr nahe mit deinen Bedingungen arbeitet bezüglich Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Ich würde den Autoren hier allerdings nicht weiter trauen als ich sie werfen kann da hier mit experimentellen Details gegeizt wird, es wird allerdings ebenfalls erwähnt, dass ein Luftwechsel wichtig ist um ein vernünftiges Ergebnis zu erhalten, was du ja auch bemerkt hattest.

    Um eine weitere Beschleunigung zu erreichen, könntest du evtl. auch probieren UV-C Lampen einzubauen oder das zumindest ein paar Stunden für eine Nachbehandlung verwenden. Das müsste eine nicht-enzymatische Autoxidation mit Sauerstoff rapide beschleunigen - wurde vor allem für den PuEr Bereich erforscht (hier ein Link - ist auch Open Access), da weißer Tee aber sehr reich an Polyphenolen ist und die Oxidation derselbigen ein wichtiger Teil der Alterung ist der sich auch auf den Geschmack auswirkt (Verringerung von Bitterkeit und Adstringenz).

  • Danke Gerrit, für die spannenden Infos!
    Ich denke eine Lampe werde ich nicht verwenden, aber vielleicht erhöhe ich die Temperatur mal, oder starte gar einen neuen Durchlauf mit noch höherer Temperatur und niedrigerer Luftfeuchtigkeit. Die scheint ja bei Weißtee ja echt viel geringer zu sein, als bei Pu Erh.

  • Etwas über 2 Jahre habe ich diesen Shoumei von 2019 nun in unterschiedlichen Bedingungen gelagert und heute habe ich ihn erneut getestet.

    Wie bei den Malen zuvor hat sich gezeigt, dass der bei Zimmertemperatur gelagerte Tee etwas frischer schmeckt, als der Tee aus dem Pumidor. (Den offen im Pumidor gelagerte Tee mal ausgenommen, dazu komme ich gleich noch)

    Auch der Unterschied in der Aufgussfarbe wird immer größer. Geschmacklich unterscheiden sie sich noch nicht so deutlich, dass ich sagen würde es lohnt sich für jeden Weißtee Fan einen extra beheizten Schrank zu bauen. Dass nach 2 Jahren auch schon ein Ergebnis feststeht, war ja aber auch nicht zu erwarten.

    Ein abschließendes Fazit würde ich jedoch schon für die These aufstellen, dass es sich lohnt für Weißtee analog zu Pu Erh einen Pumidor zu bauen, in dem auch die Luftfeuchtigkeit reguliert und auf, für Pu Erh schon recht trockene, 62% hält. Denn für Weißtee scheint das noch zu feucht zu sein.

    Der offen im Pumidor gelagerte Shoumei hat einen Beigeschmack von Apfelsaft und irgendwas, das mich an Plastik erinnert. Diese funky Noten, wie ich sie auch schon mal beschrieben habe, sind durch das Upgrade der automatischen Belüftung deutlich besser geworden, aber super toll schmeckt der jetzt nicht. Ich kann mir vorstellen, dass so feucht gelagerter Weißtee auch leckere Noten hervorbringen kann, das hat mir der Nannuo Weißtee gezeigt, den ich auch zeitweise darin gelagert habe und der jetzt eher beerig fruchtig schmeckt, was wiederum lecker ist. Aber dazu müsste man denke ich schon genau wissen, was man da tut und wie man ein gutes Ergebnis bekommt.

    Das Zwischenfazit lautet also weiterhin: Trocken lagern (<60%) in den üblichen Zip-Tüten und höhere Temperatur scheint die Reifung zu beschleunigen.

    Hier in den Bildern von Oben nach Unten:

    Pumidor ohne Tüte, Pumidor mit Tüte, Zimmertemperatur mit Tüte

  • Spannender Vergleich, gerade weil man nach zwei Jahren schon erste Unterschiede erkennt, ohne dass das Ergebnis gleich eindeutig ist. Ich lagere meinen Weißtee bisher eher trocken und hatte auch das Gefühl, dass zu viel Feuchtigkeit schnell in eine komische Richtung gehen kann. Diese Apfel- oder Plastiknoten würde ich jedenfalls nicht unbedingt haben wollen. 😄 Ich finde solche Langzeitvergleiche viel aussagekräftiger als einmal kurz probieren und daraus eine allgemeine Regel ableiten.

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