Ich möchte ein gesondertes Thema für meine Verkostungsberichte zum Thema Dong Ding starten.
In den letzten beiden Jahren habe ich in meinen Besuchen dort so viel Tee mitgenommen, dass sich eine Sammlung lohnt.
Auch möchte ich die Notizen zusammenhängend halten.
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Dong Ding ist ein vergleichbar niedriger Berg, der Gipfel ist nur knapp 800 Meter hoch. Dafür ist der Berg ein langgezogenes Hochplateau, die Teefelder liegen also alle auf relativ ebenem Gelände. Der Boden ist recht karg, was zu einer ausgeprägten mineralischen Note im Tee führt. An den umliegenden höheren Bergen verfangen sich die Wolken sehr einfach, so dass die Bergspitze eigentlich täglich in Nebel und Wolken gehüllt ist. Dies sorgt für eine natürliche Reduktion des Sonnenlichtes, ganz ohne Strohmatten.
Auf dem Berg liegen drei Dörfer, Yonglong, Zhangya und Fenghuang. Tee aus diesen Dörfern ist "Zheng" also Echter Dong Ding, der überwiegende Teil des am Markt erhältlichen Tees kommt allerdings irgendwo anders her und wird nur im Dong Ding Stil produziert. Über die Frage, was besser schmeckt, lässt sich trefflich streiten, bei Wettbewerben gewinnen jedenfalls regelmäßig Blätter aus dem echten Hochland, weil diese oft eine größere Geschmackstiefe bieten können.
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Blick von Fenghuang Richtung Süd-West
Dong Ding findet sich in mindestens zwei Varianten, die moderne, eher grün produzierte und nur minimal geröstete Variante, sehr stark inspiriert von den Gao Shan Oolongs und in der dunkleren, traditionellen Variante. Auch früher war Dong Ding dabei ein mittelstark oxidierter Tee, deutlich unterhalb von Tie Guan Yin und Bai Hao Oolong, die Definition von "mittel" hat sich über die Jahre aber ebenfalls nach unten verschoben.
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Blick von Fenghuang Richtung Lugu am Fuß des Berges
Manchmal findet man in Läden auch einen sehr stark oxidierten, aber nicht gerösteten Tee als "original" Dong Ding. Das hat damit zu tun, dass früher auf den Teefarmen nur Rohtee produziert wurde, die Endverarbeitung fand bei den Händlern statt, die spezialisierte Röstmeister vor Ort beauftragt haben.
Auf den Packungen findet sich als Erkennungszeichen oft der Qilintan See, ähnlich wie Packungen aus Alishan oft die berühmte Eisenbahn zeigen. Irgendwie habe ich es nie geschafft, hier anzuhalten, ich habe nur Schnappschüsse aus dem Autofenster.
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Tee Nr. 1, ein moderner Vertreter von Winter 2023
Die Blätter sind sehr grün, die Kugeln vergleichsweise groß. Weder optisch noch vom Aroma ist eine Röstung erkennbar.
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Im Aufguss zeigt sich der Tee sehr grün, im Aroma ist eine florale Note eher exotischer Blumen im Vordergrund, dazu eine frische Holzigkeit von gebrochenem Grünholz und Sternanis.
Im Geschmack herb-frisch, mit einer mineralischen Bitterkeit. Unreifes Steinobst, 5-Spice Gewürz und wieder eine gewisse Holzigkeit. Der Nachgeschmack ist bitter-süß und nicht erwähnenswert lang.
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Das interessanteste an dem Tee ist eine Geschmacksnote wie von einer lang gezogenen Fleischbrühe, die auch zu einem viskosen Mundgefühl führt. Dies gehört zu den Geschmacksnuancen, welche ich besonders schätze. Leider fehl es an Volumen und auch Süße, um diesen Geschmack passend zu unterstützen.
Ein geschenkter Tee, und ein gutes Beispiel dafür, wie grün produzierte Oolong in den etwas tieferen Lagen oft weniger aussagekräftig und eindimensional sind.
Auf zum nächsten Tee, dieser hält nicht den Abend durch...
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