Ziehzeit mit oder ohne Abgießen

  • Hallo,

    wenn bei der asiatischen Zubereitungsform z. B. 1 Minute für den ersten Aufguss angegeben wird, stellt Ihr den Timer auf 1 Minute oder auf 45 bis 50 Sekunden, weil der Tee auch noch abgeschüttet wird. Will heißen: Rechnet Ihr die Ausschüttzeit beim Ziehen mit rein? Wahrscheinlich macht es nicht son großen Unterschied, ich wollte einfach mal wissen, wie Ihr das so macht. Falls es die Frage schon gab, freue ich mich über den entsprechenden Link dazu.

    Viele Grüße

  • Ich würde sagen, die Ziehzeitangabe ist sowieso nur eine erst Orientierung, man muß sich daran auf keinen Fall sklavisch halten. Da spielen andere Dinge eine größere Rolle (z.B. die Abkühlung beim Umgießen des Wassers in die Kanne, und dies ist für jede Kanne anders).

    D.h. die Ziehzeitangabe ist ein möglicher Ausgangspunkt, dann kann man Aufgußtemperatur und Ziehzeit nach Gefühl variieren.

  • Hi,

    es kommt auch sehr auf den Tee an, wie Manfred schon schrob, ist die Angabe der Ziehzeit ja zunächst eine grobe Orientierung, sowie

    für mich auch die Wassertemperatur, probiere einfach mal damit herum und lasse deinen Geschmackssinn entscheiden.

    Bei empfindlicheren Sorgen wie Sencha und Co. ist bei mir die Zeit für das Abgießen in die Ziehzeit integriert,

    wenn ich z.B. mein 1. Aufguß vom Sencha 1 Min sein sollte, fange ich an bei ca. 30 Sekunden Ziehzeit den Tee abzugießen, dass er nach 1 Minute raus ist.

    Zumindest beim Sencha hatte ich vorher immer zu bittere Ergebnisse und war enttäuscht, bis ich das mal ausprobiert habe und es mir dann gut geschmeckt hat.

    Bei ein paar Chinesischen Grüntees macht es hingegen überhaupt nichts, wenn die mal etwas länger ziehen und werden dabei nicht bitter.

  • ich habe mir anfangs die Tees immer so zubereitet, wie auf den Packungen angegeben und war nicht immer begeistert und bin dann zunächst mit den Temperaturen runter gegangen.

    Auch wieder ein Beispiel: ein Shinsha (ich weiß leider nicht mehr genau welcher = schon aufgebraucht und Packung weg ^^) jedenfalls stand was von 80°C auf der Packung und der wollte mir einfach nicht schmecken. Dann bin ich runter auf 60° und auch mal auf 55° da entfalten sich zum Teil ganz andere Aromen, auch im Nachgeschmack.

    dann irgendwann kennt man ja seinen Tee :) Mein momentaner Lieblingsjapaner ist Sakura-No Sencha, ich nehme immer 3 bis 5 g auf ca. 150ml und mache mir 3 Aufgüsse (der 4. hatte mir meist kaum noch genug Geschmack)

    Als Kyusu habe ich ein Tokoname mit 230ml Volumen, wenn bis zum Rand gefüllt) - da ist 150ml eine recht gute Menge, bei Weißtee fülle ich da mehr rein, so dass ich auf 180 bis 200ml komme.

    1. Aufguß 60-65° C, (soll 60 Sekunden) - Abgießen ab Sekunde 30-35

    2. Aufguß 70° C ca. (soll 10 Sekunden) - Wasser geht schnell rein, Deckel drauf und direkt senkrecht gehalten ab in die Teeschale

    3. Aufguß entweder 60-70° C, aber ab und an (bin da gern mal ungeduldig in der Wartezeit, das Wasser abkühlen zu lassen) geht also auch mal 80-85°C

    und wieder Wasser rein, Deckel drauf und direkt abgießen.

    So hat sich das für mich entwickelt und der Tee schmeckt mir so am besten.

  • Wie misst ihr eure Teetemperatur? Beim Herumexperimentieren mit einem Thermometer fiel mir auf, dass selbst innerhalb der Tasse das Wasser teils bis zu 10 Grad unterschiedlich sein kann (von ganz oben zu ganz unten). Wärmt ihr die Tassen vor?

    Genau das.... Kännchen, Gaiwan, Tassen... alles wird vorher einmal mit warmen Wasser gefüllt. Dazu kann man gut den Waschgang nutzen. Ich gieße die meisten Tees mit kochendem Wasser auf, ansonsten reicht mir die Temperatur des Wasserkochers, beim Tetsubin geht das nach Gefühl. Wenn man etwas unter 100 Grad will, kann man gut aus einer gewissen Höhe aufgiessen.

  • Danke für den Tipp.

    Mir fiel auf, als ich rumexperimentiert habe: Kochendes Wasser hat bei mir auf 500 m.ü.M. ohnehin nur 98 Grad und wenn ich es in eine kalte Tasse giesse, verliert man ebenfalls bereits vier Grad. Also ohne vorgeheizte Tasse komme ich keinesfalls auf über 94 Grad Celsius. Das fand ich eine interessante Beobachtung.

  • Ich weiß, dass ich mich jetzt als Tee-Barbar oute, aber ich gieße meine grünen Tees (andere trinke ich zur Zeit nicht) mehr oder weniger nach Gefühl auf und zähle in Gedanken mit - z.b. bis fünfzig oder sechzig oder was auch immer unter einer Minute. Für die Wassertemperatur habe ich einen entsprechenden Wasserkocher mit 50, 60, 75 und 80 Grad-Einstellung, und ob das jetzt zwei Grad mehr oder weniger sind, die Teeschale bzw. die Kyusu angewärmt oder kalt ist, ist mir ziemlich egal und meinen Teesorten anscheinend auch.

    Bei den grünen Tees experimentiere ich hauptsächlich herum, wie heiß es ein guter grüner Tee verträgt (denn diese lauwarmen Aufgüsse kann ich nicht ausstehen), ohne über Gebühr bitter zu werden. Ein bißchen Bitterkeit im Hintergrund mag ich, aber nicht einen grünen Tee, der nur bitter schmeckt. Die guten (teureren) grünen Tees, vor allem die japanischen, haben alle ihre eigene Tee-Persönlichkeit und sind ziemlich eigen, und man muss schauen, wie man das Beste aus ihnen herausholt.

    Aber ansonsten mache ich keine Wissenschaft aus dem Tee-Zubereiten, weiß aber auch, dass ich damit ziemlich allein hier im Forum unterwegs bin. :) Denn die meisten befassen sich schon sehr intensiv mit ihrem Tee.

  • Ich weiß, dass ich mich jetzt als Tee-Barbar oute, aber ich gieße meine grünen Tees (andere trinke ich zur Zeit nicht) mehr oder weniger nach Gefühl auf

    Damit bist du bei weitem nicht alleine. Ich denke sogar, dass die Mehrheit das hier so machen dürfte. Während ich am Anfang noch einen Timer benutzt habe oder diesen gerade für Grünen noch nutzen würde, habe ich auch irgendwann auf Gefühl umgestellt.

  • Damit bist du bei weitem nicht alleine. Ich denke sogar, dass die Mehrheit das hier so machen dürfte. Während ich am Anfang noch einen Timer benutzt habe oder diesen gerade für Grünen noch nutzen würde, habe ich auch irgendwann auf Gefühl umgestellt.

    Okay. Ich hatte den Eindruck, dass hier doch viele sich sehr genau mit ihrem Tee gefassen, also wieviel Gramm von welcher Teesorte in welche Kanne, wieviel Minuten für welchen Aufguss und welchen Tee usw. Ich bin immer beeindruckt von einer so präzisen Vorgehensweise, weil ich halt gar nicht so der Typ dafür bin und eher intuitiv herumexperimentiere.

    Und dann dafür auch mal einen "mißlungenen" Tee brav trinke, dem irgendwas an meiner intuitiven Behandlung nicht gepasst hat. ^^

  • Die Fragen, die sich auf die exakte Zeit (mit oder ohne Ausgießen) oder die exakte Temperatur (mit oder ohne Vorwärmen der Kanne) beziehen, kommen immer von Anfängern, das ist die anfängliche Orientierungslosigkeit. Sobald man länger Tee trinkt, weiß man, daß alle Angaben sowieso nur eine erst Orientierung geben sollen.

  • Ich würde da rumexperimentieren, wie sich der Tee am besten macht. Am Anfang ist es eine gute Orientierung wie hier gesagt wurde. Denke wenn man sich mit Tee einige Jahre auskennt oder Monate, legt man irgendwann nicht mehr soviel wert darauf, sondern mehr auf den Tee Genuss und auf die Zubereitung an sich. Meine damit das ganze, wie zb. zur Ruhe kommen und einfach den Tee geniessen.

  • Eine ganze Minute wäre schon eine recht lange Zeit für "Asiatische Aufgüsse". Mit etwas Erfahrung macht man das einfach nach Gefühl und 5 Sekunden länger machen jetzt auch keinen großen Unterschied. Das wäre mir mit Stoppuhr echt zu umständlich. Da muss man keine große Wissenschaft draus machen:)

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