• Ich plane nun endlich meinen lang ersehnten Traum, einmal Japan zu bereisen.

    Am meisten freue ich mich einfach auf eine andere Kultur, viel gutes Essen, schöne Natur und hoffentlich (sehr wahrscheinlich) auch guten Tee.

    Ich geh mal stark davon aus, dass von euch bereits viele in Japan gewesen sind und würde gern mal wissen, gerade in Bezug auf Tee, ob ihr gewisse Shops, Orte, ggf. auch Teefarmen besonders empfehlen könnt?

    Ich würde richtig gern eine Teefarm besuchen und an einer Teezeremonie teilnehmen. Dafür hab ich bereits in einem andern Thread hier, folgende Empfehlung gefunden:
    Contact & Directions | Kyoto Obubu Tea Farms
    Das sieht auf jeden Fall viel versprechend aus, ggf. habt ihr ja noch weitere Tipps?!

  • Guten Tee zu finden fand ich in Japan immer nicht so einfach (im Vergleich zu Taiwan). Probieren im Teeladen ist da nicht so üblich wie in TW/China. D.h. man kauft die Katze im Sack, geblendet von der oft sehr schönen Verpackung. Die Japaner neigen auch dazu "ihre" Sachen von den Touris abzugrenzen, also Teezeremonie wirst du wahrscheinlich nur so Touri-Performances finden, denke ich.

    Teeutensilien findet man in vielen Hotels in den Zimmer, teils auch sehr schön (Kyoto z.B.), aber den Tee habe ich mir immer selber aus Taiwan mitgebracht :) Was Teekeramik usw. angeht ist Kyoto unschlagbar. Osaka kann man auslassen meiner Meinung nach, Tokyo ist immer eine Reise wert und so groß, daß man einige Besuche machen kann.

    Zu empfehlen ist die kühle Jahreszeit um die Onsen, heißen Quellen zu besuchen. Sehr geil, vor allem wenn man in die Berge fährt.

    Aber die Liste der zu besuchenden Orte ist in Japan viel zu lang...

  • JanS noch gibt es keine genauen Ziele. Wir sammeln gerade noch alle möglichen Optionen.

    Was fest steht, ist Tokyo.


    Bok sehr cool das es auf einigen Hotelzimmern bereits Teeutensilien gibt. Da bin ich mal gespannt. Werde mir denke trotzdem eine kleine Ausstattung mitbringen.

    Das es schwer ist guten Tee zu finden, hatte ich mir schon gedacht. Daher die Hoffnung auf Empfehlungen.

  • Dann fange ich mal mit ein allgemeinen Tips an:

    Besorge dir für die Reise eine japanische SIM Karte für Google maps zum Navigieren und raussuchen der Zugverbindungen, translate weil nicht in allen Geschäften hinreichend englisch gesprochen wird und google lens, weil zwar die Fahrkartenautomaten ein englisches Menü haben und die Züge/Metro englische Ansagen, aber die Liniennetzpläne nur auf japanisch sind. Der Fahrpreis bemisst sich nach der Strecke, du musst Start und Zielpunkt von der Karte ablesen und eine entsprechende Fahrkarte lösen.

    Ansonsten stehen an allen öffentlichen Plätzen hilfreiches Personal zur Verfügung, die man fast alles fragen kann.

    Wenn du nur ein paar Wochen fährst, wirst du viele Highlights zwangsläufig verpassen, du musst also im Vorhinein zwischen den Wunschzielen triagieren. Es ist aber insofern nicht schlimm, da die meisten Dinge, weswegen man nach Japan fährt eigentlich überall vorhanden sind. Japan ist (fast) überall landschaftlich wunderschön, gutes Essen gibt es auch flächendeckend und die Kultur ist überall auch mehr oder weniger da.

    Wenn es nicht "der schönste" Tempel und die "besonderste" Burg sein muss, gibt es Gärten, Tempel, historische Gebäude, Onsen, etc. in jeder Stadt in Hülle und Fülle.

    Ansonsten solltest du beachten: Japan ist groß, vor allem sehr lang. Selbst mit dem Shinkansen dauert es von Stadt zu Stadt, in den größeren Städten macht es zudem Sinn, auch innerhalb das Hotel zu wechseln. Von einem Ende von Tokyo zum Anderen dauert es über eine Stunde auf direktem Weg, wenn du nicht gut vorplanst, siehst du keine einzige Sehenswürdigkeit richtig, weil du die Zeit nur damit verbringst von einer Attraktion zur nächsten zu fahren.

    Zu Tokyo:

    Hier kann ich dir sagen, was ich persönlich mag, das ist aber nicht unbedingt das, was im Reiseführer empfohlen wird. Mir sind Shibuya und Shinjuku zu viel. Diese Menschenmengen brauche ich nicht, genau so wenig wie das berüchtigte Nachtleben dort. Man muss aber wohl einmal die berühmte Kreuzung und den Bronzehund anschauen.

    Zu den Aussichtstürmen, die sind natürlich empfehlenswert, aber das Wetter ist oft bedeckt. Also nicht erwarten, dass man das Panorama bekommt, dass im Prospekt ist. Ich würde am ehesten die Plattform im Metropolitan Rathaus empfehlen, die ist fast exakt genau so hoch wie Shibuya Sky aber kostenlos. Shibuya Sky hat den Vorteil, zum Sonnenuntergang geöffnet zu sein, der Skytree ist halt einfach mehr als doppelt so hoch wie die beiden anderen...

    Ansonsten mag ich Tsukiji, nicht nur den eigentlichen Markt, sondern das ganze Viertel.

    Und ganz besonders Ueno. Um den Ueno Park (der auch sehr schön ist) liegen die wichtigsten Kunst- und Geschichtsmuseen. Dieses Viertel ist sehr divers in der Gestaltung, von belebter Einkaufsstraße bis ruhigerer Ecke. Wegen dem direkt angrenzenden Campus der Tokyo University gibt es eine Vielzahl von kleinen Bistros, Kaffees, Bars und charaktervollen Läden, z.B. mehrere wirklich gute Teeläden. Entlang der Bahnstrecke von Ueno nach Akihabara gibt es Läden für jede Subkultur, die in Tokyo gibt. Hier habe ich z.B. Whisky direkt aus der Mikrodistillerie gekauft, es gibt Platten- und Musikläden,... Akihabara ist für seine Singles und Technerds bekannt, hier ist ein riesiges Ausgehviertel, das für die Maidcafees berühmt ist.

    Ich würde auch den Kiyozumi Park empfehlen. Das ist ein wunderschöner Garten aus der Edo Zeit mit einem tollen Teehaus. Es gibt da zwar nur den normalen Matcha wie sonst auch in Teehäusern, aber von der Aussicht gibt es in Tokyo wenig besseres.

    Es gibt in der Umgebung noch einige schöne Plätze für einen Tagestrip, wenn du interessiert bist.

    Ich würde auf dem Weg raus aus Tokyo einen Stop in Yokohama empfehlen. Das Hafenareal mit dem berühmten Red Brick Warehouse ist vom Bahnhof zu Fuß zu erreichen.

    Weiter am Strand ist mit Kamakura eine weitere wirklich sehenswerte Region sehr nah an Tokyo. Hier gibt es in Bezug auf Tempel, Buddha Statuen und Schreine mehr zu sehen als in einer Reise realistisch zu besichtigen ist, die Insel Enoshima, die wohl einer der schönsten Felsen der Welt ist, die Enoshima Electric Railway direkt am Strand entlang (kennen Animefans aus Slam Dunk) und meinen Lieblingsteeladen in Japan. Und man hat einen sehr schönen Blick auf den Fuji quer über die Bucht.

    Ich persönlich mag Osaka, das Flair ist einfach ganz anders als in Tokyo. Hier gibt es einige der besten Antiquitätenhändler und vor allem Antikmärkte, und extrem viel gutes Essen. In Nanba gibt es den Kuroman Ichiban, ein überdachter Straßenmarkt mit Spezialitäten, das ganze Viertel drumrum ist voll mit tollen Restaurants. Dontonburi ist auch ganz klar eine Empfehlung, vor allem Abends.

    Ich fand auch Kobe, vor allem das Viertel Sannomya sehr angenehm, noch mal etwas ruhiger. Awashi-shima mit der Akashi Kaikyo Brücke ist definitiv auch empfehlenswert. Von da aus geht es auch gut nach Süden weiter, Himeji mit der berühmten Burg ist nur ein Stück weiter die Küste runter.

    Zu Kyoto würde ich sagen: Alles was im Reiseführer steht. Uji ist sehr nah und neben dem Tee auch sehr pittoresk, wenn die Zeit reicht auf jeden Fall einen Ausflug wert.

    Ich kann gerne noch mehr schreiben, wenn du weist wann und wie lange du fahren willst, wie viel weiter nach Süden oder Norden du noch möchtest, oder ob mit Tokyo und Kansai der Reiseplan schon voll ist.

  • Ich würde auf jeden Fall einen langen Aufenthalt in Kyoto einplanen. Kyoto ist kleiner und übersichtlicher als Tokyo und hat ein exzellentes Bus- und Metronetz, mit dem man eigentlich zu allen Sehenswürdigekeiten kommt, auch nach Nara.

    In Kyoto bekommt man Tee aus Uji. Es gibt verschiedene Teegeschäfte. Bei Ippodo kann man auch Tees probieren, sie haben nicht nur einen Verkauf, sondern auch ein Teehaus. An einigen Stellen (z. B. in der Mall am Bahnhof) bekommt man Tee von Fukujuen, den ich sehr gerne trinke.

  • JanS vielen Dank für die ausführlichen Empfehlungen.
    Wir sind 2 Wochen in Japan. Ich fahre mit einem Kumpel der sich schon etwas auskennt.

    Bisher steht wie gesagt nur Tokyo fest, ich lass mich derzeit also noch inspirieren. Da kommen Empfehlungen wie von dir sehr gelegen.
    Ich muss jetzt auch nicht unbedingt die überfülltesten Gegend sehen und bin auch nicht so scharf auf Nachleben. Ich will auf jeden Fall das Stadtleben dort kennenlernen. Aber hoffe auch viel Natur und einige ruhigere Orte zu sehen. Normalerweise sind meine Urlaube eher so der Stil “einsames Schwedenhaus am See”, als Ausgleich zum täglichen Leben in der Stadt.

    Ein reiner Großstadturlaub soll es also auf jeden Fall nicht werden.
    Vermutlich ist es aber recht schwierig irgendwo ländlich Unterkünfte zu finden.

    Hast du vllt noch Empfehlungen für Teeläden oder Ähnliches?

  • Du kannst auf jeden Fall über booking.com auch in vielen ländlicheren Bereichen noch was finden.

    Im Oktober fahren wir nach Tohoku, da ist fast alles ländlich.

    Da du auch eher ruhig suchst, Shibamata im Nord-Osten von Tokio direkt am Edofluss ist sehr empfehlenswert. Dass ist ein sehr dörflich anmutender Stadtteil und dort gibt es einen Tempel, dessen Außenwand umlaufend mit großflächigen Holzschnitzereien verziert ist (mit einem sehenswerten Garten)

    Wenn du dich traust selbst zu fahren, kannst du den Autoverrückten folgen. Die berühmteste Bergstraße Japans ist der Hakone Turnpike, abgesehen von den Straßenrennen führt der nämlich in eine wunderschöne Bergregion mit dem besten Blick auf den Fuji überhaupt. Am Ende der Straße liegt der Ashinoko See, auf dem man eine Bootstour machen kann und von dort geht auch die Ashinoko Skyline Straße weiter, von der man sogar noch einen besseren Blick auf den Fuji auf der einen Seite und auf der Talseite bis zum Meer runter hat.

  • Hast du ein Lieblingsgeschäft?

    Ein Lieblingsteegeschäft habe ich eigentlich nicht. Ich habe den meisten Tee in Kaufhäusern gekauft, besonders von den Marken Fukujuen und Itoen.

    Dann habe ich aber bei einem Aufenthalt Christian ( cml93 ) getroffen uund bin mit ihn zu "seinen" Teebauern gefahren. Das war sehr spannend und ich habe von dort sehr guten Tee mitgebracht. Hier ist ein Reisebericht. Leider ist die Anordnung der Bilder nicht mehr ideal, bedingt durch den Wechsel der Communitysoftare.

    In Kyoto kann man auch das GEKKEIKAN Sake-Museum (mit Sake-Verkauf) im Ortsteil Fushimi besichtigen und Sake probieren. Die Umgebung dort gefällt mir gut.

  • JanS selbst zu fahren trau ich mich jetzt nicht so wirklich. Aber ich fahr eh ungern Auto.
    Vielen Dank mit dem Tipp auf Booking.com zu schauen, mal sehen was sich finden lässt.


    Manfred dann werd ich nach den Marken mal etwas Ausschau halten. Die Tees von Christian find ich super. Dort bestelle immer meine 2-3 Dosen Matcha pro Jahr. In den Reisebericht werde ich mal reinschauen Danke!

  • Teafriend of mine just went to Japan – impossible to find better quality Matcha. All out of stock. More troubling is what I heard from another source is that Japanese tea merchants also produce Matcha in China... of course then packaged in Japan, so origin becomes Japan. Better skip buying until the craze fades.

  • Nochwas zu bedenken, gerade aus Tokyo zurück: gefühlte 37 Grad ist echt krass in Japan. Geht, wenn man Taiwan gewöhnt ist, allerdings ist die Infrastruktur in Japan (und die Japaner) noch nicht eingestellt auf die neuen Realitäten...

  • Irgendwann gewöhnt man sich a die Hitze. Aus Taiwan kommend, fanden wir es zwar heiß, aber sind noch lange nicht so in Schwitzen geraten wie die Japaner.

    Man merkt auch, daß die Formalitäten immer mehr fallen gelassen werden in punkto Kleidung. Nackte Füße in der Großstadt war eigentlich bis vor ein paar Jahren meist nur Touristen vorbehalten ;)

    Kimatisiert ja, aber bei weitem nicht überall und die alten Holzhäuser sind auch nicht darauf ausgelegt.

  • Ich war im November 2017 und im Februar 2026 jeweils drei Wochen in Japan unterwegs.

    Bei meiner ersten Reise 2017 war ich jeweils eine Woche in Tokio, Kanazawa und Kyoto. Auf der zweiten Reise 2026 habe ich zwölf Tage auf Kyūshū verbracht (Aso-Region und Takeo-Onsen-Gegend) und zehn Tage in Tokio.

    Kyoto würde ich inzwischen meiden – schon 2017 war mir die Stadt viel zu voll, und das hat sich sicher noch verstärkt. Außerdem ist die Infrastruktur dort wirklich schlecht. Für das klassische „alte Japan“-Gefühl würde ich eher Kanazawa oder kleinere Städte empfehlen – dort erlebt man Tradition authentischer und ohne Touristenmassen.

    Onsen kann ich absolut empfehlen. Wir waren im Februar 2026 zwölf Tage mit dem Auto auf Kyūshū unterwegs, inklusive Aufenthalt in einem traditionellen Ryokan – das war einfach fantastisch. Man kann dort an jeder Ecke private Onsen für etwa 5 bis 12 Euro pro Stunde mieten. Sag einfach Bescheid, wenn du dazu Infos brauchst.

    Generell finde ich mittelgroße Städte spannender. Die großen Orte auf der sogenannten „Goldenen Route“ (Tokio, Kyoto, Osaka, Nara) sind komplett überlaufen. Meiner Meinung nach kann man dort das Land kaum mehr genießen. Traditionelle Straßen, Restaurants oder Tempel findet man ohnehin im ganzen Land – dafür muss man nicht auf die Touristen-Hotspots.

    Dieses Jahr war ich außerdem einen halben Tag in Ureshino und habe dort zehn Teehändler und -hersteller besucht. Ich war auf der Suche nach japanischem Schwarztee, für den Ureshino bekannt ist. Das war ein tolles Erlebnis – direkter Kontakt zu den Bauern, die überrascht waren, dass ein westlicher Besucher an einem regnerischen Dienstagnachmittag kurz vor Ladenschluss vorbeikommt. Man ist dort ganz nah am Tee und es macht einfach Spaß. Die Stadt entwickelt sich immer mehr zu einem Tee-Erlebnisort – je nach Jahreszeit kann man Teeverkostungen auf den Plantagen oder Teezeremonien fernab des Massentourismus erleben.

    Meine Empfehlung: Wenn möglich, unbedingt abseits der üblichen Routen reisen und ein Auto mieten. Linksverkehr ist halb so wild – die meisten fahren sehr entspannt, und fast alle Autos haben Automatik. Das hat uns viele spannende Orte ermöglicht.

    Für guten Tee braucht man keine teuren Läden – einfach in einer beliebigen Shōtengai (Einkaufsstraße) nach einem örtlichen Teegeschäft schauen. Dort bekommt man hervorragenden Tee zu super Preisen.

    Meine Top-Tipps:

    1. Die Goldene Route meiden – einfach zu voll.
    2. Ein Auto mieten – gibt viel mehr Freiheit.
    3. Lieber kleinere bis mittelgroße Städte besuchen (außer man mag den Trubel von Tokio).
    4. Reisezeit gut planen – Ferien, Feiertage und Wetter beachten! Sommer und Regenzeit braucht wirklich niemand. Ideal sind November und Dezember mit angenehmem Klima und wunderschönem Herbstlaub.
    5. Tee Keramik günstig auf dem Trödel oder 2nd hand store (HardOff, 2nd street, etc.) kaufen.
    6. In Tokio eine Bootsfahrt mit Nihonbashi Cruise machen. Mein diesjähriges Highlight.
    7. Trader Vics Tokyo: Tiki Feeling pur und beste drinks. (auch wenns nix mit Tee zu tun hat)
    8. Eine Fahrt mit einem D&S Zug für eine luxuriöse Erfahrung abseits eines DB Debakels.

    Melde dich gerne, wenn du genauere Tipps brauchst.

    Cheerio!


    P.s.: Die 4 Kyūsu habe ich zusammen keine 10 € gezahlt auf den Trödel.

  • Noch ein Nachtrag: Inlandsflüge sind extrem günstig. Wir haben mit Skymark von Fukuoka nach Haneda inkl. 1 Aufgabe gepäck udn 2 Handgepäckstücke nur 55€ gezahlt. Bei Peach hat uns das selbe Retour auch nur 95 € gekostete. Deutlich biliger als die Bahn und man ist auch mit seinen Zielen sehr flexibel. Als nächstes wolle wir Okinawa und Hokkaido kombinieren.

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