Wasserfilterprojekt 2026

  • Achtung, langer Text folgt

    Die Idee, meine (Tee)wasserversorgung neu zu gestalten hatte ich schon länger.

    Zum einen will ich weg von gekauftem Wasser, insbesondere von Plastikflaschen, zum anderen brauche ich nicht "ein" Wasser, sondern möchte die Möglichkeit haben, mir ohne größeren Aufwand je nach Teesorte das passende Wasser mischen zu können.

    Und nachdem ich in Bezug auf meine Teepräferenzen gesetzt bin, ich meine Lieferanten zusammen habe, die Lagerhaltung organisiert ist und die Sammlung an Teekeramik weitgehend steht, brauche ich auch ein neues Experimentierfeld...

    Ein weiterer, und am Ende auch der den entscheidenden Ausschlag gebende, Punkt ist, dass ich zu Hause jetzt mehrfach den Geschmack von Tee nicht reproduziert bekommen habe. Ein japanischer Grüntee, den ich wegen dem außergewöhnlichen Nachgeschmack gekauft habe, konnte genau diesen bei mir zu Hause nie zeigen, gleiches gilt für vor allem für einige Pu Erh und Hei Cha. Auch hier konnte ich Schlüsselelemente an meinem Teetisch nie befriedigend herauskitzeln. Da es sich um viele Tees, von verschiedenen Händlern, sogar aus verschiedenen Ländern, handelt, konnte das nur an den Bedingungen bei mir liegen.

    Bei Oolong war die Diskrepanz gefühlt kleiner, aber nach meiner letzten Rückkehr aus Taiwan muss ich auch hier konstatieren, dass es doch einen über das hinnehmbare Maß hinaus gehenden Unterschied gibt.

    Die Recherche nach geeigneten Filtern hatte ich schon vor Monaten angefangen, die in näheren Betracht kommenden Optionen hatte ich auch recht schnell zusammen. Jetzt geht es an die Umsetzung. Dabei werde ich, nachdem der Start jetzt gemacht ist, iterative Änderungen vornehmen um diverse Verfeinerungen/Anpassungen zu testen.

    Allerdings bin ich mit dem jetzigen Stand schon sehr zufrieden, mal sehen wie weit das noch weiter zu optimieren ist.

    Verworfen hatte ich direkt zu Beginn eine Umkehrosmoseanlage. Nicht, weil ich Zweifel an der Eignung hatte, sondern weil ich vorerst ohne große bauliche Änderung auskommen wollte und sich an diesen Anlagen als Komplettlösung eben nicht herumspielen und experimentieren lässt, was ja Teil meines Projektes sein soll.

    Gegenüber meinem zuerst angedachten Konzept hat sich schlussendlich eine Änderung ergeben: Auf meiner letzten Taiwanreise habe ich einen Tonkessel mitgebracht. Der war eigentlich als Alternative zu meinem Tetsubin gedacht, um hier je nach Tee variieren zu können. Die Beeinflussung dieses Kessels ist deutlich, er bringt mehrere Charakteristika ein, von denen mir unabhängig von der Teesorte einige gefallen, einige eher nicht. Die Beeinflussung lässt sich aber auch erreichen, indem ich den Kessel zur Lagerung und nicht zum Kochen verwende.

    Zu Beginn des Experimentes habe ich zuerst ein paar Tees mit nur Britagefiltertem Leitungswasser gemacht, Ergebnis: Alle eigentlich untrinkbar.

    Leitungswasser + Brita + Tonkessel für einige Stunden hat dagegen bereits merklich besser funktioniert. Pu Erh kommt mit härterem Wasser ja grundsätzlich besser zurecht, das ging in diesem Setup. Auch grüne Tees waren durchaus genießbar. Der oben erwähnte Nachgeschmack etwa war deutlich prägnanter. Das hat mir gezeigt, dass ich hier keinen Fehlkauf getätigt habe.

    Mit einer weiteren kleinen Ergänzung bleibt dieser Teil der Wasserbereitung jetzt erst mal so: Ich habe ein Stück Binchotan Kohle in den Kessel gelegt. Ich denke nicht dass das eine wirklich signifikant messbare Filterwirkung hat, rein geschmacklich hat das aber das Wasser noch mal etwas süßer gemacht und den Mineraliengeschmack weiter reduziert.

    Mit diesem Wasser könnte ich für viele Tees bereits leben, außer für Oolong. Einige Randbedingungen werden zwar sehr stimmig, der Aufguss ist sehr klar, das Mundgefühl weich und voll, die Intensität des Tees ist im Nachhall spürbar, das Aroma ist erstaunlich stark, dafür ist der Geschmack unterdrückt. Im Gegensatz zum reinen Leitungswasser und dem Tonkessel allein sind nach der Ergänzung der Kohle zwar keine Fehltöne mehr vorhanden, dafür ist der Eigengeschmack des Tees durch irgendeine Überlagerung wie weggewischt.

    Zeit für das eigentliche Kernstück meines Experimentes: Ein Keramikfilter. Diese Zisterne hatte ich schon seit letztem Jahr im Auge, als ich begonnen habe nach Wasseraufbereitungsanlagen zu recherchieren. Zwei große Pluspunkte hier, das Ding sieht gut genug aus, um sich ins Wohnzimmerambiente zu integrieren. Und hätte das Wasser für Tee nicht getaugt, wäre das Wasser eben einfach nur so getrunken worden, die Filterwirkung auf alle möglichen Rückstände ist ja grundsätzlich vorteilhaft.

    Das Filterprinzip ist relativ simpel, der Keramikstab hat extrem feine Poren, durch die das Wasser zwar sehr langsam durchsickert, fast alle im Wasser gelösten Stoffe aber zurückgehalten werden, Die Patrone ist zudem noch mit Aktivkohle gefüllt. Es ist also ein klassischer Gravitationsfilter, allerdings in einer schönen Hülle. Und Keramikunikate sind an meinem Teetisch immer willkommen.

    Beide Filtermedien sind in der Wirkung wissenschaftlich belegt und liefern messbare Ergebnisse, der Filter ist entsprechend zertifiziert. Das hebt diese Zisterne deutlich von der Vielzahl der Wasserfilter ab, die ich mir im Zuge der Recherche ansehen durfte. Die Menge an Esoterikmumpitz, die man rund um Wasser findet ist erschreckend.

    Zum Stand heute: Momentan mische ich beide Wasseraufbereitungsmethoden 50:50. Das hat den Hintergrund, dass ich das Wasser momentan rein olfaktorisch bewerte. Es ist einfacher, subtraktiv zu bewerten, also zu schauen was wegfällt, als zu erschmecken ob etwas neues dazu kommt. Reines "Ton"wasser kenne ich ja schon, in der Mischung geht von den positiven Eigenschaften nicht ausschlaggebend viel verloren. Die Menge an Mineralien in der Mischung ist ausreichend, um den Tee über den Ausgangsstatus (altes Wasser) zu heben. Das gilt für alle Metriken.

    In der Mischung wird über alle Tees das Volumen, die Weichheit und die Klarheit noch einmal besser, der Nachgeschmack klart auf. Oolong ist jetzt ebenfalls auf hohem Niveau, obwohl ich denke, dass hier ein etwas angepasstes Mischverhältnis Richtung Zisterne noch bessere Ergebnisse bringen wird. Das lässt sich ja aber in diesem Setup feinsteuern.

    Die nächsten Schritte: Ich habe eben Wasser aus der Zisterne in den Tonkessel umgefüllt. Ich will sehen, ob halb-halb das Gleiche ist wie doppelt.

    Über die Woche werde ich einfach weiter trinken und evtl. das Mischverhältnis etwas variieren. Nächstes Wochenende steht ein Gang zur Quelle an. Das Quellwasser hatte ich früher für eine Zeit mal ausschließlich verwendet, es ist aber leider etwas zu Mineralhaltig. Pur getrunken sehr lecker, aber nicht optimal für die Teezubereitung. Nachdem ich mich dann an meine Filter gewöhnt habe, will ich probieren, ob dieses Wasser auf die eine oder andere (oder beide) Arten aufbereitet eine Verbesserung zum Leitungswasser bringt.

    Das sollte dann das Ende des wirklich zielorientierten Teils meines Wasserexperimentes sein. Darüber hinaus will ich dann, nachdem die Parameter weitgehend feststehen noch einen etwas wilderen Experimentierteil anschließen. Meinem Leitungswasser werde ich dann noch mit einem selbstgebauten Filter zu Leibe rücken um ein sehr stark demineralisiertes Wasser zu bekommen. Dass könnte ich wie gesagt auch mit einer Umkehrosmoseanlage bekommen, aber ein bisschen rumbasteln macht einfach mehr Spaß.

    Ich werde hier über den Fortgang berichten.

  • Kann man die Filter dann reinigen, oder tausch man die dann ganz aus? Und wie oft muss das dann gemacht werden?

    Ich selber habe einen einfachen Wasserfilter für mein Leitungswasser. Anhand des Vorfilters, der weiß ist, konnte ich in Hannover noch regelmäßig die kleinen Partikel erkennen, die alleine dieser gefiltert hat. In der neuen Wohnung ist das Wasser jetzt viel sauberer, der Vorfilter fängt schon viel weniger Partikel auf. Gleichzeitig ist es auch viel weicher. Über mein Vorgehen, will ich auch noch was schreiben. Muss aber noch etwas experimentieren.

  • Wenn der Filter beginnt sich außen zuzusetzen, sprich eine dunkle Verfärbung annimmt, kann man ihn mit einer harten Bürste abschrubben.

    Die theoretische Kapazität ist 10.000 l. bei Leitungswasser und ist natürlich abhängig von der Partikelmenge im Wasser. Bedeutender in der Praxis dürfte die Lebensdauer der Aktivkohle sein. Es wird vom Hersteller empfohlen, den Filter nach 2 Jahren zu tauschen. Der Ersatzfilter ohne Zisterne kostet dann 25 Euro, das halte ich für vertretbar.

  • Bei mir wird der Filter denke ich immer im Wasser sein. Der Durchfluss ist deutlich langsamer als bei den Britafiltern. Ich habe es noch nicht geschafft, das 12 Liter Reservoir komplett voll zu bekommen, obwohl jeweils nur 1,5 Liter zu filterndes Wasser über den Filter passen. Dafür nehme ich trotz regelmäßigem Nachgießen einfach zu viel Wasser raus.

    Gegen die Bakterien ist aber auch noch eine Silberbeschichtung im Filter.

  • Das Thema interessiert mich auch sehr. Gibt es empfohlene Wasserwerte für die unterschiedlichsten Tees? Sind auch die Inhaltsstoffe des Wassers von Interesse oder ist die Betrachtung der Härtegrade schon ausreichend?

    Ich habe zuhause sehr hartes Leitungswasser 320µS/cm, GH15,7°dH, KH 3,0°dH und da ich beruflich mit Trinkwasseraufbereitung zu tun hatte, bin ich das Thema direkt mit einer Osmoseanlage angegangen. Der Aufbau meiner Anlage: Feinfilter 20µm, Aktivkohlefilter, Osmosepatrone.

    Für Grünentee, Darjeeling Weißtee, usw. benutze ich zurzeit 100% Osmosewasser,22µS/cm, GH 1,1°dH, KH 0,9°dH, für Oolong, Pu-Erh. 33% Leitungswasser 67% Osmosewasser 130µS/cm, GH6,6°dH, KH5,5°dH. Damit bin ich bisher gut zurechtgekommen. Eine geschmackliche Versuchsreihe mit unterschiedlichen Tees und verschiedenen Wasserwerten habe ich bisher noch nicht durchgeführt. Dass möchte ich in naher Zukunft aber machen.

  • Sehr interessantes Projekt von dem ich mich gerne inspirieren lasse. Danke, dass du die Infos so ausführlich teilst.

    Für den Anfang hätte ich drei Punkte in eignen Worten formuliert, des richtigen Verständnisses wegen.
    a) Beide Gefäße sind innen nicht glasiert, weshalb sie Mineralien an das eingefüllte Wasser abgeben. Der unterschiedliche Ton führt zu einem unterschiedlichen Ergebnis. Füllst du in beide Gefäße Wasser aus der selben Quelle (Wasserhahn, Quelle, etc?)
    b) Das Wasser aus der Zisterne fließt erst mit geöffnetem Hahn durch den Keramikfilter, oder?

    c) Der Britafilter nimmt viel "weg". Dadurch möchtest du genauer sehen was jedes der Tongefäße für sich "gibt". ist der Britafilter für den Alltagsbetrieb vorgesehen? Die letzten beiden Absätze legen ein nein nahe.

  • Gibt es empfohlene Wasserwerte für die unterschiedlichsten Tees? Sind auch die Inhaltsstoffe des Wassers von Interesse oder ist die Betrachtung der Härtegrade schon ausreichend?

    Ich denke, Übereinstimmung herrscht bei der Feststellung, dass das Wasser grundsätzlich "weich" sein sollte, selbstverständlich ohne Zusätze wie Chlor etc., ph neutral und eher sauerstoffreich.

    Es ist öfters zu lesen, dass bei der Härte das im Wasser gelöste Calcium entscheidender ist als das Magnesium. Das kann ich (noch) nicht bewerten.

    Der genaue Härtegrad ist auch abhängig vom Geschmack. Je weicher desto klarer, präziser und ausdifferenzierter wird der Geschmack. Im Gegenzug sinkt mit der abfallenden Härte das Volumen, Aroma, Nachgeschmack und Intensität. Wirklich mineralarmes Wasser macht Tee also "dünn", "flach" und somit evtl. gefühlt "tot".

    Für verschiedene Sorten kann das individuelle Optimum unterschiedlich sein. Bei Grüntee kommt der Umamigeschmack in sehr weichem Wasser besser hervor, dafür verliert der Tee an Frische - wieder eine Präferenzsache. Pu Erh kommt meiner Erfahrung nach mit deutlich härterem Wasser gut zurecht, bei Oolong finde ich persönlich meistens das weichere Wasser besser.

    Ich denke ich würde für die meisten Tees auch sehr gut mit Osmosewasser, evtl. mit einem Schuss Quellwasser zurecht kommen. Aber wie gesagt, ich möchte experimentieren

  • a) Beide Gefäße sind innen nicht glasiert, weshalb sie Mineralien an das eingefüllte Wasser abgeben. Der unterschiedliche Ton führt zu einem unterschiedlichen Ergebnis. Füllst du in beide Gefäße Wasser aus der selben Quelle (Wasserhahn, Quelle, etc?)

    Die Zisterne ist innen glasiert, das ist also nur durch den Filter beeinflusstes Wasser. Im ersten Schritt kommt in alles das gleiche Wasser, das ist im ersten Aufbau die Konstante, damit ich über iterative Änderungen die Einflüsse jedes einzelnen Bausteins im Filtersystem bewerten kann. Zu viele Variablen gleichzeitig macht den Aufbau schwierig nachvollziehbar.
    Der Kessel ist unglasiert um die Auswirkungen des Tons als Filter zu testen. Ich hatte mir vorher auch Zisternen aus Terracotta angesehen, die hätten dann in vernünftiger Qualität aber wieder xxx € gekostet.

    b) Das Wasser aus der Zisterne fließt erst mit geöffnetem Hahn durch den Keramikfilter, oder?

    Das Wasser wird oben eingefüllt, der "Schmutzwasser"tank hat 1,5 L. Der Filter sitzt in diesem Tank und hat unten einen Ausfluss. Da das System ohne Druck nur mit der Gravitation funktioniert, sickert das Wasser nur extrem langsam durch. Unter diesem Tank ist ein 12 L Reservoir für das gefilterte Wasser. Aus diesem kann ich das saubere Wasser mit dem Hahn entnehmen.

    c) Der Britafilter nimmt viel "weg". Dadurch möchtest du genauer sehen was jedes der Tongefäße für sich "gibt". ist der Britafilter für den Alltagsbetrieb vorgesehen? Die letzten beiden Absätze legen ein nein nahe.

    Der Britafilter stand in der Küche, für Wasser was sonst gebraucht wird. Z.B. für die Kaffeemaschine (werde ich für dieses Wort hier gesperrt?) Ich bin mir nicht sicher, ob der Filter was wegnimmt, oder ob auch nach der Filterung einfach noch zu viele Mineralien im Wasser sind, die den Eigengeschmack überlagern.

    Der Britafilter erfüllt jetzt die Rolle als Vorfilter. Nur Kessel + Kohlestab konnte allein nicht überzeugen, mit der Vorfilterung gehts. Das habe ich dann erst mal so gelassen.

    Schritt eins ist quasi ein proof-of-concept: Bekomme ich mein schreckliches Leitungswasser so aufbereitet, dass ich mit Genuss damit Tee trinken kann.

    In Schritt zwei passe ich das Ausgangsmaterial an um das ganze weiter zu optimieren.

    In 10 Tagen kann ich dir gerne genau erklären, welche Idee für Filter ich noch im Kopf habe.

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