Quotevor einer Stunde schrieb GoldenTurtle: Hmm, wie bist du denn zu dieser Annahme gelangt?
Berechtigte Frage. Wie so oft, spielen hier subjektive Präferenzen die entscheidende Rolle. Ich lasse Sencha erstmal außen vor und erkläre meinen Gedankengang bezüglich grünem Oolong:
Bis dato habe ich für mich noch keinen Sweetspot bei der Zubereitung grüner Oolongs wie z.B. Gaoshan gefunden. In glasierten Gefäßen aufgegossen, waren mir diese Tees bisher immer zu leicht und ephemer. In meinen anderen Tonkännchen (Nixing, Jianshui, Duchek Rye) bereite ich Tees zu, deren Prägung des Tons sich nicht so gut mit grünen Oolongs vertragen würde. Die besten Ergebnisse habe ich mit Gaoshan bisher im Grandpa-Style erzielt. Durch die längeren Ziehzeiten verschiebt sich das geschmackliche Profil der Tees weg von einer Betonung der filigraneren Spitzen hin zu einer Betonung des Körpers und der buttrigen Eigenschaften solcher grünen Oolongs. So schmecken sie mir gut, allerdings wären mir sehr hochwertige Vertreter, wie ich sie z.B. zuletzt bei TTC bestellt habe, langfrisitg zu schade für diese Art der Zubereitung. Weil ich mit Gong Fu die Parameter einfach besser kontrollieren und mich besser auf die verschiedenen Nuancen des Tees konzentrieren kann. Ich bin also auf der Suche nach mehr Körper bei gleichzeitiger Erhaltung der Kontrolle über die verschiedenen Nuancen.
Da kommt Kobiwako ins Spiel. Dem wird eine Betonung des Körpers nachgesagt. Wie das genau vonstattengeht, darüber lässt sich vermutlich streiten. Ich glaube aber, dass die abrundenden Eigenschaften eines porösen Tons zu einer Betonung des Körpers führen können. Womöglich spiegelt sich das nicht in der chemischen Zusammensetzung des Tees in der Schale wieder (wenn man tatsächlich von einer absorbierenden Wirkung des Tons ausgeht). In der geschmacklichen Wahrnehmung jedoch, kann eine Abrundung aromatischer Spitzen zu einer Betonung des Körpers führen. Soweit meine Vorstellung von der Interaktion mit einem porösen Ton, welche unter anderem auf meinen Erfahrungen mit dem Rye Kännchen von Duchek basiert, bei dem ich Ähnliches beobachtet habe.
Ermutigt haben mich auch die Erfahrungsberichte einiger Nutzer im Teaforum, die sich mit der Kombination Kobiwako und grüner Oolong sehr zufrieden zeigen.
Eventuell gibt es hier Parallelen zu Duanni Yixing, welches ja mal für Grüntee, mal für Shou und Heicha empfohlen wird. Oft habe ich diese Empfehlungen gelesen und sie als völlig diskrepant und kontraintuitiv empfunden. Besinnt man sich auf die inhärente Subjektivität der ganzen Tonfrage, machen sie aber wieder Sinn. Es kommt einfach sehr darauf an, was man in einem Tee sucht, welches Geschmacksprofil man anstrebt.
Ich werde übrigen auch ein paar chinesische Grüntees in der Kobiwako Kyusu ausprobieren. Die liegen aber nicht im Fokus, da ich mit der Zubereitung in der glasierten Shiboridashi hier bisher immer sehr zufrieden war.
Nun noch kurz zu Sencha: Die schmecken oft so intensiv, dass ich mir keine Sorgen um den Verlust von Nuancen mache. Der Körper ist bei guten Senchas oft sehr ausgeprägt und für mich ein wichtiger Aspekt dieser Tees. Gegen eine weitere Verstärkung dieser Eigenschaft habe ich persönlich keine Einwände. Nicht zuletzt wollte ich schon lange auch eine japanische Kyusu für japanische Tees haben. Und im Falle dieser Kyusu passt in meinen Augen die Farbe und Beschaffenheit des Tons besonders gut zu den grünen Blättern. Gleiches gilt für die sehr grünen Oolongs. Das Auge trinkt mit
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Das war jetzt ein ziemlich langer Post. Ich hätte Lust, einen neuen Thread zu eröffnen, in dem es ganz konkret um das Matching verschiedener Tonsorten und Tees geht. Nicht mit der Absicht, eine universelle Wahrheit zu finden (die gibt es m.M.n. schlicht nicht), sondern weil ich es interessant finde, von den Präferenzen und Beweggründen der Forenmitglieder zu erfahren. Die jeweils konstruierte Logik nachvollziehen zu können. So wie ich auch selbst zugebe, dass es sich bei meiner Logik um eine sehr subjektiv konstruierte handelt.
Bevor ich diese Diskussion auf andere Tee-Ton-Symbiosen ausweite, werde ich aber erstmal ein bisschen mit diesem neuen Kännchen experimentieren und beobachten, inwiefern sich meine Theorie in der Praxis widerspiegelt
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