Umami - Welch ein Geschmack?

  • Jetzt hab ich schon viel über Umami gehört und gelesen, weiß aber immer noch nicht, welchen Geschmack ich darunter zu verstehen habe!


    [color=#008080]Fragestellung:[/color] Wie würdet Ihr diesen Geschmack für Euch selbst beschreiben, wenn er schon von jedem anders wahr genommen wird. Bin auf die Sammlung von Geschmackseindrücken gespannt!


    süß - fischig - algig - kräftig - Gemüsesuppig - nach Glutamat - einfach anders [size=18][color=#ff0000]?[/color][/size]


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    Ich habe hier schon von umami gelesen. Das kenne ich zwar als eine der Geschmacksrichtungen, die die Zunge schmecken kann, aber was steckt dahinter? Wie schmeckt umami? Unter "Glutamat" kann ich mir nichts vorstellen.


    Wenn hier schon geübte Teetrinker sind, würde ich gerne von Eurem Wissen lernen.


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    Umami…wird unterschiedlich beschrieben. Manche sagen es ist ein "Schmeckt gut!"-Geschmack, wieder andere sprechen von "Herzhaft" oder "Kraftbrühe". Für mich schmeckt Umami nach Nordseekrabben. Frisch, d.h. noch auf dem Kutter gekocht, nicht dieses vakuumverschweißte Zeug aus dem Supermarkt.


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    Also ich kann hier so manch einen Schluss nicht ganz nachvollziehen, aber das ist auch gut so, denn würden wir alle, alles auf die selbe Art empfinden, wäre es auch käse oder Brühwürfel /emoticons/biggrin@2x.png 2x" width="20" height="20" data-src="/emoticons/default_biggrin.png">


    Also ich muss sagen, bei mir hat noch kein Gyokuro wie ein Brühwürfel geschmeckt, aber Sencha schon. Aber Umami ist so eine Sache, wie das mit dem "Jeder schmeckt dies oder das anders". Umami ist nicht so einfach zu beschreiben. Es ist einfach anders.

    Gassho [size=14][/size], Charyu


    [color=#a52a2a][font='times new roman, times, serif']PS: Du sollst mir nicht glauben! - Ich will Dich damit nur anregen eigene Erfahrungen zu machen.[/color][/font]

  • umami ist natürlicher "geschmacksverstärker". deswegen fahren die japaner (asiaten) so auf das künstliche zeug ab. das wird glaube ich aus algen gewonnen. Umami geht auch etwas in die richtung finde ich.


    Ich finde wenn man nen gyokuro trinkt weiss man direkt was "umami" ist. /emoticons/wink@2x.png 2x" width="20" height="20" data-src="/emoticons/default_wink.png">


    ich finds teilweise aber so intensiv das ich von Gyokuro nicht viel trinken kann, dann schmeckts mir schlagartig nichtmehr.

  • an mein erstes umamierlebnis kann ich mich noch sehr lebhaft erinnern: der ganze mund war voll mit geschmack. als fischig, fleischig, süss, herb hätte ich das nicht beschrieben: umamihammer war damals die passende bezeichnung... /emoticons/biggrin@2x.png 2x" width="20" height="20" data-src="/emoticons/default_biggrin.png">

  • Umami ist in der Tat schwer greifbar und individuell völlig unterschiedlich. Wie Marc korrekt schreibt, bekommt man mit einem guten Schattentee seinen besten Eindruck davon. Mein persönliches Empfinden für Umami wäre eine dunkle, tiefe, schwere, warme, breite und würzige Süße. Das Gegenteil leichter Frische. Diese Art von Süße kitzelt die Geschmacknerven an einer anderen Stelle als die Süße von Zucker. Viel tiefer und schwerer und sie explodiert quasi im gesamten Mund. Und sie bleibt sehr lange im Mund erhalten. Mit fischig/fleischig konnte ich Umami noch nie in Verbindung bringen, weil ich das eher als abstossend und eklig empfinden würde.

    [size=14][font='lucida sans unicode, lucida grande, sans-serif']Ein Leben ohne Tee ist möglich, aber sinnlos.[/size][/font]

  • Wäre es einfach zu beschreiben durch andere Geschmackseindrücke, so wäre es nicht ein eigener Geschmack. Ich kann auch "salzig" nicht gut beschreiben. Trotzdem versuche ich es mal ohne Tee:


    Herzhaft, die Geschmacksrichtung, die ich bei vollreifen Tomaten, gereiftem Hartkäse, Steinpilzen als gemeinsame Komponente finde.

    Trinke nicht den letzten Rest Tee, iss nicht den letzten Bissen und habe nicht das letzte Wort. (Armenien)

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    Wäre es einfach zu beschreiben durch andere Geschmackseindrücke, so wäre es nicht ein eigener Geschmack. Ich kann auch "salzig" nicht gut beschreiben. Trotzdem versuche ich es mal ohne Tee:

    Herzhaft, die Geschmacksrichtung, die ich bei vollreifen Tomaten, gereiftem Hartkäse, Steinpilzen als gemeinsame Komponente finde.

    So wie T-Taster würde ich es auch sagen.

    Umami ist der Geschmackseindruck, der nicht salzig, nicht süß, nicht bitter und nicht sauer ist.

    Der Versuch einen der anderen vier Geschmackseindrücke zu beschreiben ist ja ebenso schwierig. Tomaten, Parmesan oder Sojasauce, guter Gyokuro oder Matcha und schon hat man den Geschmackseindruck.

  • Thread is zwar schon alt aber ganz einfach rauszufinden ist es eigentlich mit der Methode zuerst einen frischen sonnenverwöhnten Sencha zu trinken und anschließend einen guten Gyokuro.

    Das was so extrem anders schmeckt ist das Umami und dann muss man es nur noch beschreiben können. Aber man weiß dann schonmal wie es schmeckt /emoticons/biggrin@2x.png 2x" title=":D" width="20" data-src="/emoticons/default_biggrin.png">

    Ich kann ebenfalls nicht soooo viel davon haben, da es mir dann irgendwann zu intensiv wird.

    Es ist im Leben nicht wichtig, reich zu sein - sondern vielmehr, dass Leben reich zu gestalten. Mit einer Tasse Tee, ist der Anfang getan.“ - Suiramchá

  • Ich hab keine Ahnung was ihr habt. Ich mag Sencha nicht, so oft getrunken und nie mit warm geworden. In Gyokuro könnte ich mich aalen, davon bekomm ich nicht genug. Als vor gefühlten Äonen gelernter koch ist Umami ein Hochgenuss. Genau das was man bei einer Speise erreichen will.

  • Hierzu seien mit einiger Verspätung noch zwei mittlerweile erschienene Bücher von Starköchen angemerkt:

    "Umami" von Heiko Antoniewicz [Anzeige] Ich empfehle in dem Buch zu blättern, sehr schön gemacht:

    Und:

    "Pure Freude: Meine einfache Küche 2.0" von Andreas Caminada [Anzeige] (seines Zeichen der wohl höchstdotierte Koch der Schweiz) Auch in seinem Buch spielt die Auseinandersetzung mit Umami eine bedeutende Rolle. Ich empfehle bei "Blick ins Buch" auf Seite 13 seinen sehr bodenständigen Ansatz zu dem Thema zu lesen.

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    Am 6.6.2021 um 11:27 schrieb GoldenTurtle: Umami ist der Geschmack von Protein, wonach Tier und Mensch bei körperlichem Mangel instinktiv ein geschmackliches Verlangen haben.

    Könnte man es kurz und bündig nicht so beschreiben (es sind ja meist veränderte Lebensmittel: Soja/Fermentation | Parmesan/Käseherstellung | Tomaten/Trocknung | Prosciutto/Salz & Trocknung😞


    das Gesicht sollte ein ":" (Doppelpunkt) sein - hat sich einfach so reingeschummelt.

  • @Toko Das Fettgeschriebene war viel mehr eine wissenschaftliche, als eine geschmackliche Erklärung.

    Die von dir aufgeführten getrockneten Tomaten würde ich jedoch nicht als geschmackliche Referenz aufführen, deren Proteingehalt liegt nur um die 5%. Hingegen Parmesan eigentlich schon eher - wenige Lebensmittel haben einen solche hohen Proteingehalt (gegen 40%), jedoch ist das "Problem" beim Parmesan, dass er durch die Reifung im Geschmack dramatisch beeiträchtigt ist.

    Quote

    Am 29.7.2020 um 21:15 schrieb GoldenTurtle: iss mal (rohen) Tartar und nebenbei etwas ganz jungen Gouda und dazu ungeröstete, ungesalzene Erdnüsse und der gemeinsame Geschmacksnenner dieser drei ist Umami.

    Meine persönliche Meinung entgegen derjenigen der Spitzenköche ist es, um dem wahren Umamigeschmack auf die Spur zu kommen, alles so natürlich und unverfälscht und ungereift und ungesalzen und ungewürzt und ungeröstet wie möglich zu verkosten - weil das sind alles Ablenkungen vom wahren Umamigeschmack.

  • @miig Ich meinte das waren japanische Wissenschaftler:

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    Am 29.7.2020 um 14:06 schrieb GoldenTurtle: Umami könnte man zumindest partiell als Fleischgeschmack definieren, in geringerem Masse partiell auch bspw. als nussig, algig oder pilzig. Der Kern dahinter geht aber viel tiefer, denn wie Diz festhielt wurde in der Wissenschaft herausgefunden, dass Umami zu schmecken die (zumindest früher notwendige) Fähigkeit darstellt Protein zu schmecken, respektive ein gezieltes Verlangen danach zu haben.

    Ein wichtiger Punkt im zusammenhängenden Verständnis und dieser dadurch möglichen Vereinfachung ist, dass das Verhältnis zwischen Proteingehalt und L-Glutaminsäure fast durchwegs vergleichbar ist.

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    vor 20 Minuten schrieb miig: Gibt es Quellen

    Im von @GoldenTurtle verlinkten Thread https://www.teetalk.de/forums/topic/8435-geschmacksnoten-von-grüntee/ werden ja ein paar Quellen verlinkt und @Lateralus hat dankenswerterweise ein Diagramm erstellt, dem eindeutig zu entnehmen ist, dass kein direkter Zusammenhang zwischen Proteingehalt und Umamigeschmack besteht, aber schon eine Korrelation. Wie ich dort bereits angeführt hatte, gibt es eine gewisse Korrelation mit bestimmten Proteinen - in erster Linie solchen, zu deren Aminosäuren-'Bausteinen' die als Neurotransmitter für die Geschmacksempfindung 'umami' notwendige Glutaminsäure gehört (die sich allerdings auch in L-Theanin findet, was nun kein Protein ist, aber für die Umami-Geschmackskomponente von Tee eine Rolle spielt). Eine weitere Rolle spielen Purine (insbesondere u.a. in Fleisch reichlich enthalten), speziell Guanosin und Inosin. Hoher Proteingehalt geht idR mit hohem Puringehalt einher. Es gibt also eine gewisse Korrelation zwischen Proteingehalt und Umami-Geschmack, aber eine ausgesprochen indirekte.

    _()_

    未尝‎甘露味 先闻圣妙香

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    vor 15 Minuten schrieb SoGen: die als Neurotransmitter für die Geschmacksempfindung 'umami' notwendige Glutaminsäure gehört (die sich allerdings auch in L-Theanin findet, was nun kein Protein ist, aber für die Umami-Geschmackskomponente von Tee eine Rolle spielt)

    Hinsichtlich dem Umami im Tee vortrefflich auf den Punkt gebracht! 👍

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    vor 15 Minuten schrieb SoGen: Es gibt also eine gewisse Korrelation zwischen Proteingehalt und Umami-Geschmack, aber eine ausgesprochen indirekte.

    Genau, was das Essen anbelangt:

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    vor 33 Minuten schrieb GoldenTurtle: dass das Verhältnis zwischen Proteingehalt und L-Glutaminsäure fast durchwegs vergleichbar ist

    Dies ist eine meistens relativ gut zutreffende Vereinfachung, womit sich die Leute viel leichter ein konkretes Bild von umami machen können.

    PS 1/2 @topic:

    Das beruhigende Theanin geht ja bei der Tee-Produktion leichter kaputt als das Koffein. Insb. gewisse schonend produzierte Weisstees meinte ich sind was was den Theaningehalt anbelangt die Spitzenreiter, und sollten dies folglich auch hinsichtlich umami sein.

  • In diesem Video von Eric Scott wird das Thema auch kurz behandelt. Als jemand, der in seiner Freizeit meist wenig Lust hat, sich durch wissenschaftliche Paper zu wühlen, finde ich diese TeaScienceTuesday Reihe ganz cool für den groben Überblick.

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    vor 13 Stunden schrieb GoldenTurtle: @Toko Das Fettgeschriebene war viel mehr eine wissenschaftliche, als eine geschmackliche Erklärung.

    Die von dir aufgeführten getrockneten Tomaten würde ich jedoch nicht als geschmackliche Referenz aufführen, deren Proteingehalt liegt nur um die 5%. Hingegen Parmesan eigentlich schon eher - wenige Lebensmittel haben einen solche hohen Proteingehalt (gegen 40%), jedoch ist das "Problem" beim Parmesan, dass er durch die Reifung im Geschmack dramatisch beeiträchtigt ist.

    Die getrockneten Tomaten sind jedoch in Punkto Unami bei den gering proteinhaltigen Lebensmitteln quasi eine Referenz (Platz 5 bei pflanzlichem oder pilzigem Ursprung und selbst bei tierischem Ursprung wäre sie auf dem vorderen 6. Platz)--> 0,648 % Massenanteil Glutamat | Q: https://de.wikipedia.org/wiki/Umami

    "Nur wenige können das Aroma von Umami zum Beispiel in Tomaten ausmachen, dennoch ist er einer ihrer wichtigsten Geschmacksbestandteile. „Mit 140 mg pro 100g enthalten Tomaten sehr viel natürliches Glutamat. Daher kann man sie quasi als Geschmacksverstärker einsetzen,“ erläutert Sensorik-Experte Stephan Schöller aus Bodenheim." Q: https://www.food-monitor.de/2012/09/umami-…iel-der-tomate/

    So gesehen ist deine wissenschaftliche Erklärung:

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    Am 6.6.2021 um 11:27 schrieb GoldenTurtle: Umami ist der Geschmack von Protein, wonach Tier und Mensch bei körperlichem Mangel instinktiv ein geschmackliches Verlangen haben.

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    vor 14 Stunden schrieb GoldenTurtle: @Toko Das Fettgeschriebene war viel mehr eine wissenschaftliche, als eine geschmackliche Erklärung.

    durchaus ausbaufähig nehme ich an.


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    vor 14 Stunden schrieb GoldenTurtle: Meine persönliche Meinung entgegen derjenigen der Spitzenköche ist es, um dem wahren Umamigeschmack auf die Spur zu kommen, alles so natürlich und unverfälscht und ungereift und ungesalzen und ungewürzt und ungeröstet wie möglich zu verkosten - weil das sind alles Ablenkungen vom wahren Umamigeschmack.

    Da stimme ich dir voll zu. Wenn ich mir beispielsweise Poke (Hawaii) mit rohem Thunfisch mache, verwende ich in letzter Zeit immer öfter Soja mit reduziertem Salzgehalt, um das natürlich durch den Brauvorgang entstandene Glutamat in der Sauce und den Wakame Algen zu betonen.

    @Shibo Super Video!

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