„We are travelers in this world. From the sweet grass to the packing house, birth ´til death, we travel between the eternities.“
Sagt Robert Duvall in Broken Trail, bei der Beerdigung eines chinesischen Mädchens. Ein sehr sehenswerter Western!!
Daß wir alle Reisende/Wanderer sind beschreibt auch Bill Bryson in: Eine kurze Geschichte von fast allem, wenn er von den Wanderungen des homo erectus und des homo sapiens von Afrika über die ganze Welt berichtet.
Robert Duvall und Bill Bryson?
Es geht um das Wandern. Das wichtigste beim wandern?
Füße und DIE TASCHE
Der Cowboy hat Satteltaschen, das chinesische Mädchen eine Reisetasche und unsere Altvorderen hatten auf dem Weg von Afrika her sicherlich auch Taschen ähnliches.
Als letztes habe ich das Buch zur Ausstellung: immer dabei: DIE TASCHE gelesen und natürlich auch die Ausstellung im Deutschen Ledermuseum in Offenbach besucht. Sie ist verlängert worden bis zum 25. Januar 2026. https://www.ledermuseum.de/
Beides ist überwältigend. Das Deutsche Ledermuseum, das natürlich noch viel mehr zu bieten hat als Taschen (aber das ist einen eigenen Text wert) und das Buch des Kunstbuchverlag Arnoldsche Art Publishers.
Gezeigt werden 225 Taschen aus drei Jahrtausenden auf 233 Seiten in hervorragender Photoqualität. ( und ich war in der Ausstellung und habe die Originale gesehen ). Sehr informative und witzige Texte führen in die einzelnen Abteilungen ein. Ich wußte bis dato nicht, dass Queen Elizabeth II. Durch die Positionierung ihrer Handtasche den Hofdamen mitteilte, ob das Gespräch, dass sie z. B. gerade führte in Kürze oder sofort abgebrochen werden sollte.
Aber was sie in ihrer Handtasche hatte erfuhr die Welt aus Anlass ihrer Platinum Party : https://www.youtube.com/watch?v=7UfiCa244XE
Paddington sei Dank!
Das Buch/die Ausstellung beginnt mit der Gegenüberstellung zweier Damenhandtaschen. Die eine: eine Reisehandtasche, Deutschland, um 1850, mit Inhalt und die zweite: Shopper, Porter Tote Medium, Vee Collective, Vietnamm, 2024, mit Inhalt.
Allein diese Gegenüberstellung – man könnte eine volkskundliche Doktorarbeit darüber schreiben; und noch einiges andere.
Ein Beutel aus Ägypten mit medizinischen Instrumenten ( 3000 Jahre alt ), Gürteltaschen von reichen Viehhändlern, Henkelkörbe aus Franken und die blaue IKEA Tasche Frakta, Satteltaschen aus Marokko, Brieftaschen bestickt von zarter Frauenhand, ein „Affe“ aus dem II. Weltkrieg, der Kelly Bag von Hermès, der Di Bag von TOD`S und eine Handtasche mit Beleuchtung: die Straeter Lite-on aus Deutschland 1953/56.
In der Tasche befindet sich ein drehbarer Make-up-Spiegel, ein magnetischer Lippenstift- und Parfumfläschenhalter, ein Zigarettenetui, eine Kammhalterung sowie Platz für eine Photografie. Das Tollste aber ist eine batteriebetriebene Innen- und Außenbeleuchtung!!
Die Spiegelbeleuchtung zum „einfachen“ Nachschminken, die getrennt einzuschaltende Außenbeleuchtung dient zum finden des Schlüsselochs der Haustür.
Nun mal ehrlich, so eine Tasche ist schon erheblich stylischer als eine handylampe?
Von 1953. Der Name des Amsterdamer Designers L.F.W. Straeter (1910-1976) sei hier extra erwähnt.
Fazit: Unbedingt kaufen das Buch und schauen und lesen und nach Offenbach fahren und die Ausstellung anschauen.
Inez Florschütz (Hg.), in Zusammenarbeit mit Leonie Wiegand:
IMMER DABEI: DIE TASCHE, 38 €, Kunstbuchverlag Arnoldsche Art Publishers.
