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RobertC

Schon länger war ich auf der Suche nach einem kleineren Shiboridashi für Puerh und endlich scheine ich fündig geworden zu sein.

Wenn ich Puerh nicht in einer klassischen Yixing Kanne zubereite bevorzuge ich eigentlich eher den rustikaleren Stiel. Da fallen einem natürlich sofort die ganzen osteuropäischen Töpferkünstler ein - allen voran Petr Novak. Bei ihm gefallen mir insbesondere die Baumrinden- sowie die Schlangenhaut-Glasuren. Allerdings finde ich passen die Arbeiten der europäischen Künstler besser zu Schalen oder Kannen. Für mich ist ein Shiboridashi einfach etwas typisch japanisches, daher kamen eigentlich auch nur japanische Künstler in die engere Auswahl.

Aber gut, auch das ist noch ein quasi riesengroßes Suchfeld. Für mich habe ich aber schnell festgestellt, dass mir der sogenannte Mogake Stil oft am besten gefällt. Bei der Mogake Glasur werden die getöpferten Stücke teilweise mit Seetang bzw. Algen bedeckt und anschließend gebrannt. Dadurch entstehen einzigartige Linienmuster - in diesem Fall des Shiboridashis hier in kupferner Farbe. Bevor ich mich aber aus lauter Begeisterung über meinen neuen Shiboridashi mit gefährlichen Halbwissen noch weiter aus dem Fenster lehne, möchte ich es lieber dabei belassen. Das Forum verfügt aber über entsprechende Experten, allen voran z.B. @luke.

Am Ende habe ich mich für diesen knapp 100ml fassenden Shiboridash des Künstlers "Jin" entschieden, der dafür einen grauen, gröberen Tokoname Ton verwendet hat. Eingeweiht wurde das gute Stück direkt mit einem vier Jahre alten Sheng. Kennt ihr dieses augenöffnende Wow-Gefühl, wenn Euch ein Tee, den ihr schon mehrmals probiert habt, plötzlich und direkt im ersten Schluck komplett überzeugt und zu tiefst berührt?

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RobertC

Nachdem letzte Woche @SilonijChai von der Bangwei Gushu Kugel aus dem CNNP/HQF 9 Berge Tasting-Set extrem begeistert war, bin ich von meiner ursprünglichen Idee, meinen Bangwei Fladen zunächst nicht aufzubrechen, sofort abgewichen. Damit ergab sich die interessante Möglichkeit Fladen und Kugel parallel zu verkosten und so möglichst gut miteinander zu vergleichen.

In beiden Fällen handelt es sich um Bangwei Gushu Material aus der Frühlingsernte 2016, eingekauft und verarbeitet durch CNNP bzw. HQF. Im Falle des 357g Fladens war das Pressdatum der 19. April. Laut dem Einkäufer des Maochas für beide Produkte sollte der Fladen noch einen Tick hochwertiger sein. Die Kugeln sind nur als Set verfügbar, der Fladen kostet ca. 80€, d.h. ca. 0,22 €t/g.

Zum parallelen Setup habe ich zwei Porzellan Gaiwans mit ca. 90ml, jeweils 7.5g Tee und 95°+ Lauretana verwendet. Bis auf die höhere Dosierung durch die Größe der Kugel ist dies quasi mein Standard für den Parallelvergleich. Auf den Bildern im Folgenden ist links immer die Kugel und rechts der Fladen zu sehen.

Die ersten beiden Aufgüsse nach dem obligatorischen Waschgang konnten nicht sinnvoll verglichen werden, da die Kugel in der Mitte relativ hart ist und daher noch nicht komplett aufgegangen war. Ab dem dritten Aufguss sind die Blätter aber komplett gelöst. Der Aufguss der Kugel ist im Vergleich zum Fladen zunächst etwas trüber, der Fladen von Farbton etwas dunkler. Da ich aber aktuell nur zwei unterschiedliche Glaspitcher verwenden kann, sollte man den Unterschied im Farbton nicht überbewerten. Während die Kugel etwas bitterer in den Aufgüssen 3-5 ist, wirkt der Fladen auch auf der Zunge klarer und scheint allgemein ein etwas schärferes, deutlicheres Profil zu haben. Ab dem 7. Aufguss ist die leichte Trübe der Kugel komplett verschwunden, beide Tees sind sehr klar und auch der Farbton passt sich an.

Soviel zu den kleinen aber feinen Unterschieden. Allgemein ist dieser Tee ein sehr starker Allrounder, für mich bisher ohne Schwäche. Sehr viel Power, leicht bitter, schönes Huigan, in späteren Aufgüssen findet man die Süße auch schon direkt im Aufguss, extrem dicke Textur und - das beste zum Schluss - die Farbe! Ich meine diese dunkle, klare Farbe kam ja schon super auf dem Bild von @SilonijChai zur Geltung. Wirklich bemerkenswert für einen Tee des aktuellen Jahres, der erst vor wenigen Monaten gepflückt und danach sofort gepresst (Fladen) bzw. von Hand gerollt (Kugel) wurde. Durch die hohe Dosierung habe ich zunächst nur sehr kurze Ziehzeiten verwendet. Aber nach dem 15. Aufguss wird der Tee merklich flacher und nach dem 18. war für mich Schluss. Zum Thema Wirkung, da extrem subjektiv, nur so viel: Ja, Wirkung war für mich definitiv vorhanden und ich empfand sie als durchweg positiv.

Fazit und Bewertung

Der Bangwei 2016 ist wirklich ein toller Tee - dicht, komplex, ausgewogen und mit klarer, bereits jetzt schon sehr dunkler Farbe. Das Spektrum dieses Tee ist erstaunlich ausgewogen, da kein Aspekt zu stark ausgeprägt ist so dass er Anderes überlagern könnte. Schwächen oder irgendwelche Off-Tastes waren für mich nicht erkennbar. Mit 80€ für 357g ist dies daher für mich bisher das beste Preisleistungsverhältnis aus dem Jahrgang 2016.

Fladen 91-94

Kugel 91-93

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RobertC

Die verbleibenden Arbeiten nach dem ersten Kleben und Austrocknen im Muro bestanden eigentlich nur noch aus dem Aufbringen der Urushi Lackschicht, die die Klebestellen verzieren soll. Dies war für mich die schwierigste, da extrem filigrane Arbeit. Eigentlich ist hier das Ziel eine möglichst feine Linie konstanter Dicke. Dafür fand ich aber den im Set mitgelieferten Pinsel schon fast zu grob. Aber es wird sicherlich ausschließlich an mir gelegen haben, dass meine Linienführung alles andere als perfekt ist ;) Den frisch aufgebrachten Urushilack lässt man ungefähr eine halbe Stunde im Muro antrocknen und bringt dann mit einem sehr feinen Wattebausch aus Baumwolle das goldfarbene Pulver vorsichtig auf den Lack auf. Das ganze habe ich dann wieder mindestens zwei Wochen in den Muro gelegt. Was mir wie ich finde überhaupt nicht gut gelungen ist: Die verzierten Goldlinien sind extrem rau und haben eine deutliche Textur. Ich hoffe das ist gut auf den Bildern zu erkennen. Habt ihr vielleicht eine Idee wodurch dies entstanden sein könnte? Das Pulver ist ja extrem fein, aber vielleicht habe ich hier mit der Watte selbst etwas eingedrückt oder es sind eingeschlossene Baumwollfasern?!

Gesamtfazit

Schritt 1 war nicht allzu kompliziert durchzuführen und auf Anhieb konnte eine stabile Klebung erzielt werden. Das feine Verzieren im letzten Schritt ist vielleicht nichts für Grobmotoriker aber dafür habe ich nun umso mehr Respekt für diese geniale japanische Handwerkskunst! Der Respekt gilt natürlich auch @theroots und @Cel, die solche Arbeiten ebenfalls selbst angegangen sind ?

 

PS: Ach wäre es schön Blogbeiträge speichern und dann mehr als nur einige Minuten editieren zu können bevor man sie veröffentlicht. So ist dies leider eine unfreiwillige Triologie geworden ?

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RobertC

Leider hat es "etwas" länger gedauert, bis ich endlich dazu komme den abschließenden Teil meines Kintsugi Versuchs zu schreiben. Zunächst möchte ich mich bei Euch für das positive Feedback zu Teil 1 bedanken und hier auf die dort aufgekommen Fragen und Kommentare eingehen.

@miig: An eine teurer Kannen hätte ich mich zu Beginn natürlich nicht herangewagt. Aber die wochenlange Arbeit mit einer eigentlich relativ einfachen Teetasse lehrt Demut und man hat dann umso mehr Respekt vor so tollen Arbeiten, besser Kunstwerken, wie z.B. von Frau Watanabe! Aus heutiger Sicht finde ich die mir bekannten Preise für eine professionelle Kintsugi Reparatur als extrem günstig ;)

@theroots Die geklebten Stellen scheinen bisher stabiler zu sein als ich das erwartet hätte. Alles Weitere wird natürlich nur die Zeit zeigen. Ich habe zunächst die Mischung zum Kleben mit Glutenmehl versucht, da dies oft empfohlen wird. Damit bin ich aber überhaupt nicht klar gekommen. Mit normalem Mehl habe ich sofort eine Konsistenz von Haargel erhalten und damit auch die Reparatur aus Teil 1 durchgeführt.

@Raku Ich habe mir ein komplettes Reparatur Kit von Mejiro Japan bestellt (http://www.mejiro-japan.com/product/kintsugi-repair-kit) und mich grob an diesem Video orientiert: https://www.youtube.com/watch?v=UWa_MyLpZfQ

 

 

 

 

 

 

 

 

RobertC

Es lässt sich einfach nicht vermeiden! Eine kleine Unachtsamkeit und schon ist es passiert - das geliebte Teezubehör landet unsanft im Spülbecken oder auf dem Boden. Handelt es sich dann um etwas Besonderes sitzt zunächst der Schock tief. Aber manchmal kommt eine Reparatur mittels Kintsugi in Frage, was hier im Forum auch schon an verschiedenen Stellen berichtet und ausprobiert wurde.

Bei dieser traditionellen japanischen Technik, die mittels Urushi Lack arbeitet, erhalten die reparierten Stücke durch die golden oder silbern verzierten Linien über den Bruchstellen einen eigenständigen Charakter. 

Wer viel Geduld aufbringen kann darf sich gerne an Frau Watanabe aus Berlin wenden. Erst kürzlich habe ich im englischen Teeforum eine sehr positive Referenz bezüglich der Qualität und Preise ihrer Arbeiten gelesen, was sicherlich zu noch längeren Wartezeiten führen dürfte.

http://www.teachat.com/viewtopic.php?f=36&t=21568&p=288993&hilit=kintsugi#p288993

Der geneigte Teefreund, der neben Geduld auch noch etwas Neugier mitbringt, darf sich natürlich auch selbst ausprobieren. So kam ich zu meinem ersten Kintsugi Gehversuch. Mit einem in Japan bestellt Repair Kit sowie meinem ersten "Opfer", einer handgemachten Porzellan Teeschale einer Künstlerin aus Heilbronn.

Mit etwas Mehl, Wasser und dem Urushi Lack wird zunächst eine klebrige Masse angerührt. Dabei entsteht ungefähr die Konsistenz von Zahncreme oder Haargel. Diese wird mit einer Spachtel auf beide Seiten der Bruchstellen aufgebracht bevor diese zusammengeklebt werden. Überflüssiges Klebematerial kann mit Zahnstochern entfernt werden. Diese Schritte sind je nach Anzahl der Bruchstücke zu wiederholen. Die zusammengesetzte Tasse habe ich dann mit Kreppband fixiert.

Danach muss der Urushi Lack aushärten. Dies passiert am besten bei mindestens Raumtemperatur und sehr hoher Luftfeuchtigkeit (über 80%). Daher habe ich mir einen sogenannten Muro gebaut. Eine kleine verschließbare Kiste, am besten isoliert, feuchte Tücher rein, ggf. ein Hygrometer zur Kontrolle der Luftfeuchte und die reparierte Keramik am besten so lagern, dass auch von unten Luft heran kommen kann. So kam ich auf in der Spitze 92% Luftfeuchtigkeit. Nach gut zwei Wochen war meine reparierte Teetasse ausgehärtet. Allerdings zeigten sich auch erste Anzeichen von Schimmel auf den feuchten Küchentüchern. Dies nur als Warnung an die Freunde der schnellen Pu Lagerung mit aktiver Befeuchtung.

Da Urushi wie gesagt durch Feuchtigkeit aushärtet empfiehlt sich grundsätzlich Terpentin-Ersatz zum Saubermachen. Außerdem sollte beachtet werden, dass wohl manchen Menschen auf Urushi allergisch reagieren - also am besten Handschuhe tragen.

Nach dem Aushärten und Entfernen des Kreppbandes können die reparierten Bruchstellen vorsichtig mit einem Messer, sehr feinen Schleifpapier oder Terpentin von überflüssigem Material befreit werden. In meinem Fall hat hier nur eine Kombination sowie viel Geduld geholfen. Durch das Schleifpapier kann ein feiner Übergang an den Bruchstellen erzielt werden.

Mit dem Zwischenergebnis bin ich schon sehr zufrieden, aber mir ist klar, es liegt noch ein weiter Weg vor mir!

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RobertC

Wu Ye Dan Cong

Bevor ich mich in den nächsten Tage in den Sommerurlaub verabschiede - aller Voraussicht nach wohl ohne Internet - möchte ich mit euch meinen letzten Dan Cong Parallelvergleich teilen. Vielleicht fragt ihr euch auch: schon wieder ein Parallelvergleich? Auf der anderen Seite haben sogar Schweizer Beobachter der Teezui 2016 aus der Ferne kürzlich festgestellt, dass es bereits eine ganze Paralleltrinkerfraktion zu geben scheint. Ich sehe das inzwischen ganz schmerzlos - es lässt sich einfach viel effektiver durch die ganzen Teevorräte trinken, die wir hier so anhäufen, wenn man in jeder Hand einen Gaiwan hält und zeitgleich abgießt :D

Diesmal stehen zum Vergleich der Dark Leaf Dan Cong, März 2015, von Cha-Shifu (links in den zusammengesetzten Bildern) sowie der 2014 Da Wu Ye Big Dark Leaf von Teahabitat. Und letzterer zeigt sofort, dass hier "großes dunkles Blatt" Programm ist! Ansonsten hat Michaels Tee ein deutlich dunkleres Blatt, fast schwarz, mit sehr stark fruchtigem Duft, während die von Imem eingekauften Teeblätter oliv-braun sind, d.h. vermutlich weniger stark oxidiert und geröstet wurden, und blumig sowie nach Kräuter duften. Auf jeweils knapp 4g Teeblätter im 80-100ml Gaiwan kam kochendes mineralarmes Flaschenwasser.

Nach dem Waschgang riecht der linke Gaiwan nach Dörrobst, Litschi sowie weiteren Fruchtnoten, auch erkenne ich etwas was mich an einen taiwanesischen Gui Fei Oolong erinnert. Rechts finde ich Schokolade, Vanille, Kräuter und süße blumige Noten. Aber lasst uns den Tee endlich probieren! Der dunkle Ritter zu meiner linken eröffnet im ersten Aufguss sehr leicht und erfrischend während Imem mit feinsten Orchideennoten, tollem Körper und cremiger Textur kontert. Interessanterweise finde ich keine bitteren Noten, obwohl ich durch das Parallelsetup sicherlich sogar etwas länger ziehen lasse. Daher habe ich den dritten Aufguss bewusst überzogen und war überrascht. Denn Michaels Tee ist hier nur leicht bitter geworden und auch bei Imem - sogar noch einen Tick weniger bitter und dies schlägt sehr schnell in eine angenehme Süße über.

Die insgesamt 6 Aufgüsse, die ich mit beiden Tees gemacht habe, verfestigt das Bild, dass sich schon vor dem ersten Aufguss abzeichnete: Michaels Wu Ye Auswahl geht für mich eher in die fruchtige und frische Richtung während Imems Selektion klar blumig ist. Außerdem hat ihr Tee aus meiner Sicht die Nase vorne hinsichtlich Huigan und Körper sowie ein tolles Mundgefühl durch seine super cremige Textur. Wirkung war natürlich auch vorhaben und zwar nicht zu knapp durch die doppelte Menge Tee :D Allerdings kann man in so einem Setup schwer die Wirkung den einzelnen Tees genauer zuschreiben. Damit komme ich zu meiner Bewertung: 

Dark Leaf Dan Cong 2015 (Cha-shifu) 90-92

Da Wu Ye Big Dark Leaf 2014 (Teahabitat) 91-94

Insgesamt ein echtes Tee-Highlight für mich, da ich seit längerem keine Dan Congs mehr getrunken habe. Positiv überrascht war ich, dass mir diese tendenziell doch eher "grün" produzierte Sorte Dan Cong so gut gefallen hat. Auch waren beide Tees sehr verzeihlich was Ziehzeiten angeht. Wer Imem und Teahabitat noch nicht kennt: für Dan Congs sicherlich deutlich mehr als ein Geheimtipp! Da aber das Preisniveau bei Michael deutlich angenehmer ist, kann ich beide Tees guten Gewissens empfehlen.

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RobertC

Dieses Mal wollte ich zwei schöne Yanchas parallel trinken, also machte ich mich auf die Suche nach vergleichbaren Kandidaten. Fündig wurde ich in zwei stärker gerösteten Tie Luo Han (TLH) jeweils geerntet im Frühling 2014.  Beide habe ich irgendwann im letzten Jahr gekauft - einen von JKTeashop (JKT, in den zusammengesetzten Bildern immer links) und den anderen von Chenshi Chinatee (Chris).

Das Blattgut bei JKT hat leider einiges an Bruch dabei während Chris hier mit schönen intakten Blättern punkten kann. Farbe und Röstgrad sind sehr ähnlich und beide Tees duften nach Dörrobst. Bei Chris ist dieser Duft etwas intensiver und fruchtiger. Nach dem Spülen kommt noch Vanillegebäck bei JKT und getrocknete Pflaumen bei Chris dazu.

In der Tasse haben beide Tees eine schöne Mineralität, die von der starken Röstung unterstützt wird. Der TLH von JKT kommt dabei im Aufguss etwas dunkler daher, allerdings ist er etwas unharmonisch mit einem leichten harschen off-taste. Der Tee von Chris ist sehr harmonisch, schmeckt zunächst nach getrockneten Aprikosen und später süß und fruchtig. Wirklich eine runde Sache, ich traue dem Tee von Chris sogar zu mit den Jahren noch etwas an Komplexität zu gewinnen.

In den Bildern seht ihr die Aufgüsse 1, 3 und 5, danach habe ich nur noch einen der beiden Tees aufgegossen.

JKT 88-89

Chris 91-94+

Fairerweise muss angemerkt werden, dass der Tee von Chris mehr als zweimal so teuer ist, aber meine Bewertungspunkte  bezieht sich ausschließlich auf Qualität und Geschmack, nicht auf das Preisleistungsverhältnis. 

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RobertC

Liebes digitale Teetagebuch,

am Sonntag 12.6. fand in Frankfurt organsiert vom Teehaus Schnorr das Seminar zur Thema Geruch und Geschmack von Oolong statt. Aufgrund verschiedene Anfragen möchte ich hier meine Erfahrungen mit euch teilen.

 

Allgemeines

Geschätzte 30 bis 35 Teeliebhaber aus Deutschland und der Schweiz fanden sich an diesem verregneten Sonntagmorgen im Schnorr Seminarraum in einem Industriegebiet am Rand von Frankfurt ein. Menglin Chou vom Teehaus Shui Tang aus Zürich hat für Meister Atong Chen übersetzt. Neben den Mitarbeitern von Schnorr und Shui Tang waren aber auch sämtliche mir bekannte andere mit Atong verbundeamn Händler und Großhändler aus dem deutschsprachigen Raum vertreten. Die Teilnehmer saßen jeweils zu 5 bis 7 Personen an runden Tischen. Die Tees wurden jeweils mit 3g in einer Reisschüssel pro Tisch mit kochendem Wasser aufgegossen, die Teilnehmer konnten mit einem Teelöffel aus Metall in ihre kleine Schale abfüllen und natürlich am Löffel riechen. Dieses Setup erlaubte es, die Tees nach ca. 5 bis 10 Minuten frisch zu probieren während Atong gerade über diesen Tee sprach. Es war aber auch möglichst später nochmal zu probieren und zu vergleiche. Es wurde übrigens Volvic Wasser verwendet, woraus ich schließe, dass entweder Atong oder der Veranstalter Schnorr dieses Wasser für Oolongs dem Frankfurter Leitungswasser für überlegen hält.

 

Geruchs- und Geschmacksvielfalt von Taiwan Oolongs

Im ersten Teil des Seminar wollte uns Atong eine möglichst breite Übersicht des Geruchs- und Geschmacksspektrums der Taiwan Oolongs aufzeigen. Es wurden hier über ca. 3 Stunden insgesamt 9 Tees verschiedener Regionen Taiwans und aus unterschiedlichen Kultivare aufgegossen, wobei zu beidem keinerlei Angaben gemacht wurden. Daher werde ich im Folgenden die Tees beschreiben sowie mit Punkten auf einer Skala von 50 (schlecht) bis 100 (außerordentlich) bewerten.

Tee 1: ein grüner Oolong, sehr vegetal, leicht süß, 80-84. Ich denke Atong wollte uns mit diesem Tee testen, denn nachdem wir alle probiert haben sollten sich alle die Hand heben, denen der Tee geschmeckt hat. Es waren mehr als 90% der Hände oben, aber ich habe keine Hand gesehen, die ich aus dem Teetalk kenne ;) Wenn man diesen Tee nach über einer Stunde in der Reisschüssel nochmal probiert hat war er wirklich untrinkbar, definitiv ein Test von Atong

Tee 2: Oriental Beauty Art, reifer Pfirsich, Lychee, Honig, sehr rund und süß, 91-94. Was für ein Unterschied zu dem Tee davor!

Tee 3: stark gerösteter Oolong, stärker oxidiert, Honig, Kräuter, Schokolade, Karamell, 91-93.

Tee 4: Kugeloolong, blumig, leicht, Orchideen, Frische, etwas Osmanthus, heller Karamell, 90-92.

Tee 5: Kugeloolong, sehr ähnlich zu 4, deutlichere Orchideen, 91-94.

Tee 6: Kugeloolong, sehr ähnlich zu 5, andere florale Noten, 91-94.

Tee 7: Meiner Meinung nach ein Hong Cha (obwohl es ja nur Oolongs sein sollten)?!, Kräuter, Zitrone, Mal, Karamell, Dörrobst, Zimt, sehr rund, 91-93.

Tee 8: Gui Fei, tropische Früchte, aber leichter off-taste 89-90.

Tee 9: Gelagerter Zwirbeloolong, leicht floral, rund, blumig, Honig, Dörrobst, ölig, 92-95.

 

Anbaugebiete in Taiwan

Im zweiten Teil des Seminar haben wir uns, nach einem schönen Mittagessen, mit den unterschiedlichen Regionen und Anbaugebieten genauer beschäftigt. Diesmal waren alle Tees aus dem Qingxin Kultivar und die jeweiligen Anbaugebiete wurden genannten und genauer vorgestellt.

Tee 1: Baozhong aus Pinglin, Spinat, Erbsen, ölig-dichte Textur, 92-94. In Pinglin, sagte Atong, könne er selbst seine Tees nur von einem Großhändler, aber nicht direkt beim Erzeuger einkaufen.

Tie Guan Yin aus Muzha (ist ja kein Qingxin, haben wir daher nicht probiert) sollte bernsteinfarben sein und nach reifen Obst schmecken. TGY kam wohl 1919 von China nach Taiwan.

Tee 2: La La Shan, sehr rund, leichte Röstung, tropische Früchte, sehr langer Nachgeschmack, 92-95.

Tee 3: Mingjian, mild, Pfirsich, frisch, 90-92. Ebenes, tiefer liegendes Gebiet mit viel Sonne, meist Erntemaschinen. Hier liegen sämtliche Teegärten von Atong, die sich im Familienbesitz befinden. 

Tee 4: Dong Ding, Zwirbelblatt, sehr ausgewogen rundes Mundgefühl, Karamell, Nuß, würzig, 92-94.

Tee 5: Ali Shan, leicht geröstet, rund, fruchtig frisch, aber nicht so gut wie der La La Shan, 90-92.

Tee 6: Li Shan, mild, helles Obst, sehr ausgewogen und langanhaltend, 92-94. Früher wurde in Li Shan Apfel- und Birnenanbau betrieben.

Tee 7: Qi Lai Shan, sehr ähnlich zum Li Shan, aber etwas grüner produziert, 91-93.

Tee 8: Gangkou "Meeresoolong", angenehm bitter (ähnlich wie Sheng), grün, langanhaltend, 90-92. Kommt ganz aus dem Süden von Taiwan und wird im Wok geröstet ähnlich wie Grüntee.

Tee 9: als Zugabe gabe es dann noch einen gelagerten Oriental Beauty aus Atongs privater Schatzkammer, Rosen, Honig, Lychee, wundervoll ausbalanciert und langanhaltend, 94-97+.

 

Was ich sonst noch aus dem Seminar über Oolong mitgenommen habe

Ein höherer Oxidationsgrad führt zu einem facettenreicheren Tee

Ein blutroter Blattrand ist ein gutes Indiz für einen guten, höheren Oxidationsgrad

Grasiger Geruch (wie frisch gemähter Rasen) -> negativ, zu wenig gewelkt oder oxidiert

Ölgeschmack -> nicht gut bei neuem Tee, aber gut bei gelagertem Tee

Eine starke Röstung braucht eine entsprechende Oxidation

 

Insgesamt eine für mich gelungene Veranstaltung, dank neuem Teewissen und persönlichen Teekontakten.

 

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