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Verkostung: Darjeeling Risheehat (DJ3)

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Ich habe mir gestern nochmal die Zeit genommen, einen Tee zu trinken. Der letzte Tee des Jahres sollte etwas Besonderes sein und so habe ich einen Darjeeling, den ich mal als Probe gekauft habe, ausgewählt, obwohl ich mir vorher fest vorgenommen habe, einen Pu Erh aus dem Jahr 2012 zu trinken. Aber Pu Erh wäre in Osnabrück vermutlich weniger gut angekommen und zu aufwendig gewesen.


Der Darjeeling hat mir wirklich sehr gut gefallen und war sehr fein und dezent, wodurch er sich von den Flugtees etwas absetzt, die mir etwas wilder, kräftiger und eckiger in Erinnerung geblieben sind. Gero hat ja mal angedeutet, wie unterschiedlich die Darjeeling Tees ausfallen können. Der Risheehat hatte zwar eindeutige Parallelen, aber setzte sich auch von den Flugtees ab.


Kurz: Der Tee hat mir sehr gefallen. Der Laden, wo ich den Tee gekauft habe, hat die DJ-Nummer angegeben, wodurch man nachvollziehen kann, dass es einer der ersten Tees des Jahres ist. Häufig fehlt diese Angabe, was ich schade finde. Wie sind eure Erfahrungen mit Flugtees/First Flushs? Sind frühe Pflückungen ein Hinweis darauf, dass der Tee süßer und aromatischer schmecken wird? Späte Pflückungen können ja schon in Richtung Second Flush gehen.


Hier der Link zum Verkostungsbericht & Fotos.


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Dass Risheehat ein tadelloser Tee ist, kann ich bestätigen. Ich habe diesen Tee häufig morgens getrunken. Als Flugtee kenne ich diesen nun leider nicht. Allgemein meine ich, dass die Flugtees schon einen speziellen Geschmack haben, die Frage ist nur, ob sie diesen auch über die Zeit beibehalten, Auch meine ich mal gelesen zu haben, dass diese Tees nicht sehr lange lagerfähig sind. Nicht in Hinsicht auf die Haltbarkeit, sondern auf diesen speziellen Geschmack.


Wie sind eure Erfahrungen mit Flugtees/First Flushs? Sind frühe Pflückungen ein Hinweis darauf, dass der Tee süßer und aromatischer schmecken wird? Späte Pflückungen können ja schon in Richtung Second Flush gehen.


Die FFs, die ich getrunken habe unterscheiden sich mehr oder weniger deutlich von den SFs, die meistens eher kräftig nussig sind, während die FFs eher blumig frisch schmecken. Die Second Flush Periode schließt sich ja auch nicht direkt an die First Flush Periode an. Starke Ähnlichkeiten zw. späteren DJs und SFs kann ich für meinen Teil nicht bestätigen, der Charakter der Tees ist einfach unterschiedlich.


Sehr schöner und detailierter Verkostungsbericht übrigens.


PS.Die Welt ist echt klein, war mit meiner Familie über Sylvester in Bad Iburg, ca. 20 Minuten von Osnabrück entfernt. Waren aber in OS zu einem Nachtwächterrundgang inkl. Marienkirche, Rathaus etc., sehr lustig, kann ich empfehlen. Zumindest bei Nacht ist Osnabrück eine sehr hübsche Stadt, dieses Jahr toll beleuchtet.


Frohes Neues für alle Mitlesenden


Stephan

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Hmm...ich trinke hier gerade einen Second Flush Steinthal. Er hat die typische Farbe eines Second Flush und durchaus einige Aromen, die dafür sprechen. Dennoch erinnert er stark an einen First Flush...irgendwie ist dieses von mir so geliebte "Spargelaroma" rauszuschmecken. Vom Blattgut her ist er ziemlich dunkel. Also ist es auch ein Second Flush...nicht einfach ein falsch etikettierter Tee.


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Danke, Stephan! Auch Dir frohes Neues! Osnabrück hat auch bei Tag etwas zu bieten, Stephan :) Ich mag die Stadt sehr. Wenn man Jahre lang in Hamburg gelebt hat, dann werden einem kleinere Städte immer sympathischer. Frau S. bestätigt gerade deine Meinung zu den Nachtwächterrundgängen. Vielleicht sollte ich auch mal daran teilnehmen.


Ich sollte mir angewöhnen, mich etwas klarer auszudrücken. Ich gebe zu, nicht viel Erfahrung mit Darjeeling zu haben, aber ich habe beobachtet, dass (zumindest bei meinen Proben) nur die frühen First Flushs sehr grüne Blätter hatten. Spätere werden dunkler mit einem immer geringer werdenden Anteil grüner Blätter. Beim Second Flush sehen wir ja so gut wie nie grüne Blätter und sie sind immer sehr dunkel. Deswegen habe ich daraus geschlossen, dass späte FF zu SF tendieren. Wann endet eigentlich die Pflückzeit des FF? Ich meine mal gelesen zu haben recht hohe DJ-Nummern gelesen zu haben (100 aufwärts).


Der Risheehat war übrigens kein Flugtee. Aber die DJ-Nummer ist so jung, dass es auch einer hätte sein können, daher habe ich ihn mit welchen verglichen. Da ich hier noch Flugtees aus der letzten Ernte liegen habe, habe ich mir erlaubt einen Vergleich zu diesen zu ziehen. Sind ja quasi gleich alt.



@Amalie


Diese Beobachtung finde ich auch wieder interessant. Du hast nicht zufällig genauere Angaben wie DJ-Nummern?


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Die Invoicenummern sind aber auch nicht unbedingt vergleichbar. Es gibt Gärten, die in mehreren Sektionen gleichzeitig pflücken - da kommen die dann vielleicht schon am ersten Tag auf DJ003 - während andere Gärten später Anfangen, nur eine Charge pro Tag produzieren ... da geht das dann langsamer.


Okay, bei DJ003 weiß man, dass der Tee absolut früh im Jahr produziert wurde. Aber ein DJ100 mag beim einen Garten First Flush, beim nächsten In-Between und bei dritten Garten schon Second Flush sein. Traut lieber Eurer Zunge und Nase als den Nummern.


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Wann endet eigentlich die Pflückzeit des FF?

Die FFs werden in Darjeeling von Februar bis April geerntet. Je höher der Teegarten liegt, desto später. Ist natürlich ab einem gewissen Moment immer schwer abzugrenzen, ob dies noch ein FF oder ein In Beetween, d.h. ein Tee aus der Pflückperiode zw. FF und SF, ist.

...nur die frühen First Flushs sehr grüne Blätter hatten. Spätere werden dunkler mit einem immer geringer werdenden Anteil grüner Blätter. Beim Second Flush sehen wir ja so gut wie nie grüne Blätter und sie sind immer sehr dunkel.

Ich habe mal gelesen, dass die ersten Pflückungen eher "unreife" Tees sind, die haben teilweise einen regelrecht grasigen Duft. Diese kurz fermentierten Tees haben auch einen gewissen Anteil an unfermentierten grünen Blättern. Vermutlich wirkt sich das auch auf den optischen Eindruck aus. SF Tees werden länger fermentiert, dadurch ist das Blatt dunkler und vor allem bräunlicher. Die dunklen Anteile in den FF Tees sollten hingegen schon eher dunkelgrün sein. Ich dachte bislang, dass die Blattfarbe, so wie wir sie sehen, durch die Weiterverarbeitung der jeweiligen Tees entsteht.

Der Risheehat war übrigens kein Flugtee.

Ein Flugtee wird wohl zum Flugtee, weil er eingeflogen wird. Die eigentlichen First Flushs kommen mit dem Schiff zu uns. Das wirkt sich auch auf die Tees aus. Der Flugtee wird schnell wechselnden klimatischen Bedingungen ausgesetzt, die Tees die mit dem Schiff kommen nicht, wahrscheinlich reifen diese auf der Reise auch ein wenig nach. Dafür fehlt diesen dieses vordergründige, fast aufdringliche Aroma des Flugtees, sie behalten ihr typisches Aroma aber länger.

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Ich habe mal gelesen, dass die ersten Pflückungen eher "unreife" Tees sind, die haben teilweise einen regelrecht grasigen Duft. Diese kurz fermentierten Tees haben auch einen gewissen Anteil an unfermentierten grünen Blättern. Vermutlich wirkt sich das auch auf den optischen Eindruck aus. SF Tees werden länger fermentiert, dadurch ist das Blatt dunkler und vor allem bräunlicher. Die dunklen Anteile in den FF Tees sollten hingegen schon eher dunkelgrün sein. Ich dachte bislang, dass die Blattfarbe, so wie wir sie sehen, durch die Weiterverarbeitung der jeweiligen Tees entsteht.

Das ist interesant, ich dachte immer FF und SF unterscheiden sich nur in der Erntezeit, dass die Weiterverarbeitung unterschiedlich ist kam mir bis heute noch nicht in den Sinn. Bedeutet das nun, das FFs unvollständig fermentiert sind? Und sind das dann überhaupt noch echte Schwarztees, oder müsste man sie nicht korrekterweise eher als Oolong klassifizieren (auch wenn das für indische Tees natürlich untypisch wäre).

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Bedeutet das nun, das FFs unvollständig fermentiert sind? Und sind das dann überhaupt noch echte Schwarztees, oder müsste man sie nicht korrekterweise eher als Oolong klassifizieren (auch wenn das für indische Tees natürlich untypisch wäre).

Nein, zwischen kurz fermentiert und anfermentiert (Oolong) besteht ein Unterschied. Dazu kommt natürlich auch, dass sich die klimatischen Verhältnisse der Ernteperioden FF und SF unterscheiden, insofern werden Teeblätter mit unterschiedlichen Konzentrationen der Inhaltsstoffe weiterverarbeitet, dadurch ergibt sich sicher auch schon ein Unterschied.

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Wenns grad um die teilfermentierten Tees vs. Oolongs geht: Grad hab ich diese http://teaguardian.com/what-is-tea/semi-fermented-tea-vs-oolong-1.html'>tolle und ausführliche Erklärung gelesen, die sehr präzise den Unterschied schildert.

Und ich muss sagen, die meisten FF-Darjeelings die ich so angeschaut habe sind fast großteils noch grün.. ich würde mal einen Fermentationsgrad von einem fünftel oder so schätzen.. da seh ich echt wenig braun. Der Charakter ist ja auch drastisch anders als bei einem Second Flush.

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Stephan, mir sind die Informationen, die Du bezüglich der unterschiedlichen Oxidation geschrieben hast, neu. Kannst Du mir ein Buch zum nachlesen empfehlen? Meinen (vielleicht falschen?) Informationen zufolge ist die grüne Farbe wegen des wenigen Chlorophylls, den die Blätter zur frühen Erntezeit haben, zustandegekommen. Ich habe das nicht irgendwo gelesen, sondern bei Pure Tea als Antwort auf die Frage bekommen, weshalb FFs grün sind und trotzdem als Schwarztees gelten.


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Hab's gerade mal nachgeschlagen:


Rainer Schmidt


Tee- Der Guide für Kenner und Genießer -  Seite 29ff


Heyne, ISBN 3-453-11526-0


Evtl. gibt es dazu bei Google Books eine passende Vorschau.


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Danke für die Quelle. Da die Pure Tea-Betreiber ja auch vor Ort Plantagen betreuen, denke ich nicht, dass sie von dem Thema wenig Ahnung haben. Jetzt habe ich noch eine dritte Erklärung für das grüne Blatt gefunden:

Many customers are surprised when they look at the color of the Darjeeling tea leaves. Despite it is called black tea, it is not black but green in color. Looking at the color of leaf, people spontaneously thinking of its greenish flavor, but it actually gives a very flowery and fruity flavor. It is because of the “very long withering process”. Withering is the dehydration process, which is just like producing dried flowers. The dehydration triggers the internal enzyme to carry out moderate ripening. Just imagine what we do if a banana is green and not ripen. We keep it for a few days until it is ripened. This is the same mechanism as how the Darjeeling First Flush is processed during the withering process.
Darjeeling First Flush gives a very sweet taste with a flowery and fruity flavor which is best compliments with dessert such as cakes, etc.

Quelle: http://hojotea.com/item_e/b07e.htm

Hojotea ist in der Regel nicht schlecht informiert, aber im Zweifel auch keine belastbare Quelle. Jetzt habe ich drei verschiedene Aussagen. Wem soll ich nun glauben? :D

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Den Ansatz mit dem Welken habe ich übrigens in einem Buch von Arend Vollers auch gefunden. Demnach wird gerade First Flush "hard withered", d.h. dem Blatt wird bis zu 70% Wassergehalt entzogen. Im Gegensatz dazu etwa 40% bei Assam (light wither).


bearbeitet von teetrinker

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Das ist, wie ich an anderer Stelle schon beschrieben habe, eine Anpassung der Verarbeitung daran, wie man das Typische einer Herkunft/Saison hervorbringt:



Die frisch ausgetriebenen FF-Blätter haben wegen kürzerer Sonnenscheindauer und stärkeren Tag/Nacht-Temperaturunterschieden eine andere Zusammensetzung der Inhaltsstoffe als im frühsommerlichen SF. Um dieses blumig-spritzige Merkmal zu betonen, fällt die Oxidation recht kurz aus. Über Welkungszeiten, Temperatur während der Verarbeitung und vermutlich noch einigen anderen Faktoren, kann man das variieren.



Soweit das, was ich von unseren Tea Tastern dazu gelernt habe, um mal eine weitere Quelle ins Spiel zu bringen.



Achtung, das könnte jetzt evtl als TeeGschwendner-Werbung aufgefasst werden:



Bei unserem Tee "Spirit of Sunderpani" haben wir einen Frühlingstee, der nicht wie ein Darjeeling First Flush verarbeitet wurde - obwohl das bei modernen Nepaltees des FF auch bestens funktioniert. Wir haben uns aber für einen Tee entschieden, der originärer nepalesisch wirkt. Weil die (in meinen Augen geglückte) Anwendung moderner Darjeeling-Methoden auf Nepaltees eine neuere Entwicklung ist, hat man beim Sunderpani mal den Kontrast - das Blattmaterial ist von entsprechender Güte, aber die Verarbeitung ganz anders, eben traditionell und länger oxidiert. Für mich ein sehr interessanter Vergleich!

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welken und fermentation stehen sich gegenüber, sind also gegenspieler:

kurzer "betaauszug" aus meinem artikel über die produktion von schwarztee (suche immer noch nach allen unterschieden zwischen der chinesischen rottee- und der englischen schwarzteehersteelung):

welken:
-auf rosten, in körben, in trommeln mit wärmezufuhr, ...
-10-20 stunden
-reduzierung des wassergehalts
-konzentrierung der in der zelle gelösten (geschmacks)stoffe
-stoffwechselvorgänge werden gebremst
-je mehr gewelkt wird, um soweniger kann anschliessend fermentiert werden, da die enzymaktivität dadurch gebremst wird 

hard withered wäre demnach nicht so weit oxidierbar.

dazu kommt aber auch eine anpassung an den geschmack der käufer, und da ist 

- eher grüner tee im moment sehr angesagt ist (gesundheitlicher aspekt), wobei meist ein dj ff aber besser schmeckt, als ein dj grüntee.

- japan kauft rel. viel ff dj, und die trinken ja eh fast nur grün

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