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Ein Teespion im Dienst seiner Majestät war Robert Fortune, Botaniker, Schriftsteller und James Bond des 19. Jahrhunderts in Sachen Tee.



"Mehrmals reist Robert Fortune Mitte des 19. Jahrhunderts durch China. Er rasiert sich den Kopf, klebt sich einen falschen Zopf an und verkleidet sich als Kaufmann aus einer fernen Provinz. Im Herz der Anbaugebiete von Fujian spioniert er Teemanufakturen aus und heuert Fachleute für den Tee-Anbau in Indien an."



heute Sonntag, 13.05 Bayern 2 Radio


http://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/sendung565020.html


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"Podcast ist das Stichwort", Dittsche


Die Sendung lohnt sich auf jeden Fall zu hören; besonders für die die das China von Heute als "Kopier- und Klauweltmeister" bezeichnen. Die gelungene Spionageaktion von Fortune wird von den Machern der Sendung als die gößte je dagewesene bezeichnet! Die fairen Engländer! Das Rad dreht sich!


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  • 7 years later...

Ich möchte nur kurz ergänzen, dass ich bei der Cambridge University Press einen guten digitalen Nachdruck der englischen Originalausgabe gefunden habe. Inhaltlich besteht kein Unterschied zum dem von @Paul geposteten Scan des 1852er Originals. Es ist lediglich durch den sauberen Digitalsatz leichter zu lesen. Die Abbildungen sind von guter Qualität.
Die Printausgabe ist mit knapp 40€ recht teuer. Ich habe über das Netz unserer Unibibliothek Zugriff auf die PDF-Version erhalten, welche mir erst einmal genügt. So oder so hat die Cambridge University Press hier gute Arbeit geleistet. Einige andere Nachdrucke scheinen keine gute Qualität zu haben, wenn man den Rezensionen im Internet glauben soll. Daher würde ich zu dieser Ausgabe greifen, sollte ich mir eine Printversion zulegen.

Hier der Link zum Buch: https://doi.org/10.1017/CBO9781139198554

@teewelt: Wie es scheint, ist deine deutsche Ausgabe nicht nur eine reine Übersetzung, sondern gleichzeitig eine Zusammenführung zweier Reiseberichte Fortunes. Der oben genannte "A journey..." handelt ja von seiner zweiten Reise, während die erste Reise in seiner ersten Publikation "Three Years' Wanderings in the Northern Provinces of China" beschrieben wurde (Link: https://doi.org/10.1017/CBO9781139178853). Ausgehend von der Seitenanzahl dieser deutschen Edition scheint dabei auch einiges gekürzt worden zu sein. - Was gar nicht negativ sein muss, möglicherweise steigert es ja sogar das Lesevergnügen. Ich wollte es nur der Vollständigkeit halber hier erwähnen, da es mir bei meiner Recherche aufgefallen ist.
Frage an dich: Lohnt sich der erste Reisebericht denn aus Teetrinker-Perspektive ebenfalls? Die berühmte "Pflanzenraub-Story" hat sich ja meines Wissens nach während der zweiten Reise unter dem Banner der East India Company abgespielt.

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@Shibo Fortunes Bücher sind - soweit ich das beurteilen kann - typische Reiseberichte jener Zeit. Die Lektüre lohnt sich meines Erachtens vor allem für Menschen, die sich nicht nur für Tee, sondern auch für diese Art von Literatur interessieren. Ich selbst finde es spannend, wie sich der Blick der Europäer auf Asien im Lauf der Zeit verändert (oder zum Teil auch nicht verändert) hat.

Auch im ersten Buch Wanderungen in China finden sich Beschreibungen der Teeplantagen und der Teeherstellung (Kapitel 9-11). Im zweiten Buch Reisen in die Theegegenden nimmt das Thema Tee dann einen größeren Raum ein, aber auch hier geht es nicht ausschließlich um Tee. Insgesamt umfassen die Bücher gut 400 Seiten, wobei beide Teile in etwa gleich lang sind. Da ich das Buch erst vor kurzem gekauft habe, habe ich es noch nicht komplett durchgelesen. Parallel lese ich übrigens Beschreibungen Japans aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert von Lafcadio Hearn (Nippon, Leben und Erlebnisse im alten Japan 1890-1904).

Dass bei Übersetzungen aus verschiedenen Werken zusammengefasst und auch gekürzt wurde, war meines Wissens zu der Zeit absolut üblich. Insofern entspricht die Übersetzung von Julius Theodor Zenker nicht der heutigen Auffassung, nach der eine Übertragung möglichst originalgetreu sein soll, sondern dem damaligen Zeitgeist.

 

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  • 1 month later...
Am 26.1.2021 um 02:35 schrieb Shibo:

Frage an dich: Lohnt sich der erste Reisebericht denn aus Teetrinker-Perspektive ebenfalls? Die berühmte "Pflanzenraub-Story" hat sich ja meines Wissens nach während der zweiten Reise unter dem Banner der East India Company abgespielt.

Nachdem ich nun die Reiseberichte von Robert Fortune durchgelesen habe, kann ich Deine Frage etwas besser beantworten. Bei beiden Aufenthalten in China hat Fortune nicht nur den Teeanbau, sondern die gesamte Pflanzenwelt des Landes erforscht. Er beschreibt ziemlich ausführlich, welche Pflanzen in welchen Teilen Chinas wachsen, wie sie von den Chinesen gezüchtet und gehandelt werden und wie es ihm gelungen ist, empfindliche Pflanzen und Samen von China nach England zu schicken. Außerdem erzählt er von dem Eindruck, den er sich auf seinen Reisen von Religion, Kultur und alltäglichem Leben im damaligen chinesischen Reich gemacht hat. Dabei behält er stets den Blickwinkel eines protestantischen Briten seiner Zeit bei. So kann er etwa den Buddhismus nur als "Götzendienst" betrachten und auch beim Thema Opium fehlt im aus heutiger Sicht natürlich völlig die Objektivität. Nebenher schreibt Fortune von allerlei Reiseerlebnissen: Überfälle, Betrügereien, abenteuerliche Schifffahrten, Besuche in Tempeln und so weiter. Wer vor allem am Thema Tee interessiert ist, kann das erste Buch auslassen und sich auf das zweite konzentrieren. Hier sind für den Teetrinker ganz besonders die hinteren Kapitel von Interesse, in denen Fortune seine Expeditionen ins Wuyi-Gebirge und seine anschließende Reise nach Indien schildert, wo mit Hilfe der von ihm dorthin geschickten Teesamen und -pflanzen sowie chinesischer Fachleute, die er ebenfalls nach Indien gebracht hat, mehrere Teegärten angelegt werden konnten.

Das andere von mir erwähnte Buch (Lafcadio Hearn: Nippon, Leben und Erlebnisse im alten Japan 1890-1904) ist in Bezug auf das Thema Tee unergiebig. Tatsächlich erwähnt Hearn nur ein einziges Mal die Teezeremonie, und das auch nur für einen Vergleich: In dem Essay Fragmente vom Leben und vom Tod beschreibt er eine Kiste, in der sich - eingehüllt in viele ineinander gesteckte Beutel aus Seide - eine Teeschale befindet. Genau wie diese Teeschale, so Hearn, hätten "Jahrhunderte der höchsten sozialen Kultur den japanischen Charakter mit vielen kostbaren, weichen Hüllen der Höflichkeit, der Rücksicht, der Geduld, der Liebenswürdigkeit, des moralischen Empfindens umschlossen, aber unter den entzückenden vielfachen Hüllen hat sich der primitive Ton erhalten, hart wie Erz, vielleicht vermischt mit der ganzen Kraft des Mongolen, mit all der gefährlichen Geschmeidigkeit des Malaien".

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@teewelt Danke für den ausführlichen Bericht. Das klingt nach einer unterhaltsamen Lektüre, die man vermutlich mit einer gesunden Distanz konsumieren sollte. Bis ich dazu komme die Bücher zu lesen, könnte noch einige Zeit vergehen. Aktuell lese ich nicht besonders viel und habe zudem in Sachen Teelektüre das bekannte jetzt-schon-Kultbuch Puer Tea: Ancient Caravans and Urban Chic von Jinghong Zhang vorgeschoben. Welches sich, nebenbei bemerkt, wirklich gut liest. Ein gelungener Stil zwischen sachlicher und bildhafter Sprache. Durch die anthropologisch-soziologische Perspektive auf die Puer Szene sollte es auch in Zukunft relevant bleiben. Im Gegensatz zu manchen Teebüchern, die angesichts der sehr guten Informationslage zu Tee im Internet nach und nach redundant werden.

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Bücherlesen

Bücherlesen ist vonnöten,
soll euch nicht die Dummheit töten:
Wer nicht gerne Bücher liest,
ist für mich ein blödes Biest!

Bücherlesen, liebe Leute,
nicht erst morgen, sondern heute!
Heute gilt's, den Kopf zu füllen,
daß nicht laut vor Lachen brüllen

alle Affen hier im Zoo
über euren Kopf voll Stroh:
Stroh soll raus und Wissen rein,
das gilt nicht für euch allein,

sondern klar für jedermann,
der das Alphabet schon kann.
Ohne Bücher seid ihr Tröpfe,
sogar Holz- und Wasserköpfe!

Nur durch Bücher wissen wir:
Warum gibt es Menschen hier?
Denn kein Schaf gibt euch Bescheid,
keine Katze ist bereit,

Menschenkinder zu belehren,
die nicht auf die Bücher hören.
Hühner, Enten, Spatzen, Spechte
wissen leider nicht das Rechte,

was für Menschen wichtig wär.
Also: Nehmt die Bücher her,
Lest und werdet sacht gescheit,
daß ihr einst die Klügren seid.

Günter Kunert

vor 10 Stunden schrieb Shibo:

..... Bis ich dazu komme die Bücher zu lesen, könnte noch einige Zeit vergehen...

Das ist kein persönlicher Angriff @Shibo sondern nur ein Gedicht, was hier gut paßt.

Schöne Grüße auch an @Frau Mahlzahn

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  • 9 months later...

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