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Guifei Zikadenbefall erkennen


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Liebe Teegenossen

Da dieses Thema kaum je richtig besprochen wurde und gem. kürzlicher Diskussion scheinbar selbst bei Händlern gewisse Unklarheiten zu bestehen scheinen:

Am 19.2.2022 um 15:38 schrieb GoldenTurtle:

Hierbei soll zudem Erwähnung finden, dass ein Wulong gerne bereits als Guifei bezeichnet wird, wenn auch schon nur eine einzige Zikade in einem Teegarten gesichtet wurde. Ein richtiger Befall ist jedoch weniger an den kleinen, verdickten Bissstellen erkenntlich (diese Stellen weisen keine Löcher auf, wie man denken könnte, sondern das Blatt ist dort knapp etwa 1/3 dicker als zuvor wieder zugewachsen), als mehr noch an einem verkrüppelten Wachstum der Ästchen.

Und da wir gerade beim Thema waren, habe ich mir gestern einen 08er Bai Mao Hou Oriental Beauty aufgegossen - hier ein Foto nach der Session von einem sehr stark befallenen Blatt - von der Blattunterseite erkennt man die im obigen Zitat beschriebenen Verdickungen sehr gut:

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Was das verkrüppelte Ästchen-Wachstum bei Befall anbelangt - dieser Oriental Beauty wies nur sehr kurze Ästchen auf, mir war es aus der Gewohnheit schon erkenntlich, aber es wäre kein wirklich gutes Anschauungsbeispiel gewesen - ich schaue demnächst ein Foto zu knipsen von einem befallenen gekugelten Wulong, bei welchem i.d.R. etwas längere Ästchen mitgepflückt werden, wodurch dieser Aspekt besser zu erkennen ist.

PS: Am Rande zu dem Thema erwähnenswert:

Am 23.2.2022 um 09:56 schrieb GoldenTurtle:

solche vergleichsweise aussergewöhnlich stark oxidierten, gekugelten Oolongs laufen i.d.R. unter der Bezeichnung "Dark Pearls". Und für solche Guifei befallenes Pflückgut zu verwenden wäre mEn sehr untypisch, weil das hohe Mass an Oxidation (und nebenbei soll er ja auch noch ein hohes Mass an Röstung aufweisen), die doch eher filigranen Guifei Noten praktisch unkenntlich machen würde. Wem dazu Oriental Beauty in den Sinn kommt - ja, die sind befallen und werden zwar etwas mehr oxidiert als bei durchschnittlichen taiwanesischen Oolongs üblich, sind aber doch noch weit weg von einem Hongcha oder den erwähnten "75%" - ersichtlich ist dies nebenbei an der Aufgussfarbe. Zudem wird Oriental Beauty in aller Regel nur so wenig geröstet, dass westliche Verkäufer üblicherweise meinen, er habe gar keine Röstung.

 

Edited by GoldenTurtle
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Am 24.2.2022 um 20:51 schrieb Salad Fingers:

Da hab ich ja was angerichtet..🤭

Im Gegenteil - die Unklarheit, ob der jetzt ein Guifei Wulong ist oder nicht war doch ein guter Anlass für das Thema, damit künftig alle Teefreunde das selbst am Blattgut untersuchen können - ist doch eine Bereicherung.

PS: Ein Bild vom aufgegossenen Pflückgut eines befallenen Wulongs mit längeren, bei Befall typisch verkrüppelt gewachsenen Ästchen gibts hoffentlich demnächst!

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  • 1 month later...

Was allerdings fehlt und wozu man gar nichts sehen muss ist der typische Geschmack den die Zikaden hinterlassen… der kann bei allen Teesorten Taiwans vorkommen und ist kein typisches Merkmal einer Sorte, vielmehr gibt es einen Hinweis wie naturbelassen die Farm bearbeitet wird, bzw. Pestizid-frei. 
 

In Taiwan wird diese Note mit halb-wild und wilden Tees assoziiert, sowie der Erntezeit: immer Sommer gibt es mehr Insekten. Winterernte hat solche Noten also eher selten, genauso wie höhere Anbaugebiete, aber auch da kommt es vor. 
 

 

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Das ist natürlich immer schwierig ohne die richtige Referenz. Die echten bug-bitten sind allerdings auch in Taiwan schon sehr, sehr teuer und ich weiß nicht wieviel und ob das überhaupt erhältlich ist im Westen… wird natürlich auch imitiert mit anderen Methoden. 

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vor 1 Stunde schrieb Bok:

… wird natürlich auch imitiert mit anderen Methoden. 

Kannst Du dazu evt. etwas Näheres sagen? Die natürlichste Methode wäre wohl, den Schädlingsbefall mechanisch zu reprodizieren, um die Pflanzen zur Produktion von Phytoalexinen anzuregen. Der Schädling selbst scheint mir außer Perforiering der Zellwände nichts weiter beizutragen. Der Effekt ist ja auch bei (guten) 2nd Flush Darjeelings bekannt ('muscatel flavor'), nur sind es dort keine Zikaden sondern hauptsächlich Thripse, die die Pflanzen befallen und die Phytoalexin-Produktion hervorrufen.

Ich befürchte allerdings eher, dass die einschlägigen Aromenzulieferer der Lebensmittelindustrie die orientalische Schönheit aufhübschen ...

 

 

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Soweit ich weiß, nichts Natürliches, Aromen werden zugesetzt. Echter Oriental Beauty ist mit der teuerste Tee, den man hier bekommen kann, das geht bei ein paar Euro pro Gramm los, wenn man darauf noch Export/Import- Transportkosten hinzufügt, kann man sich ausrechnen wie wahrscheinlich es ist dass  OB in guter Qualität im Ausland angeboten wird…

Edited by Bok
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@Bok Du bist echt ein Geschäftsmann wie aus dem Bilderbuch - Sachunverständige könnten denken, du seist quasi der einzige Mensch auf dem Planeten, der an guten Tee oder an gute Kannen gelangen könnte, aber das natürlich zu schier unglaublichen Preisen.

vor 5 Stunden schrieb Bok:

Echter Oriental Beauty ist mit der teuerste Tee, den man hier bekommen kann, das geht bei ein paar Euro pro Gramm los

Sorry, aber das ist einfach Quatsch, oder, was ich befürchte, dir selbst werden viel zu teure Preise angeboten!

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Nachtrag, zurück zum Thema:

Hier wieder klar zu erkennen an der aufgegossenen Blattunterseite:

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Das mit den Stängeln habe ich mir überlegt, es ist tricky zu erkennen, erstens weil bei OB oft kaum Stängel dran sind, und befallener Dong Ding oder Hochland Wulong meist gekugelt ist, und durch das Kugeln die Stängel auch nicht mehr richtig gerade wirken - da braucht man schon einiges an Erfahrung, um es daran erkennen zu können, deshalb empfehle ich sich ausschliesslich an der aufgegossenen Blattunterseite zu orientieren.

Zur Aromatik: Ich würde sagen, der Befall gibt dem Tee eine würzig-süsse Beinote - je stärker der Befall, desto intensiver diese Note, d.h. an Sommertees wie OB einfacher zu erkennen, obwohl dieser ob dem Mehr an Oxidation auch noch eine reifere Frucht aufweist. Bei Hochland Wulongs ist die Guifei-Note meistens dezenter, ein starker Befall ist bei Hochland Tees sehr selten, aber ja, auch das habe ich in meiner Sammlung, sollte dies den einen oder anderen Gast dereinst einmal zu probieren interessieren.

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Vielleicht sollten beide Seiten mal definieren, was denn ein "echter Oriental Beauty" tatsächlich ist? Vielleicht liegt hier schlicht ein klassisches Definitionsproblem vor, wie z.B. Zhuni ungleich Zhuni ist.

Abgesehen davon, dass ich eh kein Plan von Wulong hab und insbesondere OB absolut nicht ausstehen kann (zumindest die, die ich bisher probiert habe), würde es mich thematisch dennoch interessieren :) 

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@GoldenTurtle es ist einfach so, dass man manche Dinge eben nicht überall bekommen kann(jedenfalls nicht so einfach und nicht billig, aus rein logistischen und kaufmännischen Gründen): ich bekomme hier in Taiwan auch keinen richtig guten Parmesan oder Balsamico, aber ich kann das nachvollziehen, da ich von zuhause weiß, wie der eigentlich schmecken muss… es gibt ihn schon in wenigen Gescchäften, aber zu Preisen die ich als Normalsterblicher nicht für einen Salat verantworten kann. 

Wenn Reisen wieder möglich ist hier, schau dich mal in der Yongkang Straße in Taipei um, wo der Spezialist für Oriental Beauty in Taiwan sitzt und was die Tees da kosten. Keine Angst man darf hier auch verkosten, dann weißt du was Sache ist. 

Übrigens, Geschäftsmann in Sachen Tee bin ich auch keiner, aber nach einem Jahrzehnt in Asien bekommt man auch ein oder zwei Dinge mit.

@doumer gute Qualität in OB ist ein bisschen schwer zu beschreiben: es ist ein ziemlich intensives Aroma, ein Laie könnte es als parfümiert empfinden. Sowohl der Geruch als auch Geschmack. Ein bisschen süsslich. Einförmige rote Blätter wenn gebraut(darauf achten besonders die Juroren bei Wettbewerben), die trockenen sollten dagegen verschiedene Farben haben, weißlich und dunkelbraun etc. Man kann den Tee ziemlich lange aufgießen. Auch der hardcore test in einer Schale einfach unendlich ziehen lassen und dann davon Tassen “löffeln”. Wenn der Tee gut genug ist, hält er das aus und ist nicht bitter. Sollte sich “voll” im Mund anfühlen und etwas hinterlassen was man im Rachen weiterhin bemerkt. Die Leute hier beschreiben das mit einem “runden” anstelle eines flachen Gefühles. Das ist etwas schwer umzuschreiben aus dem Chinesischen. Besser kann ich es nicht beschreiben. 

 

Edited by Bok
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Noch ein Gedanke dazu: 

wenn man nach Taoyuan fährt, das ist im Großraum Taipei, wo neben Hsinchu der Großteil des OB angebaut wird, kann man die Plantagen sehen. Die sind mitten im Wohngebiet teilweise und oft direkt neben stark befahrenen Straßen. Ich war schockiert Kilometerlang auf zweispurigen Straßen direkt neben den Teepflanzen zu fahren… und hier wird so gut wie nur OB damit gemacht, neben ein bisschen Hongcha. 
 

Was ich mit dieser Anekdote sagen will, ist dass das rein formell natürlich auch OB ist, aber halt kein besonders guter oder sauberer. Dieser Tee in seiner Top Qualität ist hier im Norden sehr gefragt bei den reichen Tee-Snobs und die Ernte im Top Segment sehr gering. Die Wettbewerbe treiben die Preise weiter nach oben. Günstiger kann es ab und an geben, das sind oft welche die dem aktuellen Wettbewerbsstandard in irgendeiner Hinsicht nicht gerecht werden, was mir natürlich egal ist, wie das Blatt aussieht, wenn es schmeckt. 
 

Ich weiss nicht wie es anderen geht, aber mich erinnert dieser Tee immer etwas an manche Darjeeling oder Nepalesische Tees wie der Himalayan Orange von Jun Chiabary(schreibe den Namen evtl falsch), allerdings mit diesem extremen Parfüm. Insofern schmeckten die nicht so guten OB die ich hatte ein bisschen wie lascher Darjeeling, oft schnell bitter oder anderweitig unangenehm, im besten Falle schlicht langweilig. 

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Ah, da kommen wir der Sache schon näher: mit "echt" hast du automatisch auch "top Qualität" gemeint, was wiederum den Preis erklärt. 

Einen echten Sheng rein nach den Fakten bekommt man schon für 15$/Bing aber das ist dann natürlich kein vernünftiger und bei Yu braucht man für den Preis gar nicht erst anfragen...

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vor 8 Stunden schrieb Bok:

wenn man nach Taoyuan fährt, das ist im Großraum Taipei, wo neben Hsinchu der Großteil des OB angebaut wird, kann man die Plantagen sehen. Die sind mitten im Wohngebiet teilweise und oft direkt neben stark befahrenen Straßen. Ich war schockiert Kilometerlang auf zweispurigen Straßen direkt neben den Teepflanzen zu fahren… und hier wird so gut wie nur OB damit gemacht, neben ein bisschen Hongcha. 

Vergleichbare Problematiken kennen wir aus der Pu'Er Welt ganz gut ... und da kommen wir zum Punkt ... behauptet wird in der Teewelt traditionellerweise sehr viel, aber wenn du nicht einen Teebauer des Vertrauens hast, von dem du weisst, dass er dich nicht bescheisst, sondern bei irgendeinem Händler kaufst, dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass du am Ende zwar viel zahlst, aber der Tee trotzdem von dort stammt, woher du ihn nicht haben wolltest. Es gibt genügend Leute, die wissen, wie man mit grossen Behauptungen und Unwissenheit der Käufer eine 10fache Marge und mehr generiert.

vor 4 Stunden schrieb Bok:

Ja, oberes Mittelmaß bis nach ganz oben. 

Zu solchen Preisen müsste es schon ganz oben sein.
Ich kenne einfache, preiswerte OBs, die nichts besonderes sind, die man aber doch bereits mit Genuss trinken kann - die kosten umgerechnet aber nur einen geringen Bruchteil von einem € aufs Gramm ... und ich kenne sensationelle, betörende OBs, die aber noch lange nicht so teuer waren, wie du geschrieben hast. 
Jedoch ein expliziter OB-Wettbewerbsgewinner-Tee kann so viel kosten, wie du geschrieben hast.

Edited by GoldenTurtle
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