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OstHesse

Dendrochronologische Daten von Camellia Sinensis bzw. assamica

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Ich grüße alle Teetrinker!

Es gibt eine brodelnde Kontroverse um den Begriff bzw. Status "Gushu", welcher ja nicht nur von der Camellia - Varietät sondern maßgeblich vom Alter des individuellen Teebaumes abhängt. Es werden immer wieder Angaben zum Alter bestimmter Teebäume gemacht, dabei werden Stammumfang, Wurzeltiefe und Angaben der Teemeister bzw. lokaler Behörden und was alles nicht als Beleg daher gebracht. Diese Angaben werden auch genauso schnell angezweifelt wie sie gemacht werden. ;)

Ich habe versucht die Camellia sinensis zu recherchieren und zwar in Bezug auf dendrochronologische Studien, denn, Stammumfang und die Überlieferungen der Teemeister in Ehren, die einzige wissenschaftliche Methode welche das Alter eines Baumes genau bestimmen kann, ist die Entnahme eines Bohrkerns aus dem Stamm, welcher dann dendrochronologisch und evtl. mit der C-14-Methode untersucht werden kann.

Leider finde ich so gut wie gar nichts, weder auf Deutsch noch auf Englisch. Ich kann nicht einmal eine Angabe finden wie alt eine Camellia sinensis aus biologischer Sicht überhaupt werden kann! Es kommt mir so vor als ob wir, Teefans, in Bezug auf alte Bäume und den "Gushu" - Status komplett im Trüben fischen.

Wie steht es mit anderen in diesem Forum? Habt ihr irgendwelche wissenschaftliche Quellen zur Biologie des Camellia sinensis oder gar irgendwelche dendrochronologische Studien?

Grüße, OstHesse

bearbeitet von OstHesse

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Hier ist sehr aufschlussreicher Blog-Eintrag, welcher das ganze Problem perfekt illustriert:

http://verdanttea.com/qianjiazhai-old-puer-tea-tree-yunnan-ancient-tea-trees-qian-nian-gu-shu/

Ich weiß, der Autor ist kontrovers, aber er bringt es auf den Punkt!

Zitat

Two trees in particular have received the bulk of the international attention, a 2500 year specimen and a 2700 year specimen. These trees benefit from being easier to get to, not far off the eco-tourism circuit, making them perfect candidates for scientists to study in depth. These two trees are protected by the government on park land. They are picked very, very, very rarely (and only under intense supervision) and the leaves would be worth thousands of dollars just for several grams. This value comes from the pedigree of being ‘verified’ by scientists not just in China but from the West as well.

 

Zitat

Master Zhou shows us a grove of trees around eight hundred years of age and mentions the difficulty of precisely dating without actually cutting down a tree and counting its rings.

 

Zitat

We ask Master Zhou how people agree on an age for the tree. He explains that without cutting the tree down, the village has to rely on estimates. They look at the height of the tree and the width of the trunk, which allows them to compare to the height and width of established trees like the 2500 and 2700 year examples verified by scientists. This gives a relative estimate.

Zitat


This 1300 year tree’s age is also estimated based on width and height compared to verified trees to get a close approximation.

 

Es ist also so dass die üblichen Altersangaben der Teebäume Schätzungen sind, die sich aus der Breite und Höhe der Stämme ergeben und welche sich wiederum auf wissenschaftliche Daten berufen die durch Wissenschaftler gewonnen wurden. In diesem Kontext werden wissenschaftliche Untersuchungen erwähnt die angeblich 2500-2700 Jahre alte Bäume zweifelsfrei belegen.

Die Frage, die sich jeder stellen sollte ist natürlich - wo ist die wissenschaftliche Quelle, die Grundlage jener Schätzungen??? Idealerweise sollte es eine denrochronologische Publikation sein, basierend auf Proben bzw. Bohrkernen und nicht auf physischen Abmessungen des Baumes. Ich trank Tee und übte fleißig google-fu, bis ich endlich was Konkretes gefunden habe:

http://baike.baidu.com/item/镇沅千家寨野生古茶树

Das ist die mehr oder weniger detallierte Beschreibung dessen was die Experten des Tea Research Institute der chinesischen Akademie der Agrarwissenschaften gemacht haben um das Alter der Bäume fest zu stellen. Eine Expertenkommission hat im Jahre 1996 anhand der Analyse der morphologischen Eigenschaften der Bäume das Alter eingeschätzt! Weder in diesem Artikel noch in anderen Internet-Quellen ist je von Dendrochronologie die Rede...

Mein Wissensstand lautet also; das Alter der Teebäume wird geschätzt, auf Basis der morphologischen Merkmale des Stammes (Breite, Höhe, Umfang, etc.), wobei diese Daten mit jenen der Experten des Tea Research Institute abgeglichen werden. Die Daten dieses Institutes wurden mit genau denselben Methoden gewonnen. Keine präzisen Datierungsmethoden wie Dendrochronologie oder C-14 wurden angewendet, zumindest ist mir keine Primärquelle einer solchen Untersuchung begegnet.

Schätzungen der Experten in Ehren, aber Zahlen wie 2500 und 2700 erfordern schon entsprechende Beweise, welche nur durch präzise Datierungsmethoden erbracht werden können.

Grüße, OstHesse

 

 

 

 

 

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vor 17 Stunden schrieb OstHesse:

This 1300 year tree’s age is also estimated based on width and height compared to verified trees to get a close approximation.

Ach, diese Verallgemeinerungsversuche, da steckt stets der Businessgedanke dahinter. Die Höhe sagt nichts generell verlässliches aus. Es gibt sehr hochstämmige Bäume, z.B. in Bohetang oder Kunlushan, da haben 3, 4, 500 jährige Bäume eine Höhe wie wenn sie schon weit über 1000 Jahre alt wären.

Auf guten und wirkungsintensiven Tee in der Kanne kannst du dich verlassen, aber nicht auf wahrsch. stets sehr optimistisch geschätzte Zahlen.

Und es kommt gar nicht so sehr auf das hohe Alter an. Es gibt grandiosen Tee von 100, 200 und 300 Jahre alten Bäumen, der mMn Tee von vierstelligen Bäumen in praktisch nichts nachsteht, ausser im Preis.

Wichtiger ist, dass die Bäume nicht übererntet werden, das verschlechtert die Qualität. Herbsternten sollte man deshalb rigoros boykottieren.

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    • Von Krabbenhueter
      Nun endlich möchte ich dieses hier Thema eröffnen:
      Dazu ein Beitrag auf meinem blog:
      https://krabbenhueter.blogspot.com/2019/11/gushu-shu-puerh-2.html
      und der erste in der Serie:
      https://krabbenhueter.blogspot.com/2019/10/gushu-shu-puerh-1.html
      Ich bin mir doch recht unschlüssig, was den Gushu so besonders auszeichnet. 
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      Ich bin also noch auf der Suche nach anderen "echten" Gushu Shu Puerh, die ich verkosten könnte.
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    • Von Tobias82
      Hallo zusammen,
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      Gerade aus diesem Grund wollte ich mir den Bulang, wie oben beschrieben mal etwas genauer ansehen. Denn für den sehr vielversprechenden Namen sind ja die
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      genauer an schaut...
       
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      aber auch ansprechend, da auf knallige Farben und übertrieben Grafiken verzichtet wurde
       
       
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      weitere Details des verwendeten Blattmaterials
       
      Man schreibt ja nicht über einen Tee, der einem nicht gefällt, bzw. den man nicht grundsätzlich trinkt, bzw auch mag, von daher hoffe ich, dass die etwas
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      Hoffe, dass ist nicht zu viel auf einmal. Wollte den Cake mal kurz umreißen und dann von Tag zu Tag ein bisschen was schreiben...
      Bis dann!  
       
    • Von miig
      Für die meisten von uns ist Schwarztee ja ein eher einfacher Tee, der aus Plantagenmaterial gemacht und 1-2 Mal aufgegossen wird. Das war ja nicht immer so, und die hochwertigeren Schwarztees sind ja auch wieder ein bisschen mehr im Kommen. Wobei man evtl. unterscheiden könnte zwischen guten Hongcha an sich und Gongfu-tauglichen - ist oft, aber nicht immer deckungsgleich.
      Ein Beispiel für einen sehr ordentlichen (auch preislich) solchen Tee ist der hier: https://www.teetalk.de/forums/topic/6357-beyond-the-clouds-von-essence-of-tea/
      Heute hatte ich einen anderen Vertreter dieser Gattung im Tässchen: den YS Mengku Wild Arbor Assamica. Der war insgesamt sehr nett, und anders als erwartet. Zum einen fällt gleich das riesengroße Blatt ins Auge - fast korkenzieherhaft gedreht, nimmt viel Volumen ein. Nicht sehr intensiv, was den Geruch angeht, was wohl auch daran liegt dass er zurückhaltend verarbeitet wurde und somit weniger Röstaromen vorhanden sind.

       
      Ansonsten merke ich von der "Greenness" nicht wirklich viel - die "not-brownness" ist aber deutlich bemerkbar . Der Tee haut nicht unbedingt durch ausgefallene und intensive Aromen vom Hocker. Wie schon gesagt, wohl dem Konzept geschuldet. Das Ausgangsmaterial macht sich aber sehr wohl bemerkbar: Der Tee ist sehr körperreicht und präsent, ölig und lange anhaltend, mit einer üppigen Samtigkeit, die sich über viele Aufgüsse hinweg hält. Der Aufguss ist schon von ziemlich dunkler Farbe:

       
      Das Blattgut ist natürlich schick, es wäre wirklich interessant, zu sehen, wie sich dieser Tee entwickelt. Leider hab ich zu wenig davon - davon sollte man mal ein paar hundert Gramm für einige Jahre zur Seite legen.

       
       
       
      Bin jetzt beim ca. 8. Aufguss (aber 9g auf 200ml), und während sich sehr wenig Veränderung ergibt, was die Aromen angeht, sind all diese Aufgüsse voll, rund und reichhaltig. Ein entspannter, entspannender und unaufdringlicher Tee, der zwischen den Welten wandelt - er braucht viel mehr Zeit und Aufmerksamkeit als ein typischer Schwarztee, da er sich über längere Zeit hinweg entfalten will. Zugleich aber hat er die aromatische Zurückhaltung älterer Pus und ist nicht so flashy und eindringlich wie Puerh oder auch so mancher Schwarztee.
      Insgesamt ein schöner Tee für sehr überschaubares Geld, eine gute Sache!
       
       
    • Von Diz
      Aufgrund immer wiederkehrenden Anfragen haben wir nun auch Pu-Erh Probiersets ins Sortiment aufgenommen.
      Diese drei Probiersets sind neu zu haben:
      Yiwu Probierset Bee Hive Pu-Erh Probierset Gushu Mania Pu-Erh Probierset Panda Mania Letzeres wollte ich zuerst "Pandamie" nennen habe aber wegen der aktuellen Grippewelle davon abgesehen. 
      Hier noch der Link zu Pu-Erh von Teamania.
      Bei Fragen ungeniert hier reinschreiben oder PN, WhatsApp, Rauchzeichen oder was gerade in ist...
      Viele Grüsse
      Diz
       
       
    • Von Cel
      Ich frag mich ja immer wieder wo die ganzen Bäume für den ganzen Gushu Tee sein sollen, wenn schon so viel davon nach Europa schwappt.
      Schön aber, wie schnell Bäume altern können
      http://www.marshaln.com/2017/04/life-and-death-of-a-tree/
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