Joaquin

Welcher Tee ist heute in eurer Tasse? Teil 3

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vor 13 Minuten schrieb doumer:

die werden ja erst nach Jahrzehnten einigermaßen trinkbar - aber wirklich gut? Hm, ich glaube nicht

Ich hatte gestern eine schöne Session mit dem 98er Xiaguan von TKK. Ein leckerer gereifter Sheng, der auch ein schönes Qi bietet. Hat dann natürlich seinen Preis, was auch völlig in Ordnung ist.

Ich glaube, hier wurde nicht explizit besseres Blattgut verwendet, als bei Xiaguan generell üblich. Sowohl der tolle Geschmack, als auch das Qi, stammen m.E. von einer guten Lagerung in Taiwan.

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Geschrieben (bearbeitet)

Wie versprochen: Bio Darjeeling Flugtee 2020 Puttabong DJ4 First Flush via Teekontor Kiel:

( Jorn Riel, Das Haus meiner Väter, TB Unionsverlag, beschreibt einen nachahmenswerten Brauch der Inuit: Das Fest des Ersten Mals. Wenn etwas nach langer Zeit (wieder) zum ersten Mal passiert feiern sie ein Fest. Der erste Schnee, der erste Regen, der erste Kuß, die erste erlegte Robbe ... Ein guter Brauch, dem ich auch anhänge seit ich diese lesenswerte Buch über den Inuitjungen Agorajaq, seine zwei weißen Väter, seine drei Onkel und ihr Haus am Fuß des Berges  Miss Molly  zum erstem Mal gelesen habe.)

Der erste Tee aus Darjeeling ist für mich ein solches Fest!  Verspätet zwar durch die Pandemie kam er  nach Kiel, war aber dann innert zweier Tage bei mir.

Der erste Darjeeling verlangt natürlich besondere Behandlung. Also ein Holen von frischem Quellwasser aus dem Wald am Sonntag Morgen gegen 6 Uhr. Lange konnte ich auf dem Weg als besonderes Geschenk zwei ausgewachsene Feldhasen auf einer taufeuchten Wiese zuschauen. Unbehelligt von Testosteron gesteuerten Wochenendjägern, die um diese Zeit entweder mit ihresgleichen und Alkohol die Nacht Revue passieren lassen oder - falls sie noch haben - ihre Frauen mit den ewig gleichen Geschichten vom Blattschuß langweilen.

Eiskalt das Wasser aus der Quelle, der Kanister beschlägt sofort und die Nackenmuskeln werden zu Stein wenn man den Kopf unter den Strahl hält.

Das leise Wehen des Windes in den Kiefern nimmt das Geräusch des simmernden Wassers im Tetsubin voraus; und trägt mir die Stimmen der Menschen zu die über Jahrhunderte in den Teegärten gearbeitet -  und das Wissen sich angeeignet haben das sich bald als Tee in meiner Schale finden wird.

Aufgießen werde ich in einer Shiboridashi -  von A. Bero, der auch die dazu passende Schale gemacht hat - die 100 ml faßt. 2,5 gr. Tee. Welch ein Duft aus der Tüte aufsteigt!

90 Grad  heißes Wasser 40 sek und da ist er der Duft nach einer guten Hühnersuppe!  Heimkehr, Fürsorge, Geborgenheit und die Tür steht offen und aus dem Garten der Kindheit schwebt der Duft von Maiglöckchen herüber und die Welt war klar und gut und das Leben war unendlich wie ein Sommertag.

Der zweite Aufguß bringt Erde, Berge, Schnee,  Kiplings Kim und sein sein alter Lehrer  auf dem Weg in die Berge. Der lange Nachhall einer schweren Süße gibt einem die nötig Kraft auf dem Weg in den ewigen Schnee.

Ein guter Tee!

P.S. Wer lieber weniger surreale Teebeschreibungen mag:

https://www.tee-kontor-kiel.de/tee/schwarzer-tee/klassischer-schwarztee/bio-darjeeling-flugtee-2020-puttabong-dj4-first-flush-sftgfop1?c=107

und unbedingt die Reisebeschreibung lesen.

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bearbeitet von Paul
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@Paul Erfreuliche Beschreibung aus dem Leben! Das gefällt mir.
Nur mit den 90° finde ich gehst du beim ersten Aufguss ziemlich hart an die Sache, aber der Jung wollts vielleicht grad wissen! 😉😘

Mmmh, ein frischer Darjeeling, hatte ich auch schon ne Weile nicht mehr, dem hätte ich zu Beginn gemütliche 70° gegönnt, wäre dann beim Zweiten oder Dritten aber schon auch langsam rauf auf 80°, danach auf 90, 95° - aber selbstverständlich jeder wie er mag. ✌️

@topic: Ich hab auf der Radl-Strecke für den Abend (also jetzt) ein paar frische Lindenblüten direkt ab Baum, sagen wir bezogen. 😁

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Wie mal angetönt trinke ich für einen besseren Rhythmus richtigen Tee nur noch tagsüber, bis spätestens 18 Uhr, der Körper benötigt ja etwa 4 Stunden bis er das Koffein abgebaut hat.

bearbeitet von GoldenTurtle

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Wenn sich abzeichnet, dass für eine dedizierte Gong Fu Session die Zeit fehlen wird, weiche ich auch mal auf andere, schreibtischkompatiblere Aufgussmethoden aus (nicht immer, meist trinke ich dann einfach gar keinen Tee, d.h. ich trinke effektiv nur an ca. 4 Tagen pro Woche Tee).

Je nach Tee gieße ich dann westlich auf (z.B. Hong Cha) oder im Grandpa-Style (z.B. leicht oxidierten Oolong oder Weißtee), und gerade in den Sommermonaten mache ich auch sehr gerne Kaltaufgüsse über Nacht im Kühlschrank (schwarz, weiß, grün, Oolong, you name it...).

So auch am vergangenen Freitag: Die angekündigten und wahrgewordenen 30 Grad schrieen geradezu nach der Kühlschrank-Variante. Die Wahl fiel aber nicht, wie in letzter Zeit häufiger bei dieser Methode, auf einen Schwarztee, sondern auf den 2019er Gushu Huangpian von Farmer Leaf.

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Obschon eine, sagen wir mal, unorthodoxe Aufgussmethode für Sheng Pu-Erh, war das Ergebnis gar nicht schlecht. Der Geschmack war ziemlich leicht, erdig, zitrisch-erfrischend und erstaunlich wenig bitter.

Während manche Tees, die beim Gong Fu Cha vielleicht zu wünschen übrig lassen, über Nacht zwischen Möhren, Radieschen und anderen Banalitäten ungeahnte Entwicklungen hinlegen, ja regelrecht zu sich selbst finden, wirkt dieser Sheng als Kaltaufguss jedoch eher kastriert und in ungerechten Fesseln gehalten.

Denn, auch wenn eine Huangpian Pressung zu modesten 35€/357g, so ist dieser Farmer Leaf Tee eigentlich ein sehr ansprechender Partner für eine vollwertige Gong Fu Session. Leichter zwar, weniger ergiebig und eindimensionaler im Geschmack als Williams "richtige" Shengs, aber mit einem schönen Geschmacksprofil, welches gebührende Aufmerksamkeit entsprechend honoriert. Es soll mir eine Lehre sein!

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Toller Bericht Paul! Der zeigt, das das "Drumherum" genau so wichtig ist, wie der Tee an sich - das Wasser holen als mentalen Weg zur Vorbereitung auf den Tee und um Körper und Geist zu schärfen - unbezahlbar! Da bekommt selbst ein Hardcore Pu-Trinker mit einer ausgeprägten Abneigung gegen indische Schwaztees Lust auf einen Darjeeling ☺️

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Am 28.6.2020 um 20:32 schrieb GoldenTurtle:

@Paul Erfreuliche Beschreibung aus dem Leben! Das gefällt mir.
Nur mit den 90° finde ich gehst du beim ersten Aufguss ziemlich hart an die Sache, aber der Jung wollts vielleicht grad wissen! 😉😘

Mmmh, ein frischer Darjeeling, hatte ich auch schon ne Weile nicht mehr, dem hätte ich zu Beginn gemütliche 70° gegönnt, wäre dann beim Zweiten oder Dritten aber schon auch langsam rauf auf 80°, danach auf 90, 95° - aber selbstverständlich jeder wie er mag. 

Sehr hübsches Lindenblütenfoto, aber den Darjeeling gießen wir sogar noch heißer auf als Paul. Es gibt gewisse Aromen die sich bei zu kühlem Wasser nicht lösen, dann fehlt dem Tee geschmacklich Körper.

Unser Umzug ist geschafft, also von mir ein Teegruß mit dem ersten Sheng in der Tasse unseres Teezimmers im neuen Garten.

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vor 20 Minuten schrieb teekontorkiel:

Unser Umzug ist geschafft, also von mir ein Teegruß mit dem ersten Sheng in der Tasse unseres Teezimmers im neuen Garten.

Dann wünsch ich schönes Teetrinken im neuen Ambiente. Gibts dann demnächst neue Teevideos mit Olli aus dem neuen Garten?

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Uji Bio Matcha Shirasagi 2019 Nakanishi von Teekontor Kiel

Mit diesem Matcha dringe ich in für mich völlig neue Preisdimensionen vor. Aber das Pulver ist m. E. sein Geld wert.

Neben seiner cremig sanften Textur verfügt dieser Tee über eine leckere, angenehme Herbe, ohne eine Spur bitter zu sein. Das schmeckt mir richtig gut, aber kein Wunder: ich mag ja auch herbes Pils ala Jever und Konsorten :P.

Hier haben wir es jedenfalls mit einem Spitzenprodukt zu tun!

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Das hört sich nach einem erstklassigen Tennismatch(a) an, wenn ihr mich fragt.

@topic: Gestern kam überraschend ein alter indischer Freund zu Besuch auf eine kurze Teerunde, welcher eben erst von den Philippinen angereist ist. Dabei hab ich es vollkommen verschwitzt ihm einen indischen Tee zuzubereiten. 🙄

Stattdessen gabs ein Muster von Lucy das ich eh grad am verkosten war; 15er Yunnan Ai Lao Hongcha. War nicht übel, aber doch sehr mild und brav, ihm hats aber scheinbar geschmeckt.

Dabei hätte ich tiefgefroren noch sehr edlen Darjeeling FF "Himalayan Karisma" aus dem Jahre 2014 gehabt, den ich damals direkt aus Darjeeling importiert hab ... nächstes Mal, wenn er wieder vorbei kommt ... man will ja gerüstet sein.

bearbeitet von GoldenTurtle

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Duyun Maojian aus dem Grünteesampler 2020 von Nanuoshan.
Auf den ersten Blick, und auch beim Duft des Tees, könnte ich wohl blind keinen Unterschied zu einem Bi Lou Chun feststellen.
Der Geschmack ist dann doch anders, denn der Maojian ist nussiger/röstiger, auch kräftiger nicht so leicht und die spitze Zitrusnote im Abgang ist nicht vorhanden.
Wenn man genau aufpasst, entdeckt man wie beim Guzhu Zi Sun eine Maracuja-Note wenn man an den feuchten Blättern riecht. Auch wenn diese hier um Größenordnungen dezenter ist.

Ein Tee den ich nicht mehr missen möchte! Dieser Grünteesampler von @nannuoshan ist eine mächtige Erweiterung meiner Grüntee-Erfahrung. 🤝

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Farmer Leaf 2018 Jingmai Shou Pu-Erh

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Die typische, etwas strenge Shou-Note wird schon mit dem Waschgang fortgespült und weicht einem ruhigen, gehaltvoll-warmen Aromenprofil.
Dabei geht dem Tee eine gewisse Frische nicht ab: Im Vordergrund steht eindeutig Walnuss, und zwar der jüngeren, frisch-herben Sorte. Begleitet wird das von einer schönen Kakao-Note und einem entfernten Stallgeruch, der sich zwischendurch immer mal wieder aus dem offenen Kännchen erhebt.
Alles steht auf einer erdigen Basis wie nach einem Sommerregen auf dem Kornfeld.

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Zur Eröffnung des Tages die letzte Rate einer 100gr - Probe des von Cha Dao angebotenen Xihu Longjing vom März dieses Jahres. Wenn man zum nussigen Grundcharakter des Longjing zur Abrundung elegant-herbe Noten mag, ist man hier richtig - man darf ihm dann ruhig 85° gönnen und hat dafür eine sehr filigrane, aber prägnante Aromenstruktur. Wobei das nussige hier eher Richtung Erdnuss als geröstete Kastanie geht, was ich so bisher nur vom Dafo Longjing kannte - bei einer Blindverkostung hätte ich ihn als solchen angesprochen.

jedenfalls - wer's gefälliger (um nicht zu sagen: frivoler) mag, sollte ihm weniger Hitze zumuten. Oder besser gleich einen dafür geeigneteren Tee wählen; aufgrund seines Prestiges und der entsprechenden Nachfrage ist das Preis-Leistungsverhältnis von Xihu Longjing generell ja nicht gerade günstig. Daher wird es bei mir diese Saison auch bei den 100 gr bleiben - die waren gerade richtig (und hinreichend), um das sensorische Gedächtnis hinsichtlich Longjing wieder mal etwas aufzufrischen.

Zum Beginn des Nachmittags und zur Einstimmung auf den nun angesagten Rundgang über meine Ländereien in Begleitung meines reinrassigen spanischen Chucho Callejero war dann noch ein Fenghuang Dancong von Nan Yi in der Tasse - Entenkacke-Aroma ... Wer auch immer sich den Namen (Ya Shi Xiang) hat einfallen lasssen, muss ein echtes Marketing-Genie gewesen sein. Selbstredend hat der Name nichts mit Geschmack oder Aroma des sehr bukettreichen, duftig-leichten Oolongs zu tun, sondern (so jedenfalls die mir am plausibelsten erscheinende Legende) mit dem für Teebüsche angeblich optimalen Dünger. Jahrgang ist mit 2018 angegeben (leider nicht die Saison); trotzdem glaube ich, er müsste noch ein wenig nachreifen. Die ersten beiden Aufgüsse hatten im Abgang eine merkliche Herbheit, die nun zu diesem Tee nicht so recht passt und den Genuss etwas trübt. Dafür wurden die drei folgenden Aufgüsse um so schöner, bevor er dann sehr dezent begann, zu verblassen. Nächstes Mal werde ich die beiden ersten Aufgüsse etwas weniger heiss (90° statt 95°) aufgießen. Schaun mer mal ...

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vor einer Stunde schrieb SoGen:

Wer auch immer sich den Namen (Ya Shi Xiang) hat einfallen lasssen, muss ein echtes Marketing-Genie gewesen sein. Selbstredend hat der Name nichts mit Geschmack oder Aroma des sehr bukettreichen, duftig-leichten Oolongs zu tun

Ich finde schon! Es gab da einen, der mich beim Schlürfen an eine vorbeifliegende, würzig-frittierte Ente erinnert hat.

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Teapedia meint dazu: Die Bezeichnung bedeutet sowiel wie „riecht nach Entendreck". Die Legende besagt, dass ein Farmer seinen Teebusch mit dem superben Aroma vor Diebstahl schützen wollte und ihm deshalb diesen unappetitlichen Namen gab. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Tee seinen Namen von der gelb-braunen Erde in dem Gebiet erhielt, die maßgeblich am Aroma des Tees beteiligt ist.

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Heute habe ich den gealterten Grüntee Yunsi von @nannuoshan probiert.
Von der Grundaromatik her erinnert mich der Tee sehr an gelben Tee und da an die american-blend Wuzeltabaknoten des Huoshan Huang Ya aus gleichem Hause. Vielleicht täusche ich mich auch, da ich beide erst einmal in der Tasse hatte.
Könnte mir sehr gut vorstellen, dass dieser Tee etwas für Liebhaber gelben Tees ist, ich bleibe lieber bei der grünen Variante.

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@Lateralus Hast du sowohl die grüne, als auch die gelbe Variante von nannuoshans Huoshang Huang Ya probiert? Mir gefiel der gelbe Tee besser. In Sachen grün fand ich den Lu'an Gua Pian vom selben Produzenten schön.

Allerdings waren das jeweils Samples und vielleicht war mir auch zum Zeitpunkt des Probierens mehr nach kräftigen Noten zumute. Lu'an Gua Pian ist ja nicht der filigranste aller Grüntees. Du scheinst, wenn man deine Posts als Referenz nimmt, gerne zu filigranen Tees zu greifen... Was in einem bemerkenswerten Gegensatz zu deinen Sherrybomben-Whiskies steht :D

Bei mir ist es tatsächlich aktuell eher anders herum. Bei Tee begeistern mich momentan besonders die schweren, dunkel-fruchtigen Aromen. Bei Whisky bin ich auf dem Ex-Bourbon Trip und erfreue mich besonders an den subtileren Noten des Destillats.

 

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Essence of Tea is back!

Die meisten werden es sicherlich schon gesehen haben, aber nach dem Flopp 2019 hat Essence of Tea dieses Jahr wieder ein schönes Lineup an interessanten Shengs (und nicht nur komische, uninspirerte Blends) herausgebracht, daher dachte ich, ich geb ihnen nochmals eine Chance und hab ein Paket Samples geordert - zu diesem Anlass ein double Post (und weil ich gestern irgendwie nicht mehr zu einem Post gekommen bin) 🙂

 

2020 Jinggu Forest

Der Tee stammt von wild wachsenden Bäumen, die zwar nicht alt sind (also letzlich Xiaoshu Sheng) aber eine saubere Umgebung haben - ein Faktor, der dieses Jahr interessanterweise nicht nur von David sondern auch von Tiago (Tea Encounter) betont wird (im Gegensatz zu dem sonst gewohntem Fokus auf Gushu). Das empfinde ich als sehr positiv, denn das ist schon seit Jahren der Fokus von Peter (pu-erh.sk) (auch wenn er klar primär auf Gushu setzt - die Xiaoshu Shengs sind deutlich in der Unterzahl) und macht sich meiner Meinung nach auch bezahlt: Ein Teebaum kann noch so alt sein, wenn er in einem einbetonierten Seuchen-Loch wächst/stirbt ist das alter letztlich egal und wenn man lange genug in sich hinein hört und lernt, was Tee mit einem macht, stellt man irgendwann auch fest, dass es durchaus auch mehr oder weniger subtile negative Reaktionen gibt. Was genau diese letztlich verursacht ist natürlich schwer zu sagen, aber die komplette Abwesenheit davon in Peters Tees ist ein deutlicher Hinweis.
Aber zurück zum Tee: Stark dosiert haben die ersten Aufgüsse eine fast schon schneidend scharfe Bitterkeit (verstärkt durch eine gut harmonierende Adstringenz), die ich irgendwie mit Jinggu assoziiere (da eine andere Bitterkeit als die samtige Bulang-Bitterkeit), auch wenn ich genau so viele Jinggu-Tees hatte, die keine ausgeprägte Bitterkeit hatten. Dadurch hat der Tee auch einen sehr schön frischen, lang anhaltenden Nachhall, was mit zusammen ausgesprochen gut gefällt, obwohl der Körper etwas dünn ist und da Xiaoshu Material erwartungsgemäß nicht viel Qi vorhanden ist. Etwas Abzug gibt es jedoch, da das Level nur für 3 Aufgüsse gehalten werden kann - anschließend wird er deutlich milder, entwickelt sich geschmacklich aber immerhin durch eine florale Süße weiter. Insgesamt auf jeden Fall ein sehr ordentlicher Tee zu einem absolut fairen Preis - als günstigster EoT-Sheng dieses Jahr ein toller Auftakt!

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2020 Lao Jie Zi GaoGan

Lao Jie Zi (老街子) scheint wohl ein Stück Land im Yiwu Staatswald (also Guoyoulin (国有林)) zu sein, allerdings ist mir die Bedeutung nicht ganz klar: 老街 bedeutet Vietnam oder Burma/Myanmar und 子 kann entweder Sohn bedeuten oder einfach ein Affix sein (je nach Betonung, daher momentan nicht zu bestimmen) - Yiwu liegt ja in diesem südlichen Zipfel von Xishuangbanna und somit quasi zwischen Myanmar und Vietnam (auch wenn technisch gesehen noch ein Stück Laos dazwischen ist) - ist das nun ein Hinweis auf die geographische Lage oder wenn man Zi mit Sohn übersetzt evtl. ein Hinweis auf Vorfahren aus Myanmar oder Vietnam? Das sind nur die unqualifizierten Rateversuche von einem Nicht-Chinesisch-Könner - wenn jemand mehr weiß gerne melden!
Zum Tee: Wie schon gesagt stammt der Tee aus einem staatlichen Wald und hat dazu noch die Besonderheit, dass es sich hier um Material von "großen Bäumen" (nicht mit Dashu zu verwechseln, wörtlich bedeutet 高杆 "high pole" - damit sind die dünnen hohen Bäume im Wald gemeint, die nur ganz oben Blätter haben und daher entsprechend schwierig zu ernten sind - wie z.B. auch der Lao Mansa von prSK) und erinnert mich im ersten Moment an den tollen 2017er Yiwu Guoyoulin, da der Tee initial auch eher zurückhaltend ist was den Geschmack betrifft: eine ätherisch-zarte Bitterkeit, die mich an frische Limetten erinnert und trotzdem merkt man dem Tee schon an wie stark er ist, wenn man nur den Aufguss ansieht - entsprechend butterweich und voll ist auch die Textur. Allerdings legt der Tee deutlich schneller und mehr an Geschmack zu als die 2017er Version (damals - muss ich dringend mal wieder die Notiz aktualisieren, da hat sich viel getan!) so dass die geschmackliche Reise einen weiten Weg hin zu einem wirklich vollen, Yiwu-typisch süßem Tee zurücklegt. Das spannendste ist bei dem Tee aber trotzdem das Qi: es schleicht sich nicht langsam ein wie bei dem 2017er sondern bereits ab dem ersten Schälchen vibriert der ganze Körper förmlich vor Energie, jedoch ohne dass das irgendwie aufgeregt oder rastlos wirkt sondern immer noch entspannt. Zwar nicht so tiefen-Entspannt wie bei dem (bislang ungeschlagenen) 2019er Rareness 5 von prSK aber auf einem ähnlichen Energielevel. Ein wirklich toller Tee, der die Messlatte für alle weiteren 2020er Shengs sehr hoch legt - allerdings handelt es sich hier auch um das andere Extrem des EoT-Preisspektrums: Ein Sample des Tees kostet mehr als ein Bing des Jinggus von gestern.
Zu schade, dass EoT nach China umgezogen sind - auf Grund der völlig sinnlosen Gesetzgebung in Deutschland im Bezug auf Tee aus China kommt eine Bestellung von mehr als einem Sample für mich leider nicht mehr in Frage - ansonsten würde ich bei diesem Tee sofort zuschlagen! Ich bin gespannt, wie sich der Tian Men Shan im Vergleich dazu schlägt - über den hat Matt kürzlich berichtet und war von dessen Qi auch schwer angetan.

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Danke @doumer
für den ausführlichen und interessanten Bericht! Schön zu sehen, dass EoT noch nicht ganz weg sind... die meisten der neuen Tees sind mir dennoch recht teuer. Nur zwei pinke Sub-100€ Tees bislang. Aber gut zu sehen, dass diese überzeugen.

Bei mir gibts heut zum letzten Mal Lucky Bee im Sand, ab morgen bin ich wieder bei den Tees zuhause.

Kann auf jeden Fall sagen, dass es ein schöner, wertiger Sheng ist mit gut Ausdauer, der mir selbst als täglicher Frühstückstee nicht langweilig wurde.

 

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bearbeitet von miig

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        WO
      C*SPACE in der Langhansstraße 86, 13086 Berlin


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      Je nach Wetter, wird die TEA TIME 下午茶 im Hof oder in den wunderschönen Innenräumen stattfinden. Dort gibt es auch das kalligraphische Raum-Kunstwerk “Common Space - Everything Flows 一切支流 “ des Künstlers QIANG Geng zu bestaunen, das im Corona Lock Down entstanden ist. Wer Muse hat, kann beim Tee auch tiefer in die chinesische Philosophie - das "Buch der 1000 Zeichen” oder daoistische Poesie - eintauchen, auf die der Künstler sich bezieht. 
          
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      Schon über die Mitte von 70 komme ich so einigermaßen mit dem Forum zurecht. Das stöbern macht mir großen Spaß.
      Bitte lasst mich Neutral am Forum teilnehmen. Viel probiere ich aus dem hier dargestellten aus. Wunderbar.
      In diesen Sinne freundliche Grüße 
      Rainer
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