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OSTFRIESENTEE – DAS UNBEKANNTE GLÜCK

Wer kennt es nicht, das ängstliche Flackern im Auge des Kunden oder des Freundes wenn man seine Gong Fu Cha Ausrüstung aufbaut; einen Bing oder einen Tuo Cha auspackt und mit dem spitzen Pu-erh Messer den Tee zerlegt. Spätestens wenn man die Tetsubin aufs offene Holzkohlenfeuer stellt verlassen die Freunde oder Kunden fluchartig den Raum – meist mit der Bemerkung, dass ihnen gerade einfalle, dass ihre Mutter…. oder die Erbtante ganz plötzlich…. und das Auto im absoluten Halteverbot…

Also trinkt man mal wieder alleine seinen Pu-erh und sinnt den Zeiten nach, als die Altvorderen gemeinsam in der Höhle um das Lagerfeuer saßen und ihren Kräuteraufguß aus einer gemeinsamen Schüssel tranken.

Aber wie schrieb Hölderlin in seinem Gedicht Heimkunft: Was Du suchest es ist nahe, …

( übrigens kann man sich das Gedicht von Heidegger (!) vorlesen lassen: https://www.youtube.com/watch?v=4zRTV6gDh3k )

 

Ganz Deutschland einig Kaffeetrinkerland?

Nein!

Einige von unbeugsamen Ostfriesen bevölkerte Dörfer hören nicht auf diesem Wahnsinn Widerstand zu leisten und trinken gemeinsam (!) TEE.

Denn Tee ist ein kommunikatives Getränk; wie hübsch mit Freunden Tee zu trinken und zu plaudern, die Zeit vergeht und die Welt kann einem den Buckel runterrutschen. Natürlich ist Tee auch ein meditatives Getränk ( Die Damen und Herren von Global Tea Hut führen es vor ), aber zuviel Meditation kann auf das Wohlbefinden schlagen.

Für unseren Ausflug in die Welt des Ostfriesentees braucht es erstmal das entsprechende Teegeschirr (keine Angst auf ebay Kleinanzeigen bekommt man ein Service für vier -  sechs Personen für ein Drittel einer preiswerten Yixingkanne !!), einen Rahmlöffel, eine Kluntjezange, Sahne, ein Rosinenweißbrot, Butter und Tee.

Ich empfehle zum Anfang den Broken Silber von Thiele. https://www.thiele-tee.de/shop/tee/ostfriesentee/

In loser Folge werde ich über die Geschichte des Ostfriesentees, das Porzellan und die ostfriesische Teezeremonie berichten. (auf dem Bild übrigens mein Teegeschirr Ostfriesenrose

 

 

SAM_3449.JPG

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vor 23 Stunden schrieb KlausO:

@Paul , ich habe ja schon ostfriesische Teezeremonien in Norddeutschland gemacht und es war ja jedesmal toll. Aber was ist mit dir ? ein Sinneswandel, eine Neuorientierung.

Keine Angst @KlausO ich bleib Dir erhalten und vielleicht ist es ganz interessant nicht immer nur in die Ferne zu schauen, sondern auch mal vor die eigenen Füße.

Oftmals liegt da Überraschendes!

:)

 

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Hallo Paul, 

schön, dass du das hier anstößt. Wolfgang Peters' Buch "Diese wunderbare Bitterkeit" hat mir die ostfriesische Teezubereitung schmackhaft gemacht. 

Dazu eine Frage: Laut "Ostfriesenrecht" stehen jedem Teilnehmer einer Runde ja drei Tassen Tee zu. Wird der Tee dafür ein zweites und drittes Mal aufgegossen, oder wird von Anfang an die Anzahl der Teilnehmer mal drei genommen und die dementsprechende Menge Tee zubereitet? 

Letzteres benötigte bei einer Anzahl von fünf Personen eine bzw. zwei Kannen (wegen Umgießen) von ca. 2 Litern (vorausgesetzt die Ostfriesentasse mit ihren 120 ml). Solche Größen sehe ich auf ebay aber gar nicht. Zumindest nicht bei einem einheitlichen Service. 

Bereitet man den Tee für jede Runde neu zu, braucht es mit erneutem Kannewärmen etc. viel Zeit.

 

 

Edited by Golden Hill
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@Golden Hill Diese drei Tassen sind das Minimum das einer/eine/eines trinkt. Falls Du dort oben "nur ein Tässchen bitte" sagst fällst Du der sozialen Achtung anheim - kein Spaß.

Meine Kanne liefert ca 9 Tassen; d. h. bei insgesamt drei Teilnehmern komm ich einmal hin. Hab ich mehr Teilnehmer oder anständige Teetrinker koch ich einfach nochmal oder nehme eine große Kanne.

Die ostfriesische Teezeremonie ist eigentlich eine verkappt Samowargeschichte. d. h. Du brauchst eigentlich nur eine kleinere Kanne in der machst Du einen sehr starken Aufguß und davon gießt Du etwas in die Tasse und je nach persönlichem Geschmack Wasser dazu. Traditionell braucht es dazu kein Teestövchen; die Puristen halten ihren Teesud in der Teekanne warm indem sie diese auf den Wasserkessel setzen und mit dem Dampf den Sud warmhalten. Auf die Art hast Du leicht die Möglichkeit 10 Leute über das "Friesenrecht" hinaus mit Tee zu versorgen - falls Dir das Wasser nicht ausgeht :)

Was benutzt Du für einen Tee?

Ich hab bei der Samowarmethode gute Erfahrungen mit der Alt-Ostfriesischen Mischung von Thiele gemacht, aber der Broken Altgold geht genauso gut.

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@Paul Danke für die gute Erklärung. Ich war selbst bislang weder an einer ostfriesischen Teezeremonie noch an einer Runde um den Samowar dabei. Natürlich hab ich aber schon öfter den türkischen Schwarztee aus der Caydanlık getrunken. 

Das Prinzip leuchtet mir jetzt ein.

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