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2016 EoT Yiwu Guoyoulin Long Process vs. 2017 EoT Yiwu Guoyoulin – oder: Was könnte "Long Process" ausmachen?

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Wir haben auf der diesjährigen Teezui u.a. diese beiden Tees in zwei Duchek-Schieferkännchen gegeneinander antreten lassen, um diesem "Long Process" auf die Spur zu kommen. Laut David stammen beide Tees aus dem selben Garten bei Leng Shui He, beides ein Frühjahrstee und "Long Process" definiert er als einen länger dauernden Kill-the-Green Prozess bei niedriger Temperatur. Er wurde von einem Freund vor Ort auf diese Verarbeitungsmethode aufmerksam gemacht, der folgendes sagte: "Yancha and Liubao both have heat in the processing that transforms the tea and makes it more vibrant and light, splashing up in the back of the palate with the aroma emerging from the nasal cavity after swallowing." Zusammen haben Sie das dann ausprobiert und wir das Ergebnis probiert:

Bereits beim ersten Aufguss zeigt sich ein deutlicher Farbunterschied, der 2016er ist viel dunkler als der 2017er und das nasse Blatt gibt ein ganz anderes Aroma ab, als der 2017er. Auch geschmacklich zeigen sich bereits deutliche Unterschiede: der 2017er ist geschmacklich zwar sehr dezent, zeigt aber schon beim ersten Schluck sehr viel subtile Kraft, die direkt in den eigenen Körper übergeht. Der 2016er hat auch diese Kraft, allerdings weit weniger dezent – eine sehr schwere, etwas an Hongchas erinnernde Süße (aber ohne Malzigkeit wie es bei "rot" produzierten Shengs der Fall ist) und leichte Würze ist direkt vorhanden. Das Qi lässt sich natürlich nur schwer bei solchen Parallelverkostungen beurteilen, ich würde aber schätzen dass beide da gleichauf sind. Während den weiteren Aufgüssen kommt der 2017er was den Geschmack angeht deutlich später in Fahrt während der 2016er schnell zunimmt, dafür aber auch etwas früher wieder nachlässt – insgesamt aber immer deutlich kräftigere und ganz andere Geschmacksnoten bietet als der 2017er. Vor allem fällt aber auf, dass der 2016er sehr viel älter wirkt, als "nur" 1 Jahr mehr – blind verkostet hätte ich ihn locker auf 4-6 Jahre geschätzt. David schreibt dazu aber auch "the tea has aged more than expected in the past year", was ich zwar erst im Nachhinein gesehen habe, sich aber voll und ganz mit unseren Beobachtungen deckt. Super spannend wäre natürlich wenn beide Tees aus dem selben Jahr wären, da ich den 2017er direkt beim erscheinen gekauft habe und er daher 1 Jahr EU-Lagerung hinter sich hat, während der 2016er 2 Jahre Malaysia-Lagerung hinter sich hat, was zumindest bei etwas mehr Jahren einen sehr deutlichen Unterschied macht, wie der Parallelverlgeich des 2012er Bulangs von EoT gezeigt hat – dennoch ist der Unterschied zu groß, als dass man das Gefühlte Alter nur auf die unterschiedliche Lagerung und 1 Jahr älter zurückführen kann (zumindest ist das die Vermutung, denn selbst wenn der Tee aus dem selben Garten stammt kann es natürlich bei unterschiedlichen Ernten unterschiedliche Ergebnisse geben).

Zusammengefasst lässt sich Folgende Vermutung äußern (denn mehr ist bei einem Vergleich mit nur 2 Tees nicht möglich): "Long Process" macht den Tee schwerer und älter – auf jeden Fall anders. Es sind beides großartige Tees, die zwar einen hohen Preis haben, dem aber auch gerecht werden.

Über weitere Anmerkungen und andere Sichtweisen der werten Mittrinker würde ich mich auf jeden Fall sehr freuen – auch wenn sonst jemand mehr Infos zu dem Thema "Long Process" hat oder an anderer Stelle schon einmal darüber gestolpert ist. :)

IMG_20180714_104701.thumb.jpg.9b59de45ddd921374455ed89493beda2.jpg

sehr früher Aufguss, links der 2016er Long Process, rechts der 2017er
(wie man sieht haben wir sogar vorbildlich mit einer Waage gearbeitet)

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Geschrieben (bearbeitet)

Als Teilnehmer diese sehr interessanten Verkostung möchte ich es nicht verabsäumen meine Eindrücke zu schildern: Beide Tees habe ich auf dieser Teezui zum ersten mal getrunken und war sehr verblüfft über die Kraft/Qi des 2017 er Guoyoulin. Kein Magengrummeln wie bei schlechten jungen Shengs, sondern nur einfach Kraft und Qi!

Der 2016 er dagegen, signifikant dunkler in der Tasse und älter. Wie @doumeroben schreibt schmeckt er wie ein 4-6 Jahre gereifter Sheng. Ob das nun an dem Long Process liegt, an dem einen Jahr Unterschied, oder an dem anderen Lagerungsort kann man letztendlich nicht sagen; aber solche  Vergleiche sind schon spannend.

Mitgetrunken hat auch der "alte Hase" @Tobias82 und  @Frau Mahlzahn

Kratzfußenden Dank für sei ausdrücklich @doumerabgestattet für sein obiges Ausführliches und das hervorragende Photo (sowas machen die jungen Leute heute mit ihrem Telephon!)

bearbeitet von Paul

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@doumer & @Paul : Sehr gut beschrieben und sehr hilfreich für Anfänger wie mich. Ich kann das bei Weitem noch nicht so gut erfassen oder gar zusammenfassen, bin jedoch sehr dankbar für das Beisitzen dürfen ... ich arbeite an meiner Teeerfahrung und füttere sie begeistert mit Tee aller Art - es hilft, wenn andere ihre Erfahrung mitteilen, so kann ich meine eigenen Geschmackserlebnisse besser einordnen.

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    • Von Menelaos
      Hallo zusammen,
      in den letzten Wochen haben sich bei mir einige Shengs stapelweise angehäuft. Doppelte oder mir ungefällige sollen nun den Besitzer wechseln, damit ich mich mehr auf die Tees konzentrieren kann, die ich hier noch habe. In letzter Zeit war es mehr ein Querbeettrinken, ohne den einzelnen Tees wirkliche Beachtung zu schenken. Die Tees wurden nach Erhalt alle für 3 Tage zum Lüften gelegt und danach im Druckverschlussbeutel gelagert.
       
      Von EoT gebe ich ab:
      - 2012er QiShengGu 400g Cake minus 20g - 65€
      - 2017er Jingdong Wild 400g Cake minus 20g - 50€
      - 2017er Kunlu Wild 200g Cake minus 10g - 35€
       
      Von Cha-Shifu gebe ich ab:
      - 2018er Padian Dashu 100g Cake minus 10g - 25€
      - 2012er Feng Guan 100g Cake "OVP" - 25€
       
      Von Chawangshop gebe ich ab:
      - 2016er Hekai Gushu 200g Cake minus 40g - 20€
      - 2015er Bada Old Tree Xiao 200g Cake minus 40g - 10€
      - 2016er Yibang Manguishan Xiao 200g Cake minus 10g - 30€
       
      Falls Fragen zu einzelnen Tees bestehen, schreibt gern hier rein. Dann weiß es die Allgemeinheit



    • Von VanFersen
      Vor allem in letzter Zeit tendiere ich sehr zu alten und etwas feuchter gelagerten Shengs. Mir haben es sehr loose Leaf (nicht gepresste) seit geraumer Zeit angetan. Besonders bei jenen Sorten aus den 90ern und älter fällt mir eine sehr intensive Wirkung auf den Körper auf, die Teilweise leicht unangenehm sein kann, je nach dem was man aus der Situation macht.
      Vor einer Woche nach er Arbeit tranken mein Chef, mein Kollege, meine Frau und ich einen 1996 Yiwu loose Leaf. Mir viel im ersten Moment kaum etwas auf, aber nach dem wir uns auf den Heimweg machten, fühlte ich mich, als hätte ich zwei Bier intus. Bei meiner Frau wirkte es sich eher in Magenschmerzen aus, was bei mir wiederum überhaupt nicht der Fall war. Auch beim meinem Kollegen hatte es die selbe Wirkung wie bei mir.
      Heute gerade in diesem Moment trinke ich einen 1999 loose Leaf Sheng - welcher ebenfalls eher der alten Garde was die Lagerung anbelangt zu zuschreiben ist - so auch der andere aus den 1996. Was diese Sorten, vor allem aus HK Lagerung alle gemein haben, ist eine wirklich Funky seltsame Wirkung auf den Körper.
      Ich trinke gerade den 6ten Aufguss und im Moment geht es wir sehr sehr seltsam. Es fühlt sich gerade so an, als würde der Tee einem richtig in den Kopf steigen und sich eine Art Druck auf den Kopf ausüben - dazu ist erneut ein Gefühl von leichtem Schwindel - Benommenheit wie bei einem leichten Schwips zu vermerken. Auch ein Gefühle der Trockenheit im Hals und ein leichten sich zuziehen jenem ist zu vermerken. Ich habe nichts gegen diese Umstände, sonst würde ich diese Sorten nicht trinken , aber mich fasziniert was dahinter steckt.
      Ich kann mir nur vorstellen, das Toxine oder Arten von Pilzen in dem Blattwerk jene Wirkungen hervorrufen. Denn, dass es der Tee als solches selbst ist, wage ich eher zu bezweifeln. Sicher wurde nun all dies ein Teil des Gesamtprodukts, aber ich denke nicht das diese Wirkung primär ein Bestandteil des eigentlichen Tees ist.
      Was denkt ihr? Was waren eure Beobachtungen im Bezug auf eure körperliche Reaktion und was denkt ihr ruft solche Gegenreaktionen hervor?
    • Von Tobias82
      Hallo zusammen,
      da ja manche Verkostungen eher etwas knapp ausfallen in letzter Zeit und man auch den meisten Tees mit 10 Zeilen im "welcher Tee ist heute in der Tasse"-Faden
      nicht wirklich gerecht wird, bzw. man die Thematik nur kurz anreißen, wollte ich mal wieder einen besonderen Tee etwas ausführlicher besprechen. Ohne lange
      zu überlegen, bzw. einen speziellen Tee des letzten halben Jahres heraus suchen zu müssen, nehme ich einfach mal den Kuchen, den ich in letzter Zeit öfter, aber 
      gerade die letzten 2 Tage gebrüht habe.
      Ich hoffe, über mehrere Posts mal einen etwas allgemeineren, aber auch weiteren Eindruck dieses Tees zu schilder, und auch 2-3 Punkte zu benennen, die beim Brühen
      von relativ jungem Sheng auffallen, bzw die ich auch über die letzte Zeit zu lösen versucht habe. Aber um nicht gleich mit Kritik oder Lob zu beginnen, wollte ich einfach 
      mal anhand von ein paar Bildern die Hardware, also den Kuchen und die Blätter ohne Geschmack und Aromen zu beschreiben.
      Generell ist halt interessant, dass die heutigen Tees oft vom Äußeren her schon gut aussehen, das vor Jahren noch vorherrschende Gebrösel und die vielen kaputten Blatt-
      fragmente findet man in den jüngeren Pressungen nicht mehr so häufig. Auch die günstigsten "daily-drinker" bei w2t sehen zumindest optisch schon immer ganz gut aus.

      Von daher stellt sich schon die Frage, was hat sich verändert, bzw. worin liegt denn der tatsächliche Unterschied zwischen einem 30$ Kuchen und einem für 100$?
      Gerade aus diesem Grund wollte ich mir den Bulang, wie oben beschrieben mal etwas genauer ansehen. Denn für den sehr vielversprechenden Namen sind ja die
      55 Franken schon fast ein Schnäppchen, bzw. man fragt sich, geht da noch viel mehr, bzw. auch "muss da noch viel mehr"? Gerade wenn man sich den Kuchen mal 
      genauer an schaut...
       
      Vom Aussehen her mittlerweile fast schon Standart, übliche schlichte Verpackung von "western-style-pu´erh",
      aber auch ansprechend, da auf knallige Farben und übertrieben Grafiken verzichtet wurde
       
       
      Der Tee wurde natürlich schon 2-3 mal "angenagt", aber es sind tatsächlich sehr hübsche Blätter außen verarbeitet,
      aber auch relativ potentes Material mit viel weißem Flaum kommt zum Vorschein. Ob das eine Seriennummer, oder
      Pressnummer auf dem kleinen Bild daneben ist?
       

      kleine Detailaufnahme des Ausschnittes von oben... meine Kamera ist wirklich nicht die beste, aber man sieht, dass
      ganze Blätter verarbeitet wurden und auch die losen Stücke aus ganzem Blatt bestehen.
       
          
      weitere Details des verwendeten Blattmaterials
       
      Man schreibt ja nicht über einen Tee, der einem nicht gefällt, bzw. den man nicht grundsätzlich trinkt, bzw auch mag, von daher hoffe ich, dass die etwas
      eingefärbten Kommentare nicht gleich als unlauterer Wettbewerb gesehen werden, zumal der Tee auch schon wieder mindestens drei Monate bei mir zu
      Hause liegt. Mit den Bildern wollte ich den Teil abarbeiten, den man auch bringen muss, wenn man später ins Detail gehen will.
      Neben verschiedenen Aufgußgefäßen und Temperaturen, geht es mir im Moment besonders darum, die unterschwellige Herbe von jungem Sheng abfangen
      zu können. Denn neben der sehr moderaten Bitterkeit, die man bei einem Bulang schon erwartet, kam anfangs ganz schön viel Herbe dazu, die anscheinend
      aus dem noch sehr jungen, grünen Blatt kommt und nichts mit der typischen Bitterkeit von Sheng zu tun hat. Scheint tatsächlich so, als ob viele Stoffe tatsächlich
      noch chemisch umgewandelt werden müssen und sich später zu den Alterungsaromen entwickeln.
      Jedenfalls stört diese Herbe schon, wenn man relativ filigranen und leichten Sheng trinkt, gerade wenn es um da berühmte Mouth-Feeling geht. Wenn einem
      dann die Herbe sehr dominant auf der Zunge liegt, stört das den weiteren Verlauf der Session schon und gerade das war der Punkt, an dem ich ansetzen und
      arbeiten wollte, bzw. was kann man durch veränderte Aufgussparameter wirklich noch raus holen. Soviel vorweg, es hat tatsächlich funktioniert! Was mich selbst
      freut und zeigt, dass man mit Tee wirklich arbeiten kann.
      Details zu einer einzelnen Session, bzw. konkrete Brühtechnik wollte ich später mal beschreiben...
      Hoffe, dass ist nicht zu viel auf einmal. Wollte den Cake mal kurz umreißen und dann von Tag zu Tag ein bisschen was schreiben...
      Bis dann!  
       
    • Von doumer
      Nach einem Post des Bloggers Matt bin ich auf diesen Shop gestoßen.
      Was mir dabei sehr gefällt: Das ist eine Kooperation mit Mr. Zheng, dem Gründer von Zheng Si Long, genau der Kerl, der in den Begleitvideos zu dem Buch "Puer Tea: Ancient Caravans and Urban Chic" vorkommt und von dem Peter von pu-erh.sk auch 3 richtig schöne 2009er Shengs im Angebot hatte
      Hier der Link: https://www.tea-encounter.com/
      Ich hab mal einen Rundumschlag gemacht und werde bei Gelegenheit berichten
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