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Hallo liebe TeeTalk-Community,

nachdem ich in letzter Zeit viel mit Aufgüssen experimentiert habe und über den Kaltaufguss erstaunlich wenige Infos finde, erlaube ich mir mal wieder euer reiches Wissen anzuzapfen. Als ich das erste Mal einen Sencha-Kaltaufguss probiert habe, war ich total überwältigt (4,5 Gramm auf 150 ml / Minuten Ziehzeit). Das war genau der Geschmack, den ich immer wieder versucht hab,  in warm hinzubekommen. Leider ist mir das nur sehr selten gelungen. Eigentlich kannte ich diese Intensität nur von einem Gyokuru: süß-suppig-sahnig würde ich das Ganze mal beschreiben (Unami??). Gleichzeitig habe ich mich gefragt, warum diese Zubereitungsart - zumindest in meiner Wahrnehmung - eher eine Randerscheinung ist und auch hier wenig diskutiert wird. Den einzigen Nachteil den ich erkenne, ist, dass der Tee halt kalt ist und man vielleicht etwas warmes trinken möchte 😬.

Was ist eure Meinung dazu? Ist der Kaltaufguss ein fester Bestandteil in eurem Teealltag? Vermisst ihr aufgrund des starken Geschmacks vielleicht bestimmte Nuancen beim Kaltaufguss? Weiterhin würde es mich interessieren, ob diese Art der Zubereitung in Japan eine längere Tradition hat bzw. auch dort eher eine Randerscheinung ist? Ein großer Vorteil für mich ist auch, dass offensichtlich weniger Teein gelöst wird. Zumindest macht der Tee mich lange nicht so nervös, wie bei der traditionellen Zubereitung. In diesem Zusammenhang wäre es auch interessant zu wissen, ob ein Kaltaufguss auch gesundheitliche Vorzüge hat (auch wenn das nicht der Grund ist, warum ich Tee trinke).

Das tollste wäre natürlich, wenn man den Tee in dieser Form auch warm hinbekommen würde. Aber man kann ihn ja schlecht danach in die Mikrowelle stellen ... 😄.

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Geschrieben (bearbeitet)

hallo nick,

ja, so ein Kaltaufguss kann nochmal ein ganz anderes Erleben eines Tees sein

vor 3 Stunden schrieb nick:

Eigentlich kannte ich diese Intensität nur von einem Gyokuru: süß-suppig-sahnig würde ich das Ganze mal beschreiben (Unami??)

ja, klingt ganz nach umami. Gyokuro enthält viel umami wegen der Beschattung, aber auch in anderen Tees ist es drin. Je heißer die Temperatur, desto stärker wird es durch andere Aromen überdeckt. deswegen wird Gyokuro auch recht kühl aufgegossen. Wenn du jetzt andere Sencha oder Grüntees kalt aufgießt, holst du auch da eher das umami raus. wieso, weshalb, warum kannst du u.a. hier nachlesen:

https://www.teetalk.de/forums/topic/6969-wissenschaftl-cold-brew-methode-f%C3%BCr-gr%C3%BCne-tees-in-bezug-auf-theanin/

Neben Koffein, welches sich in kaltem Wasser nicht so gut löst (hast du ja selbst gemerkt), wird Vitamin C so auch nicht durch heißes Wasser zerstört. Die Polyphenole dagegen sind eher löslich in heißem Wasser. ich lass mal im Raum stehen, inwiefern das gesundheitlich beiträgt, aber möchte es angeführt haben, weil du danach gefragt hast.

 

vor 3 Stunden schrieb nick:

Was ist eure Meinung dazu? Ist der Kaltaufguss ein fester Bestandteil in eurem Teealltag?

Auch wenn mir Kaltaufgüsse grundsätzlich schmecken, sei es im Kühlschrank ziehen lassen, oder Eiswürfel darüber schmelzen lassen (mizudashi und koridashi) gehört es nicht zu meinem Alltag. Ich mag Tees eher warm/heiß. Ich mach lediglich aus günstigeren Grün- und Schwarztees mal einen Eistee, also Tee kalt ziehenlassen (oder heiß und dann schnell abkühlen) und mit Säften usw. mischen.

bearbeitet von goza

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Neben dem von @KlausO erwähnten Aspekt, den ich definitiv teile, spielt für mich die Zubereitung selbst eine Rolle, warum Kaltaufgüsse eine untergeordnete Rolle spielen. Ich mein damit, dass (nicht nur) beim Tee der Weg eine große Rolle spielt und mindestens Teil des Ziels ist.

Um es zuzuspitzen: Einfach nur Teeblätter in irgendein Gefäß, kaltes Wasser drauf und ziehen lassen, nutze ich um ein Getränk mit Geschmack zur Flüssigkeitsaufnahme zu bekommen. Es hat für mich weniger Reiz als das Wasser gemütlich im Kessel auf die richtige Temperatur zu bringen, mit ausgewähltem Zubehör mehrere Aufgüsse hintereinander zu machen, mit jeweils unterschiedlichen Nuancen im Geschmack, und den komplexeren Prozess als Ganzes zu genießen.

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Wohl war, alleine mir fehlt das Erlebnis der Zubereitung. Und das macht für mich schon etwas aus. Einem Kaltaufguss zuzuschauen ist nicht halb so spannend, wie sich Aufguss für Aufguss aktiv mit einem "Heißwasser-" Tee zu beschäftigen ;)

Mein Favorit für Kaltaufgüsse sind nebenbei bemerkt grünere Wulong. Die gefallen mir im Sommer so sehr gut.

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vor 2 Stunden schrieb nemo:

Wohl war, alleine mir fehlt das Erlebnis der Zubereitung.

Mir nicht nur das. Es ist, bedingt durch die niedrige Temperatur, halt nur ein Teilauszug. So sehr ich an einem heißen Sommertag einen Kaltaufguss zu schätzen weiss - einen wirklich hochwertigen Grüntee dafür zu nehmen, wäre in meinen Augen ein Sakrileg. Der Tee ist dann kastriert  - wobei der Ochse ja bekanntlich als verträglicher gilt als der Stier ...

Olé!

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Ich mag Kaltaufgüsse als Aperitif in Weingläsern serviert. Kommt auch bei Tee Skeptikern gut an und sieht schick aus. Ansonsten bevorzuge ich aber klar Heissaufgüsse.

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